Bibelwissenschaft

Eta Linnemann gestorben (1926–2009)

Am 9. Mai 2009 ist die emeritierte Theologieprofessorin Eta Linnemann im Alter von 82 Jahren gestorben. Die Schülerin des Neutestamentlers Rudolf Bultmann (1884–1976) hat sich nach einer persönlichen Hinwendung zu Jesus Christus von der historisch-kritischen Bibelauslegung distanziert (vgl. Idea).

Einige Vorlesungen, die ich bei ihr hören konnte, werde ich in dankbarer Erinnerung behalten. Nicht immer war ich ihrer Meinung, aber sie hat meine Liebe zum Wort Gottes gestärkt und mir Mut gemacht, Gottes An- und Zuspruch in der Bibel aufmerksam wahrzunehmen.

Vor einigen Wochen habe ich noch mit Eta Linnemann telefoniert. Sie war aus zwei Gründen recht betrübt. Zum einen war ihr Personal Computer gerade abgestürzt und sie hat dabei Teile eines Buchmanuskriptes verloren. Zum anderen, und das schien ihr wichtiger zu sein, äußerte sie sich betroffen und traurig darüber, dass viele bekenntnisorientierte Christen sich einer milden Bibelkritik gegenüber geöffnet haben. Darüber hinaus erzählte sie mir viele spannende Geschichten über Rudolf Bultmann. Die allerdings gehören nicht in diesen Blog.

Ihr Buch Original oder Fälschung: Historisch-kritische Theologie im Lichte der Bibel kann übrigens hier als PDF-Datei herunter geladen werden: bitflow.dyndns.org.

Warum Theologen am Sühnetod Jesu zweifeln

Matthias Kamann hat für DIE WELT einen Beitrag über die zeitgeistkonformen Sühnetheologien geschrieben.

Es sind hier also keineswegs Weichspüler am Werk, sondern bestens ausgewiesene und bibelfeste Theologen. Völlig klar ist dabei für sie alle, dass der sündige Mensch der göttlichen Vergebung bedarf. Bezweifelt wird nur, dass diese Vergebung sich in der Kreuzigung wie in einem Sühneopfer vollziehe.

Berufen können sich diese Zweifler auf die Evangelien, in denen sich kaum ein Hinweis findet, dass Jesus seinem Tod die Bedeutung der Sündenvergebung gegeben hätte. Umgekehrt könnte sich sein Satz im Johannes-Evangelium – »Welchen ihr die Sünden vergebt, denen sind sie vergeben« – so verstehen lassen, dass Jesus die Sündenvergebung unabhängig vom Kreuzestod dachte.

Neben den Einsetzungsworten beim letzten Abendmahl in Mt 26,26–28 fällt mir dazu auch der Text zum heutigen Sonntag (Judica, »Gott, schaffe mir Recht!« Ps 43,1) ein. In Mt 20,28 sagt Jesus:

Der Menschensohn ist nicht gekommen ist, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung (lu/tron) für viele.

Hier der Beitrag aus DIE WELT: www.welt.de.

E.P. Sanders blickt zurück

Das bedeutendste Fundament für die so genannte ›Neue Paulusperspektive‹ wurde 1977 von Ed Paris Sanders mit dem Werk Paul and Palestinian Judaism (auf Deutsch vergriffen) gelegt. Sanders wühlte die akademische Welt der zeitgenössischen paulinischen Studien mit der These auf, der Judaismus sei zur Zeit des Paulus kein selbstgerechtes, auf Werke gegründetes System, sondern sei damals bereits eine Gnadenreligion gewesen.

Die neuen Paulusperspektiven stehen und fallen mit der Wahrnehmung der jüdischen Religion zwischen 200 v.Chr und 200 n.Chr. Friedrich Avemarie und Simon Gathercole haben die Thesen von Sanders bereits in einigen Punkten relativiert und korrigiert. Ich vermute, dass demnächst weitere kritische Werke publiziert werden.

Hier ein autobiographischer Rückblick von Sanders auf seine akademische Laufbahn: An Academic Autobiography.

