Was Lobpreisleiter wissen sollten …

Der erfahrene Musiker Bob Kauflin hat ein paar Tipps für die musikalische Gestaltung von Gottesdiensten:

Gottes Wort an uns ist wichtiger als unsere Worte an Gott (Jes 66, 2; Ps 19, 7-11).

Der Musikdienst in der Gemeinde ist ein Wort-Dienst. Wir dürfen den Wert einer leidenschaftlichen Wortverkündigung nicht unterschätzen. Versuchen Sie deshalb, die Bibel besser zu kennen als ihr Instrument. Suchen Sie Lieder so aus, dass die Gemeinde das Wort Gottes singt, hört, sieht und betet.

Wir sind, was wir singen. Treffen Sie deshalb weise Entscheidungen bei der Auswahl der Lieder (Kol 3, 16).

Wir führen die Gemeinde durch die Auswahl der Lieder und Worte geistlich. Es kann sogar dazu kommen, dass unsere Gemeinden sich mehr Worte aus den gesungenen Liedern merken als aus den gehörten Predigten. Bauen Sie ein Repertoire an Liedern auf, die es ermöglichen, die verschiedenen Aspekte der Herrlichkeit Gottes hervorzuheben und als angemessene Antwort darauf dienen können.

Gebete im Gottesdienst sind gemeinschaftliche Gespräche mit Gott und keine Lückenfüller.

Beten Sie nicht einfach, weil Ihnen danach ist oder weil Sie nicht wissen, was Sie sonst tun sollen. Nutzen Sie diese Gebete, um für die Gemeinde zu sprechen und nicht nur für Sie selbst. Versuchen Sie, der Gemeinde zu zeigen, wie theologisch tiefgehende, Christus-verherrlichende Gebete aussehen können. Bringen Sie nicht die Personen der Dreieinigkeiten durcheinander und beten Sie nicht so als habe Gott seinen Namen vergessen.

Ihre Aufgabe ist es, den gemeinsamen Gesang zu unterstützen, und nicht, ihn zu ersetzen (Eph 5, 18-19; Offb 5, 9-10).

Stellen Sie sicher, dass der Verantwortliche für die Technik den Wert des gemeinsamen Gesangs kennt. Wenn das Lobpreisteam durchgängig vierstimmig singt, wird es schwer für die Gemeinde, die Melodie kennenzulernen. Glauben Sie auch nicht, die Instrumentalisten müssten die ganze Zeit spielen. Legen Sie zwischendurch die Mikrophone zur Seite, hören Sie auf zu spielen und lassen Sie die Gemeinde a Capella singen.

Mehr bei Evangelium21: www.evangelium21.net.

J.I. Packer: Das christliche Leben

Hanniel hat zwei Bücher über bzw. von J.I. Packer besprochen. Ein Buch ist schon recht alt, dass andere Buch von Sam Storms ist frisch auf dem Markt und heißt: Packer on the Christian Life: Knowing God in Christ, Walking by the Spirit (Crossway, 2015). Hier:

Das Leseerlebnis

NewImageJ. I. Packer gilt als einer der einflussreichsten Persönlichkeiten des Evangelikalismus der letzten 100 Jahre. Dabei muss man sich keinen „Grandseigneur“ vorstellen, sondern einen „bescheidenen, demütigen christlichen Gentleman“ (so die Beschreibung des Kirchenhistorikers Carl R. Trueman). Packer ist zur der Erscheinung dieses Buches gegen 90 Jahre alt und noch immer aktiv.

Packers Prosa ist so flüssig und klar formuliert, dass Sams Storms zögerte, diese zu umschreiben. Packer kommt in diesem Buch ausführlich zu Wort. Die längeren Zitate bereichern den Text ungemein. Sie stärken zudem das Anliegen des Autors, den Leser zu den Originalen hinzuführen. In meinem Fall ist ihm dies gelungen. Es liegen bereits einige Bände auf meinem Nachttisch.

