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Die Verzauberung der Welt

Nachfolgend der Auszug einer Buchbesprechung, die vollständig in Glauben & Denken heute 1/2015 erscheinen wird. Es geht um das Buch:

Die Verzauberung der Welt

NewImageIn seiner Kulturgeschichte des Christentums zeigt Jörg Lauster, wie der Glaube seit der Antike nicht nur die Kirche, sondern auch Kunst, Zusammenleben, Wirtschaften, Regieren und Forschen geprägt hat. Seine tragenden Grundüberzeugungen sind deshalb nicht allein in den Lehren und Traditionen der Kirche, sondern ebenfalls auf Gebieten wie Musik, Kunst, Architektur, Literatur oder Wissenschaft zu finden.

Der Autor, Professor für Systematische Theologie und Religionsphilosophie an der Philipps-Universität Marburg, legt bereits in der Einleitung seine Denkvoraussetzungen offen. Er weiß sich den Idealen der liberalen und aufgeklärten Theologie verpflichtet, wie sie von Friedrich Schleiermacher, Ernst Troeltsch, Rudolf Otto oder Adolf von Harnack angewandt wurden. Ihrem Grundanliegen ist seine „Kulturgeschichte des Christentums dankbar verpflichtet, wenn sie seine Kulturformen auf ihre religiöse Bedeutung hin zu lesen versucht“ (S. 15). Das Christentum soll nicht verteidigt, sondern als Ort der eigenen Herkunft gewürdigt werden. Deshalb werden auch die düsteren und irrationalen Erscheinungsformen angesprochen. Das Finstere kann – so der Autor – nur dann vertrieben werden, „wenn eine Religion das Licht der Aufklärung auf ihre eigene Geschichte wirft“ (S. 14). Nach dieser Standortbestimmung führt Lauster die Leser durch zweitausend Jahre Kirchengeschichte.

Er beginnt bei Jesus, skizziert die Entstehung der Urgemeinde und die konstantinische Wende, die das Christentum Ende des 4. Jahrhunderts unter Theodosius die Anerkennung als Staatsreligion einbrachte. Von der Entstehung der Klöster und die Missionierung Europas führt das Buch dann weiter zu Papsttum, Kreuzzügen und Inquisition. Über die scholastischen Wissenschaften und die große Zeit der kirchlichen Architektur gelangt der Autor über die Renaissance weiter zur Reformationszeit. Ausführlicher als diese wird die „Wucht des Barock“ beleuchtet, bis endlich die Zeit der Aufklärung und die damit verbundene Verwandlung des Glaubens begreiflich gemacht werden. Das letzte Kapitel ist treffend mit „Das vervielfältigte Christentum“ überschrieben. Dargestellt sind dort die Prozesse der Konfessionsbildung und der Säkularisierung. Auch katholischer Antimodernismusstreit, Kulturprotestantismus, Atheismus und Naturalismus bekommen ausführlich Raum.

Es liegt auf der Hand, dass in einer Rezension nicht auf alle Teile eines so umfangreichen Werkes eingegangen werden kann. Ich greife somit zwei Themen heraus.

Beginnen will ich mit dem Rätsel der Person Jesu, das Lauster im ersten Kapitel zu lösen versucht. Hier wird ersichtlich, dass der Autor mit seinem Bekenntnis zur aufgeklärten Theologie ernst macht. Zurück greift er vor allem auf Werke von Gerd Theißen und Jens Schröter, in denen er den aktuellen Forschungsstand zum Leben und Wirken Jesu abgebildet sieht (vor allem Theißen/Merz, Der historische Jesus, 2011 u. Schröter, Jesus von Nazaret, 2012). Die Evangelien sind eine frühe Kulturform des Christentums, in der die Göttlichkeit des Menschen Jesus vergegenwärtigt und in Erinnerung gehalten werden soll. „Ihre Verfasser hatten kein Interesse an einer historischen Berichterstattung und an der Wiedergabe von Tatsachen, denn sie sprachen aus einer religiösen Begeisterung und Gewissheit und wollten diesen Enthusiasmus weitergeben. Die Evangelien beschreiben Jesus als Gottessohn, weil sich die Verfasser ganz sicher waren, dass er der Gottessohn ist. Daher griffen sie auf Ausdrucksformen des Mythos zurück und zeichneten Jesus in leuchtenden Farben“ (S. 20-21).

