März 2010

Jesus ist wahrhaftig auferstanden

Klaus-Peter Jörns spricht in seinem Interview mit dem Rheinischen Merkur (RM) aus, was viele Theologen denken:

RM: Sie glauben also nicht an die leibhaftige Auferstehung Jesu Christi?

Jörns: Nein. An eine so mirakulöse Geschichte kann ich nicht glauben. Alle Friedhöfe, die ich kenne, zeichnen sich dadurch aus, dass die Bestatteten dort verwest sind und nur die Knochen übrig bleiben. Mit Jesus wird es genauso gewesen sein.

RM: »Ist Christus aber nicht auferstanden, so ist euer Glaube nichtig«, heißt es im 1. Korintherbrief des Apostels Paulus. Ist nicht die leibhaftige Auferstehung der Kern des christlichen Glaubens?

Jörns: Das ist ein modernes Missverständnis von Auferstehung. Die Moderne versteht die Bildsprache nicht mehr, sondern materialisiert sie. Der Glaube an Jesus Christus, den Auferstandenen, wird so zu einem Mirakel. Es wird so getan, als wäre Jesus nicht nur wieder da, sondern als wäre er sogar gen Himmel gefahren. Wohin soll er denn gefahren sein? Das hat keinen Bezug zur Wirklichkeit, wie wir sie kennen. Paulus sagt: Jesus ist der »Erstgeborene von den Toten«. Auferstehung als Neugeburt setzt den wirklichen Tod samt Verwesung voraus. Das hat Paulus viel besser verstanden als diejenigen, die nur das Bild vom leeren Grab übernommen haben. Mit Sicherheit hat er auch den griechischen Brauch gekannt, »leere Gräber«, auf griechisch Kenotaphe, als Gedächtnisstätten ohne Leichen zu bauen. Und deshalb hat er den Begriff vom leeren Grab in seinen Auferstehungspredigten nicht verwendet.

Was bleibt da noch vom Auferstehungsglauben? Natürlich das Gefühl der Geborgenheit:

RM: Glaube drückt immer eine Beziehung zwischen Gott und Menschen aus. Das Entscheidende ist, dass Menschen sich in der Beziehung zu Gott geborgen fühlen und lernen, leben und sterben zu können und nicht nur zu müssen. Jesus hat gewusst, dass das Leben schwer ist und dass wir Gottes Liebe und Hilfe brauchen. Weil er sie uns ohne jede Bedingung zugesagt und die Leiden der Menschen geteilt hat, ist er mein Weg zu Gott und zum Leben.

Vielleicht ist ja gerade diese Gefühlsduselei das große erfahrungstheologische (und damit moderne) Missverständnis? Jedenfalls ist für den Philosophen Robert Spaemann die Kluft zwischen historisch-kritischer Theologie und Verkündigung völlig zu Recht unerträglich. Zu dem Umstand, dass viele deutschsprachige Theologen die biblischen Berichte von der Auferstehung nicht für historische Ereignisse halten, sagt er: »Die Jünger von Jesus waren keine Philosophen, sondern Fischer aus Galiläa. Sie haben nicht spekuliert, für sie zählten nur Fakten. Das leere Grab war für sie ebenso ein Beleg für die Auferstehung wie die späteren Erscheinungen des Herrn.«

Und zur Frage, ob Jesus einen Sühnetod gestorben ist, spricht Spaemann auch Klartext: »Es gibt viele Pfarrer, die das heute bestreiten. Sie stellen sich damit aber gegen den Kern der biblischen Botschaft.« Der Sühnetod Jesu löse das Dilemma zwischen Gottes Gerechtigkeit und Gottes Liebe. Christus erfülle mit seinem Kreuzestod beides: »Der Gerechtigkeit wird Genüge getan, indem Gott das Unrecht dieser Welt nicht ungesühnt lässt. Zugleich übt Jesus Christus gegenüber uns Menschen Barmherzigkeit, indem er selbst diese Strafe auf sich nimmt.« Für den Menschen seien Gerechtigkeit und Barmherzigkeit zwei verschiedene Eigenschaften, in Gott aber seien sie vereint.

Hier mehr: www.kath.net.

UNO-Resolution stützt islamisches Menschenrechtsverständnis

Islamische Kräfte im UN-Menschenrechtsrat setzen sich nachdrücklich für eine Definition der Menschenrechte nach islamischem Verständnis ein. Darauf macht die Islamwissenschaftlerin Prof. Christine Schirrmacher vom Institut für Islamfragen anlässlich der jüngst erneuerten UNO-Resolution gegen Diffamierung von Religionen aufmerksam.

