Wo bleibt der Mut?

Heike Schmoll beschreibt den schwindenden Meinungsmut an Deutschlands Universitäten (FAZ vom 01.03.2017, Nr. 78, S. 1):

Der „Professor“ kam zu seinem Namen, weil man von ihm erwarten konnte, dass er sich nicht nur auf sein Fach versteht, sondern es auch in völliger Unbefangenheit in der Öffentlichkeit vertritt. Inzwischen wird man fragen müssen, was aus der lateinischen „professio“, dem Bekenntnis und der öffentlichen Äußerung, geworden ist. Denn nichts wird dem Berufsstand des verbeamteten und deshalb freien Hochschullehrers derzeit weniger zugetraut als der mutige Gebrauch der freimütigen Rede. Immer seltener macht er – Ausnahmen bestätigen die Regel – von diesem Vorrecht Gebrauch.

Rücksichtnahmen nach allen Seiten sind üblich geworden: ängstliches Schielen auf Kollegen, Mitarbeiter, Studenten, auf die Hochschulleitung oder jene Instanzen, die an Hochschulen für „Genderterror“ und Sprachzwänge verantwortlich zeichnen. Dabei könnte kaum jemand, von seiner Rede- und Denkfreiheit großzügiger Gebrauch machen als Wissenschaftler an Universitäten und deren Leitungen. Ihre Arbeit ist geschützt durch das Recht auf Wissenschaftsfreiheit, das nicht nur Lehrende und Leitende, sondern auch Forscher im Mittelbau umschließt. Die Wissenschaftsfreiheit bewahrt sie vor jeder Form von Konformitätszwängen durch Hochschulleitungen. Rektoren und Präsidenten haben die Pflicht, auch unbequemen Wissenschaftlern Freiräume zu sichern und sich als Dienstherren schützend vor sie zu stellen, wenn sie innerhalb und außerhalb der Universität verleumdend und zu Unrecht angegriffen werden.

Kein Aprilscherz!

Hier der Artikel: www.faz.net.

10 Jahre Yogyakarta-Prinzipien

Die Yogyakarta-Prinzipien (engl. „The Yogyakarta Principles. Principles on the application of international human rights law in relation to sexual orientation and gender identity“) bringen gemäß eigenem Anspruch mit 29 Prinzipien die Menschenrechte in Bezug auf sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität zu Anwendung. Sie am 23. März 2007 von international anerkannten Menschenrechtlern im indonesischen Yogyakarta veröffentlicht, um mögliche Fälle einer Verletzung der Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender, zusammengefasst LGBT, ahnden zu können.

Der Philosoph Daniel Moody zieht ein Resümee:

It is becoming more and more clear that the so-called LGBT movement is less a natural union of fellow travellers and more a communion of the contradictory. To see the fault line running between the LGB (sexual orientation) and the T (gender identity), let us employ the Yogyakarta Principles’ own definitions.

Sexual orientation, we are told, refers to “each person’s capacity for profound emotional, affectional and sexual attraction to, and intimate and sexual relations with, individuals of a different gender or the same gender or more than one gender.” Here, gender is not a synonym of sex, as is evident from the use of the phrase “more than one” rather than “both.” In turn, gender identity is defined as

  • each person’s deeply felt internal and individual experience of gender, which may or may not correspond with the sex assigned at birth, including the personal sense of the body (which may involve, if freely chosen, modification of bodily appearance or function by medical, surgical or other means) and other expressions of gender, including dress, speech and mannerisms.

It takes a lot of lawyers to say so much without saying anything at all. If our gender identity is a state of mind defined without reference to our sex (i.e., our body), then our gender identity is “the identity of our gender.” But gender itself is not defined anywhere within the Yogyakarta Principles. We are told what gender is not—sex—but not what it is.

Here’s the fault line: if sexual orientation is defined in terms of gender, and if gender is not defined in terms of sex, then sex has been extracted from sexual orientation. But sexual orientation is entirely dependent on sex, because it is entirely dependent on sexual difference—no two people can know they are the same (sex) as each other without first knowing they are not different (sexes) from each other.

Mehr: www.thepublicdiscourse.com.

