Wissenschaft

Alles an mir ist von dir, Gott

VM Holcomb AamivdG Webseite Mockup01 1080xSexueller Missbrauch ist in unserer gefallenen Welt ein großes Thema. Leider auch in den Kirchen. Viele Institutionen und Gemeinden haben im Laufe der letzten Jahre Schutzkonzepte eingeführt. Das ist eine gute Sache. Doch wenn man sich auf die Suche nach Materialien begibt, die dabei helfen sollen, sexueller Gewalt vorzubeugen, merkt man schnell, dass nicht alles für den Einsatz in christlichen Einrichtungen geeignet ist. Oft sind in den Arbeitshilfen Vorstellungen und Handlungsanweisungen zu finden, die sich mit einer christlichen Sexualerziehung nicht vereinbaren lassen.

Es gibt Ausnahmen. So hat die Christliche Jugendpflege in Zusammenarbeit mit dem ChristusForum eine hilfreiche Broschüre für die kirchliche Jugendarbeit herausgegeben.

Und der Verlag Verbum Medien hat kürzlich Alles an mir ist von dir, Gott veröffentlicht. Das Kinderbuch von Justin und Lindsey Holcomb hilft vor allem Eltern, mit ihren 3- bis 7-jährigen Kindern darüber zu sprechen, wie sie sich vor Übergriffen schützen können. Durch eine behutsame Sprache und ansprechende Illustrationen werden die Eltern dabei unterstützt, mit den eigenen Kindern über die sensiblen Körperzonen zu sprechen, ohne dabei ungesunde Scham und Unsicherheit zu provozieren. Ausgehend von der Wahrheit, dass Gott auch den Leib geschaffen hat, lernen die Kinder ihren Körper wertzuschätzen und dabei angemessene von unangemessenen Berührungen zu unterscheiden.

Der Anhang enthält Hinweise, die sich direkt an die Eltern wenden. Die Tipps ermutigen dazu, auch über sensible Themen zu sprechen. Sie führen zugleich auch vor Augen, wie wichtig es manchmal ist, Grenzen zu setzen. Das Buch wird so zu einer wertvollen Handreichung und hilft, Kinder vor sexueller Gewalt zu schützen.

Alles an mir ist von dir, Gott kann hier bestellt werden: verbum-medien.de.

Die beiden Hauptpunkte im Programm der heutigen Pädagogik

Sigmund Freud schrieb 1927 in Zukunft einer Illusion:

Verzögerung der sexuellen Entwicklung und Verfrühung des religiösen Einflusses, das sind doch die beiden Hauptpunkte im Programme der heutigen Pädagogik, nicht wahr?

Freud hat es geschafft, die Kultur auf den Kopf zu stellen. Denn heute gilt:

Verzögerung des religiösen Einflusses und Verfrühung der sexuellen Entwicklung, das sind doch die beiden Hauptpunkte im Programme der heutigen Pädagogik, nicht wahr?

Wie steht es um die Wissenschaftsfreiheit an den Universitäten?

Die Universität in Hamburg bekräftigt mit elf Thesen die Freiheit der Lehre und der Forschung. Es heißt in dem Kodex (der leider in geschlechtergerechter Sprache verfasst wurde):

Neues Wissen, hinreichend gesichert oder nicht, setzt nicht selten vorhandene Perspektiven, Einstellungen und Praktiken einer Zumutung aus und kann schon deshalb nicht auf jederzeitige und umfassende Akzeptanz zählen. Insofern sind entsprechende Konflikte weder ungewöhnlich noch bedrohlich, sondern gehören zu einer differenzierten und multiperspektivischen Gesellschaft, in der auch die Wissenschaft Rechtfertigungsforderungen ausgesetzt ist. Und nicht selten sieht sich Wissenschaft mit wissenschaftlicher Kritik konfrontiert, etwa bei Fragen der Risikoeinschätzung von neuen Technologien. In einer demokratischen Gesellschaft ist dies legitim. In diesem Sinne ist nicht jeder Konflikt auch schon eine Bedrohung von Wissenschaftsfreiheit, als die er gelegentlich inszeniert wird.

