Bücher

Die Psychofalle

Immer öfter werden gesellschaftliche Probleme wie Arbeitsbedingungen oder das Schulsystem für die „Psychomacken“ Einzelner verantwortlich gemacht. Zu Unrecht, meint der Medizinjournalist Jörg Blech in seinem neuen Buch Die Psychofalle. Bei SPIEGEL ONINLE ist ein Auszug erschienen. Die Untersuchung der Epidemiologen um Dirk Richter vom Universitätsklinikum Münster zur Verbreitung seelischer Störungen bei Erwachsenen sowie bei Kindern und Jugendlichen wird darin wie folg interpretiert:

41Rq2j6ct6LDiese Übersichtsanalyse offenbart, dass in den Industriestaaten des Westens die psychischen Störungen nach dem Zweiten Weltkrieg nicht zugenommen haben. Der vermutete Anstieg der psychiatrischen Krankheiten hat nicht stattgefunden. Die Münsteraner Epidemiologen stellen klar: „Die unterstellte Zunahme psychischer Störungen aufgrund des sozialen Wandels kann nicht bestätigt werden.“

Bei steigenden Raten psychischer Erkrankungen in einer Gesellschaft wäre auch zu erwarten, dass die Lebensqualität sinkt. Auch diesen Aspekt haben die Münsteraner untersucht: In den Studien fragten Forscher Einwohner bestimmter Länder von 1946 an, inwiefern sie sich als glücklich und zufrieden bezeichnen würden. In Westeuropa und Nordamerika hatte die Lebenszufriedenheit nach dem Ende des Zweiten Weltkrieg leicht zugenommen und hat sich, ungeachtet der gesellschaftlichen Veränderungen, seither kaum verändert. Alles in allem verweist das auf eine Zufriedenheit auf einem stabilen, hohen Niveau.

In westlichen Staaten geht schließlich auch die Zahl der Suizide stark zurück. In Deutschland ist sie seit Anfang der achtziger Jahre ungefähr um die Hälfte gesunken. Jeden Tag nehmen sich rund 20 Menschen weniger das Leben als vor dreißig Jahren. Die Abnahme der Suizidrate, die Zahlen zur Lebenszufriedenheit sowie die Studienergebnisse zur Verbreitung der psychischen Störungen bieten „sogar die Möglichkeit, über eine Abnahme eben dieser zu spekulieren“, sagen die Münsteraner Forscher. Die Epidemie der psychischen Störungen ist ein Mythos.

Mehr: www.spiegel.de.

F. Avemarie: Neues Testament und frührabbinisches Judentum

Nachfolgend ein Auszug aus einer Rezension, die vollständig in der Zeitschrift Glauben & Denken heute erscheinen wird. Besprochen wird folgendes Buch:

41uWWgG3oxL SY445Im Oktober 2012 wurde Friedrich Avemarie unerwartet im Alter von nur 51 Jahren aus dem Leben gerissen. Die Nachricht von seinem Tod traf die Fachwelt wie ein Schlag. Wer immer sich für das Studium der rabbinischen Literatur oder der „Neuen Paulusperspektive“ interessierte, kam an den Beiträgen des Neutestamentlers und Judaisten nicht vorbei. Avemarie wurde 1994 in Tübingen unter Martin Hengel mit der Untersuchung „Tora und Leben“ (Tora und Leben: Untersuchungen zur Heilsbedeutung der Tora in der frühen rabbinischen Literatur, TSAJ 55, Tübingen, 1996) promoviert. Zwei Jahre nach seiner erfolgreichen Habilitation über die „Tauferzählungen“ in der Apostelgeschichte ging er 2002 an die Universität Marburg und lehrte dort für zehn Jahre. Er verknüpfte großes Interesse für die Auslegung neutestamentlicher Texte mit hervorragenden Kenntnissen der rabbinischen Literatur und leistete in seinem kurzen Leben materialreiche und maßgebende Forschungsbeiträge zum frühen rabbinischen Judentum.