Das zweite Thema, das ich herausgreife, ist der Abschnitt über die Erfindung des Romans (S. 435–443). Bernhard Lang hat in seiner Besprechung für die FAZ zurecht vermerkt, dass es sich um ein fulminantes Kapitel handelt (vgl. FAZ, 14.11.2014, S. 10). Nachdem Lauster kurz in die „spektakuläre Kulturhöhe“ der englischen Literatur unter Shakespeares und Marlowes einführt, stellt er die Werke zweier Puritaner vor, die die reformatorische Verehrung des Wortes ernst nahmen. „Es waren die Puritaner, die die Bedeutung des Buches in der Kulturgeschichte des Christentums auf die Spitze trieben: ‚Puritanism was an intrinsically bookish Movement‘, bilanziert ein führender Puritanismus-Forscher“ (S. 436, gemeint ist Neil Keeble). Im 17. Jahrhundert waren es John Bunyan und Daniel Defoe, die mit ihren Hauptwerken die Literatur vom Epos zum Roman hinführten und so diesem literarischen Genre zu einem rasanten Aufstieg verhalfen.

Der baptistische Prediger John Bunyan (1628–1688) veröffentlichte 1678 den Roman The Pilgrim’s Progress. Das Buch wurde noch zu seinen Lebzeiten ein großartiger Erfolg und ist eines der meistgelesenen Bücher überhaupt. Die Pilgerreise ist beides zugleich, „ein Wendepunkt in der Geschichte der modernen Literatur und eines der wirkungsvollsten christlichen Erbauungsbücher der Neuzeit“ (S. 436). Bunyan wandte sich nach einer schweren Glaubenskrise dem Puritanismus zu und schloss sich einer Baptistengemeinde an. Dort wirkte er als Prediger und veröffentlichte kleinere theologische Schriften, in denen er sowohl den episkopalen Anglikanismus als auch das freikirchliche Quäkertum auf der Grundlage seiner reformierten Theologie beanstandete. Er wurde wegen seiner Kirchenkritik für viele Jahre ins Gefängnis gesteckt, wo er schließlich auch die Pilgerreise verfasst hat. Wolfgang Iser, ein bedeutender deutscher Anglist und Literaturwissenschaftler, erklärt den Erfolg des Romans in der Neuzeit damit, „dass die Sinnkonstitution des Textes zu einer unverkennbaren Aktivität des Lesers wird“ (S. 438). Lauster: „Im Detail sah Iser diese Wende durch die besondere Konstellation des Calvinismus vorbereitet. Nach dessen unverbrüchlicher Überzeugung schloss die göttliche Gnadenwahl jede menschliche Mitwirkung an der eigenen Erlösung aus. Anders als der mittelalterliche Ritter kann sich der ‚Puritan Hero‘ nicht durch Taten Verdienste erwerben, sondern der Welt allein durch sein inneres Vertrauen in die göttliche Gnadenwahl trotzen, seine Taten können dann nur Folge dieser Heilsgewissheit sein. Im Roman ergeben sich dadurch zwei Spannungspole. Der Leser hat Anteil an der Allwissenheit des Autors und weiß um die göttliche Gnadenwahl des Pilgers, er steht aber auch im Bann des individuellen Schicksals, der Gefahren und Proben, die der Pilger zu bestehen hat. So wird der Leser innerlich hineingenommen in die stetige Vergewisserung des Heils. Mit den Mitteln des Romans ist die Heilsbotschaft kein abstraktes, überweltliches Diktum, sondern geht in die konkreten Lebenssituationen eines menschlichen Individuums ein“ (S. 438).