Mithilfe der Resolution solle offensichtlich der Islam allein unter den Schutz der UNO-Verlautbarung gestellt und so vor jeglicher kritischer Auseinandersetzung insbesondere mit dem politischen Islam bewahrt werden. Das jetzt vom UNO-Menschenrechtsrat verabschiedete Dokument spricht im Titel zwar allgemein von Religionen, die nicht diffamiert werden sollen, aber im Text werde ausschließlich mehrfach der Islam namentlich genannt, erklärte Schirrmacher. Von der zunehmenden Diskriminierung und Verfolgung christlicher und anderer Minderheiten in islamischen Ländern ist dagegen an keiner Stelle die Rede. Stattdessen enthält die Resolution eine scharfe Verurteilung des Minarettverbots, ohne die Schweiz namentlich zu erwähnen. Als »Manifestationen von Islamophobie« könnten solche Diskriminierungen, so das Papier in drohendem Unterton, zu einer »Polarisierung […] mit gefährlichen unbeabsichtigten und unvorhergesehenen Konsequenzen« führen. Die EU, die USA und mehrere lateinamerikanische Staaten hatten gegen den Entwurf der Organisation islamischer Staaten (OIC) gestimmt, der mit 20 Ja-Stimmen bei 17 Gegenstimmen und acht Enthaltungen angenommen wurde.

Pakistan hatte den Entwurf im Namen der OIC eingebracht. Das pakistanische Blasphemiegesetz bedroht jegliche Islamkritik mit dem Tod und, so Schirrmacher, werde immer wieder zur Unterdrückung religiöser Minderheiten und missliebiger Personen missbraucht. Die 57 Mitgliedstaaten der OIC hatten die Bekämpfung der Islamophobie bereits im Dezember 2005 während des Karikaturenstreits in ihr Zehnjahres-Aktionsprogramm aufgenommen. So sollten über die UN alle Staaten dazu aufgerufen werden, Gesetze gegen Islamophobie – also eine krankhafte und vermeintlich unbegründete Angst vor dem Islam – zu beschließen – und zwar einschließlich abschreckender Strafen. Dahinter steht laut Schirrmacher der Wunsch, die Überzeugung politisch umzusetzen, dass der Islam die allen anderen überlegene und vollkommene Religion ist, die das gesamte persönliche und gesellschaftliche Leben regelt. Aus offizieller OIC-Sicht kann es daher keine vernünftigen Einwände und begründeten Ängste gegenüber dem Anspruch des Islam geben.

Eine Islamisierung des Menschenrechtsverständnisses hätte laut Schirrmacher schwerwiegende Folgen. Im Vorwort der Kairoer Menschenrechtserklärung der OIC von 1990 wird mit Verweis auf den Koran die islamische Umma als die beste Gemeinschaft beschrieben. Die Gesetze der Scharia werden als verbindliche Gebote Gottes definiert. Wer sie einhalte, verehre Gott. Wer sie missachte oder verletze, begehe eine schreckliche Sünde. Menschen sind daher laut Artikel 1 durch die Unterwerfung unter Gott vereint. Das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit steht unter Schariavorbehalt (Art. 2). Meinungsfreiheit und Information darf »nicht dazu eingesetzt und missbraucht werden, die Heiligkeit und Würde der Propheten zu verletzen [oder] die moralischen oder ethischen Werte auszuhöhlen« (Art. 22). Wenn daher Papst Benedikt XVI. in seiner Regensburger Rede vom September 2006 Muhammads Feldzüge kritisch beleuchte, überschreite er die Grenzen islamisch legitimierter Meinungsfreiheit. Auch der dänische Zeichner der Muhammad-Karikaturen kann sich aus dieser Perspektive nicht auf die Kunstfreiheit berufen. Eine solche Definition von Menschenrechten und Enthebung des Islam von jeglicher kritischer Betrachtung würde die universellen Menschenrechte erheblich einschränken, meint Schirrmacher.

Spätabtreibung: Das Geschenk eines Lebens

Susanne B. erfuhr im sechsten Monat ihrer Schwangerschaft, dass ihr Kind mit Down-Syndrom geboren werden würde. Sie entschied sich für eine Spätabtreibung – doch der Junge überlebte.

