Wurzeln dogmatischer Arbeit

Wo hat, wenn die Schrift selbst keine Dogmatik ist, diese Disziplin ihren Ursprung? Wir können in Anlehnung an Emil Brunner drei Wurzeln nennen:

(1) Die erste Wurzel der Dogmatik ist der Kampf gegen falsche Lehren. Hören wir einmal auf Emil Brunner, der dies so klar zur Sprache bringt, dass es nur schwerlich besser gesagt werden kann (E. Brunner, Die christliche Lehre von Gott, Bd. 1, 1953, S. 11–12):

„Die sündige Eigenwilligkeit des Menschen bemächtigt sich des Evangeliums und verändert, zunächst unbemerkt, ja vielleicht auch unbewusst, den Inhalt, den Sinn der Botschaft von Jesus Christus und seiner Erlösungstat, vom Gottesreich und der Bestimmung des Menschen. Es entstehen Evangeliumssurrogate, Vermischungen mit Fremdem, Abschwächungen, Verdünnungen, Abweichungen; den biblischen Worten wird ein ihnen fremder, ein ihrer Absicht widersprechender Sinn unterschoben. Die christliche Gemeinde ist in Gefahr, ihren göttlichen Wahrheitsschatz gegen menschliche Erfindungen zu vertauschen. Sollten also die, die um die ursprüngliche Wahrheit wissen, sich nicht aufgerufen fühlen, zwischen Schein und Wahrheit, zwischen ‚Gold‘ und ‚Katzengold‘ zu unterscheiden? Diese Nötigung der Unterscheidung und warnenden Abgrenzung macht der ursprünglichen Naivität ein Ende. Vergleichung, Reflexion wird notwendig, und ihr Anteil wird um so grösser, je raffinierter die Fälschungen sind. Wo die biblischen Wörter zu Gefässen fremder Inhalte werden, genügt keine Berufung auf Bibelworte; wo ganze fremde Systeme in die kirchliche Verkündigung eingeschmuggelt werden, wird es notwendig, das Ganze auf der einen dem Ganzen auf der andern Seite gegenüberzustellen und die systematischen Zusammenhänge dort und hier blosszulegen. Die Irrlehre, die Lehrverfälschung ruft [nach] der dogmatischen Begriffsbildung und Systematik. Aus dem Kampf gegen die Irrlehre ist die Dogmatik der alten Kirche entstanden; aus dem Kampf gegen die römische Verfälschung der biblischen Botschaft erwuchs die Dogmatik der Reformationszeit.“

Wir erkennen hier den apologetischen Gehalt der Dogmatik. Die Verteidigung der gesunden Lehre gehört zu ihren wichtigen Aufgaben. Während sich die Apologetik mehrheitlich nach außen wendet, richtet sich die Dogmatik überwiegend an die Gemeinde der Christusnachfolger.

(2) Eine zweite Wurzel ist die biblische Unterweisung (Katechese). Die Christen haben Jesu Befehl, Menschen aus allen Völkern zu taufen und sie zu lehren (vgl. Mt 28,19–20), ernst genommen und ihre Glieder unterwiesen. Wo Kirche keine lehrende Kirche ist, verliert sie ihre geistliche Kraft sehr schnell. Deshalb wurden Neubekehrte, frisch Getaufte, aber auch Interessierte, gründlich in der Lehre unterwiesen. Bald entwickelte sich ein formalisierter Taufunterricht, der auch Katechese genannt wurde.

Gregor von Nyssa (ca. 335/340 – 394) schreibt in seiner Großen Katechese über die Aufgabe der Unterweisung (G. v. Nyssa, Große Katechese, generiert von der elektronischen BKV, URL: www.unifr.ch. Der Text wurde sprachlich leicht modernisiert.):

„Die Unterweisung in der Glaubenslehre ist eine Pflicht für die Vorsteher des Geheimnisses der Religion, damit die Kirche durch den Zuwachs der Auserwählten dadurch voll werde, dass das Wort des Glaubens auf dem Wege des Unterrichtes dem Ohr der Ungläubigen vermittelt wird. Doch nicht dieselbe Art des Unterrichtes wird für alle, die zu dem Worte herantreten, passen, sondern man muss die Belehrung jedes Mal nach der Verschiedenheit ihrer Religion einrichten, so dass man zwar dasselbe Lehrziel im Auge hat, aber bei allen nicht die nämliche Lehrmethode in Anwendung bringt. Von einer anderen Ansicht ist ja der Jude befangen und von einer anderen der im Heidentum Lebende; … Vielmehr muss man, wie gesagt, auf die Meinungen der einzelnen Rücksicht nehmen und die Belehrung jedes Mal im Hinblick auf die besonderen Irrtümer des betreffenden Gegners einrichten; dazu gehört ferner, dass man bei jedem Unterricht gewisse Grundwahrheiten und wohlbegründete Prämissen im Voraus feststellt, so dass man, von dem von beiden Teilen Zugestandenen ausgehend, in Form von Folgerungen die ganze Wahrheit entwickelt.“

