Syst. Theologie

Bekannter Evangelikaler sympathisiert mit »Ja« zur gleichgeschlechtlichen Ehe

James Jones, Bischof von Liverpool, hat seine sexualethischen Überzeugungen geändert und plädiert für eine »menschlichere Pastoraltheologie«. Zur neuen Linie gehört die kirchliche Unterstützung für ein zivilrechtliches »Ja« zur gleichgeschlechtlichen Ehe. Brisant an der Sache: Jones, übrigens ein Förderer von Steve Chalke’s transformativen Theologie, steht der Evangelischen Allianz sehr nah.

Hierhier und hier mehr dazu.

ProLifeMarsch in Brüssel

Am Palmsonntag, also am 28.03.2010, findet anlässlich des 20. Jahrestagung der Gesetzeseinführung für straffreie Abtreibung in Belgien um 14:30 Uhr ein internationaler ProLifeMarsch in Brüssel statt. Weitere Informationen zu dem Marsch gibt es hier: www.28march2010.be.

»Jugend für das Leben Deutschland« e.V. plant, einen Bus nach Brüssel zu mieten. Es sind Busstopps in Münster und Köln angedacht. Es würde sich um eine einfache, kostengünstige Tagestour ohne Übernachtung handeln, morgens hin und abends zurück. Wer Interesse hat, kann eine unverbindliche eMail schreiben und weitere Informationen einfordern.

VD: TP

EU-Parlament fordert ungehinderten Zugang zu Abtreibung

Einen »ungehinderten Zugang zu Verhütung und Abtreibung« fordert das Europäische Parlament. Es verabschiedete am 11. Februar mit 381 Ja- und 253 Nein-Stimmen bei 31 Enthaltungen einen Initiativbericht zur Gleichstellung von Frauen und Männern. Die sozialdemokratische EU-Abgeordnete Jutta Steinruck begrüßte das Ergebnis als wichtigen Sieg:

Die Rechte der Frauen, einschließlich das Recht auf Abtreibung und Empfängnisverhütung, sind heute entscheidend gestärkt worden.

Männer und Frauen sollten auf die sprachliche Kodierung achten: »Recht auf Abtreibung«. Das Gefälle ist eindeutig:

  1. »ist strafbar« (Abtreibungen sind in Deutschland auch seit der Neuregelung im Jahr 1995 grundsätzlich noch strafbar.)
  2. »ist erlaubt« (Im Bewusstsein der Bürger ist etwas, das praktisch kaum bestraft wird, erlaubt.)
  3. »ein Recht auf Abtreibung haben«.

Kommt irgendwann die Verpflichtung zur Abtreibung dazu, sollten verbindliche gemachte pränatale Untersuchungen auf eventuelle Behinderungen des Kindes hinweisen? Armes Europa!

Mehr dazu hier und hier: www.kath.net.

Warum ist Sex etwas Besonderes?

Jeffrey Olen und Vincent Barry fragen in ihrem Buch Applying Ethics: A Text with Readings:

Warum sollte Sex nicht wie jede andere Aktivität behandelt werden? Warum sollten wir es als moralisch einwandfrei betrachten, mit jemandem Tennis zu spielen, den wir nicht lieben, aber als unmoralisch, mit jemandem Sex zu haben, den wir nicht lieben? Warum sollten wir es als moralisch einwandfrei betrachten, mit einer Per- son des gleichen Geschlechts Mittag zu essen, aber als unmoralisch, mit der gleichen Person Sex zu haben? Warum sollte es uns erlaubt sein, aus reinem Vergnügen einen Film zu schauen, aber nicht, aus reinem Vergnügen Sex zu haben? Wodurch zeichnet sich Sex aus, dass solche besonderen Regeln dafür notwendig sind?

Mein Kollege Thomas Johnson gibt im MBS Text 145 »Warum ist Sex etwas Besonderes?« eine Antwort: mbstexte145.pdf.