Die inhaltliche Führung

Der Gedankenfluss des Buches ist angenehm, gerade angesichts der inhaltlichen Breite und Fülle des Materials. Es beginnt mit einer kurzen biografischen Einführung und startet dann mit dem zentralen Gedanken von Packers Werk: Dem stellvertretenden Sühnetod von Jesus Christus. „Christi versöhnendes Opfer ist Grundlage und Quelle von allem anderen, das in der christlichen Erfahrung folgt.“ (24) Was folgt, wird in zehn Teilen à 12 – 15 Seiten entfaltet: Die Rolle der Heiligen Schrift, die Bedeutung von Heiligkeit sowie Inhalte und Mittel der Heiligung, ergänzt mit einem eigenen Kapitel zur Auslegung von Römer 7,14-25. Dann folgen Kapitel über die Rolle des Heiligen Geistes, die Notwendigkeit des Gebets, das Erkennen von Gottes Willen und die Unvermeidbarkeit von Leid. Storms lässt das Buch mit dem Zentralgedanken „Gott erkennen“ und dem Zielkompass, gut zu enden, ausklingen.

Was heraussticht

Durchs Band sticht J. I. Packers Liebe zur Schrift heraus. Es gibt kein christliches Leben ohne die offenbarte Wahrheit des Wortes Gottes (46). Dabei geht es um propositionelle, für den (erleuchteten) Verstand erkennbare Inhalte. Zweitens wiegt sein scharfes Unterscheidungsvermögen, das ihn zielsicher einfache Modelle entwerfen lässt, so z. B. zu den drei Zugängen zur Schrift (Subjektivisten, Traditionalisten und Objektivisten) oder zur Typologisierung der Evangelikalen (Aktivisten, Intellektualisten und Abweichler).

Packer gelingt es ausgewogen zu bleiben. Dies kommt beispielsweise in seiner Einschätzung der charismatischen Bewegung schön zur Geltung. Er scheut sich nicht, auch heisse Eisen mit klaren Worten anzupacken – etwa die umstrittene Auslegung von Römer 7.

Zwei Beispiele: Anwendung von Gottes Wort und Facetten des Gebets

Zwei konkrete Beispiele: Erstens seine fünffache Anwendung von Gottes Wort im christlichen Leben (61). Wenn die darin offenbarten Prinzipien Wahrheit sind, was folgt daraus?

  • Anwendung auf den Verstand: Welche Gedankengänge, –gewohnheiten und -gebäude werden gefördert und welche herausgefordert?
  • Anwendung auf den Willen: Welche konkreten Handlungen und welche Typen von tugendhaftem Verhalten sollen folgen?
  • Anwendung auf die Gefühle („affections“): Was wird gelehrt, was wir lieben, worauf wir hoffen oder darauf bestehen, in denen wir uns freuen sollen?
  • Anwendung auf die Motivation: Was ermutigt uns, der Gerechtigkeit nachzustreben und in ihr auszuharren?
  • Anwendung auf die Selbsterkenntnis und die Selbstprüfung: Wie kommen wir diesen Anforderungen zur Zeit nach? Wo kommen wir zu kurz?

Zweites Beispiel: Packer stellt die verschiedenen Facetten des Gebets wundervoll dar (139ff): Gebet nimmt die Form des Anliegens (petition), der Konversation (durch Gottes offenbarten Willen in der Bibel), der Meditation (als aktive mentale Übung des Nachdenkens über die Schrift, Gott, die Schönheit der Schöpfung und die Wahrheiten der Erlösung), von Lob, Selbstprüfung und Klage an.

Fazit

Mich liess das Buch mit dem Verlangen zurück, in der Heiligung zu wachsen. Am meisten ermutigt wurde ich durch den „erfrischenden und hoffnungsvollen Realismus“ (133). Sein Werk ist ein wirksames Gegenmittel gegen den gesellschaftlichen Imperativ des selbst-zentrierten Lebens. Gott und seine Herrlichkeit haben Vorrang. Und: Theologie und geistliches Leben gehören unbedingt zusammen (29).

An zweiter Stelle hat Storms die Liebe Packers zur Heiligen Schrift herausgehoben. Als Beispiel dafür, wie Packer sein Anliegen treu vertrat, sei als eine Art „Anhang“ das 1958 erschienene Buch „Fundamentalism and the Word of God“ kurz dargestellt.

Zum Hintergrund des Buches

NewImageAls das Buch erschien, war Packer war also 32-jährig. Der Inhalt muss auf dem Hintergrund der Fundamentalismus-Debatte der 50er-Jahre innerhalb Grossbritanniens bedacht werden. „Fundamentalismus“ war noch nicht Sammelbegriff angesichts globaler Herausforderungen wie zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Packer bezog ihn ausschliesslich auf den „evangelikalen“ Teil der Kirche Englands, der damit „etikettiert“ worden war. Er trägt im ersten Kapitel eine Reihe offizieller Definitionen des Begriffs vor. Genau an dieser Stelle beginnt die inhaltliche Auseinandersetzung: Um drehte sich die Kontroverse? Was war der theologische Kern?

