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Gaga: »Ich bin eben so geboren«

Es war wieder eine große Inszenierung. Lady Gaga wurde bei den Grammy Awards in einem Ei auf die Bühne getragen und performte ihren neuen Song »Born This Way«. Die Botschaft ist klar: Lebe so, wie es dir entspricht. Liebe dich selbst und tue das, was dein Herz dir sagt. Du bist als Superstar geboren. Also benimm dich wie eine Königin und alles ist gut. Es gibt keine falschen Wege. Das Brüten sei unabdingbar gewesen, »weil eine ganz neue Rasse auf die Welt kommen sollte – eine Rasse, die weder die Fähigkeit zu richten noch zu hassen in ihrer DNA habe« (FAZ vom 15.02.2011, Nr. 38, S. 7).

Gaga:

No matter gay, straight or bi
Lesbian, transgendered life
I’m on the right track, baby
I was born to survive
No matter black, white or beige
Chola or orient made
I’m on the right track, baby
I was born to be brave
I’m beautiful in my way,
‘Cause God makes no mistakes
I’m on the right track, baby
I was Born This Way

Alles ist gut so, wie es ist? Höre auf dein Herz? So einfach ist das nicht!

Es stimmt: Gott hat uns sehr gut geschaffen (Gen 1,31). Aber wir Menschen waren (in Adam) Gott ungehorsam, gehen als Abtrünnige unsere eigenen Wege (vgl. Röm 5). Unser Herz ist trügerisch, manchmal eine große Räuberhöhle. Unser »Dichten und Trachten« ist böse von Jugend an (Gen 8,12). »Verschlagener als alles andere ist das Herz, und unheilbar ist es, wer kann das verstehen?« (Jer 17,9). Da wir Gott nicht ehren, ist es in uns dunkel geworden. Paulus beschreibt das so (Röm 1,21):

Denn obwohl sie Gott erkannten, haben sie ihm nicht die Ehre gegeben, die Gott gebührt, noch ihm Dank gesagt, sondern sie verfielen mit ihren Gedanken dem Nichtigen, und ihr unverständiges Herz verfinsterte sich.

Machen wir unser eigenes Herz zum letzten moralischen Maßstab, kann das böse enden. Ich nehme Lady Gaga mal beim Wort. Wenn Gott unser Schöpfer ist, dann weiß er genau, was gut für uns ist und kann sich uns auch mitteilen. Genau das hat er getan. Er hat uns gute Gebote gegeben, die das Leben fördern. Deshalb bekennt Gott: »Ach dass sie ein solches Herz hätten, mich zu fürchten und zu halten alle meine Gebote ihr Leben lang, auf dass es ihnen und ihren Kindern wohlginge ewiglich!« (Dt 5,29).

Gottes Gebote schützen uns vor unseren verführbaren Herzen. Als Rebellen mögen wir diese Gebote nicht. Wir glauben, sie behindern uns an der Selbstentfaltung. Sogar dann, wenn wir an ihnen Gefallen finden und sie halten wollen, merken wir: Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. Der Prophet Ezekiel schreibt deshalb (18,31): »Werft all eure Vergehen von euch, mit denen ihr euch vergangen habt, und schafft euch ein neues Herz und einen neuen Geist!«.

Ein neues Herz schenkt Gott denen, die an ihn glauben. Gott kann uns in Jesus Christus unsere Schuld vergeben und unser Inneres neu machen: »Und ich werde euch ein neues Herz geben, und in euer Inneres lege ich einen neuen Geist. Und ich entferne das steinerne Herz aus eurem Leib und gebe euch ein Herz aus Fleisch« (Ez 36,26 ). Wer mit diesem neuen Herzen glaubt, ist gerettet. Und: Dieses neue Herz hat Freude an dem, was Gott gefällt. Dieses Herz vertraut auf Gott und bekennt, dass Jesus der Herr ist (Röm 10,9–13, vgl. auch 2Kor 5,15–19):

Denn wenn du mit deinem Mund bekennst, dass Jesus der Herr ist, und in deinem Herzen glaubst, dass Gott ihn von den Toten auferweckt hat, wirst du gerettet werden. Mit dem Herzen nämlich glaubt man, auf Gerechtigkeit hin; mit dem Mund bekennt man, auf Rettung hin. Denn die Schrift sagt: Keiner, der auf ihn vertraut, wird blossgestellt werden. Es ist ja kein Unterschied zwischen Juden und Griechen, denn sie haben alle ein und denselben Herrn, der alle reich macht, die ihn anrufen. Denn: Jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden.

