Historische Theologie

Die Umkehr des Augustinus

Possidius, ein Schüler des Kirchenvaters Augustin, schreibt in der Biografie über seinen Lehrer  (Vita Augustini, Paderborn: Schöningh, 2005, S. 31):

Und bald gab er alle Begierden nach irdischen Dingen, die er im Innersten seines Herzens noch hegte, auf. Er wollte nun weder Frau noch Kinder des Fleisches (vgl. Rom 9,8), keine Reichtümer und auch keine Ehren dieser Welt. Statt dessen hatte er beschlossen, mit seinen Freunden Gott zu dienen. Er wollte in und aus jener kleinen Herde sein, zu der Christus mit den Worten spricht: Fürchte dich nicht, du kleine Herde. Es hat eurem Vater gefallen, euch das Reich zu geben. Verkauft, was ihr besitzt, und gebt Almosen. Macht euch Beutel, die nicht veralten und einen Schatz im Himmel, der nicht vergeht (Lk 12,32f). Und auch jenes Wort, das wiederum der Herr gesagt hatte, wollte der heilige Mann verwirklichen: Wenn du vollkommen sein willst, dann verkaufe alles, was du hast, und gib es den Armen, und du wirst einen Schatz im Himmel haben. Dann komm und folge mir nach (Mt 19,21). Er wollte auf dem Fundament des Glaubens ein Gebäude errichten, nicht aus Holz, Stroh oder Spreu, sondern aus Gold, Silber und Edelsteinen (vgl. 1 Kor 3,12). Das dreißigste Lebensjahr hatte Augustin überschritten, nur seine sehr an ihm hängende Mutter lebte noch. Sie freute sich über seinen Entschluss, Gott zu dienen, mehr, als wenn er ihr Enkel des Fleisches geschenkt hätte. Sein Vater war schon früher gestorben. Augustin verzichtete nun auch auf seine Schüler, die er als Rhetoriklehrer unterrichtet hatte, und legte ihnen nahe, sich einen anderen Lehrer zu suchen. Denn er selbst war fest entschlossen, Gott zu dienen.

Wichtige Etappen der Reformation (Teil 5): Der Augsburger Religionsfriede

Der DLF hat eine kleine Reihe zur Reformation publiziert. Hier der fünfte und letzte Teil.

Zum Einstieg wird an ein unrühmliches Ereignis erinnert. Landgraf Philipp von Hessen, der seit 1524 mit dem Kurfürsten von Sachsen zu den wichtigsten politischen Stützen der Reformation gehörte, verliebte sich in die  junge Margarete von der Saale und verlangte von den Reformatoren den Segen für eine Zweitehe. Nach anfänglicher Zurückhaltung gaben die Theologen nach, Philipp Melanchthon nahm sogar an der Trauung teil.

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Die widerwilligen Zeitgenossen

Seit dem frühen 20. Jahrhundert sind fundamentalistische Denkströmungen in den USA präsent. Schon ihr Ursprung in den urbanen Zentren weist auf die Tatsache hin, dass sie sich nicht einfach gegen die Moderne, sondern eher auf einer Art parallelem Sonderweg entwickelten. Dies meint Francis Müller und plädiert für eine differenzierte Wahrnehmung des »rechten Christentums« in Nordamerika.

Gerade weil der Fundamentalismus ein genuin modernes Phänomen ist, wäre es eine eurozentrische Simplifizierung, ihn als einen Kampf der Hinterwäldler gegen die voranschreitende Moderne zu betrachten oder gar alle amerikanischen Christen mit den Fundamentalisten gleichzusetzen. Ähnliche Werte wie jene der protestantischen Fundamentalisten findet man auch im säkularisierten Europa. Nicht ganz zu Unrecht wird der Begriff auch auf ideologische Bewegungen angewandt – etwa auf radikale Tierschützer. Das Paradoxe dabei: Die universalistischen Weltbilder dieser Bewegungen tragen in der Gesamtheit zum Wertepluralismus bei, den ihre Anhänger eigentlich ablehnen oder bekämpfen.

Mehr: www.nzz.ch.

Der andere Bonhoeffer

Der Deutschlandbesuch des US-amerikanischen Journalisten Eric Metaxas anlässlich der Herausgabe seiner Bonhoeffer-Biografie hat in der evangelikalen Presse eingeschlagen. Sowohl ideaSpektrum als auch das Medienmagazin pro berichten aktuell über die Buchvorstellung.

Nun bin ich bekennender Bonhoeffer-Leser und freue mich über jeden, der sich – vielleicht angestoßen von dem neuen Buch – intensiv mit Bonhoeffers Leben und seiner Theologie auseinandersetzt. Trotzdem will ich erwähnen, dass mich so manche Aussage von Metaxas irritiert. Damit meine ich weniger seine Behauptung, Bonn läge in der Schweiz oder die These, Adolf Hitler hätte 1933 die Macht demokratisch übernommen. Solche Abschnitte wurden in der deutschen Übersetzung vermutlich berichtigt. Mich ärgert eine Beteuerung wie diese (Quelle: Metaxas, E., & C. Hansen, »The authentic Bonhoeffer: Eric Metaxas explains how the German theologian lived a life worth examining«, Christianity Today, vol. 54, no. 7, 2010):

Bonhoeffer ist mehr als alles andere ein theologisch konservativer Protestant. Er war genauso orthodox wie Paulus oder Jesaja, den gesamten Lebensweg über, angefangen von seiner Teenagerzeit bis hin zu seinem letzten Tag auf Erden.

