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Die Dekonstruktion der Geschlechterkategorien

Jacques Derrida hat die Dekonstruktion als systematische Subversion der europäischen Metaphysik aufgefasst. Dekonstruktivisten interessieren sich für die (Zer)Störung von Strukturen. Sie glorifizieren die Sinnvariabilität von Objekten oder Texten und erklären binäre Gegensätze wie gut/böse, Zentrum/Rand, normal/unnormal, drin/draußen, männlich/weiblich oder Gott/Teufel für obsolet.

Anita Mörth beschreibt in ihrer Diplomarbeit den Aufbruch der strukturierenden Zweigeschlechtlichkeit und erarbeitet ein handlungsorientiertes pädagogisches Konzept für die »Geschlechter-Dekonstruktion als Prinzip in der universitären Lehre«: da_anitamoerth.pdf.

Orientierung in den Wirren der Dekonstruktion

Christopher Talbot beschreibt in dem Aufsatz „‚The Sun Came Out and the Song Came‘: Francis Schaeffer and Deconstructionist Spirituality“ (WTJ, Bd. 85, Ausgabe 2, 2023, S. 309–322) Francis Schaeffers tiefe Zweifel am christlichen Glauben. Diese Phase seines Lebens führte freilich nicht zum Bruch mit dem Christentum, sondern zu einer geistlichen Erweckung. Periode der Dekonstruktion können auch damit enden, dass der Gottesglaube gestärkt wird.

Das Fazit lautet: 

Schaeffers Krise führte nicht dazu, dass das Pendel zu einer anderen Art von Christentum oder gar keinem Christentum ausschlug, sondern dazu, dass er sowohl die intellektuelle als auch die spirituelle Realität des historischen christlichen Glaubens bejahte. Schaeffer hatte seine eigene spirituelle Krise durchlebt und das Christentum als Ganzes mit der Bereitschaft bewertet, es völlig zu verwerfen. Dennoch überstand er diese Zeit des tiefen Zweifels mit einem neu entfachten Eifer für die Wahrheit des christlichen Glaubens. Sein eigenes Engagement, seine apologetische Methode und seine Sicht des kirchlichen Zeugnisses im zwanzigsten Jahrhundert zeugen von einem Menschen, der sich mit Zweifeln auseinandergesetzt hat und sich um die kümmert, die ebenfalls zweifeln.

Schaeffer engagierte sich nicht für die Dekonstruktion, sondern orientierte sich selbst und die Menschen, denen er diente, am Wiederaufbau – daran, den christlichen Glauben als wahr für das ganze Leben zu sehen. Er sah das historische Christentum als etwas Ganzheitliches und Absolutes. Er erlebte tiefe Zweifel, und er diente konsequent denen, die zweifelten, während er gleichzeitig auf den unendlichen, persönlichen Gott hinwies, der in der Tat da ist.

Schaeffer war nicht perfekt und bietet kein makelloses Modell. Dennoch verstand er das Christentum als etwas, das man ganz annehmen oder ganz ablehnen kann. Dies zeigte sich in seiner Apologetik, die eine ganze Welt- und Lebensanschauung bot, die überprüft und getestet werden konnte. Er setzte diese überzeugende Apologetik mit einer Fülle von Mitgefühl um. Schließlich verdeutlichte er konsequent den wahren christlichen Standpunkt und versuchte, das wahre Christentum von allem unnötigen oder schädlichen kulturellen Ballast zu befreien. Indem er diese Elemente konsequent umsetzte, bietet Francis Schaeffer uns heute eine überzeugende Vision dafür, wie wir denen dienen können, die sich in den Wirren der Dekonstruktion befinden, eine Vision, die aktueller ist denn je. Seinem Modell folgend können wir diejenigen, die geistliche Zweifel erleben und daraus hervorgehen, dazu bringen, zu sagen: „Allmählich kam die Sonne heraus und das Lied kam.“

Die Meinungsdiktatur des Regenbogens

Selbst die deutschen Universitäten haben inzwischen ihre Unabhängigkeit weitgehend an den Nagel gehangen, während die hypermoralische Kultur des Regenbogens totalitäre Züge entwickelt und Gehorsam einfordert.

