Theologiegeschichte

Charles Spurgeon

Als Spurgeon im Alter von 15 in einer methodistischen Gemeinde in Colchester das Evangelium hörte, stellte das sein Leben auf den Kopf.

Hier eine ausgezeichnete Dokumentation über das Leben eines großen Predigers:


VD: OM

Christozentrisch Glauben

Die jüngere ›christuszentrierte Bewegung‹ in Nordamerika ist ungefähr zwanzig Jahre alt. J.D. Greear, Trevin Wax und Greg Gilbert haben, durchaus selbstkritisch, über den Ansatz diskutiert. Mir gefällt besonders folgende Beobachtung:

“We’re able to easily say, ‘Hey, there’s something wrong with that guy’s preaching,’ or ‘There’s something wrong in that book,’ or ‘This guy’s confusing Gospel and implications and whatnot,’ but it’s not the beauty of the Gospel and the God of the Gospel that’s actually captivating our hearts, our affections, our emotions.”

Der andere Bonhoeffer

Der Deutschlandbesuch des US-amerikanischen Journalisten Eric Metaxas anlässlich der Herausgabe seiner Bonhoeffer-Biografie hat in der evangelikalen Presse eingeschlagen. Sowohl ideaSpektrum als auch das Medienmagazin pro berichten aktuell über die Buchvorstellung.

Nun bin ich bekennender Bonhoeffer-Leser und freue mich über jeden, der sich – vielleicht angestoßen von dem neuen Buch – intensiv mit Bonhoeffers Leben und seiner Theologie auseinandersetzt. Trotzdem will ich erwähnen, dass mich so manche Aussage von Metaxas irritiert. Damit meine ich weniger seine Behauptung, Bonn läge in der Schweiz oder die These, Adolf Hitler hätte 1933 die Macht demokratisch übernommen. Solche Abschnitte wurden in der deutschen Übersetzung vermutlich berichtigt. Mich ärgert eine Beteuerung wie diese (Quelle: Metaxas, E., & C. Hansen, »The authentic Bonhoeffer: Eric Metaxas explains how the German theologian lived a life worth examining«, Christianity Today, vol. 54, no. 7, 2010):

Bonhoeffer ist mehr als alles andere ein theologisch konservativer Protestant. Er war genauso orthodox wie Paulus oder Jesaja, den gesamten Lebensweg über, angefangen von seiner Teenagerzeit bis hin zu seinem letzten Tag auf Erden.

Von einem Bonhoeffer-Kenner erwarte ich eine differenziertere Wahrnehmung. Tim Challies dürfte zumindest teilweise richtig liegen, wenn er Metaxas vorwirft, Bonhoeffer »entführt« zu haben.

Obwohl die Lektüre von Bonhoeffer: Pastor, Agent, Märtyrer und Prophet nichtsdestotrotz gewinnbringend sein kann, nutze ich die Gelegenheit, um auf eine interessante deutsche Publikation hinzuweisen, die weniger Beachtung fand oder wieder in Vergessenheit geraten ist (obwohl sogar eine englische Übersetzung erschien). Im Jahre 1989 wurde:

  • Georg Huntemann: Der andere Bonhoeffer: Die Herausforderung des Modernismus, R. Brockhaus 1989, 318 S.

publiziert. Dazu:

Dietrich Bonhoeffer war – von jeder Mode unabhängig – modern; er war aber auch konservativ und vor allem immer wieder anders, als gängige Vereinfachungen es nahelegen. Diesem anderen Bonhoeffer ist Georg Huntemann nachgegangen, anhand der Quellen aus Leben, Werk und zeithistorischem Umfeld und im Blick auf seine Bedeutung für unsere Gegenwart und Zukunft. Dabei wird deutlich, daß Bonhoeffer nicht nur gegen vorherrschende Tendenzen des theologischen und gesellschaftlichen Modernismus steht, für die er gern als Kronzeuge in Anspruch genommen wird. Er bietet auch theologisch Konservativen und Evangelikaien Herausforderungen zu neuem Nachdenken, denen sie sich stellen müssen. Im Vorwort heißt es: »Also wird mancher dieses Buch mit reinigenden Schmerzen – aber dann auch mit viel Freude lesen.«

Das überaus lesenswerte Buch ist antiquarisch ab und an noch zu ergattern. Daneben gibt es ein Buch von Rainer Mayer, der über Bonhoeffer promoviert hat und den ich für einen der profiliertesten Bonhoeffer-Kenner der Gegenwart halte.

