Feuilleton

Feuilleton & Kunst

Seelsorge Aufbaukurs II (November 2021)

Vom 21.–26. November 2021 werden wir in Friedrichshafen am Bodensee einen Aufbaukurs zur „Christozentrischen Seelsorge“ anbieten. Folgende Themen sind geplant:

  • Seelsorge an Jugendlichen (Pfarrer Heinz Bogner)
  • Das seelsorgerische Gespräch (Ron Kubsch)
  • Seelsorge im Angesicht von Krankheit und Tod (Thomas Jeising)
  • Seelsorgerische Begleitung in Leidsituationen (Lilia Stromberger)
  • Wenn’s lange dauert: Anregungen für die Begleitung längerer Seelsorgeprozesse (Lilia Stromberger)

Mehr Informationen und eine Anmeldemöglichkeit gibt es hier: Seelsorge _ November 2021_a.pdf.

Grünes Genderdeutsch

Das Wahlprogramm der Grünen ist radikal durchgegendert und ignoriert Rechtschreibregeln. Auch sonst scheint die neue Leitkultur durch. Alleinerziehende heißen nun Ein-Eltern-Familien, dazu gibt es die Mehr-Eltern-Familien und die Zwei-Mütter-Familien. Im Programm heißt es dazu:

Zwei-Mütter-Familien sollen nicht mehr durch das Stiefkindadoptionsverfahren müssen, darum streben wir an, das Abstammungsrecht zu reformieren, sodass die Co-Mutter analog zu Vätern in Ehen zwischen einem Mann und einer Frau automatisch als zweites rechtliches Elternteil gilt. Das Abstammungsrecht muss zudem die Elternschaft von Menschen mit Geschlechtseintrag „divers“ berücksichtigen. Bei Kinderwunsch sollen alle Paare und alleinstehende Frauen die Möglichkeit einer Kostenerstattung für die künstliche Befruchtung erhalten.

Wer wissen will, wie unsere sprachliche Zukunft aussieht, muss das Programm lesen, meint der Linguist Horst Haider Munske in seinem Beitrag für Die Welt:

Die Grünen meinen es ernst mit dem radikalen Gendern. In dem endgültigen, seit wenigen Tagen „lektorierten“ offiziellen Wahlprogramm bekennen sie Farbe. So und nur so wollen sie in der deutschen Sprache Geschlechtergerechtigkeit einführen. Sie scheren sich nicht um die Bedenken des Rats für deutsche Rechtschreibung. Sie fragen nicht nach Lesbarkeit, nach Vorlesbarkeit, nach Verständlichkeit, nach den Regeln der Grammatik und nach der Tradition einer Sprache.

Mehr hinter einer Bezahlschranke: www.welt.de.

Vom Umgang mit Zorn

Ash Midgley The heart of angerKlaus Giebel vom Martin Bucer Seminar in München stellt in einer Besprechung des Buch The Heart of Anger: How the Bible Transforms Anger in Our Understanding and Experience von Christopher Ach und Steve Midgley vor:

Das Buch ist flüssig, lebendig geschrieben, sprachlich ist es für die meisten Leser mit Schulenglischkenntnissen sicher gut zu verstehen.

Es ist für Seelsorger, Gemeindeleiter, aber auch für z.B. in Erzieherberufen tätigen ebenso nützlich wie für jeden Christen, der sich auf den Weg gemacht hat, um in der Gnade Gottes zu wachsen. Es hilft, den Bereich der Charakterentwicklung nicht zu vernachlässigen, sondern ihm die entsprechende Aufmerksamkeit zu geben und ein vielleicht bislang vernachlässigtes oder in seiner Gefährlichkeit unterschätztes Phänomen bewusst anzugehen.

Was sich der Leser, der mit zeitgenössischen Vorstellungsmodellen aus den Humanwissenschaften zu tun hat, vielleicht noch gewünscht hätte, wäre ein Kapitel zur Auseinandersetzung mit gängigen Aggressionsmodellen aus der psychologischen Forschung, die, kritisch hinterfragt, ja eine große Rolle im Bereich der Pädagogik und Therapie spielen. Aber das hätte den Rahmen und das wichtige Anliegen dieses ausgesprochen wertvollen Buches womöglich gesprengt.