Der Historiker Andreas Rödder hat in der NZZ eine bedenkenswerte Analyse veröffentlicht:

Die Postmoderne frisst ihre Kinder. Die Kultur des Regenbogens ist aus der postmodernen Dekonstruktion traditioneller westlich-bürgerlicher Ordnungsvorstellungen in den achtziger Jahren hervorgegangen: der Geschlechterordnung, der Vorstellung von der Nation oder des Westens an sich. Was als befreiende Dekonstruktion begann, führte indessen zur Konstruktion einer neuen Ordnung. Dabei wusste Jean-François Lyotard, dass der Konsens immer auch ein Instrument ist, um das Dissente zu unterdrücken – mit Tendenz zum Terror, wie er schrieb.

Inzwischen haben sich die Herrschaftsverhältnisse umgekehrt. Heute zeichnet sich eine Meinungsdiktatur des Regenbogens und damit die Verkehrung seiner emanzipatorischen Anliegen ab. Jedenfalls besagen Allensbach-Umfragen, dass eine Mehrheit der Deutschen inzwischen der Meinung sei, man müsse aufpassen, was man öffentlich sage – womit nicht die Einhaltung elementarer Höflichkeitsregeln gemeint ist.

Mehr: www.nzz.ch.

Post-evangelikaler Glaube

Ian Harber beschreibt in seinem Artikel „Post-evangelikaler Glaube“, wie er durch die Lektüre emergenter Literatur seinen evangelischen Glauben verlor. Irgendwann merkte er allerdings, dass es sich mit Dekonstruktion und Progressivität allein nicht wirklich christlich leben lässt:

Jeglicher Glaube, den ich einmal gehabt hatte, war gründlich demontiert worden und lag in seinen Einzelteilen offen vor mir am Boden, wartete auf eine konstruktive Überprüfung. Aber es gab keine Hilfestellung, hier wieder irgendetwas zusammenzusetzen. Es ist eine einfache, unverantwortliche, gefährliche und trennende Sache, Menschen zur Dekonstruktion ihres Glaubens anzuleiten, ohne ihnen dann auch zu helfen, ihn neu zusammenzusetzen. Das Ziel einer Dekonstruktion sollte größere Treue zu Jesus sein, nicht nur Selbsterfahrung oder die Präsentation der eigenen Vortrefflichkeit.

Die Erneuerung des Glaubens setzte interessanterweise ein, als Ian damit begann, sich gründlich mit der Theologie zu beschäftigen, die in den progressiven Kreisen so verpönt war:

Einer meiner Lehrer sagte: „Wir betreiben im Licht Theologie, damit wir auch im Dunkeln auf ihr stehen können.“ Ich betrieb Theologie und stand zugleich im Dunkeln auf ihr. Zum ersten Mal lernte ich, die Lehren über die Dreieinigkeit und über die Schrift als einheitliches Ganzes zu verstehen. Ich lernte, wie man die Bibel als inspirierten Text liest. Ich lernte, wie Lehren, die ich als widersprüchlich betrachtet hatte – beispielsweise den stellvertretenden Sühnetod Christi und den „Christus Victor“ –, sich in Wirklichkeit ergänzten, um uns das vollständige, herrliche, biblische Bild vor Augen zu malen. Ich lernte, was Einheit mit Christus bedeutet und welche Segnungen sie mit sich bringt. Ich lernte etwas über gute geistliche Angewohnheiten und welch eine lebensspendende Freiheit aus einer disziplinierten Nachfolge Gottes entspringt. Von dort aus eröffnete sich mir die weite und reiche Welt der christlichen Lehre über die Jahrhunderte hinweg – und lud zum Entdecken ein.

Hier mehr: www.evangelium21.net.

Die Tyrannei der Tugendhaften

Jürg Altwegg skizziert in seinem FAZ-Beitrag „Die Tyrannei der Tugendhaften“ die Kritik des französischen Philosophen Pierre-André Taguieff am Postmodernismus. Interessant dabei ist, dass sich auch der russische Nationalist Alexander Dugin bei der französischen Postmoderne bedient, um den Umsturz der Diktatur des Westens zu fördern. Jürg Altwegg schreibt:

Der Ideenhistoriker Pierre-André Taguieff deutet den „militanten und ideologisierten Hass auf die europäische Kultur“, den Woke predige, als „Diabolisierung des Westens“. Die „Dekonstruktion“ führt er auf den Einfluss von Heidegger und Nietzsche in Frankreich zurück. Taguieff kennt die philosophische und politische Wirkungsgeschichte der französischen Postmoderne in beiden Ländern. „Black Lives Matter wurde 2013 von drei militanten Marxistinnen begründet“, hält er in „Pourquoi décon­struire?“ fest. Aus dem Antirassismus wurde ein Rassismus. Die Umschreibung der Geschichte belegt er mit dem Hinweis auf Historiker, die den Anfang der Demokratie nicht in Athen, sondern in Afrika situieren. Woke versteht Taguieff als Wiedergeburt der „revolutionären Utopie“.