Der inhaltliche Kern: Die Frage nach der Autorität

Theologisch liberale Vertreter warfen den Evangelikalen Bibliolatrie (Götzendienst an der Bibel) und Pseudowissenschaftlichkeit vor (99-100; Kindle-Positionen). Diese und andere Vorwürfe verdunkelten jedoch die eigentliche Fragestellung. Es ging um die Frage nach Autorität. Die einen sahen Lehrmeinungen als Facetten und Fragmente der göttlichen Wahrheit an, welche einander ergänzten; die anderen betrachteten es als unabdingbar, sämtliche Ansichten anhand der biblischen Autorität zu beurteilen. Packer stellt sich hinter letztere Gruppe: „Unsere erste Aufgabe muss darin bestehen, menschliche Worte durch das autoritative Wort Gottes zu messen.“ (184-185)

Der Autor sieht eine zweifache Aufgabe, die er in diesem Werk zu erledigen gedachte: Erstens galt es zu klären, was mit dem (unglücklichen) Begriff ‚Fundamentalismus‘ gemeint war, nämlich die Fortsetzung des jahrhundertealten evangelischen (engl. ‚evangelical‘) Glaubens. „Die Kritiker bezeichnen sie als neue Häresie. Wir nennen Gründe, ebendiese als älteste Orthodoxie zu betrachten.“ (231) Zweitens war es unabdingbar, die Frage nach der höchsten Autorität sauber zu klären.

Die vier inhaltlichen Hauptschritte

Nach der Definition des Problems wird die Antwort in vier Schritten skizziert: Schrift – Glaube – Verstand – Liberalismus. Die Schrift muss die Methoden und Voraussetzungen, mit welcher sie studiert wird, bestimmen (920). Der Gott geschenkte Glaube führt zu einem durch den Heiligen Geist erleuchteten Verstand. Dieser vertraut sich den propositionellen Aussagen von Gottes Wort als oberster Instanz an. Von dort aus entfaltet er einen grossen Eifer, mit allen geschenkten Fähigkeiten – gerade auch dem Verstand – das Offenbarte zu erkennen. Er verweigert sich niemals historischem Studium oder genauer Exegese.

Zur Aktualität der Debatte

Der theologische Liberalismus versuchte, das Christentum mit den Leitsätzen des Anti-Supernaturalismus in Einklang zu bringen. In der Folge musste sich der Evangelikalismus den Vorwurf gefallen lassen, zu vielen Bereichen des modernen Lebens sprachlos geworden, ja sich kulturell abgekapselt zu haben.

Weshalb ist das Buch so aktuell? Auch heute lassen Pragmatismus und eine ausgeprägte Denkfeindlichkeit eine ungeschützte Flanke im Evangelikalismus offen. Gleichzeitig hat der Virus des theologischen Liberalismus zahlreiche Gemeinden zu befallen begonnen. (Angehende) Pastoren müssen deshalb bei der Schriftfrage dringend mit einer solch klar formulierten und argumentativ wasserdichten Abhandlung vertraut gemacht werden.

Angesichts des weit verbreiteten ethischen Relativismus, der auch die Evangelikalen erfasst hat („das ist deine Interpretation, ich habe meine“), tut es also Not, uns den Fragen dieses Buches zu stellen. Packer tat dies vor 50 Jahren nicht als erster; er beruft sich ausdrücklich auf B. B. Warfield (1851-1921) und Gresham Machen (1881-1937). Diese Vordenker hatten die Unterschiede zwischen dem Christentum und dem (theologischen) Liberalismus bereits deutlich herausgearbeitet: Es sind zwei unterschiedliche Religionen. Unsere Aufgabe besteht darin, den christlichen Glauben verständlich in unserer Zeit zu verkündigen, niemals aber (spät)modernes Gedankengut christlich zu verpacken (1905)! Um eines vom anderen zu unterscheiden, müssen wir – zur Schrift gehen.

Der Bibel verpflichtet

51IYJWvNh1L SX304 BO1 204 203 200Daniel Facius hat ein schönes Buch herausgegeben. Es soll interessierten Christen die Gelegenheit geben, die Position des Bibelbundes zu verschiedenen, die Bibel betreffenden Fragen, kennenzulernen. Mitglieder und Freunde des Bibelbundes haben hierfür Aufsätze verfasst, um diese grundlegenden Positionen verständlich zu vermitteln.

