Zitate

Vom Bedürfnis nach Sinn

Os Guinness schreibt in Von Gott berufen – aber wozu? (Hänssler: 2000, S. 10):201201311155.jpg

In einem frühen Entwurf der Brüder Karamasov von Fjodor Dostojewski gibt der Inquisitor einen erschreckenden Bericht über das, was mit der menschlichen Seele geschieht, wenn sie ihren Sinn anzweifelt: „Denn das Geheimnis des menschlichen Lebens ist es nicht, zu leben …, sondern für etwas Bestimmtes zu leben. Ohne eine fest umrissene Vorstellung davon, wofür der Mensch lebt, wird er das Leben nicht annehmen und wird sich eher zugrunde richten als am Leben zu bleiben …“

P.S. Das wunderbare Buch Brüder Karamasov gibt es für den Kindle hier gratis.

VD: PB

Lady Gaga und der Geist der verstorbenen Tante

Ihre Drogensucht hat der amerikanischen Diva Lady Gaga fast das Leben gekostet. Wie sie in ihrer Autobiographie offenbart, hat schließlich ihre verstorbene Tante sie zurück ins Leben geholt.

„Ich war kein fauler Junkie. Ich wollte unbedingt Künstler sein“, sagt sie. „Ich nahm Demotapes auf und schickte sie los. Zu dem Zeitpunkt habe ich nicht gedacht, dass etwas mit mir verkehrt wäre.“ Erst ein Gespräch mit einem Freund habe ihr deutlich gemacht, in was für einem Sumpf sie steckte, heißt es in dem Buch. Halt habe sie schließlich bei der Schwester ihres Vater gefunden – obgleich diese seit vielen Jahren tot ist. „Ich habe damals begriffen, dass Joanne, die mit 19 Jahren starb, ihren Geist in mich hat fließen lassen. Sie war eine Malerin und eine Poetin – und ich hatte die spirituelle Erkenntnis, dass ich ihr Werk vollenden muss.“ Bis heute ist ihre Tante ihre wichtigste Bezugsperson. Ihr widmete sie sogar ihre „Fame Ball“-Tournee. „Ich habe sie nie getroffen“, räumt Lady Gaga ein, „aber sie ist eine der wichtigsten Personen in meinem Leben.“

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Weltverbesserung als Erziehung des Menschengeschlechts?

Bei der Lektüre eine Aufsatzes von Eberhard Busch habe ich einen grandiosen Absatz über den Ausgang der Föderaltheologie in der historisch-kritischen Theologie gefunden. Busch schreibt im Blick auf die erwartete Weltverbesserung (Ökonomiegedanke) bei G.E. Lessing (Eberhard Busch,„Calvins Lehre vom Bund“, in: M. Hofheinz; W. Lienemann u. M. Sallmann: Calvins Erbe: Beiträge zur Wirkungsgeschichte Johannes Calvins, Vandenhoeck & Ruprecht, 2011, S. 168–181, hier S. 179):

Wer heute einen „Paradigmenwechsel“ zu einem Zeitalter des Geistes ausruft, sollte an Lessing denken. Es zeigt, wie leicht sich der Gedanke von der fortschreitenden Offenbarung in den vom Fortschritt der Menschheit umwandelt. Man wollte zunächst das Rechte sagen, dass sich Gott der Schwachheit des Menschen anpasst. Aber man sagte es in unheilvoller Weise so, dass der Mensch eine Macht zugesprochen bekam, nach der sich Gott richten sollte.

Deutschland: Mehr Wahrsager als Theologen

Michael Thoms schreibt in einer wissenschaftlichen Hausarbeit (Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung ohne Quellenangaben):

Inzwischen sinkt die Zahl der evangelischen und katholischen Theologen deutlich im Gegensatz zu den Wahrsagern. Eine Statistik aus dem Jahre 1998 bezeichnet die Zahlen bei den Theologen auf 35.000, bei den Wahrsagern hingegen auf 90.000. 57 Prozent aller Deutschen lesen Horoskope und machen ihren Tagesablauf und Handlungen davon abhängig. 48 Prozent glauben an Astrologie und halten das für wahr. Abergläubische Handlungen sind im Alltag wieder normal und Menschen vertrauen auf alles, aber nicht mehr auf Jesus Christus. Laut einer Studie von 1996 kommen bei den wichtigsten satanischen Gruppen dreiundzwanzig aus den USA, drei aus Deutschland, eine aus Neuseeland und eine aus Italien.

