Bücher

Kellers „Center Church“ in deutscher Sprache?

NewImageDer Verlag puls medien arbeitet an einer deutschsprachigen Herausgabe des Buches Center Church von Dr. Timothy Keller (siehe auch hier). Die Veröffentlichung ist im Frühjahr 2015 geplant, allerdings nur umsetzbar, wenn das Projekt im Rahmen einer Crowdfundingaktion finanziell unterstützt wird.

Pastor Philipp Bartholomä schreibt über das Buch:

Wie gründet und gestaltet man Kirchen und Gemeinden mitten in einer zunehmend nachchristlichen Gesellschaft? Wie bleiben Christen kulturell dialogfähig und relevant für ihren Kontext, ohne dass dabei biblisch-theologische Überzeugungen auf der Strecke bleiben? Welche Werte hat eine Gemeinde, die konsequent am Evangelium ausgerichtet ist?

Tim Keller bietet keine vorgefertigten Methoden, sondern eine ausgewogene theologische Vision, die jede Gemeinde für ihren eigenen Kontext ausarbeiten kann, sei sie neu gegründet oder schon länger bestehend, kleiner oder größer, im städtischen oder nicht-städtischen Umfeld. Ich bin mir sicher, dass die deutsche Übersetzung von Center Church Verantwortungsträgern wie z.B. Pastoren, Leitungsteams und Gemeindegründern überaus wertvolle und dringend benötigte Impulse verleihen wird.

Nähere Informationen dazu gibt es hier: www.pulsmedien.de.

Schätze der Gnade

51nkOLENz4LVor einigen Wochen ist das Buch:

erschienen. Hier die Aufsätze des Bandes:

  • Thomas Schirrmacher: Johannes Calvin Warum wir mehr über den Reformator wissen sollten
  • Ron Kubsch: Neuer Calvinismus – Einblicke in eine junge reformierte Bewegung
  • Matthias Lohmann: Zurück zu alten Ufern – Die reformierten Wurzeln der Baptisten und Freien evangelischen Gemeinden in Deutschland
  • Richard D. Phillips: Können wir die Wahrheit erkennen?
  • Bryan Chapell: Was heißt „Evangelium“?
  • Philip Graham Ryken: Die Rechtfertigungslehre
  • Matthias Lohmann: Das Evangelium gehört in jede Predigt! Auslegungspredigt und das Evangelium
  • Christian Wegert: Grund zur Freude (Phil 1,1-16)
  • Titus Vogt: Ist denn Gott ungerecht? Das sei ferne! Gedanken zum Verhältnis von Gottes Souveränität und menschlicher Verantwortung
  • Ron Kubsch „Liebe und tue, was du willst“ – Der Christ und das Gesetz

Das Inhaltsverzeichnis mit dem Vorwort kann hier heruntergeladen werden: JB_2013_Schaetze_Vorspann.pdf.

Einkaufsmöglichkeit

Interview mit David Wells

41HtCTZNkTL._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-arrow-click,TopRight,35,-76_SX385_SY500_CR,0,0,385,500_SH20_OU03_Justin Taylor hat Professor Wells zu seinem neuen Buch God in the Whirlwind interviewt. Ich habe das Buch angelesen und  bin beeindruckt. Nachdem Wells in seinen Büchern bisher vor allem Kulturhermeneutik betrieben hat (siehe hier die Rezension von Hanniel zu No Place for Truth), zeigt er hier Wege auf, die in Zukunft zu gehen sind.  Kurz: Die Heiligkeit, Liebe und Ehre Gottes gehören wieder in die Mitte der Theologie. Ich wünschte mir eine deutsche Ausgabe von „Gott im Wirbelsturm“.

Hier das Interview:

Kritik des Familienpapiers der EKD

978 3 86269 079 4Das bisher umfangreichste Gutachten der Orientierungshilfe zur Familie der EKD ist erschienen als:

  • Thomas Schirrmacher u. Titus Vogt: „Ein neues normatives Familienmodell“ als „normative Orientierung“ – Eine soziologische und theologische Kritik des Familienpapiers der EKD, Bonn: VKW, 2013, 160 S.