Sehr bekannt ist auch die Schrift Vom ersten katechetischen Unterricht des Kirchenvaters Augustinus.  Er gilt als Erneuerer der Einführungskatechese und erörtert dort viele methodische und pädagogische Fragen, z. B. die Frage, wie oft der Stoff wiederholt werden sollte und ob die Freude am Lehren Voraussetzung für einen gelingenden Unterricht ist.Deutlich wird sowohl bei Gregor als auch bei Augustinus, dass die eine Lehre auf unterschiedliche Weise vermittelt werden muss. Die Unterweisung nimmt Rücksicht auf die Meinungen der Adressaten, setzt sich mit den Irrtümern der „Gegner“ auseinander, um ihnen beim Erschließen der Evangeliumswahrheit zu helfen. Das ist bereits dogmatische Arbeit. Sie fördert die Erneuerung des Denkens, damit der Mensch den Willen Gottes erkennt und zu allem guten Werk geschickt ist (vgl. Röm 12,1–3; 2Tim 3,16f).

(3) Die dritte Wurzel ist die exegetische Arbeit mit biblischen Texten. Mit der Kanonisierung der Heiligen Schrift wuchs das Bedürfnis, Begriffe, Themen und Zusammenhänge tiefer zu verstehen. Es genügte nicht mehr, zu verstehen, was beispielsweise Paulus mit dem Begriff „Gerechtigkeit“ im Römerbrief meinte. Man glich Formulierungen und Themen mit anderen Briefen ab, wollte ein gesamtbiblisches Verständnis für „Gerechtigkeit“ usw. entwickeln. So erlernte man das konkordante Arbeiten, erarbeitete theologische Themen und entwickelte erste kleine dogmatische Schriften zu bestimmten Thematiken.

Kirche verliert Gottes Möglichkeiten aus den Augen

Die Nachrichtenagentur idea hat kurz über die Spurgeon-Konferenz 2015 berichtet:

Der alttestamentliche Prophet Jesaja hat auch den christlichen Gemeinden heute Wichtiges zu sagen. Das betonte der englische Theologe David Jackman (London) auf der Spurgeon-Konferenz, die vom 5. bis 8. August in München stattfand. Jesajas große Themen seien etwa Selbstgerechtigkeit und Unglauben im Volk Israel sowie die Verheißung eines gerechten und siegreichen Königs aus dem Geschlecht Davids, sagte Jackman und zog Vergleiche zur Gegenwart. So wie das Volk Gottes damals auf die eigene Weisheit und menschliche Bündnisse vertraute, neige die Kirche von heute dazu, die großen Möglichkeiten Gottes aus den Augen zu verlieren. Das sei besonders tragisch, da der Messias Jesus Christus bereits erschienen sei und Gott damit uneinholbar bewiesen habe, dass er zu seinen Verheißungen stehe. „Der Grund, weshalb wir Gottes Geboten nicht gehorchen, ist, dass wir Gottes Verheißungen nicht glauben“, sagte Jackman, der viele Jahre Direktor des „Proclamation Trust“ in London war.

An der Tagung, die vom Netzwerk „Evangelium 21“ und vom Martin-Bucer-Seminar veranstaltet wurde, nahmen knapp 60 Personen teil. Benannt ist sie nach dem englischen Erweckungsprediger Charles Haddon Spurgeon (1834-1892), der als bekanntester Prediger des 19. Jahrhunderts gilt. Anliegen der Konferenz ist es, vollzeitliche und ehrenamtliche Verkündiger zur textausiegenden Predigt zu ermutigen und dafür praktische Hilfen zu geben. Während der Tagung erhalten die Teilnehmer einen gründlichen Einblick in jeweils ein biblisches Buch und lernen, wie sie dessen Inhalt lebensnah in Predigt und Lehre weitergeben können.