Auch Daniel Defoe (1660–1731) entstammt der Strömung der „Abweichler“ und teilte die Überzeugungen des Puritanismus. Sein Roman Robinson Crusoe wurde ein Welterfolg und fesselt noch heute viele Leser. Als er ihn veröffentlichte, war Defoe bereits 59 Jahre alt. „Robinson Crusoe entführt seine Leser in ferne Welten, seine Geschichte ist spannend, sie ist anrührend, und sie ist voller edler Botschaften. Man erfährt aus dem Buch viel über die Kultur- und Wirtschaftsgeschichte des frühen 18. Jahrhunderts in all ihren globalen Verflechtungen, vor allem aber über die grandios zuversichtliche Haltung zur Welt, die aus der Verbindung von Puritanismus und Aufklärung hervorging“ (S. 439). Defoe entwirft „das Ideal des homo faber“, denn durch „den Einsatz seiner Vernunft kann der Mensch Großes erreichen. Robinsons Taten auf der Insel wiederholen im Zeitraffer die Kulturgeschichte der Menschheit. Vom erfolgreichen Ackerbau über die Viehzucht, die Erziehung des ‚wilden‘ Freitag bis hin zur Ausarbeitung einer Militärstrategie und den Aufbau eines kleinen Gemeinwesens treibt er die Entwicklung auf der Insel voran und zeigt, was dem Menschen an Weltgestaltung möglich ist, wenn er mit Vernunft und Tatkraft zu Werke geht“ (S. 440). Der puritanische Glaube ist allerdings das wichtigste Motiv des Buches: „Zu den Gütern, die Robinson von dem Wrack des Schiffes retten kann, mit dem er vor der Insel kenterte, gehört neben Werkzeugen und Nahrungsmitteln eine Bibel. Er fängt an, täglich morgens und abends darin zu lesen, und die Lektüre zeigt ihre Wirkung: ‚Schon bald nachdem ich mich ernstlich dieser Aufgabe verschrieben hatte, empfand ich tiefste und aufrichtigste Trauer über meinen früheren ruchlosen Lebenswandel.‘ Ihn ergreifen die biblischen Worte, die er über die Vergebung der Sünden liest. Die Bibellektüre ändert seine Lebensrichtung in der scheinbar ausweglosen Lage auf der Insel. ‚Meine Gedanken waren durch beständiges Lesen in der Bibel und das Gebet zu Gott auf höhere Dinge ausgerichtet. Ich empfand auf eine Weise Trost, wie es mir vorher nicht möglich gewesen war.‘ Immer wieder bewährt sich die Bibel in schwierigen Lagen als Quelle des Trostes, die regelmäßige Bibellektüre wird zum Ritus seines Inselchristentums, die Ausrichtung auf die Gebote Gottes zum Ethos. Im Prozess der Bekehrung fängt Robinson an, seine Lage neu zu beurteilen. Sein früheres Leben erscheint ihm als Verfehlung, der Schiffbruch als Strafe und die einsame Insel letztlich als eine Gnade: ‚Hier war ich dem Übel der Welt entzogen und kannte weder Fleischeslust noch Hoffart und ließ mich auch von keinem anderen Reiz verführen. Ich verlangte nichts, denn ich hatte alles, was sich ein Mensch wünschen kann.‘“ (S. 441).

Das Buch ist „verzaubernd“ schön gesetzt und enthält 89 Abbildungen, davon 25 in Farbe. Verfasst ist es in einer leichtverständlichen Sprache, so dass die Lektüre nicht nur bildet, sondern Freude macht. Bei der Fülle des verarbeiteten Stoffs rechnet man mit einer höchstgestrafften Darstellung. Lauster überrascht jedoch gelegentlich mit sehr genauen Beobachtungen oder mit Verweisen auf den aktuellen Forschungsstand.

Der Leser sollte im Hinterkopf behalten, dass das Buch aus der Perspektive des liberalen Protestantismus geschrieben ist. Weiß man mit den Einseitigkeiten dieser Herangehensweise umzugehen, kann das Werk großes Vergnügen bereiten. Jörg Lausters Kulturgeschichte des Christentums ist ein empfehlenswertes Buch.

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Luther und die Fürsten

Zwischen Dresden, Leipzig und Wittenberg liegt die Renaissancestadt Torgau. Als kursächsische Residenz war Torgau das politische Zentrum der Reformation. Für Martin Luther selbst sind über 40 Besuche in der Residenzstadt seiner Landesfürsten, den Kurfürsten zu Sachsen, nachgewiesen. Hier weihte er auch den ersten nach seinen Vorstellungen erbauten protestantischen Kirchenneubau ein.