Spurgeon-Konferenz 2017

Auch in diesem Jahr wird es in München wieder eine Spurgeon-Konferenz geben. Die Konferenz, benannt nach Charles Haddon Spurgeon – „the Prince of Preachers“, möchte Christen aufzeigen, wie sie Gottes Wort verstehen, auslegen und predigen können. Die Konferenzvorträge von Andrew Page und anderen sollen ermutigen und herausfordern, biblische Texte zu verkündigen. In Gruppenarbeiten soll das Erlernte dann weiter vertieft und praktisch angewandt werden.

Das Thema der Konferenz, die vom 7. bis 10. Juni in Kooperation mit dem Martin Bucer Seminar veranstaltet wird, heißt:

Hosea: Das Gericht und die Gnade Gottes: Wie man einen alttestamentlichen Propheten verstehen und predigen kann, damit Menschen Gott begegnen

Den Konferenz-Flyer gibt es hier: Spurgeon-Konferenz-2017.pdf.

Für die Teilnahme ist eine Anmeldung erforderlich. Das Formular zur Anmeldung kann hier erreicht werden: www.evangelium21.net.

Das männliche Geschlecht in der Krise

Männlichkeit ist offenbar eine Idee von gestern. Das hat Folgen für die Gesellschaft. Inzwischen raten selbst Feministinnen zur Aufwertung männlicher Tugenden. Der Soziologe Walter Hollstein schreibt in einem Gastbeitrag für die FAZ:

Der amerikanische Präsident Barack Obama hat im Spätsommer 2016 im Magazin „Glamour“ den Essay „So sieht ein Feminist aus“ publiziert. Der Vater zweier Töchter notiert: „Michelle und ich haben unsere Töchter dazu erzogen, das Wort zu ergreifen, wenn sie Doppelmoral sehen oder denken, dass sie wegen ihres Geschlechts oder ihrer Rasse unfair behandelt werden (…) Und ja, es ist wichtig, dass ihr Papa ein Feminist ist, denn jetzt erwarten sie das von allen Männern.“ Männer nimmt Obama dabei nur als Unterstützer des Feminismus wahr. Und da schließt sich der Kreis zwischen den Präsidenten. Während „Clinton und Obama die Frauenkarte gespielt haben“, so der Rechtsgelehrte Glenn Reynolds, seien Jungen und Männer sozial immer weiter zurückgefallen. Er ist nicht der Einzige. Die Politologin Katherine J. Cramer hat in ihrem Buch „The Politics of Resentment“ eindrücklich beschrieben, wie viel Wut und Groll es in der Arbeiterklasse in Wisconsin gibt – einem Bundesstaat, der die Wahl Trumps mitentschieden hatte. Rechtsprofessorin Joan C. Williams erklärt in der „Harvard Business Review“ den Erfolg Trumps mit den lange ignorierten Bedürfnissen arbeitender Männer.

Mehr:  www.faz.net.

„Räume dies ‚mein‘ hinweg“

Luther sagte 1515/1516 in seiner Vorlesung zu Römer 8,28:

Hart ist es und jammervoll, dass Gott seine Herrlichkeit in meinem Elend sucht. Siehe, das ist die Stimme des Fleisches: »Mein, mein«, sagt sie. Räume dies »mein« hinweg und sag’ dafür: Ehre sei dir, Herr, und du wirst selig sein. So sucht die Klugheit des Fleisches nur das Ihre und hat mehr Angst vor ihrem eigenen Elend als vor einer Verunehrung Gottes und fragt darum mehr nach ihrem eigenen Willen als nach dem Willen Gottes. Daher muss man anders über Gott denken als über den Menschen; denn er ist keinem etwas schuldig. So sagt er zu Hiob (41,2): »Wer hat mir etwas zuvor gegeben, dass ich’s ihm vergelte? Alles, was unter dem Himmel ist, ist mein.« Dieses Wort führt auch der Apostel am Schluss des 11. Kapitels an: »Oder wer hat ihm etwas zuvor gegeben, das ihm wieder vergolten werde?« (Röm 11,35).

 

Die Vorlesung zum Römerbrief 1515/16 wurde von Evangelium21 neu aufgelegt und kann über den 3L Verlag wahrscheinlich bereits auf der E21-Konferenz in Hamburg erworben werden.

