Historische Theologie

Ligon Duncan: Glaubensgerechtigkeit

AP0906.jpgIm Jahr 2005 erschien in der Zeitschrift Australian Presbyterian ein Interview mit Ligon Duncan über die Rechtfertigungslehre. Duncan betont den Aspekt der Anrechnung einer fremden Gerechtigkeit. Wer glaubt, wird nicht durch etwas in ihm oder seine Taten gerechtfertigt, sondern durch die Anrechnung dessen, was Christus für uns getan hat.

Now Paul takes this word »justify«, which means to »declare someone righteons«, and he goes on to say that we have been justified, that is, declared to be »not guilty« as a gift by God’s grace through the redemption which is in Jesus Christ. And so Paul, in Romans 3:24, makes it clear that the basis of our being declared not guilty is not to be found in us; instead, we are »justified« because of the redemption that is in Christ Jesus. The gift of being declared accepted by God is not based on something in us or in something that we do; rather, it is based on something which God has done in Jesus Christ. And that’s good news! We have someone else who has accomplished our salvation.

Der Beitrag:

  • J. Ligon Duncan: »Paul in Perspective«, Australian Presbyterian, September 2006,

indem Duncan sich auch über die Neue Paulusperspektive (und N.T. Wright) äußert, ist immer noch sehr lesenswert: AP0906.pdf.

Athanasius Werke

Athanasius von Alexandrien, Bischof der ägyptischen Metropole von 328-373 n.Chr., steht im Mittelpunkt der politischen, kirchenpolitischen und dogmatischen Entwicklung des 4. Jahrhunderts (siehe zu seinem Leben auch hier). Eine Arbeitsstelle der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg besorgt eine Neuausgabe seiner Werke und schreibt dazu:

Bisher existiert keine vollständige kritische Edition der Schriften des Athanasius von Alexandrien. Es muß noch immer die erst in Ansätzen kritische Ausgabe aus dem Jahr 1698 herangezogen werden, die durch die Mauriner J. Lopin und B. de Montfaucon erstellt worden war. Die heute meist zur Verfügung stehende Edition ist der 1857 erschienene Nachdruck der 1777 in Padua überarbeiteten Fassung der Mauriner Ausgabe durch J.-P. Migne.

Besonders seit den Arbeiten von Eduard Schwartz, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Athanasius-Forschung neue Impulse gegeben haben, ist die Notwendigkeit einer kritischen Ausgabe der Schriften des Athanasius für die Geschichte des 4. Jahrhunderts evident. Aus diesem Grund begannen im Jahr 1929 K. Lake und R. Casey in Zusammenarbeit mit der Kirchenväterkommission der Preußischen Akademie der Wissenschaften (Kommission für spätantike Religionsgeschichte) mit Vorarbeiten zu einer kritischen Gesamtausgabe der Werke des Athanasius, die von R. Casey und H. Lietzmann im Verlag de Gruyter in drei Bänden herausgegeben werden sollte.

Die Internetseite der DFG-Arbeitsstelle Athanasius Werke bietet nicht nur digitalisierte Texte, sondern auch Fotografien von Handschriften an: www.athanasius.theologie.uni-erlangen.de.

VD: BH

Calvins Einsatz für die Einheit des Protestantismus

Wilhelm Niesele schreibt in seinem Buch über die Theologie Calvins (München: Kaiser, 1957, S. 197):

Wer in Calvin den Urheber aller modernen Kirchenspaltung sieht, zeigt, dass er von ihm keine Zeile gelesen hat. Auch das ganze Verhalten Calvins spricht dagegen. Er hat auf den Religionsgesprächen, an denen er teilgenommen hat, das Augsburgische Bekenntnis unterschrieben. Er hat trotz erheblicher Lehrunterschiede die Freundschaft zu Melanchthon gehalten. Mit großer Leidenschaft hat er sich für die Einheit des Protestantismus eingesetzt und die Streitlutheraner zurückgewiesen, weil sie die Kirche des Evangeliums zu zerreißen drohten. Als der Reformator aus Genf vertrieben worden war, wollten seine Anhänger in der Gemeinde nicht mehr an Abendmahlsfeiern unter Leitung der Pastoren, die ihm feindlich waren, teilnehmen. Calvin hat seine Freunde brieflich geradezu beschworen, von diesem Vorhaben abzulassen, damit die Einheit der Gemeinde keinen Schaden leide. Es besteht kein Grund, die Kirche zu verlassen, wenn die Predigt einige Unrichtigkeiten enthält und unklare Lehren verbreitet werden; »denn es gibt wohl keine Kirche, die nicht etwas von Unwissenheit behält«.