Nachfolgend ausserdem ein Bericht von dem Konferenzteilnehmer Andreas Münch (Vielen Dank!):

Gottes Wort kehrt nicht leer zurück

Bericht von der 2. Spurgeon-Konferenz 2015 in München Hochsommer im August.

IMG 7927Im Foyer unseres Konferenzraums in München staut sich die Hitze. Ventilatoren werden aufgestellt, um die knapp sechzig aufmerksamen Zuhörer mit frischer Luft zu versorgen. Obwohl das Wetter eher zu einem Besuch im benachbarten Biergarten einlädt, lauscht man den Vorträgen von David Jackman über den alttestamentlichen Propheten Jesaja.

Wir befinden uns auf der Spurgeon-Konferenz, die dieses Jahr vom 5.–8. August in München stattfand. Die Konferenz, benannt nach Charles Haddon Spurgeon, dem „Fürsten der Prediger“, startete im Sommer 2014 zum ersten Mal und wird gemeinsam vom Martin Bucer Seminar München und dem Netzwerk Evangelium21 veranstaltet. Während dieser Tage bekommen interessierte Studenten einen gründlichen Einblick in ein biblisches Buch und lernen, wie sie dessen Inhalt praktisch in Predigt und Lehre weitergeben können.

Dieses Jahr dreht sich alles um den Propheten Jesaja, den Evangelisten im Alten Testament. David Jackman, für lange Jahre Direktor des „Proclamation Trust“ in London sowie erfahrener Pastor und Autor, erklärt seinen Zuhörern zuerst die Botschaft und das Hauptanliegen dieses großen Bibelbuches. Einzelne Bibelstellen aus Jesaja sind bei den hauptsächlich jungen Männern und Frauen bekannt, doch während David Jackman den roten Faden des Buches erklärt, erscheint die Botschaft des alttestamentlichen Propheten in einem ganz neuen Licht. Jesaja ermahnt zur Umkehr von falschen Wegen, verheißt aber auch den endgültigen Sieg Gottes durch das Werk seines Sohnes Jesus Christus, dessen Kommen in Jesaja bereits Jahrhunderte im Voraus auf detaillierte Weise prophezeit wurde. David Jackman versteht es meisterhaft die Brücke von Jesaja zum Leben im 21. Jahrhundert zu schlagen. „Die Verheißungen Gottes sollen unser Leben im hier und heute beeinflussen“, so ein immer wiederkehrendes Prinzip an das Jackman seine Zuhörer erinnert.

Trotz der Hitze hört man dem Engländer bereitwillig zu. Denn seine Leidenschaft für die Zurüstung der nächsten Generation von Predigern spürt man deutlich. Fragen werden ernst genommen und hilfreich beantwortet, auch während der Pausen. Die Ergebnisse der Gruppenarbeiten wurden konstruktiv bewertet und Jackman spart nicht an brauchbaren Tipps für die Gemeindepraxis. Ob erfahrener Prediger oder Neueinsteiger in den Verkündigungsdienst – jeder profitiert von der jahrzehntelangen Erfahrung des Redners. Wie aktuell die Botschaft des alttestamentlichen Propheten für unsere Tage ist, macht Ron Kubsch in einem Vortrag deutlich, wenn er der Frage nachgeht, was mit Gemeinden passiert, die das Evangelium, die frohe Botschaft von Jesus Christus, aus den Augen verlieren. Neben erbaulichen Vorträgen kommt die Gemeinschaft unter den Teilnehmern nicht zu kurz. Während den Mahlzeiten, in Pausen und Freizeiten lernt man sich besser kennen und tauscht über eigene Erfahrungen im Verkündigungsdienst aus. Die Tage sind intensiv, aber lohnenswert. Man ist sich einig. Nächstes Jahr wollen die meisten wieder nach München kommen, um mehr über Gottes Wort und deren Verkündigung zu lernen.

Planned Parenthood VI

Die Nachrichtenagentur idea berichtet über den Skandal um Planned Parenthood:

Der Skandal um den größten Abtreibungsanbieter in den USA, Planned Parenthood (Geplante Elternschaft), weitet sich aus. Zum einen kommen immer grausamere Aufzeichnungen von Organentnahmen bei abgetriebenen Kindern ans Licht. Ferner prüft ein Untersuchungsausschusses des Kongresses jetzt auch mögliche Verbindungen der Regierung von Präsident Barack Obama zu der umstrittenen Organisation. Ihr wird vorgeworfen, Körperteile ungeborener Kinder an Forschungseinrichtungen zu verkaufen, etwa an Stammzell-Labore. Das „Center for Medical Progress“ (Zentrum für medizinischen Fortschritt) hat bereits sieben Enthüllungsvideos solcher Eingriffe veröffentlicht; fünf weitere sollen folgen. Unter anderem beschreibt die medizinisch-technische Assistentin Holly O’Donnell, wie sie angehalten wurde, bei einer Gehirnentnahme mitzuwirken. Sie war für die frühere Partnerorganisation von Planned Parenthood „StemExpress“ in einer Abtreibungsklinik in Alameda (Kalifornien) tätig. Dort habe sie erleben müssen, wie einem Kind, dessen Herz noch schlug, der Kopf aufgeschnitten wurde, um das Hirn zu entfernen. StemExpress bietet Forschern „hochwertiges“ Organmaterial zum Kauf an. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben die Zusammenarbeit mit Planned Parenthood wegen der in der Öffentlichkeit aufgeworfenen Anfragen beendet.

Mehr: www.idea.de.

Von der Notwendigkeit dogmatischer Arbeit

Die Bibel ist kein dogmatisches Buch. Die Bücher der Bibel gehören verschiedenen Gattungen, im Alten Testament finden wir Geschichtsbücher, Lehrbücher, Psalmen und Prophetenbücher. Das Neue Testament enthält die Evangelien, die Geschichte der ersten Gemeinden und Mission, die verschiedenen Briefe und das Buch der Offenbarung. Selbst der Römerbrief des Paulus, zweifellos ein Werk, das in sehr schlüssiger Weise Gedanken entfaltet, ist keine Dogmatik, sondern ein Schreiben mit konkreten Anlässen und Adressaten.

Auf der Grundlage dieses Sachverhalts kann man fragen, ob wir denn so etwas wie Dogmatik überhaupt brauchen. Tatsächlich habe ich mal auf einer Tagung ein Gespräch mit einem Theologen geführt, der fest davon überzeugt war, dass die Christenheit fast alle Streitereien der Dogmatik verdanke und der Zeitpunkt gekommen sei, diese von den Lehrplänen zu streichen. Warum hat Gott uns kein dogmatisches Lehrbuch offenbart? Vielleicht will er ja gar keine Dogmatik?

Viele Christen hegen Vorbehalte gegenüber der Dogmatik. Warum brauchen wir die klaren Definitionen und komplizierten Aussagesätze (Propositionen) und Argumente? Das Evangelium ist so einfach, so dass jeder Laie es verstehen kann. Die ersten Jünger Jesu waren keine Professoren, sondern Fischer. Das Evangelium von der vergebenden Barmherzigkeit Gottes ist für das Herz und Leben des Menschen gedacht, nicht für sein Bedürfnis, Verstandesdispute zu führen. Dogmatik führt doch nur in das abgehobene, theoretische Debattieren. Gott aber will uns in die Gemeinschaft rufen und zu Werken der Barmherzigkeit anstiften. Es geht dem Christentum nicht um die reine Lehre, sondern um den Glauben an die Person Jesus Christus. Die dogmatische Lehre, so häufig zu hören, widerspreche dem Leben, fördere die Intoleranz und ersticke die tätige Liebe (vgl. dazu W. Künneth, Fundamente des Glaubens, 1980, S. 40–42).

Solche und ähnliche Vorbehalte sind schon alt und nicht gänzlich unberechtigt. Lehre kann lebensfremd sein. Tatsächlich warnt bereits die Bibel vor dem unnützen Gezänk streitsüchtiger Menschen (vgl. 1Tim 6,5). Dogmatische Streitigkeiten spiegeln manchmal nur das Bedürfnis nach Selbstdarstellung, Gewinnsucht (vgl. Tit 1,11; 2Petr 2,3) oder auch Manipulation von Menschen. Auch unter den Dogmatikern gibt es „böse Leute“ und „Scharlatane“, die zum Schlechten hin „verführen“ und „verführt werden“ (2Tim 3,13).

Dennoch dringen diese Vorbehalte nicht zum Kern der Sache vor.

Einmal können wir einwenden, dass die Heilige Schrift, obwohl sie kein dogmatisches Lehrbuch ist, gleichwohl den unschätzbaren Wert der Lehre herausstellt. Nachfolger Jesu sollen die Zuverlässigkeit der Lehre erkennen (vgl. Lk 1,4), an der Lehre der Apostel festhalten (vgl. Apg 2,42), der Lehre gegenüber von ganzem Herzen Gehorsam werden (Röm 6,17). Alles, was uns im Römerbrief geschrieben ist, ist „uns zur Belehrung geschrieben“ (Röm 15,4). Wir finden in den Pastoralbriefen die aufschlussreiche Wertschätzung der „gesunden Lehre“ (2Tim 4,3), so dass ein Ältester am Wort festzuhalten hat, das „zuverlässig ist und der Lehre entspricht“ (Tit 1,9).