[asa]3863533615[/asa]

„Da traf es mich wie ein Schlag“

Das Timotheus-Magazin hat mit Benjamin Schmidt, dem Leiter der Herold-Schriftenmission gesprochen. Er beschreibt dort, wie Gott ihn in seiner Liebe zu sich gezogen hat:

Meine Eltern sind Christen und haben uns Kindern schon von klein auf das Evangelium erzählt und Nachfolge vorgelebt. Mein Vater, ein Prediger, war und ist für mich ein großes Vorbild. Er hat Christus sehr lieb und hatte viel Kenntnis über Gottes Wort. Und obwohl meine Eltern ein ganz klares Verständnis von Rechtfertigung aus Glauben allein besaßen und uns vermittelten, war meine Sicht sehr moralisch. Ich war der Meinung, Gott ist mit mir zufrieden, wenn ich seine Gebote halte. Als Teenager habe ich krampfhaft versucht danach zu leben, doch natürlich immer wieder versagt. Also sagte ich mit 15 Jahren, dass Gott mich in Ruhe lassen soll. Seine Ansprüche waren für mich zu hoch und mein Leben mir zu wertvoll, um mir ständig etwas von Ihm vorschreiben zu lassen. Damit begann ein sechsjähriger Weg in Alkohol, Sex und Drogen. Ich war immer auf der Suche nach Erfüllung, aber fand sie nicht. Mit 21 Jahren, als ich körperlich und seelisch völlig am Boden war, fiel mir eine Karte mit einem Bibelvers in die Hände, die mein Vater mir Jahre zuvor gegeben hatte. Es war Sacharja 4,6: »Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der HERR Zebaoth.« Da traf es mich wie ein Schlag und ich verstand, dass Gott genau weiß, wie unfähig ich bin und dass Er alles getan hatte, damit ich von meiner Schuld frei komme. Heute weiß ich, dass Gott zu Seiner Zeit das in mir getan hat, wovon Paulus im 1. Korinther 2,14 und 2. Korinther 4,6 spricht. Sein Heiliger Geist hat mir die Augen geöffnet, damit ich das Evangelium verstehe, Er hat mir die Herrlichkeit Christi, meines Erlösers, gezeigt. Und das zog mich zu Ihm.

Mehr: timotheusmagazin.de.

Der moralische Relativismus ist tot

CT hat einen interessanten Beitrag mit dem Titel „Der moralische Relativismus ist tot“ veröffentlicht. Gezeigt wird dort, dass sowohl Konservative als auch Liberale an eine (zwar jeweils verschiedene) transzendente, moralische Grundlage appellieren.

Many Christian preachers, apologists, evangelists, and writers have taken heed of the declining numbers, but decades of pitting “Christian worldview” against “moral relativism” left habits that are hard to break. You’ll still hear Christians assume that the reason for so much rampant immorality in our culture is because people reject objective right and wrong. Many still assume that discussions over morals are likely to end with, “Well, that’s your truth, but I have mine.” Make no mistake: Disputes over morality are as strong as they have ever been. But if we view these disputes through the lens of “moral relativism,” it’s not only our understanding of our culture that will suffer. Our evangelistic witness will also be severely blunted.

Hier: www.christianitytoday.com.

Homo Deus

Der Historiker Yuval Noah Harari glaubt, dass wir Menschen bald eine nächste Evolutionsstufe erreichen. Dank neuer Technologien werde der gottgleiche Homo Deus den Homo sapiens verdrängen.

Das Buch Homo Deus wird vom Verlag mit den Worten vorgestellt:

In „Homo Deus“ stößt er vor in eine noch verborgene Welt: die Zukunft. Was wird mit uns und unserem Planeten passieren, wenn die neuen Technologien dem Menschen gottgleiche Fähigkeiten verleihen – schöpferische wie zerstörerische – und das Leben selbst auf eine völlig neue Stufe der Evolution heben? Wie wird es dem Homo Sapiens ergehen, wenn er einen technikverstärkten Homo Deus erschafft, der sich vom heutigen Menschen deutlicher unterscheidet als dieser vom Neandertaler? Was bleibt von uns und der modernen Religion des Humanismus, wenn wir Maschinen konstruieren, die alles besser können als wir? In unserer Gier nach Gesundheit, Glück und Macht könnten wir uns ganz allmählich so weit verändern, bis wir schließlich keine Menschen mehr sind.