Die Kulturtheologie von Paul Tillich

Während in den evangelikalen Zirkeln hoffnungsvoll gezwitschert wird, die post-liberale Theologie habe die liberale Theologie verdrängt, beobachtete Georg Pfleiderer 2010 in seinem Aufsatz »Theologie als normative Kulturwissenschaft?« (Theologische Zeitschrift 66 (2010), Ausgabe 4, S. 318–331), dass die liberale Kulturtheologie seit den 70er Jahren eine beträchtliche Renaissance erfährt.

Da passt es ganz gut, dass der DLF kürzlich einen Hörbeitrag über die Theologie von Paul Tillich produziert hat. Wer »das Herz« der liberalen Theologie (und die damit verbundene Tragik) verstehen möchte, wird von den zwei Aufnahmen profitieren.

Teil 1:
[podcast]http://podcast-mp3.dradio.de/podcast/2011/08/10/dlf_20110810_0945_8bb4caf9.mp3[/podcast]

Teil 2:
[podcast]http://podcast-mp3.dradio.de/podcast/2011/08/11/dlf_20110811_0946_8bb5c543.mp3[/podcast]

Wildgoose Festival 2011

Auf dem Wildgoose Festival 2011 trafen sich viele einflussreiche Vordenker der emergenten Bewegung, unter ihnen Richard Rohr, Brian McLaren, Shane Claiborne, Tony Jones, Phyllis Tickle oder Doug Pagitt.

Brandon Morgan, der selbst zu den Sympathisanten der Emerging Church gehört, hat das Festival besucht und im Blog von Roger Olsen seine Eindrücke publiziert.

Upon returning from the Wild Goose festival, I felt that the festival was, among others things, a blatant attempt to show how well Emergent folks and mainline folks get along (particularly regarding the LGBTQ community) and how they generally have the same enemies (conservative evangelicals). (Typologies are not necessarily helpful, but they will have to do here). If Emergent folks initially sought to bring together the evangelical emphases of conversion, scripture and discipleship with the progressive emphases of social justice, inclusion, and theologically progressive approaches to Christian doctrine (which, we must admit, often amounts to a covert denial of many traditional forms of those doctrines), then the question is: have Emergent folks succeeded in transcending the evangelical-progressive division in American Protestantism. Have they formulated a holistic theological approach able to include the benefits of both sides and jettison the negative aspects? Some may question whether this is actually the goal of Emergent folks. If this is not their goal, at least peripherally, then my personal understanding of being involved with the Emergent conversation is perhaps questionable. But more importantly, if this is not at least a tertiary goal, then my question is: why haven’t Emergent folks joined the mainline denominations? Why have the negatives of evangelicalism been so easy to describe and virulently rebuke, while the negatives of the mainline denominations have barely shown up in Emergent concerns? Another way to ask this question would be: Why hasn’t the Emergent critique of evangelicalism’s involvement with the American nation-state and it’s tendency toward creating theologically exclusive boundaries not found root in a critique of Mainline denominations, whose political interests also conflate the church with nation-state interests? Yet another way to ask this question might be: Why do post-liberals (e.g. The Ekklesia Project) look so different from liberals yet nothing like evangelicals, while post-evangelical Emergents look alot like liberals?

It could be the failed attempt to reduce theological claims to social justice claims, which forces us to ask exactly what the doctrines of the church, the Trinity, the Incarnation and the Resurrection accomplish, other than pithy symbols used to advance left-wing forms of American democracy. The critique could be the loss of Christian uniqueness within American religious and political culture that suffers from a spiritually amalgamate ethos that can be summarized by a phrase made in Paul Knitter’s Wild Goose talk: »I love Buddha and Jesus, but I still go home to Jesus.«

Es lohnt sich, den gesamten Beitrag zu lesen: www.patheos.com.

Die Amischen in den USA wachsen und gedeihen

Ein Leben in der Vergangenheit, aber mit Zukunft: Die Amischen in den USA. Ihr Dialekt geht zurück auf die Mundarten in Baden, der Pfalz und dem Elsass. In ihren Gemeinden in den US-Bundestaaten Pennsylvania, Ohio und Indiana hat sich die Sprache der Vorfahren noch gehalten, ebenso wie der Glauben und die Sitten: die Amish oder Pensylvania-Deutschen. Wer glaubt, dass ihre archaische Lebensform vor dem Verschwinden steht, der irrt: Die Gemeinden wachsen, nur wenige kehren den Traditionen den Rücken. Albrecht Ziegler hat die Menschen besucht, die sich der Moderne bewusst verweigern.