Noch einschneidender ist die Beobachtung, dass die Wirklichkeit so geschaffen ist, dass wir ohne Dogmatik nicht leben können. Kurz: Jeder Mensch ist durch die Welt, in die er hineingestellt ist, gezwungen, „Dogmatiker“ zu sein. Walter Künneth spricht von einer anthropologischen Grundbestimmtheit der Lehre und schreibt (W. Künneth, Fundamente des Glaubens, 1980, S. 42):

Von ausschlaggebender Bedeutung ist die Einsicht, daß das Menschsein in seiner Tiefe und Hintergründigkeit von einer dogmatischen Weichenstellung nicht zu lösen ist. Es gibt demnach keinen Menschen, der sich nicht unbewußt oder bewußt, indirekt oder direkt von einer geheimen dogmatischen Überzeugung leiten ließe. Die Behauptung einer Grundsatzneutralität muß als Selbsttäuschung durchschaut werden. Jedes menschliche Denken und Handeln wird von irgendwelchen vorausgegebenen Grundsätzen, die man auch als ‚Lehren‘ bezeichnen könnte, unterbewußt oder willensmäßig gesteuert. Die Quellorte dieser den Menschen dirigierenden Prinzipien und Lehren sind unendlich mannigfach, zu denken ist an Tradition und Sitte, Umwelteinflüsse, tiefenpsychologisch zu analysierende Urgründe der menschlichen Psyche, seine persönlichen Überzeugungen und Erfahrungen, die sich zu normgeladenen Lebensgrundsätzen verdichten. So entstehen und wirken ‚dogmatische‘ Leitbilder, die auf Verhaltensweise und Lebensgestaltung einen zielsetzenden Einfluß ausüben. Niemand kann daher dieser Grundbestimmtheit durch eine ‚Lehrerkenntnis‘ oder ein ‚Lehrurteil‘ entfliehen. Die Ausrichtung des Daseins durch irgendeine ‚Lehre‘ ist unvermeidbar.

Folglich geht es gar nicht um Dogma versus Leben, sondern um Dogma versus Dogma, Irrtum und Lüge versus Wahrheit. Die wesentliche Frage ist: Lenken falsche oder gesunde Glaubenssätze unser Leben? Immer werden es Glaubenssätze sein, die unserem Leben Richtung und Sinn geben. Die falsche Lehre knechtet uns, macht uns geistliche krank und lenkt in das Verderben. Jesus als der wahre Lehrer und Erlöser führt uns durch seine Worte in die Wahrheit und damit auch in die Freiheit.

Überdenken wir zur Illustration kurz den geläufigen Einwand, es komme auf die Liebe und nicht auf die Lehre an. Der Rückzug auf die „Liebe“ entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als eine zutiefst dogmatische Entscheidung. Was ich auch immer unter „Liebe“ verstehe, meine Auffassung von Liebe ist ein dogmatische. Der eine versteht unter Liebe, dass ich die Interessen des Nächsten in jedem Fall zu achten habe. Ein anderer verbindet mit Liebe möglicherweise ein bestimmtes Gefühl. Wieder ein anderer möchte um der Liebe willen einen Menschen vor seinen selbstsüchtigen Sehnsüchten schützen. Was auch immer wir unter Liebe verstehen, unsere Deutung und Verwirklichung der Liebe ist von Einsichten, Erfahrungen und Urteilen über den Menschen und seine Beziehungen getränkt, die dogmatischer Natur sind. Liebe ersetzt Erkenntnis also nicht, sondern setzt sie voraus. Lehre im Sinne von dogmatischen Grundentscheidungen ist deshalb unausweichlich. Auch wer Lehre ablehnt, lehrt. Die entscheidende Frage ist: Welche Lehre bestimmt unser Denken und Handeln? Dogmatik will unsere Herzen unter die Herrschaft der Wahrheit bringen. Deshalb entfaltet sie uns die unüberbietbare Lehre, die uns Christus gebracht hat.

