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Nochmal: Weihnachtsaktion 2020

Es sind nur noch wenige Tage bis zur Auslosung des Logos 9 Silber-Pakets. Deshalb wiederhole ich die Meldung:

Wir nähern uns Weihnachten 2020. Ich möchte mich auch in diesem Jahr bei allen TheoBlog-Lesern für das Interesse, persönliche Gespräche und anregende Kommentare bedanken!

Einige Besucher haben wieder Bücher oder andere Dinge über TheoBlog bei Amazon bestellt (mehr dazu hier). Zudem habe ich einige Spenden zur Unterstützung des Blogs erhalten. Herzlichen Dank! Das ist eine Ermutigung dafür, weiterzumachen!

Falls jemand mit einer Spende der Arbeit unter die Arme greifen möchte, steht eine Bankverbindung oder ein Paypal-Formular zur Verfügung. Vielen Dank!

Erneut möchte ich mich durch eine Aufmerksamkeit erkenntlich zeigen. Der Softwarehersteller Faithlife ermöglicht in diesem Jahr eine Verlosung der phantastischen Bibelsoftware Logos 9 in der Edition Silber.

Aktion: Logos 8 Silber

Logos ist eine führende Bibelsoftware und im deutschsprachigen Raum der größte Anbieter für digitale Literatur aus dem Bereich Theologie. Ich selbst arbeite seit vielen Jahren intensiv mit Logos und bin außerordentlich zufrieden (siehe hier).

Die Bibliothek der Edition Silber enthält unglaublich viele Ressourcen wie etwa das Lexikon zur Bibel, die Biblia Hebraica Stuttgartensia oder die Biblische Dogmatik und vieles mehr.

Das Paket eignet sich ideal für Bibelschüler, Älteste oder Laienprediger. Die Funktionen von Logos 9 Silber umfassen Studienhilfen, das Faktenbuch, einen Atlas, und vieles mehr. Die Software ist verfügbar unter Windows, Mac, Android, iOS und kann auch im Internet genutzt werden. Weitere Informationen über das Paket gibt es hier.

Falls ein Teilnehmer gewinnt, der die Logos 9 Silber Edition bereits besitzt, wird die Firma Faithlife großzügigerweise einen Gegenwert für das Nutzerkonto anrechnen.

Ich danke dem Produktmanagement von Faithlife Deutschland an dieser Stelle für ihre hervorragend Arbeit mit Logos und für die Unterstützung dieser Weihnachtsaktion! Ihr macht eine klasse Arbeit!

Jeder Blog-Leser hat die Chance, das Softwarepaket zu erhalten. Um Empfänger von Logos 9 Silber werden zu können, sind folgende drei Punkte zu beachten:

  • Sie müssen TheoBlog regelmäßig lesen (Vertrauenssache).
  • Sie müssen mir über das Kontaktformular Ihre E-Mail-Adresse mitteilen (und dabei unbedingt das Stichwort: „Weihnachtspäckchen“ in der Mitteilung erwähnen).
  • Am 20. Dezember werde ich von meiner jüngsten Tochter unter allen übersandten Adressen einen Empfänger über ein Losverfahren auswählen lassen und die gewählte Person kontaktieren (Vertrauenssache). Nach Übersendung der Postanschrift stelle ich den Kontakt zur Firma Faithlife her, die dann die Software „freischalten“ wird.

Vielen Dank!

Wenn Friede mit Gott meine Seele durchdringt

„It Is Well with My Soul“. So heißt das Lied, das ohne schwere Leiderfahrungen nicht entstanden wäre. Im Jahre 1871 wurde Chicago durch ein schweres Feuer zerstört. Ungefähr 300 Menschen verloren ihr Leben und weit mehr ihre Heimat. Horatio Gates Spafford war auch dabei. Er verlor bei diesem Brand sein gesamtes Kapital und seinen einzigen Sohn. Trotzdem setzte sich der gläubige Christ für Leute ein, die verarmt und verzweifelt waren.

Nach etwa zwei Jahren wollte er mit seiner Familie nach England reisen. Spafford wird aber durch einen Geschäftstermin verhindert und schickte seine Frau und seine vier Töchter mit dem Schiff voraus. Dieses Schiff kollidierte mit einem englischen Segelschiff. Es sank schnell. Alle vier Töchter ertranken. Seine Frau war eine der 47 Überlebenden dieses Unglücks.

Horatio Spafford hatte allen Grund, mit Gott zu hadern. Doch er hält an Gott fest und schrieb später dieses Lied:

Wenn Friede mit Gott meine Seele durchdringt (Mir ist wohl in dem Herrn)

1) Wenn Friede mit Gott meine Seele durchdringt,
ob Stürme auch drohen von fern,
mein Herze im Glauben doch allezeit singt:
„Mir ist wohl, mir ist wohl in dem Herrn“.

Refr.: 1.-4. Mir ist wohl (mir ist wohl) in dem Herrn (in dem Herrn)!
Mir ist wohl, mir ist wohl in dem Herrn!

2) Wenn Satan mir nachstellt und bange mir macht,
so leuchtet dies Wort mir als Stern:
Mein Jesus hat alles für mich schon vollbracht;
ich bin rein durch das Blut meines Herrn.

3) Die Last meiner Sünde trug Jesus, das Lamm,
und warf sie weit weg in die Fern;
er starb ja für mich auch am blutigen Stamm:
Meine Seele lobpreise den Herrn.

4) Nun leb ich in Christo für Christum allein,
sein Wort ist mein leitender Stern.
In ihm hab ich Fried und Erlösung von Pein,
meine Seele ist selig im Herrn.

