Christlicher Hedonismus

Pascal schreibt im 280. Fragment seiner Gedanken: »Wie weit ist es von der Erkenntnis Gottes bis dahin, dass man ihn liebe.« Ich würde mit Blick auf 1Joh 4,18 hinzufügen: »Wie weit ist es von der Furcht Gottes bis dahin, dass man ihn liebe.« Augustinus unterrichtet dazu wunderschön (Vom ersten katechetischen Unterricht, 1985, S. 58):

Wer aber wegen der ewigen Glückseligkeit und der immerwährenden Ruhe, die den Heiligen für die Zeit nach diesem Leben in Aussicht gestellt ist, Christ werden will, damit er nicht mit dem Teufel ins ewige Feuer, sondern mit Christus ins ewige Reich eintritt, der ist wahrhaft ein Christ. In jeder Versuchung ist er auf der Hut, daß das Glück ihn nicht verderbe, das Unglück ihn nicht breche; im Überfluß der irdischen Güter bleibt er bescheiden und maßvoll, in der Bedrängnis tapfer und geduldig. Wenn er sich noch weiter vervollkommnet, kann er zu solcher Glaubensstärke kommen, daß seine Liebe zu Gott größer wird als die Furcht vor der Hölle; sogar wenn Gott zu ihm sagen würde: »Gib dich für immer den fleischlichen Genüssen hin und sündige, soviel du vermagst, und du wirst trotzdem nicht sterben und nicht in die Hölle geworfen, allein bei mir wirst du nicht sein«, würde er entsetzt sein darüber und auch jetzt keine einzige Sünde begehen, aber nicht so sehr aus Angst, dorthin zu stürzen, wovor er sich fürchtete, sondern um dem keinen Anstoß zu geben, den er so sehr liebt. In ihm allein ist die Ruhe, »die kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, und die in keines Menschen Herz eingedrungen ist, die Gott denen bereitet hat, welche ihn lieben«.

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4 Kommentare
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13 Jahre zuvor

[…] ab und zu von der Hölle gebloggt habe, kommt irgendwann die Frage: Und was ist mit dem Himmel? Ron hat ein schönes Zitat von Augustinus aus dessen Werk “Vom ersten katechetischen […]

Johannes Strehle
13 Jahre zuvor

»Wie weit ist es von der Erkenntnis Gottes bis dahin, dass man ihn liebe.«
»Wie weit ist es von der Furcht Gottes bis dahin, dass man ihn liebe.«
So ist es.
Da ich „in der Liebe nicht vollendet bin“ (1Joh 4,18),
treibt mich die Furcht um,
dass die beiden Aussagen fürchter-lich missverstanden werden könnten.
Die Bibel hat zu Liebe, Erkenntnis und „Gottesfurcht“ viel zu sagen,
u.a. zum engen Zusammenhang von Liebe und Erkenntnis.
Ein Zitat zur „Gottesfurcht“:
„Die Furcht (Buber: Fürchtigkeit) Jahwes ist rein
und besteht in Ewigkeit.“ (Lobpreis 19)
Anmerkung der Scofield-Bibel:
„Die ist ein Ausdruck des AT,
der *ehrfurchtsvolles Vertrauen* bedeutet,
das den Hass des Bösen einschließt.“
Nach meiner Erfahrung gibt es heutzutage
zuwenig Gottesfurcht und zuviel falsch verstandene Liebe.

Johannes Strehle
13 Jahre zuvor

Korrektur zur Anmerkung der Scofield-Bibel:
„Die „Furcht des HERRN“ ist …
(Ich hatte Anführungszeichen benutzt,
die die „Furcht des Herrn“ verschwinden ließen …

13 Jahre zuvor

[…] Zitat vom Theoblog (Vom ersten katechetischen Unterricht, 1985, S. 58): Wer aber wegen der ewigen Glückseligkeit und […]

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