Syst. Theologie

Merkmal der sexuellen Identität in das Grundgesetz aufnehmen

Die SPD-Fraktion möchte das Merkmal der sexuellen Identität in das Grundgesetz einfügen. Dazu hat sie einen Gesetzentwurf (17/254) vorlegt. Nach den Vorstellungen der Fraktion soll Artikel 3 (»Gleichheit vor dem Gesetz«) nach den Wörtern »wegen seines Geschlechtes« einen entsprechenden Formulierung enthalten.

In einer Pressemitteilung des Deutschen Bundestages dazu heißt es:

Die Sozialdemokraten schreiben unter anderem, Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender, transsexuelle und intersexuelle Menschen seien in unserer Gesellschaft auch heute noch Anfeindungen, gewaltsamen Übergriffen und Benachteiligungen ausgesetzt. Gesetzliche Diskriminierungsverbote hätten zwar die rechtliche Situation der Betroffenen deutlich verbessert. Ein ausdrückliches Verbot der Diskriminierung aufgrund der sexuellen Identität im Grundgesetz schaffe jedoch eine klare Maßgabe für den Gesetzgeber. Es stehe für das deutliche Bekenntnis, dass Gesichtspunkte der sexuellen Identität eine ungleiche Behandlung in unserer Gesellschaft unter keinen Umständen rechtfertigen könne.

Francis Schaeffer in TIME und SPIEGEL

Wer Leben und Werk von Francis und Edith Schaeffer kennenlernen möchte, sollte sich das Buch Wahrheit und Liebe zulegen. Die Dokumentation mit ihren 267 Seiten lädt ein, sich mit dem christlichen Apologeten Francis Schaeffer auseinanderzusetzen und von ihm zu lernen.

Interessant und schneller zu haben sind noch zwei andere Dokumente über das Ehepaar Schaeffer und das Studienzentrum L’Abri.

Am 11. Januar 1960 hat das Nachrichtenmagazin TIME einen Artikel über Pastor Francis Schaeffer publiziert. Der Text kann hier eingesehen werden: http: www.time.com.

Am 16. Mai 1983 hat Peter Brügge für den SPIEGEL einen (ziemlich polemischen) Beitrag über Schaeffer veröffentlicht.

Mit ihr unterm Arm entschlüsselt sich Rev. Schaeffer die Künstler des Abendlandes von Michelangelo bis Antonioni. Zu ihr hin sieht er junge Aussteiger streben in ihrer verzweifelten, auch ihn bewegenden Suche nach Sinn. Er wisse, sagt er, was ihnen fehle: der absolute Maßstab, was gut ist und was böse. Den glaubt er in der Bibel abermals entdeckt zu haben, etwas ausgebleicht von Jahrhunderten abendländischer Skepsis und Ratio. Für Francis A. Schaeffer ist die Schrift wieder Gottes Wort. In fast 1500 auf Tonband abrufbaren Predigten und Vorlesungen, in bislang 22 Büchern, in Filmen und Fernseh-Shows, vor Mächtigen und Schmächtigen, besonders aber vor der studentischen Jugend sendet er in milder Besessenheit aus, was für ihn und Amerika und den Rest der Christenheit daraus folgt: Widerstand gegen die zentrifugale Dynamik der Aufklärung, bevor sie das letzte Quentchen biblischer Orientierung aus allem herausgeschleudert hat. »Die großen glorreichen Freiheiten“, sagt Dr. Schaeffer, »beginnen unsere Gesellschaft in Stücke zu treten.« Es ist sein liebstes Thema, wie eine Infektion des Christenglaubens durch die Verstandeskeime der Antike das alles verursacht habe und wie früh. Seit dem Ausbruch der Renaissance werfe sich der Mensch in prometheischem Do-it-yourself zum Maß aller Dinge auf, und die Folgen davon sehe man ja. In Florenz wurde neben Michelangelos »David« ein Gerüst aufgeschlagen, damit, auf einer Ebene mit ihm, Francis A. Schaeffer Amerika vor einer Filmkamera den hier bereits mustergültig versteinerten Übermut faustdick erklären konnte. Es ist sein Verfahren, ganze Epochen auf ein ihn bestätigendes Bild, ganze Philosophien auf das Format eines Kalenderspruchs zu reduzieren. Dieser David, sagt der Mann mit der Bundhose, sei nicht mehr der David der Schrift, drum sei er auch nicht mal beschnitten. Und was für Hände der habe! Welche übermenschlichen Formate in beinahe jeglicher Hinsicht! »Hier stand der Humanismus“, lehrt Dr. Schaeffer, »in seinem ganzen Stolz.« Dies ist für ihn der herrlichste Beleg der hochfahrenden Illusion, es könne der Mensch, was er nur wolle, auch machen und sich »ganz allein aus der Natur losreißen“.