Hier wird die Geschichte von Hugh Bonneville (bekannt aus der Serie „Downton Abbey“) nacherzählt (Nachtrag vom 18.12.2020: Ein Leser des Blogs hat mich darauf hingewiesen, dass die Aufnahmen von der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (also den Mormonen) produziert wurde. Das ist mir nicht aufgefallen. Natürlich distanziere ich mich von den Mormonen. Die vorgetragene Geschichte und das Lied gehen freilich auf den Presbyterianer Horatio Gates Spafford und seine Familie zurück.):

Geschlechterunterscheidung wirkt destruktiv

Marie-Claire Wygand dreht den Spieß einfach um. Die Unterscheidung zwischen Mann und Frau sowie das traditionelle Verständnis von Familie mache den Menschen krank. Insofern sei es an der Zeit, den Kindern so früh als möglich beizubringen, dass die Geschlechter soziale Konstruktionen sind. Um die toxische Männlichkeit aufzubrechen, könnten Männer etwa ab und an Kleider anziehen. Das behauptet sie in einem Artikel, der kürzlich bei ze.tt erschienen ist.

Bei ze.tt einem Partner der Wochenzeitung Zeit, kann man nachlesen, wie bei jungen Menschen durch gezieltes Training die Heternormativität aufgebrochen werden soll. Aber nicht nur das: Menschen, die das anders sehen, werden pathologisiert und ihnen wird eingeredet, dass sie andere in den Suizid treiben. Wenn das nicht perfide ist, weiß ich nicht mehr weiter. Fällt denn niemandem auf, dass das auch eine Art und Weise ist, den Diskurs zu beenden und Hass zu schüren?

Der Beitrag offenbart dabei allerlei denkerische Schwächen, die aufgezeigt und angesprochen werden sollten, so etwa die Vorstellung, Geschlecht sei eine Eigenschaft, die nur im Denken als soziale Rolle existiere und Objekten sprachliche zugeschrieben werde. Dass das Quatsch ist, sollte ein Blick in die Tierwelt vermitteln. Die sexuelle Fortpflanzung funktioniert dort nicht, weil die Tiere „doing gender“ praktizieren, sondern weil sie sich paaren. Jede einzelne Zelle hat ihr Geschlecht (vgl. hier).

Aber hier der O-Ton:

Denn die traditionellen Rollen, die noch immer tief verankert sind, machen krank: Nicht nur einzelne Menschen, sondern die ganze Gesellschaft leidet darunter. Sexismus und Homophobie sind immer noch an der Tagesordnung. Wenn Jungen lernen, dass sie nicht schwach oder zart sein und über Gefühle sprechen dürfen, sorgt das dafür, dass sie als Männer eher suizidgefährdet sind und eine verkürzte Lebenserwartung haben. Sie lernen nicht, sich Hilfe zu holen und ihre Gefühle zu kommunizieren.

Mehr: ze.tt.

Warum dankt Paulus Gott für den Glauben?

Warum dankt Paulus seinem Gott für den Glauben der Christen in Rom? Müsste er nicht eigentlich seinen Geschwistern für ihren Glauben danken? Er dankt Gott, da Er der Geber ihres Glaubens ist. Römer 1,8 bringt sehr schön zum Ausdruck, dass der Glaube eine gute Gabe Gottes ist: „Als Erstes möchte ich meinem Gott durch Jesus Christus für euch alle danken, denn in der ganzen Welt spricht man von eurem Glauben.“

Johannes Calvin schreibt in seinem Kommentar: 

Zuerst ist nun der Aufmerksamkeit wert, dass er [also Paulus] ihren Glauben lobt und ihn dennoch als Geschenk Gottes betrachtet. Daraus lernen wir, dass der Glaube eine Gabe Gottes ist. Denn wenn Danken die Anerkennung einer Wohltat bedeutet, so gesteht jemand, dass der Glaube von Gott kommt, wenn er ihm dafür dankt. Wenn wir nun sehen, dass der Apostel seine Lobsprüche immer mit einem Dank beginnt, sollen wir damit ermahnt werden, dass alles Gute, das wir haben, Gottes Wohltat ist.

Mit einer solchen [festen] Redeweise möchte er uns daran gewöhnen, dass wir so immer mehr dazu gebracht werden, Gott als den Spender alles Guten anzuerkennen und andere zur selben Betrachtung zu ermutigen. Wenn dies schon bei den Gaben beachtet werden soll, dann umso mehr beim Glauben, der keine unbedeutende oder gewöhnliche Gnade Gottes ist.

Wir haben also keinerlei Grund, auf unseren Glauben stolz zu sein. Er ist nicht belohnungswürdige menschliche Leistung, sondern ein zutiefst persönliches Vertrauen, welches uns Gott durch seinen Geist schenkt. Deshalb schreibt Paulus an anderer Stelle (2Thess 2,13):

Für euch hingegen, vom Herrn geliebte Geschwister, können wir Gott immer nur danken, denn ihr gehört zu den Erstgeborenen seiner neuen Schöpfung. Er hat euch dazu erwählt, durch das heiligende Wirken seines Geistes und durch den Glauben an die Wahrheit gerettet zu werden.

VD: TW

Hat Augustinus die abendländische „Ursünde“ erfunden?

Wilson AugustinusMit Interesse habe ich das Buch War Augustin der erste Calvinist? gelesen. Autor ist der Nordamerikaner Ken Wilson. Arzt von Beruf, begeistert er sich gleichermaßen für theologische Fragen und studierte deshalb obendrein Theologie. Im Jahr 2012 wurde er von der Theologischen Fakultät Oxford (England) mit der Untersuchung Augustines Conversion from Traditional Free Choice to „Non-free Free Will“, A Comprehensive Methodology promoviert. Inzwischen lehrt Wilson als Professor für Kirchengeschichte und Systematische Theologie an der Grace School of Theology in The Woodlands (Texas, USA).

