Autorenname: Ron

Die Natur als Schattengötze

Johannes Calvin (Institutio, I,5,4–I,5,5):

Ja, heute trägt die Erde viele wüste Geister, die sich nicht scheuen, den ganzen Samen der Gottheit, der in die menschliche Natur gestreut worden ist, zur Vertilgung des Namens Gottes zu benutzen. […] Durch große Lob­preisungen der Natur unterdrücken sie dann, soviel sie vermögen, den Namen Gottes. […] Es ist nichts anderes, als daß man sich einen Schattengötzen macht, um nur ja den wahren Gott, den wir fürchten und dem wir dienen sollen, möglichst gründlich loszuwerden.

Der säkulare Missionsbefehl

Tim Keller hat kürzlich darüber gesprochen, dass wir an einem Punkt angekommen sind, an dem die Gegenwartskultur darum bemüht ist, die Christen für den Säkularismus  zu evangelisieren. Christian Post schreibt: 

In einer Diskussion mit dem Moderator und Gründer von Q Ideas, Gabe Lyons, warnte Keller am Mittwoch, dass die säkulare Kultur in Amerika jetzt an einem Punkt angelangt sei, an dem „die einzige Sünde darin besteht, den Menschen zu sagen, dass sie sündigen“, und der traditionelle protestantische Katechismus müsse christliche Kinder besser darauf vorbereiten, in einer Welt aufzuwachsen, in der sie ständig mit dem neuen säkularen Evangelium in den sozialen Medien bombardiert werden.

„Grob gesagt hat jede andere Kultur immer gelehrt, dass die Wahrheit etwas außerhalb von mir ist, es könnte die Familie sein, Gott, der für mein Land stirbt; und um eine Person von Ehre und Wert, von Authentizität zu sein, musste man diese Wahrheit finden und seine Gefühle mit der Wahrheit in Einklang bringen. Jetzt versteht man, dass die Wahrheit in dir steckt. Du gehst hinein, um die großen Tiefen zu finden, und dann kommst du heraus und sagst allen anderen, dass du mir jetzt entgegenkommen musst“, sagte Keller. „Das bedeutet, dass wir die erste Kultur sind, die nicht nur nicht glaubt, dass es hier draussen eine Wahrheit gibt, es ist alles subjektiv. Es ist auch die erste Kultur, die nicht nur glaubt, dass die Christen falsch liegen, sondern dass sie das Problem sind“, erklärte er.

Die moderne säkulare Kultur, so Keller, sei jetzt an dem Punkt angelangt, an dem die Menschen glauben, dass sie von der Vorstellung gerettet werden müssten, dass sie die Erlösung durch Gott bräuchten. Und damit dies geschehen und ihre Art der Errettung verwirklicht werden könne, müssten die Christen evangelisiert werden.

Hier der Bericht von Christian Post: www.christianpost.com. Hilfreich ist zudem eine Analyse, die William Lane Craig zu der Einschätzung Keller veröffentlicht hat.

Der Realismus kehrt zurück

Auch der Soziologe Wolfgang Sofsky erkennt eine (notwendige) Rückkehr des Realismus und macht Mut, den allgegenwärtigen Konstruktivismus zu hinterfragen (vgl. hier):

Zu den dümmlichsten Ideen der Gegenwart gehört die Vorstellung, es gebe überhaupt keine Tatsachen und Wahrheiten, sondern nur Meinungen, standortgebundene Vorurteile, relative Konstruktionen. Die Wirklichkeit verschwindet hinter einem Gewölk von Bildern und Vorstellungen. Sogar die blutende Wunde, die beim Anrennen des Kopfes gegen Eisenbeton entsteht, sei zuletzt nur eine Konstruktion. Dabei spürt der Verletzte nur zu gut, dass das Bild von der Wunde nicht die Wunde selbst ist.

Mehr in der NZZ: www.nzz.ch.

Solo, aber nicht allein

41MUuwKBFQL SX320 BO1 204 203 200Das Thema „Singlesein“ ist im Gemeindealltag nicht gerade ein aktuelles. Dabei sind in den meisten Gemeinden recht viele Leute betroffen. Schön, dass Tim und Kathy Keller sich mit diesem Thema immer wieder beschäftigt haben. Meine Kollegin Lilia Stromberger hat Ihr Buch Solo, aber nicht allein für Evangelium21 besprochen. Fazit:

Es stimmt, dass in christlichen Gemeinden Alleinstehende oft ihren Platz nicht finden. Deshalb ist dieses Buch auch für Nichtsingles zu empfehlen, um für das innere Erleben von Singles und für die Notwendigkeit vom familiären Miteinander in der Gemeinde sensibilisiert zu werden. „Solo, aber nicht allein“ gibt Perspektiven und hilft, Akzente im Singlesein zu setzen, gleichzeitig jedoch die Achtung vor der Ehe zu bewahren. Das Buch appelliert dazu, von den verschiedenen Lebenssituationen zu profitieren.

Mehr hier: www.evangelium21.net.