Der SPIEGEL-Artikel kann hier gelesen und als PDF-Datei herunter geladen werden (links): www.spiegel.de.

The Conservative-Christian Big Thinker

The New York Times hat vor einigen Tagen ein Feature über den derzeit wohl größten konservativen Denker in den U.S.A. veröffentlicht. Der brillante Juraprofessor Robert P. George (Princeton University) ist in die Fußstapfen von Richard Neuhaus getreten (siehe hier) und als bekennender Katholik einer der Hauptverantwortlichen für die »Manhattan Declaration«. Hier der Artikel aus The New York Times: www.nytimes.com.

Paul Edwards hat in einer Radiosendung ausführlich mit Professor Robert George über die »Manhattan Declaration«, das Naturrecht, die Heilige Schrift und viele andere Themen gesprochen. Ein Mitschnitt der Radiosendung kann hier als mp3-Datei herunter geladen werden.

Das äußerst hörenswerte Gespräch beginnt ab der 24. Minute. Wer thomistische Argumente (also theologisch-philosophische Argumente in der Tradition von Thomas von Aquin) für den Schutz der Familie und das Leben kennenlernen oder vertiefen möchte, sollte sich das Gespräch anhören.

Was ist das Evangelium?

Klaus Bockmühl hat vor vielen Jahren einen Aufsatz mit dem Titel »Das Evangelium in der Begegnung mit dem Menschen unserer Zeit« geschrieben. Ein Absatz in diesem Text ist so aktuell, dass ich ihn hier gern zitiere (Bockmühl-Werk-Ausgabe, Bd 2, S. 125–126):

Jesus steht im Mittelpunkt des Evangeliums vom Reich. Denn er bringt das Reich, er verwirklicht die Herrschaft Gottes. Mit ihm tritt die sehnlich erwartete allgemeine Tendenzwende ein: »Christus hat dem Tod die Macht genommen und das Leben und ein unver- gängliches Wesen ans Licht gebracht durch das Evangelium« (2. Tim 1,10). Jesus eröffnet den Menschen neu den Zugang zu Gott und versöhnt sie mit ihm. Er ist der Mittler, er »erlöst die, die durch Furcht des Todes im ganzen Leben Knechte sein mußten« (Hebr 2,15). Er bewirkt, daß wir »Kinder Gottes heißen sollen, und wir sind es« (1. Joh 3,1). Er heilt die Verwundeten, er entreißt die Men schen dem Schicksal der Vergeblichkeit und Sinnlosigkeit. Das Werk Christi, Christus »mitsamt all seinen Wohltaten« (Calvin) ist der Inhalt der guten Botschaft. Wenn wir doch nur wieder anfingen, Jesus und sein Werk zu verkündigen, statt alles mögliche andere! Dies muß heute, in einer Zeit der Moralisierung, der Ethisierung des Christentums, wieder betont werden: Im Zentrum des christlichen Glaubens steht Evangelium, steht die gute Botschaft: »Es ist vollbracht.« Das Evangelium ist nicht in erster Linie eine neue Pflichtenlehre. Gewiß, es hat eine Aufgabe für den erlösten Menschen, einen Auftrag, der dazu mithilft, seinem Leben Würde und guten Sinn zu geben, die Mitarbeit am Werk Gottes selbst, die Bewässerung der Wüste in Natur und Menschenwelt, die Erhaltung des gefährdeten und die Heilung des verletzten Lebens. Aber dieser Auftrag, mit Gott zu arbeiten, ist nur zu verstehen auf der Basis der Versöhnung, der Freundschaft mit Gott, ja der Kindschaft Gottes. Ohne die Gottesfreundschaft, ohne »Schritte zur Mitte«, ohne die Voraussetzung des Evangeliums als Evangelium fehlte es uns an der Kraft zu lieben.

Schreibt J.I. Packer eine Systematische Theologie?