Dankbarerweise haben Jörg Frey und Angela Standhartinger unter Mithilfe von Beate Herbst, der Ehefrau Avemaries, einen stattlichen Aufsatzband in der WUNT-Reihe des Mohr Siebeck Verlags publiziert. Neues Testament und frührabbinisches Judentum versammelt Beiträge zur rabbinischen Martyriumsliteratur, zur Soteriologie, zu Jesu Gleichnissen, zum historischen Hintergrund der Apostelgeschichte, zur Anthropologie, zur Israelfrage und zur paulinischen Rechtfertigungslehre.

Der Züricher Neutestamentler Jörg Frey würdigt einführend das wissenschaftliche Vermächtnis Friedrich Avemaries (S. XII – XXXIII) und führt in die Aufsatzsammlung ein. Da ich die Beiträge nicht einzeln vorstellen kann, knüpfe ich an Freys’ Ausführungen an und stelle dabei Avemaries Untersuchungen zur rabbinischen Soteriologie heraus.

Im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts etablierte sich insbesondere in der angelsächsischen Paulusforschung die „New Perspective on Paul“ (NPP). Da Martin Hengel gute Kontakte zu James D. G. Dunn in Durham, einem der Väter der NPP, unterhielt, wurden in Tübingen viele Fragen rund um das neu aufkommende Paulusbild diskutiert. Avemarie greift insbesondere in seiner Dissertation die Fragestellung auf, inwiefern das Heil im frühen Judentum mit der Einhaltung der Thora verbunden war. Gelehrte wie Ferdinand Weber oder Paul Billerbeck zeichneten das Bild eines Judentums, indem der Einhaltung des Gesetzes quasi eine heilbringende Funktion zukam. Die NPP wehrte sich gegen die Darbietung einer jüdischen „Leistungsreligion“. Insbesondere E. P. Sanders sah weniger einen Gegensatz als eine Entsprechung zwischen den Rabbinen und der paulinischen Religionsstruktur. „Auf beiden Seiten identifizierte Sanders eine Struktur, der zufolge der Eingang in das Heil durch Erwählung begründet ist und der Verbleib im Heil ein bestimmtes Verhalten, d. h. ‚Werke‘, voraussetzt. Die Erwählung ist somit grundlegender als die Werke, außerdem sei die Gebotserfüllung im antiken Judentum nicht perfektionistisch verstanden worden, sondern vielmehr seien für jedes Vergehen auch Sühne und Vergebung möglich. So erscheint das gesamte Judentum zwischen Ben Sira und der Mischna ebenso wie das paulinische Denken als ‚Religion der Gnade‘“ (S. XVI).

Wenn also die Gnadenlehre des Paulus der des rabbinischen Judentums sehr weitgehend entspricht, muss zurückgefragt werden, weshalb Paulus das Judentum so scharf kritisiert hat. „Warum wendet sich Paulus so gegen die ‚Werke des Gesetzes‘, wenn diese für das Heil ohnehin nie konstitutiv waren?“ (S. XVI). Sollten die Gesetzeswerke wie Beschneidung oder Reinheits- und Speisegebote nur als Abgrenzungsbestimmungen (engl. ‚boundery markers‘) verstanden werden? Kritisierte Paulus vornehmlich das nationalistische Erwählungsbewusstsein der Juden, das Menschen aus anderen Völkern weiterhin vom Heil ausschloss? Oder hatte Paulus das Judentum schlichtweg missverstanden?