Tim hatte damit seine eigene Abtreibung überlebt. Simone G. und ihre Familie nahmen Tim auf. Der SPIEGEL hat mir den neuen Eltern gesprochen:

Susannes Baby sollte auf seinem Weg durch den Geburtskanal sterben, an den Anstrengungen und toxischen Medikamenten, die die Wehen einleiteten.

Tim hat seine Mutter nie kennen gelernt. Nach mehr als 30 Stunden Qual und Schmerzen musste der Arzt ihn aus Susannes Leib herausziehen, weil er sich noch nicht gedreht hatte. Ein kleines Bündel Mensch, nur 650 Gramm schwer, leichter als ein Paket Mehl.

Susanne wollte Tim nicht sehen, die Pfleger brachten ihn weg. Neun Stunden lag der Fötus nackt in einem Kreißsaal in Oldenburg, notdürftig in ein paar Handtücher gewickelt. Wozu ein Wärmebettchen, ein Brutkasten? Dieses Kind war geboren worden, um zu sterben. Doch Tim gab nicht auf: Als sein Körper schon auf 28 Grad abgekühlt war, schnappte er noch nach Luft. Da kam er auf die Frühchenstation, und später dann zur Familie G.

Hier der Beitrag: www.spiegel.de.

Militantes Christentum und die Hermeneutik

US-Ermittler und das FBI haben offenbar Pläne einer radikalen Christengruppe zerschlagen. Die Staatsanwaltschaft in Detroit erhob am Montag Anklage gegen neun mutmaßliche Mitglieder der radikalen Gruppe Hutaree. Wie etliche Medienkanäle berichten, sollen sie seit 2008 regelmäßig mit Waffen trainiert und den Bau von Sprengsätzen geübt haben.

Das ist keine »Ente«. Bei Wikipedia und auf der Internetseite von Hutaree kann man lesen, dass diese Gruppe ihre militante Aufrüstung für den apokalyptischen »Endkampf« tatsächlich theologisch begründet. Im Glaubensbekenntnis heißt es:

The Doctrine of the Hutaree is based on faith and most of all the testimony of Jesus. Hebrews 11:1, ‘Faith is the substance of things hoped for, The Evidence of things not yet seen. Jesus spoke of the ten virgins in Matthew 25: 1-12. The wise ones took enough oil to last the whole night, just in case the bridegroom was late. The foolish ones took not enough oil to last the whole night and figured that the bridegroom would arrive earlier than he did. These bridegrooms represent the Christian church of today. The oil, just as Jesus explained, represented faith. If you read the story right, you find out that the people with enough faith to last as long as it might take are the wise ones. They know and believe in the testimony of Christ, even through the darkest and most doubtful of times. This day is soon. The foolish ones are the ones who expect Christ to arrive too soon. They have brought for themselves only enough oil to last for a short time, having not enough faith to last through the darkest hours. When the time comes for those without enough faith, they will fall to the Anti-Christ’s doctrine. And it will make perfect sense to the whole world; even the elect. We all as Christians should stand firm in Christ and believe in him until our uttermost end. The testimony must by no means pass away and we must spread the word believing in Christ’s words, even during the end times. Now when that hour Christ arrives the foolish ones would have already left their waiting mark, their place in Christ. Then when he comes over, trumpets blowing, and clouds flowing, the wise ones will come to him in the clouds and into heaven. The foolish will then remember what they were ‘supposed to do’ and cry out loud to God and knock on heaven’s door. But read and you’ll find that it says that when the door is shut no one enters afterwards. They will knock and he will say, “Away with you, for I know you not. I Peter 5:11, ‘And this is the Testimony, that God has given us eternal life, and this life is in his Son.’ Believe in this word and spread it to all you can. Stand, stay and pray for the defense of the word. For we live by faith and cannot see nor understand what we believe, entirely, but nevertheless the reward is worth it in the end.

Wer das nicht glauben will, sollte sich dieses Werbevideo anschauen: www.youtube.com.

Die Geschichte ist nicht nur widerlich, sie zeigt auch, wie gefährlich es sein kann, Bibeltexte nach Gutdünken auszulegen. Auch willige Leser können die Bibel gründlich missverstehen. Beliebigkeit kann gefährlich werden!

