Akzente

Die Mütter der Pille

Die Zeitschrift EMMA erzählt online „die ergreifende Geschichte der beiden Frauen, denen wir die Pille verdanken“. Die Krankenschwester Margaret Sanger (1879-1966) und die Biologin Katharine McCormick (1875-1967) engagierten sich – so das feministische Kampfblatt – unermüdlich für das Verhütungsmittel und damit für die Befreiung der Frau.

Die Aktivistin Margaret Sanger wird erwartungsgemäß in allerhöchsten Tönen gelobt. Fast kann der Leser den Eindruck bekommen, hier würde jemand heiliggesprochen. Tatsächlich fand ein religiös aufgeladener Begriffe wie „das Erweckungserlebnis“ Eingang in den Text. Sanger, eine Kämpferin für die Freiheit. Endlich Sex ohne Kinderfluch:

Am 16. Oktober 1916 eröffnet Margaret Sanger gemeinsam mit ihrer Schwester Ethel und einer Bekannten in einer Mietwohnung in Brooklyn ihre Klinik. „Mütter! Könnt ihr euch eine große Familie leisten? Wollt ihr weitere Kinder? Wenn nicht, warum bekommt ihr sie dann?“ steht auf den Flugblättern, die die Eröffnung der Klinik auf Englisch, Jiddisch und Italienisch ankündigen. Am Ende des Tages haben 140 Frauen an der Tür der Wohnung in der Amboy Street 46 geklingelt.

Obwohl ich bereits vor einigen Jahren auf problematische Anschauungen von Margaret Sanger hingewiesen habe, will ich erneut auf einige Ereignisse aus dem leben der Aktivisten aufmerksam machen. Ich beziehe mich dabei auf Punkte, die Coe Carter zusammengetragen hat:

  1. 1916 eröffnete Sanger in New York City die weltweit erste Klinik für Geburtenkontrolle.
  2. Auf der First American Birth Control Conference 1921 gründete Sanger die American Birth Control League (ABCL). 1942 änderte die ABCL ihren Namen in 1942 Planned Parenthood Federation of America (in Deutschland pro familia).
  3. Sanger war die führende Verfechterin der Eugenikbewegung, insbesondere der negativen Eugenik, die die Reduzierung der sexuellen Reproduktion und Sterilisation von Menschen mit unerwünschten Eigenschaften oder wirtschaftlichen Bedingungen förderte.
  4. Sanger glaubte, dass der Einsatz von Geburtenkontrolle – wie Jyotsna Sreenivasan erklärt – nicht nur für das Wohl der einzelnen Frau notwendig sei, sondern auch für die Wirtschaft als Ganzes. In ihrem Pamphlet „Family Limitation“ von 1931 schrieb Sanger: „Die arbeitende Frau kann direkt handeln, indem sie sich weigert, den Markt mit Kindern zu versorgen, die ausgebeutet werden sollen, indem sie sich weigert, die Erde mit Sklaven zu bevölkern. . . . Gib diese Information an deine Nachbarn und Genossen weiter.“
  5. In Woman and the New Race schloss Sanger ein Kapitel ein, um die Frage zu beantworten: „Wann sollte eine Frau es vermeiden, Kinder zu bekommen?“ Auf ihrer Liste steht die Ermahnung, dass „keine Kinder mehr geboren werden sollten, wenn die Eltern, obwohl sie selbst gesund sind, feststellen, dass ihre Kinder körperliche oder geistige Mängel haben“ und „es auf jeden Fall keine Kinder geben sollte, wenn entweder Mutter oder Vater an Krankheiten wie Tuberkulose, Gonorrhö, Syphilis, Krebs, Epilepsie, Wahnsinn, Trunkenheit und psychischen Störungen leiden“.
  6. In einer Radiosendung soll Sanger gesagt haben, dass „Idioten, Geisteskranke, Epileptiker, Analphabeten, Arme, Arbeitslose, Kriminelle, Prostituierte und Drogenabhängige“ chirurgisch sterilisiert werden sollten.
  7. Sangers Motivationen über rassistischen Völkermord werden häufig übertrieben, missverstanden oder verfälscht. Jedoch besteht kein Zweifel daran, dass Sanger an die Überlegenheit der weißen Rasse und die Unterlegenheit anderer Rassengruppen glaubte.
  8. 1939 half Sanger durch die Birth Control Federation of America (BCFA), das Negro-Projekt zu initiieren. Anders als viele ihrer Mitarbeiter wollte sie, dass die am Projekt beteiligten Ärzte schwarz sind, um das Vertrauen der afroamerikanischen Gemeinschaft zu gewinnen.
  9. Sanger blieb ihren eugenischen Ansichten bis zu ihrem Tod treu. In einem Interview von 1957 fragte Mike Wallace Sanger, ob sie an die Sünde glaubt. Die größte Sünde sei es – so Sanger – Kinder mit Erkrankungen usw. zur Welt zu bringen.

Von diesen prekären Einlassungen lesen wir bei Emma leider nichts. Als im Jahr 2015 bekannt wurde, dass die Planned Parenthood Federation of America Körperteile abgetriebener Kinder zu Forschungszwecken kommerziell vertreibt, schwieg Emma ebenfalls. Zu den gesundheitlichen Risiken der Pille habe ich bei Emma auch keine substanziellen Beiträge gefunden.

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Ist jeder Christ ein Theologe?

Wir sind wahrscheinlich damit vertraut, dass es im Raum unserer Gemeinden und Kirchen unterschiedliche Auffassungen über den Nutzen der Theologie gibt. Auf der einen Seite des Spektrums haben wir Leute, die überhaupt nicht wiedergeboren sind, aber Theologie studieren. Sie treten mit dem Anspruch auf, dass nur ein studierter Theologe das Recht habe, theologische Aussagen zu machen. Auf der anderen Seite des Spektrums gibt es Christen, die die Theologie für ein Werk des Teufels halten. Sie treten in der Regel sendungsbewusst auf und sind sich – so jedenfalls meine Erfahrung – sehr sicher, dass die Beschäftigung mit der Theologie in den allermeisten Fällen den persönlichen Glauben und die Lehre in der Gemeinde beschädige.

Diese unterschiedlichen Auffassungen über den Nutzen der Theologie lassen sich teilweise dadurch erklären, dass diese Gruppen unter Theologie jeweils etwas anderes verstehen. Die studierten Theologen haben die akademische Theologie im Kopf, die Gegner der theologischen Arbeit verbinden mit der Theologie eher liberale Strömungen, haben jedoch eine hohe Meinung von der biblischen Lehre.

Tatsächlich ist es allerdings so, dass jeder Christ in einem gewissen Sinn ein Theologe ist. Es geht gar nicht um die Frage, ob jemand theologische Überzeugungen hat, sondern vielmehr darum, was für theologische Überzeugungen jemand hat. Entweder ist unsere Theologie gut, das heißt schrifttreu. Oder sie ist schlecht, was bedeutet, dass sie Dinge vernachlässigt, die in der Heiligen Schrift offenbart sind, etwas überbetont oder über Dinge hinausgeht, die in der Schrift stehen (oder unsauber darstellt). Insofern ist in einem gewissen Sinne bereits das Kind in der Sonntagsschule ein „Doktor der Theologe“.

Zugleich müssen wir allerdings feststellen, dass es unterschiedliche Personenkreise oder „Maße“ für die Theologie gibt.

