Theologiegeschichte

Augustinus: Vater der abendländischen Theologie (Teil 2)

Im Herbst 384 trat Augustinus in Mailand seine Stelle als Rhetoriker an. Er hatte inzwischen seine Lebensgefährtin und seinen Sohn nach Mailand nachkommen lassen, um nun mit ihnen in der neuen Umgebung zusammenzuleben. Allerdings hatte Augustinus die Rechnung ohne seine Mutter Monnica gemacht. Sobald sie von dem Umzug ihres Sohnes erfahren hatte, reiste auch sie ihm von Nordafrika nach Mailand nach. Sie wollte sich nicht damit zufrieden geben, dass Augustinus sich ihrem Einfluss entzogen hatte.

Hier Teil 2 der DLF-Reihe über Augustinus, die seine Karriere am kaiserlichen Hof von Mailand in den Mittelpunkt stellt:

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Der zeitlose Kohlbrügge

Der Biograph H.K. Hesse schreibt über Hermann Friedrich Kohlbrügge (Hermann Klugkist Hesse, Hermann Friedrich Kohlbrügge, Barmen 1935, S. 384f., zitiert nach Helmut Thielicke, Der Evangelische Glaube, Bd. 1, S. 20):

Es ist merkwürdig, wie wenig die »Zeit« ihr Echo bei diesem Mann gefunden hat. Welch einen glänzenden Aufschwung nahm in seinen Zeiten die Wirtschaft! Man denke an die umwälzenden Wirkungen des Eisenbahnnetzes in Deutschland, der Dampfschiffahrt …, an den Höhenflug der Naturwissenschaft …, der Technik und ihrer Fortschritte, die unerhörtes Gelingen versprachen. Man erwäge, wie die soziale Bewegung in Kohlbrügges Zeit fiel … Das alles hat ihn kaum berührt. Nicht weil er ein unlebendiger, wenig aufgeschlossener Mensch gewesen wäre, sondern trotzdem er eine Harfe mit vielen Saiten in seinem Herzen trug. Sie kamen nicht in Bewegung. Er … ging in seinen Predigten an der Kultur, auch an der Kultur des Protestantismus, vorüber, als ginge sie ihn nichts an … Er hatte das Wort zu künden.

Ken Wilbers »I’mness«

Ken Wilber ist nicht nur ein großer Guru innerhalb der Szene für Integrale Religiosität, sondern auch Impulsgeber für die Emerging Church-Bewegung. Brian McLaren empfiehlt seine Bücher. Rob Bell, Hauptredner auf dem Willow Creek JUGENDPLUS-KONGRESS im Mai 2011, überschlägt sich mit Lob für Wilbers Buch Eine kurze Geschichte des Kosmos (Velvet Elvis, S. 192, Endnote 143):

For a mind-blowing introduction to emergence theory and divine creativity, set aside three months and read Ken Wilber’s A Brief History of Everything.

Wer gern einen Blick auf Wilbers Theorie des »Ich bin« werfen möchte, kann sich diesen Vortragsmitschnitt anschauen:




Sehr interessant finde ich einen Beitrag von Frank Visser über das Universum von Ken Wilber. Visser steht von der Tradition von Wilber und schrieb sogar eine Biografie über ihn. Der Theosoph hat sich aber inzwischen von Wilber distanziert und vertritt einen selbstkritischeren Ansatz der integralen Spiritualität. Warum? Er erklärt es in diesem Video:

Grenzgänger der Liebe: Karl Barth und Paul Tillich

Dogmatik und Ethik gelten als Geschwister. Wer ein hochgelehrter Theologe ist, muss aber noch lange nicht üblichen Konventionen genügen. Zwei prominente Theologen des 20. Jahrhunderts, Karl Barth und Paul Tillich, waren verheiratet, fühlten sich aber gleichzeitig von anderen anderen Frauen angezogen. Sie lebten mit diesen mehr oder weniger offen auch in Beziehungen. Ein Widerspruch zu ihrem theologischen Leben und Denken? Sie waren bemüht, auch diesen Bereich ihres Lebens theologisch zu begründen.

Hier geht es zu der Bayern 2-Radiosendung »Grenzgänger der Liebe« von Claudia Christophersen:

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Das Manuskript zur Sendung gibt es hier: BR-online-Publikation-ab-01-2010–186892-20100813100136.pdf.