Nietzsche: Von der Unvernunft des natürlichen Todes

Ulrich Eibach verweist in dem hier erwähnten Vortrag auf Friedrich Nietzsche, der für das selbstbestimmte Sterben plädierte und später auf Pflegehilfe angewiesen war. Hier dazu der passende Aphorismus von Nietzsche:

Der natürliche Tod ist der von aller Vernunft unabhängige, der eigentlich unvernünftige Tod, bei dem die erbärmliche Substanz der Schale darüber bestimmt, wie lange der Kern bestehen soll oder nicht: bei dem also der verkümmernde, oft kranke und stumpfsinnige Gefängnisswärter der Herr ist, der den Punct bezeichnet, wo sein vornehmer Gefangener sterben soll. Der natürliche Tod ist der Selbstmord der Natur, das heisst die Vernichtung des vernünftigen Wesens durch das unvernünftige, welches an das erstere gebunden ist. Nur unter der religiösen Beleuchtung kann es umgekehrt erscheinen: weil dann, wie billig, die höhere Vernunft (Gottes) ihren Befehl giebt, dem die niedere Vernunft sich zu fügen hat.

Biermann: »Im Paradies würde ich vor Langeweile sterben«

DIE ZEIT hat mit dem Bürgerrechtler und Skeptiker Wolf Biermann zum 75. über falsche Hoffnungen gesprochen. Auch der Glaube an Gott kam dabei zur Sprache.

Ich schätze die Denkanstöße des sprachmächtigen Biermann. Diesmal gefällt mir folgendes Zitat besonders gut:

Wenn ich früher einen Pfarrer traf, einen von Gottes Bodenpersonal, dann war mein Gedanke: Ach, dieser arme irrende Mensch. Heute denke ich: Hoffentlich glaubt er wenigstens an Gott. Ich habe gerade ein neues Lied geschrieben, eine Ode an Adam, wo ich mich bei Adam bedanke, dass er damals in den Apfel biss und die Erbsünde beging. Denn im Paradies würde ich vor Langeweile sterben.

Mehr: www.zeit.de.

Augustinus: Vom Ermutigen und ›Dämpfen‹

Aurelius Augustinus (De utilitate credendi, 24):

Es gibt … kaum jemanden, der seine Fähigkeiten richtig beurteilt. Wer sie unterschätzt, muss ermutigt, wer sie überschätzt, muss gedämpft werden, damit der erste nicht an der Hoffnungslosigkeit zerbricht, der zweite nicht tief stürzt durch seine Vermessenheit.

Bonhoeffer: Von der Bedrohung durch die Organisation

Dietrich Bonhoeffer (Widerstand und Ergebung, 1951, S. 190–191):

Natur wurde früher durch die Seele überwunden, bei uns durch technische Organisation aller Art. Das uns unmittelbar Gegebene ist nicht mehr die Natur, sondern die Organisation. Mit diesem Schutz vor der Bedrohung durch die Natur entsteht aber selbst wieder eine neue Bedrohung des Lebens, nämlich durch die Organisation selbst. Nun fehlt die seelische Kraft! Die Frage ist: Was schützt uns gegen die Bedrohung durch die Organisation? Der Mensch wird wieder auf sich selbst verwiesen. Mit allem ist er fertiggeworden, nur nicht mit sich selbst. Gegen alles kann er sich versichern, nur nicht gegen den Menschen.

Die Umkehr des Augustinus

Possidius, ein Schüler des Kirchenvaters Augustin, schreibt in der Biografie über seinen Lehrer  (Vita Augustini, Paderborn: Schöningh, 2005, S. 31):

Und bald gab er alle Begierden nach irdischen Dingen, die er im Innersten seines Herzens noch hegte, auf. Er wollte nun weder Frau noch Kinder des Fleisches (vgl. Rom 9,8), keine Reichtümer und auch keine Ehren dieser Welt. Statt dessen hatte er beschlossen, mit seinen Freunden Gott zu dienen. Er wollte in und aus jener kleinen Herde sein, zu der Christus mit den Worten spricht: Fürchte dich nicht, du kleine Herde. Es hat eurem Vater gefallen, euch das Reich zu geben. Verkauft, was ihr besitzt, und gebt Almosen. Macht euch Beutel, die nicht veralten und einen Schatz im Himmel, der nicht vergeht (Lk 12,32f). Und auch jenes Wort, das wiederum der Herr gesagt hatte, wollte der heilige Mann verwirklichen: Wenn du vollkommen sein willst, dann verkaufe alles, was du hast, und gib es den Armen, und du wirst einen Schatz im Himmel haben. Dann komm und folge mir nach (Mt 19,21). Er wollte auf dem Fundament des Glaubens ein Gebäude errichten, nicht aus Holz, Stroh oder Spreu, sondern aus Gold, Silber und Edelsteinen (vgl. 1 Kor 3,12). Das dreißigste Lebensjahr hatte Augustin überschritten, nur seine sehr an ihm hängende Mutter lebte noch. Sie freute sich über seinen Entschluss, Gott zu dienen, mehr, als wenn er ihr Enkel des Fleisches geschenkt hätte. Sein Vater war schon früher gestorben. Augustin verzichtete nun auch auf seine Schüler, die er als Rhetoriklehrer unterrichtet hatte, und legte ihnen nahe, sich einen anderen Lehrer zu suchen. Denn er selbst war fest entschlossen, Gott zu dienen.

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