Januar 2010

Auf den das Los fällt

Der neue serbische Patriarch Irinej hat Kosovo zum »heiligen Land« seiner Kirche erklärt. Er gilt als gemässigt. Das Losglück hätte auch einen nationalistischen Scharfmacher an die Spitze der serbisch-orthodoxen Kirche bringen können.

Hier der informative Artikel von Elena Panagiotidis: www.nzz.ch.

Puritanische Lust

Edmund Leiters schreibt in seinem bemerkenswerten Buch:

Zumindest in einer Hinsicht hat sich Weber [gemeint ist Max Weber] völlig getäuscht. Der Puritanismus ist zutiefst von einer Ethik beseelt, die weltbejahend ist. In ihrer Philosophie der Ehe, eines der wichtigsten Lebensbereiche für den Puritanismus, fordern Prediger und Theologen die spontane Freude, die sexuelle Befriedigung und das Vergnügen aneinander. Sie bejahen den inneren Wert des Vergnügens und der Erquickung, die Ehegatten einander spenden können. Aus ihrer Sicht müssen diese Freuden nicht durch einen weitergehenden spirituellen Zweck gerechtfertigt werden, wenngleich die Ehe für sie spirituelle Ziele besitzt; die Freuden der Ehe sind Güter an sich, die dem natürlichen menschlichen Bedürfnis nach Gesellschaft und Liebe entsprechen. Der Puritanismus kann daher nicht als eine durch und durch asketische Religion gelten.

Recht hat Weber dagegen, was die Forderung der Puritaner nach gründlicher Selbstdisziplin angeht. Puritanische Prediger forderten in allen Lebensbereichen – Ehe, Arbeit, Politik, Familie, Krieg – eine auf die Schaffung konstanter und verläßlicher Motive gerichtete, systematische Selbstdisziplin. Dies galt ebenso für die Liebe zum Ehegatten wie für die beim Genuß von Reichtum und irdischen Gütern zu übende Zurückhaltung. Der Ruf nach moralischer Beständigkeit hatte in der Tat immer dann asketische Konsequenzen, wenn man der Meinung war, daß die Freuden der Welt einer Preisgabe der Selbstdisziplin und der moralischen Stetigkeit gleichkamen. Die Hauptströmung des Puritanismus sah in der ehelichen Sexualität keine Gefahr für die moralische Beständigkeit; vielmehr sah sie in ihr eine bemerkenswerte und gelungene Harmonie der sinnlichen, moralischen und spirituellen Bande.

Ihr habt mit Hass gekocht

Necla Kelek wehrt sich engagiert gegen den jüngst erhobenen Vorwurf, sie sei eine Hasspredigerin:

Aber ich bestehe darauf, dass wir, reflektiert und auf den Inhalt konzentriert, über den Islam streiten, jenseits persönlicher Angriffe. Wir brauchen eine Debatte über das, was unsere Gesellschaft im Innersten zusammenhält: einen Diskurs über die Freiheit des Wortes und seine Grenzen und darüber, ob in diesem Land die Menschenrechte tatsächlich für alle gelten, auch für alle Muslime; welche Rolle die Religion in unserem Leben spielen sollte und warum unter Verdacht gerät, wer unsere Freiheitswerte verteidigt. Vielleicht spiegeln meine Kritiker ja nur ihre eigene Verunsicherung in Sachen „westliche Werte“ – die Steinfeld immer in Anführungszeichen setzt – und kompensieren dies mit verbalen Hieben.

Dabei wird deutlich, wie fremd ihnen die Kultur des Islam ist. Und irgendwie versuchen sie den Eindruck zu erwecken, es handele sich ums Feuilleton und nicht um eine politische Auseinandersetzung.

Hier der Text: www.faz.net.

»C« auf Tauchstation

CDU und CSU haben bei der Bundestagswahl die Stimmen vieler Katholiken eingebüßt. Matthias Gierth sucht nach den Gründen:

Die protestantische Parteiführung mit Angela Merkel und Hermann Gröhe an der Spitze findet bislang keine rechte Antwort auf die Unruhe im katholischen Parteiflügel. Zwar hat Gröhe als bekennender evangelischer Christ weit mehr Verständnis für die Relevanz des »C« als sein Vorgänger Ronald Pofalla. Hätte Gröhe und nicht der heutige Kanzleramtsminister den CDU-Grundsatzprogrammprozess gesteuert, wären christliche Positionen viel stärker zum Tragen gekommen, heißt es auch aus dem Parteivorstand. Aber als sich vor Weihnachten ein Arbeitskreis Engagierter Katholiken (AEK) gründete, reagierte das Adenauerhaus äußerst reserviert.

In der Initiative haben sich Katholiken zusammengeschlossen, die auf der Grundlage ihres Glaubens einen Beitrag zur klareren Positionierung der CDU leisten wollen. Zu den Gründern gehören der bayerische Ex-Staatsminister Thomas Goppel genauso wie der CSU-Bundestagsabgeordnete Norbert Geis. Auch der Trierer Sozialethiker Wolfgang Ockenfels und Benediktiner-Abtprimas Notker Wolff sind dabei.

Der Sprecher des AEK, der Publizist Martin Lohmann, gibt sich kämpferisch: »Viele katholische Christen, die bisher überzeugte Stammwähler waren, fühlen sich politisch nicht mehr richtig beheimatet in der CDU. Das will der AEK wiederherstellen. Uns ist es nicht egal, dass die Union seit 2002 rund vier Millionen Wähler verloren hat – und darunter sehr viele katholische.« Zwar gebe es viele katholische Politiker. Dennoch sei das Katholische »zunehmend weniger sichtbar«. Daher wolle der AEK »Einfluss haben, mitreden, mitgestalten«. Von etwa 600 Mitgliedern bisher spricht die Gruppe.

Der Evangelische Arbeitskreis, ebenfalls im Adenauerhaus ansässig, zeigt sich wenig euphorisch über neue Mitstreiter. »Wir konzentrieren uns auf die Arbeit des Evangelischen Arbeitskreises«, ist Rachels knappe Reaktion. »Gründungen anderer Gesprächskreise möchte ich nicht kommentieren.«

Wolfgang Bosbach, der inzwischen beim AEK mitwirkt, kann das nicht verstehen: »Es gibt offensichtlich Leute in der CDU«, klagt er, »die ernsthaft der Ansicht sind: Achtung, hier gibt es eine Basisinitiative, die die Rolle rückwärts will. Davon kann jedoch keine Rede sein. Anstatt dass man sagt: Es ist schön, dass hier engagierte Katholiken mitarbeiten, zucken einige zusammen, als sollte Unheil organisiert werden.«

Hier der vollständige Artikel: www.merkur.de.

Ego online ergo sum II

Eine neue Studie der Kaiser Family Foundation zeigt, dass Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 8 bis 18 täglich mehr als 7,5 Stunden digitale Medien konsumieren (vor 5 Jahren waren es 6,5 Stunden). Die New York Times schreibt:

Die Ergebnisse der Studie erschütterte die Verantwortlichen, die aus der Studie vor fünf Jahren schlossen, dass der Konsum nicht weiter steigen könne. Die Sorgen vieler Eltern, deren Kinder permanent Mediengeräte nutzen, wurden bestätigt. Ermittelt wurde zudem, dass der intensive Konsum mit Verhaltensstörungen und schlechten Schulnoten korreliert.

Wie wäre es mal mit einem guten alten Buch?

Hier der Artikel: www.nytimes.com.

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