Im Horizont solcher Probleme erforschte Avemarie die Soteriologie der frühen Rabbinen. Seine Monographie „ist methodologisch und sachlich eine der bedeutendsten Arbeiten, die in deutscher Sprache zum antiken Judentum geschrieben wurden“ (S. XVII). Anders als Sanders bricht er Einzelaussagen nicht aus ihrem literarischen Kontext heraus, sondern nimmt sie in ihrem Umfeld wahr, auch dann, wenn sich Einzelaussagen nicht harmonisieren lassen. So gelang Avemarie der Nachweis, dass es im frühen Judentum keine verbindliche Soteriologie gab, sondern bei den Rabbinen unterschiedliche und sogar sich widersprechende Vorstellungen über Erwählung, Gesetz, Bund oder Gnade zu finden sind. „Neben der Forderung, alle Gebote zu halten, steht die realistische Einschätzung, dass die Israeliten dies eben nicht praktizierten und ständig der Sühne bedürften. Und sogleich besteht die Überzeugung unhinterfragt, dass jeder Mensch die Gebote Gottes erfüllen kann“ (XVIII).

Frey schreibt:

„In einem zusammenfassenden Aufsatz zur ‚optionalen Struktur der rabbinischen Soteriologie‘ hat Friedrich Avemarie die Erträge seiner Dissertation selbst knapp resümiert: Was entscheidet für die Rabbinen über das Leben, die Zugehörigkeit zur kommenden Welt? Weder das ,Vergeltungsprinzip‘ dass die Werke eines Menschen über sein Heil entscheiden (so Weber und Billerbeck), noch das ,Erwählungsprinzip‘ dass allein die Zugehörigkeit zum erwählten Volk entscheide (so Moore und Sanders), lässt sich verabsolutieren. ‚Beide Denkmuster lassen sich in der rabbinischen Literatur reichlich belegen‘, die Überordnung der einen These über die andere ist unangemessen. Den theologischen Systematisierungsversuchen entgegen steht die große Fähigkeit der Rabbinen, divergente, ja widersprechende Ansichten im Diskurs zu integrieren und gleichsam ,aspektiv‘ einander zuzuordnen. Nicht eine Position ist allein ,richtig‘, andererseits ist auch nicht alles ,gleich gültig‘ oder beliebig, sondern innerhalb bestimmter Grenzen kann beides gesagt werden. So kann der Heilsverlust von Israeliten (durch Sünde) ebenso ausgesagt werden wie der Heilsgewinn von Heiden (durch Erwählung) – was weder dem Modell von Weber und Billerbeck noch dem von Moore und Sanders entspricht“ (S. XIX).

Die Untersuchung bestätigt damit einerseits die Einsicht der NPP, dass der Apostel Paulus sehr grundlegend vom Denken seiner jüdischen Herkunft geprägt war. Zugleich ist die Annahme eines normativen palästinensischen Judentums vor oder nach dem Jahr 70 unhaltbar. Paulus stand keinem monolithischen Judentum, sondern unterschiedlichen jüdischen Traditionen gegenüber (vgl. S. XX). Noch einmal Frey:

„Die vereinfachende Sicht des zeitgenössischen Judentums unter dem Begriff ,Common Judaism‘ (Sanders), die im Grunde das ältere Modell eines normativen Judentums unter anderen Vorzeichen fortsetzt, erfasst schon die Diversität der rabbinischen Aussagen nicht hinreichend, und noch viel weniger die tiefgreifenden Differenzen zwischen den Religionsparteien zur Zeit des Zweiten Tempels, zwischen Sadduzäern und Pharisäern oder gar zwischen diesen und der sich selbst exklusiv im ,Bund‘ Gottes verstehenden Qumrangemeinde. Nur im Prisma einer simplifizierenden Religionsstruktur kann als gleichartig erscheinen, was im Detail zutiefst strittig ist. Dass die Charakterisierung auch des rabbinischen Judentums unter der einseitigen Priorisierung der Erwählung bzw. der Gnade (wie z. B. bei Sanders) so nicht zutrifft und daneben das Vergeltungsparadigma und der Gedanke von Verdienst und Lohn durchaus Vorkommen, hat Friedrich Avemarie deutlich gezeigt. Paulus trifft also, wenn er solches an einigen seiner jüdischen Zeitgenossen kritisiert, nicht ein Zerrbild, sondern einen Aspekt, der zumindest bei einigen dieser Zeitgenossen und auch bei anderen judaisierenden Jesusnachfolgern durchaus vorgekommen sein dürfte, ebenso wie bei den späteren Rabbinen“ (S. XXI).