Ligon Duncan: Glaubensgerechtigkeit

AP0906.jpgIm Jahr 2005 erschien in der Zeitschrift Australian Presbyterian ein Interview mit Ligon Duncan über die Rechtfertigungslehre. Duncan betont den Aspekt der Anrechnung einer fremden Gerechtigkeit. Wer glaubt, wird nicht durch etwas in ihm oder seine Taten gerechtfertigt, sondern durch die Anrechnung dessen, was Christus für uns getan hat.

Now Paul takes this word »justify«, which means to »declare someone righteons«, and he goes on to say that we have been justified, that is, declared to be »not guilty« as a gift by God’s grace through the redemption which is in Jesus Christ. And so Paul, in Romans 3:24, makes it clear that the basis of our being declared not guilty is not to be found in us; instead, we are »justified« because of the redemption that is in Christ Jesus. The gift of being declared accepted by God is not based on something in us or in something that we do; rather, it is based on something which God has done in Jesus Christ. And that’s good news! We have someone else who has accomplished our salvation.

Der Beitrag:

  • J. Ligon Duncan: »Paul in Perspective«, Australian Presbyterian, September 2006,

indem Duncan sich auch über die Neue Paulusperspektive (und N.T. Wright) äußert, ist immer noch sehr lesenswert: AP0906.pdf.

Athanasius Werke

Athanasius von Alexandrien, Bischof der ägyptischen Metropole von 328-373 n.Chr., steht im Mittelpunkt der politischen, kirchenpolitischen und dogmatischen Entwicklung des 4. Jahrhunderts (siehe zu seinem Leben auch hier). Eine Arbeitsstelle der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg besorgt eine Neuausgabe seiner Werke und schreibt dazu:

Bisher existiert keine vollständige kritische Edition der Schriften des Athanasius von Alexandrien. Es muß noch immer die erst in Ansätzen kritische Ausgabe aus dem Jahr 1698 herangezogen werden, die durch die Mauriner J. Lopin und B. de Montfaucon erstellt worden war. Die heute meist zur Verfügung stehende Edition ist der 1857 erschienene Nachdruck der 1777 in Padua überarbeiteten Fassung der Mauriner Ausgabe durch J.-P. Migne.

Besonders seit den Arbeiten von Eduard Schwartz, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Athanasius-Forschung neue Impulse gegeben haben, ist die Notwendigkeit einer kritischen Ausgabe der Schriften des Athanasius für die Geschichte des 4. Jahrhunderts evident. Aus diesem Grund begannen im Jahr 1929 K. Lake und R. Casey in Zusammenarbeit mit der Kirchenväterkommission der Preußischen Akademie der Wissenschaften (Kommission für spätantike Religionsgeschichte) mit Vorarbeiten zu einer kritischen Gesamtausgabe der Werke des Athanasius, die von R. Casey und H. Lietzmann im Verlag de Gruyter in drei Bänden herausgegeben werden sollte.

Die Internetseite der DFG-Arbeitsstelle Athanasius Werke bietet nicht nur digitalisierte Texte, sondern auch Fotografien von Handschriften an: www.athanasius.theologie.uni-erlangen.de.

VD: BH

Die Kulturtheologie von Paul Tillich

Während in den evangelikalen Zirkeln hoffnungsvoll gezwitschert wird, die post-liberale Theologie habe die liberale Theologie verdrängt, beobachtete Georg Pfleiderer 2010 in seinem Aufsatz »Theologie als normative Kulturwissenschaft?« (Theologische Zeitschrift 66 (2010), Ausgabe 4, S. 318–331), dass die liberale Kulturtheologie seit den 70er Jahren eine beträchtliche Renaissance erfährt.

Da passt es ganz gut, dass der DLF kürzlich einen Hörbeitrag über die Theologie von Paul Tillich produziert hat. Wer »das Herz« der liberalen Theologie (und die damit verbundene Tragik) verstehen möchte, wird von den zwei Aufnahmen profitieren.