VD: HB

Die Bedeutung der Inspiration für die Autorität der Schrift bei Calvin

Shin Hye Yang hat an der Humboldt Universität zu Berlin über das Thema: »Die Bedeutung der Inspiration für die Autorität der Schrift bei Calvin« promoviert (Anlass gaben Kontroversen in der süd-koreanischen presbyterianischen Kirche). Shin Hye Yang widerspricht in seiner Arbeit B.B. Warfield, J.I. Packer, R. Nicole und vielen anderen, die davon ausgehen, dass Calvin an eine wörtliche Inspiration der biblischen Schriften glaubte.

Die Überprüfung der Argumente, die in der Forschung zum Beweis von Calvins Überzeugung von der inspirierten Unfehlbarkeit des Textes der Schrift vorgebracht werden, hat ergeben, dass die Belege, die herangezogen werden, diese Argumente nicht tragen.

1) Calvins Reden vom dictare des Heiligen Geistes und von den biblischen Verfassern als Werkzeugen, Sekretären oder Schreibern dieses Geistes legt den Ton darauf, dass der allem menschlichen Zeugnis vorangehende Gott der Urheber der Schrift ist. Die Autorität der Schrift stammt von ihm, indem er durch seinen Geist Menschen antreibt, seinem Willen entsprechend das von ihm Empfangene aufzuschreiben. Er fordert dabei den Gehorsam von Menschen als von ihm Beauftragten und sorgt durch seine Vorsehung dafür, dass sie seiner Herrschaft und ihrem Ziel dienen. Es ist aber nicht erkennbar, dass Gott im Sinne Calvins damit den Buchstaben und Wörtern, welche diese Beauftragten verwenden, eine ihnen immanente göttliche Qualität verleiht. Auch daraus, dass das dictare die Aufforderung an die biblischen Verfasser impliziert, nichts Eigenes hinzuzufügen, ist nicht mit W. Krusche zu folgern, dass die Inspiration auch die Form der Schrift betrifft.

2) Wie ich unter 3.2. schon summiert habe, leitet die Unterscheidung zwischen einem inspirierten unfehlbaren Urtext der Bibel und fehlerhaften Abschriften Calvins Umgang mit Fehlern und Versehen in vorliegenden Texten nicht.

3) In der Bibel berichtete Wunder und Weissagungen sowie die Überlieferungsgeschichte der Heiligen Schrift unterstützen nach Calvin die Glaubwürdigkeit und die Autorität der Schrift. Sie unterstreichen das ungewöhnliche und unbegreifbare Handeln Gottes, von dem die Texte berichten, verleihen der schriftlichen Form, in der das geschieht, aber keinen göttlichen Charakter. Dennoch gehören sie zur Verwirklichung des Heilswillens Gottes, für den Gott mit seiner allmächtigen Vorsehung sorgt, indem er Menschen für das Aufschreiben seines Handelns und das Überliefern der Schriften durch seinen Geist in Anspruch nimmt. Diese Schriften gehören darum in den dynamischen Prozess hinein, in dem Gott die Geschichte der erwählten Menschheit zu ihrem eschatologischen Ziel führt.

Obwohl mich Shin Hye Yang mit seiner These nicht überzeugt, bietet die Dissertation eine Menge Quellenmaterial und »Denkstoff«. Ich hoffe, dass sich bald jemand intensiv mit dem Ertrag auseinandersetzt und (vielleicht sogar) eine Antwort formuliert.

Die Dissertation kann hier heruntergeladen werden: yang.pdf.

Albert Schweizer und seine Leben-Jesu-Forschung

220px-Bundesarchiv_Bild_183-D0116-0041-019,_Albert_Schweitzer.jpgIm Jahre 1965 starben drei einflussreiche Theologen: Paul Tillich, Martin Buber und der 1875 im Elsass (Kayserberg) geborene Albert Schweizer. Schweizer, der zunächst als Hilfsprediger und Privatdozent für Neues Testament (Straßburg) tätig war, machte sich als Theologe, Arzt, Philosoph und Musiker einen Namen, so dass er zu den bekanntesten deutschsprachigen Gelehrten des 20. Jahrhunderts gehört.