Wir haben (1) eine Theologie für alle Jünger, also eine Laientheologie. Ich gebrauche dieses Wort keinesfalls abwertend, sondern gemäß dem Anliegen des allgemeinen Priestertums. Für diejenigen, die glauben, gilt (1Petr 2,9–10):

„Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliges Volk, das Volk, das er sich zu eigen machte, damit ihr verkündet die Wohltaten dessen, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat. Ihr seid die, die einst kein Volk waren, jetzt aber das Volk Gottes sind, die einst keine Barmherzigkeit erlangten, jetzt aber Barmherzigkeit erlangt haben.“

Ein Christ ist von Gott dazu auserwählt, die Wohltaten seines Herrn „auszurufen“, „zu verkünden“ oder „zu proklamieren“ (griech. ἐξαγγέλλω). Dieser Verkündigungsdienst setzt natürlich voraus, dass die Priester mit dem Evangelium vertraut sind. Gläubige des Neuen Bundes haben nicht nur Gemeinschaft miteinander und feiern das Herrenmahl, sie halten fest an der „Lehre der Apostel“ (Apg 2,42). Christen waren einst Sklaven der Sünde, sind aber jetzt von ganzem Herzen „gehorsam geworden der Gestalt der Lehre“ oder der „Wahrheit“, die ihnen durch die Apostel übergeben wurde (Röm 6,17; 1Petr 1,21).

In diesem Sinne ist jeder Christ Priester und insofern ebenfalls Theologe. Er nimmt das Wort Gottes bereitwillig auf und forscht – wenn möglich täglich –, ob das, was er glaubt, mit der Schrift übereinstimmt (vgl. Apg 17,11). Er verkündigt das Wort sich selbst, aber auch seinen Kindern, geistlichen Geschwistern oder Ungläubigen.

Wir haben (2) eine Theologie für die Diener der Gemeinden. Obwohl alles Christen zur königlichen Priesterschaft gehören, sind einige von ihnen mit Aufgaben betraut, die eine besondere theologische Kompetenz erfordern. Ich denke hierbei nicht an die Lehrer und Hirten, sondern an Mitarbeiter, deren Aufgaben bereits ein tieferes Verständnis für die „göttlichen Dinge“ voraussetzen.

In der Apostelgeschichte wird uns davon berichtet, dass die Apostel nicht mehr genug Zeit für das Wort Gottes und das Gebet hatten, da zu viele praktische Tätigkeiten zu verrichten waren (vgl. Apg 6,1–4). Um diesen Umstand zu ändern, wurden Diakone eingeführt, die die Apostel in ihrem geistlichen Dienst entlasten sollten. Obwohl sich die Diakone wohl vor allem um praktische Aufgaben kümmerten, achtete die Gemeinde in Jerusalem darauf, dass diese Männer stark im Glauben und vom Heiligen Geist erfüllt waren. Über Stephanus wird uns berichtet, dass er sich in der konfrontativen Verkündigung bewährt hat, seine Gegner  „vermochten nicht zu widerstehen der Weisheit und dem Geist, in dem er redete“ (Apg 6,10).

Es trifft zu, dass von den Diakonen im Unterschied zu den Ältesten keine Lehrfähigkeit erwartet wird (s. 1Tim 3,8–13). Dennoch sollen sie das „Geheimnis des Glaubens in einem reinen Gewissen bewahren“ (1Tim 3,9). Den Ausdruck „Geheimnis des Glaubens“ verwendet der Apostel Paulus anderswo zur Bezeichnung des offenbarten Evangeliums (vgl. 1Kor 2,7ff.; Eph 3,3–9; 1Tim 3,16). Gemeint ist also, dass sie das Evangelium verstanden haben, ihm vertrauen und in Übereinstimmung mit ihm leben.

Bei unterschiedlichsten Diensten in den Gemeinden wird mehr erwartet als ein persönlicher Glaube und charakterliche Festigkeit. Ich denke da an Christen, die Gottesdienst leiten, die Kinder schulen oder Hauskreise führen. Solche Mitarbeiter sollten gründlich in der biblischen Lehre geschult sein.

Wir haben (3) eine Theologie für Hirten, Verkündiger und Lehrer der Gemeinden. Wer in der Gemeinde öffentlich unterrichtet, braucht die „Fähigkeit zu lehren“ (vgl. 1Tim 3,2). Von ihm darf erwartet werden, dass er „sich an das zuverlässige Wort hält, wie es der Lehre entspricht, damit er imstande ist, sowohl mit der gesunden Lehre zu ermahnen als auch die Widersprechenden zu überführen“ (Tit 1,9).

Schließlich haben wir (4) eine Theologie für die Lehrer zukünftiger Lehrer. Wir können das einem Rat entnehmen, den Paulus seinem Mitarbeiter Timotheus weitergibt (2Tim 2,2): „Und was du von mir gehört hast vor vielen Zeugen, das vertraue treuen Menschen an, die fähig sein werden, auch andere zu lehren.“

Ich möchte an dieser Stelle nicht näher darauf eingehen. Aber sicher ahnen wir, was gemeint ist: Es gibt erfahrene, begabte und hoffentlich bewährte Lehrer, die bei der Zurüstung zukünftiger Lehrer und Prediger helfen.

Es geht hier freilich nicht um unterschiedliche Theologien für unterschiedliche Kreise, sondern um unterschiedliche Maße der Gottesgelehrtheit mit der einen Lehre des Christus. Von Lehrern wird ein höheres Maß der Gottesgelehrtheit erwartet als von Diakonen, die beispielsweise für die Gemeindefinanzen zuständig sind. Obwohl alle Christen in einem Sinne Priester sind, sind nicht alle Lehrer (1Kor 12,29; Eph 4,11).

Noch etwas: Wem Gott viel anvertraut, von dem wird er auch viel erwarten (vgl. Lk 12,48). Einem Menschen, dem viel gegeben wurde, der aber andere zur Sünde verführt, erwartet am Tag des Gerichts eine sehr harte Strafe. Jesus sagt in Mt 18,6: „Wer aber einen dieser Geringen, die an mich glauben, zu Fall bringt, für den wäre es gut, wenn ihm ein Mühlstein um den Hals gehängt und er in der Tiefe des Meeres versenkt würde.“ Hirten, Pastoren und Lehrer haben deshalb eine besonders große Verantwortung. Deshalb warnt Jakobus (Jak 3,1): „Es sollen nicht viele von euch Lehrer werden, meine Brüder! Denn ihr wisst, dass wir als solche ein noch strengeres Urteil empfangen werden“ (vgl. a. 2Kor 11,15). Wer andere Christen durch falsche Lehren verwirrt, „wird das Urteil tragen, wer er auch sei“ (Gal 5,10).

Bedford-Strohm und der Zeitgeist

Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm, Vorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, predigte am letzten Wochenende zum Männersonntag im Westerwald über den Ersten Thessalonicherbrief. Die RHEINZEITUNG berichtet (Nr. 168, 23. Juni 2018, S. 21):

Der vielleicht wichtigste Satz in den Worten aus dem Thessalonicherbrief sei die Ermahnung zum richtigen Umgang mit den Geistern, auch den Zeitgeistern: „Prüft aber alles und das Gute behaltet.“ Zeitgeister seien nicht in sich etwas Schlechtes. „Sondern nur die Zeitgeister, die von den lebensfreundlichen Orientierungen Gottes wegführen. Etwa die Vergötzung des Geldes. Oder der Kult des Starken, wie er im nationalsozialistischen Menschenbild seinen Ausdruck fand. Oder ein nationalistischer Zeitgeist, der schon in der Vergangenheit so viel Unheil angerichtet hat.“

Es gebe aber auch den Punkt, dass Christen etwas als „Zeitgeist“ zurückgewiesen hätten, was sich am Ende als ihre ureigene biblisch gegründete Sache erwiesen habe. „Die Menschenrechte sind so ein Beispiel. Sie mussten gegen die Kirchen erkämpft werden.“ Bedford-Strohm persönlich glaubt, dass man Ähnliches auch irgendwann in der Zukunft über „den Umgang der Kirchen mit dem Thema Homosexualität sagen wird. Man, wird nicht mehr verstehen, warum wir als Kirchen aufgrund einiger weniger Bibelstellen so lange daran festgehalten haben, dass Homosexualität Sünde sei.“

Es ist schon erstaunlich, wie leichtherzig hier ein Bibeltext dafür benutzt wird, die eigenen Anliegen zu transportieren. Zweifelsohne können Reichtum oder Nationenstolz zum Götzen werden. Aber der Autor des Thessalonicherbriefes hat an andere Dinge gedacht, als das zitierte Schreiben verfasst wurde.