Jörg Frey erörtert des Weiteren ausführlich Avemaries Habilitationsschrift zu den Tauferzählungen der Apostelgeschichte und der Geschichte des frühen Christentums, die wie seine Dissertation als Monographie erschienen ist (Tauferzählungen der Apostelgeschichte: Theologie und Geschichte. Tübingen. WUNDT 139, Tübingen 2002). Avemarie distanzierte sich zwar verhalten von den konservativen Thesen seines Lehrers Hengel zur Vertrauenswürdigkeit der Apostelgeschichte, wendet sich aber gegen die Tendenz, sie „als eine weithin fiktive oder romanhafte Gründungserzählung zu lesen“ (S. XXV). Auf andere Forschungsthemen Avemaries weist Frey kurz hin, in erster Linie Themen der rabbinischen Literatur, aber auch Ausarbeitungen zur Theologie des Paulus oder zur Jesusüberlieferung. Die wichtigsten Aufsätze sind im Sammelband enthalten.

Zum Buch gehören vier bisher nicht veröffentlichte Vorträge aus den Jahren 2007 bis 2011. Neben einer Gesamtbibliographie enthält es alle nützlichen Register. Der Leser wird von Avemaries weitem Horizont und seiner Beobachtungsgabe sehr profitieren. Ein empfehlenswerter Band.

D.A. Carson: Die Intoleranz der Toleranz

Hanniel hat das Buch:

gelesen. Hier eine kurze Buchbesprechung, die Hanniel freundlicherweise zur Verfügung stellt:

NewImageDie Intoleranz der Toleranz

Carson sieht das Buch als inhaltliche Ergänzung zu „Christ and Culture Revisited“. Bereits in seinem umfangreichen Werk zum religiösen Pluralismus („The Gagging of God“) hatte er auf das veränderte Toleranzverständnis hingewiesen. In diesem vergleichsweise kurzen Buch nimmt er den Faden auf. Das erste Kapitel dient dazu, den Rahmen für die Entwicklung der These abzustecken. In den nächsten beiden Kapiteln geht es darum, die These anhand von Beispielen aus der US-Rechtsprechung zu konkretisieren und die historische Entwicklung des Begriffs seit den Griechen nachzuvollziehen. Im vierten Kapitel wird der Anspruch der neuen Toleranz, nämlich ethisch und moralisch „auf neutralem Boden“ zu stehen, gründlich entkräftet. Das Buch wäre unvollständig, wenn der Bogen zum Wahrheitsbegriff (5. Kapitel) und zur Realität des Bösen in der Welt (6. Kapitel) nicht geschlagen worden wäre. Genau so ist Carson bestrebt, mit der von vielen Christen gehegte idealistische Vorstellung von Demokratie aufzuräumen, indem er einen Blick auf das aktuelle Weltgeschehen wirft.

Um was es geht

Carson geht es im ganzen Buch um die eine Hauptsache: Den neuen Toleranzbegriff zu hinterfragen, als unbrauchbar zu entlarven und den Leser gedanklich zum herkömmlichen Verständnis des Begriffs zurückzuführen. Insofern ist dieses Buch „kreisförmig“ aufgebaut. Die These wird von verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet. Jede einzelne Perspektive wird mit einer Fülle aktueller Beispiele (aus den USA) untermauert. Wie es für Carson typisch ist, lohnt es sich auch die Fussnoten zu lesen. Dort gibt es Dutzende von Hinweisen auf aktuelle Literatur. Bei mindestens zehn Büchern habe ich ein „Q“ für „Quelle“ hingeschrieben. Einzelne Bücher setzte ich auf meine Leseliste.