Eine Sonderausstellung im Schloss Hartenfels, in der Kurfürstlichen Kanzlei und der Superintendentur lässt am historischen Ort mit einzigartigen Kunstwerken, Dokumenten und Kostbarkeiten die Zeit der Reformation wiedererstehen. Nachfolgend ein Deutschlandradio-Beitrag zur Ausstellung, in dem auch die komplizierte Verkettung von Reformation und Fürstentümern zur Sprache kommt:

 

Die Ausstellung „Luther und die Fürsten“ geht noch bis zum 31. Oktober 2015. Wohnte ich in Leipzig oder Dresden, schaute ich gewiss mal vorbei.

Die Seuche des Narzissmus

Von all den erstaunlichen Eigenschaften der mittelalterlichen Kathedralen überrascht ein Merkmal den modernen Geist ganz besonders: Wir haben keine Ahnung, wer die großartigen Bauwerke entworfen und gebaut hat. In einer Art und Weise, die uns fremd ist, haben damals die Architekten und Bauherren darauf verzichtet, ihre Namen auf den Eckpfeilern unterzubringen. Diese Anonymität ist ungewöhnlich. Es gibt keinen bleibenden Ruhm für die Künstler. Angesichts dieser Demut, mit der damals vorgegangen wurde, sind wir geradezu ratlos.

Heute leben wir im Unterschied dazu in einer Kultur, in der die narzisstische Selbstdarstellung alltäglich geworden ist.

Aaron Kheriaty stellt für Thirst Things das nicht mehr ganz frische Buch The Narcissism Epidemic von Jean Twenge und Keith Campell vor. Ich kann die Besprechung sehr empfehlen.  Kheriaty schreibt:

Unknown

The artistic and cultural norm of the anonymous artist or craftsman began to change during the so-called Enlightenment. Witness Jean-Jacques Rousseau’s Confessions, a book he dedicated “to me, with the admiration I owe myself.” The book opens with these lines: “I have entered upon a performance which is without example, whose accomplishment will have no imitator. I mean to present my fellow-mortals with a man in all the integrity of nature; and this man shall be myself.” Rousseau deliberately chose his title as a response to Augustine’s work by the same name. In contrast to Rousseau’s vain self-aggrandizement, Augustine gives all glory to God, as in his opening quotation from the Book of Psalms: “Great thou art, and greatly to be praised.” One has to add, however, that even if we admire Augustine’s humility, Rousseau’s language strikes us as more familiar. “To me, with the admiration I owe myself” is a dedication that would look right at home today on a Facebook or MySpace page.

In the eighteenth century, Rousseau’s narcissism, although fashionable among the philosophes, was still something of an anomaly in the wider culture. Indeed, if you believe the statistics in the book under review, such self-conscious narcissism remained an anomaly until roughly forty years ago. Not so today, argue authors Jean Twenge and Keith Campbell. The Narcissism Epidemic opens with this claim: “We didn’t have to look very hard to find it. It was everywhere.” Indeed. As the reader sifts through the evidence the authors have gathered, it becomes apparent that this is a book that could have written itself. And yet this is the first popular book on the topic since Christopher Lasch’s 1979 bestseller, The Culture of Narcissism (a book still very much worth reading, in spite of its somewhat anachronistic theoretical framework, which draws heavily on Freudian psychoanalysis). We should be grateful to Twenge and Campbell for bringing us up to date, carefully collecting and collating the evidence at hand.

The authors, psychologists by training, employ clinical language throughout. In the book’s four sections, the phenomenon of narcissism is understood in terms of “diagnosis,” “causes of the epidemic,” “symptoms,” and “prognosis and treatment.” But what is dealt with here is, in fact, more a cultural phenomenon than a clinical one. The book could be classified as sociology rather than as clinical psychology or medicine. One wonders whether the authors’ use of language derived from a medical model is the wrong approach to the sort of narcissism they describe. The individuals profiled in the book are not the wounded souls who typically visit a psychiatrist’s office in search of succor and healing. They are, instead, the student denizens of UCLA and Texas Tech and the parents who formed them—individuals supposedly healthy and well adjusted, even flourishing, by contemporary standards. And yet, when one looks beneath the surface, these are sick souls. Medicine, then, is perhaps the apt descriptive metaphor. (“Narcissism is a psychocultural affliction rather than a physical disease,” as the authors put it.)