Interessanterweise findet sich die Aufforderung zur Prüfung des Guten ausgerechnet im Kontext von Ermahnungen zum heiligen Leben angesichts des kommenden Gerichtstages („… denn ihr selbst wisst genau, dass der Tag des Herrn kommen wird wie ein Dieb in der Nacht“, 5,2). Der Apostel ermahnt etwa zu fairem Handel unter Glaubensgeschwistern (4,6), (recht antimarxistisch) zur fleißigen Arbeit (4,11), Wachsamkeit und Nüchternheit (5,5), Frieden untereinander (5, 12) oder auch zur Zurechtweisung von Unordentlichen (o. Faulen, 5,14). Und er spricht ausdrücklich die Sexualethik an, die Bedford-Strohm für obsolet erklärt:

Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung, dass ihr meidet die Unzucht und ein jeder von euch seine eigene Frau zu gewinnen suche in Heiligkeit und Ehrerbietung, nicht in gieriger Lust wie die Heiden, die von Gott nichts wissen … Denn Gott hat uns nicht berufen zur Unreinheit, sondern zur Heiligung. Wer das nun verachtet, der verachtet nicht Menschen, sondern Gott, der seinen Heiligen Geist in euch gibt.

Die deutsche Ausgabe von Logos 7

Meinen ersten Computer kaufte ich 1985. Ich war damals 20 Jahre alt. Damit gehöre ich weder zu den „digitalen Ureinwohnern“, die eine Welt ohne Computer nicht mehr kennengelernt haben, noch zu den „digitalen Einwanderern“, die erst als Erwachsene der Computerwelt begegnet sind. Ich bin irgendetwas mittendrin.

In meinem Freundeskreis war ich der Erste, der seine Nächte mit dem Rechner verbrachte. Ich interessierte mich damals für das Programmieren, das Entwickeln von kleinen Datenbanken und natürlich die enorm nützlichen Textverarbeitungen. „Digital Kids“ können sich gar nicht mehr vorstellen, was es bedeutet, eine Hausarbeit mit einer Schreibmaschine und „Tippex“ (eine Korrekturflüssigkeit zum Überdecken von Tippfehlern) zu schreiben. Für uns war das damals ein gewaltiger Entwicklungsschritt, Texte vor dem endgültigen Ausdruck stilistisch überarbeiten und korrigieren zu können. Zwar haben wir gelegentlich Wochen damit verbracht, Druckertreiber zu schreiben, die in der Lage waren, Sonderzeichen und Altsprachen zu drucken. Aber es war trotzdem eine große Erleichterung und machte riesigen Spaß.

In dieser Zeit lernte ich auch meine ersten digitalen Bibeln kennen. Mit einfachen Textdateien auf Disketten (Datenträger, die man in so genannte Laufwerke geschoben hat, um Daten zu lesen oder zu schreiben) fing es an. So waren wir nicht mehr gezwungen, Bibeltexte mühsam abzuschreiben, sondern konnten sie in unsere Ausarbeitungen hineinkopieren. Später kamen einfache Bibelprogramme mit schlichten oder bereits diffizilen Suchmöglichkeiten hinzu.

Die erste kommerzielle Bibelsoftware war für mich Elbikon und lief unters Windows 3.1. Später erwarb ich das BibleWorks-Paket, das ebenfalls unter Windows läuft und einschließlich der Ursprachen über Jahre hervorragende Dienste geleistet hat. BibleWorks zählt noch heute zu den führenden Bibelanwendungen (www.bibleworks.com). Als ich 2006 vollständig in die Welt von Apple wechselte, musste ich mich von Bibelworks trennen, da es damals keine praktikable Möglichkeit gab, unter dem Macintosh-Betriebssystem damit zu arbeiten. Ich verkaufte BibleWorks und wechselte zur Bibel-Software Accordance (www.accordancebible.com). Accordance war damals unter Theologen, die mit einem „Apple“ arbeiteten, das Programm der Wahl. Es eröffnete völlig neue Möglichkeiten im Umgang mit biblischen Texten und bibelnahen Referenzen. Damals veröffentlichte ich eine Rezension über Accordance und stehe noch heute zu der Begeisterung, die aus ihr spricht. Accordance ist in der aktuellen Version 12 eine exzellente Anwendung und gerade dort, wo schnelle Verarbeitung und große Exaktheit erwartet werden, etwa in der Forschung, sehr zu empfehlen.

Im Jahre 2016 bin ich trotzdem zur Bibel-Software Logos gewechselt. Dafür gibt es vor allem fünf Gründe:

Erstens liebe ich die Möglichkeit, in meinen Texten Begriffe, Sätze und Abschnitte zu markieren. Das geht unter Logos ganz hervorragend. Zwar kann das eine Software wie Accordance auch. Aber die Markierungen und Anmerkungen werden dort nicht auf dem Server gespeichert, sondern lokal auf dem genutzten Gerät. Leider sind mir beim Synchronisieren meine Hinterlegungen mehrfach verloren gegangen. Unter Logos läuft das ganz hervorragend und ich kann mir inzwischen diese Option nicht mehr wegdenken.

AugustinusZweitens nutze ich Logos nicht nur zum Bibelstudium, sondern auch zur Lektüre von eBooks. Das Angebot unter Logos ist einfach gigantisch und meist sind die Bücher untereinander verknüpft. Das bedeutet, dass, wenn ich etwa in der Dogmatik von Herman Bavinck einen Verweis auf den Gottesstaat von Augustinus finde, ich über ein Popup-Fenster die Referenzstelle sofort einsehen und – wenn ich das möchte – auch in das Buch „springen“ kann. Das setzt natürlich voraus, dass ich das entsprechende Werk unter Logos auch besitze. Ich habe durch diese Funktion schon immens viel Zeit gespart.

Drittens liebe ich die Logos-Software für mein Tablet. Da ich viel unterwegs bin, lese ich sowohl meine Bibel als auch sonstige Literatur auf dem iPad. Die Logos-Anwendung ist mir inzwischen ein nicht mehr wegzudenkender Begleiter geworden. Ich studiere damit (fast) täglich meine Bibeltexte, führe Gebetslisten und gehe der theologischen Literatur auf den Grund. So kann ich etwa die Zeitschrift Themelios im Logos-Format abonnieren und komfortabel lesen. Die 2018 erschienene mobile Logos-Anwendung hat einige Funktionen gründlich überarbeitet. Ich kann jetzt beispielsweise mehrere Bücher öffnen und einfach zwischen den Texten hin- und herspringen. Verbesserungen wünsche ich mir noch bei der Suchfunktion. Eine nüchterne Suche innerhalb des Buches, das ich gerade lese, würde das Erschließen von Inhalten vereinfachen. Derzeit muss ich noch in ein extra Suchmenü wechseln und eine entsprechende Auswahl vornehmen.

Viertens schätze ich die dynamische Preisgestaltung. Ich muss das kurz erklären: Manchmal kommt es vor, dass ich zum Beispiel einen Kommentar aus einer Kommentarreihe gekauft habe. Wenn ich später die gesamte Reihe erwerbe, zum Beispiel im Rahmen einer Rabattaktion, erkennt Logos beim Bestellvorgang, dass ich bereits einen Kommentar aus dieser Reihe besitze und kalkuliert entsprechend günstiger. Gleiches gilt auch für Paketangebote. Die Funktion hat mich schon mehrfach davor bewahrt, Bücher doppelt zu erwerben.

