Autorenname: Ron

Tim Keller schwer erkrankt

Tim Keller gab gestern bekannt, dass bei ihm Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom) diagnostiziert wurde. TC schreibt:

Timothy Keller
Tim Keller (Bild: Wikipedia)

Tim Keller bat seine Follower [bei Twitter] um Gebet, da er mit der Chemotherapie gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs beginnt. Der beliebte christliche Autor und Pastor gab die Nachricht von seiner Diagnose in einem Update auf Instagram und Twitter am Sonntagmorgen bekannt. „Vor weniger als drei Wochen wusste ich nicht, dass ich Krebs habe“, schrieb Keller. „Heute gehe ich zum National Krebs-Institut der National Institutes of Health, um weitere Tests durchzuführen, bevor ich nächste Woche in New York City mit der Chemotherapie gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs beginne.“

Ein Grund, in der Fürbitte an ihn und seine Familie zu denken.

Erst am Wochenende hat Evangelium21 einen Artikel von Tim Keller veröffentlicht, in dem er sich dazu äußert, wie der postchristliche Westen wieder mit dem Evangelium erreicht werden kann. Er schreibt dort:

Wir betreten eine neue Ära. Christ zu sein bringt nicht nur keinen sozialen Nutzen mehr, sondern es kostet tatsächlich einen sozialen Preis. Vielerorts wird unsere Kultur zunehmend glaubensfeindlich und bei immer mehr Menschen schwindet der Glaube an Gott, Wahrheit, Sünde und das Leben nach dem Tod. Unsere Kultur produziert somit Leute, für die das Christentum nicht nur anstößig ist, sondern schlichtweg unbegreiflich.

Gemeindeleiter müssen daher neue Wege finden, um Menschen zu erreichen, die weit davon entfernt sind, es überhaupt nur in Betracht zu ziehen, zur Kirche zu gehen, und die noch nicht einmal die grundsätzlichsten Lehren des Christentums glauben. Und wir müssen Wege finden, wie wir inmitten dieser ganz anderen Kultur Menschen als Gemeindeglieder und Christen prägen können. Lasst uns das die „nach außen gerichtete Bewegung“ und die „nach innen gerichtete Bewegung“ einer missionarischen Begegnung mit der westlichen Kultur nennen.

Um es klarzustellen: Eine missionarische Begegnung ist alles andere als ein Rückzug in kleine Gemeinschaften, die von der Kultur losgelöst sind und kaum Verbindungen zum Rest der Gesellschaft pflegen. Eine missionarische Begegnung ist auch nicht darum bemüht, politische Macht zu gewinnen, um christliche Standards und Glaubenssätze einer unwilligen Bevölkerung aufzuzwingen. Und es geht ihr auch nicht darum, relevant zu sein – also die Gemeinde weitestgehend an die Kultur anzupassen, um von dieser assimiliert zu werden.

Stattdessen sucht eine missionarische Begegnung das Verbindende (anders als die Rückzugsstrategien), konfrontiert dabei allerdings (anders als die Assimilationsstrategien), was dazu führt, dass Leute tatsächlich bekehrt werden (anders als bei allen anderen Strategien, die Strategie der politischen Übernahme eingeschlossen). Eine Gemeinde, die eine missionarische Begegnung sucht, behält ihre Besonderheit bei (was das Ziel des Rückzugsansatzes ist), ist ihren Nächsten häufig eine Ermutigung und stets bemüht, ihnen zu dienen (was das Ziel des Assimilationsansatzes ist), und ruft die Leute zur Buße und Veränderung auf (was der Ansatz der politischen Etablierung möchte).

Mehr: www.evangelium21.net.

John Stott (1921–2011)

John Stott (1921–2011) war Pastor, Theologe, Evangelist, Autor und Chefarchitekt des Lausanner Kongress für Weltevangelisation im Jahr 1974. Das Magazin TIME hat ihn zu den 100 einflussreichsten Personen der Welt gezählt. Das nachfolgende Tribute-Video zeigt die monumentalen Bedeutung, die er bei der Gestaltung des evangelikalen Christentums im 20. Jahrhundert hatte. Leider gibt es keine deutschen Untertitel.