Jetzt kommt die Sprachpolizei

Redner werden ausgeladen, Wörter verbannt, Ideen unterdrückt: An amerikanischen Universitäten grassiert eine beängstigende Form politischer Korrektheit. Sie ist – zum Beispiel von Obama – gewollt. Letztlich ist es aber ein schwerwiegender Eingriff in die Freiheit und leider eben auch eine Steilvorlage für Leute wie Donald Trump.

Martin Killan schreibt für den schweizer TAGESANZEIGER:

Bestimmte Bücher werden als verletzend empfunden und aus den Seminaren verbannt. Die Sprachpolizei patrouilliert den Campus und registriert selbst kleinste «Mikroaggressionen». Lehrende sollen vorsorglich «vor Auslösern» warnen, wenn in Vorlesungen Stoffe behandelt werden, die bei Studenten psychologische Traumata hervorrufen könnten. Und Identitätspolitik wie politische Korrektheit, beides eigentlich alte Hüte, sind wieder da. «Etwas Merkwürdiges passiert an amerikanischen Universitäten und Colleges», melden der Sozialpsychologe Jonathan Haidt und der Anwalt Greg Lukianoff in einem kürzlich im «Atlantic Monthly» publizierten Artikel.

Ideen werden verboten, weil sie womöglich verletzend sind, Professoren beschuldigt, keine Rücksicht auf das emotionale Wohlbefinden ihrer Studenten zu nehmen: Im amerikanischen Elfenbeinturm kracht es vernehmlich. Immer lauter werden die Beschwerden derjenigen, die an den Hochschulen eine gefährliche Mischung von Identitätspolitik und politischer Korrektheit beobachten. Ziel der neuen Bewegung sei es, «den Campus in eine Sicherheitszone zu verwandeln, wo junge Erwachsene vor Ideen und Wörtern geschützt werden, die ihnen Unwohlsein bereiten», so Lukianoff und Haidt.

Mehr: www.tagesanzeiger.ch.

NIV Zondervan Study Bible

41RVOe8eJ5L._SX334_BO1,204,203,200_Hier gibt es einen Sampler zur neuen NIV Zondervan Study Bible: NIV-Zondervan-Study-Sampler.pdf.

Die Bibel enthält folgende 28 theologische Essays:

  • The Story of the Bible: How the Good News About Jesus Is Central (Timothy Keller)
  • The Bible and Theology (D. A. Carson)
  • A Biblical-Theological Overview of the Bible (D. A. Carson)
  • The Glory of God (James M. Hamilton Jr.)
  • Creation (Henri Blocher)
  • Sin (Kevin DeYoung)
  • Covenant (Paul R. Williamson)
  • Law (T. D. Alexander)
  • Temple (T. D. Alexander)
  • Priest (Dana M. Harris)
  • Sacrifice (Jay A. Sklar)
  • Exile and Exodus (Thomas R. Wood)
  • The Kingdom of God (T. D. Alexander)
  • Sonship (D. A. Carson)
  • The City of God (T. D. Alexander)
  • Prophets and Prophecy (Sam Storms)
  • Death and Resurrection (Philip S. Johnston)
  • People of God (Moisés Silva)
  • Wisdom (Daniel J. Estes)
  • Holiness (Andrew David Naselli)
  • Justice (Brian S. Rosner)
  • Wrath (Christopher W. Morgan)
  • Love and Grace (Graham A. Cole)
  • The Gospel (Greg D. Gilbert)
  • Worship (David G. Peterson)
  • Mission (Andreas J. Köstenberger)
  • Shalom (Timothy Keller)
  • The Consummation (Douglas J. Moo)

VD: AN

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Schutz von Ehe und Familie aufgekündigt

Politik und Rechtssprechung hebeln den besonderen Schutz von Ehe und Familie immer mehr aus, meint Prof. Dr. Werner Münch, früher Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt und Abgeordneter im Europa-Parlament. Hier einige Zitate aus einem Vortrag, den der heutige Unternehmensberater kürzlich gehalten hat:

In Deutschland werden z. Z. jährlich über 12.000 künstlich gezeugte Kinder geboren. Homosexuelle Paare, die ein „Recht auf ein Kind“ für sich reklamieren, nutzen zahlreiche Samenbanken im Inland und die Möglichkeit der Besorgung von Eizellen im benachbarten Ausland. Dass auf das Einpflanzen einer fremden Eizelle hierzulande bis zu drei Jahre Haft stehen, kümmert niemanden mehr. Der Staat schaut einfach weg. Ich bin mir ziemlich sicher: Nach der Gleichstellung aller gleichgeschlechtlichen Partnerschaften mit der heterosexuellen Ehe werden bald die Aufhebung des Verbotes der Leihmutterschaft und die Polygamie gefordert werden.