Besonders hervorheben möchte ich den fünften Grund für meinen Systemwechsel: Ich kenne keine Bibel-Software, die so viele deutsche Werke anbietet wie Logos. Der Hersteller hat sich vor Jahren entschlossen, auf dem deutschsprachigen Markt Fuß zu fassen und dafür personell und lizenzrechtlich enorm investiert. Schon mit der deutschen Version von Logos 6 Gold sind bedeutende Werke ausgeliefert worden. Ich nenne mal Siebenthals Griechische Grammatik zum Neuen Testament, das Theologisches Wörterbuch zum Alten Testament (ThWAT) oder den Kommentar zum Neuen Testament aus Talmud und Midrasch von Strack und Billerbeck (3 Bände).

Mit der deutschsprachigen Version 7 legt Logos noch einmal nach. So gehört bei der Version Gold Herders Theologischer Kommentar zum NT (24 Bände) dazu. Schon in der Version Silber ist mein geliebtes Exegetisches Wörterbuch zum Neuen Testament (EWNT) von Balz und Schneider oder auch das Theologische Handwörterbuch zum Alten Testament von Jenni und Westermann (2 Bände) enthalten. Nicht alle Werke können derzeit ausgeliefert werden. Es wird noch an ihnen gearbeitet. Wer allerdings jetzt Logos 7 erwirbt, bekommt die Produkte im Laufe der nächsten Monate nachgeliefert.

Wortstudie

Hinzu kommt, dass in der Version 7 die Datensätze für das Nachschlagen und Visualisieren von exegetischen Befunden überarbeitet und erweitert worden sind. Dank ihnen lässt sich in Logos jedes Wort des Bibeltextes nun auch in deutscher Sprache gründlich analysieren. Neben Bedeutungen und Wortformen stehen viele andere Informationen bereit, wie etwa Paralleltexte, Stilfiguren oder syntaktische Funktionen (die meisten Funktionen allerdings erst ab der Version Gold).

Für Einsteiger hält der Hersteller eine kleine Version bereit, die derzeit mit einem Frühveröffentlichungsrabatt von 20 Prozent erworben werden kann. Theologiestudenten und Theologen werden bei Silber oder Gold einsteigen. Ich kann das jedenfalls sehr empfehlen!

Hier der Link für mehr Informationen: de.logos.com.

Skizze zur Dreieinigkeit

Philipp Melanchthon schreibt in seiner Apologie, die bekanntlich zu den lutherischen Bekenntnisschriften zählt, über den dreieinen Gott (BSLK, S. 145):

Den ersten Artikel unsers Bekenntnisses lassen ihnen die Widersacher gefallen, in welchem angezeigt wird, wie wir glauben und lehren, daß da sei ein ewiges, einiges, unzerteiltes göttliches Wesen und doch drei unterschiedene Personen in einem göttlichen Wesen, gleich mächtig, gleich ewig, Gott Vater, Gott Sohn, Gott Heiliger Geist. Diesen Artikel haben wir allzeit also rein gelehrt und verfochten, halten auch und sind gewiß, daß derselbe so starken, guten, gewissen Grund in der Heiligen Schrift hat, daß es niemand möglich sei, den zu tadeln oder umzustoßen. Darum schließen wir frei, daß alle diejenigen abgöttisch, Gotteslästerer und außerhalb der Kirche Christi seien, die da anders halten oder lehren.

Es ist ein geradezu ökumenischer Artikel. Die Reformatoren haben die Dreieinigkeit gelehrt und verfochten, weil sie ihrer Überzeugung nach einen festen Grund in der Schrift hat. Weil die Schrift den dreieinen Gott offenbart, konnten sie nicht anders, als dies rein zu lehren.

Das ist allerdings 500 Jahre her. Heute sehen das viele anders. Sehr viele.

Nehmen wir Siegfried Zimmer. Für ihn ist die altkirchliche und reformatorische Trinitätslehre etwas für den „Hasen“. Vorstellungen wie diese seien seit der Aufklärung – so sagte er 2015 in einem Worthausvortrag –  zu einem großen Anstoß für denkende Menschen geworden. Die altkirchliche Lehre sei in dieser Form nicht zu retten. Die Dreieinigkeit Gottes stehe zudem dem interreligiösen Gespräch im Weg. Muslime vermögen mit einem dreieinen Gott nichts anzufangen. Vor allem aber liefere die Heilige Schrift selbst keine Begründung für die kirchliche Lehre der Dreineinigkeit. Die Theorie vom dreieinen Gott werde vielmehr, nachdem sie einst von der Alten Kirchen in von Blut und Machtpolitik getränkte trinitarische Begriffe und Formeln gekleidet worden ist, in die Bibel hineinprojiziert.

Was wir heute vom Geheimnis der Trinität lernen könnten, gehe in eine andere Richtung als die alte Dogmatik sie vorgab. Zimmer greift Überlegungen von Eberhard Jüngel und Jürgen Moltmann auf. Nämlich: Die drei Metaphern Vater, Sohn und Heiliger Geist kommen gut miteinander klar. Es geht um die Lebendigkeit Gottes. Gottes Sein ist im Werden. Gott bejaht das andere in sich selbst. Es geht um das Leben. Zimmer: „Was [den] frühen Christen in ihrem Erkundungsgang Trinität […] mehr oder weniger deutlich klar geworden ist […]: Leben ist ein Leben in Beziehungen. Leben heißt, aufeinander bezogen sein. Leben ist ein Verhältnis. Das merken wir an Gott. Gott lebt in sich selber ein beziehungsreiches Leben […] Das Lebendige am Leben ist der Beziehungsreichtum. Gott ist ein Verhältniswesen. Sein ist ein Zusammensein […] Gott duldet in sich selbst auch Unterschiede […] Gott hat einen eigenartigen Reichtum“ (ab 1:11h im vollständigen Vortrag).

Der Ertrag dieser Einsichten könne uns eine Inspirationsquelle werden. Es gehe um etwas Erfahrungsgesättigtes. Davon könnten wir allerhand lernen. Daran dürfen wir uns – so Zimmer – orientieren: Denn ich kann in meinem urpersönlichen eigenen anderen mich einbetten in eine Gemeinschaft. Wir sind einig, obwohl wir verschieden sind. Weil wir verschieden sind, sind wir einig. Das, was uns unterscheidet, trennt uns nicht, sondern ist unsere Einheit. Je verschiedener wir sind, desto einiger können wir uns werden. Aus der Trinität lernen wir das Ja zum anderen, auch zum anderen in uns selbst. Man könne das gut zusammenfassen: Von der Herrschaft zur Gemeinschaft.

Viele Einwände, die Siegfried Zimmer gegen die Dreieinigkeitslehre vorbringt, kommen mir recht bekannt vor. In der Gemeinde, zu der ich zwischen 1986 bis 1987 gehörte, machte sich eine „Jesus only“-Gruppierung breit. Die Dazugehörenden, meist jungen Leute, waren felsenfest davon überzeugt, dass die Lehre der Dreieinigkeit eine Idee sei, die maßgeblich erst im vierten Jahrhundert entfaltet wurde und die sich nicht auf die Bibel berufen könne. Die Lehre von der Dreieinigkeit sei ein menschliches Konstrukt und blockiere den Glauben an den einen wahren Gott. Auch wenn Siegfried Zimmer keinen großen Gefallen an der „Jesus only“-Bewegung haben dürfte, immerhin versucht er ja die Trinität noch irgendwie zu retten, trägt er ähnlich kritische Thesen vor.

Ich wurde damals von der Gemeindeleitung gebeten, in einem Vortrag dazu Stellung zu nehmen. Nachdem ich mir den Vortrag von Siegfried Zimmer angehört hatte, habe ich das Skript noch einmal ausgegraben. Auch wenn ich nicht mit allem zufrieden bin, habe ich es digital erfasst und kann es zur Verfügung stellen.