Fünf Dinge, die ich gelernt habe

Alte und neue Toleranz: Durch das Buch erhielt ich ein vertieftes Bewusstsein darüber, wie tief der Graben zwischen der alten und der neuen Toleranz ist. Mit der neuen Toleranz verbunden ist der einengende Leitsatz, dass alle Religionen und Überzeugungen gleichwertig nebeneinander zu stehen haben. Wie absurd diese Behauptung ist, wird schon daran deutlich, dass darunter Ideologien wie der Nationalsozialismus oder der Stalinismus fallen würden. In der Realität kommen die Vertreter nicht darum herum, einige wenige Überzeugungen anderen vorzuziehen. Vornehmlich im Schussfeld der Kritik stehen christliche Überzeugungen. Wer sich diskriminiert fühlt, kann ohne erhebliche Hindernisse Behörden in Aufregung und Agitation versetzen. Ein solches Vorgehen erstickt nicht nur den akademischen Diskurs. Er schränkt die Meinungsvielfalt drastisch ein.

Die Behauptung der Neutralität: Die neue Toleranz steht mitnichten auf neutralem Grund und Boden. Weil sie einige Überzeugungen bevorzugen muss, wird sie dem eigenen Anspruch nach Gleichbehandlung untreu. Es ist unumgänglich, einen moralischen Standpunkt einzunehmen.

Das Argument der Überheblichkeit: Wer einmal die Seite wechselt (und als Christ wäre es sinnvoll, sich in einen Bürger eines Staates ausserhalb der westlich-säkularen Welt zu versetzen), dem wird die Arroganz der neuen Toleranz vor Augen geführt. Wer dem säkularen Leitsatz nicht zustimmen kann, weil er einer anderen Religion angehört, wird automatisch degradiert. Ganz zu schweigen von der Behauptung, dass alle Religionen die gleichen Aussagen treffen bzw. sich in ihrer Substanz nicht voneinander unterscheiden würden.

Die Optionen für Religionsfreiheit: Carson stellt verschiedene Varianten der Religionsfreiheit dar. Variante A: Jeder darf denken, was er will; die Ausübung der Religion wird jedoch stark kontrolliert. Variante B: Bürger dürfen nicht nur ihre eigenen Überzeugungen haben, sondern sich auch mit Gleichgesinnten treffen. Verboten ist das Evangelisieren. Variante C: Bürger dürfen sich nicht nur treffen, sondern ihre Überzeugung auch offen propagieren. Allerdings dürfen sie in öffentlichen Angelegenheiten keine religiösen Gründe anführen. Variante D: Jeder Bürger, ob religiös oder nicht, hat die Verantwortung, seine moralische Weisheit, wie sie auch immer geartet ist, in die öffentliche Diskussion einzubringen. Nur Variante D ist mit dem herkömmlichen Toleranzbegriff wirklich kompatibel.

Die Gefahren der Demokratie: Wie stark die neue Toleranz dem Totalitarismus des Staates in die Hände spielt, wurde mir erst bei der Lektüre so richtig bewusst. Wo der einzelne Bürger seine Überzeugungen nicht geltend machen kann (und diese Überzeugungen orientieren sich am besten an einer überstaatlichen Autorität), springt der Staat in die Lücke.

Drei eindrückliche Beispiele

Es kann ein einheitliches Muster für Diskriminierung abgeleitet werden. Im Namen der neuen Toleranz wird eine Person bzw. Organisation der Intoleranz bezichtigt und dadurch selbst diskriminiert. Carson berichtet von Ärzten, die verklagt oder ausgeschlossen werden, weil sie selber keine Abtreibungen vornehmen wollen (auch wenn sie anderen das Recht zugestehen). Ganz ähnlich geht es dem Professor, der in einer Debatte über die Palästinenser über geschichtliche Details diskutieren wollte. Im Nu entstand eine hitzige Diskussion unter Studenten, und prompt fühlte sich jemand diskriminiert. Es kam zur Anzeige und zur Entlassung des Dozenten. Oder was soll man vom Verbot halten, einen Vater an einer Schule darüber berichten zu lassen, wie er den Tod seines Sohnes verarbeitet hat – wobei er auf seinen Glauben Bezug zu nehmen gedachte? An diesen und vielen weiteren Beispielen wird deutlich, dass mit der neuen Toleranz die Vielfalt von Meinungen eingeschränkt sowie Diskussion und Argumentation verunmöglicht wird.