Außerdem hier ein Promo-Interview mit E.P. Sanders anlässlich zwei neuer Buchveröffentlichungen zu seinen Ehren:

Was bedeutet Ostern für Marcus Borg?

Der Neutestamentler Marcus Borg ist ein einflussreicher Impulsgeber für die Emerging Church-Bewegung und tourt gelegentlich zusammen mit Brian McLaren und Diana Butler Bass durch Nordamerika, um neu aufkommende Formen progressiven Christseins vorzustellen (siehe hier). Als Mitglied des Jesus-Seminars und als Buchautor hat der Panentheist Borg in den eher liberalen Theologenkreisen einen großen Namen, wird allerdings auch von protestantischen und katholischen Laien gern gelesen (Wie sonst könnte man mit theologischen Büchern Bestsellerauflagen erzielen, wenn man kein Papst ist?).

Was denkt Marcus Borg eigentlich über Jesu Sterben am Kreuz?

N.T. Wright, der zusammen mit seinem Freund Borg ein Buch herausgegeben hat, verblüffte im Jahr 2006 in einem Interview mit The Australien die Öffentlichkeit mit der Bemerkung:

Marcus Borg glaubt tatsächlich nicht, dass Jesus Christus leiblich vom Tod auferstanden ist. Ich kenne Marcus gut. Er liebt Jesus und glaubt leidenschaftlich an ihn. Die philosophische und kulturelle Welt, in der er groß geworden ist, hat es ihm sehr sehr schwer gemacht, an die leibliche Auferstehung zu glauben.

Wenn Borg schon nicht an die leibliche Auferstehung glaubt, sollten wir uns einige Minuten Zeit dafür nehmen, herauszufinden, was für ihn der Tod von Jesus Christus bedeutet. Warum glaubt Borg so leidenschaftlich an Jesus?

Lesen Sie weiter: marcusborg.pdf.

Die Septuaginta in Deutsch

21qa2q6h7gl_sl160_Die Deutsche Bibelgesellschaft hat eine deutsche Übersetzung der Septuaginta besorgt. Die Septuaginta ist die altgriechische Übersetzung des hebräischen Alten Testaments und war im antiken Judentum und bei den ersten Christen weit verbreitet. Heute ist sie von unschätzbarem Wert für Theologie, Philologie und Religionsgeschichte.

Bislang blieb die Lektüre der Septuaginta nur Kennern der altgriechischen (oder englischen) Sprache vorbehalten. Eine deutschsprachige Ausgabe fehlte. Dieser Band enthält die erste vollständige deutsche Septuaginta-Übersetzung. Jedem biblischen Buch ist eine Einleitung vorangestellt. Darüber hinaus finden sich durchgehend knappe Anmerkungen zur Textüberlieferung. Die lesefreundliche Schrift ist zweispaltig gesetzt. Poetische Texte wie die Psalmen oder das Hohelied sind einspaltig wiedergegeben. Ein Ergänzungsband mit ausführlichen Erläuterungen ist in Vorbereitung.

Für Theologen, Philologen, Religionswissenschaftler und eifrige Bibelleser ist die  deutsche Ausgabe der Septuaginta ein hilfreiches ›Arbeitswerkzeug‹.

Eine Leseprobe gibt es hier.

Einkaufsmöglichkeit

Tyndale Bulletin ab 1956

Im Dezember 2008 habe ich kurz darüber berichtet, dass die Ausgaben des Tyndale Bulletin (früher Tyndale House Bulletin) von 1993–2005 online zugänglich gemacht wurden. Inzwischen haben fleißige Leute auch die Ausgaben von 1956–2004 digitalisiert.

Für Theologen und theologisch Interessierte stehen damit weitere (teilweise hochwertige) Artikel für den Zugriff über das Internet bereit.

Hier der Link: www.tyndalehouse.com.

Jericho

Peter G. van der Veen, Gastdozent am Martin Bucer Seminar, hat für das »Wissenschaftliche Bibellexikon im Internet« einen lesenswerten Artikel über Jericho geschrieben.

Hier geht es direkt zum Eintrag: www.bibelwissenschaft.de.

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