Ich war damals 21 Jahre alt. Eine gewisse Unreife und Naivität wird dem Leser mit geschultem Blick schnell in’s Auge springen. Dennoch kann der Text ein Einstieg dafür sein, die Bibeltexte selbst zu befragen. Getragen sind die Ausführungen nämlich von einer Überzeugung, die Melanchthon und die anderen großen Lehrer der Kirche und der Reformation geprägt hat: Die Trinität hat einen so starken, guten und gewissen Grund in der Heiligen Schrift, dass es niemandem möglich ist, diese zu tadeln oder umzustoßen.

Heute würde ich stärkere Argumente vorbringen als mir das damals möglich war. Ich verweise deshalb ich im digitalisierten Skript auf weiterführende Literatur.

Hier der Vortragstext aus dem Jahre 1986: Dreieinigkeit1986.pdf.

Die Vorlesung von Siegfried Zimmer gibt es hier in voller Länge. Nachfolgend die Kurzversion:

Kinderrechte im Grundgesetz

In der finalen Fassung der Ergebnisse der Sondierungsgespräche von CDU, CSU und SPD steht lapidar auf S. 10: „Wir werden Kinderrechte im Grundgesetz ausdrücklich verankern.“

Kinderrechte im Grundgesetz. Das klingt gut. Die linken Parteien wollten schon länger den direkten, staatlichen Zugriff auf die Kinder erleichtern. Im Jahre 2012 bekannte die SPD-Politikerin Manuela Schwesig, damals Familienministerin, unverblümt im Deutschlandfunk: „Wir müssen die Kinderrechte im Grundgesetz verankern. Oftmals sind Elternrechte oder andere Rechte höher als die Kinderrechte. Das halte ich für falsch.“ Folglich soll der Staat im Blick auf die Kinder mit größerer Autorität ausgestattet werden als die Eltern. Das kommt nicht ganz überraschend. Frau Schwesig stammt aus Frankfurt an der Oder und wurde sozialistisch erzogen. Heute, also nur 5 Jahre später, stimmen ihr die Eliten der CDU und CSU in diesem Ansinnen zu.

Was ist denn falsch an so einer Verfassungsänderung? Meist werden schnell Fälle von vernachlässigten oder misshandelten Kindern herangezogen, um die Stärkung von Kinderrechten zu begründen. Dabei sind die Rechte von Kindern in solchen Fällen ausreichend geschützt. Behörden können in Verdachtsmomenten bereits heute aktiv werden.

Gewollt wird etwas anderes. Mutti Staat möchte direkt in die Familien hineinregieren und sich das Recht sichern, im Zweifel gegen die Interessen und Überzeugungen der Eltern bestimmen zu können, was für die Kinder gut ist. Auf diese Weise werden die Elternrechte, die durch die Verfassung zugesichert sind, abgemildert. Jenes: „Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung. Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht“, wird zugunsten des: „Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft“ abgeschwächt. Bei einer Pflichtenkollision, also in jenem Fall, beim dem die Vorstellungen des Staates mit den Absichten der Eltern rivalisieren, können sich die staatlichen Behörden leichter durchsetzen. Derzeit keine unmittelbare Bedrohung. Aber totalitäre Staatsmächte lieben solche Möglichkeiten zurecht.

Ich zitiere aus dem empfehlenswerten Buch Gender von Christoph Raedel (Gender: Von Gender Mainstreaming zur Akzeptanz sexueller Vielfalt, Brunnen, 2017, S. 164–165):

Totalitäre Staaten haben von jeher gewusst, warum sie die Kinder beim Staat besser aufgehoben sahen als in der Familie. Wer Leitbilder wie das Verständnis von Geschlecht und sexueller Vielfalt in der Gesellschaft verankern möchte, der muss möglichst früh bei den Kindern ansetzen. In seiner ersten Stufe verfolgte der Ansatz von GM zunächst das Ziel, Frauen durch eigene Erwerbstätigkeit zu wirtschaftlicher Selbstständigkeit zu führen, was für Mütter nur durch Abgabe der Kinder in eine Betreuungseinrichtung möglich ist.

Die radikalisierte Variante von GM, die bereits Kinder in ihrer „aufgezwungenen Identität“ heterosexueller Zweigeschlechtlichkeit verunsichern will, kann bei der immer stärker ausgebauten Fremdbetreuung der Kinder ansetzen. Denn je mehr Kinder von Anfang an die Kita besuchen, desto mehr Kinder kommen in den Genuss einer staatlichen Sexualerziehung, die nach WHO-Vorgaben „mit der Geburt“ beginnt (vgl. 5.1). Dagegen geraten Familien, in denen die Kinder in den ersten Lebensjahren zu Hause betreut werden, unter den Verdacht, sich den Maßnahmen zur kollektiven „Beglückung“ zu widersetzen und mutmaßlich Horte der Intoleranz zu sein.

Flankiert werden diese Maßnahmen durch Bestrebungen, im Grundgesetz „Kinderrechte“ festzuschreiben. Es scheint, als seien Kinder durch das Grundgesetz in seiner geltenden Fassung nicht hinreichend geschützt. So konkret möchten das Politiker dann aber doch nicht behaupten. Sie sprechen allgemeiner von den besonderen Bedürfnissen von Kindern und der Absicht, mit einer Ergänzung des Grundgesetzes das Bewusstsein der Bevölkerung für die Rechte der Kinder zu stärken. Allerdings wird eine Gruppe (wie die der Kinder) nicht erst dadurch Grundrechtsträger, dass sie im Grundgesetz ausdrücklich erwähnt wird – zumal dies bei den Kindern bereits der Fall ist, nämlich in Art. 6 Abs. 2, wo das Recht und die Pflicht der Eltern zur Erziehung ihrer Kinder festgeschrieben ist.

Genau diese explizite Einbindung der Kinderrechte – nämlich ihres Rechts darauf, von ihren Eltern erzogen zu werden – stört die Befürworter von Kinderrechten im Grundgesetz. Der Wissenschaftliche Dienst des Bundesrates hat in seinem Gutachten zur Sache vorliegender Änderungsentwürfe den Paradigmenwechsel klar identifiziert: „Bislang ist das Wächteramt [des Staates] im Wesentlichen in Bezug zur (grundsätzlich vorrangigen) Eltemverantwortung ausgestaltet. Die vorgeschlagene Neuregelung würde hingegen eine davon losgelöste Verantwortung des Staates für die Schaffung besonderer, kindgerechter Lebensbedingungen festschreiben.“ Und genau dies scheint gewollt, auch wenn z.B. UNICEF die Kodifizie-rung der Kinderrechte – wenig plausibel – mit den Elternrechten zu begründen sucht. Nicht die Fürsorge für Kinder, wohl aber ein seine eigentlichen Anliegen verschleiernder Aktionismus ist entbehrlich. Denn die Pointe des „Menschenwürdeschutzes, den unsere Verfassung verspricht, liegt freilich darin, dass Merkmale nicht zählen. In der Abstraktion von Alter, Geschlecht und Herkunft behauptet der Mensch seine Würde – und mit ihm das Kind“.

VD: AW

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Vielfalt der Liebe in der Schule

Im Rahmen des Themenjahrs „Gleiches Recht für jede Liebe“ veröffentlicht die Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) einen Videospot, der folgende Botschaft vermitteln soll: Sexuelle und geschlechtliche Vielfalt habe im Unterricht ein altersgerecht vermitteltes Querschnittsthema zu sein. Die Vielfalt der geschlechtlichen Konstellationen müsse also in allen Unterrichtsfächern gelehrt werden, egal ob die Kinder sich mit Biologie oder Mathematik beschäftigen oder wie alt sie sind.

