Bibelwissenschaft

Martin Hengel – kurze Meldung in der FAZ

mh.jpgEs ist schon merkwürdig: Einer der weltweit bedeutendsten Experten für Literatur des Urchristentums und antiken Judentums, Prof. Martin Hengel, ist gestorben (siehe hier), aber außerhalb der Schwäbischen Presse wird in Deutschland kaum darüber berichtet. Wenigstens die FAZ hat einen kurzen ›Nachruf‹ veröffentlicht (FAZ Nr. 153, 6. Juli 2009, S. 28). Darin heißt es unter anderem:

In seiner Habilitationsschrift zu »Judentum und Hellenismus« weist er den Einfluss des Hellenismus auf die spätere jüdische Gesellschaft nach. Mitte der sechziger Jahre waren solche Studien vollkommen unüblich, trugen Hengel aber weit über die Grenzen der Theologie hinaus auch Anerkennung bei Althistorikern und Altphilologen ein …

Auf den Vorwurf, allzu gutgläubig gegenüber den frühchristlichen Quellen zu sein, hat Hengel geantwortet, was als mutige Kritik der Überlieferung erscheine, sei in Wirklichkeit oft erfahrungsblaser »Schreibtischdogmatismus«. Unter der wachsenden theologischen Unbildung und Unkenntnis der alten Sprachen hat er zunehmend gelitten und 1993 mit der von ihm gegründeten Philipp-Melanchton-Stiftung entgegenzuwirken versucht.

Ich hoffe sehr, dass viele Schüler ihrem Lehrer folgen. Die bekenntnisorientierten Kreise sollten die Sorge Hengels ernst nehmen und das Studium der biblischen Sprachen beleben. Der flache Pragmatismus, der gelegentlich (auch in den Ausbildungsgängen) eingezogen ist, hat keine Zukunft.

Nachtrag: Roland Deines, selbst Schüler von M. Hengel, hat für die Society of Biblical Literature einen englischsprachigen Nachruf verfasst:  www.sbl-site.org. [Den Hinweis auf den Text verdanke ich Alexander!]

Buchreihe zur Bibel zum Sonderpreis

6252.jpgFür Bibelübersetzer und Exegeten dürfte die Aktion interessant sein: Die Bibelgesellschaft verkauft in einer Sommeraktionen Bücher aus der Reihe »Arbeiten zur Geschichte und Wirkung der Bibel« zu Sonderpreisen. So wird das Buch:

  • Bibelübersetzung heute: Geschichtliche Entwicklungen und aktuelle Anforderungen – Stuttgarter Symposion 2000, Stuttgart: Deutsche Bibelgesellschaft, 360 S.

für 12,20 Euro angeboten. Dieser Band enthält wichtige Beiträge zum Thema Bibelübersetzung aus der Sicht von Germanisten, Bibelwissenschaftlern und Bibelübersetzern. Der zeitliche Bogen spannt sich vom 16. Jahrhunderts bis zur Gegenwart und umfaßt historische, sprachgeschichtliche philologische und praktische Aspekte des Bibelübersetzens von Martin Luthers Vorgängern bis zur neuen Zürcher Übersetzung.

Weiter Informationen gibt es im Shop der Bibelgesellschaft: www.bibelonline.de.

Wie finde ich gute Bibelkommentare?

Beale_Revelation.jpgMit Kommentaren zu biblischen Büchern ist das oft so eine Sache: Sie sind in der Regel sehr teuer und nicht alle halten, was sie versprechen. Es kommt also auf eine gute Auswahl an.

Keith Mathison hat in einer Liste die aus seiner Sicht jeweils fünf besten englischsprachigen Kommentare zu jedem Buch der Bibel zusammengestellt und dabei oft eine gute Wahl getroffen: www.ligonier.org.

Außerdem hier noch einmal der Hinweis auf BestCommentaries.com und einen Vergleich von deutschsprachigen Kommentaren unter Logos von Manuel Becker.

VD: JT

Martin Hengel zur Glaubwürdigkeit der Apostelgeschichte

Ich stelle das von Alexander gepostete Zitat von Martin Hengel hier nochmals ein, da es Hengels Hochachtung vor den antiken Quellen exzellent zum Ausdruck bringt.