Die Grace School of Theology hat in ihrer theologischen Erklärung ausdrücklich den Passus aufgenommen, dass „der anfängliche Glaube, der zur Rechtfertigung und Erneuerung führt“, „kein Geschenk Gottes“ ist. Der Mensch kann nach Wilson aus eigenem Vermögen glauben. In dieser theologischen Schule stehend, bemüht er sich beharrlich darum, die Freiheit des Menschen zu schützen. Seine besondere Wertschätzung für die griechischen Kirchenväter überrascht daher nicht. Mehrfach würdigt er Origenes (185–ca. 254 n. Chr.), der wie manch anderer klar erkannt habe, dass Glaube menschlich sei: „Der erste Glaube kommt vom Menschen, er ist nicht göttliche Gabe. ‚Die Apostel, nachdem sie einmal verstanden haben, dass der Glaube, der nur vom Menschen kommt, nicht vollendet werden kann, es sei denn, dass das, was von Gott kommt, hinzugefügt wird, sagen zu ihrem Erlöser: ‚Mehre unseren Glauben!‘ (Com. Rom. 4.5.3)“ (S. 54).

Das Buch bietet dementsprechend allen, die noch immer Glaube als Geschenk verstehen, eine Ausfahrt an: „Es gibt Alternativen. Alle anderen Hauptzweige der Christenheit – der römische Katholizismus, die östliche Orthodoxie und alle nicht-calvinistischen Protestanten [wirklich?] – halten sich an die Perspektive der Willensfreiheit, so wie sie in den ersten vierhundert Jahren der Christenheit einstimmig und einmütig vertreten wurde“ (S. 148). Deshalb der abschließende Appell: „Folgen Sie bitte nicht einem heidnischen Gott, der Sie erst hypnotisiert und dann Ihren Geist manipuliert, sondern schließen Sie sich stattdessen dem liebenden Gott der Christen an, der Sie einlädt, eine freie Wahl zu treffen“ (S. 150).

Falls jemand mit Epheser 2,8–9 dagegenhält, wo Paulus davon spricht, dass die Errettung durch Glauben eine Gabe Gottes ist, steht er nach Wilson unter dem Einfluss des gnostischen Manichäismus. Der manichäische Priester Fortunatus habe diesen Text in dem Sinn verstanden, dass der Glaube ein göttliches Geschenk sei. Das aber könne so nicht sein, da ja dann die Antwort des Menschen auf den göttlichen Ruf etwas wäre, was Gott selbst schenkt. Die Errettung, nicht der Glaube, ist für Wilson Gottes Geschenk. „Sie geschah aus der Gnade Gottes durch den Glauben der Menschen (vgl. Eph 2,8)“ (S. 62).

Wie aber fand der Gnostizismus Eingang in die abendländische Theologie? Für Wilson liegt es auf der Hand. Der Kirchenvater Aurelius Augustinus (354–430 n. Chr.) habe die christliche Theologie mit heidnischen Glaubensvorstellungen korrumpiert und auf diese Weise der gesamten westliche Theologie eine verhängnisvolle Ausrichtung gegeben. Die reformatorische Theologie, die bekanntlich in weiten Teilen Augustinus für sich in Anspruch nimmt, sei diesem groben Missverständnis besonders drakonisch auf den Leim gegangen.

Die Fragen, die Ken Wilson diskutiert, sind keine einfachen. Ich habe viel Verständnis dafür, dass sie gestellt werden. Vielleicht kann ich in den nächsten Monaten eine ausführliche Besprechung des Buches ausfertigen und der Grundthese, dass nämlich der „augustinische Calvinismus“ ein Synkretismus aus Stoizismus, Neuplatonismus und Manichäismus sei, genauer nachgehen. Dafür ist allerdings viel zu lesen und es braucht Zeit. 

Eine Behauptung Wilsons möchte ich freilich schon jetzt hinterfragen. Er behauptet wiederholt, dass sich die Kirchenväter bei den Themen rund um Erbsünde, Vorsehung und Vorherbestimmung sowie Willensfreiheit weitgehend einig waren. Erst mit Augustinus (354–430 n. Chr.) seien heidnischen Ideen von Erbsünde, Determinismus und dem unfreien Willen in die christliche Theologie eingedrungen. Das klingt dann etwa so (S. 62):

In einer scheinbar seltenen theologischen Einstimmigkeit, über Hunderte von Jahren hinweg und durch den gesamten Mittelmeerraum hindurch, herrschte eine christliche regula fidei der Willensfreiheit. Origenes plädierte dafür, diese nicht als eine Regel des Glaubens zu betrachten, sondern als die Regel des Glaubens schlechthin.

Ich wähle noch ein weiteres Zitat (S. 138–139): 

Augustins einzigartige und völlig überzogene Reaktion auf den Pelagianismus setzte erst im Jahre 412 n. Chr. ein und ließ ihn in ein Fahrtwasser geraten, das dem Christentum bis dahin unbekannt gewesen war. Er fügte die verdammenswerte Schuld zur Erbsünde hinzu und verlangte, dass eine radikale manichäische Gnade die tote Seele mittels göttlich eingeflößtem Glauben zum Leben erwecken müsse. Nicht ein einziger Autor vor Augustin hatte gelehrt, dass die Menschen bereits in einem verdammten Zustand geboren wurden und es deshalb nötig war, dass Gott zuerst die gefallene Natur einer Person verändern und mittels Glauben und Gnade erneuern müsse, bevor dieses Individuum in der Lage war, auf Gott zu reagieren. Alle vorherigen Autoren hatten gelehrt, dass Gott allen hilflosen Menschen in der Person Christi bereits ausreichend Gnade zur Verfügung gestellt hatte. Die Menschen mussten nur Gottes Geschenk der Errettung in Christus annehmen, und dies konnten sie mit Hilfe ihres eigenen ihnen verbliebenen Anteils an gottgegebener Gottesebenbildlichkeit, der Willensfreiheit.