Themelios 45 (1/2020)

In der neuen Ausgabe von Themelios gibt es wieder interessante Artikel und Buchbesprechungen. Ich empfehle besondern die Rezension zum Buch von Kenneth J. Barnes: Redeeming Capitalism (Grand Rapids: Eerdmans, 2018) und den Essay zu 1. Timotheus 2,15:

„Sie [die Frau] wird aber selig werden dadurch, dass sie Kinder zur Welt bringt, wenn sie bleiben mit Besonnenheit im Glauben und in der Liebe und in der Heiligung.“

Jared M. August argumentiert dafür, dass diese „Frau“ Eva und dass diese „Geburt“ die Geburt des Messias ist. Obwohl diese Interpretation keineswegs neu ist, besteht der Beitrag von August darin, dass er starke exegetische Begründungen für diese Ansicht vorschlägt, nämlich die Verwendung des Adam–Christus-Kontrasts durch Paulus.

Der Inhalt:

  • EDITORIAL: Theological Reflections on the Pandemic – Brian J. Tabb
  • STRANGE TIMES: ‘The Things We Think and Do Not Say: The Future of Our Business’ – Daniel Strange
  • Politics, Conscience, and the Church: Why Christians Passionately Disagree with One Another over Politics, Why They Must Agree to Disagree over Jagged-Line Political Issues, and How –Jonathan Leeman u. Andrew David Naselli
  • Should the Local Church Resist Texts in Scripture that Clash with Western Culture? The Test Case of Leviticus 21:16–24 – Katherine Smith
  • Leviticus 18:5 and the Law’s Call to Faith: A Positive Reassessment of Paul’s View of the Law – Etienne Jodar
  • The Genesis of the Jerusalem Donation – Daryn Graham
  • Paul’s Overlooked Allusion to Joel 2:9 in 1 Thessalonians 5:2 – Jordan Atkinson
  • What Must She Do to Be Saved? A Theological Analysis of 1 Timothy 2:15 – Jared M. August
  • On Words, Meaning, Inspiration, and Translation: A Brief Response to Bill Mounce – Dane Ortlund
  • Affirmations and Denials Concerning World Mission – the Southgate Fellowship

Hier gibt es die Ausgabe im PDF-Format oder für die Bibelsoftware Logosthemelios.thegospelcoalition.org.

Grenzen digitalen Lernens

 Durch Corona erleben die Schulen gerade einen Digitalisierungsschub. Was sich dabei bewährt hat und was man zukünftig besser lassen sollte, beschäftigt den Pädagogen Michael Felten beim DLF Kultur. Die Überlegungen sind hörenswert: 

So bringt es kaum etwas, Klassen nur mit Laptops auszustatten, interaktive Lernvideos hingegen können hilfreich sein. Wenn ein Fach oder eine Altersstufe viel geistige Auseinandersetzung erfordert, fällt der IT-Nutzen gering aus. Bei reinem Training zeigen sich aber auch überdurchschnittliche Effekte. Hattie selbst bilanziert, IT verbessere den Unterricht nur, wenn es sich nicht um Ersatz, sondern Ergänzung des pädagogischen Settings handele – und wenn die Vielfalt der Lernarten und die Häufigkeit von Feedback steige.

Beinahe klingt es dialektisch: Digitales Handwerkszeug muss für Schulen selbstverständlich werden. Gleichzeitig erstrahlt die Lehrperson als Zentralfaktor für kindliche Entwicklung. Versäumen wir also nicht, nach der Coronakrise zu fragen, was wir von ihren Notlösungen wirklich behalten wollen. Die Antwort sollte datenbasiert sein – und nicht nur das Bauchgefühl widerspiegeln „Hat doch irgendwie ganz gut hingehauen“. Die CEOs im Silicon Valley jedenfalls bevorzugen für ihre Kinder analoges Lernen.