Aufgeschnappt: »Da hilft nur noch Gebet!«

Weißt Du gerade nicht mehr weiter? Jesus Christus lässt uns nicht im Stich. Ihm dürfen wir vertrauen. Gerade las ich einen Bericht von zwei DMG Missionaren (Berichte, Nr. 2/2010, S. 13):

Pete selbst wurde ebenfalls angefochten; mit Entmutigungen, Diebstahl und Zauberei wollten ihn die Menschen aus seinem Dorf ekeln. Eines Tages hängten sie ihm ein totes Huhn in die Tür. Auf diese Weise zeigt man einem Feind, dass er des Todes ist. Pete ließ sich nicht einschüchtern. Er blieb treu, lebte seinen Glauben vorbildlich und hielt viele Jahre durch. Gott segnete ihn. Es entstand eine kleine Gruppe von Christen, ihr Glaube reifte, und Jesus bestätigte ihnen seine Macht mit Gebetserhörungen und Wundern. Eigentlich war die letzte Regenzeit nicht schlecht, die Saat an Mais ging gut auf. Die Pflanzen wuchsen fast zwei Zentimeter pro Tag, schon waren kleine Maiskolben an den starken Halmen zu sehen. Pete jätete Unkraut in seinem Maisfeld, da entdeckte er hunderte Raupen, die an dem schönen Mais nagten. Bei den Nachbarn dieselbe Plage. Es war entsetzlich, was tun?! Naja, Pflanzenschutzmittel kaufen. Gedacht, getan.

Doch als Pete sich die Raupenplage nochmals ansah und das Gift sprühen wollte, ließ er seine Hände hilflos fallen. Die befallene Fläche war einfach zu riesig, es waren zu viele Raupen! An jedem Stamm mindestens 50 Tiere, überall. Hoffnungslos. Der Mais ist die einzige Ernte des Dor­fes und Essensvorrat fürs ganze Jahr. Er durfte einfach nicht zerstört werden. Pete rief seine Glaubensgeschwister zusammen und erklärte ihnen: »Da hilft nur Gebet!« Also beteten sie an den Ecken aller Felder, dass Jesus ihnen die Ernte erhält, auch an den Äckern ihrer Nachbarn.

Strahlend erzählte uns Pete, was dann geschah: »Es war unglaublich! Kaum waren wir fertig mit beten, kam ein riesiger Vogelschwarm angeflogen. Sie ließen sich auf den Feldern nieder und vertilgten alle Rau­pen!« Seither ist es das Dorfgespräch, wie Gott das Gebet der Christen beantwortet hat. Allen ist heute klar, dass Jesus große Kraft hat und dass sie ihm ihre Ernte zu verdanken haben.

Die Kunst der Verführung

Übergriffe auf Schüler wurden in der Odenwaldschule mit literarischen Vorbildern gerechtfertigt. Raoul Löbbert hat einen ausgezeichneten Kommentar zu den Missbrauchsfällen an der Odenwaldschule geschrieben.

In der reformpädagogischen Kaderschmiede entschuldigte man die Pädophilie intern mit Beispielen aus Literatur und Philosophie. Statt dem reformpädagogischen Ansatz gemäß das Kind zum geistig wie sexuell mündigen Menschen zu formen, statt es als dem Lehrer ebenbürtige Persönlichkeit zu sehen, wurde es abhängig gemacht und sexuell ausgebeutet. Die erzieherische Praxis formte die Idee zur Perversion.

Das Kind sollte sich – sehr frei nach Platon – nicht mehr nur Kunst und Lehre, sondern auch dem Lehrer geistig wie körperlich hingeben: Laut Platon, dem Erfinder des »Eros paidagogikos«, ist der Lehrer der »himmlische Geliebte«: »Indem er den Schönen berührt und mit ihm Umgang pflegt, zeugt er, wovon er die Samen längst in sich trug, anwesend, abwesend an ihn denkend, und gemeinsam mit ihm zieht er das Gezeugte auf.«

Eine merkwürdige Vorstellung von Reform wurde da praktiziert: Als Gegenentwurf zu dem auf Disziplin und christlichem Ethos beruhenden kirchlichen Erziehungsideal wurde die Reformpädagogik Odenwaldscher Prägung aus dem Geist der Antike (oder was man dafür hielt) gezeugt. Sie feierte als Philosophie die griechische Knabenliebe, die als eine Art Tunika-Karneval mit lyrischem Lametta im 19. Jahrhundert vom greisen, an der Odenwaldschule hochverehrten Stefan George und seinen jungen Jüngern wieder salonfähig gemacht wurde.