Warren Cole Smith hat für das WORLD Magazine (Dec 5, 2009, Vol. 24, No. 24) ein Feature über den 80 Jahre alten J.I. Packer verfasst. Er äußert sich dort kurz zu seinem Wunsch, eine Dogmatik zu hinterlassen. Es heißt:

… Aber ein Buch fehlt im Kanon Packers: eine Systematische Theologie. Er unterrichtete viele Jahre Systematische Theologie am Regent College (Vancouver, Kanada), so hat er sicherlich schweres Material für so ein Werk vorliegen. Wird das Buch noch kommen? »Ich habe einen Plan«, sagte Packer. »Aber möglicherweise fehlt mir nötige Zeit. Ich würde der Welt gern eine Theologie hinterlassen, die sowohl katechetisch als auch verbindlich ist. Aber wir müssen sehen, was Gott auf Lager hat.«

Packer hat im Gespräch zudem drei hilfreiche Ratschläge »aus dem Arm geschüttelt«:

To new husbands: My advice to a new husband is nothing more than »husbands, love your wives.« And »love your wife as Christ has loved the church.« Never forget that you are Christ’s representative in serving your wife.
To new pastors: You have three priorities: teach, teach, and teach. Evangelical churches are weaker than we realize because we don’t teach the confessions and doctrine. Set new standards in teaching. Understand the word catechesis, and practice that art.
To web devotees: I’m amazed at the amount of time people spend on the internet. I’m not against technology, but all tools should be used to their best advantage. We should be spending our time on things that have staying power, instead of on the latest thought of the latest blogger—and then moving on quickly to the next blogger. That makes us more superficial, not more thoughtful.

Hier die Quelle: www.worldmag.com.

Theologie der Anfechtung

Anfang des 20. Jahrhunderts (nachzulesen bei Helmut Thielicke, Theologie der Anfechtung, 1949, S. 1):

Einige Studenten, die Adolf v. Harnack bei einem Umzuge behilflich waren, fragten ihn, an welcher Stelle seiner Bibliothek sie die dogmatischen Bücher aufbauen sollten. Harnack antwortete: »Stellen Sie sie zur schönen Literatur!«

Anfang des 21. Jahrhunderts:

Einige Studenten, die Antonius Emergentus bei einem Umzuge behilflich waren, fragten ihn, an welcher ›Location‹ sie die dogmatischen Bücher aufbauen sollten. Emergentus antwortete: »Stellen Sie sie zur historischen Theologie!«

Sie galt als lebensunwert

Claus Peter Müller hat einen bemerkenswerten Text gegen das Vertuschen und Vergessen der Euthanasie-Morde im »Dritten Reich« geschrieben:

Stogniew, geborene van Hasseln, wurde am 13. Februar 1941 in der Heilanstalt Hadamar vergast. Ihr Leichnam wurde verbrannt. Keiner weiß, was mit ihrer Asche geschah. Ihre Sterbedaten wurden von den Behörden systematisch gefälscht, um das Verbrechen zu vertuschen. Das war in Hadamar so, aber auch in den anderen fünf Tötungsanstalten Bernburg, Brandenburg, Grafeneck, Hartheim und Pirna. Von Januar bis August 1941 trieben die Nationalsozialisten kranke Menschen wie Frau Stogniew als »lebensunwert« unter ärztlicher Aufsicht in Gaskammern. Nach dem Mord wurden den Toten die Goldzähne aus dem Kiefer gebrochen, und einzelne Leichname wurden untersucht, wenn die Autopsie interessante medizinische Erkenntnisse versprach. Am 24. August 1941 stoppte Hitler die Tötungsaktion, nachdem der Bischof von Münster, Graf von Galen, in einer Predigt den Mord an den ursprünglich Schutzbefohlenen als solchen benannt hatte. Mehr als 70.000 Kranke waren den Ärzten im Dienst des NS-Systems bis dahin schon zum Opfer gefallen.

Hier mehr: www.faz.net.

Die »Manhattan-Erklärung« auf Deutsch

Freundlicherweise hat das Institut für Ethik & Werte die »Manhattan-Erklärung« übersetzt. In der Präambel heißt es:

Heutige Christen sind Erben einer zweitausendjährigen Tradition. Zum Inhalt dieser Tradition gehören die Verkündigung von Gottes Wort, das Streben nach sozialer Gerechtigkeit, Widerstand gegen Tyrannei sowie der karitative Einsatz zugunsten der Armen, Unterdrückten und Leidenden.