Glaubst du?

Marcus Borg und sein erwachsener Glaube

N.T. Wright, der zusammen mit seinem Freund Marcus Borg ein Buch herausgegeben hat, verblüffte im Jahr 2006 in einem Interview die Öffentlichkeit mit der Bemerkung:

Marcus Borg glaubt tatsächlich nicht, dass Jesus Christus leiblich vom Tod auferstanden ist. Ich kenne Marcus gut. Er liebt Jesus und glaubt leidenschaftlich an ihn. Die philosophische und kulturelle Welt, in der er groß geworden ist, hat es ihm sehr sehr schwer gemacht, an die leibliche Auferstehung zu glauben.

Um die Dinge klar beim Namen zu nennen: Marcus Borg glaubt nicht an den Jesus von Nazareth, der von den Toten auferstanden ist. Für Borg ist der nachösterliche Jesus eine Metapher, ein Bild, das uns hilft, spirituelle Veränderungsprozesse zu durchlaufen. Tod, Auferstehung und Wiedergeburt sind christliche Symbole für religiöse Transformationen, wie es sie in vielen Religionen gibt. Borg (Heute Christ sein: Den Glauben wieder entdecken, Düsseldorf: Patmos Verlag, 2005, S. 126):

Dieser Prozess der persönlichen spirituellen Verwandlung – was wir Christen Wiedergeburt nennen, mit Christus sterben und auferstehen, Leben im Geist – ist also wesentlich für die Weltreligionen. Um das zur Beteuerung des Johannes, dass Jesus »der Weg« ist, in Beziehung zu setzen: Der Weg, den Jesus verkörpert, ist ein universeller Weg, kein exklusiver Weg. Jesus ist die Verkörperung, die Fleischwerdung des Pfades der Veränderung, wie ihn die Religionen kennen, die die Zeit überdauert haben.

Diese Gemeinsamkeit zwischen dem Weg Jesu und den Wegen der Weltreligionen erscheint manchen Christen beunruhigend angesichts der Geschichte unserer Vorstellung von Jesus als »dem einzigen Weg«. Aber die Gemeinsamkeit ist ein Grund zur Freude, nicht zur Sorge. Es bedeutet nicht nur, um auf eine Aussage in der Apostelgeschichte anzuspielen, dass der Geist auch auf Muslime, Buddhisten, Juden, Hindus … ausgegossen wurde, sondern es verleiht auch dem Christentum mehr Glaubwürdigkeit. Wenn der christliche Pfad als absolut einzigartig gesehen wird, ist das fragwürdig. Wenn jedoch Jesus als die Verkörperung eines universellen Pfades gesehen wird, über den auch anderswo gesprochen wird, dann erhält der Pfad, den wir in ihm erkennen, große Glaubwürdigkeit.

Hier ein kurzes Skript zum Osterverständnis von Marcus Borg, das ich 2009 schon mal im Blog verlinkt habe: marcusborg.pdf

Vorsicht, Broder!

Anselm Kiefer hat den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels schon bekommen. Der böse Henryk M. Broder plädiert nun dafür, dass der Terrorist Carlos den Preis ebenfalls erhält. Ich sage nur: Vorsicht, Broder!

Man muss schon sehr viel Fantasie haben, um Kiefers Werke als einen Beitrag zum Frieden zu verstehen. Was sie vor allem verbreiten ist die schlechte Laune ihres Urhebers, manche Besucher einer Kiefer-Ausstellung eilen sofort in die Ambulanz einer psychiatrischen Klinik, um nicht wie Bojen, die aus ihrer Verankerung gerissen wurden, im tiefen Meer der Depressionen zu versinken.

Nun ist es nicht unbedingt Aufgabe der Kunst, gute Laune zu verbreiten, aber muss ein Künstler, der für seine friedensstiftende Arbeit ausgezeichnet wurde, so weit gehen, einen Massenmord zu einem Kunstwerk zu erklären? Anselm Kiefer hat vor kurzem während einer Vorlesung am Pariser College de France gesagt, Osama bin Laden habe am 11. September 2001 in New York »das perfekteste Bild geschaffen, das wir seit den Schritten des ersten Mannes auf dem Mond gesehen haben«, dabei sei es ihm nicht um einen terroristischen Akt gegangen, sondern allein darum, symbolträchtige Bilder zu produzieren.