Mehr: www.firstthings.com.

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Das Aufkommen der intoleranten Linken

Die Zeitschrift CT hat mit Kirsten Powers über ihr Buch The Silencing: How the Left is Killing Free Speech gesprochen. Darin sagt sie:

Während ich das Buch schrieb, ist mir aufgefallen, dass mich die liberale Linke an religiöse Fanatiker (Zeloten) erinnert, die weltliche Religion ausgenommen. Eine durchschnittlich religiöse Person hat ihren Glauben, aber sie versucht nicht, diejenigen Leute loszuwerden, die ihren Glauben nicht teilen. Aber Fanatiker tun das. Es reicht ihnen nicht, zu glauben. Sie können Leute nicht tolerieren, die nicht das glauben, was sie glauben; und sie haben diese totale Sicherheit, dass sie richtig liegen. Das ist eine Form der Selbstheiligung. Sie müssen nachweisen, dass sie moralisch denjenigen Leuten überlegen sind, die ihre Meinung nicht teilen. Es wird das soziale Signal ausgegeben: „Meine Identität stammt von der Tatsache, dass ich für die gleichgeschlechtliche Ehe und Abtreibung bin, an den Klimawandel glaube und mich gegen Charter-Schulen [die sogenannten „Charter-Schools“ in Nordamerika werden zwar mit Steuergeldern finanziert, aber von privaten Betreibern geführt und haben mehr Freiräume als öffentliche Schulen. R.K.] wende.“

Hier das vollständige Interview: www.christianitytoday.com.

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Wie haltbar ist die Zukunft?

Im Internet, heißt es, wird alles auf ewig Platz finden. Wer heute auf viele Websites klickt, sieht jedoch massenhaft gefrorene Zeitkapseln. Warum das Internet kein zuverlässiges Speichermedium ist, erörtert Valentin Groebner in einem Beitrag für die FAZ.

Ich sehe die Sache weniger kritisch als Professor Groebner. Das Internet ist eben kein Speicher, sondern ein Präsentationsmedium. Dennoch enthält der Artikel hilfreiche Beobachtungen, beispielsweise über die Machtposition der Anbieter:

Erstaunlich viel vom Reden über die Digitalisierung in den letzten fünfzehn Jahren war der Traum von einer Welt, in der elektrischer Strom für immer billig bleibe und in der die Firmen, denen wir unsere Daten und Infrastruktur anvertrauen, niemals pleite gehen werden. In der wirklichen Welt tun aber Firmen, ganz wie andere Institutionen, nicht immer das, was sie versprochen haben.

Hier ein einfaches Beispiel: Was passiert eigentlich mit den digitalen Büchern, wenn aus irgendwelchen Gründen so einflussreiche Firmen wie Amazon oder Logos vom Markt verschwinden? Der Kunde verfügt ja nicht über die erworbenen digitalen Texte, so wie der Käufer eines Buches sein Buch als Hardware im Regal stehen hat. Er hat lediglich die Lizenz für ein Buch erworben. Aber was passiert, wenn der Lizenzgeber, also beispielsweise Amazon oder Logos verschwindet? Dann sind auch die Texte weg. Und wenn jemand – sagen wir – 3000 Dollar in Lizenzen investiert hat, ist das bitter. Doch es kommt noch schlimmer: Was geschieht mit den vielen Markierungen und Notizen, die man im Laufe der letzten Jahre hinterlegt hat? Im Fall, dass ein Anbieter verschwindet, verschluckt das digitale Nirvana auch diese Schätze.

Ein finsteres Szenario, das wohl so schnell nicht eintreten wird. Anderseits steigt jedoch Jahr für Jahr das Machtgefälle zwischen Anbieter und Kunde. Der Kunde wird praktisch täglich abhängiger von der Firma, die seine Daten verwaltet. Ist es so lebensfern, damit zu rechnen, dass sich der Anbieter diesen Service immer „angemessener“ bezahlen lässt?