Der »body turn«

Die Genderstudies ordnen sich neu. Der Tagesspiegel interviewte die Münchner Soziologin Paula Villa und neben inzwischen traditionalisierten Argumenten lassen sich Zugeständnisse finden, die noch vor wenigen Jahren als sektiererisch gegolten hätten:

Nach wie vor ist Butler eine ganz zentrale Autorin, aber ich denke, dass die große Zeit der Butler-Euphorie vorbei ist. Butler war ein Fall von Hegemonie, alle mussten sich auf sie beziehen. Aber es hat natürlich auch vor und neben ihr andere, zum Teil viel differenziertere Ausführungen der »Konstruktionshypothese« gegeben. Inzwischen ist in der Geschlechterforschung anderes wieder viel stärker in den Vordergrund gerückt, etwa die Frage nach Ungleichheit, nach gesellschaftlicher Inklusion, nach ökonomischen Verhältnissen. Das Thema Arbeit beschäftigt uns sehr. Ein wichtiges Theorem ist hier »Prekarisierung«, das heißt das »Prekär«-Werden von Biografien und ganzen Schichten durch unsichere Arbeits- und Lebensbedingungen. Auch die Untersuchung neuer Migrationsprozesse ist Teil der neueren Forschung, immer mit der Frage: Wie ist Geschlecht daran beteiligt?

Oder:

TS: Wie steht es um die Gretchenfrage »Körper« in den Genderstudies? Unter dem Einfluss von Judith Butler hat man den biologischen Aspekt von Geschlecht ausgeblendet. Spielt der Körper in der Genderforschung heute eine andere Rolle?

Es gibt in der Geschlechterforschung den Grundkonsens, dass man nicht naiv von einem angeblich »natürlich« vorhandenen, rein physiologisch bestimmten Geschlecht ausgeht. Dieser Grundkonsens steht weiterhin fest, allerdings in vielen Schattierungen. Inzwischen haben verschiedene Fachdisziplinen wie Geschichtswissenschaft, Kulturwissenschaft oder Soziologie aber geradezu einen »body turn« vollzogen. Leitend ist derzeit die Frage, wie und wovon der Körper regiert, beherrscht und geformt wird. So untersuchen wir die Entgrenzung der Medizin. Ehemals medizinische Verfahren mutieren heute zu Wellness und Lifestyle. Der Schönheitsboom – oder das, was da Schönheit genannt wird – macht ehemals Medizinisches zu einer Sache von Kosmetik, etwa in der plastischen Chirurgie. Und das wiederum betrifft die Gestaltbarkeit des geschlechtlichen Körpers. Der Körper wird also vor allem in Hinsicht auf das diskutiert, was man heute »Biopolitik« nennt. Das heißt, was ehemals emanzipatorische Selbstermächtigung war – den Körper in die eigene Hand zu nehmen –, das wird heute zunehmend zu einem Gebot der Optimierung.

Hier das Interview: www.tagesspiegel.de.

Wie wir in Zukunft sterben werden

Petra Thorbrietz erwartet langfristig eine Legalisierung der Sterbehilfe:

Sterbehilfe wird die Sterbebegleitung an vielen Stellen ablösen. Euthanasie wird für mehr Menschen … nicht mehr Tötung bedeuten, sondern Erlösung aus einem immer längeren Leben voller chronischer Krankheiten, vielleicht auch aus Einsamkeit. Das mag schockieren, doch die Zeichen sprechen eine deutliche Sprache.

Was wir aber wirklich brauchen, so Thorbrietz, ist die persönliche Zuwendung auch um Alter:

Die Betreuung am Lebensende wird sich weiter professionalisieren, das ist gegenüber dem heutigen Stand erst mal positiv. Doch diese Entwicklung ist überwiegend an körperlichen Symptomen orientiert. Wer mehr will – Ansprache, soziale Unterstützung, Sinngebung – muss dafür vielleicht demnächst gezielte Vorsorge treffen, mit speziellen Versicherungen für das Lebensende oder genossenschaftlichen Fürsorgekonzepten. Was wir bewahren sollten, ist das, was hinter organisierter und professionalisierter Zuwendung steht – die Bereitschaft und die Offenheit für das, was entsteht, wenn Menschen füreinander da sind, zum Beispiel in der Hospizbewegung. Der Begegnung mit dem Tod können wir nicht ausweichen, schon gar nicht in Telefonhäuschen. Auch wenn wir manchmal versucht sind, den Hörer einfach aufzulegen.

Hier mehr: www.focus.de.