Hier: www.welt.de.

Ein Plädoyer für die Katechese

201102031440.jpgAls ich vor einigen Tagen das Buch:

  • J.I. Packer u. Gary A. Parrett: Grounded in the Gospel: Building Believers the Old-Fashioned Way, Baker Book House, 2010

in die Hände bekam, bin ich zunächst erschrocken. Schon in der Einleitung loben die Autoren die Päpste Johannes Paul II. und Benedict XVI. und machen die Jungschararbeit in den evangelikalen Gemeinden mitverantwortlich dafür, dass der Durchschnittschrist von heute seine Glaubensgrundlagen nicht kennt. Je mehr ich mich jedoch in das Buch hineingelesen habe, desto stärker war ich beeindruckt. Die Autoren haben nichts gegen Kinder- und Jugendarbeit per se, sondern plädieren dafür, dass die systematisch-biblische Unterweisung wieder aufgewertet wird. Wir sind sehr geprägt von der Fast food-Kultur, auch im Gemeindeleben. Um der Lehre angemessen Raum zu geben, müssen – so Packer und Parett – die unterhaltsamen Anteile zugunsten der Katechese reduziert werden. Außerdem: Systematisch Lehren kann nicht jeder, sondern nur derjenige, der selbst mit dem christlichen Glauben vertraut ist. Leider spielt diese Qualifikation bei der Auswahl von Mitarbeitern heute oft nur eine untergeordnete Rolle, frei nach dem Motto: Hauptsache, es kümmert sich jemand um die Kinder. Die Autoren wollen gegen den Strom schwimmen und führen sehr überzeugend in die Grundlagen der Katechese ein.

Zu dem Buch, das Packer gemeinsam mit einem ehemaligen Studenten verfasst hat, schreibt der Verlag:

Historically, the church’s ministry of grounding new believers in the essentials of the faith has been known as catechesis – systematic instruction in faith foundations, including what we believe, how we pray and worship, and how we conduct our lives. For most evangelicals today, however, this very idea is an alien concept. Packer and Parrett, concerned for the state of the church, seek to inspire a much needed evangelical course correction. This new book makes the case for a recovery of significant catechesis as a nonnegotiable practice of churches, showing the practice to be complementary to, and of no less value than, Bible study, expository preaching, and other formational ministries, and urging evangelical churches to find room for this biblical ministry for the sake of their spiritual health and vitality.

Die Gospel Coalition schreibt in einer Besprechung des Buches:

Packer and Parrett move from history to explanation to application in their vision to see catechesis restored to the body of Christ. Anyone would benefit from reading Grounded in the Gospel for this is no dry exercise in educational theory within the church. Rather it is a thoroughly informed and passionate plea to fully comprehend the essence and faithfully apply the implications of the Gospel. Pastors, elders, and parents will benefit especially from the vision and strategy of this timely and important book.

Ich kann das Buch, das die Meta-Ebene immer wieder verlässt und allerhand konkrete Vorschläge für eine »Katechesierung« der Gemeinden unterbreitet, sehr empfehlen.

Verlorene Söhne, Töchter, Väter: Interview mit Bettina Klix

41rXaKwKopL._SL160_.jpgKann ich gar nichts behalten? Was ist von mir noch übrig? So könnten viele Figuren in Paul Schraders Filmen fragen. Das tun sie nicht. Sie fragen stattdessen »Was bin ich wert?« oder sagen: »Einige meiner Illusionen wurden zerstört« wenn ihr bisheriges Leben in Trümmern liegt. Paul Schrader zwingt seinen Figuren existenzielle Entscheidungen in Form drastischer Bedrohungen auf. Er setzt sie gefangen, um zu zeigen, dass sie vorher nicht frei waren oder schickt sie auf die Suche nach sich selbst.

Die Schriftstellerin Bettina Klix beschreibt in ihrem neuen Buch Verlorene Söhne, Töchter, Väter, wie Schrader seine Figuren preisgibt – und rettet. Theoblog hat mir ihr gesprochen:

– – –

Verlorene Söhne, Töchter, Väter: Interview mit Bettina Klix

Theoblog: In Schriftstellerkreisen ist Dein Name bekannt. Allerdings werden Dich nur wenige Theoblog-Besucher kennen. Kannst Du etwas über Dich erzählen?