 

Im Vorwort heißt es:

Das vorliegende Gutachten erging am 9.9.2013 als Entwurf an den Rat der EKD für seine Sitzung zum Thema, sowie an den Vorstand der EKD-Synode und einige Kirchenleitungen und Fachleute zur kritischen Rückmeldung. Da das Gutachten auch auf parteipolitische Positionierungen eingeht, sollte seine Veröffentlichung bewusst auf die Zeit nach der Bundestagswahl verlegt werden. Aufgrund von Ankündigungen von Korrekturen wurden sodann eine Fachtagung und die EKD-Synode abgewartet. Inzwischen hat die EKD die Vorträge der Fachtagung und die meisten der Stellungnahmen und Zeitungsberichte in einem Sammelband veröffentlicht. Da erhebliche Teile der Argumentation dieses Gutachtens dort jedoch nicht erscheinen und nachdem sich die EKD-Synode am 13.11.2013 die Forderungen der Orientierungshilfe zu eigen gemacht hat und nachdem der Ratsvorsitzende der EKD in einem Weihnachtsinterview mit den Ruhr Nachrichten auch nach der breiten Diskussion noch einmal alle Forderungen der Orientierungshilfe bekräftigt hat, entschlossen wir uns, das Gutachten nach Durchsicht von Fachleuten trotz der zeitlichen Distanz zu aktualisieren und zu veröffentlichen.

Hier das Inhaltsverzeichnis: EKDFamilie2013.pdf.

Das Buch kann hier bestellt werden: www.genialebuecher.de.

Vom Umgang mit Zweifeln

Dealingwithdoubt coverGary Habermas schreibt zur Entstehung seines Buches über den Umgang mit dem Zweifel:

The opportunity to write this manuscript came chiefly as the result of two extended speaking engagements. The bulk of the material was written to complement the Spring Lectureship which I presented at Western (Conservative Baptist) Seminary in Portland, Oregon. Those lectures, entitled „Christian Doubt: Toward Resolving a Painful Problem,“ comprised most of Sections I and II of this volume.

The remainder of the manuscript (Section III, in particular) was completed during a lectureship in an adjunct study program at Wycliffe Hall, Oxford, England. One of the lectures there was similarly devoted to the subject of doubt.

I benefited personally from my interaction with those from both groups during this lecturing and writing. The week at Western Seminary, at the invitation of Professor Gerry Breshears, provided an excellent time of interaction, including meetings with administration, faculty and students. The three weeks at Oxford provided an intensely personal setting for the integration of living and learning. The interaction with the students was especially gratifying. I would like to deeply and sincerely thank all those who made possible both lectureships, and the writing of this manuscript.

Incidentally, if it is possible to judge from the responses of those involved in these and other discussions on this topic, the issue of doubt and its resolution is one with which many Christians struggle. It is my hope that this volume will be especially helpful for those who are either working through such uncertainty themselves or who are assisting others in such a process.

Das Buch Dealing with Doubt des Philosophen Gary Habermas gibt es hier gratis: www.garyhabermas.com.

Evangelisation und Transformation

41JZNsBTfpLVom  4. bis 5. Januar 2013 fand in Herrenberg bei Stuttgart eine AfeM-Tagung zur „Transformationstheologie“ statt. Das Buch mit den Referaten und einigen Mitschriften aus den Gesprächsrunden ist inzwischen erschienen als:

  • Robert Badenberg u. Friedemann Knödler (Hrsg.): Evangelisation und Transformation – „Zwei Münzen oder eine Münze mit zwei Seiten?“, Referate der Jahrestagung 2013 des Arbeitskreises für evangelikale Missiologie (AfeM), Nürnberg: VTR, 2013, 155 S.

Der Inhalt:

  • Vorwort (Robert Badenberg und Friedemann Knödler)
  • Grußwort im Auftrag der Deutschen Evangelischen Allianz (Michael Diener)
  • Einführung in die Diskussion (Thomas Schirrmacher)
  • Wir werden missional  und streichen evangelistische Dienste!? (Ulrich Parzany)
  • Dein Reich komme – Gesellschaftstransformation verstehen (Tobias Faix)
  • Die transformatorische Theologie im Licht des Neuen Testaments (Volker Gäckle)
  • Wofür ist die Kirche da? (Ron Kubsch)
  • Evangelisation – Grund, Motiv und Ziel (Johannes Reimer)
  • Das biblische Mandat, die Welt zu retten – innerlich wie äußerlich – ganz privat und ganz global (Thomas Schirrmacher)
  • Verhaltenskodex für christliche Entwicklungshilfe – Eine Initiative der Schweizerischen Evangelischen Allianz (Marc Jost)
  • Biblical Stewardship – Biblische Haushalterschaft (Manfred W. Kohl)
  • Schlusswort (Michael Diener)

Leuten, die sich für das Thema „Gesellschaftstransformation“ und die damit  verbundene Debatte in Deutschland interessieren, sei das Buch zur Lektüre empfohlen.