Drei Dinge lerne ich daraus:

Erstens sollte man sich darüber im Klaren sein, dass man sich beim Kauf digitaler Lizenzen in ein Abhängigkeitsverhältnis begibt. Eine große digitale Bibliothek lässt sich nicht so ohne Weiteres oder überhaupt nicht verkaufen, wie beispielsweise eine Bibliothek, die im Regal steht. Es lohnt sich, die Geschäftsbedingungen genau zu lesen und Erkundigungen darüber einzuholen, wie Firmen in Konfliktfällen handeln. Logos hat zum Beispiel den Ruf, kulant mit seinen Kunden umzugehen und ermöglicht es sogar im Einzelfall, Lizenzen für Sammlungen auf andere Personen zu übertragen (beispielsweise auf Erben). Auch wenn solche Erfahrungswerte nicht in die Zukunft projiziert werden können, sind sie vertrauensbildend.

Zweitens sind verwertete Quellen aus dem Internet lokal zu sichern. Wenn ich also in einem wichtigen Aufsatz einen Artikel aus dem Internet zitiere, reicht es nicht, die Quelle anzugeben, sondern man sollte diese Quelle auch sichern. Obwohl es altmodisch klingt, drucke ich bei wirklich wichtigen Arbeiten den originalen Text sogar auf Papier aus und hefte ihn im Projektordner ab.

Drittens sollten man darauf achten, dass Datenbankdienste eine Exportmöglichkeit anbieten. Dann kann man nämlich seine Daten in regelmäßigen Abständen lokal sichern. Beispielsweise stellen Anbieter wie Evernote oder Facebook solche Funktionen zur Verfügung. Meines Wissen kann man bei der Bibelsoftware Logos seine Notizen nicht auf einen Schlag exportieren. Allerdings ist es möglich, einzelne Notizbücher im RTF-Format lokal zu speichern. Besonders wichtige Dokumente können so regelmäßig lokal gesichert werden. Tipps dazu, wie man Anmerkungen (umständlich) aus dem Amazon-Universum exportieren kann, gibt es hier.

Spurgeon-Konferenz 2015 in München

Spurgeon web2015Auch in diesem Jahr wird es in der Zeit vom 5.bis 8. August wieder eine Spurgeon-Konferenz im wunderschönen München geben. Die Konferenz, benannt nach Charles Haddon Spurgeon, „the Prince of Preachers“, möchte Predigern aufzeigen, wie sie Gottes Wort besser verstehen, auslegen und verkündigen können. Die Unterrichtseinheiten und Vorträge ermutigen, Gott beim Wort zu nehmen und es für die Zuhörer verständlich zu kommunizieren. In Gruppenarbeiten wird das Erlernte weiter vertieft und praktisch angewandt.

Wie bereits im Jahr 2014, wird auch diesmal David Jackman aus England unser Hauptreferent sein. Jackman war Präsident des „Proclamation Trust“ in London, und setzte sich in seinem Dienst dafür ein, die Bibel als Gottes Wort für heute zu lehren und Menschen dafür zuzurüsten, Gottes Wort auszulegen und zu erläutern. Er war bis 2005 Direktor des „Cornhill Training Course“. Er setzte seinen Dienst auf Konferenzen und Workshops für Prediger fort und ist Herausgeber von Materialien zum Fernstudium sowie mehrerer Bücher. Er hält Vorträge bei Bibel- und Predigerkonferenzen in ganz England sowie im Ausland. In diesem Jahr wird Jackman in München den Propheten Jesaja christozentrisch auslegen.

Die Konferenzvorträge werden in Englisch gehalten und in die deutsche Sprache übersetzt. Die Teilnahmegebühr beträgt nur 50,- Euro (beim MBS eingetragene Studenten zahlen nur 25,- Euro für die Verpflegung). Veranstaltet werden die Tage vom Studienzentrum des Martin Bucer Seminars in München in Kooperation mit Evangelium21.

Hier gibt’s einen Flyer mit dem Programm und eine Anmeldemöglichkeit: www.bucer.de.