Bettina Klix: Mein Debüt als junge Autorin war bei Suhrkamp. Der Kurzprosa-Band Tiefenrausch fand nur wenige geneigte Leser. Dem Nachfolger Sehen Sprechen Gehen erging es leider genauso. Eine wichtige Person, die mich in all den Jahren des Misserfolgs nicht aufgeben ließ, ist »mein« Übersetzer Eric Miller. In diesem Jahr soll in Kanada ein Auswahlband mit der frühen Prosa erscheinen.

Theoblog: In Deinem neuesten Buch »Verlorene Söhne, Töchter, Väter« beschreibst Du sieben Filme von Paul Schrader. Was ist es, was Dich an seinen Filmen besonders berührt?

Bettina Klix: Es war ein unerwarteter Auftrag von der Berliner Kinemathek, ein Buch über Schrader zu schreiben. Meine wunderbaren Herausgeber ließen mir völlig freie Hand. Da habe ich mich auf die Filme mit religiösen Themen beschränkt und solche, in denen auf mehr verschlüsselte Weise der Glaubenshintergrund Eingang gefunden hat, wie in »Light Sleeper« das Thema der Gnade. Als ich Interviews mit Schrader sah, musste ich feststellen, dass er gerade das, was ich für gelungen halte, nicht immer selbst dafür hält. Ich denke, das hat mit seiner jugendlichen Abkehr von seiner familiären calvinistischen Glaubensprägung zu tun. Obwohl er selbst oft sagt, dass er immer noch davon bestimmt sei, gab er als Beispiel nur das Bewusstsein für ethische Konsequenzen an. Mich berührt also auch das, was sich in seine Filme eingeschlichen hat oder was seinen Intentionen entgegenläuft.

Theoblog: Rüdiger Suchsland hat in seiner FAZ Buchbesprechung die »phänomenologische dichte Beschreibung« der Filme hervorgehoben. Ich habe das beim Lesen auch so empfunden. Du bleibst sehr nah am Film und schilderst als atemberaubend detaillierte Beobachterin. Du musst Dir die Filme wieder und wieder angesehen haben. Wie hast Du gearbeitet?

Bettina Klix: Ja, ich habe mit den Filmen gelebt. Weil das von vorn herein klar war, dass es nur so funktionieren könnte, habe ich mich deswegen im Vorfeld gegen einige seiner Filme entschieden, die ich zwar für großartig halte, mit denen ich aber nicht so eng hätte »zusammenleben« wollen. Wie zum Beispiel »Auto Focus«, der Film über zwei Sexsüchtige. Außerdem wird einer der beiden von Willem Dafoe dargestellt und seit ich ihn in »Last Temptation of Christ« von Scorsese sah (für den Schrader das Drehbuch schrieb), wo er Jesus spielt, möchte ich dieses Bild nicht so gern »hergeben«. Je öfter man einen Film sieht, umso weniger kann er sich »verbergen«, trotz der eigenen Ermüdung, die sich unweigerlich einstellt. Die Religionssatire »Touch« hielt ich beim ersten Sehen für sehr seltsam. Außerdem habe ich keine einzige Äußerung von Schrader dazu gefunden. Doch als ich dann anhand der anderen Filme und seiner Selbstauskünfte begriff, dass er seine Arbeit manchmal selbst nicht schätzt, stieg ich ein und fand, dass hier gerade – in der komischen Maskierung – ein Film über die Möglichkeit des Wunders entstanden ist.

Theoblog: In dem Film »Hardcore« (dt. Ein Vater sieht rot) wird geschildert, wie der strenggläubige Calvinist Jake Van Dorn sich sehr für die gesunde Lehre engagiert und währenddessen unvermittelt seine sowieso etwas scheue Tochter verliert. Als er sie mit Hilfe eines Privatdetektivs wieder findet, ist sie Pornodarstellerin. Ich habe den Film bisher nicht gesehen. Aber deine Besprechung hat mir die Tränen in die Augen getrieben.