Puritanische Lust

Edmund Leiters schreibt in seinem bemerkenswerten Buch:

Zumindest in einer Hinsicht hat sich Weber [gemeint ist Max Weber] völlig getäuscht. Der Puritanismus ist zutiefst von einer Ethik beseelt, die weltbejahend ist. In ihrer Philosophie der Ehe, eines der wichtigsten Lebensbereiche für den Puritanismus, fordern Prediger und Theologen die spontane Freude, die sexuelle Befriedigung und das Vergnügen aneinander. Sie bejahen den inneren Wert des Vergnügens und der Erquickung, die Ehegatten einander spenden können. Aus ihrer Sicht müssen diese Freuden nicht durch einen weitergehenden spirituellen Zweck gerechtfertigt werden, wenngleich die Ehe für sie spirituelle Ziele besitzt; die Freuden der Ehe sind Güter an sich, die dem natürlichen menschlichen Bedürfnis nach Gesellschaft und Liebe entsprechen. Der Puritanismus kann daher nicht als eine durch und durch asketische Religion gelten.

Recht hat Weber dagegen, was die Forderung der Puritaner nach gründlicher Selbstdisziplin angeht. Puritanische Prediger forderten in allen Lebensbereichen – Ehe, Arbeit, Politik, Familie, Krieg – eine auf die Schaffung konstanter und verläßlicher Motive gerichtete, systematische Selbstdisziplin. Dies galt ebenso für die Liebe zum Ehegatten wie für die beim Genuß von Reichtum und irdischen Gütern zu übende Zurückhaltung. Der Ruf nach moralischer Beständigkeit hatte in der Tat immer dann asketische Konsequenzen, wenn man der Meinung war, daß die Freuden der Welt einer Preisgabe der Selbstdisziplin und der moralischen Stetigkeit gleichkamen. Die Hauptströmung des Puritanismus sah in der ehelichen Sexualität keine Gefahr für die moralische Beständigkeit; vielmehr sah sie in ihr eine bemerkenswerte und gelungene Harmonie der sinnlichen, moralischen und spirituellen Bande.

Junia, die erste Apostelin?

Seit Jahren wird nicht nur in der akademischen Welt über eine Person, die lediglich in einem Grußwort des Paulus im 16. Kapitel des Römerbriefes erwähnt wird, gestritten: Junia(s). Wer einmal in der eigenen Gemeinde sich mit der Frage nach dem Lehramt der Frau auseinandergesetzt hat, wird Befürworter der Frauenordination antreffen, die Junia für die erste gemeindeleitende Apostelin halten, gewiss aber auch Kritiker, die Junias für einen Mann halten. Und so wird eine Randperson der neutestamentlichen Briefliteratur zum Zankapfel nicht nur der Theologen sondern auch der Gemeinde insgesamt.

Daniel Dangendorf vom Blog Theologia et Musica hat eine exegetische Studie über Röm 16,7 geschrieben.

Das ist Grund genug, der Thematik exegetisch zu begegnen. In Röm 16,7 stoßen etliche exegetische Probleme aufeinander, die hier nacheinander diskutiert werden sollen. Ist Junia(s) Mann oder Frau? Sind Andronikus und Junia(s) selbst Apostel? Wenn ja, was meint die Bezeichnung Apostel an dieser Stelle? Diese und ähnliche Fragen müssen zuerst geklärt werden, bevor man sich einer ethischen Perspektive widmet. Was lässt sich ethisch aus Röm 16,7 ableiten? Diese Frage soll im Rahmen dieser Hausarbeit ebenfalls abschließend gestellt werden und es ist notwendig, diese Frage zu stellen, da Junia(s) so gerne in der Diskussion um die Frauenordination als Fallbeispiel gebraucht wird. Bei der Diskussion wird insbesondere auch die Publikation von Eldon Jay Epp Junia, the first Woman Apostle, Fortress: Minneapolis, 2005 mit berücksichtigt.

Die exegetische Studie kann hier herunter geladen werden: mbstexte140.pdf.

Warum brauchen wir eine reformierte Theologie?

R. Scott Clark hat sich kürzlich mit Mike Horton darüber unterhalten, ob wir auch heute noch Systematische Theologie brauchen. (Die reformierte Dogmatik von Professor Horton wird im Herbst 2010 erwartet). Mike spricht ausführlich über seine Entdeckung der reformatorischen Rechtfertigungslehre und seinen holprigen Weg zur reformierten Theologie, für die er auch in diesem Gespräch leidenschaftlich wirbt.

Hier der Podcast (ca. 35 Minuten): 10.05.09Horton.mp3.

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