In dem Video läuft ein ungefähr 7-jähriges Mädchen durch einen geheimnisvollen Dschungel, indem allerlei Sachen zu sehen sind, etwa ein Globus, ein Buch oder eine Periodentafel. Das Mädchen ist auf Entdeckungsreise. Eingeblendet wird die Moral der Erzählung: „Kinder wollen alles wissen. Nicht nur einen Teil des Ganzen.“ Deshalb gilt: „Tatsachen gehören in den Schulunterricht. Die Vielfalt der Liebe ist eine Tatsache.“

Erstaunlich, wie kümmerlich das Video die Förderung der Akzeptanz von sexueller und geschlechtlicher Vielfalt in den Schulen einfordert. Warum kümmerlich?

Ein Kind möchte viel wissen. Das ist gut und soll gefördert werden. Aber ein Kind muss nicht alles auf einmal wissen und lernen, schon gar nicht über die menschliche Sexualität. Vor allem müssen Kinder nicht alle Tatsachen gut finden. Das aber ist genau die unterschwellige Botschaft. Von der Beobachtung: Es gibt in der Natur verschiedene Konstellationen des Geschlechtlichen, wird geschlossen: Diese Konstellationen sind gut für uns Menschen und sollen nicht nur toleriert, sondern affirmiert werden. Die  eigentliche Botschaft ist eine pädagogische bzw. ethische: Kinder müssen dazu erzogen werden, sexuelle Vielfalt nicht nur zu kennen, sondern klasse zu finden.

Um diese Agitation besser zu durchschauen, genügt eine kleine Gegenprobe. Stellen wir uns vor, dass Kind sähe im Dschungel, wie ein Tiger eine kleine Ziege zerfleischt. Eingeblendet würde: „Tatsachen gehören in den Schulunterricht. Die Macht der Starken über die Schwachen ist eine Tatsache.“ Oder eine andere Probe: Als Moral der Beobachtungen in der Natur würde vermittelt: Für die geschlechtliche Fortpflanzung braucht es eine weibliche Eizelle und eine männliche Samenzelle. Die Natur hat keine gleichgeschlechtliche Fortpflanzung vorgesehen. Das ist eine Tatsache.

Hier das Video: 

10 Jahre TheoBlog und die Weihnachtsaktion 2017

Wir sind in der Adventszeit angekommen. Bald feiern wir wieder Weihnachten, erinnern uns gegenseitig daran, dass Gott in dem Menschen Jesus Christus zu uns gekommen ist. In meiner Kindheit und Jugend war die Weihnachtszeit keine ersehnte Zeit. Weihnachten war nichts los, in der Familie gab es oft Stress und Freunde waren nicht erreichbar. Erst als ich verstand, worum es zu Weihnachten wirklich geht, konnte ich mich diesen Feiertagen innerlich nähern. Heute freue ich mich sogar auf die Tage im Kreis der Familie. Weihnachten erinnert mich daran, wie gut es Gott mit seiner Welt meint, wie sehr er uns liebt. Obwohl wir als Sünder nichts von ihm wissen wollten, ist er zu uns gekommen, hat uns gesucht. Dass er mich gefunden und mit seinem Evangelium beschenkt hat, überwältigt mich immer wieder neu.

Der TheoBlog ist 2017 übrigens 10 Jahre alt geworden. Ich habe mir in den letzten Tagen angeschaut, worüber ich vor 10 Jahren an dieser Stelle berichtet und geschrieben habe. Viel Aufmerksamkeit absorbierte damals die Emergente Bewegung. Etliche Beiträge drehten sich um die Postmoderne oder die Kontextualisierung des Evangeliums. Obwohl die Emergente Bewegung als Bewegung inzwischen keine große Rolle mehr spielt, muss ich feststellen, dass viele ihrer Ideen und Ansätze inzwischen Mainstream geworden sind. Ich zitiere mal aus einem Vortrag, den ich ziemlich genau vor 10 Jahren an der FTH in Gießen anläßlich einer Deutschlandtournee des emergenten Brian McLaren gehalten hatte:

Doch unter der scheinbar so beschaulich ruhigen Oberfläche brodelt es. Ich sehe an Bibelschulen und theologischen Seminaren eine wachsende Zahl von Studierenden, die der evangelikalen Theologie innerlich bereits aufgekündigt haben und mit Begeisterung Bücher von Brian McLaren, Dan Kimball, Frost & Herbst oder Rob Bell durcharbeiten. So manch junger Christ, der sich auf geistliche Leitungsaufgaben vorbereitet, scheint davon überzeugt zu ein, ein neues kirchengeschichtliches Kapitel sei angebrochen und die Versöhnung von liberalem und evangelikalem Christentum stünde bevor.

Noch vor wenigen Jahren hätte ich mir nicht vorstellen können, mit evangelikalen Freunden z.B. über folgende Fragen zu diskutieren:

  • Können wir wirklich behaupten: alle Menschen sind böse von Jugend auf?
  • Unterscheidet die Bibel zwischen einem DRIN und einem DRAUSSEN? Schafft dieses Denken nicht trennende und diskriminierende Barrieren?
  • Gibt es so etwas wie eine verbindliche biblische Sexualethik?
  • Ist nicht der Zweifel höchste Form des Glaubens und sind Wissen und Gewissheiten nicht Symptome für Selbstüberschätzung und Arroganz?
  • Ist Gott wirklich personal? Selbst wenn er es ist, müssten wir nicht unsere Gottesvorstellungen von Konzepten wie „Allwissenheit“ oder „Allmacht“ reinigen? Lernt nicht auch Gott aus seinen Fehlern?

Mein damaliges Unbehagen hat sich bestätigt. Diese und ähnliche Fragen prägen inzwischen nicht mehr nur die Diskussionen auf emergenten Foren, sondern sind in der Mitte der evangelikalen Bewegung angekommen und in gewisser Weise sogar schon zugunsten einer postmodernen Methodologie und Kultur entschieden worden. Ich sage das nicht nur, weil ich allerlei Blogs oder Zeitschriften studiere. Gespräche und ein intensiver brieflicher Austausch haben meine Wahrnehmung oft bestätigt. Die Botschaft der Kirche ist heute die eigene Relevanz. Wir wollen uns selbst als für die Welt bedeutsam und attraktiv darstellen. Und wir merken dabei nicht, dass das, was wir der Welt bieten können, ziemlich überschaubar ist. Und: Das einzige, was die Welt sich nicht selbst geben und sagen kann, wird längst unscharf oder überhaupt nicht mehr verkündigt.

Der Geist der Wahrheit redet aber nicht von sich und verherrlich auch nicht die Träume und Taten der Frommen. Der Heilige Geist leitet uns in alle Wahrheit, redet, was er vom Vater empfängt und verherrlicht Christus (vgl. Joh 16). Es geht um den Retter der Welt angesichts eines drohenden Gerichts. Paulus wusste genau, warum er den Korinthern schrieb (2Kor 4,6–6): „Denn wir predigen nicht uns selbst, sondern Jesus Christus, dass er der Herr ist, wir aber eure Knechte um Jesu willen. Denn Gott, der sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben, dass durch uns entstünde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi.“

Was können wir angesichts dieser geistlichen Armut in Europa noch tun? Ich stehe zu dem, was ich vor 10 Jahren in dem oben erwähnten Vortrag gesagt habe:

Lernen wir von den Reformatoren und den klugen geistlichen Leitern der lebendigen Kirche! Was haben Luther, Bucer, Calvin, Jonathan Edwards oder Francis Schaeffer gemacht? Der Segen kam nicht dadurch, dass sie sich gegenüber dem Geist der Zeit geöffnet haben. Die erwecklichen Bewegungen, die wir natürlich nie produzieren können, sondern immer Gnadenakt Gottes sind, wurden durch etwas entfacht, was John Stott das „doppelte Hören“ genannt hat. Das Hören auf das, was Gott in seinem Wort sagt, und das Hören auf das, was in dieser Welt passiert. Wenn wir mit beiden Ohren hören, können wir den Menschen Gottes Interessen kommunizieren. Die Erweckungen kamen durch eine neue Hinwendung zur Selbstoffenbarung Gottes in der Heiligen Schrift und durch eine tiefe Liebe für die Not der Menschen in dieser Welt.