Teil 1:
[podcast]http://podcast-mp3.dradio.de/podcast/2011/08/10/dlf_20110810_0945_8bb4caf9.mp3[/podcast]

Teil 2:
[podcast]http://podcast-mp3.dradio.de/podcast/2011/08/11/dlf_20110811_0946_8bb5c543.mp3[/podcast]

Wildgoose Festival 2011

Auf dem Wildgoose Festival 2011 trafen sich viele einflussreiche Vordenker der emergenten Bewegung, unter ihnen Richard Rohr, Brian McLaren, Shane Claiborne, Tony Jones, Phyllis Tickle oder Doug Pagitt.

Brandon Morgan, der selbst zu den Sympathisanten der Emerging Church gehört, hat das Festival besucht und im Blog von Roger Olsen seine Eindrücke publiziert.

Upon returning from the Wild Goose festival, I felt that the festival was, among others things, a blatant attempt to show how well Emergent folks and mainline folks get along (particularly regarding the LGBTQ community) and how they generally have the same enemies (conservative evangelicals). (Typologies are not necessarily helpful, but they will have to do here). If Emergent folks initially sought to bring together the evangelical emphases of conversion, scripture and discipleship with the progressive emphases of social justice, inclusion, and theologically progressive approaches to Christian doctrine (which, we must admit, often amounts to a covert denial of many traditional forms of those doctrines), then the question is: have Emergent folks succeeded in transcending the evangelical-progressive division in American Protestantism. Have they formulated a holistic theological approach able to include the benefits of both sides and jettison the negative aspects? Some may question whether this is actually the goal of Emergent folks. If this is not their goal, at least peripherally, then my personal understanding of being involved with the Emergent conversation is perhaps questionable. But more importantly, if this is not at least a tertiary goal, then my question is: why haven’t Emergent folks joined the mainline denominations? Why have the negatives of evangelicalism been so easy to describe and virulently rebuke, while the negatives of the mainline denominations have barely shown up in Emergent concerns? Another way to ask this question would be: Why hasn’t the Emergent critique of evangelicalism’s involvement with the American nation-state and it’s tendency toward creating theologically exclusive boundaries not found root in a critique of Mainline denominations, whose political interests also conflate the church with nation-state interests? Yet another way to ask this question might be: Why do post-liberals (e.g. The Ekklesia Project) look so different from liberals yet nothing like evangelicals, while post-evangelical Emergents look alot like liberals?

…

It could be the failed attempt to reduce theological claims to social justice claims, which forces us to ask exactly what the doctrines of the church, the Trinity, the Incarnation and the Resurrection accomplish, other than pithy symbols used to advance left-wing forms of American democracy. The critique could be the loss of Christian uniqueness within American religious and political culture that suffers from a spiritually amalgamate ethos that can be summarized by a phrase made in Paul Knitter’s Wild Goose talk: »I love Buddha and Jesus, but I still go home to Jesus.«

Es lohnt sich, den gesamten Beitrag zu lesen: www.patheos.com.

Horton: Missionale Gemeinde oder neues Mönchtum? (Teil 3)

»Zur Kirche gehen« oder »Kirche sein«?

Wenn wir Reich Gottes bauen, indem wir »Evangelium leben«, dann hat es durchaus Sinn, nicht länger zur Kirche zu gehen. Dann könnten wir unser Jüngersein vor Ort leben oder in nachbarschaftlichen Hilfsprojekte investieren. Willard merkt dazu an: »Es ist ein tragischer Fehler, zu denken, Jesus habe uns kurz vor seiner Himmelfahrt sagen wollen, wir sollten – nach modernem Verständnis – Gemeinden gründen … Er wollte vielmehr, dass wir ›Brückenköpfe‹ oder Operationsbasen für das Reich Gottes bauen, wo immer wir auch sind … Die äußerlichen Auswirkungen eines Lebens in Christus bedeuten eine andauernde, moralische Revolution, die solange geht, bis der Plan mit der Menschheit auf Erden vollendet ist.« Die Frage an echte Jünger muss daher lauten: »Werdet ihr eure Kirchen verlassen, um zu seiner Gemeinde zu werden?«

