Gesellschaft

Verfolgung und Diskriminierung von Christen (Teil 2)

Hier der zweite Teil der kleinen Reihe Verfolgung und Diskriminierung von Christen (mit besonderer Berücksichtigung des Themas „Zahlen“:

Verfolgung und Diskriminierung von Christen (Teil 2)

Max Klingberg

 

„Schätzungen“

Das führt uns zu einem zentralen Problem: den zahllosen „Schätzungen“. Die allermeisten sogenannten „Schätzungen“ verdienen diesen Namen nur im umgangssprachlichen Sinn; es sind vielmehr intransparente Spekulationen. Ohne Angaben zu den Grundlagen, wie z.B. (möglichst repräsentativen und umfangreichen) Zählungen, einer daraus folgenden Extrapolation und einer anschließenden Fehlerbetrachtung und Fehlerberechnung. Um es provokant zu sagen: Viele sogenannte „Schätzungen“ vermitteln den Eindruck, als seien sie aus einem Bauchgefühl heraus entstanden. Bemüht man sich um mehrere unabhängige „Schätzungen“, so finden sich mitunter skurrile Ergebnisse:

Wie viele Konvertiten gibt es?

Im Jahr 2008 hatte ich versucht, die Zahl der christlichen Konvertiten in Ägypten näherungsweise zu bestimmen. Ägypten war und ist kein verschlossenes Land, es gibt eine große christliche Minderheit und der Zugang zu Konvertiten, Konvertitenhauskreisen und zu Missionaren ist relativ einfach. Zur Datenerhebung gehörte unter vielen anderen Punkten regelmäßig auch die Frage nach der möglichen Zahl der Konvertiten, also die Bitte um eine spekulative „Schätzung“. Die schlechte Nachricht: Fast niemand sagte ehrlich, dass er das nicht könne.

Die interessantere Nachricht: Die Angaben von Missionaren, Konvertiten, Gemeindeleitern etc. reichten von „gewiss über 300“ bis zu gewagten „etwa zwei Millionen“. Was sagen uns diese Zahlen? Sie sagen zumindest, dass man mit Zahlen sehr vorsichtig umgehen sollte.

„Neun von zehn um ihres Glaubens verfolgte sind Christen“?

Auch diese These wurde und wird vielfach zitiert, in bester Absicht, auch von säkularen Medien. Sie ist quasi Allgemeingut geworden, aber ist sie deshalb zutreffend? Diese These hat eine Eigendynamik entwickelt. Nähere Informa- tionen darüber, wie die 90% zustande kommen, existieren nicht. Sie können gar nicht existieren, da zentrale Punkte völlig unklar sind. Was bedeutet „verfolgt“? Die Grenzen von Diskriminierung zur Verfolgung sind fließend. Und welche verfolgten Christen werden ausschließlich wegen ihres Glaubens verfolgt – und nicht vorrangig aus anderen Gründen, z.B. weil sie zu einer verfeindeten Ethnie gehören? Überhaupt: Wie viele Menschen sind insgesamt weltweit um ihres Glaubens willen verfolgt? Alle diese Fragen sind ungeklärt.

Gibt es außer Christen überhaupt größere Gruppen, die wegen ihres Glaubens diskriminiert oder verfolgt werden?

Durchaus! Die Bahá‘í im Iran gehören mit rund 300.000 Personen dabei zu den kleineren Gruppen. Weltweit werden in mehreren Ländern muslimische Schiiten und Ahmadiyya von Sunniten diskriminiert – und zum Teil verfolgt. Im schiitisch dominierten Iran werden hingegen Sunniten ganz erheblich diskriminiert. Im bevölkerungsreichen Indien leiden nicht nur Christen unter Hindu-Extremisten. Ganz entscheidend zu der Frage nach dem „Wie viele?“ trägt vor allem die Volksrepublik China bei. Verschiedene staatliche und nichtstaatliche Angaben und „Schätzungen“ zur Zahl der Christen in China variieren von um 20 Millionen bis 120 Millionen Menschen!