Inhaltsverzeichnis:

    • Vorwort
    • Die Geschichte des Bibelbundes (1894-2000) (Stephan Holthaus)
    • Der Bibelbund in Gegenwart und Zukunft (Michael Kotsch)
    • Bibel und Offenbarung (Benedikt Peters)
    • Bibel und Inspiration (Thomas Jeising)
    • Bibel und Irrtumslosigkeit (Jacob Thiessen)
    • Bibel und Wahrheit (Michael Kotsch)
    • Bibel und Jesus (Karl-Heinz Vanheiden)
    • Bibel und Prophetie (Friedhelm Jung)
    • Bibel und Gesellschaft (Harald Seubert)
    • Bibel und Gemeinde (Daniel Facius)
    • Bibel und Ethik (Bernhard Kaiser)
    • Bibel und Bibelkritik (Ron Kubsch)

Das Buch kann hier bestellt werden: www.amazon.de.

Die Anmaßungen des „Jesus-Seminars“

In einem ersten Teil eines zweiteiligen Artikels beurteilt William Lane Craig die Denkvoraussetzungen und Anmaßungen des „Jesus-Seminars“  Es wird festgestellt, dass die entscheidenden Denkvoraussetzungen oder Vorannahmen, nämlich die des (i) wissenschaftlichen Naturalismus, (ii) der Priorität der apokryphischen Evangelien und (iii) der Notwendigkeit eines politisch korrekten Jesus, ungerechtfertigt sind und zu einer verdrehten Darstellung des historischen Jesus führen.

Fazit:

Glücklicherweise hat sich der Hauptstrom neutestamentlicher wissenschaftlicher Arbeit in eine völlig andere Richtung fortbewegt als der linke Randflügel, repräsentiert durch das Jesus Seminar. Vorbei sind die Tage, in denen Jesus wie eine Gestalt in der griechischen oder römischen Mythologie behandelt wurde. Vorbei sind die Tage, in denen seine Wunder als Märchen abgetan wurden, die auf Geschichten mythologischer Heldengestalten basieren. Vorbei sind die Tage, in denen sein leeres Grab und Auferstehungserscheinungen als Legenden oder Halluzinationen abgeschrieben wurden. Heute stimmt man weitgehend darin überein, dass die Evangelien wertvolle historische Quellen für das Leben Jesu darstellen und dass der richtige Kontext zu ihrem Verständnis nicht die Mythologie, sondern das palästinensische Judentum ist. Man stimmt weitgehend darin überein, dass der historische Jesus an Stelle Gottes selbst auftrat und sprach, die Ankunft des Reiches Gottes verkündete und einen Dienst der Wundertätigkeit und des Exorzismus als Zeichen dieses Reiches ausübte. Ich finde es sehr befriedigend zu sehen, dass die Bewegung neutestamentlicher wissenschaftlicher Arbeit insgesamt in die Richtung geht, das traditionelle Verständnis von Jesus, wie er in den Evangelien geschildert wird, zu bestätigen. Insbesondere hat mich meine eigene Forschungsarbeit über die Auferstehung Jesu mehr denn je überzeugt, dass es sich dabei um ein historisches Ereignis handelte, das durch Beweise verifizierbar ist. Ein Christ kann zuversichtlich sein, dass die historischen Grundlagen seines Glaubens sicher stehen. Darauf können Sie Ihr Leben setzen.

Mehr: www.reasonablefaith.org.

Öffnung der Ehe nur Zwischenschritt

DIE FREIE WELT hat ein hilfreiches Interview mit dem Sexualpädagogen Nikolaus Franke publiziert. Einige Auszüge:

Im momentanen sexualpädagogischen Establishment herrscht eine Kultur der Pluralisierungsethik: Wir nennen alles, was es sonst noch so gibt, hierarchie- und wertungsfrei, halten es Kindern als optionale Modelle vor und erklären Pluralität zum Wert an sich. Alles, was diesem emanzipatorischem Befreiungsgestus der Pluralisierung im Weg steht – und das sind Sexualmoral, Normen, Leitbilder, Naturbegründungen, Normalitätsansprüche, Pathologisierungen –, werden auf diese Weise zu diskursiven Festungen, die es zu schleifen gilt. So kommt es denn auch, dass sich beispielsweise Uwe Sielert berufen fühlt, neben vielem anderen das romantische Liebesideal zu dekonstruieren.