Der Ruf zum Umdenken und Handeln

Das Buch ist ein händeringendes Plädoyer und „Beknien“ des Lesers: Lass dir die Augen öffnen über die fatale Neudefinition des Toleranzbegriffs. Werde dir bewusst, was dieser Wandel für die Christen bedeutet. Insofern passt das letzte Kapitel mit acht inhaltlichen Denk- und Handlungsempfehlungen überein. Es ist eine Aufgabe des Christen, auf die Fallen des neuen Toleranzverständnisses hinzuweisen. Eine Massnahme ist eben das Schreiben dieser Buchbesprechung. Ich werde mich künftig noch besser auf einzelne Pressemeldungen aus europäischen Zeitungen achten, um entsprechende hiesige Belege zu sammeln. Carson ist es wichtig darauf hinzuweisen, dass die Aufklärungsarbeit jedoch nicht das prioritäre Ziel des Christen darstellt. Vielmehr geht es darum, mutig hinzustehen und das Evangelium zu verkündigen. Wie soll das geschehen? Durch Debatte und Abwägen von Argumenten, ohne Druck, aber mit viel Entschiedenheit. Wer nämlich wirklich tolerant sein will, der muss selbst über feste Überzeugungen verfügen!

Kellers „Center Church“ in deutscher Sprache?

NewImageDer Verlag puls medien arbeitet an einer deutschsprachigen Herausgabe des Buches Center Church von Dr. Timothy Keller (siehe auch hier). Die Veröffentlichung ist im Frühjahr 2015 geplant, allerdings nur umsetzbar, wenn das Projekt im Rahmen einer Crowdfundingaktion finanziell unterstützt wird.

Pastor Philipp Bartholomä schreibt über das Buch:

Wie gründet und gestaltet man Kirchen und Gemeinden mitten in einer zunehmend nachchristlichen Gesellschaft? Wie bleiben Christen kulturell dialogfähig und relevant für ihren Kontext, ohne dass dabei biblisch-theologische Überzeugungen auf der Strecke bleiben? Welche Werte hat eine Gemeinde, die konsequent am Evangelium ausgerichtet ist?

Tim Keller bietet keine vorgefertigten Methoden, sondern eine ausgewogene theologische Vision, die jede Gemeinde für ihren eigenen Kontext ausarbeiten kann, sei sie neu gegründet oder schon länger bestehend, kleiner oder größer, im städtischen oder nicht-städtischen Umfeld. Ich bin mir sicher, dass die deutsche Übersetzung von Center Church Verantwortungsträgern wie z.B. Pastoren, Leitungsteams und Gemeindegründern überaus wertvolle und dringend benötigte Impulse verleihen wird.

Nähere Informationen dazu gibt es hier: www.pulsmedien.de.

Schätze der Gnade

51nkOLENz4LVor einigen Wochen ist das Buch:

erschienen. Hier die Aufsätze des Bandes:

  • Thomas Schirrmacher: Johannes Calvin Warum wir mehr über den Reformator wissen sollten
  • Ron Kubsch: Neuer Calvinismus – Einblicke in eine junge reformierte Bewegung
  • Matthias Lohmann: Zurück zu alten Ufern – Die reformierten Wurzeln der Baptisten und Freien evangelischen Gemeinden in Deutschland
  • Richard D. Phillips: Können wir die Wahrheit erkennen?
  • Bryan Chapell: Was heißt „Evangelium“?
  • Philip Graham Ryken: Die Rechtfertigungslehre
  • Matthias Lohmann: Das Evangelium gehört in jede Predigt! Auslegungspredigt und das Evangelium
  • Christian Wegert: Grund zur Freude (Phil 1,1-16)
  • Titus Vogt: Ist denn Gott ungerecht? Das sei ferne! Gedanken zum Verhältnis von Gottes Souveränität und menschlicher Verantwortung
  • Ron Kubsch „Liebe und tue, was du willst“ – Der Christ und das Gesetz

Das Inhaltsverzeichnis mit dem Vorwort kann hier heruntergeladen werden: JB_2013_Schaetze_Vorspann.pdf.