Meine Empfehlung: ein Buch, das es wert wäre, für den deutschsprachigen Raum übersetzt zu werden! Es ist für alle, die sich mit der Einordnung und Bewältigungsstrategien menschlicher Gefühlswelten beschäftigen wollen genauso hilfreich wie für jeden, der sich selbst mit den eigenen Kräften des Zorns auseinandersetzen will oder anderen dabei helfen möchte, hier neue, christusgemäße Wege zu beschreiten. Darüber hinaus bietet es eine Fülle an biblischen Anregungen, um durch Vertiefung der Texte auch zu eigenen Einsichten zum Thema zu kommen.

Hier die vollständige Rezension: www.evangelium21.net.

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Hans Rookmaaker: How to Explore The Meaning Of Art

Hans Rookmaaker (1922–1977) war einer der engsten Freunde von Francis Schaeffer. Als Kunstkritiker hat er Schaeffer in seinen kunsthistorischen Studien unübersehbar beeinflusst. Leider gibt es nicht so viele Leute, die der göttlichen Offenbarung vertrauen und zugleich große künstlicher Kompetenz mitbringen. Bei Rookmaaker finden wir eine große Liebe zur Heiligen Schrift und zur Kunst und zugleich hervorragende analytische Fähigkeiten. Sein Buch Modern Art and the Death of a Culture wird seit Jahrzehnten geschätzt und wurde erst vor wenigen Wochen neu aufgelegt.

Rookmaakers Bücher zur lesen, ist eine feine Sache und ich kann es nur sehr empfehlen. Ein noch größeres Erlebnis ist es aber meines Erachtens, einen Vortrag von ihm zu hören. Byrne Power hat sich erfreulicherweise die Mühe gemacht, einige der Vorträge, die Hans Rookmaaker gehalten hat, aufwendig zu digitalisieren und mit Bildern zu hinterlegen.

Hier gibt es den Vortrag „How to Explore The Meaning Of Art“, den Rookmaaker im Januar 1976 am Westminster Seminary in Philadelphia gehalten hat:

Spiritualisierung oder Psychologisierung? 

Der Band Spiritualisierung oder Psychologisierung? enthält eine Reihe von Aufsätzen, die größerenteils auf die Vorträge des 6. Symposiums des Marburger Instituts für Religion und Psychotherapie (Evangelische Hochschule Tabor) im November 2018 zurückgehen. Die Beiträge beleuchten ein breites Spektrum an Themen, die im weiteren Sinne als „außergewöhnliche religiöse Erfahrungen“ gedeutet werden können.

Tanja Bittner hat das Buch gelesen und kommst zu einem ernüchternden Ergebnis: 

Die Autoren benennen eine ganze Reihe von tatsächlich vorhandenen Problemen, die Folge einer unangemessenen Spiritualisierung in christlichen Kontexten sind. Hier ist noch viel differenzierende Arbeit zu tun – es ist aber fraglich, wie viel Hilfestellung das Buch hier bieten kann. Man könnte aufgrund des Titels erwarten, hier das Ringen innerhalb eines Spannungsfelds vorzufinden: Inwiefern werden psychische Problematiken in christlichem Umfeld fälschlicherweise „spiritualisiert“ (etwa Dämonen zugeschrieben), inwiefern werden geistliche Erfahrungen fälschlicherweise „psychologisiert“, und wie könnte eine sinnvolle Kooperation der beiden Perspektiven aussehen? Doch solches Ringen sucht man vergebens. Im Grundtenor herrscht unter den Autoren offenbar große Einigkeit, dass ein personhaftes transzendentes Böses (sprich: Teufel oder Dämonen) – wenn auch in der Bibel so dargestellt – als Erklärungsmuster prinzipiell nicht in Frage kommt. Der Leser darf also lernen: Eine Spiritualisierung in dem Sinn, unerklärlich scheinende Vorgänge dem Wirken personaler transzendenter Mächte zuzuschreiben, ist grundsätzlich unangebracht, auch wenn man um des Behandlungserfolges willen das Weltbild des Betreffenden respektieren sollte.

Die Argumentation bleibt also insgesamt einem Paradigma verhaftet, das Transzendenz innerweltlich zu zähmen sucht, sie letztendlich in „Anschauung und Gefühl“ auflöst – aber warum eigentlich? Sicherlich mag es beruhigend sein, auf diesem Weg das nicht Händelbare, Unerklärliche (mag man dabei an den Teufel oder vielleicht auch an Gott denken), das immerhin beängstigend persönlich sein könnte, zu entpersonifizieren, als außergewöhnliche Leistung der Psyche händelbar zu machen. Aber ist das schlüssig?