Wer annimmt, dass die deutsche Sexualpädagogik besonders von Medizin oder Biologie inspiriert sei, irrt. Seit Jahren gibt es eine Schieflage innerhalb der Sexualpädagogik. Nur so ist zu erklären, dass in den zentralen Thesen der emanzipatorischen Sexualpädagogik proklamiert wird, dass Sexualpädagogik »politisch« zu sein habe – ein unpädagogischer, unwissenschaftlicher Habitus! Es muss uns nicht überraschen, dass Uwe Sielert und seine Spannemänner seit bereits zehn Jahren von einem strategischen Konzept ausgehen, wonach die Schaffung von Gleichberechtigung unter den Geschlechtern langfristig zu einer Pluralisierung der Liebes- und Sexualformen kommen wird.

Die Gendertheorien haben die deutsche Sexualpädagogik zu einer Gesinnungspädagogik verkommen lassen, mittels der die Propheten der Geschlechtsdekonstruktion ihre Fragen in die Sozialisation von Kindern tragen. Hier werden zentrale pädagogische Konzepte verletzt, beispielsweise der Beutelsbacher Konsens, wonach die Welt des Kindes angesprochen werden sollte, nicht die Moral und Weltdeutungen des Pädagogen. Es wäre etwas anderes, wenn diese Maßnahmen im außerschulischen Bereich angeboten werden. In der Schule herrscht ein Indokrinationsverbot. Es ist mir unbegreiflich, weswegen das bisher so ungehindert ablaufen kann.

Mehr: www.freiewelt.net.

VD: AS

Schleiermachers Entfremdung vom AT

Klaus Beckmanns Studie Die fremde Wurzel (Göttingen, 2002) ermöglicht tiefe Einblicke in bedeutsame Fehlentwicklungen der neuzeitlichen Theologie. Besonders erhellend finde ich, wie Beckmann Schleiermachers Entfremdung vom Alten Testament nachzeichnet.

Über das Jesusbild Schleiermachers schreibt er (S. 39):

Der „Stifter“ des Christentums steht für Schleiermacher von Anfang an nicht in Beziehung zu der jüdisch-religiösen Gedankenwelt, aus der seine Bezeichnung entnommen ist. Die die Christologie der „Reden“ prägende Mittlervorstellung wird nicht biblisch, sondern aus der vorausgesetzten religiösen Konzeption hergeleitet. „Christus“ ist darum der polemische Überwinder des Judentums und ihm nur äußerlich verbunden.

So konnte Schleichermacher an der Christusfrömmigkeit der Herrenhuter Anleihen machen, zugleich aber ihrer vom AT geprägten Sünden- und Erlösungslehre den Rücken kehren (S. 40–41):

Indem Schleiermacher seinen Ansatzpunkt in die religiöse Anschauung des Menschen legte, schob er die in der Theologie der Brüdergemeine im Gottesbegriff festgehaltene Verbindung von Judentum und Christentum zur Seite. In seinem Ringen mit den eigenen religiösen Empfindungen, die ihm mit der überkommenen protestantisch-theologischen Lehre nicht vereinbar schienen, findet sich eine Spitze gegen die dogmatische Wertschätzung des AT, durch die das Christentum an die engen Grenzen des Judentums gebunden werde. Erst der Einfluß der klassischen Philosophie habe die universale Geltung der christlichen Religion begründet. Für den jungen Theologen Schleiermacher setzte Christi Erlöserfunktion seine absolute Neuheit gegenüber der religiösen Umwelt voraus. Christi Auftreten konnte daher nicht in einer solchen offenbarungsgeschichtlichen Kontinuität wurzeln, wie sie der innere Zusammenhang des kirchlichen Kanons beider Testamente dokumentiert. Die Christologie als Rede vom „Mittler“ wurde vom religiösen Erleben und dessen subjektiver Gewißheit her reformuliert, wobei der Gottesbegriff für Schleiermacher zunächst zum Adiaphoron wurde. Die herrnhutische Christusfrömmigkeit Schleiermachers schied sich von der ihr ursprünglich zugrundeliegenden Theologie. Schleiermacher war es möglich, sich in der Absage an die überkommene Satis-faktions- und Versöhnungslehre und den hier involvierten biblisch-reformato-rischen Konnex von Gotteslehre und Christologie die enthusiastische Beziehung zu Christus zu bewahren. Die herrnhutische Prägung mit ihrer charakteristischen Verbindung orthodoxer Sünden- und Gnadenlehre mit einer psychologisierenden Frömmigkeitspraxis zeigte sich „anschlußfähig“ für religiöse Momente des romantischen Denkens, die Schleiermacher in seine Christologie hineintrug. Hinsichtlich der Sünden- und Erlösungslehre und im Schriftverständnis kehrte Schleiermacher Zinzendorf radikal den Rücken. Gegenüber der theologischen Praxis der Brüdergemeine muß dennoch kritisch bedacht werden, inwiefern hier – gegen den nominellen Bekenntnisstand – ein „Christus“-Erlebnis offeriert wurde, das das Gotteshandeln auf das Individuum und seinen „Heiligungskampf“ engführte und überindividuelle theologische Aussagen zurückstellte.