Was treibt den Staat eigentlich überhaupt dazu, unsere Kinder zu erziehen und sich dabei noch einzubilden, er könne das besser als die Eltern? Natürlich gibt es unterschiedliche Notwendigkeiten für die Betreuung von Kindern durch Dritte. Aber diese Entscheidung liegt bei den Eltern und nicht beim Staat. Ist heute eigentlich familienfreundlich nur das, was die Familie ersetzt? Wir brauchen keine flächendeckenden 24 – Stunden Kitas in Deutschland, und sollen wir eine Entwicklung akzeptieren, an deren Ende uns vielleicht eines Tages der Zwang auferlegt wird, dass wir einen Antrag beim Staat stellen müssen, wenn wir unsere Kinder wenigstens noch zeitweise selbst betreuen wollen. Was ist an dieser Familienpolitik eigentlich modern?

Unter dem Verkaufsschlager „sexuelle Vielfalt“ haben sich seít langem sog. schulfremde „Experten“ an die Arbeit gemacht, um der sexuellen Anleitung, nicht Aufklärung!, in den Schulen ihren Stempel aufzudrücken. Eine solche Diktatur der Sexualpädagogik erleben wir seit einiger Zeit in zahlreichen Bundesländern. In schamzerstörenden Übungen sollen z. B. 10 – 15 – jährige Schüler über ihre Lieblings-Sexualpraktiken und – erfahrungen berichten, „dirty talks“ und Stöhnen üben, Analsex in einem Theaterstück darstellen, über das Thema „ein neuer Puff“ diskutieren sowie „galaktische Sexualpraktiken“ erfinden, die auf der Erde verboten sind. In einem Projekt „Gänsehaut“ werden mit 10 – Jährigen Massagen geübt. In der Anweisung dazu steht, dass „dünne Kleidung genügt, damit der unterschiedliche Druck und die verschiedenen Streichrichtungen auch erspürt werden können. Und wer dann noch nach all dem Schund die theoretische und praktische Sex – Prüfung besteht, erhält am „Tag des Kondoms“ in der Schule einen „Kondomführerschein“. Unabhängig von Alter und Entwicklungsstufe wird die Würde und das Schamgefühl des Kindes grob missachtet. Statt eine Erziehung zur Verantwortung im Umgang mit der Sexualität zu leisten, wird diese primitiv banalisiert.

Was ist eigentlich los in unserer Gesellschaft? Sind wir inzwischen von einer perversen Lust an unserer Selbstzerstörung befallen?

Mehr: www.i-daf.org.

VD: MM

Der Mythos von der virtuellen Realität

Das habe ich bei TheoKonservativ gefunden:

Was wir an einem Display machen, ist nicht virtuell, genau so wenig, wie unsere Gedanken oder Worte virtuell sind. Nur weil wir keinen körperlichen Kontakt mit anderen Menschen haben, handeln sie nicht außerhalb der Realität, sondern empfinden ganz reale Gefühle, Hoffnungen, Kränkungen, Enttäuschungen – ebenso wie Hass, Eifersucht und Mordfantasien.

Das Internet ist als Teil der Realität zu sehen, wenn wir einkaufen, weil wir mit realem Geld reale Güter kaufen. Der Computer-Konsum hat realen Einfluss auf unseren Körper und oft auch indirekt auf unsere Ernährung, wenn neben dem Spielen bei manchen keine Zeit mehr für eine geregelte Mahlzeit bleibt.

Die schrecklichsten Formen, wie Menschen über das Internet in das Leben anderer eingreifen, sind sexuelle Folter an Kindern. Ich weiß, dass sich unter Pädophilen längst die Vorstellung breit gemacht hat, Kinder-Pornos „nur“ zu „konsumieren“, sei harmlos und müsse unbedingt von Sexualstraftätern unterschieden werden. Aber mit diesem „Konsum“ werden Vergewaltiger finanziert. Ist das nicht real? Wer Kinderpornos ansieht, ist ebenso mitschuldig am Leid und oft an den lebenslangen schweren Schäden der Gewaltopfer, wie jemand, der einen Auftragsmord begeht.

Mehr: blog.theocons.de.

