Praktische Theologie

Zwölf gute Gründe, in der Kirche zu sein

Das Amt für Öffentlichkeitsdienst der Nordelbischen Ev.-Luth. Kirche hat zwölf Gründe, in der Kirche zu sein, zusammengetragen. Nur auf den ersten Blick überraschend: Jesus Christus kommt gar nicht vor. Vom Evangelium und der Sündenvergebung ist nichts zu lesen. Immerhin steht da: „In der Kirche wird die menschliche Sehnsucht nach Segen gehört und beantwortet.“

Hier die zwölf guten Gründe: www.ekd.de.

Die Predigtweise

Adolph Zahn schreibt über die Art, zu predigen:

Für jeden jungen Prediger liegt die Aufgabe vor, sich eine bestimmte Predigtweise anzueignen. Zunächst muß er die Schwierigkeit erfahren, öffentlich einen Vortrag zu halten. Vor andern laut und deutlich, angenehm und bequem anhörbar zu sprechen, ist in Wahrheit nicht leicht. Ein Redner soll alles sein: eine würdige Erscheinung, ein guter Sprecher, dem Weisheit und Wort zu seiner Rechten steht. Als Prediger des Wortes Gottes soll er dann vor allem noch von der Weihe und Kraft des Heiligen Geistes getragen sein.

Gewöhnlich schadet sich der junge Prediger dadurch für sein ganzes späteres Leben, daß er sich im Anfang seiner Tätigkeit eine schlechte Redeweise auswählt. Er kommt in eine Art des Vortrags hinein, die er nicht wieder los wird und die ihm gleich beim ersten Wort, was er spricht, nachteilig ist und mehr oder weniger die Herzen verschließt. Er schreit entweder, oder deklamiert verkehrt, oder ist bald in der höchsten Höhe, bald in großer Tiefe, redet zu leise oder in falschem Pathos – nun jedermann weiß, was es hier für eine Menge von Fehlern gibt. Auf den Universitäten haben wir ja keine genügende Anleitung für den öffentlichen Vortrag. Diese wichtige Sache ist hier sehr vernachlässigt. Man ist sich und seiner Selbsthilfe überlassen. Anfangs war ich auch in eine ganz wunderliche Redeweise hineingeraten, aber die Notwendigkeit, mit nur kurzer Vorbereitung und sehr oft hintereinander sprechen zu müssen, machte mich natürlich und frei, und das blieb mir für immer. Es wurden mir folgende Sätze wichtig: 1) Der Prediger soll so sprechen, wie er im gewöhnlichen Verkehr redet: einfach, natürlich, ungesucht; 2) er soll nicht meinen, auf der Kanzel einen besondern Ton und Klang suchen zu müssen; nichts ist dem Zuhörer unerträglicher, als Unnatur und Unwahrheit; 3) er meide alles Pathos, wenn er nicht durch die Bedeutung des Gegenstandes und die Wärme seiner Empfindung zu einem Pathos ganz von selbst fortgetrieben wird; Pathos ermüdet den Hörer; 4) er sei in seinen Gestikulationen sparsam und fahre weder über die Höhe des Kopfes hinaus noch greife er allzusehr in die Tiefe; besser wenig oder gar nicht zu gestikulieren, als oben ein bewegliches Zerrbild zu sein. Die tollste Gestikulation, die ich einmal sah, war die, daß der Prediger ganz bis an den Rand der Kanzel hinabtauchte und dann wieder hinaufschnellte. Auch bei den Gestikulationen gibt die natürliche Einfachheit und Wahrheit das rechte Maß und braucht der Prediger nicht vor dem Spiegel seine Studien zu machen.

Bei Licht und Recht (siehe hier) gibt es den empfehlenswerten Beitrag „Aus dem Leben eines reformierten Pastors“ von Adolph Zahn: Aus_dem_Leben_eines_reformierten_Pastors.pdf.

Fähig, das Wort zu predigen

David Jackman, mehrfacher Redner auf E21-Konferenzen, hat das zweite Modul in einer Videoserie zur Predigtlehre veröffentlicht. Ich kann beide Module sehr empfehlen. Zur Videoserie schreiben die Herausgeber (nur in englischer Sprache):

The purpose of this series of videos and accompanying manuals is to put resources into the hands of those who long, under God, to train up a new generation of faithful and effective Bible preachers.

Topics include: the nature and necessity of revelation, interpretation and application; apostolic priorities and practice; contemporary challenges in the culture and the church; careful reading and thoughtful analysis of Scripture; watching your life and doctrine; the Word of Christ dwelling in us richly.