Martin Hengel schrieb im Jahre 1998:

Wir wissen zu wenig, als daß wir es uns leisten könnten, in hyperkritischer und d.h. zugleich geschichtsfeindlicher Attitüde Quellenaussagen ohne genau ins Detail gehende Prüfung von vornherein zu verwerfen, d.h. wertvolle, da spärliche Quellen vor eingehender Prüfung zu ›zerstören‹. Dies geschieht, wenn man Lukas ohne wirkliche Begründung vorwirft, er habe diese oder jene Fakten frei erfunden. Eine derartige Haltung müßte heute, nach über 200 Jahren ›historisch-kritischer‹ Arbeit am Neuen Testament und den damit verbundenen Sünden, eher als unkritisch-unhistorisch bezeichnet werden. Die eigentliche Gefahr in der (Evangelien- und) Actaauslegung ist nicht mehr eine ängstliche Apologetik, sie führt inzwischen in der wissenschaftlichen Arbeit weithin ein Schattendasein, sondern die hyperkritische Ignoranz und Arroganz, die – oft in Verbindung mit einer enthemmten Phantasie – jedes Verständnis für die lebendige geschichtliche Wirklichkeit verloren hat.

Die Apostelgeschichte halten wir gegen eine verbreitete Anti-Lukas-Scholastik für ein Werk, das bald nach dem 3. Evangelium von Lukas dem Arzt verfaßt wurde, dem Reisebegleiter des Paulus ab der Kollektenreise nach Jerusalem. D.h., sie ist, zumindest zum Teil, als Augenzeugenbericht für die Spätzeit des Apostels, über die wir aus den Briefen nur wenig erfahren, eine Quelle aus erster Hand.

Petrus und Paulus sind jetzt gleichberechtigt

Paul Badde hat für DIE WELT mit dem Neutestamentler Klaus Berger über das Paulusgrab gesprochen. Prof. Berger wagt sich, – wie so oft –, sehr weit aus dem Fenster. Aber wo er Recht hat, da hat er Recht:

Es gibt seit rund 200 Jahren einen grundsätzlichen Betrugsverdacht gegen die Überlieferung, der manchmal in eine fast schon absurde Verachtung der Tradition umschlägt, wie eben hier, wo fast 2000 Jahre lang selbstverständlich davon ausgegangen wurde, dass Paulus eben dort begraben lag. Oft wischt man vor allem das weg, was einem gefährlich nahe kommt. Eine merkwürdige Wut gegen die Tradition wird auch oft dadurch genährt, dass geahnt wird, dass sie Verbindlichkeiten für die Menschen enthält. Dass sie Wahrheiten verkündet, die bis ins erste Jahrhundert zurück reichen, die heute keiner mehr akzeptieren mag. Im Fall des Paulusgrabes ist manche Wut gegen diese Entdeckung also auch oft ein weiteres Indiz für die Bedeutung dieser Funde – und für die Bedeutung der Tradition überhaupt.

Hier das Interview: www.welt.de.

Neue Einleitung in das NT

41pP3UnXYKL._SL160_.jpgIn der englische Sprache ist die Einleitung in das Neue Testament von D.A. Carson und Douglas j. Moo bereits ein Standardwerk. Bald wird das Buch auch auf Deutsch erscheinen.

Wer tiefer in die Welt des NT eindringen will, findet hier eine ideale Einstiegslektüre. Die beiden renommierten Theologen Donald A. Carson und Douglas J. Moo betrachten besonders die historischen Fragen wie Autorschaft, Entstehungszeit, Quellen, Anlass und Empfänger der Schriften des NT ausführlich und nicht unkritisch. Zugleich werden die Fragen aber dem Gesamtzeugnis der Heiligen Schrift verpflichtet dargestellt.

Das Werk, dass stolze 69,95 Euro kosten wird, aber dafür auch 1024 Seiten bietet, soll ab Oktober (ich vermute pünktlich zur Buchmesse in Frankfurt) im Buchhandel erhältlich sein.

Einkaufsmöglichkeit

Steinbruch aus der Zeit von Jesus gefunden

Israelische Forscher haben einen Steinbruch aus der Zeit von Jesus gefunden. Die israelische Zeitung Haaretz meldet, die 2000 Jahre alte Höhle sei etwa vier Kilometer nördlich der Palästinenserstadt Jericho im Westjordanland entdeckt worden.

n-tv berichtet:

Das unterirdische Gewölbe werde von 22 riesigen Säulen getragen, hieß es. Darauf seien verschiedene Symbole eingeritzt, darunter Kreuze, römische Buchstaben und ein Emblem der römischen Legion sowie ein Bildnis der Tierkreiszeichen.

Der leitende Archäologe Professor Adam Zertal von der Universität Haifa sagte, die Forscher seien von Beduinen gewarnt worden, der Ort sei verwunschen und voller Hyänen und Wölfe. Sie seien jedoch ungeachtet der Warnungen in die Höhle gestiegen und hätten dort eine beeindruckende archäologische Stätte vorgefunden.

Man gehe davon aus, dass der Steinbruch Teil eines antiken Klosters war. Vermutlich handele es sich um den Ort Galgala, der auf der antiken Madaba-Karte des Heiligen Landes erscheine.

Mehr hier: www.n-tv.de.

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