Die Infantilisierung der amerikanischen Universitäten

An den amerikanischen Universitäten wird die postmoderne politische Korrektheit allmählich zu einer gnadenlosen Ideologie, die die Meinungsfreiheit bedroht. Verantwortlich sind neben einer linken Politik auch die sozialen Medien. Um Fühlen geht es, nicht mehr um Denken oder Wissen. Anstatt etwas Objektives zu lernen, suchen Studierende Aussagen ihrer Professoren, die emotional verletzen könnten. Lehrende und Kommilitonen werden wegen sogenannter „Mikroaggressionen“ sogar denunziert. Hier ein Beispiel:

Lukianoff und Haiti berichten von einem Fall an der Indiana-Perdue University in Indianapolis. Dort hatte ein weißer Student ein Buch über einen Studentenaufstand gegen den Ku Klux Klan 1924 in Notre Dame gelesen; auf dem Einband war ein Foto einer Klan-Versammlung. Dies glaubte ein Kommilitone nicht ertragen zu müssen. Das „Affirmative Action“-Büro der Universität gab dem vorgeblich Beleidigten recht. Das Buch kam auf den Index.

Uwe Schmitt kommt in seinem außergewöhnlich guten Artikel zu dem Schluss:

Es ist schwer zu verstehen, warum die US-Bundesregierung die massive Einschränkung von freier Meinung und Lehre durch dünnhäutige, gefühlige Studenten an Hochschulen nicht nur duldet, sondern fördert. Darauf laufen jedenfalls die seit 2013 gültigen Antidiskriminierungs-Statuten hinaus, die Belästigung und ungleiche Behandlung wegen dem Geschlecht, der Rasse, der Religion oder der Nationalität an Hochschulen unter Strafe stellen.

Sie bringen die Universitäten unter noch größeren Druck und spielt denen in die Hände, die den Campus als realitätsbereinigte Schutzzone für sensible Seelen verstehen.

Wie diese behüteten Eliten, die gewöhnt sind, stets Recht zu haben und zu bekommen, sich in Amerikas rauer Arbeitswelt zurechtfinden sollen, ist offen. Nicht nur Greg Lukianoff und Jonathan Haidt sollte das Sorgen machen. In anderen Ländern der freien Welt, die Amerikas akademischen Trends traditionell folgen, lohnte es sich, in den eigenen Hochschulen nach neuen Sprech- und Denkverboten zu forschen. Es wäre ein Wunder, gäbe es sie nicht.

Hier mehr: www.welt.de.

Francis Schaeffer: Großevangelisationen

Kurz vor seinem Heimgang sprach Francis Schaeffer noch einmal bei einer Fragen & Antworten-Runde zu dem Thema „Evangelisation“. Kurz: Schaeffer war nicht grundsätzlich gegen Großevangelisationen. Aber er legte sehr viel Wert darauf, dass der Inhalt des Evangeliums klar verkündigt wird (also keine emotionsgeladene Verkündigung ohne Inhalt). In unserer Zeit brauchen wir – so Schaeffer – viele persönliche Gespräche, da wir die die Botschaft des Evangeliums gründlich erklären müssen. Er legte viel Wert auf die „wahre Wahrheit“ des Glaubens. Eine typische Formulierung von ihm lautet: Es gibt nur einen Grund, Christ zu sein: die Botschaft des christlichen Glaubens ist wahr.

Debatte: Gibt es Gott?

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Mehr Informationen hier: Flyer WLC 2015 Debatte und Vortrag.pdf.

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