Von einem Bonhoeffer-Kenner erwarte ich eine differenziertere Wahrnehmung. Tim Challies dürfte zumindest teilweise richtig liegen, wenn er Metaxas vorwirft, Bonhoeffer »entführt« zu haben.

Obwohl die Lektüre von Bonhoeffer: Pastor, Agent, Märtyrer und Prophet nichtsdestotrotz gewinnbringend sein kann, nutze ich die Gelegenheit, um auf eine interessante deutsche Publikation hinzuweisen, die weniger Beachtung fand oder wieder in Vergessenheit geraten ist (obwohl sogar eine englische Übersetzung erschien). Im Jahre 1989 wurde:

  • Georg Huntemann: Der andere Bonhoeffer: Die Herausforderung des Modernismus, R. Brockhaus 1989, 318 S.

publiziert. Dazu:

Dietrich Bonhoeffer war – von jeder Mode unabhängig – modern; er war aber auch konservativ und vor allem immer wieder anders, als gängige Vereinfachungen es nahelegen. Diesem anderen Bonhoeffer ist Georg Huntemann nachgegangen, anhand der Quellen aus Leben, Werk und zeithistorischem Umfeld und im Blick auf seine Bedeutung für unsere Gegenwart und Zukunft. Dabei wird deutlich, daß Bonhoeffer nicht nur gegen vorherrschende Tendenzen des theologischen und gesellschaftlichen Modernismus steht, für die er gern als Kronzeuge in Anspruch genommen wird. Er bietet auch theologisch Konservativen und Evangelikaien Herausforderungen zu neuem Nachdenken, denen sie sich stellen müssen. Im Vorwort heißt es: »Also wird mancher dieses Buch mit reinigenden Schmerzen – aber dann auch mit viel Freude lesen.«

Das überaus lesenswerte Buch ist antiquarisch ab und an noch zu ergattern. Daneben gibt es ein Buch von Rainer Mayer, der über Bonhoeffer promoviert hat und den ich für einen der profiliertesten Bonhoeffer-Kenner der Gegenwart halte.

Ligon Duncan: Glaubensgerechtigkeit

AP0906.jpgIm Jahr 2005 erschien in der Zeitschrift Australian Presbyterian ein Interview mit Ligon Duncan über die Rechtfertigungslehre. Duncan betont den Aspekt der Anrechnung einer fremden Gerechtigkeit. Wer glaubt, wird nicht durch etwas in ihm oder seine Taten gerechtfertigt, sondern durch die Anrechnung dessen, was Christus für uns getan hat.

Now Paul takes this word »justify«, which means to »declare someone righteons«, and he goes on to say that we have been justified, that is, declared to be »not guilty« as a gift by God’s grace through the redemption which is in Jesus Christ. And so Paul, in Romans 3:24, makes it clear that the basis of our being declared not guilty is not to be found in us; instead, we are »justified« because of the redemption that is in Christ Jesus. The gift of being declared accepted by God is not based on something in us or in something that we do; rather, it is based on something which God has done in Jesus Christ. And that’s good news! We have someone else who has accomplished our salvation.

Der Beitrag:

  • J. Ligon Duncan: »Paul in Perspective«, Australian Presbyterian, September 2006,

indem Duncan sich auch über die Neue Paulusperspektive (und N.T. Wright) äußert, ist immer noch sehr lesenswert: AP0906.pdf.

Athanasius Werke

Athanasius von Alexandrien, Bischof der ägyptischen Metropole von 328-373 n.Chr., steht im Mittelpunkt der politischen, kirchenpolitischen und dogmatischen Entwicklung des 4. Jahrhunderts (siehe zu seinem Leben auch hier). Eine Arbeitsstelle der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg besorgt eine Neuausgabe seiner Werke und schreibt dazu:

Bisher existiert keine vollständige kritische Edition der Schriften des Athanasius von Alexandrien. Es muß noch immer die erst in Ansätzen kritische Ausgabe aus dem Jahr 1698 herangezogen werden, die durch die Mauriner J. Lopin und B. de Montfaucon erstellt worden war. Die heute meist zur Verfügung stehende Edition ist der 1857 erschienene Nachdruck der 1777 in Padua überarbeiteten Fassung der Mauriner Ausgabe durch J.-P. Migne.

Besonders seit den Arbeiten von Eduard Schwartz, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Athanasius-Forschung neue Impulse gegeben haben, ist die Notwendigkeit einer kritischen Ausgabe der Schriften des Athanasius für die Geschichte des 4. Jahrhunderts evident. Aus diesem Grund begannen im Jahr 1929 K. Lake und R. Casey in Zusammenarbeit mit der Kirchenväterkommission der Preußischen Akademie der Wissenschaften (Kommission für spätantike Religionsgeschichte) mit Vorarbeiten zu einer kritischen Gesamtausgabe der Werke des Athanasius, die von R. Casey und H. Lietzmann im Verlag de Gruyter in drei Bänden herausgegeben werden sollte.

Die Internetseite der DFG-Arbeitsstelle Athanasius Werke bietet nicht nur digitalisierte Texte, sondern auch Fotografien von Handschriften an: www.athanasius.theologie.uni-erlangen.de.

VD: BH

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