Einkaufsmöglichkeit

Interview mit David Wells

41HtCTZNkTL._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-arrow-click,TopRight,35,-76_SX385_SY500_CR,0,0,385,500_SH20_OU03_Justin Taylor hat Professor Wells zu seinem neuen Buch God in the Whirlwind interviewt. Ich habe das Buch angelesen und  bin beeindruckt. Nachdem Wells in seinen Büchern bisher vor allem Kulturhermeneutik betrieben hat (siehe hier die Rezension von Hanniel zu No Place for Truth), zeigt er hier Wege auf, die in Zukunft zu gehen sind.  Kurz: Die Heiligkeit, Liebe und Ehre Gottes gehören wieder in die Mitte der Theologie. Ich wünschte mir eine deutsche Ausgabe von „Gott im Wirbelsturm“.

Hier das Interview:

Kritik des Familienpapiers der EKD

978 3 86269 079 4Das bisher umfangreichste Gutachten der Orientierungshilfe zur Familie der EKD ist erschienen als:

  • Thomas Schirrmacher u. Titus Vogt: „Ein neues normatives Familienmodell“ als „normative Orientierung“ – Eine soziologische und theologische Kritik des Familienpapiers der EKD, Bonn: VKW, 2013, 160 S.

 

Im Vorwort heißt es:

Das vorliegende Gutachten erging am 9.9.2013 als Entwurf an den Rat der EKD für seine Sitzung zum Thema, sowie an den Vorstand der EKD-Synode und einige Kirchenleitungen und Fachleute zur kritischen Rückmeldung. Da das Gutachten auch auf parteipolitische Positionierungen eingeht, sollte seine Veröffentlichung bewusst auf die Zeit nach der Bundestagswahl verlegt werden. Aufgrund von Ankündigungen von Korrekturen wurden sodann eine Fachtagung und die EKD-Synode abgewartet. Inzwischen hat die EKD die Vorträge der Fachtagung und die meisten der Stellungnahmen und Zeitungsberichte in einem Sammelband veröffentlicht. Da erhebliche Teile der Argumentation dieses Gutachtens dort jedoch nicht erscheinen und nachdem sich die EKD-Synode am 13.11.2013 die Forderungen der Orientierungshilfe zu eigen gemacht hat und nachdem der Ratsvorsitzende der EKD in einem Weihnachtsinterview mit den Ruhr Nachrichten auch nach der breiten Diskussion noch einmal alle Forderungen der Orientierungshilfe bekräftigt hat, entschlossen wir uns, das Gutachten nach Durchsicht von Fachleuten trotz der zeitlichen Distanz zu aktualisieren und zu veröffentlichen.

Hier das Inhaltsverzeichnis: EKDFamilie2013.pdf.

Das Buch kann hier bestellt werden: www.genialebuecher.de.

Vom Umgang mit Zweifeln

Dealingwithdoubt coverGary Habermas schreibt zur Entstehung seines Buches über den Umgang mit dem Zweifel:

The opportunity to write this manuscript came chiefly as the result of two extended speaking engagements. The bulk of the material was written to complement the Spring Lectureship which I presented at Western (Conservative Baptist) Seminary in Portland, Oregon. Those lectures, entitled „Christian Doubt: Toward Resolving a Painful Problem,“ comprised most of Sections I and II of this volume.

The remainder of the manuscript (Section III, in particular) was completed during a lectureship in an adjunct study program at Wycliffe Hall, Oxford, England. One of the lectures there was similarly devoted to the subject of doubt.