Hier ein SWR2 Kontext-Beitrag vom 23. Juli 2011:

[podcast]http://mp3-download.swr.de/swr2/kontext/2011/07/23/swr2-kontext-weltweit-20110723-1750-ein-leben-in-der-vergangenheit-aber-mit-zukunft-die-amish-in-den-usa.6444m.mp3[/podcast]

 

Neuer Calvinismus

Ich möchte auf zwei Beiträge in der aktuellen Ausgabe des Jahrbuchs für Freikirchliche Forschung hinweisen:

  • Matthias Lohmann: »Reformierte Wurzeln der Baptisten und der Freien evangelischen Gemeinden«
  • Ron Kubsch: »Neuer Calvinismus – Einblicke in eine junge reformierte Bewegung«

Ein Verzeichnis der Beiträge von Ausgabe 20/2011 mit 382 Seiten gibt es hier. Das Buch kann für 19,80 Euro bestellt werden: www.freikirchenforschung.de.

Die Glaubensgerechtigkeit bei Cusanus

Der Reformator Johannes Kymaeus (1498–1552) soll darauf hingewiesen haben, dass bereits bei dem Universalgelehrten Nikolaus von Kues das Rechtfertigungsverständnis Martin Luthers vorgezeichnet sei. Nun finden wir bei Nikolaus, auch Cusanus genannt, eine Menge Merkwürdigkeiten (zur Einführung in sein Leben und Werk siehe auch hier). Bei der Lektüre einiger seiner Schriften ist mir allerdings aufgefallen, dass bei ihm die Verherrlichung Gottes, die Gnadentheologie und eine Glaubensgerechtigkeit, die Gott selbst schafft, tatsächlich betont werden.

Hier einige Beispiele (zitiert in Anlehnung an: Nicolas Cusanus: Philologische und theologische Schriften, Wiesbaden, Matrix Verlag, 2005):

Die Frage: Warum ließ Gott Adam, unsern Stammvater, sündigen und uns alle infolge seiner Sünde sterben? löst sich im Hinblick auf das Wort Christi an den Blindgeborenen, dass in seiner Heilung sich die Herrlichkeit Gottes offenbaren sollte. Dass es Gott zuließ, dass Adam in Sünde geriet, das rührte nicht von seiner Sünde her, sondern damit die Herrlichkeit Gottes offenbar würde, denn obgleich Gott an der Sünde, deren Entstehen er verhinderte, kein Gefallen hatte, so weiß er doch auch aus dem Bösen Gutes hervorzubringen. Das läßt sich von allen zur Seligkeit Prädestinierten sagen, von denen man weiß, dass sie Sünder gewesen. Die heilige Schrift fasst alles unter der Sünde, damit den Gläubigen die Verheißung aus dem Glauben zuteil werde. Gott wollte seine Herrlichkeit in seinem Sohne offenbaren, damit, wie durch einen Menschen der Tod in die Welt kam, so durch Christus Jesus das Leben in allen käme. Der Sohn verherrlicht den Vater, indem er die Schätze der Herrlichkeit des Vater aufzeigt und mitteilt, der Vater verherrlicht den Sohn, weil er durch ihn das ewige Leben verleiht. (S. 534)

Jeder Sünder ist ein Knecht der Sünde. Der Knecht aber kann sich nicht selbst aus der Knechtschaft befreien. Wenn die Werke des Gesetzes und seine Handlungen ihn rechtfertigen, so könnte er sich selbst rechtfertigen. Das ist aber unmöglich, ja ein Widerspruch. Denn wie es ein Widerspruch ist, dass jemand sich selbst erschaffen kann – es wäre ja, bevor er wäre –, so ist es auch bei der Rechtfertigung. Wer sich selbst rechtfertigen könnte, wäre gerecht, bevor er gerecht ist. Dass daher der Ungerechte gerecht wird, kann nicht durch die Gerechtigkeit des Ungerechten oder die gerechten Werke des Ungerechten, sondern nur durch die Gerechtigkeit des Gerechten erfolgen, der nur durch die Gnade gerecht macht, wen er will. Es gibt aber nur eine und nur eines einzigen Gerechtigkeit. Dies ist die Gerechtigkeit des einen Mittlers, der notwendig Gott und Mensch ist. Dieser will nur das Gerechte. Weil er durch Gnade rechtfertigen will und was er will, das Gerechte ist, so ist es gerecht, dass der wirklich gerechtfertigt werde, den er rechtfertigen will. Damit dieser sein Wille die rechtfertigende Gerechtigkeit sei, wurde er selbst unsere Gerechtigkeit, indem er sich selbst hingab. So brachte er auf ewig unsere Heiligung zu Stande. Gott setzte ihn zum gnädigen Vermittler durch den Glauben in dessen Blute, zur Offenbarung seiner Gerechtigkeit. Die Gnade, durch die wir gerettet werden, ist Gerechtigkeit. Alles also, was durch Moses auf göttlichen Befehl in Bezug auf Rechtfertigung geschrieben und angeordnet wurde, sollte uns andeuten, dass durch Tod und Besprengung mit Blut, d.i. durch Gemeinschaft des Todes die Rechtfertigung und Heiligung, die der Seele das Leben geben, zu geschehen habe … (S. 553–554)

