Themelios Vol. 40 Issue 2 online

ThemeliosDie neue Ausgabe der Zeitschrift Themelios enthält neben zahlreichen Rezensionen folgende Beiträge:

  • Editorial
  • Some Reflections on Pastoral Leadership (D. A. Carson)
  • Off The Record: Can Antigone Work in a Secularist Society? (Michael J. Ovey)
  • Editor’s Note: Adam in Evangelical Theology (Brian J. Tabb)
  • Pastoral Pensées: Five Truths for Sufferers from the Book of Job (Eric Ortlund)
  • Adam, the Fall, and Original Sin: A Review Essay (Stephen N. Williams)
  • Another Riddle without a Resolution? A Reply to Stephen Williams (Hans Madueme)
  • The Lost World of Adam and Eve: A Review Essay (Richard E. Averbeck)
  • Response to Richard Averbeck (John H. Walton)
  • Communicating the Book of Job in the Twenty-First Century (Daniel J. Estes)

Die Ausgabe gibt es hier als PDF-Datei: Themelios40-2.pdf. Eine Ausgabe für die Logos-Software gibt es hier:  www.logos.com.

Zum Vorfall: Nobelpreisträger Sir Tim Hunt

Harald Martenstein hat „den Vorfall“ Tim Hunt mahnend und ein wenig selbstkritisch angesprochen:

In England und den USA gibt es die schöne Tradition, Reden mit Scherzen zu würzen. Die Scherze dürfen ruhig frech und ein wenig anzüglich sein. Als der Nobelpreisträger Sir Tim Hunt in Südkorea vor jungen Wissenschaftlerinnen gesprochen hat, begann er so: „Es ist seltsam, dass ein chauvinistisches Monster wie ich gefragt wurde, vor Wissenschaftlerinnen zu sprechen. Lassen Sie mich von meinen Problemen mit Frauen erzählen. Drei Dinge passieren, wenn sie im Labor sind: Du verliebst dich in sie, sie verlieben sich in dich, und wenn du sie kritisierst, fangen sie an zu heulen. Vielleicht sollten wir getrennte Labore für Männer und Frauen einrichten? Spaß beiseite, ich bin beeindruckt von der wirtschaftlichen Entwicklung Koreas. Und Wissenschaftlerinnen spielten dabei zweifellos eine wichtige Rolle. Wissenschaft braucht Frauen, und Sie sollten Wissenschaft betreiben trotz all der Hindernisse und trotz solcher Monster wie mir.“

Daraufhin brach ein Shitstorm los, wegen Sexismus. Hunt wurde gezwungen, als Professor zurückzutreten, auch aus der Royal Society wurde er ausgestoßen. Es hat ihm nichts genützt, dass er sich entschuldigt hat.

Und:

Wir verteidigen unsere Werte nicht, wir haben die Hosen voll, aber ich vermute, dass die meisten unserer Leserinnen und Leser etwas mehr Mut von uns erwarten. Der Forscher Hunt, dem die Menschheit manches verdankt, ist erledigt. Wer ist der oder die Nächste?

Hier: www.zeit.de.

VD: LG

Die Rettung vor dem Gericht

Francis Schaeffer (Kirche am Ende des 20. Jahrhunderts, 1973, S .54–55):

Wie sieht nun diese Lösung aus? Paulus sagt, es gebe für den Menschen ohne Bibel und den Menschen mit Bibel dieselbe Lösung. Er nennt uns eine erstaunliche Lösung für das Problem des Menschen. Sie erscheint uns nur dann nicht erstaunlich, wenn wir sie so oft gehört haben, daß wir einfach nicht mehr hinhören. Wenn Sie sich aber einmal in die Lage versetzen könnten, Sie würden mit dieser Antwort plötzlich zum erstenmal konfrontiert, würden also nicht sofort abschalten, weil Sie die evangelikale Phraseologie so gut kennen, sondern wären einmal wirklich gepackt von der Größe der Lösung Gottes für das wirkliche Dilemma, die wahre Schuld des Menschen, dann würden Sie einsehen, daß das Wort »erstaunlich« nicht übertrieben ist.

»Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht; es ist ja eine Gotteskraft (das griechische Wort lautet dynamis, das Dynamit Gottes, die explosive Kraft Gottes) zum Heil für jeden, der glaubt, zunächst für den Juden und dann auch für den Griechen« (Rö 1,16). Paulus erweitert das in Rö 3, 23—26: »Denn alle haben gesündigt und ermangeln der Herrlichkeit Gottes«. Denken Sie daran, wen Paulus hier anspricht — die intellektuelle und kultivierte griechische und römische Welt. »Denn alle haben gesündigt und ermangeln der Herrlichkeit Gottes«. Im Griechischen ist das noch deutlicher — denn alle haben gesündigt (in der Vergangenheit), und sie ermangeln im Augenblick (in der Gegenwart) der Herrlichkeit Gottes. Aber sie werden »geschenkweise gerechtfertigt.«

Hier wird der Errettung keine humanistische Note hinzugefügt. Der Mensch versucht immer wieder der Erlösung seinen Humanismus zur Seite zu stellen. Ob es nun die Juden zur Zeit des Paulus waren, die klassische katholische Kirche mit ihrem Hinzufügen von Werken oder der moderne Theologe — immer ist es dasselbe. Stets versucht der Mensch, ein humanistisches Element in die Errettung hineinzuschmuggeln. Aber wo es um die Errettung des einzelnen geht, lehnt die Heilige Schrift jeden Humanismus ab. Der Mensch wird »aufgrund der Erlösung in Christus Jesus geschenkweise gerechtfertigt. Ihn hat Gott in seinem eigenen Blut als Sühnmal hingestellt durch den Glauben, um seine Gerechtigkeit zu erweisen. Die früher begangenen Sünden ließ er hingehen in der Zeit der Geduld Gottes, weil er seine Gerechtigkeit erweisen wollte in der jetzigen Zeit, auf daß er selbst gerecht sei und den gerecht mache, der aus dem Glauben an Jesus ist.«

Planned Parenthood V

Endlich berichtet eine große deutsche Zeitung über das grausame Geschäft von Planned Parenthood:

Planned Parenthood, der größte Anbieter von Abtreibungen in den USA, gerät zunehmend unter Druck. Nachdem eine Anti-Abtreibungs-Gruppe fünf undercover gedrehte Videos veröffentlicht hat, die zeigen, wie hohe Funktionäre von Planned Parenthood über den Verkauf von Körperteilen und Gewebe von abgetriebenen Embryos verhandeln, laufen Abtreibungsgegner Sturm gegen die Organisation.

In einem dritten Video mit der medizinischen Direktorin der Rocky-Mountain-Klinik von PP, Savita Ginde, stellt diese dar, wie PP versucht, rechtliche Probleme zu umschiffen und Imageschaden zu vermeiden. Besonders schwer erträglich ist der Teil, in dem die potenziellen Käufer und das medizinische Team in der Pathologie der Klinik in Petrischalen mit Teilen von abgetriebenen Föten herumpicken, um verwendbare Organe zu finden. An einer Stelle ruft eine medizinische Assistentin aus: „Es ist ein weiterer Junge.“

In dem jüngsten Video, das erst am Dienstag online gestellt wurde, erzählt die Forschungsdirektorin einer PP-Megaklinik in Texas, dass die Einrichtung auch in der Lage wäre, ganze, intakte Babyleichen zu liefern. Da sei nur die Frage, unter welchem Posten man es verbuche. Einige Abtreibungsärzte hätten schon Erfahrungen damit gemacht, die Prozeduren zu verändern, um bessere Proben zu bekommen für eigene Forschungsvorhaben.

„Wenn man fragt ,Halten Sie Abtreibung für Mord‘, dann sagen die meisten Leute ,Ja, es ist Mord'“, erklärt Bowman. Aber wenn man anders frage, nämlich ob abzutreiben eine persönliche Angelegenheit zwischen einer Frau und ihrem Arzt sein sollte, dann sei eine große Mehrheit dafür, dass es eine persönliche Wahl sein sollte und nicht staatlich verboten. „Das sind zwei zutiefst widersprüchliche Einstellungen, und viele Leute tragen beide gleichzeitig in ihrem Herzen“, sagt Bowman.

Mehr: www.welt.de.