Zum Vergleich: Bevor die buddhistische Meditationsschule Falun Gong in der Volksrepublik China ab dem Juli 1999 verboten und grausam verfolgt wurde, gab ein staatlicher Fernsehsender die Zahl der Falun Gong Praktizierenden mit landesweit „rund 100 Millionen“ Menschen an. Wie hoch die Zahl der Anhänger heute ist, lässt sich nicht ermitteln, doch Falun Gong ist nur eine von über zehn verbotenen Meditationsschulen, wenn auch die mit Abstand größte. Während nicht jeder bekennende Christ in China effektiv diskriminiert wird, so muss praktisch jeder bekennende Falun Gong Praktizierende mit Verhaftung, „Umerziehung durch Arbeit“ und Folter rechnen.

Ein Fazit?

Zahlen werden insbesondere im Kontext von Christen und Muslimen als Munition in ideologischen Grabenkämpfen „geschätzt“ und missbraucht. Zahlen werden zu oft unkritisch verwendet und leichtgläubig für bare Münze gehalten, bloß weil sie häufig zitiert werden oder „wissenschaftlich“ erscheinen, z.B. weil sie krumm sind oder ein Komma enthalten. Täglich finden schwersten Menschenrechtsverletzungen statt, doch wir sollten uns nicht erst dann für die Opfer einsetzten, wenn deren Zahl in die Hunderttausende geht. Christenverfolgung beginnt nicht erst dort, wo Völkermord anfängt. Wir müssen uns gegen himmelschreiendes Unrecht stellen, weil es Unrecht ist und weil jeder einzelne Mensch zählt.

Verfolgung und Diskriminierung von Christen (Teil 1)

Anfang November wird das Jahrbuch Märtyrer 2012 erscheinen. Ich freue mich, vorab einen äußerst informativen Artikel von Max Klingberg in Auszügen veröffentlich zu dürfen. Max Klingberg arbeitet für die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) und ist Initiator und Mitherausgeber des Jahrbuchs zur Christenverfolgung heute. Die Wiedergabe erfolgt mit freundlicher Genehmigung in mehreren Teilen.

 

Verfolgung und Diskriminierung von Christen (Teil 1)

Max Klingberg

Desinformation

Der Mohammed-Schmähfilm „Die Unschuld der Muslime“ hat in mehreren islamisch geprägten Ländern der Welt dazu geführt, dass ungezählte Christen gänzlich unschuldig bedroht, angegriffen und in einigen Fällen sogar umgebracht wurden. Über die Unruhen und über viele der Übergriffe wurde intensiv in den Medien berichtet. Wenig berichtet wurde über das Umfeld, aus dem heraus dieser Film entstand. Der Produzent des Films ist ein ägyptischer Kopte, der in die USA auswanderte. In seiner Heimat Ägypten, aber auch in vielen anderen Ländern tobt ein heftiges Ringen um Deutungshoheit, Religion und ihren Einfluss auf die Politik. Dieser Kampf wird von vielen Beteiligten seit Jahren und mit großer Intensität geführt – oft weit unter der Gürtellinie. „Die Unschuld der Muslime“ ist gegenwärtig nur das bekannteste Produkt dieser Auseinandersetzung. Die Schmähungen darin sind geradezu spektakulär plump. Doch das ist nicht immer so. Vielfach werden Übertreibungen, Halbwahrheiten, Schmähungen und frei erfundene Falschinformationen bedeutend geschickter eingesetzt. Das macht Desinformation umso gefährlicher. Sie verbaut die Sicht auf ein realistisches, differenziertes Gesamtbild. Physische Aggression, Gewalt und Morde gegen Andersgläubige gehen in der „islamischen Welt“ fast immer von Angehörigen der Mehrheitsreligion aus. Die Ausnahmen in dieser Hinsicht sind rar. Ein Monopol für Desinformation haben islamische Extremisten gleichwohl nicht. Zahlen spielen dabei eine zentrale Rolle: Zahlen, die Journalisten wie Leser im Westen für korrekt halten, ohne sich näher damit auseinanderzusetzen.