Einen Einblick in die Konferenz 2014 gibt dieses Video:

David Brooks wünscht sich mehr Theologie

NewImageDavid B. Brooks ist jüdischer Journalist, der sich als konservativer Wirtschaftskommentator einen Namen gemacht hat. Sarah Pulliam Balley hat kürzlich für THE WASHINGTON POST mit ihm über sein neues Projekt gesprochen. In dem Buch mit dem Titel The Road to Character setzt sich Brooks vor allem mit christlichen Autoren auseinander. Er hat für das neue Werk eine Menge theologische Bücher gelesen und nach eigenen Angaben sehr davon profitiert. Obwohl Brooks kein Christ ist und seine innersten Glaubensüberzeugungen nicht öffentlich machen möchte, besticht er als genialer und akribischer Beobachter.

Zum Beispiel:

Die Besonderheit der biblischen Weisheit:

Es gibt in der Bibel eine moralische Weisheit, die im Kontrast zur herkömmlichen Kultur steht … Was ich biblische Metaphysik nenne, was uns die Bibel als Bilder der Tugend gibt, beruht mehr auf Sanftmut und Liebe als auf Kühnheit. Es basiert nicht darauf, Gutes zu tun, nicht auf Heldentaten, wie im klassischen Wertesystem, sondern auf dem Zustand im Inneren der Seele.

Die Zerstreuungskraft der modernen Kommunikationstechniken:

Ich finde es sehr schwer, sich hinzusetzen und Bücher sowie wichtige Dinge zu lesen, weil ich so viel Zeit für das Beantworten von E-Mails und Twitter-Nachrichten verschwende. Es ist wie ein Bonbon, das ständig greifbar ist, eine geistige Süßigkeit; die einen seichter macht, weil du dir nicht die Zeit herausnimmst, etwas zu lesen, was dich spirituell reicher machen würde.

Aurelius Augustinus:

Ich betrachte Augustinus als intelligentesten Menschen, den ich je in irgendeiner Form erlebt habe. Seine Beobachtungen über die menschliche Psychologie und Erinnerungen sind erstaunlich, vor allem, wenn man die Entstehungszeit bedenkt. Was noch erstaunlicher ist: er kombiniert sie mit gefühlvollen Stürmen. Er ist eine intellektuell einzigartige und zugleich emotional so reiche Persönlichkeit.

Nochmals Brooks: „Ich wünschte, es gäbe mehr Theologie und mehr Religion im öffentlichen Raum für Gläubige und für diejenigen, die nicht glauben.“

Alles hier zu finden: www.washingtonpost.com.

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Vorträge der E21-Konferenz 2015

DSC 4974Wichtigster Auftrag der christlichen Gemeinde ist es, die frohe Botschaft von Jesu Christi zu verkündigen. Das betonte der Vorsitzende des Netzwerkes „Evangelium21“, Pastor Matthias Lohmann (München), auf der 5. Jahreskonferenz in Hamburg. Dabei ist es erforderlich, sowohl die Verlorenheit des Sünders als auch die Menschenliebe unseres Retters zu betonen. „Gott erlöst Menschen nicht um ihrer Werke willen, sondern allein aus Gnade“, sagte Pastor Lohmann in seiner Schlusspredigt. Die guten Werke folgen dem Glauben und sollten durch die Verkündigung des Evangeliums flankiert sein, so Lohmann weiter.

Die fünfte Jahreskonferenz von „Evangelium21“ wurde vom 9. bis 11. April erneut in den Räumen des „Gemeinde- und Missionswerks Arche“ in Hamburg veranstaltet. 800 Christen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz nahmen daran teil. Das Treffen stand unter dem Thema „Was ist der Auftrag der Gemeinde?“.

Mittschnitte fast aller Hauptvorträge können inzwischen auf der Internetseite von „Evangelium21“ heruntergeladen werden: www.evangelium21.net.

Schlatter und sein griechisches NT

Klaus Bockmühl über Adolf Schlatter (Verantwortung des Glaubens im Wandel der Zeit,  Bd. 3, Gießen: Brunnen Verlag, 2001, S. 71):

Schlatter war auch einer der wenigen, die das griechische Neue Testament auswendig konnten; seine griechische Konkordanz war seine eigene Gedächtnisleistung.

Na dann mal los!

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