Als Theologe wurde er durch seinen großen Forschungsbericht zur Leben-Jesu-Forschung (1906 u. erweitert 1912) und seine Untersuchungen zum Apostel Paulus bekannt (1930). Konsequent vertrat Schweizer die Auffassung, dass der historische Jesus sich in der Erwartung täuschte, dass Kommen des Reiches Gottes stünde unmittelbar bevor. Während die eschatologische Hoffnung auf ein hereinbrechende Himmelreich damit ein für allemal erledigt sei, bliebe für die Christen die Aufgabe, an der sittlichen Vollendung des Reiches Gottes in dieser Welt mitzuwirken (vgl. dazu auch Adolf von Harnack).

Das Deutschlandradio hat mit Professor Werner Zager (Frankfurt) über Albert Schweizers Theologie gesprochen:

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Das undogmatische Christentum des Adolf von Harnack

Harnack.jpegDa Adolf von Harnack heute eher selten gelesen wird, übersehen wir schnell, dass Thesen Harnacks und des theologischen Liberalismus unter (irgendwie) Frommen derzeit eine Renaissance erfahren.

Harnack behauptete, dass die christlichen Dogmen Ausdruck des griechischen Geistes im Raum der Kirche seien (Nietzsche meinte ähnlich: »Christentum ist Platonismus für’s Volk«). Sein vielleicht berühmtester Satz besagt deshalb, dass das dogmatische Christentum (die Dogmen) »in seiner Konzeption und in seinem Ausbau ein Werk des griechischen Geistes auf dem Boden des Evangeliums ist« (z.B. Dogmengeschichte, 5. Aufl., S. 4).

Der Aussagegehalt christlicher Dogmen lässt sich nach Harnack nicht aus der Heiligen Schrift ableiten. Der Weg vom Wort zum Dogma wird als eine Geschichte des Abfalls von der ursprünglichen Höhe des Evangeliums beschrieben. Durch den Prozess der Dogmatisierung und die Inanspruchnahme metaphysischer Begriffe verschmolz das ursprüngliche Evangelium mit der hellenistischen Philosophie.

Die Glaubenssätze gehören für Harnack damit der Vergangenheit an und an die Stelle des Dogmas tritt das innere Erlebnis, das dem Wort Gottes entspricht (vgl. Das Wesen des Christentums, 1950, S. 160). Das Wesen des christlichen Glaubens liegt weder im kirchlichen Bekenntnis noch in der Botschaft von Jesu Kreuzigung und Auferstehung, sondern in der Verkündigung vom lebendigen Gott. Dem Gehalt des Evangeliums entsprechen der Glaube an Gott den Vater, der Wert jedes einzelnen Menschen und die Nächstenliebe.

Hauptstück der Verkündigung Jesu ist eine Sittlichkeit, die diese Welt als ihr eigentliches Arbeitsfeld in den Blick bekommt. Theologie muss sich daran messen lassen, ob sie der Gegenwartskultur verständlich ist und diese befördert. In einer seiner Vorlesungen, die der geniale Harnack übrigens meist frei hielt, sagte er (Siebente Vorlesung, zitiert nach Zahn, Die Sache mit Gott, S. 13):

Es ist ein hohes, herrliches Ideal, welches wir von der Grundlegung unserer Religion her erhalten haben, ein Ideal, welches unserer geschichtlichen Entwicklung als Ziel und Leitstern vorschweben soll. Ob die Menschheit es je erreichen wird, wer kann es sagen? Aber wir können und sollen uns ihm nähern, und heute fühlen wir bereits – anders als noch vor zwei- oder dreihundert Jahren – eine sittliche Verpflichtung in dieser Richtung, und die zarter und darum prophetisch unter uns Empfindenden blicken auf das Reich der Liebe und des Friedens nicht mehr wie auf eine bloße Utopie.

Wohin der Kulturprotestantismus geführt hat, wissen wir. Als Harnack 1914 zusammen mit 93 anderen Intellektuellen (darunter auch Adolf Schlatter, Ernst Haeckel oder Adolf Deissmann) das so genannte »Manifest der Intellektuellen« unterzeichnete und damit die Kriegspolitik des Kaisers stützte, wurde Karl Barth aus seinem theologischen Schlummer geweckt (»… bemerkte ich, … daß die Theologie des 19. Jahrhunderts jedenfalls für mich keine Zukunft mehr hatte.«).