Ungeachtet dessen gibt es gute Gründe, sich einiger Grundlagen zu vergewissern, die für die freiheitliche Ausübung wissenschaftlicher Tätigkeiten von Bedeutung sind. Anlässe dafür gibt es genug. Als Stichworte mögen genügen: Störung missliebiger Vorlesungen oder Seminare, Verweigerung wissenschaftlicher Auseinandersetzung aufgrund von politischen oder religiösen Einstellungen, Ausübung politisch motivierten Drucks auf Wissenschaftler:innen, Delegitimierung wissenschaftlicher Themen oder Gegenstände, die fehlende Bereitschaft, sich mit Vorstellungen und Inhalten, die als unbequem oder bedrohlich empfunden werden, auseinanderzusetzen, aber auch strukturelle, manchmal subtile und informelle Einflussnahme. Solche Praktiken mögen aus wissenschaftsfremder Perspektive kurzfristige Erfolge versprechen; langfristig bedrohen sie aber die Hervorbringung neuen Wissens, das für moderne Gesellschaften unverzichtbar ist.

Der vorliegende Kodex soll mit seinen 11 Kernthesen und deren Erläuterungen die unverzichtbaren Grundlagen von Forschung und Lehre angesichts immer wieder aufkeimender Debatten im Umgang mit Wissenschaft und Wissenschaftsfreiheit verdeutlichen. Er soll den Rahmen der Ausübung der Freiheit verdeutlichen. Die Gewährleistung von Autonomie beinhaltet sowohl die Möglichkeit als auch die Verantwortung ihrer Gestaltung durch ein produktives Zusammenwirken aller Mitglieder der Universität, auch im Sinne des Leitbildes der Universität Hamburg.

„Wenn Selbstverständlichkeiten betont werden müssen, ist die Normalität bedroht“, meint dazu Alexander Kissler in einem Beitrag für die NZZ. Die Wokeness der linken Intellektuellen hat uns wahrlich in eine Krise der Meinungsfreiheit und Forschung geführt. Mehr noch: In eine Krise des Denkens!

Hier geht es zum Kodex Wissenschaftsfreiheit: kodex-wissenschaftsfreiheit.pdf.

Jordan Peterson verlässt seine Universität

Wie sieht die Zukunft der Wissenschaft aus? Jordan Peterson hat sich aus dem Wissenschaftsbetrieb zurückgezogen, weil er keine Freiheit in Forschung und Lehre mehr atmen kann. Mit seinem Abgang schliesst sich Peterson mehreren bekannten konservativen Gelehrten an, die in den letzten Monaten renommierten Universitäten den Rücken gekehrt haben. Markus Schär berichtet für die NZZ:

Und der Psychologe, weltberühmt als streitbarer Intellektueller, spart bei dieser Gelegenheit nicht mit Kritik; er arbeitet sich von der Fehlentwicklung an den Hochschulen bis zum Untergang des Abendlands vor: Die «Trinität der radikalen Linken», also Diversität, Inklusion und «equity» (Egalität), die er genüsslich als DIE abkürzt, zerstöre unsere Zivilisation.

Wegen dieser Doktrin, die an den angelsächsischen Hochschulen herrsche, könne er seine Lehrtätigkeit nicht weiter ausüben, klagt Jordan Peterson. Einerseits könnten seine heterosexuellen weissen Studenten selbst mit brillantem Leistungsausweis kaum auf eine akademische Karriere hoffen, weil sie schlechter qualifizierten Vertreterinnen von Minderheiten unterlägen und «verpönte philosophische Positionen» verträten. Anderseits müssten sich alle Lehrenden und Forschenden auf die DIE-Trinität einschwören lassen, ob im Anti-Bias-Training oder beim Projektantrag: «Alle meine Kollegen (ausser den wahren Gläubigen) lügen, und sie raten ihren Studenten, es auch zu tun.»

Siehe auch die Artikel vonJordan Peterson: „Why I am no longer a tenured professor at the University of Toronto“.

Mehr: www.nzz.ch.

Wissenschaftsfreiheit

Die Gießener Philosophieprofessorin Elif Özmen, die selbst gegenüber dem Interessensbegriff von Peter Singer offen ist, forscht zum Thema Wissenschaftsfreiheit. Im einem Interview mit der FAZ erklärt sie, warum sie in ihren Seminaren keine „Trigger Warnings“ ausspricht und welche Tendenzen an Unis ihr Sorgen bereiten:

Man kann auf empirische Untersuchungen verweisen wie den Academic Freedom Index. Dieser zeigt, dass die Wissenschaftsfreiheit in Deutschland seit den achtziger Jahren auf einem sehr hohen Niveau stabil ist. Andererseits gibt es auch in Deutschland – wie in den USA und Großbritannien – eine Debatte über die Politisierung und Moralisierung der Wissenschaft. Da geht es nicht um harte Beschränkungen durch staatliche Akteure, etwa durch Zensur und Publikationsverbote, sondern um Versuche, Redner auszuladen oder Wissenschaftlerinnen und ihre Forschungsgebiete zu diskreditieren. Für mich ist noch nicht ausgemacht, ob das die Wissenschaftsfreiheit als solche gefährdet oder viel stärker die Funktion der Universität als einen Ort, an dem unterschiedliche Perspektiven entwickelt und kritisch diskutiert werden, an dem wir uns mit Gründen und Gegengründen streiten wollen und dürfen.