Probleme der Gemeinschaftsschule

Ein Gutachten stellt dem Vorzeigeprojekt Gemeinschaftsschule ein vernichtendes Urteil aus. Vor allem das individuelle Lernen erweise sich als denkbar ineffektiv. Heike Schmoll, die in den letzten Jahren zu Unrecht viel Verriss ertragen musste, schreibt für die FAZ:

Landesregierung in Stuttgart schlechthin. Sie soll nicht nur das gemeinsame Lernen ganz unterschiedlich begabter Schüler ermöglichen, sondern dient angesichts der sinkenden Schülerzahlen an vielen Orten des Flächenlandes Baden-Württemberg dazu, den Schulstandort zu sichern. Viele Gemeinschaftsschulen finden sich deshalb im ländlichen Raum, ganz gleich, welche Partei den Gemeinderat gerade regiert.

Nun wurde ein vernichtendes Gutachten über die Gemeinschaftsschule bekannt, das vom Kultusministerium bisher unter Verschluss gehalten wird, den Vermerk „nur intern verwenden“ trägt und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vorliegt. Danach gelingt weder die neue Unterrichtsform des selbständigen Lernens mit Lehrern als Lernbegleitern noch die Inklusion oder die besondere Förderung der Schwächsten und Stärksten. Auch die Leistungsbeurteilung ist mehr als fragwürdig. In den Fremdsprachen kommt das Sprechen zu kurz.

Mehr: www.faz.net.

Wie das Gehirn die Seele formt

Gene, vorgeburtliches Erleben und die Erfahrungen mit Bindungen und Stress in der frühen Kindheit prägen das Gehirn – und bestimmen, ob jemand psychisch krank wird. Gerhard Roth beschreibt für die FAZ die Verbindung von Gehirn und Seele. 

Wenig überraschend setzt Roth dabei die Identitätstheorie von Seele und Hirn voraus. Demnach ist das Gehirn identisch mit der Seele, anders gesagt: das Gehirn unmittelbarer „Produzent“ des Psychischen. Das ist zunächst nur mal eine Behauptung. Beweisen kann man sie auch mit bildbgebenden Verfahren kaum, wenn sich die Seele dem naturwissenschaftlichen Zugriff entzieht.

Nichtsdestotrotz halte ich einige Erkenntnisse aus der Neurobiologie für zutreffend und sehr nützlich. Zum Beispiel:

Der dritte und wohl wichtigste Faktor für die Entwicklung unserer Psyche und unserer Persönlichkeit sind die Erfahrungen in den ersten zwei bis drei Jahren nach der Geburt. Hier findet auf der „mittleren limbischen Ebene“, auf der die Amygdala (emotionale Konditionierung), das mesolimbische System (Belohnungslernen) und die Basalganglien (Ausbildung von Gewohnheiten) in der engen Interaktion mit der primären Bezugsperson – meist, aber nicht notwendig, der Mutter – die Ausgestaltung der noch undifferenzierten Gefühlswelt des Säuglings und Kleinkindes statt, ebenso die Entwicklung der vorerst nichtsprachlichen Kommunikation (Mimik, Blick, Lautäußerungen, Gesten) und die Bindungsfähigkeit. Hierbei prägt die primäre Bindungsperson über ihr Verhalten ihre Persönlichkeit dem Kleinkind in beträchtlichem Umfang auf. Dies erklärt, wie psychische Defizite der Bindungsperson, etwa Angststörungen oder Depressionen, an das Kleinkind je nach dessen Temperament und der Schwere der psychischen Belastung der Bindungsperson weitergegeben werden.

 

Ein vierter Faktor ist die sich anschließende psychische Erfahrung in der Familie, in Kindergarten, Schule usw., die allgemein als „Erziehung“ und „Sozialisierung angesehen wird. Dieser Prozess vollzieht sich auf der oberen limbischen Ebene, nämlich im orbitofrontalen, cingulären und insulären Cortex. Hier wird das egozentrierte Fühlen, Denken und Handeln des Kleinkindes nach dem Prinzip „ich will alles, und zwar sofort“ den Erfordernissen des familiären und gesellschaftlichen Zusammenlebens angepasst, soweit das Temperament und die frühkindliche Prägung dies zulässt. Es entwickeln sich die Fähigkeiten zur Kooperation, zu Empathie, zum Einhalten gesellschaftlich-moralischer Regeln und zur Berücksichtigung der Konsequenzen eigenen Handelns für einen selbst und die Anderen. Diese Ebene entwickelt sich bis zum Erwachsenenalter und darüber hinaus.

Mehr: www.faz.net.

 

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