Obwohl ich infrage stelle, dass die Einigkeit unter den Kirchenvätern in diesen Dingen so überwältigend war, wie Wilson das vorgibt (siehe dazu weiter unten), bin ich von der Einsicht, dass die Alte Kirche darum bemüht war, die natürliche Freiheit des Menschen zu verteidigen, nicht sonderlich überrascht. Die Alte Kirche hatte anderes im Blick als der späte Augustinus in seinem Konflikt mit Pelagius (ca. 350–418 n. Chr.). Otto Hermann Pesch, ein großer Kenner der Gnadentheologie, schreibt in der Theologischen Realenzyklopädie

Die Schriften der griechischen Kirchenväter sind zur Frage der Willensfreiheit nicht ergiebig, was neue Gesichtspunkte angeht. Der einfache Grund: Die Theologen verarbeiten das paulinische Erbe nicht, weil sie andere Probleme haben und in anderen Auseinandersetzungen stehen. … Wenn dennoch die Willensfreiheit einmal thematisiert, gar als wichtiges Problem wahrgenommen wird (s. o. I.1.1.), so sind die Gegner nicht eine Lehre von der Vorherbestimmung auf der Linie des Paulus, sondern gnostische und manichäische Lehren, die das Böse nicht auf die Wahlentscheidungen des Menschen, sondern auf ein widergöttliches böses Prinzip zurückführen.

Lassen wir noch einen großen reformierten Theologen zu Wort kommen. Bei Herman Bavinck ist nachzulesen: 

In der frühen Kirche, zu einer Zeit, als sie mit heidnischem Fatalismus und gnostischem Naturalismus zu kämpfen hatte, konzentrierten sich ihre Vertreter ausschließlich auf die moralische Natur, Freiheit und Verantwortung des Menschen und konnten daher der Lehre der Schrift über den Ratschluss Gottes nicht gerecht werden. Obwohl die Menschen mehr oder weniger durch die Sünde korrumpiert worden waren, blieben sie frei und konnten die angebotene Gnade Gottes annehmen. Die Lehre der Kirche enthielt keine Lehre von umfassender Prädestination und unwiderstehlicher Gnade. Der Ratschluss Gottes bestand in Vorauswissen und der Festlegung von Belohnung oder Strafe, die von diesem Vorauswissen abhing. Gott überlässt diejenigen, von denen er im Voraus weiß, dass sie nicht glauben werden, ihrem Unglauben und wählt diejenigen aus, deren Verdienste er vorhergesehen hat. Im Wesentlichen ist dies die Position der orthodoxen Kirche geblieben. Die Menschheit ist durch die Sünde geschwächt und sterblich geworden. Dennoch kann der Mensch immer noch das natürlich Gute wählen und die im Evangelium angebotene Gnade annehmen oder ablehnen (vorauslaufende Gnade). Wenn Menschen sie annehmen, werden sie von dieser Gnade unterstützt (kooperative Gnade) und müssen bis zum Ende durchhalten, denn sie können immer noch abfallen. Diejenigen, die diese Gnade annehmen und ausharren, sind für die Erlösung vorhergesehen und vorherbestimmt. Die anderen – auch wenn Gott durch einen vorausgegangenen Willen die Errettung aller will – sind in ihrem gefallenen Zustand belassen und zum Verderben vorherbestimmt.

Einer der letzten bedeutenden reformierten Theologen, der in Deutschland gewirkt hat, sah sehr klar, dass die patristischen Quellen trübe sind. Er behauptet im Grunde das Gegenteil von dem, wofür Ken Wilson steht. Nicht Augustinus habe die paganen Einflüsse in die Theologie hineingetragen. Umgekehrt habe er (unvollkommen) dazu beigetragen, die Theologie von den schon vorliegenden paganen Beeinflussungen zu befreien. Adolph Zahn (1834–1900) schrieb: 

Im großen und ganzen ist die Theologie der Kirchenväter ein mit christlichen Fetzen geschmücktes Heidentum, aus dem sich durch Gottes Providenz dennoch die vielen großen Wahrheiten Augustins von Prädestination, Sünde und Gnade und die logisch wahren Bestimmungen über die beiden Naturen in Christus herausgerettet haben: brauchbare Grundsäulen für die Zukunft.

Noch etwas: Augustinus ist schon zu seinen Lebzeiten mit den Vorwürfen konfrontiert worden, die Ken Wilson vorträgt. Dem afrikanischen Bischof wurde vorgehalten, dass seine Sichtweise den Lehren der Väter widerspreche. Augustinus reagierte gescheit darauf. Er zeigte nämlich zunächst, dass sich die Väter hinten anzustellen haben, da es vor allem auf das ankommt, was in der Heiligen Schrift steht. Gleichwohl hat er sich dann die Mühe gemacht, akribisch Väterzitate zusammenzustellen, die die seiner Meinung nach biblische Auffassung stützen. Sicher, er hat sich dabei durchaus hin und wieder vertan. Er war eben ein Mensch. Wie sorgfältig er jedoch aufs Ganze gesehen gearbeitet hat, wird m. E. aus dem folgenden Zitat des Kirchenhistorikers Michael Fiedrowicz ersichtlich:

Hatte Augustinus bislang also primär die Väterzeugnisse seiner Gegner zu widerlegen versucht, ohne das patristische Argument selber voll zu entfalten, so fand dieses nun auch bei ihm reiche Anwendung in der Kontroverse mit Julian von Eclanum, der nicht nur Vernunftargumente und Schriftbeweise, sondern insbesondere die griechische Vätertradition gegen Augustinus (c. Jul. 1,29) ins Feld zu führen suchte. Prägnant fasste Augustinus (c. ep. Pel. 4,20) die Intention seines eigenen Väterbeweises zusammen: „Es sollen solche, die an den Wert der Worte dieser Männer glauben, darauf hingewiesen werden, wie in diesen Dingen schon vor jenem leeren Gerede katholische Bischöfe den göttlichen Worten folgten. Sie sollen wissen, dass von uns der rechte und von alters her grundgelegte katholische Glaube gegen die neue verhängnisvolle Anmaßung der häretischen Pelagianer verteidigt wird.“ Hatte Julian von Eclanum Augustinus der Erfindung der Erbsünde bezichtigt, so hielt ihm der Bischof von Hippo (c. Jul. 1,5–35; c. Jul. imp. 1,52) die Autorität acht abendländischer Väter (Irenäus, Cyprian, Reticius, Olympius, Hilarius, Ambrosius, Innozenz I., Hieronymus) und mehrerer Vertreter der griechischen Kirche (Basilius, Gregor von Nazianz, Johannes Chrysostomus) entgegen. Selbstbewusst konnte Augustinus (c. Jul. 1,30; 2,37) darauf verweisen, dass seine Ansichten nicht, wie Julian es hinzustellen versuchte, auf einem „Komplott verrufener Männer“ und einer unbewältigten manichäischen Vergangenheit beruhten, sondern in völligem Einklang mit den Überzeugungen jener waren, „die in der katholischen Kirche durch ihre Bemühungen um die gesunde Lehre hervorleuchteten“ und die universale Kirche sowohl chronologisch wie geographisch zu repräsentieren vermochten. Im einhelligen Zeugnis der Väter artikulierte sich also der Glaube der Kirche selbst (c. Jul. 1,34). Augustinus bemühte sich, die von ihm zitierten Autoren durch jeweilige Angabe ihres Bischofssitzes als authentische Glaubenslehrer zu erweisen, insofern sie als Amtsträger zeitlebens in Gemeinschaft mit der Kirche standen und diese repräsentierten. Dass diese Väter vor dem Aufkommen der aktuellen Kontroverse lebten, qualifizierte sie in besonderer Weise, da „sie über die Sache zu einem Zeitpunkt entschieden, wo niemand behaupten kann, sie hätten die eine Partei benachteiligt, die andere begünstigt“ (c. Jul. 2,34). Augustins Väterbeweis ist nicht nur durch ein klares Methodenbewusstsein gekennzeichnet, das verifizierbare, objektiv-korrekte und eindeutige Belege verlangte. Darüber hinaus ist auch das Verhältnis zwischen Schriftautorität und Väterargument von ihm bedacht worden. Als Ausleger der Bibel (divinarum scripturarum tractatores: Aug., pecc. mer. 3,12) werden die Theologen dieser untergeordnet. Allein ihr kommt die canonica auctoritas (pecc. mer. 3,14) mit dem Anspruch der Irrtumslosigkeit zu.

Schließlich soll ein konkretes Beispiel belegen, dass Wilson in dem patristischen Befund eine Übereinkunft sieht, die es so nicht gegeben hat. Es ist nur ein kleines Beispiel und es greift sein Hauptargument allein nicht an. Aber es zeigt, dass auch er nur ein Mensch ist. 

Wilson schreibt: „Kein anderer Autor vor ihm hatte gelehrt, dass Säuglinge aufgrund von Adams erster Sünde schuldig und verdammt waren und die Wassertaufe zur Errettung benötigten“ (S. 86). Das Thema „notwendige Taufe“ klammern wir hier mal aus. Ich selbst bin ein Kritiker der augustinischen Tauftheologie. Aber stimmt es, dass die christliche Theologie bis zu Augustinus keine strenge Lehre von der Ursünde kannte, nach der die Menschen unter dem Fall verloren waren? Ich denke, so einfach ist das nicht und kann mit mindestens einem Zitat belegen, dass der patristische Befund mehrdeutiger ist als Wilson das suggeriert. Melito von Sardes (gest. Um 180 n. Chr.) schrieb in seiner heilsgeschichtlichen Osterpredigt Vom Passa:

Dieser aber [gemeint ist Adam], nachdem er sehr zahlreich und alt geworden war, dadurch, daß er vom Baume gekostet und sich ausgebreitet hatte auf Erden – von ihm wurde ein Erbe hinterlassen seinen Kindern; er hinterließ nämlich seinen Kindern nicht Züchtigkeit, sondern Unzucht; nicht Unvergänglichkeit, sondern Vergängnis; nicht Ehre, sondern Unehre; nicht Freiheit, sondern Knechtschaft; nicht Königsherrschaft, sondern Tyrannei; nicht Leben, sondern Tod; nicht Heil, sondern Verderben. Unerhört und schrecklich wurde auf Erden das Verderben der Menschen. Dieses nämlich fiel ihnen zu: Von der tyrannischen Sünde wurden sie unterjocht und wurden in die Wogen der Begierden geführt, in die sie von den unersättlichen Lüsten hineingetaucht wurden durch Ehebruch, durch Hurerei, durch Schwelgerei, durch Geiz, durch Morden, durch Blutschuld, durch Tyrannei der Schlechtigkeit, durch Tyrannei der Gesetzlosigkeit; der Vater zog gegen den Sohn den Dolch und der Sohn legte Hand an den Vater; und der Frevler schlug die nährenden Brüste, und Bruder tötete den Bruder, und Gast tat dem Gaste Unrecht und Freund mordete den Freund und Mensch schlachtete den Menschen mit tyrannischer Rechten hin; alle waren sie entweder Menschenmörder oder Brudermörder auf Erden geworden. Aber noch schlimmere und schrecklichere Dinge wurden erfunden: Ein Vater legte Hand an sein eigenes, von ihm gezeugtes Fleisch; eine Mutter legte Hand an jene, die sie mit ihren Brüsten genährt; sie vergrub die Frucht ihres Schoßes im Schoße und die unglückliche Mutter wurde ein schreckliches Grab, da sie das Kind verschlang, das sie getragen hatte.