Mehr (hinter einer Bezahlschranke): www.faz.net.

Psycho-Revolution

Die Diagnose „Persönlichkeitsstörung“ hat es in sich. Nicht ein besonderer Bereich, sondern die ganze Person gilt dann nämlich als krank und letztlich mehr oder weniger unheilbar. Kritiker meinen: Das sind Schubladen, in die Patienten nicht hineingehören. Das überarbeitete Diagnosehandbuch der Weltgesundheitsorganisation will Persönlichkeitsstörungen in Zukunft deshalb differenziert erfassen. Das ICD-11 hat zum 1. Januar 2022 die bisherigen spezifischen Persönlichkeitsstörungen ganz aus dem Katalog gestrichen. Kein Narzissmus mehr, keine paranoide oder dissoziale Persönlichkeitsstörung. Es gibt nur noch die allgemeine Diagnose: „Persönlichkeitsstörung“.

Martin Hubert hat für den DLF das Thema geschickt aufbereitet. Ich hätte mir gewünscht, dass die Kritiker dieses Einschnitts mehr Raum bekommen hätten, kann aber gut damit leben, dass zumindest Schwächen der „Dimensionale Diagnose“ (so heißt das jetzt) erwähnt werden.

Ich empfehle Seelsorgern, Pastoren und natürlich Psychologen und Therapeuten diesen Beitrag aber nicht, weil ich ein Gegner oder Befürworter der „Dimensionale Diagnose“ bin. Vielmehr macht der Beitrag sichtbar, wie kompliziert das mit psychiatrischen Diagnosen ist und das diese Diagnosen immer auch abhängig sind von der Kultur, in der die Kriterien entwickelt werden (vgl. dazu auch den Beitrag Zweifelhafte Therapeutisierung).

Also hier:

„Genderismus“ als Sündenbock

In dem Aufsatz „‚Genderismus‘ als Sündenbock“ beschwert sich Judith Butler über die zunehmende Kritik an den Gendertheorien (Philosophie Magazin, Sonderausgabe 20, Jan/Apr 2022, S. 18–23, zuerst am 23.10.2022 als „Why is the idea of ,gender‘ provoking backlash the world over?“ im Guardian erschienen).

Sie behauptet dort im Wesentlichen, dass der Treiber des „Antigenderismus“ die Sehnsucht nach autoritärer Herrschaft und Zensur sei. Unter dem Vorwand, dass die Kritiker der Gendertheorien keinen Bildungswillen mitbrächten und kaum dazu bereit seien, sich mit Ansichten auseinanderzusetzen, die ihren eigenen widersprechen, verzichtet sie darauf, inhaltliche Argumente für ihre Behauptung vorzutragen. Dafür macht sie genau das, was sie ihren Opponenten unterstellt. Sie vereinfacht, diffamiert und schablonisiert. Und sie rückt den „Antigenderismus“ in die Nähe des Faschismus. Ausgrenzungen dieser Art verfehlen ihr Ziel selten. Sie zeigen eben auch oft, dass es um sachliche Argumente nicht gut bestellt ist.

Nachfolgend einige Zitate von Judith Butler aus dem besagten Aufsatz:

Die Argumente der Anti-Gender-Bewegung sperren sich gegen eine schlüssige Rekonstruktion, weil es ihren Vertretern nicht unbedingt auf Konsistenz und Kohärenz ankommt. (S. 19)

Auch wenn die Bewegung allgemeiner nationalistisch, transphob, misogyn und homophob ist, besteht ihr Hauptziel in einer Umkehrung der rechtlichen Fortschritte, die die LGBTQI- und feministischen Bewegungen in den letzten Jahrzehnten erkämpft haben. (S. 19)

[Die Vertreter der Gendertheorien] bestreiten nicht, dass es ein biologisches Geschlecht gibt; sie fragen danach, wie Geschlecht durch medizinische und rechtliche Rahmenbedingungen hergestellt wird, wie sich dieser Rahmen historisch verändert hat und welchen Unterschied es für die soziale Organisation unserer Welt macht, wenn das Geschlecht, das wir bei der Geburt zugewiesen bekommen, für das weitere Leben unter anderem in den Arbeits- und Liebesverhältnissen keine vorbestimmende Rolle mehr spielt. (S. 19–20)