Zahlen

Um einen Überblick über Diskriminierung und Verfolgung zu erhalten, scheinen Zahlen zunächst ein idealer Zugang zu sein. Zahlen zum Thema geistern in größerer Menge durch Medien und Literatur. Einige davon sind selbst von seriösen Journalisten und Wissenschaftlern zitiert und so scheinbar geadelt worden – weil alternative Zahlen schlicht fehlen. Dabei kollabieren die allermeisten Zahlen schon bei behutsamer kritischer Nachfrage. Informationen darüber, wie Zahlen ermittelt oder auf welcher Grundlage sie „geschätzt“ wurden fehlen fast immer. Was aber kann man dann glauben? Dazu ein kleiner aber notwendiger Exkurs zum Thema „Zahlen, Daten, Fakten“:

Journalisten und Zahlen – „100.000 Christen haben Ägypten verlassen?
In unserer medialen Welt „brauchen“ Journalisten Zahlen. Der Druck, „Zahlen, Daten, Fakten“ zu präsentieren ist so unausweichlich, dass die vorhandenen Zahlen verwendet werden. Doch auch wenn völlig korrekt die Quellen benannt sind, heißt das nicht automatisch, dass die genannte Zahl in irgendeiner nähren Beziehung zur Realität stehen müsste. Ein Beispiel: Im September 2011 behauptete der koptische Anwalt Nagib Gubrail aus Kairo in einem Bericht, dass seit der ägyptischen Revolution 100.000 Kopten Ägypten verlassen hätten und ganz überwiegend in die USA ausgewandert seien. „Geschätzte“ weitere 250.000 ägyptische Christen würden bis Ende 2011 folgen. Die „Schätzung“ von einer Viertelmillion Kopten, die Ägypten in dem verbliebenen Jahresviertel verlassen sollten, viel bald dem Vergessen anheim, aber die Zahl der 100.000 geflohenen Kopten wurde wieder und wieder zitiert. Nun ist es für Ägypter relativ schwierig, in die USA oder andere westliche Staaten auszuwandern. Christen in Ägypten stellen sich die Frage, wie dies möglich gewesen sein könne und kamen zu dem Schluss, dass Gubrails Zahlen unmöglich zutreffen konnten. Mit den Belegen dafür konfrontiert, zog sich der Anwalt darauf zurück, die Zahlen seien durch „Schätzungen“ von Kopten in den USA zustande gekommen, die ihm telefonisch mitgeteilt worden seien. Diese Diskussion in Ägypten, die die Zahl der „100.000“ letztlich ad absurdum führte, drang nicht bis nach Deutschland durch.

„Alle fünf Minuten stirbt ein Christ“ wegen seines Glaubens?

Das wären über 105.000 Christen pro Jahr – die getötet würden, weil sie Christen sind. Diese und ähnliche Werte liegen um Größenordnungen zu hoch, selbst dann, wenn der Begriff Märtyrer maximal weit gefasst wird: Ein getöteter Christ, der nicht getötet worden wäre, wenn er kein Christ gewesen wäre. Die weltweit beste Betrachtung zur aktuellen Zahl christlicher Märtyrer stammt vom Direktor des Internationalen Institutes für Religionsfreiheit (IIRF) und IGFM-Vorstandsmitglied Prof. Dr. mult. Thomas Schirrmacher aus dem Jahr 2011 („Zur Kritik der Zahl von 178.000 (2010) bzw. 100.000 (2011) christlichen Märtyrer pro Jahr“, Märtyrer 2011: Das Jahrbuch zur Christenverfolgung heute, hrsg. von Tomas Schirrmacher, Max Klingberg u. Ron Kubsch. Idea Dokumentation 2011/10, Studien zur Religionsfreiheit Bd. 20, Verlag für Kultur und Wissenschaft, S. 119–124).

„Girls“

Im deutschen Bezahl-TV läuft heute eine Serie an, die uns mit den Abgründen der postmodernen Unmündigkeit konfrontiert. Gezeigt werden junge Menschen, die von Moralvorgaben befreit ihren eigenen Weg (er)finden. „Anstand ist etwas für Verlierer: absolut unsexy. Und Moralapostel sind genau das: Verlierer.“

Sex ist in „Girls“ etwas vergleichsweise Widerwärtiges. „Girls“ porträtiert eine Generation von Männer und Frauen, die mit Pornografie aufgewachsen SIND, keine romantischen Vorstellungen mehr von Sexualität haben. Lena Dunham fängt die entblößten Körper, insbesondere ihren eigenen, ohne Liebreiz ein. Die Mechanik des Koitalen wird wie im Biologieunterricht gezeigt, Tabus gibt es keine mehr.