Es sind nicht die Prügelprotokolle eines Marquis de Sade oder eines Guillaume Apollinaire, die an der Odenwaldschule als Referenz herangezogen wurden und dadurch ihre reale oder eingebildete jugendverderbende Wirkung zeigten. Es sind Schriften, die an der Grenze zwischen Ästhetik und Pädagogik Jugend gefährden, indem sie Jugend idealisieren. Der Schüler ist in ihnen ein leeres Gefäß, das es vom Erzieher zu füllen gilt. Jeder Oberstudienrat im Odenwald wird so zum kleinen Prometheus. »Hier sitze ich/ forme Menschen nach meinem Bilde«, heißt es im Goethe-Gedicht. Genauso soll in der Reformpädagogik der mündige Mensch, nicht nach dem Bild Gottes, sondern nach dem Vorbild des Lehrers, entstehen. Er soll – ein Grundfehler dieser Form der Pädagogik – mehr geformt als gefördert werden. Erziehung wird somit zur Kunst mit anderen Mitteln: Im Schaffen des neuen Menschen wird der von seinen Eltern isolierte Internatsschüler als bloßes Material angesehen. Das Menschenbild, das dahintersteht, ist autoritär. Es erleichtert nicht nur den Missbrauch am Schüler, sondern auch den an der Kunst.

Hier der sehr empfehlenswerte Beitrag: www.merkur.de.

Anselm Grün: Die krummen Wurzeln seiner Theologie

0e7b494cec.jpgViele moderne Theologen arbeiten erfolgreich, weil sie durch den Gebrauch von vertrauten Symbolen bei den Menschen bestimmte Assoziationen auslösen. Sie setzen religiöse Begriffe wie »Kreuz«, »Liebe« oder »Christus« ein, um (ihre eigenen) Botschaften zu kommunizieren, die mit den ursprünglichen Bedeutungsfeldern dieser Begriffe nur noch wenig zu tun haben.

Diesem Schema folgend treibt Anselm Grün seine Lebensberatung seit vielen Jahren erfolgreich voran. In der Sprache des Christentums transportiert er Lebensweisheiten und Weltbilder, die aus ganz anderen Quellen stammen. Der »Christus« steht für das Selbst, »Erlösung« für die Überwindung der inneren Gespaltenheit.

Eugen Schmid untersucht seit Jahren den modernen Mystizismus und hat die Bücher von Grün mit dem Hintergrundwissen gelesen, das man braucht, um den Sprachmystizismus zu entschlüsseln. Anselm Grün gilt als meistgelesener christlicher Autor im deutschsprachigen Raum. Doch der tiefere Blick auf die Wurzeln seiner Theologie ernüchtert: Grüns Quellen sind trübe.

Leider legt Grün das Gewicht ausschließlich auf die Lebensweisheit, weil er vom fernöstlichen Denken, vom Zen-Buddhismus, von der griechischen Philosophie und von der Gnosis der Antike beeinflusst ist. Das christliche Gedankengut allein als erlösungsrelevant zu sehen, scheint ihm zu eng. Er weitet die Erlösungsbedeutung aus auf alle möglichen mystischen religiösen Erfahrungen.
Insofern bedeutet ihm die Erlösung am Kreuz, die Auferstehung Jesu, die Sünde, die Moral und das Böse nicht mehr das, was die Bibel darunter versteht. Gott ist für ihn im göttlichen Kern des Menschen, Christus sei ein Symbol für das Selbst des Menschen. Das Selbst sei das ganzheitliche Zentrum im Menschen. Eine Moral versucht er zu vermeiden, da für ihn das Böse nicht etwas ist, das es auszugrenzen gilt. Im Sinne von C. G. Jung muss das Böse integriert werden. Als Folge kann er auch die Sünde nicht mehr verstehen als Trennung des Menschen vom persönlichen Gott. Denn auch das personale Gegenüber von Gott und Mensch gibt es nicht mehr. Was bleibt da noch von einem christlichen Menschen-, Gottes- und Weltbild?

Hier kann der MBS Text 150 »Krumme Wurzeln« von Eugen Schmid herunter geladen werden: mbstexte150_d.pdf.

Barth: Church Dogmatics

Kaum zu glauben. Hier gibt es eine englische Ausgabe der Kirchlichen Dogmatik von Karl Barth für US$ 99,00 (plus ca. 30 Euro Versandkosten). Normalerweise muss man für einen Band bereits um die US$ 70,00 zahlen, nun gibt es also alle 14 Bände für 10 Prozent des Preises für die Werkausgabe. Vorbestellungen sind möglich.

Über die Hintergründe hat Jim West informiert: zwingliusredivivus.wordpress.com.

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