Die vielleicht erstaunlichste Wahrnehmung beim Lesen des Buches war für mich, dass man auf 150 Seiten wieder und wieder darlegt, wie universal die Überzeugung von der Existenz einer transzendenten und dabei häufig auch personal verstandenen Welt verbreitet ist – biblisch, historisch, geografisch, auch nach wie vor als starke Strömung in unserem aus der Aufklärung hervorgegangenen Westen –, dass man teils nur noch gefühlte Millimeter davon entfernt ist, die eigene Voreingenommenheit zu entlarven (vgl. S. 128: „Im Blick auf westlich-entmythologisierende Exegese stellt sich die Frage, ob nicht die Menschen in Kamerun, die an eine unsichtbare Welt glauben, gegenüber westlich-säkularisierten Christen einen hermeneutischen Vorsprung haben.“) – und dennoch gerade diese eine Möglichkeit von vornherein kategorisch ausschließt. Ob nicht vielleicht doch eine gewisse Betriebsblindheit vorliegen könnte?

Mehr: www.evangelium21.net.

EKD für Millennials

Reinhard Bingener kommentiert in der FAZ die Wahl der 25 Jahre alten Anna-Nicole Heinrich zur Präses der Evangelische Kirche. Treffend skizziert er, dass in einer Kultur der Postmoderne Unvereinbares eben doch zusammenpasst. Wenn sogar die konservative Synodenfraktion theologisch liberal ist, dann hilft auch eine charismatische Frömmigkeit nicht weiter. Fast möchte man zynisch sagen: Hautsache wir sprechen „gendergerecht“.

Kirchenpolitisch betrachtet, ist die Studentin ein widersprüchliches Geschöpf. Sie spricht konsequent mit Gender-Gap, gehört aber zugleich der konservativen Synodenfraktion „Lebendige Kirche“ an. Heinrich bezeichnet sich als theologisch liberal – und lobt im gleichen Satz die charismatische Frömmigkeit der Freikirchen. Die Studentin stammt auch nicht wie der Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm aus einer Theologendynastie, sondern ist das Kind einer kirchenfernen Familie aus Ostdeutschland.

Vielleicht hat die Synode gespürt, dass sie mit dieser wilden Mischung ein Stück Zukunft der Kirche antizipiert. Da die Weitergabe der christlichen Tradition in den Familien kaum noch funktioniert, muss die Kirche offener für Glaubensbiographien wie die von Anna-Nicole Heinrich werden. Die Kirche wird auch die emotionale Intensität ihrer Gottesdienste steigern müssen. Dahinter steckt folgende Logik: Wenn in einer Gesellschaft die außerreligiösen Gründe, religiös zu sein, zunehmend entfallen, muss die Kirche selbst wieder religiöser werden.

Musik im Gottesdienst

Dangendorf Musik im GottesdienstMusik im Gottesdienst ist ein Dauerthema. Daniel Dangendorf, selbst Musiker und Theologe, hat das Handbuch Musik im Gottesdienst verfasst, das viele Fragen kompetent erörtert. Viktor Harder kommt in seiner Rezension zu folgendem Fazit:

Das Buch Musik im Gottesdienst ist für Musiker und auch Nichtmusiker ein gelungenes Handbuch zu dem Thema. Es überraschte mich mit einer guten Lesbarkeit und gleichzeitiger Tiefe. Es beantwortet viele Fragen rund um das Thema. Es kann als Handbuch nicht jedes Thema umfassend behandeln, aber bietet viele wertvolle Literaturhinweise zur Vertiefung. Es motiviert letztlich, Gott mit Musik zu dienen und das zu seiner Ehre.

In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Glauben und Denken heute hat Daniel den Aufsatz „Im Einklang mit dem Evangelium: Liedauswahl im Spannungsfeld polyphoner Gottesdienstformen“ veröffentlicht, der hier frei heruntergeladen werden kann: LiedauswahlimGottesdienst.pdf.