Im Allgemeinen stellen wir uns die Zuweisung des Geschlechts als etwas vor, das nur einmal geschieht. Aber was ist, wenn wir es uns als komplexen und revidierbaren Prozess denken? Das heißt über die Zeit revidierbar für diejenigen, die das falsche Geschlecht zugewiesen bekommen haben? Wer eine solche Perspektive einnimmt, stellt sich nicht gegen die Wissenschaft, sondern fragt nur, in welcher Weise Wissenschaft und Recht in die soziale Regulierung von Identitäten eingehen. (S. 20)

Angestachelt von Sorgen vor einem Zusammenbruch der Infrastruktur, Hass auf Migranten und – in Europa – der Furcht, der Unantastbarkeit von heteronormativer Familie, nationaler Identität und weißer Vorherrschaft verlustig zu gehen, suchen viele die Schuld bei der zersetzenden Kraft von Gender, Postkolonialismus und Critical Race Theory. Wenn sich diese Gruppen Gender als Invasion von außen imaginieren, zeigen sie nur zu deutlich, dass sie selbst nationalistisch motiviert sind. (S. 20)

Gleichzeitig nehmen Gegner der „Gender-Ideologie“ Zuflucht zur Bibel, um ihre Ansichten über die natürliche Hierarchie zwischen Mann und Frau und über die je eigenen Vorzüge des Männlichen und Weiblichen zu untermauern (auch wenn fortschrittliche Theologen klargestellt haben, dass diese auf strittigen Lesarten der Bibeltexte beruhen). In Angleichung der Bibel an die Naturrechtslehre erklären sie das zugewiesene Geschlecht zur göttlichen Setzung und tun seltsamerweise so, als stünden heutige Biologinnen und Medizinerinnen im Dienste einer Theologie aus dem 13. Jahrhundert. (S. 22)

Als faschistische Tendenz greift sie vielmehr auf eine ganze Reihe rhetorischer Strategien aus dem gesamten politischen Spektrum zurück, um damit die Angst vor Unterwanderung und Zerstörung, die ganz unterschiedlichen ökonomischen und sozialen Kräften entspringt, auf die Spitze zu treiben. Sie strebt überhaupt nicht nach Konsistenz, denn ihre Stärke speist sich gerade auch aus ihrer Inkohärenz. (S. 22)

[Die Anti-Gender-Ideologie] ist reaktionäre Hetze, ein Bündel aufwiegelnder Widersprüche und inkohärenter Behauptungen und Anwürfe. Sie lebt von genau der Instabilität, die sie einzudämmen verspricht, und ihr eigener Diskurs stiftet selbst nichts als Chaos. Durch eine Flut inkonsistenter und übertreibender Behauptungen rührt sie sich eine Welt diverser unmittelbarer Bedrohungen zusammen, um ihren Ruf nach autoritärer Herrschaft und Zensur zu unterfüttern.

Als faschistische Tendenz unterstützt die Anti-Gender-Bewegung immer stärker werdende Formen des Autoritarismus. Durch ihre Taktiken werden Staaten ermutigt, in Universitätsprogramme einzugreifen, Kunst und TV-Programme zu zensieren, Transpersonen ihre Rechte zu verwehren und LGBTQI aus öffentlichen Räumen zu verbannen, reproduktive Freiheiten einzuschränken und den Kampf gegen Gewalt gegen Frauen, Kinder und LGBTQI- Personen zu untergraben. (S. 23)

Warum ist dieser Beitrag so unsachlich und im Ton herabwürdigend? Zum Teil kann das damit erklärt werden, dass viele Texte von Judith Butler in so einem Stil vorgetragen sind. Sie schreibt mehr als Aktivistin denn als Philosophin. Es könnte aber darüber hinaus der Fall sein, dass sich immer mehr Intellektuelle gegen die oft seltsamen Thesen des Genderaktivismus wehren und die Luft für die vielen Gender-Professorinnen enger wird. Aus Betroffenheit entwickelt sich manchmal Wut.

Alan Sokal (ja, genau der vom Sokal-Skandal, vgl. hier S. 11–16) kommentiert den Aufsatz von Butler sachlich: „Wir unterstützen voll und ganz das Recht aller Menschen, ihr Leben so zu leben, wie sie es wünschen, frei von Gewalt, Belästigung und Diskriminierung. Wir sind jedoch nicht mit der radikalen Idee einverstanden, dass die selbst deklarierte Geschlechtsidentität das biologische Geschlecht für alle rechtlichen und sozialen Zwecke ersetzen sollte.“

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Folgt der Wissenschaft?