Bettina Klix: Der Film mutet uns ja mit seinen krassen Gegensätzen sehr viel zu, aber der erste Teil, in dem Schrader sich bemühte, einen gewissen Druck der strengen Umgebung aufzubauen, war für mich bei meinem wiederholten Sehen immer der Abschnitt, den ich am liebsten gesehen habe. Das ist alles – gegen den Willen des Regisseurs – so liebevoll in den Einzelheiten, dass sich eine Flucht der Tochter daraus nicht zwangsläufig ergibt – wie manche es ja interpretieren.

Theoblog: Tief betroffen gemacht hat mich Deine Schilderung des Filmschlusses. Jake trifft endlich auf seine Tochter, die sich, voller Scham, nicht vorstellen kann, wieder in das alte Leben zurückzukehren. Der Vater erkennt, dass er nie gelernt hat, ihr seine Liebe zu zeigen. Ein Happyend?

Bettina Klix: Ja, fast. »Hardcore« ist ein Film, an dem Schrader selbst das Gute nicht sieht. Ja, im Gegenteil hält er es für einen Fehler, dass der Film so endet. Er wollte, dass die Tochter stirbt, bevor der Vater sie findet. Noch vor kurzem hat er sich bei einer Veranstaltung auf drastische Weise negativ über das Ende geäußert. Es tat mir geradezu weh, wie das Publikum über seine Selbstbezichtigung lachte. Im Buch habe ich noch einmal darauf hingewiesen, dass es schwierig genug sein wird, für Vater und Tochter ihr Leben wieder aufzunehmen. Dass er der Filmtochter die Chance nehmen wollte, hat aber viel mit Schraders Abkehr von seinem eigenen Vater zu tun. Dass der Film letztlich gegen diesen gerichtet war, hat selbst Schrader eingestanden. Aus diesem Grund auch gefällt ihm der Film nicht mehr und das wiederum kann ich sehr gut verstehen. Denn er setzt diese Stellvertreterfigur ja den größten Qualen aus. (Siehe Titelbild meines Buches.) Schrader selbst wollte eben nicht zurückkehren – in seine Familie und den Glauben.

Theoblog: In Schraders Filmen geht es um Identität, um das sich verlieren, suchen und finden. Menschen finden gelegentlich etwas, was sie gar nicht gesucht haben. Hast Du bei der Beschäftigung mit Schrader und seinen Filmen auch unerwartet etwas entdeckt?

Bettina Klix: Als ich mich mit Schraders religiösem Hintergrund beschäftigte, gehörte das zur Arbeit. Doch je mehr ich mich auf diese Spuren begab, mir etwa die Netz-Andachten des Calvin College, Grand Rapids, ansah, das Schrader früher besucht hatte, zuerst nur neugierig, dann regelmäßig, veränderte ich mich. Das Nachforschen wurde zu einer Befragung meines eigenen christlichen Glaubens. Man könnte sagen, dass ich mich in diesem Prozess selbst »evangelisiert« habe.

Theoblog: Vielen Dank für das Gespräch!

Das Buch kann hier bestellt werden:

Bilderrätsel

Wer sitzt da wohl am Computer und tippt ein Manuskript?

VD: JT

Was ist eine gute Familie?

Die von mir sehr geschätzte Bettina Röhl, Mutter einer dreijährigen Tochter, sagt im aktuellen Chrismon (Februar 2011, S. 26):

Heute ist die Familie als Lebensform in Misskredit gekommen. In den Medien spielen Patchwork- und Scheidungsfamilien und homosexuelle Ehen eine wichtigere Rolle als die Familie mit Mann, Frau und Kind, und es gibt tatsächlich sehr viele Scheidungen. Das innere Bild von einer gelingenden Familie ist durch viele ideologische Diskussionen angeknackst. Das verunsichert mehr als die Frage, wie Beruf und Kinder zu vereinbaren sind.

…

Bei Frauen wie Männern besteht eine große Unsicherheit, ob der Partner bleibt. Ob es eine gewisse Verlässlichkeit in die Zukunft hinein gibt. Ein Kind, da geht es in Wahrheit um die nächsten 18 Jahre, und dann ein Leben lang. Natürlich fühlen Frauen und Männer sich sicherer, wenn sie wissen: Wir bleiben länger zusammen.

Hier das Gespräch zwischen Chrismon, Margarete Mitscherlich und Bettina Röhl: chrismon.evangelisch.de.