Diese Schilderung des Lebens unter dem Fall erinnert doch stark an das, was der Apostel Paulus über die Herrschaft der Sünde geschrieben hat. Nicht die Tatsünden machen uns zu Sündern, sie sind Ausdruck der über den Menschen herrschenden tyrannischen Sünde. Nachfolger Adams sind keine unschuldigen Menschen mit dem Potential zur Sünde. Nein, sie haben den Zustand der Verdorbenheit geerbt.

Nun weiß ich, dass Ken Wilson in seinem großen Buch Melitos Sichtweise kurz erörtert und sich dort der Deutung von Stuart G. Hall anschließt, der Melito so versteht:

Einmal im Gefängnis, ist der Mensch der Tyrannei der Sünde und seinem Kollegen, dem Tod, ausgesetzt, beides höchst personifizierte Figuren. Auf diese Weise hinterlässt Adam seinen Nachkommen ein unangenehmes Erbe, aber obwohl Paulus die Verbindung des Todes mit der Sünde verfolgt, gibt es keinen Hinweis darauf, dass die Sündhaftigkeit selbst den Nachkommen Adams weitergegeben wird, wie in der späteren augustinischen Lehre.

Handfeste Begründungen für diese Interpretation fehlen. Dass es hingegen gute Indizien dafür gibt, Melito anders zu verstehen, ist beispielsweise bei dem katholischen Dogmatiker Leo Scheffczyk nachzulesen:

Melito sieht die Wirkung des Todes Christi in der Befreiung der Menschheit von dem durch Adam verursachten Verderben, der „hinausgeworfen wurde in diese Welt wie ein Verurteilter ins Gefängnis“ (§ 48). Im Lichte der Erlösungstat Christi beurteilt er nun auch den vorhergehenden Zustand der Menschheit und schildert ihn sehr drastisch und in dunklen Farben. Bemerkenswert ist an der Formulierung, daß hier erstmals die Folgen der Adamstat als Erbe (κληρονομια) bezeichnet werden, […]. Hiernach ist Adam offensichtlich der Stammvater aller Menschen, dessen Tat eine universale Unheilswirkung verursachte. Daß die Tat eines einzelnen am Anfang der Geschichte solches vermochte, wird genau so wenig als problematisch empfunden wie auf der Gegenseite die universale Effizienz der Heilstat Christi.

Ganz zum Schluss: Wer nicht durch Gott von der Herrschaft der Sünde befreit und in den Dienst gestellt wird, mag in der Lage sein, zivil zu leben. Gott lieben und zu seiner Ehre leben kann nur, wer erkannt hat, dass in seiner eigenen Natur nichts Gutes wohnt, noch nicht einmal das Vermögen, zu glauben. Wer nicht von Gott berufen wird, kann die Freude, die der Heiligen Geist jenen schenkt, die sich von ihm regieren lassen, nicht finden. Gott hat uns die Gnade erwiesen, dass wir an Christus glauben (vgl. Phil 1,29). Jesus ist der Anfänger und Vollender des Glaubens (vgl. Hebr 12,2). Der kostbare Glaube wird – wie ein Geschenk – empfangen (vgl. 2Petr 1,1). Apostelgeschichte 3,16 spricht sogar davon, dass der Glaube an Christus ein Glaube ist, der durch Christus selbst gewirkt wird (δίδωμι = gegeben, gewährt).

Führt der Glaube, dass der Glaube ein göttliches Geschenk ist, in den Fatalismus oder in die Passivität? Der Kompatibilismus, die Annahme also, dass Gott souverän regiert und der Mensch zugleich für sein Handeln verantwortlich ist, hat diesen Verdacht vehement zurückgewiesen. Ich behaupte nicht, dass dies einfach zu verstehen ist. Der kürzlich verstorbene Althistoriker Albrecht Dihle hat es nüchtern einmal so gesagt: „Im ganzen Alten Testament ist der Glaube an die Macht Jahwes, der alles Geschehen bestimmt und lenkt, ebenso lebendig wie die Überzeugung, daß der Mensch in seinem Tun und für sein Tun darum verantwortlich sei.“

So viel dazu von mir in aller Kürze und unsortiert. Vielleicht melde ich mich ja noch einmal sortiert zu Wort. 

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Als PDF-Datei gibt es diesen Text auch mit Fußnoten: Wilson_Augustinus.pdf.