Was mich bei aller berechtigen Sorge und Klage fröhlicher stimmt als vor 10 Jahren, ist die Tatsache, dass immer mehr junge Christen genau die Sackgasse, in die wir uns hineingefahren haben, durchschauen. Bei verschiedenen Gelegenheiten habe ich Menschen getroffen, die längt bemerkt haben, dass das Japsen nach Relevanz, Transformation oder Unterhaltung nicht in den Aufbruch, sondern in die Bedeutungslosigkeit und in eine – ich formuliere bewusst dialektisch – „betörende Funkstille“ geführt hat. Die Welt wird nicht besser, indem wir uns ihr verschenken. Die Welt braucht etwas, was nicht von der Welt ist. Wenn wir nicht von der Quelle her leben und verkündigen, fehlen Würz- und Leuchtkraft. Genau deshalb ist es ja unser Auftrag, das Wort des Christus, das schriftgemäße Evangelium von der freien Rechtfertigung des Sünders, weiterzugeben (vgl. Röm 10,17). So entsteht Glaube. So werden Menschen gerettet. So werden Menschen verändert. So ziehen Menschen mit einer Botschaft in die Welt.

Es gibt also kleine Zeichen geistlichen Aufbruchs. Auch das neue Interesse an textauslegenden Predigten deutet darauf hin, dass dem Wort Gottes etwas zugetraut wird. Der Umfang ist zwar bescheiden, aber es zeigt, dass die Gemeinde lebt.

So sehr ich mich darüber freue, so sehr bin ich allerdings davon überzeugt, dass es weiter gehen muss. Ich habe in dem Beitrag „Wie Weltanschauungen Christen heute beeinflussen“ einige Anregungen dazu formuliert. Wir brauchen:

  • eine vertiefte Beschäftigung mit der (heute so unbeliebten) biblisch-christlichen Dogmatik;
  • eine apologetisch-konfrontative Auseinandersetzung mit nicht-christlichen Weltanschauungen, zu der auch die Schulung im philosophischen Denken und die Kulturapologetik gehören (z.B. Medienkritik);
  • eine Kampfansage an das Wohlfühlchristentum, welches meint, mit Entertainment, versöhnter Verschiedenheit, populistischem Lobpreis und Lebenshilfepredigten erfülle Gemeinde ihre Berufung;
  • eine Wiederbelebung der Katechese unter Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen im Familien- und Gemeindeumfeld;
  • radikale und greifbare Modelle einer schöpferischen Gegenkultur, die die Wahrheit und Schönheit des evangelischen Glaubens gerade auch für junge Menschen greifbar werden lässt;
  • ein Jüngerschaftstraining, welches Nachfolge nicht auf Fragen persönlicher Frömmigkeit reduziert.

In diese Richtung sollten wir betend und mutig gehen!

10 Jahre TheoBlog. Tatsächlich kenne ich Freunde, die seit 10 Jahren immer mal wieder hier vorbeischauen, kommentieren oder mir Empfehlungen zusenden. Bei Vorträgen oder nach Predigten werde ich hin und wieder von Leuten angesprochen, die mir sagen, dass sie durch Beiträge des TheoBlogs inspiriert, korrigiert oder ermutigt worden sind. Das stimmt mich sehr dankbar!

Ich möchte mich auch diesmal bei allen TheoBlog-Lesern herzlich für das Interesse und die Diskussionsbeiträge bedanken.

Etliche Besucher haben in diesem Jahr wieder Bücher, DVD’s oder Elektroartikel über TheoBlog bei Amazon bestellt (mehr dazu hier) oder über den Buchladen geordert. Mehrere Spenden zur Unterstützung des Blogs habe ich ebenfalls erhalten. Vielen herzlichen Dank dafür! Das ist eine großartige Unterstützung!

Falls jemand mit einer Weihnachtsspende über Paypal oder die angegebene Bankverbindung TheoBlog.de unter die Arme greifen möchte, kann er das über das Formular hier tun.

Wie üblich will ich mich durch eine kleine Aufmerksamkeit erkenntlich zeigen. Anläßlich des Jubiläums wird die Aktion diesmal etwas umfangreicher ausfallen. Wieder hat jeder Blog-Leser die Chance, in der Weihnachtszeit ein Päckchen zu empfangen. Allerdings verlose ich diesmal drei Bücher. Und zwar: 

Erster Preis: Johannes Calvin, Unterricht in der Christlichen Religion – Institutio Christianae Religionis, Neukirchen-Vluyn: Neukirchener Verlag, 3. Aufl., 2008, 860 S.

Die Institutio christianae religionis ist das theologische Hauptwerk Johannes Calvins. Sie ist 1536 zum ersten Mal in Basel erschienen. In der endgültigen Fassung liegt der „Unterricht in der christlichen Religion” seit 1559 in vier Teilbüchern mit insgesamt 80 Kapiteln vor.

Calvins Hauptwerk gehört zu den zehn wichtigsten Schriften der Christenheit. Durch das aufmerksame Studieren biblischer Aussagen gelangt Calvin zu einer umfassenden theologischen Gesamtsicht des christlichen Glaubens und seiner praktischen Verantwortung.

Übrigens treffe ich immer wieder auf sendungsbewusste Calvin-Kritiker, die nicht eine Seite der Institutio gelesen haben und imprägniert sind von einem Calvin-Bild, wie es etwa der Schriftsteller Stefan Zweig vermittelt hat.

Die zu gewinnende Ausgabe gibt die hervorragende Übersetzung von Otto Weber sprachlich leicht modernisiert in lateinischer Schrift wieder.

Zweiter Preis: Berthold Schwarz (Hg.), Martin Luther – Aus Liebe zur Wahrheit, Christliche Verlagsgesellschaft, 2016, 499 S.

Martin Luther hat bereits zu seinen Lebzeiten polarisiert. Die einen waren fasziniert von ihm und von der Wiederentdeckung des biblischen Evangeliums von der Gnade. Sie ließen sich von ihm zu neuer Christus- und Glaubenstreue einladen. Die Entdeckung der Bibel als Lebens- und Glaubensbuch sowie die anbetende Anschauung des Gekreuzigten faszinierte viele. Andere waren ihm weniger wohlgesonnen. Sie wünschten ihm die Pest an den Hals, weil er mit seinen an der Bibel orientierten „Reformen“ ganz Europa in Aufruhr versetzte und die gewohnten Ordnungen von Kirche und Obrigkeit zu gefährden drohte.

Luther selbst blieb zeitlebens der „Liebe zur Wahrheit“ verpflichtet, so wie er sie verstand. Was diese Liebe zur Wahrheit bei ihm bedeutete, das will dieses Buch 500 Jahre nach dem Bekanntwerden der 95 Thesen gegen den Ablasshandel im Jahre 1517 in Erinnerung rufen und auf die eine und die andere Weise neu zur Sprache bringen.

22 Autoren haben in unterschiedlich gewichteten Beiträgen die Vielfalt der Gedanken Luthers zur Reform der Kirche „an Haupt und Gliedern“ oder Aspekte ihrer Wirkungsgeschichte ausformuliert. Dadurch können auch heute wieder interessierte Christen Luthers Bemühungen um ein an Christus (solus Christus), an der Bibel (Sola scriptura), an der Gnade (sola gratia) und am Glauben (sola fide) orientiertes Christenleben erstmals oder vertieft kennen lernen, und dabei auch wahrnehmen, was es in der Konsequenz heißen kann, zur Ehre Gottes zu leben (soli Deo gloria). Deshalb ist das Buch auch in diese fünf Kategorien nach den „sola-Begriffen“ unterteilt, die klassisch das reformatorische Erbe zusammenfassen. Diesen Oberbegriffen sind die Einzelbeiträge thematisch zugeordnet.