Im vollem Bewusstsein, dass christliche Gemeinschaften und Institutionen über die Jahrhunderte oft versagt haben und unvollkommen geblieben sind, machen wir uns das Erbe der Christen zu eigen, die sich für unschuldiges Leben einsetzten, indem sie ausgesetzte Säuglinge von den städtischen Müllhalden des Römischen Reiches retteten und dessen Duldung des Kindermords öffentlich anprangerten. Wir gedenken mit Ehrfurcht der Gläubigen, die während der Pest in den Städten blieben, um sich um Kranke und Sterbende zu kümmern, oder lieber mutig in den Arenen starben als ihren Herrn zu verleugnen.

Im Mittelalter waren es die christlichen Klöster, die nicht nur die Heilige Schrift, sondern auch die abendländische Literatur und Kunst bewahrten. Christen waren es, die das Übel der Sklaverei bekämpften. Päpstliche Erlasse im 16. und 17. Jahrhundert verurteilten den Sklavenhandel und exkommunizierten die Händler. Evangelikale Christen wie William Wilberforce bewirkten das Verbot des Sklavenhandels in Großbritannien und gründeten karitative Vereine zur Unterstützung der Armen, der Häftlinge und der Opfer der Kinderarbeit, die oft an Maschinen gekettet wurden.

Es waren Christen, die in Europa das Königtum von Gottes Gnaden angefochten haben und sich erfolgreich Rechtsstaatlichkeit und Gewaltenteilung erkämpften, um moderne Demokratie überhaupt zu ermöglichen. In den Vereinigten Staaten waren Christen unter den ersten Frauenrechtlerinnen. Die große Bürgerrechtsbewegung der 1950 und 1960er Jahre wurde von Christen angeführt, die sich auf die Heilige Schrift beriefen und den Adel aller Menschen als Gottes Geschöpfe ungeachtet Rasse, Religion oder Rang bekräftigten.

Die gleiche Sorge um die Würde des Menschen hat im vergangenen Jahrzehnt Christen dazu geführt, gegen entmenschlichende sexuelle Ausbeutung und Menschenhandel anzugehen, sich um Aids-Opfer in Afrika zu kümmern sowie sich vielfältig für Menschenrechte einzusetzen, ob für sauberes Trinkwasser in den Entwicklungsländern oder für Heime für Abertausende von Kindern, die Krieg, Seuchen oder Geschlechterdiskriminierung zu Waisen gemacht hatten.
Wie unsere Vorgänger im Glauben sind Christen heute dazu berufen, das Evangelium der kostbaren Gnade zu verkündigen, die wahre Menschenwürde zu schützen und für das Gemeinwohl einzustehen. Bleibt die Gemeinde ihrer Berufung in die Nachfolge Jesus Christi und den Dienst ihrer Mitmenschen treu, vermag sie einen weitreichenden Beitrag zum Gemeinwohl zu leisten.

Die autorisierte deutsche Ausgabe kann hier herunter geladen werden: Manhattan_Declaration_German.pdf.

Höllenstrafe oder Annihilation?

stottInterview.jpgMehrmals hatte ich das Vorrecht, den in Großbritannien sehr einflussreichen Theologen John Stott persönlich näher kennenzulernen. Ziemlich genau vor 10 Jahren durfte ich ihn zusammen mit einem netten Redaktionsteam sogar interviewen (siehe Foto). Von jeder einzelnen Begegnung habe ich enorm profitiert!

1988 hat Stott eher nebenbei in einem Buch darauf hingewiesen, dass er die Vorstellung einer ewigen Höllenstrafe ablehnt. Mit seinem provisorischen Bekenntnis zur so genannten annihilationistischen Position (von lat.: annihilatio, »das Zunichtemachen«), nach der die Unbußfertigen keine ewige Strafe erleiden, sondern vernichtet werden, entfachte John Stott eine weltweite Debatte. Besonders die evangelikalen Theologen Großbritanniens führte die Kontroverse in eine schmerzhafte Zerreißprobe (bei der übrigens Phillip E. Hughes und Michael Green die Sichtweise von Stott verteidigten).

1991 hielt auch Prof. J.I. Packer im Rahmen der aufreibenden Auseinandersetzung in Cardiff einen Vortrag über die Bestimmung des Menschen. Packer verteidigte dankbarer Weise die traditionelle reformatorische Position entschieden.

Martin Downes, damals ein interessierter Jugendlicher im Alter von sechzehn Jahren, hat den Vortrag gehört und inzwischen einen damals erworbenen Tonträger digitalisiert. So können wir auch heute die hervorragende Vorlesung von Packer hören.

Hier kann die Datei herunter geladen werden: www.emw.org.uk.

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