Oktober 2009

GEO Epoche: Martin Luther und die Reformation

mittel.jpgIch habe mir das GEO Epoche-Heft zur Reformation kürzlich auf einem Bahnhof gekauft und kann es alles in allem empfehlen. Gelegentlich sind die Informationen etwas ›unscharf‹. Das Heft ist dafür wunderschön gestaltet und eignet sich für eine entspannte Gute Nacht-Lektüre.

Das Heft gibt’s im Kiosk oder kann hier für 9,00 Euro bestellt werden:

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Luther auf dem Reichstag zu Worms

Luther.jpgMartin Luther hatte von der Kirche immer wieder die Widerlegung seiner Lehren aus der Heiligen Schrift gefordert. Das wurde ihm unter Berufung auf frühere Konzilsentscheidungen und die Lehrgewalt des Papsttums allerdings nicht zugestanden. Seine Schriften wurden in der päpstlichen Bulle »Exsurge Domine« vom 15. Juni 1520 verurteilt und so hoffte die Kirche, die Sache sei damit vom Tisch.

Luthers Universität Wittenberg sowie sein Landesfürst, Kurfürst Friedrich der Weise, verteidigten allerdings Luthers Anspruch auf unparteiisches Gehör und eine Widerlegung aus der Heiligen Schrift. Der Kurfürst erlangte beim Kaiser Karl V., der in Worms seinen ersten Reichstag abhielt, dass Luther vorgeladen wurde. Luther wurde dort gefragt, ob er seine von Rom verurteilten Schriften widerrufen wolle. Luther, der damit nicht gerechnet hatte, erbat sich einen Tag Bedenkzeit und entwarf für den 18. April 1521 eine Antwortrede, die ich hier anlässlich des Reformationstages auszugsweise wiedergebe:

Weil ich aber ein Mensch bin und nicht Gott, kann ich meine Schriften nur so verteidigen, wie mein Herr Jesus Christus seine Lehre verteidigt hat. Als er vor Hannas über seine Lehre befragt wurde und ein Diener ihm ins Gesicht schlug, hat er gesagt: »Habe ich unrecht geredet, so beweise, daß es unrecht ist.« (Joh. 18,23). Wenn der Herr selbst, der wußte, daß er nicht irren kann, bereit ist, selbst von einem niederen Knecht ein Zeugnis gegen seine Lehre zu hören, wieviel mehr muß dann ich, der ich ein Nichts bin und nur irren kann, darum bitten und darauf warten, ob jemand gegen meine Lehre Zeugnis vorbringen will. Darum bitte ich durch die Barmherzigkeit Gottes, Eure Majestät, Eure durchlauchtigsten Herrschaften oder wer auch immer es vermag, der Höchste oder der Geringste, wolle Zeugnis geben, die Irrtümer widerlegen, sie mit Propheten- und Evangelienworten überwinden; denn ich werde, wenn ich belehrt worden bin, bereit sein, jeden Irrtum zu widerrufen, und meine Bücher als erster ins Feuer werfen.