Kultur des Todes (12): Die Pflicht zur Abtreibung

Auf den ersten Blick ist es eine düstere, ja ungeheuerliche Botschaft: Die Landesregierung in Baden-Württemberg, eine Koalition aus Grünen und CDU, prüft, ob Neueinstellungen an Unikliniken davon abhängig gemacht werden können, dass Ärzte bereit sind, Schwangerschaftsabbrüche durchzuführen. Das Wochenmagazin Die Zeit meldet:

Man prüfe etwa, ob Neueinstellungen davon abhängig gemacht werden könnten, dass Ärzte bereit seien, Schwangerschaftsabbrüche durchzuführen, sagte sie. Bei jungen Ärzten setze man zudem darauf, sie über Weiterbildungen dafür zu sensibilisieren, dass Abtreibungen zur Arbeit dazugehörten. Als Landesregierung habe man eine Verantwortung bei der Versorgung in diesem Bereich, sagte die Grünenpolitikerin. „Es gibt immerhin einen im Gesetz festgeschriebenen Sicherstellungsauftrag.“

Meines Erachtens ist dieses Ansinnen moralisch verwerflich und verfassungswidrig. Ärzte sollen durch eine Regierung gezwungen werden, eine gesetzwidrige Handlung durchzuführen? Man muss kein Prophet sein, um anzukündigen, dass viele Politiker in Deutschland in den nächsten Jahren massiv an der Abschaffung des Paragraphen 218 arbeiten werden. Der Bundesfrauenrat von BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN fordert schon lange, den Schwangerschaftsabbruch vollständig aus dem Strafgesetzbuch zu streichen. Die EU will noch weitergehen und Abtreibung als Teil eines Menschenrechts auf Gesundheitsversorgung verstehen.

Auf den zweiten Blick lässt sich aus dem Vorhaben aber doch etwas Ermutigendes herauslesen. Junge Ärzte haben gegenüber der Tötung von Kindern im Mutterleib inzwischen mehr Vorbehalte als ihre Vorgänger. Die Staatssekretärin im Landessozialministerium von Baden-Württemberg, Bärbl Mielich, sagte der taz:

Ja, wir sehen doch, dass der Generationenwechsel spürbar wird. Viele derjenigen, die heute Schwangerschaftsabbrüche durchführen, sind 60 Jahre und älter. Und es gibt nicht viele, die bereit sind, ihnen nachzufolgen.

Wunderbar! Wenn doch da nicht die Umerziehung der Ärzte auf der Agenda stünde. Denn Mielich sagte weiter: „Das Hauptproblem ist ja, dass wir die jungen Ärztinnen und Ärzte dazu bekommen müssen, Schwangerschaftsabbrüche durchzuführen. Da setzen wir darauf, dass sie über Weiterbildungen sensibilisiert werden, dass das zu ihrer Arbeit dazugehört.“

VD: WR

Tim Keller schwer erkrankt

Tim Keller gab gestern bekannt, dass bei ihm Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom) diagnostiziert wurde. TC schreibt:

Timothy Keller
Tim Keller (Bild: Wikipedia)

Tim Keller bat seine Follower [bei Twitter] um Gebet, da er mit der Chemotherapie gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs beginnt. Der beliebte christliche Autor und Pastor gab die Nachricht von seiner Diagnose in einem Update auf Instagram und Twitter am Sonntagmorgen bekannt. „Vor weniger als drei Wochen wusste ich nicht, dass ich Krebs habe“, schrieb Keller. „Heute gehe ich zum National Krebs-Institut der National Institutes of Health, um weitere Tests durchzuführen, bevor ich nächste Woche in New York City mit der Chemotherapie gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs beginne.“

Ein Grund, in der Fürbitte an ihn und seine Familie zu denken.

Erst am Wochenende hat Evangelium21 einen Artikel von Tim Keller veröffentlicht, in dem er sich dazu äußert, wie der postchristliche Westen wieder mit dem Evangelium erreicht werden kann. Er schreibt dort:

Wir betreten eine neue Ära. Christ zu sein bringt nicht nur keinen sozialen Nutzen mehr, sondern es kostet tatsächlich einen sozialen Preis. Vielerorts wird unsere Kultur zunehmend glaubensfeindlich und bei immer mehr Menschen schwindet der Glaube an Gott, Wahrheit, Sünde und das Leben nach dem Tod. Unsere Kultur produziert somit Leute, für die das Christentum nicht nur anstößig ist, sondern schlichtweg unbegreiflich.

Gemeindeleiter müssen daher neue Wege finden, um Menschen zu erreichen, die weit davon entfernt sind, es überhaupt nur in Betracht zu ziehen, zur Kirche zu gehen, und die noch nicht einmal die grundsätzlichsten Lehren des Christentums glauben. Und wir müssen Wege finden, wie wir inmitten dieser ganz anderen Kultur Menschen als Gemeindeglieder und Christen prägen können. Lasst uns das die „nach außen gerichtete Bewegung“ und die „nach innen gerichtete Bewegung“ einer missionarischen Begegnung mit der westlichen Kultur nennen.

Um es klarzustellen: Eine missionarische Begegnung ist alles andere als ein Rückzug in kleine Gemeinschaften, die von der Kultur losgelöst sind und kaum Verbindungen zum Rest der Gesellschaft pflegen. Eine missionarische Begegnung ist auch nicht darum bemüht, politische Macht zu gewinnen, um christliche Standards und Glaubenssätze einer unwilligen Bevölkerung aufzuzwingen. Und es geht ihr auch nicht darum, relevant zu sein – also die Gemeinde weitestgehend an die Kultur anzupassen, um von dieser assimiliert zu werden.

Stattdessen sucht eine missionarische Begegnung das Verbindende (anders als die Rückzugsstrategien), konfrontiert dabei allerdings (anders als die Assimilationsstrategien), was dazu führt, dass Leute tatsächlich bekehrt werden (anders als bei allen anderen Strategien, die Strategie der politischen Übernahme eingeschlossen). Eine Gemeinde, die eine missionarische Begegnung sucht, behält ihre Besonderheit bei (was das Ziel des Rückzugsansatzes ist), ist ihren Nächsten häufig eine Ermutigung und stets bemüht, ihnen zu dienen (was das Ziel des Assimilationsansatzes ist), und ruft die Leute zur Buße und Veränderung auf (was der Ansatz der politischen Etablierung möchte).