„Wir müssen den Abgrund sehen“

Francis Schaeffer schreibt in Gott ist keine Illusion (Wuppertal, 1984, S. 14–15):

Wir müssen den Abgrund sehen, in den der Mensch durch sein Denken geführt worden ist, nicht nur aus intellektuellem Interesse, sondern wegen seiner geistigen Tragweite. Der Christ soll dem Geist der Welt widerstehen. Doch wenn wir dieses sagen, müssen wir uns darüber im klaren sein, daß der Weltgeist nicht immer das gleiche Gewand trägt. So muß der Christ dem Geist der Welt in der Gestalt widerstehen, in welcher er ihm in seiner Generation begegnet. Andernfalls widersteht er dem Geist der Welt überhaupt nicht. Das trifft ganz besonders auf unsere Generation zu, denn die Kräfte, die uns jetzt entgegenstehen, zielen auf das Ganze. Die nachfolgenden, Martin Luther zugeschriebenen Worte gelten vielleicht unserer Generation mehr als je einer Generation zuvor:

Wenn ich mit lauter Stimme und klarer Auslegung alle Teile der Wahrheit Gottes verkündige, außer gerade dem einen kleinen Punkt, den die Welt und der Teufel eben in diesem Augenblick angreifen, dann bezeuge ich Christus überhaupt nicht, wie mutig ich auch Christus bekennen mag. Wo die Schlacht tobt, da wird die Treue des Kämpfers auf die Probe gestellt; und auf allen anderen Schlachtfeldern treu zu sein, ist für den Christen in diesem Augenblick nichts anderes als Flucht und Schande, wenn er in diesem Punkt nachgibt.

Auch wenn das Zitat mit sehr großer Wahrscheinlichkeit nicht von Luther stammt (vgl. dazu hier), bringt Francis Schaeffer mit dieser Aussage eine sehr bedeutsame Einsicht zielsicher auf den Punkt. Für unsere Generation gilt: Wenn wir die postmodernen Denkansätze, die unsere Kultur prägen, nicht durchschauen, werden wir uns dem Zeitgeist freiwillig ergeben. Da spielt es dann keine Rolle mehr, ob wir es merken oder nicht.

Why does God care who I sleep with? 

Joseph McMahon hat für Evangelium21 das Buch Why does God care who I sleep with? rezensiert. In dem Buch wagt Sam Allberry den Dialog mit der Kultur der sexuellen Freizügigkeit und votiert für eine biblische Sicht auf die menschliche Geschlechtlichkeit. 

Joseph McMahon schreibt: 

Allberry gelingt es nicht nur, die biblische Sicht auf das Thema Sexualität präzise auf den Punkt zu bringen – er wagt auch den Dialog mit der sexuellen Freizügigkeit unserer Zeit. Dabei zeigt er zwei Dinge auf: Sexuelle Freizügigkeit ist keine Erfindung der Neuzeit, sondern etwas, das es schon zur Zeit des Neuen Testaments gab. Und: Echte sexuelle Freizügigkeit existiert überhaupt nicht. Dieser Dialog stellt eine besondere Stärke seines Buches dar. Er bildet den Anknüpfungspunkt für jeden Leser und führt zur Beantwortung der Kernfrage: „Warum interessiert es Gott, mit wem ich schlafe?“

In seiner Auseinandersetzung mit der Sexualethik unserer Kultur widerlegt Allberry den Mythos der sexuellen Freizügigkeit, indem er aufzeigt, dass alle Menschen Grenzen sowohl für ihre eigene Sexualität wie auch für die Sexualität von anderen Menschen intuitiv festlegen. Im Rahmen dieser Auseinandersetzung analysiert er auch die Sexualethik der Antike. Die sexuelle Freizügigkeit der Antike wie auch der Moderne versprechen sexuelle Erfüllung, halten das Versprechen aber nicht ein, argumentiert Alberry überzeugend. Diesem unerfüllten Versprechen stellt Allberry die biblische Sicht auf das Thema Sexualität gegenüber. Dabei macht er deutlich, dass das, was Gottes Wort über dieses Thema sagt, revolutionär ist. Durch dieses Vorgehen holt er den Leser sehr gut ab. Er schafft es, den Leser neugierig zu machen, was Gottes Wort über Sexualität zu sagen hat um die Neugierde anschließend zu stillen.

Mehr hier: www.evangelium21.net.

Die Inszenierung des Nichts

Birgit Kelle setzt sich in ihrem Beitrag „Was heute zählt, ist die Zugehörigkeit zur richtigen Opfergruppe“ mit der Pathologisierung der Gendergegner auseinander: 

Immer wieder bemühen die Protagonisten und auch die „*innen“ der Genderszene das Narrativ der angeblich irrationalen Angst, die Gendergegner vor der Veränderung der Gesellschaft hätten, so als gäbe es keine rationalen Gründe, sich gegen eine Idee zu wehren, die behauptet, wir könnten uns durch Gedankenkraft über unsere genetische Beschaffenheit erheben, und empfiehlt, ohne Beweis dieser durchaus steilen These dennoch die gesamte Politik freier Gesellschaften radikal nach diesem Denkmuster zu verändern. Es entbehrt zumindest nicht eines gewissen Humors, dass Menschen anderen Angst vorwerfen, die sich selbst gerade im „Panicroom“ ihrer Selbstbestätigungsblase verschanzt haben und auf alles schießen, was nach einer anderen Meinung aussieht.