Planned Parenthood IV

Sophia Kuby, als Direktorin des EU Büros der internationalen Menschenrechtsorganisation ADF International tätig, schreibt:

Die ganze Unmenschlichkeit der Abtreibungsindustrie kommt diese Tage ans Licht der Öffentlichkeit. Gestern wurde das vierte Undercover-Video veröffentlicht, das zeigt, wie Mitarbeiter von Planned Parenthood in den USA über den Verkauf von Körperteilen abgetriebener Föten diskutieren als handelte es sich um Tupperware. Es wird laut nachgedacht, wie die Abtreibung so durchgeführt werden kann, dass der Kunde möglichst intakte Organe wie Lunge, Gehirn, Pankreas oder Leber bekommt. „Less crunchy“ (weniger zermalmend) müsse man es tun.

Angeblich über Monate soll nun jede Woche ein neues Video vom Center for Medical Progress veröffentlicht werden. Dabei geht es Planned Parenthood laut eigener Beschreibung doch um lauter schöne Dinge wie Freiheit, eigene Entscheidung, Empowerment und sexuelle Gesundheit der Frau. Letztes Jahr hat die Organisation allein in den USA über eine Milliarde Dollar Profit mit Abtreibungen gemacht. In Deutschland heißt die Partnerorganisation übrigens Pro Familia und ist als gemeinnützig anerkannt.

Dass es bei solcher brutalen Evidenz nicht einen öffentlichen Aufschrei gibt, ist das eigentlich Schockierende. Haben wir so sehr den moralischen Kompass verloren, dass uns die Praxis der millionenfachen Abtreibung und das Profitschlagen aus den „Resten“ kalt lässt? Millionen haben zwar die Videos auf YouTube geklickt und in Twitter zwitschert es darüber doch etwas lauter als sonst, aber ein Aufschrei sieht anders aus.

Mehr: www.katholisch.de.

CD: AS

Die Notwendigkeit des Gerichts

Francis Schaeffer (Kirche am Ende des 20. Jahrhunderts, 1973, S .53–54):

Aber lassen Sie mich eine Warnung unterstreichen: Gottes Gericht ist nicht nur gerecht, es ist auch notwendig. Dies ist die einzige Botschaft, die in der Mentalität des 20. Jahrhunderts etwas ausrichten kann, weil sie die einzige Botschaft ist, die auf die beiden großen Probleme aller Menschen wirklich eine Antwort gibt — des modernen Menschen und des Menschen in allen Zeiten und an allen Orten. Zunächst einmal braucht der Mensch Absoluta, Universalien, etwas, aufgrund dessen er urteilen kann.

Wenn man keine Basis für seine Urteile hat, dann fällt die Realität auseinander, dann kann man Phantasie und Wirklichkeit nicht mehr unterscheiden, dann wird der einzelne Mensch wertlos, und Recht und Unrecht werden bedeutungslos.

Es gibt zwei Möglichkeiten, Gottes Gericht über die Menschen als unsinnig abzutun. Zum einen kann man sagen, daß es kein Absolutes gibt. Dann muß man aber die Folgerung in Kauf nehmen: Wenn Gott nicht aufgrund eines hundertprozentigen Maßstabes richtet, dann ist er wahrhaftig jener alte Mann mit langem Bart. Und schlimmer noch — nicht nur der Mensch lebt im Relativismus, sondern Gott selbst ist vom Relativismus gebunden. Gott muß der Richter sein, dessen eigener Charakter das Gesetz des Universums bildet, sonst haben wir keine absoluten Werte. Wir brauchen uns nicht zu scheuen, davon zu sprechen, daß der einzelne vor Gott treten muß, um gerichtet zu werden — und zwar in der vollen historischen Bedeutung des Wortes »Gericht«. Es ist genau umgekehrt. Wenn das nicht zutrifft, dann haben wir nichts Absolutes mehr, und dann haben wir keine Antwort mehr für den Menschen des 20. Jahrhunderts.

Man kann auf eine zweite Art das Gericht Gottes über den einzelnen abstreiten, indem man dem Menschen seine Bedeutsamkeit nimmt und sagt, er sei eine Maschine oder er sei chemisch oder psychologisch determiniert, so daß er seine Handlungen in dieser Welt gar nicht selbst bestimmen könne.

In einem solchen Falle ist er natürlich nicht verantwortlich und kann gerechterweise nicht gerichtet werden. Aber wahre Bedeutsamkeit ist das zweite Bedürfnis des Menschen, und wenn der Mensch nicht wahrhaft bedeutsam ist, dann haben wir ihn im Namen des Christentums wieder in den großen Topf des Denkens des 20. Jahrhunderts zurückgestoßen, wo der Mensch eine Null wird.