Dritter Preis: James I. Packer, Gott erkennen, Heroldverlag, 2014, 375 S.

James I. Packers Buch ‚Gott erkennen‘ wurde in den vergangenen Jahrzehnten zu einem Klassiker des christlichen Glaubens. Erstanden ist es aus eine Reihe von Artikeln, die der Theologe geschrieben hatte. Der Grund für den Erfolg des Buches liegt darin, dass es eine Fülle von Informationen über Gott und Sein Wesen vermittelt – und das mit großer Klarheit, Tiefe und Verständlichkeit. Aber es kann noch mehr. Es hilft uns dabei, Gott wirklich zu erkennen, indem es unsere Beziehung zu ihm fördert, indem es uns in Liebe und Anbetung ihm näher bringt.

Diese Neuauflage, herausgegeben vom Herold Verlag, enthält einen Studienführer mit Fragen zu jedem Kapitel.

Um Empfänger eines dieser Bücher werden zu können, sind folgende drei Punkte zu beachten:

  • Sie müssen TheoBlog regelmäßig lesen (Vertrauenssache).
  • Sie müssen mir über das Kontaktformular Ihre E-Mail-Adresse mitteilen (und dabei unbedingt das Stichwort: „Weihnachtspäckchen 2017“ erwähnen).
  • Am 20. Dezember werde ich von meiner jüngsten Tochter unter allen übersandten Adressen die drei Empfänger über ein Losverfahren auswählen lassen und die gewählten Personen kontaktieren (Vertrauenssache). Dabei gewinnt das erste gezogene Los den ersten, das zweite den zweiten und das dritte Los den dritten Preis. Nach Übersendung der Postanschrift schicke ich das Päckchen an den Gewinner.

Vielen Dank fürs Mitmachen!

Ich wünsche eine besinnliche Adventszeit.

– – –

Hier noch die 8 Beiträge, die in den 10 Jahren am häufigsten gelesen wurden:

  1. Das Leben in zwei Reichen
  2. Die Radikalisierung der »Wort+Geist«-Bewegung
  3. Cindy Sherman – Meisterin der Verfremdung und Irritation
  4. Das Sühneopfer von Jesus Christus
  5. Die Liebe siegt? Eine Buchbesprechung über »Love Wins« von Rob Bell
  6. Drei Tipps für das Hörende Gebet
  7. Die Lutherstube auf der Wartburg
  8. Verwinkelte (kostspielige) Postmoderne

Ein offenes Geheimnis

In meinen Gesprächen über den christlichen Glauben werde ich gern mit Erzählungen und Argumenten konfrontiert, die über Hollywood filmisch verbreitet worden sind. Beispielsweise: Film XYZ zeigt doch eindeutig, dass das Christentum eine verfälschte Bibel unters Volk gebracht hat. Oder: Dieser Film legt offen, dass (alle) Christen fürchterliche Heuchler sind. Manchmal habe ich den Eindruck, die neue Übererzählung, die uns heute vermeintlich helfen soll, in einer komplizierten Welt unseren Weg zu finden, stammt aus den Filmstudios.

Leider ist wahrscheinlich genau diese Branche verlogener als manche Institution, die wir so gern vor den moralischen Gerichtshof ziehen. Hollywood ist eine übergroße Inszenierung und in weiten Kreisen ziemlich verlogen.

Der Weinstein-Skandal, der ans Licht brachte, dass ein einflussreicher Produzent (z.B. Pulp Fiction, Shakespeare in Love, Inglourious Basterds, Mandela – Der lange Weg zur Freiheit) Frauen sexuell ausgebeutet hat, kratzt da nur an der Oberfläche. Kevin Spacey’s (American Beauty, House of Cards) geduldete Ausbeuterei werden wir in ein paar Monaten wahrscheinlich wieder vergessen haben. Ein anderes Kaliber ist allerdings Amy Bergs Dokumentarfilm „An Open Secret“ über Pädophilie in Hollywood. Ich habe den Film gesehen und mir wurde dabei schlecht. Kinderstars, deren Leinwandlächeln wir beim Familienabend gemeinsam bestaunt und beklatscht haben, wurden möglicherweise systematisch sexuell versklavt. Es war (und ist?) kein Geheimnis!

Dankenswerterweise berichtet die FAS über den Dokumentarfilm, der seit einigen Wochen endlich so ernst genommen wird, wie er es verdient hat. Die FAS schreibt:

Die Regisseurin Amy Berg zum Beispiel musste erleben, wie die Tagline zu ihrem Film „An Open Secret“ auf hässliche Weise wahr wurde. „The film Hollywood doesn’t want you to see“ hieß es, als er 2014 herauskam, und tatsächlich gab es ihn jenseits von drei oder vier nicht allzu großen Festivals auch kaum irgendwo zu sehen. Obwohl die Kritiken positiv waren, mochte kein Verleih, kein Sender, kein Streamingportal die Rechte erwerben. Als dann der Skandal um Harvey Weinstein losbrach, machte der Produzent den Film auf dem Portal Vimeo gratis zugänglich. Seit dem 12. Oktober hat er mehr als drei Millionen Viewings gehabt.

Amy Berg lässt in ihrer Dokumentation ehemalige Kinderstars zu Wort kommen, die davon erzählen, wie sie auf verschiedene Weise in Hollywood missbraucht wurden. Man sieht die Commercials und Shows, in denen sie auftraten, man hört die Eltern, die fassungslos sind und sich bisweilen für ihre Blindheit zu rechtfertigen versuchen, man erfährt einiges über die traumatischen Folgen. Niemand ist hier verpixelt; bei Berg kommen nur Opfer vor, die auch bereit waren, vor die Kamera zu treten. Das reicht mühelos, um die Strukturen eines langjährigen Pädophilen-Netzwerks zu erkennen.

Mehr: www.faz.net.

Heißt das nun, dass alles, was aus Hollywood kommt, verwerflich ist, dass es dort keine integren Akteure gibt? Nein! Wir sollten uns jedoch nicht blenden lassen!

Rückzug in die Erfahrung

Kürzlich war ich ein paar Tage bei Hanniel Strebel und seiner Familie. Vielen Dank für die schöne Zeit in Zürich! Hanniel hat mich unter anderem zur Krise der evangelikalen Theologie befragt.

Das Ringen um die theologische Wahrheit ist durch Fragen der Performanz verdrängt worden. Ich will damit nicht behaupten, die praktische Themen seien unwichtig. Ich will zum Ausdruck bringen, dass die praktische Theologie, also etwa Fragen des Gemeindebaus, der Predigtlehre, der Ökumene, der Mission oder der Seelsorge vom Wort Gottes her beantwortet und entfaltet werden müssen. Ich beobachte hingegen einen Rückzug in die Erfahrung, in die Innerlichkeit, in den Stil, in den Pop, in die Beziehung. Das kann nicht lange gut gehen. Wir haben in den zurückliegenden Jahrzehnten eine Verflüssigung theologischer Begriffe und Dogmen erlebt, die unsere Theologie breiig und kraftlos gemacht hat. Sie kann den kritischen Geistern nicht mehr viel entgegensetzen. Das zeigt sich sehr gut an dem Desinteresse an der Systematischen Theologie und am Verfall der christlichen Ethik. Die große Herausforderung für die nächsten Jahre wird das ehrliche Ringen um die theologische Wahrheit sein. Anders formuliert: Hat Gott wirklich gesprochen?

Hier das vollständige Gespräch: hanniel.ch.

Hanniel führt in einer eigenen Buchreihe für Jugendliche in das Leben und Denken christlicher Denker ein. Die Cover stammen stammen von Peter Voth.

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