Kimball drückt es ähnlich aus: »Wir können nicht ›zur Kirche gehen‹, wir sind die Kirche.« Von hier aus zieht Kimball die bekannte Grenzlinie zwischen Evangelisation (Mission) und den Kennzeichen der Gemeinde (Gnadenmittel). Kimball hält die Entwicklung seit der Reformation für falsch:

In ihrem Bemühen, der Bibel zu ihrem Recht zu verhelfen und die gesunde Lehre aufzurichten, definierten die Reformatoren die Kennzeichen einer echten Kirche: Sie ist der Ort, an dem das Evangelium verkündet werden soll, die Sakramente richtig ausgeteilt und die Kirchenzucht ausgeübt werden soll. Diese Kennzeichen haben die Definition von Kirche allerdings im Laufe der Zeit immer mehr verengt: Die Kirche ist jetzt ein »Ort« [an dem sich Leute treffen] und keine »Daseinswirklichkeit« mehr. Der Begriff »Kirche« lässt nun an einen »Ort« denken, »an dem ganz bestimmte Dinge ausgeübt werden« wie predigen und Abendmahl halten.

Ironischerweise wird das Verständnis von Kirche als »›Ort, an dem ganz bestimmte Dinge ausgeübt werden‹ wie predigen und Abendmahl halten« von solchen Autoren dem missionarischen Aspekt gegenübergestellt, obgleich Jesus diese Gnadenmittel selbst als Missionsbefehl eingesetzt hat.
Die Verlagerung von der Evangeliumsverkündigung hin zum Gespräch über das Evangelium als weltveränderndem Werkzeug der Gemeinschaft tritt in den Versammlungen klar zutage. Jones spricht über Jacob’s Well, einer wegweisenden Gemeinschaft der Emerging Church in Kansas-City: »Die Gemeinde hat das klassisch-presbyterianische Heiligtum mit den gebeizten Kirchenbänken und der Chorbühne um die erforderlichen Bildschirme ergänzt und die Kanzel durch eine Musikkapelle ersetzt. Die Redner stehen nicht länger auf der Bühne – die gehört nur mehr den Musikern« (meine Hervorhebung). (Man fragt sich, wovon genau sich diese Gemeinde von den Megakirchen unterscheidet?) Bei den Versammlungen der vorwiegend weißen Zuhörerschaft steht auf einer Seite ein Tisch, auf dem sich ein Zitat des derzeitigen anabaptistischen Theologen John Howard Yoder befindet: »Die sichtbare Kirche ist nicht die Überbringerin der christlichen Botschaft, sie selbst ist die Botschaft.«

Auch Jones’ eigene Gemeinde in Minneapolis (Solomon’s Porch, geleitet von Doug Pagitt) geht vom herkömmlichen Gottesdienst zum Gespräch über: »Es geht darum, das Predigtwesen über Bord zu werfen, das den Protestantismus fünfhundert Jahre lang beherrscht hat«, erklärt er. »Die Predigt wird hier dekonstruiert, auf den Kopf gestellt. Die Bibel gilt uns als ,Mitglied der Gemeinschaft‘, mit dem wir im Gespräch stehen; die gemeinschaftliche Auslegung einer Bibelstelle sprudelt nur so aus dem Leben der Gemeinschaft.« Brot, Traubensaft und Wein werden in einer »lauten Partyatmosphäre angeboten; daneben gibt es noch einen stillen Raum zur Meditation.«

[Aber] dieser Teil des Gottesdienstes steht nicht unter irgend jemandes Leitung … Das Abendmahl wird von verschiedenen Leuten eingeleitet – die eine Woche mit einem Gedicht, ein andermal mit einem Zeugniss über »das, was das Herrenmahl mir bedeutet« und die Woche darauf mit den traditionellen »Einsetzungsworten« aus dem allgemeinen Gebetsbuch. [Danach] setzen wir uns, um die Ankündigungen zu hören. Die Kinder kämpfen inzwischen um die letzten Krümel »Abendmahlsbrot«, meistens Zimtkuchen mit Rosinen, Schokoladenkekse oder ein Hartkäsebrot mit Jalapeño.[Es ist ein ziemliches Durcheinander], aber echter Gottesdienst ist eben eine chaotische Sache. Daraus mache ich keinen Hehl. Es soll gar nicht »anständig und ordentlich« zugehen, sondern chaotisch und nur mit einem Anschein von Ordnung, dafür aber mit großer Freude.