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Hilft Geld aus der Armut?

EscapeBrauchen die Ärmsten der Welt mehr Entwicklungshilfe? Nein, meint der Ökonom und Wachstumsforscher Angus Deaton in seinem neuesten Buch The Great Escape. Patrick Bernau hat in seinem Wirtschaftsblog das Buch besprochen.

Fazit:

Nach Deatons Streifzug durch die Geschichte von Wachstum und Gesundheit ist seine Argumentation überzeugend: Die Industrieländer können wenig tun. Deaton nennt ein Beispiel, das dieser Tage relevant wurde: Produkte aus Entwicklungsländern leichter ins Land zu lassen und weniger Zölle zu erheben – genau das ist gerade auf der Welthandelskonferenz geschehen. Die Industrieländer können auch ihren Pharmafirmen Anreize setzen, um wirksame Mittel gegen Armutskrankheiten wie Malaria und Tuberkulose zu entwickeln. Nur eines ist der falsche Weg: Geld direkt in die armen Länder zu schicken. Länder mit guter Politik können ihre Armut selbst bekämpfen, Ländern mit schlechter Politik hilft auch das Geld nicht.

Hier: blogs.faz.net.

David Wells spricht über neues Buch

41HtCTZNkTLDavid Wells hat kürzlich ein Interview zu seinem neuen Buch:

gegeben.

Auf die Frage: „How does God in the Whirlwind contribute to the work you’ve already done in No Place for Truth, God in the Wasteland, Losing Our Virtue, Above All Earthly Powers, and The Courage to Be Protestant?“ hat Wells geantwortet:

Christianity Today has dismissed this new book as being a mere retread of these prior works with lots of hurrumphing, they say, along the way! Oh, dear. I am sorry that they were unable to see that this book is actually quite different from what I have written in the past. It is true that my understanding of modernized culture remains substantially the same as before. In this book, though, I have focused most of my attention, not on the culture, but on developing a biblical understanding of the character of God. This is something I have not done before and some of my critics have said that while I have exposed the problems in the church, I have not given the answers. Well, the answers are all tied up in knowing God and obeying him. This book is really a biblical theology of God’s holy-love showing how that holiness and that love are progressively revealed through the O.T., are embodied in Christ, and come together in the cross that God’s love provided and that his holiness required. This is what grounds and defines our sanctification, worship, and service in the world.

Das macht mich neugierig. Das Buch erscheint im Januar 2014.

Hier mehr: www.crossway.org.

Weihnachtsaktion 2013

51SSwhtgemL._Schon wieder ist ein Jahr vergangen. Ich möchte mich auch diesmal bei allen Lesern des Theoblog herzlich für das Interesse an den Beträgen und Disputen bedanken!

Einige haben auch 2013 Bücher, DVD’s oder Elektroartikel über TheoBlog bei Amazon bestellt (mehr dazu hier) oder über den Buchladen geordert. Zudem sind einige Spenden zugunsten der Arbeit eingegangen. Vielen herzlichen Dank dafür!

Wie üblich will ich mich durch eine kleine Aufmerksamkeit erkenntlich zeigen. Jeder Blog-Leser hat die Chance, in der Weihnachtszeit ein Päckchen zu empfangen. Das Päckchen enthält das Buch:

Über das Buch schrieb ich im Oktober in einer idea Rezension (Auszug):

Der Tübinger Alttestamentler Bernd Janowski geht mit Bonhoeffer von der Unverzichtbarkeit des Alten Testaments für die christliche Theologie und Kirche aus. Wer sich heute zur Vollgültigkeit des ersten Bibelteils bekennt, wird mit etlichen Klagen konfrontiert. Für Richard Dawkins, Sprachrohr der „Neuen Atheisten“, ist der alttestamentliche Gott beispielsweise ein „kleinlicher, ungerechter, nachtragender Überwachungsfanatiker; ein rachsüchtiger, … launisch-boshafter Tyrann“.