Hier der Beitrag: 

Bullinger: Milde bei Gott und den Menschen

Heinrich Bullinger hat als Reformator in Zürich auch über die Aufgaben der Richter gepredigt und dabei für die damalige Zeit erstaunliche Dinge gesagt (Schriften III, 2006, S. 377): 

Zudem müssen die Richter Maß halten können und über ein sicheres Unterscheidungsvermögen verfügen, so dass sie schwerwiegende Vergehen auch schwer bestrafen, geringere Vergehen hingegen mit mittelschweren Strafen und geringfügige oder leichte Straftaten gemäßigt ahnden. Bekannt ist das Wort aus dem Gesetz Gottes [Dtn 25,2]: »Nach dem Maß der Schuld soll auch das Maß der Schläge sein.« Dabei soll der Richter auch die Milde zum Zuge kommen lassen. Nicht selten entschuldigt einen Angeklagten sein Geschlecht oder sein Alter. Manchmal wird sein Vergehen auch entschuldigt, wenn man die Begleitumstände nach Gebühr berücksichtigt. Der Richter muss außerdem das bisherige Leben des Angeklagten sorgfältig in Betracht ziehen: War dieses bis dahin ehrlich und rechtschaffen, dann verdient der Angeklagte mehr Milde und Nachsicht, sofern das Vergehen, dessentwegen er in Fesseln gelegt ist, nicht so schwerwiegend ist, dass es keine Milde mehr zulässt. Wahre Gottesfurcht, Gebete zum Herrn und eine sorgfältige, dem Gesetz entsprechende Untersuchung des Vergehens in Tat und Wort sind das beste Richtmaß für den Richter und bestimmen seine Milde oder Strenge. Grundsätzlich findet eine angemessene Milde bei Gott und den Menschen die größte Anerkennung.

Gemeinden, lasst euch nicht durch das Coronavirus spalten

In manchen Kirchengemeinden gibt es derzeit Meinungsverschiedenheiten und so gar Streit im Blick auf die Herausforderungen, welche die Corona–Pandemie mit sich bringen. Brett McCracken ruft Christen dazu auf, eine friedfertige und nuancierte „Gegenkultur“ sichtbar werden zu lassen, die Spaltungen verhindert. Er fragt: 

Wie können Gemeinden in einem solch heiklen und polarisierenden Umfeld „fein und lieblich in Eintracht beisammen sein“ (Ps 133), anstatt sich spalten zu lassen? Es wird nicht einfach sein. Aber durch die Gnade Gottes und die Kraft des Heiligen Geistes, die uns auf eine Weise verbindet, wie es das Fleisch niemals könnte, besteht für uns die Möglichkeit, eine „Gegenkultur“ zu bilden und zum Vorbild für den Rest der Welt zu sein.

Hier mehr: www.evangelium21.net.

„Auf Klo“ oder die Jugendformate der Öffentlich-Rechtlichen

Sie heißen „Mädelsabende“, „Deutschland 3000“ oder „Auf Klo“ – die Jugendformate der Öffentlich-Rechtlichen auf Instagram und YouTube (ich habe darüber berichtet, z.B. hier oder hier). Sie wollen locker und neugierig wirken – aber die Ideologie dahinter ist fatal, meint Hannah Lühmann in einem bemerkenswert kulturkritischen Kommentar zu den „Aufklärungskanälen“ des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks.