Daraus geht, so meine ich, hervor, daß ich die aus Anlaß meiner Lehre in der Welt entstandenen Gefahren, Zwietracht und Streitigkeiten, deretwegen ich gestern ernst und streng ermahnt worden bin, wohl im Auge gehabt und erwogen habe. Für mich ist es allerdings der allererfreulichste Anblick, wenn ich sehe, daß um des Wortes Gottes willen Eifer und Streit entstehen. Denn das ist der Lauf, das Geschick und der Ausgang des Wortes Gottes, wie der Herr sagt: »Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert; denn ich bin gekommen, einen Menschen mit seinem Vater zu entzweien« usw. (Matth. 10,34 f.) Darum müssen wir bedenken, wie wunderbar und schrecklich unser Herr in seinen Plänen ist, damit nicht das, was zur Beilegung von Streitigkeiten unternommen wird – wenn wir damit anfangen, das Wort Gottes zu verurteilen –, vielmehr zu einer Sintflut unerträglichen Übels führt. Man müßte dann Sorgen haben, daß die Regierung dieses jungen edlen Fürsten Karl (auf den sich nächst Gott viel Hoffnung richtet) unglücklich werden könnte. Ich könnte das an vielen Beispielen der Schrift vom Pharao, vom König von Babylon und von den Königen Israels zeigen, die sich dann am meisten zugrunde gerichtet haben, wenn sie mit den weisesten Ratschlüssen ihre Reiche befrieden und befestigen wollten. Denn Er ist es, der die Klugen in ihrer List fängt und Berge zu Fall bringt, ehe sie es merken (Hiob 5,13; 9,5). Darum bedarf es der Furcht Gottes. Ich sage das nicht, weil so hochgestellte Persönlichkeiten der Belehrung und Ermahnung durch mich bedürften, sondern weil ich meinem Deutschland den gehorsamen Dienst, den ich ihm schulde, nicht vorenthalten darf. Damit befehle ich mich Eurer Majestät und Euren Herrschaften. Ich bitte demütig, es nicht zuzulassen, daß der Eifer meiner Gegner mich ohne Grund bei ihnen in Ungnade stürzen läßt. Ich habe geredet.

Luther wurde nach diesen Worten vorgehalten, er habe nicht zur Sache geredet und ihm stehe nicht zu, Konzilienentscheidungen in Zweifel zu ziehen. Man erwartete von ihm keine »gehörnte«, sondern eine einfache Antwort. Der Reformator antwortete:

Wenn Eure Majestät und Eure Herrschaften denn eine einfache Antwort verlangen, so werde ich sie ohne Hörner und Zähne geben. Wenn ich nicht durch Schriftzeugnisse oder einen klaren Grund widerlegt werde – denn allein dem Papst oder den Konzilien glaube ich nicht; es steht fest, daß sie häufig geirrt und sich auch selbst widersprochen haben –, so bin ich durch die von mir angeführten Schriftworte überwunden. Und da mein Gewissen in den Worten Gottes gefangen ist, kann und will ich nichts widerrufen, weil es gefährlich und unmöglich ist, etwas gegen das Gewissen zu tun. Gott helfe mir. Amen.

Die Konversion vom Islam zum Christentum kann etwas kosten

Der SWR hat in einem kurzen aber guten Beitrag dokumentiert, wie schwer das Leben für Muslime (auch in Deutschland) werden kann, wenn sie ihren Glauben wechseln.

Der Mittschnitt des Beitrags »Abendmahl statt Ramadan – Muslime, die zum Christentum konvertieren, leben gefährlich« wird derzeit in der ARD-Mediathek angeboten, kann aber auch bei Youtube eingesehen werden: www.youtube.com.

Der unübliche Ausgang eines Banküberfalls

Heute wurde unweit von unserem Wohnsitz eine Bank überfallen. Der Räuber ist noch auf der Flucht.  Anstoß, auf einen anderen Überfall hinzuweisen, der recht unüblich ausfiel. Gott sei Dank!

Sky News hat darüber wie folgt berichtet: www.youtube.com.

Ehemaliger Hassprediger ruft zu Gewaltverzicht auf

Überraschende Wandlung eines Hasspredigers: Mohammed al-Fasasi, einst Imam an der Hamburger Kuds-Moschee, hat sich nach Informationen des SPIEGEL vom Terrorismus losgesagt. Der Bekannte dreier Todespiloten des 11. September 2001 lobt in einem spektakulären Brief die Religionsfreiheit in Deutschland. SPIEGEL online schreibt:

Mohammed al-Fasasi hat offenbar der Gewalt abgeschworen. Der marokkanische Prediger, der in seiner Heimat wegen der Anschläge in Casablanca 2003 zu 30 Jahren Haft verurteilt wurde, wendet sich in einem Schreiben, das dem SPIEGEL vorliegt, an alle Muslime in Deutschland und bekennt darin, er habe sich »vergaloppiert« und sei »über das Ziel hinausgeschossen« …