Janowski stellt sich diesen Vorhaltungen und packt zwölf besonders brisante Fragen rund um Themenkreise wie Gericht, Zorn, Rache oder Opfer an. Sein Buch ist ungemein detailreich und informativ. Es zeigt, dass sich zahlreiche Hürden durch genaue Übersetzungen oder eine umsichtige Wahrnehmung biblischer und historischer Kontexte überwinden lassen. Alles in allem entspricht jedoch der Gott der Bibel nicht den Projektionen der Menschen. Janowski plädiert für ein umfassendes Reden von Gott, das prominente Vereinfachungen überwindet …

Um Empfänger des Buches werden zu können, sind folgende drei Punkte zu beachten:

  1. Sie müssen TheoBlog regelmäßig lesen (Vertrauenssache).
  2. Sie müssen mir über das Kontaktformular Ihre E-Mail-Adresse mitteilen (und dabei das Stichwort: „Weihnachtspäckchen“ in der Mitteilung erwähnen).
  3. Am 20. Dezember werde ich von meiner jüngsten Tochter unter allen übersandten Adressen einen Empfänger über ein Losverfahren auswählen lassen und die gewählte Person kontaktieren (Vertrauenssache). Nach Übersendung der Postanschrift schicke ich das Päckchen an den Gewinner.

Vielen Dank fürs Mitmachen!

Martin Heidegger: „Betet bitte täglich für mich“

51xYcaVu2ZLHier der Auszug einer Buchbesprechung, die vollständig in der nächsten Ausgabe von Glaube und Denken heute erscheinen wird:

Ich lese Briefwechsel gern. Meist abends, wenn die Konzentration für anspruchsvolle Lektüre fehlt. Das Studieren der Briefe lässt die Menschen hinter den großen Werken lebendig erscheinen. Die Briefe von Theologen etwa gewähren Einblick in die Entstehenszusammenhänge wichtiger Denkbewegungen. Nehmen wir Karl Barth. Wenn wir an den Schweizer Professor denken, sind wir sofort bei seiner kategorischen Absage an alle „Anknüpfungspunkte“ zum Menschen unter der Sünde. Von einer allgemeinen Gottesoffenbarung oder den Leistungen einer natürlichen Vernunft wollte Barth nicht viel wissen, was schlussendlich zum Zerbruch seiner Freundschaft mit Emil Brunner führte. Barths Briefwechsel mit Eduard Thurneysen ist freilich zu entnehmen, dass Barth noch 1923 mit dieser Frage rang. Er schrieb (Gesamtausgabe, Bd. 4, S. 211):

„… Puncto Vernunft und Offenbarung habe ich bei Peterson, bei dem ich Thomas v. Aquino höre, Erleuchtendes vernommen, was mir das I. Buch von Calvins Institutio erst verständlich macht. Es gibt eine ‚natürliche Theologie‘, sogar die Gottesbeweise sind nicht ganz zu verachten, gerade von der Offenbarung aus muß eine relative und natürlich unvollkommene Erkenntnis Gottes vom Intellekt aus postuliert werden. Aber sag das noch niemand; ich muß erst noch eine Weile darüber schlafen, bis es zur Promulgierung reif wird.“

Ich lese aber nicht nur Briefe von Theologen. Als ich kürzlich erfuhr, dass Martin Heideggers Briefwechsel mit seinen Eltern erschienen ist, hat das sofort mein Interesse geweckt. Heidegger ist zweifellos einer der bedeutendsten Denker des 20. Jahrhunderts. Wer sich mit der Geistesgeschichte Europas beschäftigt, kommt an Heidegger nicht vorbei, auch dann nicht, wenn er ihm – wie beispielsweise Karl Popper – zutiefst misstraut.

Die Heidegger-Gesamtausgabe ist auf 102 Bände angelegt und erscheint seit 1975 im Frankfurter Verlag Vittorio Klostermann. Die Briefe werden von Alfred Denker und Holger Zaborowski im Freiburger Karl Alber Verlag herausgegeben. Geplant sind die Abteilungen „Private Korrespondenz“, „Wissenschaftliche Korrespondenz“ und „Korrespondenz mit Verlagen und Institutionen“. Der Briefwechsel zwischen Heidegger und seinen Eltern sowie seiner Schwester ist als erster Band der Abteilung I erschienen.