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Gender-Sprachpolizei dürfen wir nicht hinnehmen

Die meisten Menschen lehnen Gendersprache ab. Trotzdem greift sie nun auch in Behörden um sich. Der Staat sollte uns nicht umerziehen, schreibt der CDU-Bundestagsabgeordnete Christoph Ploß in einem Gastbeitrag für Die Welt. Dort sagt er:

Die Befürworter der Gendersprache, allen voran die Grünen, setzen bei immer mehr Wörtern auf Gendersternchen, Doppelpunkte, Unterstriche mitten im Wort und vieles mehr. Aus „Fußgängern“ sollen „Zu-Fuß-Gehende“ werden, aus „Radfahrern“ werden „Radfahrende“. Dies treibt so seltsame Blüten wie „verunfallte Autofahrende“ – ein Widerspruch in sich. Anstatt von „Ärzten“ oder „Ärztinnen und Ärzten“ ist wahlweise von „Ärzt*innen“, „Ärzt_innen“ oder „Ärzt:innen“ zu lesen – Formen, die nicht von der amtlichen Regelung der deutschen Rechtschreibung gedeckt sind.

In diesem Milieu entstehen Wortungetüme wie „Passivraucher*innenschutzverordnung“ – ein Fundstück aus dem Koalitionsvertrag von SPD und Grünen in Hamburg. Es gibt mittlerweile selbst Diskussionen darüber, ob man statt „Mutter“ nicht besser „gebärendes Elternteil“ sagen sollte. Vereine wie die „Neuen deutschen Medienmacher*innen“ wollen darüber hinaus Wörter wie „Migrant“ oder „Einheimische“ in der Berichterstattung abschaffen.

Die Grammatik der deutschen Sprache erlaubt uns, Nuancen und Feinheiten genau auszudrücken, wie es sonst nur in wenigen Sprachen der Fall ist. Wenn aber unzählige Substantive durch das Gendern mit substantivierten Partizipien ersetzt werden, werden Unterschiede wie der zwischen einem Kochenden und einem Koch verwischt, was der Genauigkeit der deutschen Sprache abträglich ist – von ästhetischen Gesichtspunkten mal ganz abgesehen.

Mehr: www.welt.de.

Joseph Beuys: Freie Schulen!

Heute vor einhundert Jahren wurde Joseph Beuys (1921–1986) geboren. Ich habe diesen Anlass genutzt, um mir einmal ein paar Vorträge von ihm durchzulesen (vgl. zu Beuys und seiner Selbsterlösungsreligion auch hier). Ich muss sagen, die Lektüre fiel mir noch deutlich schwerer als das Hören seiner Vorträge. Meines Erachtens ist das ein Geschwurbel, das erst einmal übersetzt werden muss. Und wenn es übersetzt ist, bleibt oft nicht viel übrig. Hier mal ein Beispiel (Joseph Beuys, „Eintritt in ein Lebewesen“, in: Riegel, Hans Peter, Beuys: Verborgenes Reden. Die Biographie, Bd. 4, 2021. S. 75–100, hier S. 94):

Aufgrund eben dieses Wissenschaftsbegriffes, den wir schon an mehreren Stellen kennzeichnen konnten, als einen so stark von der allgemeinen Kreativität der Menschen reduziertem Tun, dass in ihr ein solcher – dass dieser Begriff charakterisiert werden muss, als prinzipiell der Materie zugewandt. Also der Konditionierung von fester Materie zugewandt, soweit sie analysierbar ist in Begrifflichkeiten von Messwerten messbar, wählbar, zählbaren quantitativen Dimensionen und das aus dieser Konstellation sie zu bezeichnen ist als die Materie Wissenschaft.

Ich weiß. Der Kontext ist entscheidend. Aber auch die Lektüre im Kontext hat mir nicht geholfen, zu verstehen, was genau er sagen möchte.

Fast überraschend bin ich dann aber bei Beuys doch noch auf einen Appell gestoßen, den ich mittragen kann, auch wenn er wahrscheinlich auf der Grundlage seines anthroposophischen Weltbildes und seines erweiterten Kunstbegriffs verstanden werden muss (die ich beide natürlich nicht mittrage). Beuys wollte ein freies Bildungseinrichtungs- und Schulwesen (Joseph Beuys, „Jeder Mensch ist ein Künstler“, in: Riegel, Hans Peter, Beuys: Verborgenes Reden. Die Biographie, Bd. 4, 2021. S. 75–100, hier S. 94):

Die therapeutische Maßnahme, die allerwichtigste, die zur Erreichung eines solchen Zieles von Nöten ist, steht allerdings an aller erster Stelle, um etwas erreichen zu können an diesem Punkt. Es muss als einer der wichtigsten und wesentlichsten Programmpunkte angesehen werden, dass die Befreiung des Schul-, des Universitätswesens, der Informationsebene aus den Händen des Staates und der Wirtschaft sukzessive befreit wird. Das heißt, das Prinzip der freien Schule macht es erst möglich, daß der erweiterte Kunstbegriff bei jedem Menschen zur Wirkung kommen kann.