Das ist nun freilich alles nicht neu: Der Pietismus ordnete die Kennzeichen der Kirche, wie sie im Missionsbefehl unseres Herrn definiert sind (Predigt, Sakrament und Kirchenzucht) einer ganzen Reihe geistlicher Disziplinen unter, die Jesus nicht angeordnet hatte; einige Erweckungsbewegungen haben dieser Entwicklung noch Vorschub geleistet. Charles Finney, der berühmt-berüchtigte Erweckungsprediger der »Zweiten großen Erweckungsbewegung«, schrieb, der Missionsbefehl laute einfach: »Geht hin … Wir unterliegen hier keinen bestimmten Vorgehensweisen; es wird keine besondere Form verlangt … Der Auftrag [an die Jünger] lautete einfach, das Evangelium auf die effektivste Weise bekannt zu machen … und dadurch Aufmerksamkeit zu erregen und den Gehorsam einer möglichst großen Zahl von Menschen zu sichern. Niemand kann der Bibel irgendwelche Methoden entnehmen.« Das scheint eine doch recht eigenwillige Auslegung zu sein, da der Missionsbefehl die »Methoden« ganz genau angibt – sie finden sich gleich nach der Aufforderung: »Gehet hin!« Nichtsdestoweniger kam es zu jenen praktischen Ergebnissen der anthropozentrischen Theologie Finneys. Derzufolge ist die Kirche nicht Gottes »Botschaft«, der der Dienst am Wort und die Sakramente anvertraut sind, sondern »eine Gesellschaft von Moralreformern«. Wie Finney brauchen die Erwecker keine besondere Ausbildung für ihre Berufung, da es ja mehr die Taten als die Glaubensbekenntnisse sind, die den Auftrag der Kirche in der Welt vorantreiben. Eine ziemlich »chaotisches« Bestreben, in der Tat. Der katholische Historiker Garry Wills schreibt:

Die Versammlung im Feld setzte den Maßstab für die Qualifizierung zum Dienst: Die Prediger wurden durch den Beifall der Menge bestätigt. Institutionelle Qualifikationen, Reinheit der Lehre und persönliche Ausbildung wurden nicht gebraucht – tatsächlich mussten einige gelehrte Diener Unwissenheit vorspielen. Der Diener wurde von den Laien ordiniert, von den Leuten also, die er bekehrt hatte … Der »do-it-yourself«-Glaube verlangte nach einem »do-it-yourself«-Gottesdienst.

Wills zeigt die Verbindung zwischen Botschaft und Methode auf: Statt Evangelium Christi heißt es nun »gute Werke« – das führt logischerweise zur Erniedrigung der Gnadenmittel Gottes zugunsten einer Methodik innerer oder gesellschaftlicher Wandlung.

Fügen wir die Teile zusammen, dann zeigt sich folgendes: Wie das neue Mönchtum das Evangelium ins Gesetz verwandelt und nicht weiter »zur Kirche geht«, sondern »Kirche ist«, so macht sie aus der versammelten Gemeinde eine versprengte Gemeinde. Oder um eine hilfreiche Kategorie Abraham Kuypers zu bemühen: Die Kirche als Institution verschwindet zugunsten »organischer« Gemeinden. Die Christen sind in dieser Welt zu vielerlei aufgerufen: Sie sollen Eltern, Berufstätige, Bürger, Freunde und Nachbarn sein. Wie alle Menschen, die nach Gottes Bild geschaffen sind, so sind auch die Gläubigen zum Gehorsam gegenüber dem Gebot aufgerufen: Liebe Gott und deinen Nächsten! Die Kirche als Gottes offizielle Botschaft der Gnade jedoch ruft die Menschen von überallher zum Fest. Um eine andere Metapher zu gebrauchen: Die versammelte Gemeinde dient den Einzelnen als »Versalzungsort«; so können wiedergeborene Sünder, die die Vergebung erlangt haben, jede Woche neu als Salz in die Welt »gestreut« werden. Ohne Wort und Sakrament verliert das Salz seine Kraft und ist zu nichts mehr nütze, als dass man es ausschüttet, damit es zertrampelt werde.

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