Was meint der israelitische Historiker mit dem Begriff Homo Deus? Dem SPIEGEL sagte er:

Ganz wörtlich: einen Menschen, der Fähigkeiten erlangt, die in traditionellen Vorstellungen Göttern vorbehalten sind. Manches davon haben wir längst erreicht, insofern müsste schon der heutige Mensch seinen Vorfahren wie ein Gott vorkommen. Für den größten Teil der Geschichte erwarteten die Menschen von ihren Göttern Lösungen für praktische Probleme. Man war krank, man betete zu Gott. Es fiel kein Regen, und die Ernte war bedroht, man betete zu Gott. Heute haben die Wissenschaft und der technische Fortschritt für die meisten dieser Probleme Lösungen gefunden, die viel besser sind als die unzuverlässigen Götter. Die Konzepte, die wir im 21. Jahrhundert noch mit Religionen verbinden – das Jenseits etwa oder die moralischen „Werte“ – sind nur Überreste des Göttlichen. Durch die ganze Geschichte hindurch haben die Religionen ihr Angebot angepasst, in einer steten Fluchtbewegung vor dem Fortschritt. Sobald sie merkten, dass ihre Hilfe am Krankenbett oder in der Landwirtschaft nicht mehr gefragt war, nahmen die Religionen neue Fantasieleistungen in ihr Angebot auf, die von der Wissenschaft noch nicht abgedeckt wurden, eben das „Leben nach dem Tod“.

Der SPIEGEL fragt zurück: Die zentrale Fähigkeit des biblischen Schöpfergottes ist aber die Erschaffung von Leben. Worauf Harari antwortet:

Daran arbeitet der Mensch gerade. Ich glaube, dass die wichtigsten Produkte der Ökonomie des 21. Jahrhunderts nicht mehr Autos, Textilien und Esswaren sein werden, sondern Körper und Gehirn und Bewusstsein, also künstliches Leben. Und es gibt drei Wege, wie sich der Mensch zum Homo Deus „upgraden“ kann: erstens Bioengineering, zweitens Cyborgs, drittens anorganisches Leben. Wenn das gelingt, werden wir Götter sein.

Na, wenn sich Yuval Noah Harari da nicht gewaltig irrt. Schnell kann aus dem Homo sapiens ein Homo satanas werden.

Siehe auch meine in die Jahre gekommene Kritik des Transhumanismus: entwertung.pdf.

[asa]3406704018[/asa]

Tablet oder Papier?

Lesen wir mit Tablet und Smartphone anders als im gedruckten Buch? Welchen Einfluss hat das Lesegerät auf unsere Fähigkeit, das Gelesene zu erinnern? Welche darauf, sich ins Lesen auch zu vertiefen?

Fridtjof Küchemann aus der FAZ-Redaktion setzt sich in seinem Artikel „Wo stand das jetzt gerade noch?“ genau mit solchen Fragen auseinander. Mehr als hundertfünfzig Wissenschaftler aus mehr als dreißig Ländern haben sich Ende 2014 zur Initiative E-Read zusammengeschlossen, um die Leseprozesse im digitalen Zeitalter zu erforschen.

Die allgemeinen Vorteile von digitalen Lesegeräten sind nicht von der Hand zu weisen: ihre Speicherfähigkeit, die leichte Verfügbarkeit schier grenzenloser Textmengen, die Möglichkeit, die Größe der Buchstaben und die Helligkeit des Hintergrunds auf die eigenen Bedürfnisse abzustimmen. Wer in Texten sucht oder den Verweisen auf andere Texte direkt nachgehen will, wird die Vorteile des Bildschirmlesens schätzen.