Worum geht es? Die Formate, die auf Jugendliche ausgerichtet sind, sprechen bestimmte Themen an, die sie für sehr wichtig halten, etwa Penisgröße, Prostata, Spermiendichte, Feminismus, Transsexualität usw. Die Sendungen sind meist nach dem gleichen Muster aufgebaut. Ein Jugendlicher stellt fest, „dass es ein Phänomen gibt (Akne, Magersucht, Penisse, Jungfernhäutchen, Häusliche Gewalt, Gewerkschaften, Transsexualität), befragt dann irgendwelche Experten oder sonstige Protagonist*innen (das Gendern ist fester Teil der DNA der meisten dieser Formate) dazu, was man über dieses Phänomen wissen muss, ‚wie es sich anfühlt‘ oder ‚mit welchen Vorurteilen man da konfrontiert ist‘ und bereitet die so gewonnenen ‚Fakten‘ dann spielerisch für ein Publikum auf, das sie dann als Bestandteile seines ‚total aufgeklärten‘ Weltbilds weiterträgt.“ Auf diese Weise sollen dann „Toleranz“ und „Aufklärung“ gestärkt werden. Tatsächlich handelt es sich um naive Propaganda, die durch Rundfunkgebühren finanziert wird.

Hannah Lühmann schreibt:

„Mädelsabende“ & Co wirken, als wollten sie diese These illustrieren: Es begegnet einem eine scheinbar bunte Welt der verschiedensten Phänomene, aber dann wird sie immer nur ins gleiche staunende Abnick-Schema gepresst: „Frauen, die keinen Kinderwunsch haben und sich deswegen die Gebärmutter rausnehmen lassen? Aha! Wow! Das gibt es also auch. Das wusste ich nicht. Ist aber völlig okay. Habe ich wieder total viel gelernt. Danke für euren wertvollen Beitrag.“

Es wirkt, als traute sich niemand mehr zu denken. Die einzige Form, in der Neues zugelassen wird, ist der „Bericht“ des „Betroffenen selbst“, der als einziger kompetent darüber sprechen kann. Das alles ist nun, gesellschaftlich betrachtet, nichts Neues und es ist vielfach kulturkritisch beschrieben worden. Es wäre nur eben wünschenswert, wenn Formate, die den Anspruch haben, die Jugend zu bilden, sich vom Zeitgeist zumindest so weit distanzieren könnten, dass sie etwas anbieten, aus dem man lernen kann, anstatt ideologisch zu verdummen. Es handelt sich beim Beschriebenen natürlich um ein Problem, das massiv etwas mit dem Strukturwandel der Öffentlichkeit und den Medien zu tun hat: Formate sind heute nun mal interaktiv, es geht schon lange nicht mehr um klassische Sender-Empfänger-Modelle, und das ist ja auch richtig und gut.

Leider ist der Artikel hinter einer Bezahlschranke. Hier der Link: www.welt.de.

Ravi Zacharias (1946–2020)

Ravi ZachariasDer Apologet Ravi Zacharias starb am Dienstag, zwei Monate nachdem er bekannt gegeben hatte, dass bei ihm Krebs diagnostiziert worden war. Er wurde 74 Jahre alt. Der beliebte Schriftsteller und christliche Lehrer war durch Ravi Zacharias International Ministries (RZIM) für seine Arbeit bekannt, die sich auf apologetische Argumente für die Existenz Gottes und die Vernünftigkeit des Christentums konzentrierte. In seiner 48-jährigen Karriere predigte er in mehr als 70 Ländern und verfasste mehr als 30 Bücher. Er lehrte Christen, sich mit Skeptikern auseinanderzusetzen, und argumentierte, dass die christliche Weltanschauung robuste Antworten auf die existentiellen Fragen der Menschheit hat.

Hier geht es zur ausführlichen Meldung von CT: www.christianitytoday.com.

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Nachtrag vom 12.02.2021: Obwohl wir die bedrückenden Enthüllungen zum sexuellen Missbrauch in den Kommentaren bereits diskutiert haben, hier der ergänzende Verweis auf einen Artikel bei idea und einen ausführlichen und sehr aktuellen Beitrag bei CT. Außerdem der Hinweis auf diesen Kommentar: www.evangelium21.net.

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