This course helps you to train others to acquire and develop the necessary practical tools and skills to expound the Bible’s message. This includes both the preparation of the text and the presentation of the preaching, so as to connect that message to our contemporary cultures. The course seeks also to motivate the preacher to progress and perseverance, through spiritual encouragement, not only to be a skilled workman, but also to be maturing as a humble servant, whom God can use.

The combination of video teaching and downloadable materials for further discussion and practice exercises make this a flexible resource for training groups.

There is a worldwide need for the Word of God to be proclaimed and for Christians to be more deeply rooted in its truth. That is the heartbeat of Equipped to Preach the Word.

Hier der Trailer zum Kurs:

Das Manual für Teilnehmer des Kurses gibt es auch: EPWTraineeManual.pdf. Hier geht es zur Internetseite: proctrust.org.uk.

David Jackmans Booklet „Eine Gemeinde für das 21. Jahrhundert?”kann hier heruntergeladen oder bestellt werden: www.evangelium21.net.

T. Keller: Gefahren für den geistlichen Dienst

Timothy Keller editTim Keller, Hauptpastor der Redeemer Presbyterian Church in Manhattan (USA), hat über drei Gefahren des geistlichen Dienstes gesprochen. Stefan Beyer hat freundlicherweise die Hauptgedanken in deutscher Sprache zusammengestellt:

  1. Die erste Gefahr ist die des intellektuellen Stolzes und der Selbstgenügsamkeit.
  2. Als zweite Gefahr, vor der niemand gefeit ist, benennt Keller die Versuchung, die eigene Identität mit dem Dienst und der Gemeinde zu verbinden.
  3. Schließlich weist Keller auf eine besonders tückische Gefahr hin. Es ist die Gefahr der Professionalität. In der Bibel wird durchweg betont, daß es Gott nicht auf den äußeren Schein ankommt, sondern auf den Zustand des Herzens.

Hier der vollständige Vortrag:

 

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Kinderkram

Hanniel hat sich Bibeln und christliche Medien für Kinder genauer angeschaut und dabei festgestellt, dass sich neben einer übertriebenen Visualisierung eine verniedlichende Sprache breit gemacht hat.

Leider folgen viele Medien für Kinder – neben den Kinderbibeln sind insbesondere die Hörspiele und die Lieder zu nennen – dem Trend der Säkularisierung. Biblische Begriffe werden vermieden. Das heisst, sie werden gar nicht mehr genannt oder mit anderen, allgemeinen ersetzt. Statt „Jesus“ steht dann einfach „Gott“. Nun wissen wir, dass dieser Begriff sehr beliebig geworden ist. Unter „Gott“ ist fast jede menschliche Vorstellung zu fassen. „Sünde“ wird ebenfalls nicht mehr genannt, sondern allenfalls „Fehler“ (also etwas, das zwar auf der horizontalen Ebene Nachteile bringt, aber immer korrigierbar bleibt). Statt „Gemeinschaft“ wird die „Freundschaft“ – der Kreis der bevorzugten Ansprechpartner anstelle der korrigierenden und schützenden Familie und Kirchgemeinde – stark betont. Die Liebe als unbedingte Zuwendung egal von der Vorgeschichte wird sehr betont (er will dich; er nimmt dich an, wie du bist) zulasten der Heiligkeit (Gerechtigkeit, Reinheit). Die Erfahrung eines zukünftigen Gerichts verschwindet ebenfalls. Stattdessen wird über die unmittelbaren Konsequenzen gelehrt (warum jemand nicht lügen soll). Ein Gott, der dich will, dir gute Freunde schenkt, der immer online ist und bei dem auch Ausrutscher problemlos durchgehen: Das ist grob gesagt das „fromme“, von der Säkularisierung eingefärbte Bild.

Mehr: hanniel.ch.

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Zweifelhafte Therapeutisierung

Es gibt sie, die unglaublich umsichtigen und klugen Psychologen, die mit bewundernswerter Menschenkenntnis und -liebe Erschöpfte oder Traumatisierte begleiten. Heute las ich den Bericht eines Psychologen, der als Mitarbeiter von „Ärzte ohne Grenzen“ in Kriegsgebieten und Krisenregionen Menschen mit enormen psychischen Beschwerden unterstützt hat (Krieg, Kultur und Psyche, NERVENHEILKUNDE 6/2016, S. 375–377).