Es geht mir um folgendes: Der einzelne ist nicht von der Schöpfung her von Gott getrennt. Er ist vielmehr von seiner Natur her auf eine persönliche Verbindung mit Gott angelegt; wegen seiner Rebellion gegen Gott ist er von Gott getrennt, und deshalb müssen wir die Lösung unterstreichen, die uns die Heilige Schrift nennt.

Ashly Null: Glaubensgerechtigkeit

Ashley Null hat im Frühjahr einen Vortrag zur Zukunft der Anglikanische Kirche in Australien gehalten. Klare Worte, in einer komplizierten Situation. Ach, wie sehr wünschte ich mir, solche klaren Worte hier in Deutschland hin und wieder zu hören!

Ich freue mich, dass er 2016 wieder in unserem Studienzentrum in München unterrichten wird. Das muss man gehört haben!

T. Tennant: Schluss mit der Kontextualisierung

Der Missionswissenschaftler Tim Tennant hält den Begriff „Kontextualisierung“ inzwischen für so untauglich, dass er es für angemessen hält, den Begriff durch das Wort „Übersetzung“ (engl. „Translation“) auszutauschen. Schon 2010 hat er in seinem Buch Invitation to World Missions: A Trinitarian Missiology for the Twenty-First Century  geschrieben:

Heutzutage verwenden einige Kontextualisierung, um die Idee zu verbreiten, dass ebenso wie Latinos die  Befreiungstheologie haben, die Koreaner eine ming jung-Theologie entwickeln sollten, Frauen eine feministische Theologie, die Farbigen eine farbige Theologie, Inder eine Dalit-Theologie, und so weiter. Doch jede authentische Theologie muss nicht nur die Erkenntnisse der eigenen Besonderheit hochhalten, sondern auch das Allgemeine, das von allen Christen überall geteilt wird, spiegeln. Wie Andrew Walls gesagt hat: „Der Herr der Heerscharen ist kein territorialer Baal.“ Wenn Jesus wirklich Gott ist, dann ist er Herr von uns allen; wir sind alle Glieder des gleichen Leibes.

Mehr bei Nicholas McDonald: scribblepreach.com.

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Gott-ständiges Leben

Ein umwerfendes Zitat von Emil Brunner (Das Gebot und die Ordnungen, 1939, S. 64):

Das ist der Glaube, daß der Mensch nunmehr sich, sein Leben, sein Selbst als ein Leben von Gott her, nicht mehr als ein Leben zu Gott hin weiß. Daß im Menschen diese Umdrehung der Lebensrichtung um 180 Grad, diese Umkehrung oder Bekehrung stattfindet, das ist die Wiedergeburt, die göttliche Setzung des neuen Menschen. Daß aber diese Wiedergeburt als Bekehrung, als Selbstverständnis und Selbstwendung stattfindet, das ist der göttliche Geiststempel dieses Geschehens, wodurch es von Zauberei unterschieden ist. Glauben heißt: so wiedergeboren sich wissen, das Leben als ein geschenktes und die Gerechtigkeit als die „fremde“ hinnehmen. Das neue Leben ist das Leben im Indikativ, statt im Imperativ Gottes, im von Gott her Sein, nicht mehr im zu Gott hin Streben. Erst jetzt ist es wahr geworden: das Gute ist das, was Gott tut, nicht das, was der Mensch tut.

Damit ist, im Blick auf das Sittliche, ein Doppeltes gesagt. Erstens ist jetzt endlich der Mensch nicht mehr „selb-ständig“, sondern „gott-ständig“. Er hat ja seine Gerechtigkeit als eine fremde; „Christus ist meine Gerechtigkeit“, mein neues Ich. Nicht mehr sich selbst traut er das Gute zu, sondern Gott allein. Nicht mehr sich selbst hat er, wie vorher, im Zentrum, sondern Gott. Damit ist er — endlich — geworden, was er auf dem gesetzlichen Weg immer vergeblich zu werden versuchte, vergeblich darum, weil es mit der Gesetzlichkeit unvereinbar ist: frei von sich selbst, vom Sich-selbst-suchen. Bevor er etwas tut, ist er schon bei Gott. Bei allem, was er tut, darf er — ohne erst zu Gott hin zu müssen — von Gott herkommen. Er hat Gott sozusagen immer im Rücken, statt, wie als Gesetzlicher, vor sich. Das ist die Freude und der Friede des neuen Lebensstandes.

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