Wie Weltanschauungen Christen heute beeinflussen



Die Ergebnisse einer neuen Barna-Umfrage über den Einfluss nicht-christlicher Weltanschauungen auf das Denken und Leben von Christen überraschen nicht. Beunruhigend sind sie trotzdem. Sie demonstrieren flagrant, dass in den letzten Jahrzehnten in den Ausbildungsstätten, Gemeinden und Familien sehr viel falschgelaufen ist.

Kurz: Sowohl die Vergewisserung des christlichen Glaubens als auch die apologetische Auseinandersetzung mit prominenten denkerischen Strömungen hat so gut wie nicht stattgefunden. Nun driften vor allem die jungen Leute – besonders im urbanen Umfeld – munter ab.

Hier ein paar Einblicke in das Denken, Fühlen und Leben eher „lebendiger Christen“ aus Nordamerika:

  • 61 % stimmen mit Ideen überein, die in der Strömung der neuen Spiritualität verwurzelt sind (z.B. therapeutischer Deismus, Ideen wie „Wenn du Gutes tust wirst du belohnt.“).
  • 54 % akzeptieren postmoderne Ansichten (z.B.: Relativismus: „Es gibt keine objektive Ethik.“).
  • 36 % stimmen mit dem Marxismus verbundenen Ideen zu (z.B. mehr Staat: „Die Regierung, statt Einzelpersonen, sollte möglichst viele Ressourcen kontrollieren, um sicherzustellen, dass jeder seinen fairen Anteil bekommt.“).
  • 29 % glauben an Vorstellungen, die auf dem Säkularismus beruhen (z.B. Konzentration auf die materielle Welt: „Mache so viel wie möglich aus deinem jetzigen Leben.“)

Wir benötigen radikale Umdenkprozesse. Wir brauchen etwa:

  • eine vertiefte Beschäftigung mit der (heute so unbeliebten) biblisch-christlichen Dogmatik;
  • eine apologetisch-konfrontative Auseinandersetzung mit nicht-christlichen Weltanschauungen, zu der auch die Schulung im philosophischen Denken und die Kulturapologetik gehören (z.B. Medienkritik);
  • eine Kampfansage an das Wohlfühlchristentum, welches meint, mit Entertainment, versöhnter Verschiedenheit, populistischem Lobpreis und Lebenshilfepredigten erfülle Gemeinde ihre Berufung;
  • eine Wiederbelebung der Katechese unter Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen im Familien- und Gemeindeumfeld;
  • radikale und greifbare Modelle einer schöpferischen Gegenkultur, die die Wahrheit und Schönheit des evangelischen Glaubens gerade auch für junge Menschen greifbar werden lässt;
  • ein Jüngerschaftstraining, welches Nachfolge nicht auf Fragen persönlicher Frömmigkeit reduziert;

Das alles kostet übrigens neben Mut und Disziplin auch Geld. Das Geld ist prinzipiell sogar da. Leider wandert viel Vermögen gerade in jene Programme, die das fromme Amüsement anstatt die christliche Bildung fördern (wer es nicht glaubt, mute sich mal einschlägige TV- oder Radioformate zu).

Hier die Zusammenfassung der Barna-Umfrage: www.barna.com.

Kommentare

  1. Matze meint:

    @Ron,
    ich denke, dass die Punkte „radikale Umdenkprozesse“ von Dir sind?!

    Ein Schritt denke ich fehlt sehr oft und der wäre als erster zu nennen, was nach meiner Beobachtung auf viele Christen und incl. auch viele Leiter zutrifft:
    – Es muß eine Person / Gruppe / Gemeinde zuerst zu der Einsicht kommen, dass es notwendig ist, dass es zu einem radikalen Umdenkprozess kommt

  2. @Matze: Ja, sind von mir. Aber ich bin sehr dankbar für Ergänzungen. Ich habe nur angedacht. Ohne Einsicht freilich keine Veränderung, das stimmt.

    Liebe Grüße, Ron

  3. Lieber Ron,
    wie immer sehr gute Anregungen von Dir. Das für mich Dringendste ist das greifbare Modell einer schöpferischen Gegenkultur. Die sind wir der Welt eigentlich schuldig.