Der Schöpfer ist auch der Rechtfertiger. Denn gleichwie die Erhebung des Nichts zum Sein ein Werk der Allmacht ist, so ist auch die Versetzung des Sünders in den Zustand der Rechtfertigung das Werk keiner geringen Kraft. Denn nur die unendliche Güte kann dies bewirken, da keine beschränkte Kraft es vermag. Denn wie will ein Toter sich selbst ins Leben erwecken, wenn die Kraft des Lebens in ihm fehlt? So kann auch die Gottlosigkeit sich nicht selbst zur Gerechtigkeit erheben, da in dem Gottlosen die Gerechtigkeit ganz erloschen ist. Dies wird also das Werk desselben sein, der auch das Etwas aus dem Nichts und aus dem Tode ins Leben bringt. (S. 556)

Calvins Bibel- und Gesetzesverständnis

201105191603.jpgReiner Zimmermann schreibt in:

  • Reiner Zimmermann: Calvinismus in seiner Vielfalt: Die Bedeutung des Reformators für die evangelische Christenheit, Neukirchen-Vluyn: Neukirchener Verlagsgesellschaft, 2011, S. 98

Calvin wusste sich – wie wir sahen – durchaus als Schüler Luthers. So konnte auch er sein »Sola scriptura« anerkennen. Aber Calvin glaubt nicht, dass Gott die Absicht habe, alle Menschen zu erlösen, im Mittelpunkt seines Bibelverständnisses steht Gottes Ehre, die die Erwählten durch ihren Glauben und Gehorsam bekennen und verkünden sollen. Calvin vertritt, wie auch Zwingli, die Verbalinspiration aller biblischen Bücher: »Die Theologie soll darstellen, was in der Bibel niedergelegt ist. Der Gedanke der Inspiration der Schrift wird damit zur Lehre vom Diktat des Heiligen Geistes, unfehlbar von jenen Menschen vermittelt, die die Worte der Schrift niederschrieben.« Dementsprechend galten auch bei den Puritanern – als Schülern von Knox und Calvin – alle Texte der Bibel als gleichwertig, die alttestamentlichen wie die des Neuen Testaments, es sei denn, alttestamentliche Ordnungen wurden ausdrücklich von Jesus oder den Aposteln für nicht mehr gültig erklärt. »Das Alte Testament nimmt bei Calvin eine andere Stellung als in der lutherischen Theologie ein: Das zeremonielle Mosaische Gesetz ist mit dem Erscheinen Christi abgeschafft. Dagegen gilt das alttestamentliche Moralgesetz auch für die Christen. Sie stehen unter seiner Verpflichtung und sollen ihren Wandel nach den Vorschriften führen, die man der Gesetzesverkündigung der Schrift entnehmen kann. Desgleichen soll das gesellschaftliche Leben nach der Richtschnur des biblischen Gesetzes gestaltet werden.«

 

DLF: Die Kirche von Laodizäa

Anfang Februar hatte ich kurz auf den Fund der Kirche von Laodizäa hingewiesen. Der DLF hat heute in einem Beitrag ausführlich über die spektakuläre Entdeckung berichtet. Laodizäa wurde im 7. Jahrhundert durch ein Erdbeben zerstört und verlassen. Die entdeckte Kirche ist so gut erhalten, dass sogar noch Malereien an den Wänden bewundert werden können. Voraussichtlich 2012 soll das Bauwerk für Besucher geöffnet werden.

Hier der Beitrag:

[podcast]http://podcast-mp3.dradio.de/podcast/2011/05/13/dlf_20110513_0954_bbbdd45d.mp3[/podcast]

Nach oben scrollen
DSGVO Cookie Consent mit Real Cookie Banner