Nun schreibt Fasasi: »Deutschland ist kein Kampfgebiet«. Jeder Einwanderer habe einen Vertrag mit dem deutschen Staat, den es einzuhalten gelte. In Deutschland herrsche »tatsächliche Religionsfreiheit, wie es sie in vielen islamischen Ländern nicht gibt«. Dass allein »in Hamburg 46 Gebetsräume« existierten, sei ein Beweis für die Toleranz des deutschen Staates gegenüber den Muslimen, »weil es in keinem islamischen Land eine vergleichbar große Zahl von Kirchen in einer Stadt gibt«.

Nach Informationen des SPIEGEL kursiert inzwischen Fasasis Brief auf Arabisch und Deutsch in deutschen Moscheegemeinden.

Hier die vollständigen Meldungen: www.spiegel.de und www.spiegel.de.

Verrückende Psychoanalyse

51i+RByWQqL._SL160_.jpgDer Philosoph Christoph Türcke hat das Neue Testament psychoanalytisch gelesen (da ist er wahrlich nicht der erste) und die Ergebnisse seiner Lektüre in einem eigenen Buch veröffentlicht.

Alan Posener schreibt in WELT ONLINE über das Buch:

Folgendes :

Der Philosoph Christoph Türcke behandelt das Neue Testament als eine Art Traumerzählung; erst durch eine Psychoanalyse des Textes werde das eigentlich Gemeinte sichtbar. Das krankt wie jede Psychoanalyse daran, dass immer herauskommt, was der Analytiker will. Türcke will die Geschichte eines Traumas erzählen: Weil Jesus vom geliebten Johannes dem Täufer, seinem geistig-geistlichen Vater, verstoßen worden sei, habe er eine »Obsession« entwickelt, den Täufer zu übertrumpfen und das Reich Gottes herbeizuzwingen.
Ein typischer »Beweis« sieht so aus: Der Evangelist Johannes spricht von einem Lieblingsjünger, der er selbst sein soll. Das sei, so Türcke, »ein historisch ganz unglaubhaftes Konstrukt«. Aber »man muss es nur ein klein wenig verrücken, und schon schießt historische Wahrheit daraus hervor«: nämlich dass der »Lieblingsjünger Johannes« eine »Deckerinnerung« sei. Und zwar dafür, dass Jesus einst »der Lieblingsjünger des Johannes« gewesen sei – des Täufers.

Naja.

Kann Wahrheit trennen?

Martin Luther:

Es ist besser, durch die Wahrheit voneinander getrennt zu werden, als durch Irrtum vereinigt zu sein.

Fundamentalismus als Geschäftsidee

Als ich 1983 für ungefähr fünf Monate beim 21. Evangelischen Kirchentag in Düsseldorf mitarbeitete, hieß der Präsident des Kirchentags Wolfgang Huber. Wenn ich an diese Zeit zurückdenke, kann ich nur bestätigen, was viele denken und sagen: Bischof Huber hat erkannt, dass sich die Zeiten geändert haben und die Kirche ein »kantiges« Profil braucht, wenn sie nicht in der Bedeutungslosigkeit versinken möchte.

Nicht allen gefällt, dass Huber einen Kurswechsel eingeleitet hat:

Der Chef der evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber, tritt ab. Er war seit 2003 im Amt und leitete einen Kurswechsel mit dem Ziel der »Neuevangelisierung Deutschlands« ein. Das Programm ist streng fromm und konservativ: Missionieren für Jesu Christ und eine Offensive gegen den »Vormarsch des Islam«. Die neue Gangart gegen den Islam wurde mit Huber die Generallinie der gesamten evangelischen Kirche. In vielen wichtigen Institutionen sitzen sogenannte »Islam-Experten«. Huber bezeichnete den konsensorientierten Dialog seiner Vorgänger als »Multireligiöse Schummelei« (SPIEGEL vom 17.12.01), »idealisierende Multi-Kulti-Stimmung« (FOCUS vom 22.11.04) und wandte sich gegen »die Islamisierung Deutschlands«: »Natürlich wünsche ich mir keine Islamisierung unseres Landes.« (Cicero, Juni-Ausgabe 2008). Unter Hubers Regie wurden die Evangelikalen (protestantische Fundamentalisten) in den Schoß der Kirche aufgenommen und ihre Massenspektakel (Pro Christ) unterstützt. Wie in der katholischen Kirche dürfte der konservativ-missionarische Kurs wohl auch in der evangelischen Kirche weitergehen. Im folgenden Artikel wird der Kurs Hubers nachgezeichnet und die evangelikalen Strukturen und ihr Einfluss behandelt.

Es lohnt sich, den ganzen Beitrag von Indymedia aufmerksam zu lesen: linksunten.indymedia.org.

Unterscheidung zwischen Islamkritik und Fremdenfeindlichkeit

Das Institut für Islamfragen der Deutschen Evangelischen Allianz hat eine Unterscheidung zwischen Kritik am Islam und Fremdenfeindlichkeit angemahnt. Eine »berechtigte Sorge um den politischen Anspruch des Islam« dürfe nicht zum gesellschaftlichen Tabu erklärt werden, so die Islamwissenschaftlerin Christine Schirrmacher.

Es sei notwendig, zwischen »legitimer Kritik an der Ideologie eines politischen Islam« und an »Integrationsdefiziten« einerseits und pauschaler Ablehnung aller Muslime andererseits zu unterscheiden, sagte die Islamwissenschaftlerin anlässlich des am Montag eröffneten Prozesses um den entsetzlichen Mord an Marwa el-Scharbini.

Nach Schirrmachers Einschätzung fördert der inflationäre und unscharfe Gebrauch des Begriffs der Islamophobie und die Delegitimierung jeglicher islamkritischer Äußerungen als Rassismus und Hass auf den Islam nicht den Abbau tatsächlich vorhandener Sorgen und Ängste vor dem politischen Anspruch des Islam, sondern sei vielmehr geeignet, die notwendige offene gesellschaftliche Diskussion im Keim zu ersticken.

In einer Pressemitteilung heißt es weiter:

Die Befürworter einer gesellschaftlichen wie gesetzlichen Ächtung der Islamophobie verstricken sich nach Einschätzung von Schirrmacher zudem in einen inneren Widerspruch, wenn sie vermeintlich pauschalisierende und undifferenzierte Betrachtungsweisen des Islam verhindern wollten, indem sie bestimmte Aussagen pauschal und ohne Prüfung ihrer jeweiligen Begründung als islamophob abstempelten und damit ignorierten, dass die Sorge vor einem zunehmenden Einfluss von islamistischen wie jihadistischen Bewegungen von einer großen Anzahl säkular bzw. liberal eingestellter Muslime geteilt würde. Als mahnendes Beispiel für eine derart falsch verstandene religiöse und kulturelle Toleranz nannte Schirrmacher die Rücknahme einer Studie des Berliner Zentrums für Antisemitismusforschung von 2003, die belegt hatte, dass antijüdische Gewaltakte in Europa nicht mehr nur von »angestammten« Rechtsradikalen, sondern zunehmend auch von meist jugendlichen radikalen Islamisten begangen werden. Die »Europäische Stelle zur Beobachtung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit« hielt die eigens in Auftrag gegebene Studie mit der Begründung zurück, dass sie Islamophobie fördern könne. Eine derart ängstliche Selbstzensur, die davon ausginge, dass Muslime stets nur als Opfer wahrgenommen werden dürften, stellt nach Einschätzung von Schirrmacher Menschenrechte wie die Meinungs- und Presse- sowie die Wissenschaftsfreiheit infrage.

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