I benefited personally from my interaction with those from both groups during this lecturing and writing. The week at Western Seminary, at the invitation of Professor Gerry Breshears, provided an excellent time of interaction, including meetings with administration, faculty and students. The three weeks at Oxford provided an intensely personal setting for the integration of living and learning. The interaction with the students was especially gratifying. I would like to deeply and sincerely thank all those who made possible both lectureships, and the writing of this manuscript.

Incidentally, if it is possible to judge from the responses of those involved in these and other discussions on this topic, the issue of doubt and its resolution is one with which many Christians struggle. It is my hope that this volume will be especially helpful for those who are either working through such uncertainty themselves or who are assisting others in such a process.

Das Buch Dealing with Doubt des Philosophen Gary Habermas gibt es hier gratis: www.garyhabermas.com.

Evangelisation und Transformation

41JZNsBTfpLVom  4. bis 5. Januar 2013 fand in Herrenberg bei Stuttgart eine AfeM-Tagung zur „Transformationstheologie“ statt. Das Buch mit den Referaten und einigen Mitschriften aus den Gesprächsrunden ist inzwischen erschienen als:

  • Robert Badenberg u. Friedemann Knödler (Hrsg.): Evangelisation und Transformation – „Zwei Münzen oder eine Münze mit zwei Seiten?“, Referate der Jahrestagung 2013 des Arbeitskreises für evangelikale Missiologie (AfeM), Nürnberg: VTR, 2013, 155 S.

Der Inhalt:

  • Vorwort (Robert Badenberg und Friedemann Knödler)
  • Grußwort im Auftrag der Deutschen Evangelischen Allianz (Michael Diener)
  • Einführung in die Diskussion (Thomas Schirrmacher)
  • Wir werden missional  und streichen evangelistische Dienste!? (Ulrich Parzany)
  • Dein Reich komme – Gesellschaftstransformation verstehen (Tobias Faix)
  • Die transformatorische Theologie im Licht des Neuen Testaments (Volker Gäckle)
  • Wofür ist die Kirche da? (Ron Kubsch)
  • Evangelisation – Grund, Motiv und Ziel (Johannes Reimer)
  • Das biblische Mandat, die Welt zu retten – innerlich wie äußerlich – ganz privat und ganz global (Thomas Schirrmacher)
  • Verhaltenskodex für christliche Entwicklungshilfe – Eine Initiative der Schweizerischen Evangelischen Allianz (Marc Jost)
  • Biblical Stewardship – Biblische Haushalterschaft (Manfred W. Kohl)
  • Schlusswort (Michael Diener)

Leuten, die sich für das Thema „Gesellschaftstransformation“ und die damit  verbundene Debatte in Deutschland interessieren, sei das Buch zur Lektüre empfohlen.

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Hilft Geld aus der Armut?

EscapeBrauchen die Ärmsten der Welt mehr Entwicklungshilfe? Nein, meint der Ökonom und Wachstumsforscher Angus Deaton in seinem neuesten Buch The Great Escape. Patrick Bernau hat in seinem Wirtschaftsblog das Buch besprochen.

Fazit:

Nach Deatons Streifzug durch die Geschichte von Wachstum und Gesundheit ist seine Argumentation überzeugend: Die Industrieländer können wenig tun. Deaton nennt ein Beispiel, das dieser Tage relevant wurde: Produkte aus Entwicklungsländern leichter ins Land zu lassen und weniger Zölle zu erheben – genau das ist gerade auf der Welthandelskonferenz geschehen. Die Industrieländer können auch ihren Pharmafirmen Anreize setzen, um wirksame Mittel gegen Armutskrankheiten wie Malaria und Tuberkulose zu entwickeln. Nur eines ist der falsche Weg: Geld direkt in die armen Länder zu schicken. Länder mit guter Politik können ihre Armut selbst bekämpfen, Ländern mit schlechter Politik hilft auch das Geld nicht.

Hier: blogs.faz.net.

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