Anliegen der Herausgeber ist es, die Briefwechsel von Heidegger in einer Edition zugänglich zu machen, die den Ansprüchen einer wissenschaftlichen Erschließung genügt. Entsprechend wurden sie durch Anmerkungen und Erklärungen ergänzt. Allerdings handelt es sich nicht um eine historisch-kritische Ausgabe, da nicht alle Briefe und Briefentwürfe enthalten sind. Der Anhang enthält neben einem tabellarischen Lebenslauf allerlei Verzeichnisse, darunter auch ein Personenregister. Zudem wurden neun Bilder in den Band aufgenommen. Der Briefwechsel mit Heideggers Eltern beginnt 1907 und endet 1927 und enthält 132 Dokumente. 100 Briefe stammen von Martin Heidegger, 22 von seiner Frau Elfriede und 4 von seiner Mutter. Die restlichen Briefe wurden von Familienangehörigen und Bekannten verfasst.

Die veröffentlichten Dokumente sind für die Forschung bedeutsam, da sie Heideggers einfache Herkunft und seinen Abschied vom Katholizismus belegen. Die Eltern waren schlichte Leute mit einem tiefen katholischen Glauben. Der Vater arbeitete als Fassbindermeister und Mesner in Meßkirch. Er war „ein großer Schweiger“ (S. 198). Die Mutter war lebensfroh und wusste sich auch in schwerer Zeit von Gott getragen. Fritz Heidegger, der Bruder des Philosophen, konnte von ihr sagen, dass sie im Stand der Gnade alles Widerwärtige des Lebens leicht zu ertragen vermochte (S. 198).

Heideggers Verhältnis zu den Eltern war, den Briefen nach zu urteilen, herzlich. Er bedankt sich für Lebensmittelgeschenke und berichtet von seinen Aufgaben als Privatdozent. Zu Spannungen führte, dass Heideggers Gefährtin Elfriede Petri eine Protestantin war und zögerte, dem Wunsch der Schwiegereltern entsprechend zum katholischen Glauben zu konvertieren. Um weiteren Verstimmungen aus dem Weg zu gehen, ließen sich Martin und Elfriede am 21. Februar 1917 unter Ausschluss der Öffentlichkeit katholisch trauen. Zwei Tage später heirateten sie bei den Schwiegereltern in Wiesbaden evangelisch.

Am 9. Dezember 1918 schreibt Heidegger einen schmerzbereitenden Brief an seine Eltern. Dies ist der bedeutsamste Brief des Bandes, da er Heideggers Abschied vom Katholizismus dokumentiert. Es kommt eine Zeit, „wo der Mensch selbständig wird“. Heidegger bittet um Verständnis dafür, dass er seine Überzeugungen „im ehrlichen Suchen und Prüfen der Wahrheit“ bildet (S. 35). Er kann nicht mehr mit „innerer Wahrhaftigkeit“ zur katholischen Konfession stehen.

„Ich möchte Euch wiederholt innig bitten, nicht schnell zu urteilen und nun gar darüber verzweifelt zu sein und zu meinen, daß ich überhaupt nichts mehr glaube und so fort. Im Gegenteil, heute, wo ich in selbst errungener Überzeugung ohne die einengenden Schranken und unüberwindlichen Schwierigkeiten des katholischen Glaubens Gott gegenüberstehe, habe ich eine wahrhaft innere Ruhe und Freudigkeit, eine wirklich lebendige Religiosität, während ich früher durch Zweifel und Zwang innerlich zermürbt und leer war und alles nur noch mechanisch, ohne echte innere Beteiligung mitmachen konnte“ (S. 36).

Der Schluss des Briefes kann taktisch oder aufrichtig gedeutet werden:

„Betet bitte täglich für mich, daß ich meinem Wege der inneren Wahrhaftigkeit und der Gottergebenheit treu bleibe und stark sei in den Stürmen der inneren Kämpfe. Und freut Euch mit uns an unserem Glück, das uns alle Gott verbinden soll in gegenseitiger Liebe und in unbedingtem Vertrauen“ (S. 37).