Mehr (allerdings hinter einer Bezahlschranke): www.welt.de.

Sagen, was man denkt: keine Selbstverständlichkeit mehr

Den Schweizer Lebensschützern ist „Marsch fürs Läbe“ in diesen Jahr nicht bewilligt worden (vgl. hier). Die Evangelische Allianz in der Schweiz hält es für bedenklich, dass das demokratische Grundrecht auf Meinungsfreiheit immer häufiger bedroht ist:

Die Eskalation bereits im Vorfeld des «Marsch fürs Läbe» ist umso bedenklicher, als die Träger des Anlasses Wert darauf legten, nicht unnötig zu provozieren, und die diesjährige Veranstaltung in einem öffentlich weniger sichtbaren Rahmen durchzuführen planten. Angesichts des moderateren Auftretens sind sowohl die heftige Reaktion linksautonomer Kreise als auch das Verhalten der Behörden erst recht unverständlich. Die Frage ist erlaubt, wohin unsere Gesellschaft steuert, wenn es illegal operierenden Gruppierungen gelingt, den legalen Anspruch anderer Gruppierungen auf freie Meinungsäusserung zu torpedieren. Die weltweit zahllosen Beispiele von Unterdrückung bis zu Verfolgung von Menschen wegen ihrer Überzeugungen sollten uns eigentlich Warnung genug sein, der Rechtsstaatlichkeit Sorge zu tragen.

Michael Mutzner kommentiert die um die sexuelle Ausrichtung erweiterte Fassung des Artikels 261 StGB in der Schweiz mit folgenden Worten (Magazin Insist, 03.09.2020, S. 15):

Es ist davon auszugehen, dass die am 1. Juli in Kraft getretene, um die sexuelle Ausrichtung erweiterte Fassung des Artikels 261bis StGB die Rechtslage nicht grundlegend ändern wird. Sie wird jedoch eine erhöhte Wachsamkeit erfordern, auch aufseiten der Christen. Beispielsweise könnte das Zitieren eines alttestamentlichen Textes über die Sanktionierung von Homosexualität die betreffende Person oder Organisation fortan einer Verurteilung aussetzen, wenn sie sich nicht ausdrücklich von einer Auslegung distanziert, die Hass, Gewalt oder Diskriminierung hervorrufen könnte. Als Beispiel dient eine evangelische Gruppe, die unter Kindern und Jugendlichen arbeitet und in der Presse kritisiert wurde, weil sie auf ihrer Webseite in einem Lexikon unter dem Begriff «Homosexualität» ohne weiteren Kommentar Zitate aus dem Alten Testament aufführte. 

Oscar-Akademie: Ein historischer Einschnitt

Die Oscar-Akademie hat eine Entscheidung getroffen, die es wirklich in sich hat. Filme, die nicht bestimmte inhaltliche Standards erfüllen, sollen in Zukunft gar nicht mehr für den besten Film nominiert werden dürfen. Gefordert wird mehr Inklusion und Diversität.

Die Zeitschrift Die Welt meldet:

Den Produzenten stehen dabei mehrere Optionen offen. Beispielsweise könnte eine Darstellerin oder ein Darsteller in einer wichtigen Rolle einer Minderheit angehören, etwa asiatischer oder hispanischer Abstammung sein.

Als ein weiteres Kriterium führt die Filmakademie inhaltliche Aspekte an: Filmbeiträge sollten demnach ein Thema behandeln, das sich um Frauen, Minderheiten, Menschen mit Behinderungen oder LGBT-Inhalte dreht – also Lesben, Schwule, Bisexuelle und Trans-Menschen.

Weitere mögliche Standards erhebt der Filmverband nun via Diversitäts-Quoten für die gesamte Rollenbesetzung oder für das Produktionsteam. Denkbar sei etwa, dass mindestens 30 Prozent der Zweitrollen von unterrepräsentierten Gruppen besetzt werden müssen. Möglich ist auch, dass es inhaltlich insgesamt um eine „unterrepräsentierte Gruppe“ geht – laut der Filmakademie könnten dies Frauen, Minderheiten, Menschen mit Behinderung sowie Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender sein.

Aus meiner Sicht wird auf diese Art und Weise die künstlerische Freiheit stark eingeschränkt. Ich kann nur hoffen, dass mit so einem Eingriff die Bedeutung der Oscars weiter zurückgeht. Produzenten, Drehbuchautoren, Regisseure oder Schauspieler sollten keine Belehrungsgehilfen einer kulturellen Elite sein, sondern die Freiheit haben, die Kunst zu schaffen, die sie erschaffen wollen. Kunst, die aufgrund von politischen Vorgaben für die „Volkserziehung“ instrumentalisiert wird, hat schon genug Schaden angerichtet.

Hier die Meldung: www.welt.de.

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