Der Schwerkraft entgegen

Tobias beschreibt, warum er die Evangelische Kirche verlassen hat. Die Worte machen betroffen. Sie rütteln auf, auch dann, wenn einem die Rückkehr zur Katholischen Kirche nicht alternativlos erscheint. Tobias, danke für dieses ehrliche und klare Bekenntnis, das Dir, ich spüre es Dir ab, nicht leicht gefallen ist!

Je stärker in mir der Glaube an Jesus Christus wurde, desto wichtiger wurde für mich die Kirche, seine Braut. In diesem Licht fiel mir die Evangelische Kirche selten als relevante Kraft auf – weder geistlich, noch gesellschaftlich oder kulturell – sondern durch Angebote von Yogakursen, Äußerungen der Ratsvorsitzenden zu Themen der Sozial- und Umweltpolitik, ein Anbiedern an eine Geschlechter-»Gerechtigkeit«, die Umdeutung der Schöpfungsordnung und der Eindeutigkeit der Ehe als Bund zwischen Mann und Frau. Ich verstehe dies als Versuch der EKD-Leitung, eine Sprache zu sprechen, die von der Welt mit Wohlwollen vernommen wird. Vergebens halte ich Ausschau nach Beständigkeit, nach Frucht, von der die Gläubigen und die Welt leben können.

…

Ich suche als junger Mann nach Orientierung und Verbindlichkeit, Vorbildern und Hirten für mein Leben mit Jesus Christus. Doch mein Eindruck ist, dass die Volkskirche ihre Mitglieder nicht wirklich dahin führt, Christus zu leben, sondern vor allem sich selbst – was immer dieses Selbst sein mag. Dadurch werde ich nicht geleitet, sondern verleitet. Nämlich dazu, ein mir als stimmig, zeitgemäß und korrekt erscheinendes Gutmenschentum zu adaptieren, das vor allem politisch intendiert ist. Anmaßend finde ich, dass das als »Nachfolge« feilgeboten wird! Ich möchte nicht vorgelebt bekommen, wie ich mich der Welt anzupassen habe. Das tut sie bereits lautstark selbst kund! Das nährt nicht den Glauben, sondern die Frustration.

Hier mehr: www.ojc.de.

vORSICHT sATIRE

Nachfolgend ein Gastbeitrag von Johannes Strehle:

vORSICHT sATIRE

Difficile est, satiram non scribere, steht schon in der entmythologisierten Vulgata.

(Um einem möglichen Missverständnis vorzubeugen: Die Satire richtet sich nicht gegen Andreas Müller – ganz im Gegenteil.)

Der Blog Aufklärung 2.0 wird leider geschlossen. Andreas Müller kooperiert künftig mit Theoblog.

Zunächst die Realsatire:

ideaSpektrum hat in der Ausgabe 50/2010 Unter der Überschrift »Kirche – Aufbau oder Abstieg?« ein lesenswertes Interview mit Markus Dröge veröffentlicht. Seit einem Jahr ist Markus Drögeals Nachfolger von Wolfgang Huber Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) mit 1,1 Millionen Mitgliedern. (1960 hatte diese Landeskirche 2 Millionen Mitglieder mehr, 1990 nach dem Ende der atheistischen DDR immerhin noch eine halbe Million Mitglieder mehr als heute.) Diese Landeskirche »ist vor allem bekannt als Kirche der deutschen Hauptstadt, die auch als ›Welthauptstadt des Atheismus‹ bezeichnet wird.«

(Naheliegende) Frage von ideaSpektrum: Welchen Grund sollte eigentlich ein überzeugter Atheist haben, an die christliche Botschaft zu glauben?

Markus Dröge: Wir verkünden die Menschenfreundlichkeit Gottes und schätzen jeden Menschen als Persönlichkeit unabhängig von seiner Leistung. Mit dieser Botschaft können wir jeden Menschen ansprechen. Wir haben gleichzeitig mit unserer Botschaft eine starke Nähe zur Menschenwürde. So tragen wir dazu bei, dass unsere Gesellschaft von Gerechtigkeit und Nächstenliebe geprägt ist. Damit lade ich Atheisten ein, sich der christlichen Botschaft zuzuwenden.

ideaSpektrum: Ein Atheist wird Ihnen sagen: Meinen Nächsten liebe ich auch– dafür brauche ich die Kirche nicht!