  4. Schandor meint:

    Vertiefte Beschäftigung mit der (heute so unbeliebten) biblischen-christlichen Dogmatik

    Gott sei’s getrommelt und geklagt, will das keiner mehr, denn Christsein heißt heute fühlen, nicht denken!
    Sobald ein Christ zu denken beginnt, heißt’s doch sofort: Ungeistlich! Die Bibel kann man nicht mit dem „Kopf“, die muss man mit dem Herzen …

  5. Clemens Altenberg meint:

    „Populistischer Lobpreis“, schön gesprochen. Hier ein modernes Beispiel wie es anders geht, für mich der beeindruckendste christliche Musiker der letzten Jahre: David Eugene Edwards: https://www.youtube.com/watch?v=_0lZdfyAYZI

  6. Johannes Strehle meint:

    Wieder eine gute Diagnose und ein guter Therapieplan.
    Ich sehe es auch so, dass an erster Stelle Mut gefragt ist.

  7. Ewald Keck meint:

    Danke für die Analyse und die Impulse. Die Frage ist, ob die Situation in Deutschland vergleichbar ist. Und was konkret weiterhilft. Ein allgemeines Klagelied verändert nichts. Sollen neue Gemeinden gegründet werden? Was können wir gegen den Mangel an biblischer Unterweisung unternehmen? Welche Modelle müssen entwickelt werden, welche Unterlagen gibt es? Da beginnt doch schon der Notstand. Ich wünschte mir an dieser Stelle mehr konkrete Vorschläge, die gemeindetauglich sind.

  8. Matze meint:

    @ Ewald Keck
    Ich denke es gibt keine einfachen Antworten, da diese von der persönlichen Einschätzung des einzelnen oder der Gemeindesituation abhängig sind.
    Was konkret weiterhilft aus meiner Sicht ist, dass wir, auch wenn es nur wenige sind, Gleichgesinnte brauchen, mit denen wir entweder einen Hauskreis aufbauen oder versuchen eine Gemeinde(bewegung) zu erneuern (siehe Vortrag Mohler E21 Konferenz). Leider gibt es zu diesem Themenkomplex wenig spezielle Literatur. Das wichtgste ist aus meiner Sicht, dass wir uns immer mehr von Jesus abhängig machen, dass er uns führen kann vor allem in die Aufgaben hinein, die nach seinem Willen sind. Es wir in der Zukunft nicht so sehr auf Methoden ankommen oder tolle Ratschläge, sondern auf die Abhängigkeit jedes einzelnen von unserem Herrn. Es kommt auf jeden einzelnen an: Wir können nicht darauf warten, dass die entsprechenden Methoden oder Modelle vorliegen. Es geht darum, dass jeder bei in seinem Umfang im kleinen anfängt

  9. Ewald Keck meint:

    @Matze: Danke. Ja, das wird wohl der richtige Weg sein. Ich denke aber, dass mehr Verlangen nach biblischer Unterweisung da ist als wir vermuten. Ein Schlüsselerlebnis war für mich ein Seminar in der evangelischen Kirche (!) im Nachbarort. An vier Abenden hat Dr. Gerhard Maier Vorträge über die Offenbarung gehalten (Kap 6,13,17 und 19) – anspruchsvoll, pro Abend zwei Stunden mit Frageteil, aber gut verständlich und seelsorgerlich. Die Kirche war jeden Abend brechend voll – auch mit Nichtchristen. Das Seminar war Teil eines Bibelkongresses, der mit großem Erfolg im Kirchenbezirk durchgeführt wurde (u.a. mit Ulrich Parzany). Vielleicht müssen wir einfach da, wo Gott uns hingestellt hat, das Wort Gottes mutig verkündigen.

  10. Matze meint:

    @ Ewald Keck
    das habe ich auch gelesen und diese Veranstaltungsreihe, die im Nordschwarzwald war und bei Bibel und Bekenntnis beworben wurde hat sicherlich viel Gutes bewirkt.
    Nur: die geistliche Situation ist leider sehr unterschiedlich. Wir erleben es gerade in unserem Umfeld öfters, dass Programme und Gottesdienste in ihrer geistlichen Tiefe bewußt abgespeckt werden um konsumentenfreundlich zu sein. Wenn man dann einzelne darauf anspricht wird das nicht so gesehen, bzw. es gibt überhaupt nicht die Erkenntnis, dass es notwendig ist, dass sich geistlich etwas ändern muß. Ich denke der letzte Satz trifft es gut: „Vielleicht müssen wir einfach da, wo Gott uns hingestellt hat, das Wort Gottes mutig verkündigen.“

  11. Roderich meint:

    Kleine Nebenbemerkung:

    //“Wenn du Gutes tust wirst du belohnt.“//

    Das finde ich gar nicht so falsch (gibt ja auch viele Bibelstellen im NT, die dieses Prinzip andeuten). Es muss ja nicht damit gesagt sein, dass sich dies auch darauf bezieht, wie wir das Heil erlangen.

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