Außer einem vielleicht, „Liebe“, wie das Jemima, die hübsche Britin, sagt. Sehnsüchte, Fantasien und Begierden erscheinen abwechselnd so kaputt, so verklemmt, so autistisch, dass deutlich wird, dass hier nicht zwei junge Menschen in höchster Intimität zueinanderfinden, sondern sich jeder auf eine Art selbst befriedigt. Der Partner fungiert als Masturbationsassistent. Am Ende besorgen es sich die Mädchen mithilfe ihrer Geliebten selbst. Und wachen auf und haben Angst, schwanger oder aidskrank zu sein.

Ulf Poschardt stellt die Serie vor: www.welt.de.

SWR-Rundfunkrat: Muslime statt Freikirchler

Der Rundfunkrat ist das höchste Programmkontrollgremium beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Er überwacht, dass die Anstalten ihren gesetzlichen Sende- und Kulturauftrag einhalten. Seine Besetzung soll sicherstellen, dass die Programme allen gesellschaftlich relevanten Gruppen offen stehen.

Im größten Rundfunkrat steht unter der Grün-Roten Regierung eine zeitgemäße Verschiebung des Machtgefüges an. Die Badische Zeitung meldet:

Die anstehende Reform des SWR-Staatsvertrags, der 1998 den fusionierten Südwestrundfunk aus Süddeutschem Rundfunk und Südwestfunk begründet hatte, will die grün-rote Landesregierung auch nutzen, um zu einer zeitgemäßeren Zusammensetzung – sowohl was die Gruppen wie die Geschlechterberücksichtigung betrifft, zu kommen.

…

Nach Informationen der Badischen Zeitung sieht der Vorschlag, der Teil des Entwurfs für den neuen Staatsvertrag ist und am 23. Oktober ins Kabinett kommen soll, wesentliche Änderungen vor: So wird sich die Landesregierung, die bisher zwei Vertreter im Rundfunkrat hat, gänzlich zurückziehen. Die acht Sitze für den Landtag aber bleiben. Für gesellschaftlich relevanter als die Freikirchen hält Grün-Rot die Moslems, die bisher unberücksichtigt sind. Erstere fliegen raus, letztere bekommen deren Sitz.

Mehr: www.badische-zeitung.de.

VD: AG

Nigeria: Massaker an christlichen Studenten

Mehrere Quellen haben bestätigt, dass etwa 25 bis 30 christliche College-Studenten an einer Universität im Nordosten Nigerias am späten Montagabend massakriert wurden. Über die Motive für das Massaker wird derzeit noch spekuliert. Als sicher gilt, dass die islamistische Gruppe „Boko Haram“ für die Tat verantwortlich ist.

Das Verbrechen hat eine internationale Gebetsinitiative angestoßen. Wie Emily Fuentes von dem Hilfswerk „Open Doors“ gegenüber der Presseagentur Christian Post äußerte, sei es sehr wichtig, für die betroffenen Christen in Nigeria zu beten.

Wir sollten auch für die Täter beten. Ein Terrorist von „Boko Haram“ – so Open Doors – habe bereits zum Glauben an Jesus Christus gefunden.

Mehr zu diesem Vorfall hier: www.christianpost.com.

Am 11. November ist übrigens der „Weltweite Gebetstag für verfolgte Christen“. Eine Broschüre dazu kann hier heruntergeladen werden: IDOP-2012-04.pdf.

Werden Christen in Europa verfolgt?

„Christen in Europa steht die Verfolgung bevor“, meldete das Online-Portal The Parlament am 2. Oktober 2012. Der Titel ist zu reißerisch, geklagt wird auf zu hohem Niveau. Dennoch ist die Beobachtung richtig, dass Menschen, die sich zu einer einer christlichen Ethik bekennen, in Europa mit wachsender Intoleranz konfrontiert werden:

Several speakers, including MEPs, said Christians in countries like the UK faced „increasing levels of intolerance“ because they had „dared“ to be critical of Islam and homosexuality. EPP member Anna Zaborska went even further, saying Christians were being „persecuted for their beliefs“. She cited an example of „intolerance“ the „difficulties“ some workers have in wearing the Christian cross while at work. Zaborska said she was referring to two British Christians– British Airways check-in clerk Nadia Eweida and NHS hospital nurse Shirley Chaplin – who were refused the legal right to wear a cross at work and are now asking the European Court of Human Rights in Strasbourg to overturn the British judgments. Lawyers briefed by the UK coalition are expected to tell the court that Christians in Britain should not expect to be allowed to wear a cross at work or with a uniform. Zaborska, a Hungarian MEP, said the EU had a role to play in „defending freedom of speech“, adding, „This is all about respect of human rights. „This is a universal right and, in cases where it is being abuse, the EU has a right to speak out in the defence of it.“ The deputy was one of the keynote speakers at a high-profile seminar organised by the ECR group in parliament on „discrimination“ against Christians in Europe.

Mehr: www.theparliament.com.

VD: MG

Schuld und Schulden

Sinkende Löhne, Arbeitslosigkeit und Vermögensverluste: Die Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise sind verheerend. Wer ist daran Schuld? Und welche Auswirkungen hat die Krise auf unsere Zukunft? Ursache ist in hohem Maße Verantwortungslosigkeit, meint der Verleger und Betriebswirt Dr. Ingo Resch aus Gräfelfing bei München. Er behauptet provokant: „Wir sind in Europa dabei, die Realität zu verdrängen!“

Hier ein 5-Minuten langer Zusammenschnitt seines Vortrags: www.mehr-glauben-leben.com.

Der vollständige Mittschnitt kann für 8 Euro inkl. Versand auf CD beim ERF Austria bestellt werden.

VD: RN

Lost Generation: Was ist mit den Jungs los?

In gewohnter Qualität spürt Harald Martenstein einem verbreiteten Phänomen nach: Die Jungs sind auffallend antriebsarm:

Eine lost generation. Ich sagte, dass mein Sohn sich eine neue Badehose kaufen möchte. Das Projekt, sich eine Badehose zu kaufen, verfolgt er seit nunmehr acht Wochen. Er hat keine Zeit. Nein, er hat keine Energie. Es ist, als ob jemand den Stecker herausgezogen hätte aus dieser Generation von Jungs. Das wird sich alles auswachsen, sagte ich, das kann ja nicht ewig so weitergehen. Eines Tages wird er sich eine Badehose kaufen. Er wird morgens um neun vor mir stehen, frisch geduscht, und er wird sagen, dass er jetzt zu Karstadt geht und sich die Badehose kauft. Jeden Morgen warte ich darauf. Dann gehe ich ins Büro, er schläft noch, und wenn ich vom Büro heimkomme, ist er gerade aufgestanden, die Cornflakes-Schüssel steht herum, und er macht sich fertig fürs Joggen. Eine Jogginghose hat er ja. Der Kollege sagte: „Es ist überall das Gleiche. Das tröstet dann doch irgendwie.“

Wir haben durchgecheckt, woran es liegen könnte. Ich glaube nicht, dass es an der Erfindung des Computers liegt. Die Mädchen besitzen ebenfalls Computer. Ich glaube auch nicht, dass der Feminismus schuld ist. Gewiss, diese Generation von Jungs wird sich vermutlich extrem schwer damit tun, Spitzenpositionen zu erobern, solche Jobs werden in den nächsten Jahrtausenden hauptsächlich mit Frauen besetzt sein. Aber das kümmert die Jungs nicht, nein, es ist ihnen sogar recht. Unsere Jungs sind begeisterte Feministen. Wenn jemand unseren Jungs die Position eines Bundeskanzlers oder Bankchefs anbieten würde, dann würden unsere Jungs langsam aufstehen, ihre Chipstüte nehmen und in ihr Zimmer schlurfen, um dort in Ruhe Musik zu hören. Waren unsere Erziehungsmethoden zu lasch? Waren wir schlechte Vorbilder? Ist die Schule schuld, zu viel Gruppenarbeit, zu wenig Leistungsdenken, alle Lehrer immer krank?

Die Analyse ist gut. Wer kennt die Gründe?

Mehr: www.zeit.de.