Von da an tritt der Glaube in der Korrespondenz spürbar zurück. Einige Tage später schreibt er anlässlich des Weihnachtsfestes noch: „Ich stehe der katholischen Konfession nicht etwa feindlich gegenüber, im Gegenteil, ich werde mir nie nehmen lassen, was sie an Wertvollem enthält. Ebenso wenig kann ich mich für eine bestimmte protestantische Richtung entscheiden“ (S. 38).

Nicht nur die Mutter, auch die Schwester Maria machte sich Sorgen. Am 31. Mai 1918 erkundigt sie sich bei einem Studienfreund Heideggers nach dessen Glaubensleben:

„Es ist Ihnen vielleicht bekannt, daß meine lieben Eltern nur, auf Vermittlung des Herrn Dr. Krebs, und auf das Versprechen von Elfride, daß sie zur katholischen Kirch übertreten werde, die Einwilligung zur Heirat gaben. Nun bin ich aber anlässlich meines Besuches in Freiburg über das religiöse Leben von Martin und Elfride sehr enttäuscht und erbittert. Besonders grämen sich jetzt meine lieben Eltern furchtbar hierüber“ (S. 161).

Die eilige Antwort muss beruhigend ausgefallen sein. Schon am 4. Juni erklärt Maria, dass sie den Eltern und ihr selbst viel Trost und Freude gebracht habe (S. 162).

Als Martin Heidegger 1921 seiner Schwester zur Hochzeit gratuliert, formuliert er betont fromm, dass Liebe darin bestehe, sich dafür einzusetzen, „dem anderen zu helfen und die Hindernisse aus dem Weg nimmt, vor Gott ein rechter Mensch zu werden“ (S. 113). Seiner Mutter schreibt er aus Köln am 4. Dezember 1924, dass er täglich in der Nachfolge Christi von Thomas von Kempen lese. Die Mutter antwortet beseligt: „Löblich ist es ja, daß Du in der Nachfolge Christi liest, besonders wenn Du danach lebst. Also 3 Ave musst Du beten, wofür Dich Deine Mutter bittet“ (S. 72).

Bewegend ist der Abschiedsbrief, den er seiner schwer leidenden Mutter am 30. April 1927 übersandte: „Du bist mir diesmal zu einem unvergesslichen Vorbild des Mutes und der Ausdauer und des unerschütterlichen Gottvertrauens geworden.“ Weiter heißt es:

„Wenn ich jetzt auch fern von Dir sein muß, so bin ich mit dem Herzen und dem Gedenken um so öfter bei Dir in Deiner mir jetzt vertrauten Krankenstube. Und täglich wünsche und bete ich für Dich, daß diese schweren Tage für Dich nicht allzu hart werden. ‚Bleib brav, dieses Leben ist so bald vorbei‘ hast Du mir beim Abschied gesagt. Mutterworte bleiben unvergessen. ‚Und es war doch ein schönes Leben, Mutter‘ erwiderte ich Dir. Und da sagtest Du aus innerster Seele und mit einem freudig dankbaren Blick ‚ja, Martin, es war schön‘. Dieses Gespräch bewahre ich in meinem Herzen, und wenn immer ich Deiner gedenke, soll es mir Dein immer frisches Bild verklären“ (S. 108).

Am 3. Mai ist Johanna Heidegger gestorben.

Auch wenn in den Briefen viel Belangloses zu lesen ist, hat sich die Lektüre gelohnt. Die Gottesfrage hat Heidegger trotz seiner Absage an den Katholizismus und den jüdisch-christlichen Gott nie losgelassen. „Ohne … theologische Herkunft wäre ich nie auf den Weg des Denkens gelangt“, bekannte er 1953. Und schon 1948 hatte er gesagt: „Meine Philosophie ist ein Warten auf Gott“ (vgl. „Warten auf Gott“, Der Spiegel, Nr. 20/1972, S. 146–149).

Aus einem Brief Barths ist übrigens zu entnehmen, dass dieser in Marburg mit Heidegger zusammentraf. „Der Philosoph Heidegger“ – schreibt der Theologe – war „sehr zustimmend, es sei methodisch alles in Ordnung gewesen, keine Grenze überschritten, aber mit der Frage nach unserem Verhältnis zu Kant, den er zu Aristoteles rechne, von dem sich der junge Luther losgesagt habe“ (Gesamtausgabe, Bd. 4, S, 229).

Schade, dass Briefe heute eine Rarität sind. Sie werden zukünftigen Generationen fehlen.

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