Mehr: www.evangelium21.net.

Entdeckungsreise durch das Buch der Bücher

Der Onlinekurs „Bibel für alle“ eignet sich jetzt noch besser für die Arbeit in Gruppen. Ab sofort können Teilnehmer innerhalb eines Moduls mithilfe einer modernen Videokonferenz-Software über Kursinhalte sprechen. So macht das Bibelstudium noch mehr Freude.

Online-Bibelkurs in 50 Ländern verbreitet

Das ursprünglich in englischer Sprache herausgegebene Kurspaket ist seit über drei Jahrzehnten erfolgreich im Einsatz. Im Laufe der Jahre sind immer mehr Lernmodule hinzugekommen. Die Lerninhalte werden ständig weiterentwickelt und in andere Sprachen übersetzt. Schon mehr als 50.000 Studierende in über 50 Ländern haben das erste Modul, eine gründliche Einführung in die Bibel, erfolgreich durchgearbeitet.

Den roten Faden entdecken

Die große Stärke des Onlinekurses ist es, dass die Einheit der Bibel, also der rote Faden von der alten bis hin zur neuen Schöpfung, aufgezeigt wird. „Das Verständnis dieses roten Fadens ist für das gewinnbringende Bibelstudium entscheidend“, meint Rene Hamburger, der seit einigen Jahren an der deutschen Ausgabe arbeitet. Es befähigt den Leser, die biblischen Bücher und einzelne Bibelstellen in Gottes fortlaufenden Heilsplan einzuordnen. So ist leichter zu erkennen, dass Jesus Christus die Mitte der Schrift ist. „Dann wird es auch einfacher, das, was die Bibel sagt, in richtiger Weise auf das eigene Leben anzuwenden“ meint Hamburger weiter.

Der Kurs besteht aus sechs Modulen, die aufeinander aufbauen. Die beiden ersten Module sind bereits vollständig verfügbar. Weitere Module werden in den kommenden Monaten freigeschaltet.

Auch in Hauskreisen und Kleingruppen einsetzbar

Obwohl „Bibel für alle“ ursprünglich für Einzelanwender entwickelt worden ist, eignet sich der Kurs ebenfalls für das Studium in Hauskreisen oder sonstigen Kleingruppen. Egal, ob man einzeln oder in der Gruppe unterwegs ist: das Material kann flexibel gemäß dem eigenen Zeitplan durchgearbeitet werden. 

Ob man dabei zuhause oder unterwegs ist, spielt keine große Rolle. Man braucht nur einen Computer, ein Tablet oder ein Smartphone. Die Bibelstellen kann man direkt am Monitor mitlesen. Wer lieber mit Papier arbeitet, darf sich den Kurs gern ausdrucken. Für Nutzer des „Bibel für alle“-Kurses entstehen übrigens in der Einführungsphase keine Kosten. Weitere Informationen zum Kurs und eine Möglichkeit zur Anmeldung gibt es unter der URL: www.bibel-für-alle.net.

Nächstenliebe in der Zeit der Pandemie

Rosaria Butterfield ist der Meinung, dass Nächstenliebe und Gastfreundschaft in einer Zeit der Pandemie besonders wichtig sind. Dazu gehört auch, dass wir sorgfältig mit den Informationen umgehen und drauf achten, nicht Botschafter manipulierter und manipulierender Nachrichten zu sein. Sie schreibt: 

Daniel Defoe, bekannt durch sein Werk „Robinson Crusoe“, schrieb Jahre vor seinem Bestseller ein kleines Buch mit dem Titel A Journal of the Plague Year (dt. „Die Pest zu London“). Dies ist Crusoes historisch-fiktives Tagebuch über das Leben während der Beulenpest des Jahres 1665. Crusoe war fünf Jahre alt, als die Pest seine Welt verwüstete. Sein aufschlussreiches Buch beginnt mit einem Dank an Gott für etwas, das mich zum Lachen brachte. Defoe bedankt sich dafür, dass es 1665 keine Zeitung – oder demnach kein anderes Mittel zur Verbreitung „berichtenswerter Informationen“ über die Beulenpest – gab. Crusoe schreibt: „Wir hatten damals keine gedruckten Zeitungen, um Gerüchte und Berichte über Dinge zu verbreiten, und diese durch menschliches Hinzutun noch zu vergrößern.“

Crusoe verstand, dass die Pest schlimm genug ist; wir sollten sie nicht noch durch emotionale Manipulation vergrößern. Im Jahr 2020 können wir uns der Berichterstattung in den Medien über das Coronavirus kaum entziehen. Wir scheinen auch nicht in der Lage zu sein, den abscheulichen Strom von Klatsch und Verleumdung von vermeintlichen Experten, der uns als „Information“ weitergegeben wird, richtig einzuordnen. Wenn wir selbst nicht dem zwanghaften Schauen von Nachrichten oder anderen Newsfeeds unterlegen sind, ist zumindest jemand in unserem Bekanntenkreis mehr als bereit, neue (schlechte) Nachrichten mit uns zu teilen. Wir möchten selbstverständlich etwas über dieses neuartige Virus erfahren, aber neue Viren kommen eben nie mit einer Gebrauchsanweisung.

Mehr hier: www.evangelium21.net.

Gottes Segen

Bei unserem täglichen Familienspaziergang kam uns eine sehr alte Frau mit einem Rollator entgegen. Als wir auf gleicher Höhe waren, hielt sie an, schaute uns in die Augen, lächelte und sagte mit schwacher Stimme: „Ich wünsch ihnen Gottes Segen; und Gesundheit.“

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