Polygamie in der Parallelgesellschaft

Etliche Muslime in Deutschland sind mit mehreren Frauen verheiratet. Einige können ihr Miniharem nur dank Hartz IV finanzieren. Über das heikle Thema schreibt der Jurist und Autor Joachim Wagner:

Nach den Beobachtungen von Claus Röchert, Leiter der AG Integration und Migration der Berliner Polizeidirektion 5, ist die Vielehe in der „arabischen Community ein gängiges Phänomen, insbesondere unter Libanesen und Palästinensern“. Der palästinensische Betreuer junger Straftäter, Nader Khalil, nimmt an, dass 20 Prozent von seinen Freunden in Berlin eine Zweitfrau haben.

Der libanesische Familienhelfer Aber Chaaban in Neukölln schätzt, dass 30 Prozent aller arabischstämmigen Männer in Berlin mit zwei Frauen verheiratet sind – mit einer staatlich, mit der anderen islamisch.

Die Zahl der Mehrehen hat nach den Erfahrungen von Röchert, Chaaban, der Flensburger Familienrechtsanwältin Sabine Scholz sowie einer Neuköllner Männer- und Väter-Selbsthilfegruppe in den letzten Jahren sogar zugenommen. Trotzdem: Vielehen sind ist noch lange kein Massenphänomen, aber auch „keine Einzelfälle“ mehr.

Dass sich die Polygamie trotz Verbots hierzulande einnistet, hat fünf Ursachen. Erstens: Die Scharia duldet Vielehen mit bis zu vier Frauen. Zweitens: In der Anonymität der modernen Gesellschaft und der Vielfalt der Partnerbeziehungen lässt sich das Zusammenleben mit mehreren Frauen beziehungsweise Familien gut tarnen. Drittens: Wirtschaftlich braucht der Mann sich nicht um die Zweitfrau zu kümmern, weil der Staat die Unterhaltspflichten für die Zweitfrau und ihre Kinder über Hartz IV übernimmt. Viertens: Die Imame scheren sich nicht um den Hintergrund von Eheschließungen, interessieren sich nicht dafür, ob sie gerade die Erst-, Zweit- oder Drittfrau trauen. Und fünftens: Religiöse Eheschließungen werden nicht kontrolliert. Sie werden nur bei der Moschee registriert, bei der sie geschlossen werden. Es gibt kein Zentralregister für islamische Ehen. Das heißt: Männer können von Gotteshaus zu Gotteshaus ziehen, ohne dass jemand überwacht, wie oft sie heiraten.

Mehr: www.welt.de.

Wie zeugen wir im Jahr 2030?

Unsere Generation erlebt tiefe Eingriffe in die Kultur des Sterbens und die Kultur des Zeugens (vgl. auch hier). In sogenannten „Kinderwunschzentren“ können sich Frauen Embryos unklarer Herkunft auftauen und einpflanzen lassen. Für 4500-6500 Euro. In Deutschland ist das noch verboten. Deshalb reisen die Paare dafür ins Ausland.

Rieke C. Harmsen beschreibt in „Embryo günstig zu kaufen – keine Auffälligkeiten“ einen neuen Trend, der eine ganze Liste von neuen ethischen Fragen aufwirft:

Künftige Eltern können neben Augen- und der Haarfarbe, Größe, Statur und Blutgruppe auch einen gewissen „Bildungsstand“ auswählen. Dass bei der Embryonenadoption Handlungsbedarf besteht, konstatierte schon der Bericht des Ausschusses für Technikfolgenabschätzung des Deutschen Bundestags von 2010. Darin wird auf die Bedeutung der biologischen Wurzeln eines Menschen verwiesen und erklärt, dass nach „jetzigem Forschungsstand“ eine anonyme Spende aus „psychologischer Sicht eher abzulehnen“ sei.

„Völlig unbekannt“ sei außerdem bislang die Situation der Eizellspenderinnen und Leihmütter, die ihre „Dienste“ deutschen Paaren zur Verfügung stellen – ebenso wie die „langfristigen körperlichen und psychischen Folgen für diese Frauen“. Die Liste der medizinischen, ethischen und rechtlichen Fragen, die mit einer Embryonenadoption einhergehen, ist kaum zu überschauen, stellt denn auch Breit-Keßler fest, und meint: „Wir müssen alles, was gedacht werden kann, auch denken und diskutieren“.

Hier: www.welt.de.

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