Es gibt aber auch ein großer „ABER“:

Andererseits hat das Lesen am Bildschirm auch seine Nachteile. In ihrem zwei Jahre alten Buch „Words On Screen“ fasst die Linguistin Naomi Baron den Forschungsstand so zusammen: Das Lesen gerade längerer Texte sei auf dem Bildschirm schwieriger, das vertiefte Lesen, das Erinnern des Gelesenen, der persönliche Zugang und die emotionale Beteiligung fielen schwerer. Das Erinnerungsvermögen, erklärt der Niederländer Aariaan van der Weel, Buchwissenschaftler an der Universität Leiden, werde durch die physische Verortung des Gelesenen begünstigt: Wir verknüpfen bestimmte Textpassagen mit ihrer Position in einem konkreten Buch. Wenn wir beim Lesen scrollen oder auf demselben Gerät verschiedene Texte läsen, werde das verhindert.

Theresa Schilhab, Erziehungswissenschaftlerin an der Universität Aarhus, sieht diesen Verzicht auf physische Anker, der mit dem Gebrauch digitaler Multifunktiönsgeräte einhergeht, in noch größerem Rahmen! Schon Babys würden mit iPads beruhigt, abgelenkt oder unterhalten und wendeten sich immer weniger der gegenständlichen, physischen Welt zu. Unsere unmittelbaren Erfahrungen nähmen ab. Das multimediale Füllhorn führe dazu, dass wir uns mit der wirklichen Welt immer weniger beschäftigten. „Ich möchte nicht nahelegen, dass diese Entwicklung ein Irrweg ist“, formuliert die Forscherin vorsichtig, „aber ich wäre froh, wenn wir uns ernsthafter mit den Folgen beschäftigen worden, die das für unser Lernen oder für unser Verständnis von der Welt haben könnte.“

Mir persönlich ist die Umstellung auf das digitale Lesen schwergefallen und ich trauere meiner Bibel samt den Anstreichungen immer wieder nach. Da ich aber viel auf Reisen bin, überwiegen die Vorteile der digitalen Reader. Das Mitschleppen von Büchern während der Zugfahrten ist – von Ausnahmen abgesehen – Vergangenheit. Die Software Logos erlaubt es mir, auf eine umfängliche Bibliothek zuzugreifen, vorausgesetzt, ein WLAN steht zur Verfügung. Bücher, mit denen ich häufiger arbeite, habe ich auf dem lokalen Speicher meins Tablets gesichert, darunter mehrere Bibeln. So mache ich inzwischen das persönliche Bibelstudium auf dem Tablet unter Logos. Eine feine Sache, aber dennoch nicht unproblematisch. Folgende Beobachtung kann ich bestätigen:

Selbstverständlich könne auf einem Tablet genauso eindringlich gelesen werden wie in einem Buch, stellt Adriaan van der Weel klar, es sei nur sehr viel weniger wahrscheinlich. Die Verbreitung von ausschließlich für das Lesen vorgesehenen digitalen Geräten wie dem Kindle oder dem Tölino halte sich in Grenzen. Und auf den Smartphones und Tablets konkurriere das Lesen mit der nächsten Whatsapp-Nachricht, einem Youtube-Clip öder dem raschen Blick in die Facebook-Timeline. Ablenkung sei ein Merkmal dieser Geräte, und es könne auch zum Merkmal von Texten werden, die eigens für diese Geräte entstanden seien. „Das Lesen hat Effekte, die wir nicht bewusst suchen, die aber beim Lesen gedruckter Texte gut zum Tragen kommen“, erläutert van der Weel: „der Rückzug aus der sozialen Umwelt, die Anregung der Phantasie, die Entwicklung von Empathie, die Entwicklung und Verbesserung der Konzentrationsfähigkeit und der Disziplin, die Erweiterung des Wortschatzes oder abstraktes Denken.

Die digitalen Lesegeräte werden sich weiter verbreiten und wohl langfristig durchsetzen. Dennoch hoffe ich, dass uns die gedruckten Bücher noch lange erhalten bleiben. Ich liebe in diesem Fall das Arrangement.

Fridtjof Küchemann hat einen feinen Beitrag geschrieben (FAZ vom 22.03.2017, Nr. 69, S. 9). Vielen Dank!

Nachtrag vom 24.03.2017: Der Artikel steht inzwischen online: www.faz.net.

Nach oben scrollen
DSGVO Cookie Consent mit Real Cookie Banner