Die Kirchen- und Dogmengeschichtlerin Gury Schneider-Ludorff stellt uns in einem kurzen Gespräch mit dem Deutschlandradio wichtige Eckpunkte der Theologie Harnacks vor:

[podcast]http://podcast-mp3.dradio.de/podcast/2010/10/26/dlf_20101026_0949_38157056.mp3[/podcast]

Velvet Elvis

Hier eine gute Rezension von Greg Gilbert über das Buch Velvet Elvis von Rob Bell:

On its surface, Bell’s first book, Velvet Elvis, might seem rather innocuous. His stated goal is to rethink the Christian faith in terms that will „strip it down to the bare bones“ and get it back to „the most basic elements.“ For the most part, he pursues that goal in a style that is reasonable and to-the-point. He talks about humility, about asking questions, about wrestling with the biblical text—phrases that many evangelicals use daily.

But I am convinced that when Bell brings all these things together, the result is something far more revolutionary than what appears on the surface. In fact, it is hard to avoid the conclusion that Bell actually ends up throwing the entire Christian gospel up for grabs. God is made so mysterious, doctrine is deemed so questionable, and biblical interpretations are so relativized that in the end, Bell leaves us wondering if anything can be known for sure, or if any understanding of the Christian faith and gospel is any better than any other.

For example, take Bell’s reconception of the idea of doctrine. Bell argues that the doctrines of Christianity should be thought of as the „springs“ that hold up the trampoline on which we jump and live in Christ. The springs are not the main point; they merely facilitate the greater goal of „us finding our lives in God“ (25). Now that analogy has some truth to it. But it’s also more dangerous than it might first appear. Conceiving of Christian doctrines as springs allows Bell to say that getting the doctrines right is not really that important. If you don’t like one or two of the springs, you can just take them out of the trampoline and keep on jumping.

Here is Bell’s take on the doctrine of the Trinity, for instance: „It is a spring, and people jumped for thousands of years without it. It was added later. We can take it out and examine it. Discuss it, probe it, question it. It flexes, and it stretches“ (22). And what about Christ’s birth to a virgin? Bell asks, „What if that spring was seriously questioned? Could a person keep jumping? Could a person still love God? Could you still be a Christian?“ (26).

Bell affirms his belief in both the Trinity and the Virgin Birth, but he also says he wants to carve out some room to „question“ those doctrines.

But what does he mean by that? Is he saying that one can study them, ask questions of them, learn from them? I wish he was. Yet why does Bell even pose the question? Why does he ask, „Could a person keep jumping?“ and then not answer it? I can only conclude that Bell is saying that it wouldn’t matter very much if someone stopped affirming them. „Yes, of course you can keep jumping, even if you stop believing in the Trinity or the Virgin Birth.“

Hier der vollständige Text: www.9marks.org.

Rob Bell wird übrigens beim Willow Creek Jugendkongress im Mai 2011 in Düsseldorf einer der Hauptredner sein. Ich staune, alles andere ist Interpretation.

Evangelikale Bewegung: Quo vadis?

Guy Davis hat einen Blogeintrag über die Identitätskrise der Evangelikalen publiziert, der auf einen Artikel von Mike Grimshaw zurückgeht. Das Bild, das Guy dazu veröffentlicht hat, bringt die gegenwärtige Situation ganz gut auf den Punkt:

Clark H. Pinnock (1937–2010)

Der amerikanische Theologe Clark Pinnock ist am 15. August 2010 verstorben. Pinnock promovierte unter F.F. Bruce im Fachbereich Neues Testament zum Thema »Das Konzept des Geistes in den paulinischen Briefen«. Durch seine Mitarbeit bei Francis Schaeffer Anfang der 60er Jahre wandte er sich der reformierten Theologie zu. »Schaeffer«, so pflegte Pinnock damals zu sagen, »ist die wichtigste Person für mein Leben«.

Nichtsdestotrotz distanzierte sich Pinnock später von Schaeffer und migrierte zum Arminianismus. Seit den 90er Jahre zählt er zu den prominentesten Vertreter des so genannten »Open Theism«, gemäß dem die Allwissenheit Gottes nicht im traditionellen Sinn zu interpretieren sei und Gott die Zukunft nicht kennen könne (da sie keine reale Größe sei). Außerdem machte sich Pinnock für die annihilationistische Position (siehe hier) und den Heilsuniversalismus, demgemäß Menschen auch ohne Glauben an Jesus Christus das Heil erlangen können, stark.

Meine Kollege Titus Vogt stellt Pinnock’s Konzept der Allwissenheit Gottes in einer kurzen Ausarbeitung vor: Pinnock_ist_Gott_allwissend.pdf.

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