Professor Peter Dabrock mahnt in seinem Beitrag „Folgt der Wissenschaft?“ wissenschaftliche Institutionen, nicht leichtfertig für sich in Anspruch zu nehmen, „die Wissenschaft“ zu repräsentieren. Und er erwartet, dass sie sich nicht für politische Interessen verzwecken lassen (FAZ vom 13.12.2021, Nr. 290, S. 6):

Gerade die großen Wissen­schafts­or­ga­ni­sa­tio­nen müssen daran arbei­ten, die von ihren Mitglie­dern erwor­be­nen Repu­ta­tio­nen nicht zu verspie­len. Hier bedarf es eines selbst­kri­ti­schen, nach meiner Wahr­neh­mung noch ausste­hen­den Klärungs­pro­zes­ses. Dazu zählt, dass die Wissen­schafts­aka­de­mi­en, von denen es eben mehr als eine gibt, in der Außen­kom­mu­ni­ka­ti­on stär­ker erken­nen lassen, was ihr Selbst­ver­ständ­nis nach innen schon längst prägt: Sie sind nicht mehr hono­ri­ge Gelehr­ten­ver­samm­lun­gen, sondern Arbeits­aka­de­mi­en. Daher soll­ten sie sich weni­ger als Poli­tikak­teu­re insze­nie­ren als viel­mehr Diskurs­raum bereit­stel­len, in dem auf Grund­la­ge metho­di­scher und fach­li­cher Stan­dards Wissen­schaft betrie­ben werden kann – mit den jeweils gülti­gen Erkennt­nis­sen, mit diskur­si­ver Strit­tig­keit und der daraus dennoch ableit­ba­ren Orien­tie­rung.

Gendern darf benotet werden

Niemand wird gezwungen, in gendergerechter Sprache zu schreiben. Doch der Gebrauch von geschlechtergerechter Sprache darf laut einem Rechtsgutachten unter bestimmten Umständen in die Benotung einer Prüfung einfließen. Die Uni Kassel hat ein Rechtsgutachten dazu in Auftrag gegeben. Die Welt berichtet: 

Erstellt wurde das Gutachten von Rechtswissenschaftler Michael Sachs, ehemaliger Co-Direktor des Instituts für Deutsches und Europäisches Wissenschaftsrecht der Universität Köln. Er kommt zu dem Schluss, dass Gendern zwar nicht als formales Kriterium für eine Prüfungsleistung (wie etwa Rechtschreibung und Grammatik) festgelegt werden soll.

Dozenten dürften geschlechtergerechte Sprache jedoch „zu einem gewissen Anteil“ berücksichtigen, solange es dafür einen fachlichen oder berufsqualifizierenden Bezug gebe, heißt es in der Zusammenfassung des Gutachtens, welche die Uni Kassel am Mittwoch veröffentlichte. Die Bewertung müsse jedoch verhältnismäßig sein und dürfe nicht willkürlich erfolgen, betont Gutachter Sachs darin. Im Zweifel müsse der „Antwortspielraum des Prüflings“ respektiert werden.

Die Universität sieht mit den Ausführungen des Rechtsexperten ihre früheren Einschätzungen zur Bewertung geschlechtergerechter Sprache bestätigt. 

Ich hoffe auf weitere Gutachten, die zu einem anderen Ergebnis führen. 

Mehr hier: www.welt.de.

Karl Marx in Paris

In dem sehr empfehlenswerten Buch Karl Marx in Paris: Die Entdeckung des Kommunismus fand ich einen Abschnitt, in dem Jan Gerber anschaulich beschreibt, wie leichtfertig Karl Marx das Geld anderer Leute ausgegeben hat (Jan Gerber, Karl Marx in Paris, S. 59):

Der sorglose, geradezu leichtsinnige Umgang mit eigenem und fremdem Vermögen sollte zu Marx’ Markenzeichen werden. Auch später lebte die Familie regelmäßig am Rand des bürgerlichen Existenzminimums. Kam Geld ins Haus, dann wurde es innerhalb kürzester Zeit verprasst: Die Familie zog in immer größere Häuser und hielt sich zeitweise zwei Dienstmädchen; Eleanor, Laura und Jenny Marx, die drei Töchter, bekamen Klavier-, Zeichen-, Französisch- und Italienischunterricht.

Anders als vielen Marxisten des 20. Jahrhunderts, denen weniger an der Befreiung des Proletariats als an der Proletarisierung der Befreier gelegen war, ging es Marx, das stellte er schon in den Pariser Manuskripten klar, nicht um die Forderung nach gleichem Elend für alle. In seinen besten Momenten hatte er stattdessen den Lebensstil des untergehenden Adels als Blaupause für eine zukünftige Gesellschaft vor Augen.

VD: RK

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