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„Worüber man nicht spricht“

Barbara Zehnpfennig beschreibt in ihrem Artikel „Worüber man nicht spricht“ (FAZ, Nr. 103, 05.05.2021, S. N4) die wachsende Zahl von Ausladungen und Sprechverboten an den deutschen Hochschulen. Die Cancel Culture, die im Namen einer vermeintlichen Toleranz den Meinungsstreit verhindert, treffe die Wissenschaft in ihrem Kern, meint die Autorin:

Wie verhält es sich also tatsäch­lich mit der Wissen­schafts­frei­heit? Kann man bei uns alles sagen? Ja, das kann man in der Tat. Die Frage ist aber, zu welchem Preis man das kann. Schon dass es einen Preis hat, als Wissen­schaft­ler über bestimm­te Themen wie Kolo­nia­lis­mus, Geschlecht oder Islam in einer Weise zu denken, die nicht den von mino­ri­tä­ren Deutungs­eli­ten vorge­ge­be­nen Denk­mus­tern entspricht, ist ein Problem. Damit ist keines­wegs das Problem gemeint, auf Wider­spruch zu stoßen. Ganz im Gegen­teil, der Wider­spruch, das Aufein­an­der­tref­fen von Argu­ment und Gegen­ar­gu­ment, ist das Lebens­eli­xier der Wissen­schaft. Wer das nicht aushält, wer es nicht erträgt, wenn die eige­nen Forschungs­er­geb­nis­se kriti­siert und gele­gent­lich auch zerpflückt werden, ist in der Wissen­schaft nicht am rech­ten Ort.

Leute, die den Mainstream infrage stellen, erhalten oft gar keine Gelegenheit mehr, ihre Positionen vorzustellen und zu begründen: 

Die Mittel des Ausschlus­ses sind viel­fäl­tig. Gegen einen Kommu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaft­ler, der in einem Beitrag für das Forum einer Fach­zeit­schrift die Praxis des Genderns kriti­siert, wird eine Unter­schrif­ten­lis­te orga­ni­siert, in der 82 Fach­kol­le­gen fordern, derar­ti­ge Beiträ­ge nicht mehr zu drucken. Ein Pegida-Forscher, der dafür plädiert, mit den Teil­neh­mern an den Pegida-Demons­tra­tio­nen doch auch einmal zu reden, um ihre Motive zu verste­hen, wird viel­fach öffent­lich ange­fein­det. Von studen­ti­schen und städ­ti­schen Grup­pen wird ihm das Recht bestrit­ten, an ihrer Univer­si­tät einen Vortrag zu halten. Schlie­ß­lich zündet irgend­je­mand sein Auto an. Gegen einen Poli­tik­wis­sen­schaft­ler, der das Tragen eines Kopf­tuchs in der Schule als Verstoß gegen das staat­li­che Neutra­li­täts­ge­bot wertet, erstat­tet eine Studen­tin Anzei­ge wegen Volks­ver­het­zung. Die Stadt Hanno­ver sagt den Vortrag eines renom­mier­ten Histo­ri­kers über die Kolo­ni­al­ge­schich­te ab, weil eine rassis­mus­kri­ti­sche Initia­ti­ve das Auftre­ten eines „weißen Mannes“ zu diesem Thema bemän­gelt und an der Diskus­si­on, die im Anschluss an den Vortrag geplant war, nicht mehr teil­zu­neh­men bereit ist. Beispie­le unter vielen.

Und was sind die Folgen? Frau Prof. Barbara Zehnpfennig schreibt dazu: 

Das bedeu­tet die Ausbrei­tung des Duck­mäu­ser­tums und der Heuche­lei in die Wissen­schaft. Man macht seinen Kotau vor Diver­si­tät, Gender und euro­päi­scher Univer­sal­schuld und versucht, dahin­ter verbor­gen doch noch etwas von dem zu retten, was einem eigent­lich wich­tig ist. Oder man ergibt sich völlig dem Druck und liefert das Gefor­der­te. In beiden Fällen verstärkt man die schon vorhan­de­ne Tendenz. 

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