Unumwunden beschreibt er die Folgen von Kriegsstress:

Die Folgen des Krieges sind häufig belastender als die Erfahrung selbst. Krieg kann Flucht, Vertreibung und den Verlust der Heimat bedeuten; ein jahrelanges Dahinvegetieren in Flüchtlingslagern, ohne Beschäftigung und ohne eine vernünftige Perspektive für das weitere Leben. Krieg reißt Familienverbände auseinander, die für Schutz, Versorgung und Identität standen. Krieg bedeutet Armut, Zunahme von sexueller und häuslicher Gewalt sowie Betäubung mit Alkohol und Drogen – manchmal mit billigen und giftigen Haushaltschemikalien wie Klebstoffen oder Schuhputzmitteln. Traumatisierung als punktuelles Ereignis ist nicht das Hauptproblem. Weit mehr Menschen leiden unter dem scheinbar niemals endenden Stress des Überlebens unter widrigen Bedingungen, der sich in Form von Angst, Misstrauen, Niedergeschlagenheit, Verzweiflung, Grübeln, Schlafstörungen und Schmerzen zeigt.

Wahrscheinlich muss man es selbst durchgemacht oder eben in diesen Gebieten gearbeitet haben, um zu verstehen, was für Qualen das sind. Das ist mit vielen seelischen Wehwehchen, die wir hier haben, nicht vergleichbar.

Besonders interessant finde ich, was für persönliche Konsequenzen der Psychologe aus seinen Erfahrungen gezogen hat. Er musste feststellen, dass die klassischen diagnostischen Kriterien und Krankheitsbilder (ICD/DSM) in diesen Gebieten nicht mehr greifen. Sein Fazit:

Durch meine Arbeit in Krisengebieten hat sich mein Leben verändert. Meine langjährige Begeisterung für Psychotherapie ist weitgehend erloschen. Manche unserer Probleme erscheinen mir nicht mehr so bedeutsam. Seelisches Leiden bei uns zuhause sehe ich jetzt oft als Epiphänomen der Postmoderne mit ihrem nicht einlösbaren Versprechen von Glück, Authentizität und Selbstverwirklichung. Unendliche, Wahlmöglichkeiten in fast allen Lebensbereichen und die Angst vor falschen Entscheidungen fördern Selbstzweifel und Ambivalenz. Die zunehmende Therapeutisierung der Gesellschaft in unserer Kultur erlebe ich als problematisch. Zwischen Mobbing, Burnout Trauma, Anpassungs-, Bindungs- und Persönlichkeitsstörungen, Depression und Suchtverhalten, scheint der Lebensraum für Normalität immer geringer zu werden. Zum Leben gehörende Krisen und Konflikte erfahren durch Diagnosen, neue Krankheitsmodelle und der Interaktion mit Behandlern eine professionalisierte Aufwertung, die vielleicht nicht immer hilfreich ist.

Das Verständnis psychiatrischer Kränkheitsbilder erscheint mir – ohne Berücksichtigung des soziokulturellen Hintergrundes – unvollständig. Werte und Normen, Individualisierung, Wohlstand, Religiosität sowie soziale Strukturen einer Gesellschaft bilden nicht nur den Kontext in dem psychiatrischer Erkrankungen klassifiziert werden, sondern sie sind auch Teil ihrer Entstehung.

Einfach klasse!

VD: CJ

R. Bohren: Lachen und Weinen

Rudolf Bohren schreibt (Dem Worte folgen, 1969, S. 100–101):

In der Nachfolge Jesu lebt die Gemeinde als Seelsorgerin nicht ein entrücktes Dasein, sondern kennt sich als ein wissendes Stück der versöhnten Welt, nimmt in der Nachfolge Jesu teil an der Lust und am Weh der Welt Sie steht unter der Mahnung: »Freuet euch mit den Fröhlichen, weinet mit den Weinenden« (Röm 12,15). Die Gemeinde weiß zwar um die Kürze der Zeit, die das Lachen und Weinen relativiert (1Kor 7,29 f); aber sie wird deshalb nicht gemahnt, das laute Lachen der Welt zu temperieren. Sie wird ausdrücklich zuerst zum Mitlachen und dann auch zum Mitweinen aufgerufen, d.h. sie soll teilnehmen, herzlich teilnehmen an den Freuden und Leiden der Kreatur. Nur im Mitlachen und Mitweinen, im Mitfühlen mit den Weltkindem kann die Gemeinde ihr Amt der Seelsorge ausüben. Gerade dies haben wir in der Kirche weithin verlernt, daß es eine Seelsorge des Mitlachens gibt. »Schmunzeln ist auch eine Gnade, von der leider die Theologen nicht schreiben.«