Markus Dröge: Ich spreche auch keinem Nicht-Christen ab, dass er die Ethik der Bergpredigt leben kann – Mahatma Gandhi ist das beste Beispiel dafür. Ich würde aber deutlich machen, wie ich aus meinem Glauben die Kraft bekomme, Nächstenliebe zu leben …

Es ist ein Unglück für die Kirche, dass Markus Dröge nicht früher Landesbischof geworden ist. Mit dieser revolutionären, für Atheisten unwiderstehlichen Begründung hätte die Landeskirche seit 1960 nicht zwei Millionen Mitglieder verloren, und Berlin wäre heute nicht die „Welthauptstadt des Atheismus“.

Doch ein Unglück kommt selten allein. Die EKD-Synodalen waren blind. Warum haben sie nicht Markus Dröge als Vorsitzenden gewählt? Damit hätte nicht nur der unaufhaltsame Abstieg der Kirche in Deutschland beendet werden können, sondern der unaufhaltsame Aufstieg hätte begonnen. Dieser beginnt jetzt immerhin in Berlin und der übrigen EKBO. Schade, dass wir keine atheistische Regierung haben. Doch wer weiß – Markus Dröge ist alles zuzutrauen. Er wird auch eine von der christlichen Leitkultur durchdrungene Regierung überzeugen, künftig die Ethik der Bergpredigt zu leben, zumindest durch den Abzug aus Afghanistan.

Andreas Müller gehört zu den ersten Opfern des neuen Landesbischofs. Er konnte als überzeugter Atheist der Begründung von Markus Dröge nicht widerstehen. Deshalb schließt er seinen Blog und kooperiert künftig mit TheoBlog.

In Berlin, Brandenburg und der schlesischen Oberlausitz stehen die Leute Schlange, um in die Kirche einzutreten, wie früher – wenn es in der DDR Bananen gab.

Durch Wikileaks wurde ein Mail-Wechsel zwischen Markus Dröge und dem Dalai Lama publik. Nach der Indiskretion reagierte der Dalai Lama indigniert. Was Markus Dröge zu sagen habe, habe er, der Dalai Lama, schon immer gesagt.

Ein Restrisiko bleibt: Dass die Atheisten Mahatma Gandhi noch überzeugender finden als Markus Dröge – was die EKD verhüten möge.

Ende der Satire

Später kommt ideaSpektrum auf Markus Dröges jüngstes »Wort des Bischofs« zu sprechen, auf das Engagement des Bischofs und der Kirche für die Senkung des Energieverbrauchs zu Lasten von Verkündigung und Seelsorge. Der Bischof bestreitet dies.

Daraufhin ideaSpektrum:

Der Berliner »Tagesspiegel« scheint einen ähnlichen Eindruck gehabt zu haben: »In der evangelischen Kirche pflegt man seit geraumer Zeit die Neigung, sich als eine Mischung von Grünen und Greenpeace mit Glockengeläut zu artikulieren … Die Kirche darf sich jedenfalls nicht wundern, wenn die Stromproduzenten bald auch ein paar Gedanken zu Schlüsselfragen der Ökumene äußern. Deren Kompetenz wäre etwa gleich hoch einzustufen.«

Martin Luther und die deutsche Mystik

Der Deutschlandfunk hat in einem Beitrag darauf hingewiesen, dass Luther in seiner Jugend von der deutschen Mystik geprägt war. Das ist grundsätzlich richtig. Trotzdem vermisse ich den Hinweis darauf, dass sich der reife Theologe Luther von der Mystik distanziert hat und sein Gottesbild mit dem des Mystiker Meister Eckhart nichts zu tun hatte (»Gott und ich, wir sind eins.«).

Martin Luther zur Mystik nach Dionysius:

Dies ist ihre Lehre, die als die höchste göttliche Weisheit ausgegeben wird, von der ich auch einmal überzeugt gewesen bin, doch nicht ohne großen Schaden für mich selbst. Ich ermahne euch, daß ihr diese Mystische Theologie Dionysii … wie die Pest verabscheut.

Interessenten empfehle ich meine kurze Ausarbeitung »Die Mystik oder das Wort«: MystikoderdasWort.pdf.

Hier der Beitrag des DLF:

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