Der perfekte Einstieg

Bernard N. Howard ist ein jüdischer Nachfolger von Jesus Christus. Er und seine Frau Betsy bereiten sich auf eine Gemeindearbeit in Manhattan (New York, USA) vor und lieben es, jüdischen Freunden von dem Messias Jesus zu erzählen. In einer Besprechung stellt er ein Buch vor, dass ihm dabei sehr geholfen hat:

Beim Lesen von Randy Newmans Buch Engaging with Jewish People: Understanding Their World, Sharing Good News (dt. etwa: Mit Juden ins Gespräch kommen: Ihre Welt verstehen, ihnen die Gute Nachricht bringen) erinnerte ich mich an meine bisher einzige Erfahrung als Prophet. Eine Freundin sollte an einer Mädchenschule in Hampstead (London, GB) einen Vortrag über Jesus halten. Sie hatte gehört, dass eine der jüdischen Schülerinnen teilnehmen wollte. So rief sie mich – einen Juden, der an Jesus glaubt – an, um herauszufinden, wie dieses Mädchen wohl auf den Vortrag reagieren würde. Ich sagte ihr: „Sie wird gleich im Anschluss zu dir kommen und sagen: ‚Jesus hat nicht das getan, was der Messias tun soll.‘“ Noch am Vortragstag rief ich abends meine Freundin an, da ich wissen wollte, wie es gelaufen ist. In ihrer Stimme vernahm ich eine Mischung von Respekt und Hochachtung. Das Mädchen war tatsächlich direkt im Anschluss an den Vortrag zu ihr gekommen. Und sie sagte exakt die Worte, die ich vorausgesagt hatte.

Mehr: www.evangelium21.net.

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Alistair Beggs Predigtvorbereitung

Alistair Begg ist ein Prediger, dem ich gern zuhöre. Das liegt nich nur an seiner rauen Stimme, sondern an der Art und Weise, wie er seine Bibeltexte auslegt. Er spricht mit Klarheit und verliert selten den Kontakt zum Bibeltext.

In diesem kleinen Video erklärt Begg, wie er seine Predigten vorbereitet:

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„Die Juden zuerst“

Ulrich Parzany und Matthias Lohmann haben die EKD-„Erklärung zu Christen und Juden als Zeugen der Treue Gottes“ kommentiert. Parzany schreibt:

An dem Beschluss der jetzigen EKD-Synode in Magdeburg wird deutlich: Die evangelischen Kirchen haben ein großes Problem, das auch die aufwendigen Feiern zum Reformationsjubiläum nicht verdecken können. Ihre Synoden fassen Beschlüsse gegen klare Aussagen der Bibel. Luther hat geschrieben: „Ich will, dass die Schrift allein Königin sei.“ In den evangelischen Kirchen wird diese Königin entmachtet. Das führt zur geistlichen Selbstzerstörung dieser Kirchen.

Aus erneut gegebenem Anlass erinnere ich evangelische Christen an die wichtigste Bekenntnisschrift der Reformation, das „Augsburgische Bekenntnis“ (1530), auf das fast alle Pfarrer vereidigt werden. Darin heißt es in Artikel 28 ausdrücklich: „Wo das geistliche Regiment etwas gegen das Evangelium lehrt oder tut, haben wir den Befehl, dass wir ihm nicht gehorchen“.

Matthias Lohmann kommentiert:

Wenn die EKD in ihrer Erklärung zur Judenmission unter Punkt 3 vermerkt: „Die Tatsache, dass Juden dieses Bekenntnis nicht teilen, stellen wir Gott anheim. Auf dem Weg der Umkehr und Erneuerung haben wir von Paulus gelernt: Gott selbst wird sein Volk Israel die Vollendung seines Heils schauen lassen (vgl. Röm 11,25 ff)“ offenbart dies, mit welcher Leichtfertigkeit biblische Wahrheiten heute verdreht werden. Eben dieser Apostel Paulus, Autor des Römerbriefes, war es doch, der bei seinen Missionsreisen zuerst in die Synagogen ging, um dort die Juden zum Glauben an den verheißenen Messias aufzurufen.

Liebe Christen! In Demut, mit Mut, Phantasie und Dringlichkeit, wollen wir die Menschen – egal ob Juden, Heiden oder Namenschristen – mit den Worten aus 2. Korinther 5, Vers 20 aufrufen: „Lasst Euch versöhnen mit Gott.“ Lasst uns Menschen fröhlich zu Christus rufen und dabei das Kreuz hochhalten. Nur das Kreuz hat die Kraft, Sünder zu retten. „Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist’s eine Gotteskraft“ (1. Kor 1,18).

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