Nebenbei weitet er seine Darstellung auf den russischen Nationalisten und Ideologen Alexander Dugin aus. Dugin kennt die französische Postmoderne und zitiert ihre Autoren. Die Dekonstruktion der westlichen Hegemonie unterstützt er laut Taguieff „ohne Einschränkung“. Sie entspricht dem Willen „zum Umsturz der Diktatur des Westens“. Dugin benutzt das „Arsenal der postmodernen Kritik“. Verworfen aber wird das von Woke angerichtete „allgemeine Chaos“ mit der „Umkehrung der Hierarchie“ und der „Auflösung ihrer Komponenten“: Geschlecht, Wissen, Gesellschaft, Politik.

Mehr (hinter einer Bezahlschranke): https://www.faz.net.

Postmoderne als Abwehrmechanismus

Globalisierung und digitale Technisierung haben einen neuen ich-orientierten Persönlichkeitstypus hervorgebracht. Er entzieht sich verbindlichen Strukturen und will ständig Wirklichkeit neu schaffen. Der »neue Mensch« sucht sein Glück eklektisch bei Spiel, Sport, Lifestyle, Wellness oder in sonstigen Erlebniswelten.

Rainer Funk, von der analytischen Sozialpsychologie Erich Fromms geprägt (sein letzter Assistent), machte als Erster den Versuch, diesen neuen Persönlichkeitstypus psychoanalytisch zu verstehen und zu beschreiben. Dabei kommt er zu interessanten Ergebnissen. Besonders aufschlussreich finde ich, dass er das tiefe Bedürfnis nach Dekonstruktion als psychologischen Abwehrmechanismus beschreibt. Ein postmoderner Mensch empfindet Verbindlichkeit oder Begrenzung als bedrohlich und rationalisiert deshalb möglichst alle auoritären Ansprüche an ihn weg (z.B. den Anspruch eines bindenden Bibeltextes wie in Mt 6,24; das ist mein Beispiel, nicht das von R. Funk). Hinter der Lust an der Dekonstruktion, diesem fast schon demagogischen sich nie festlegen wollen (das kann man natürlich so oder so sehen, ich bin ich und du bist du) oder der notorischen Verweigerung steckt ein Abwehrmechanismus. Funk schreibt (Rainer Funk, Ich und Wir, München: dtv, 2005, S. 219)

Postmoderner Lebensstil zeichnet sich gegenüber den bisherigen Lebensformen vor allem durch die programmatische Befreiung von gesellschaftlichen Mustern des Selbsterlebens und des Umgangs mit der natürlichen und menschlichen Umwelt aus. Die Befreiung wird dabei nicht durch neue Lebensstile und Muster erreicht, die die alten ersetzen, sondern durch die Entgrenzung von allem Vorgegebenen. Dekodierung und Dekonstruktion stehen im Dienste dieser Entgrenzung. Im Hinblick auf das geistige und spirituelle Selbsterleben des Menschen kommt es zu einer Patchwork-Identität und Patchwork-Religiosität; das Lebensskript besteht im je neuen projekthaften »Basteln an der eigenen Biografie« (U. Beck 1997, S. 191). Schließlich geht mit der Entgrenzung der Verlust eines kohärenten Welt-, Geschichts- und Menschenbildes einher, der insofern zu einer dramatischen Orientierungslosigkeit führt, als kein Mensch psychisch überleben kann, ohne das »Bedürfnis nach einem Rahmen der Orientierung und nach einem Objekt der Hingabe« (E. Fromm 1955a, GA IV, S. 48-50) zu befriedigen.

Bestimmte Aspekte des Anspruchs postmodernen Denkens als typische »Zeitgeist-Phänomene« können deshalb »psychoanalytisch demaskiert und dekodiert werden« (S. 199).

Dies betrifft in erster Linie den Anspruch, den die postmoderne Art zu leben erhebt: Jeder habe das Recht, seine Art zu leben frei und selbstbestimmt zu wählen. Begründet wird dieses Recht damit, dass Wirklichkeit immer Konstruktion sei. Psychoanalytisch lassen sich solche Ansprüche als Abwehr unbewusster Befindlichkeiten (etwa des Gefühls der Abhängigkeit oder der Begrenztheit) deuten. Die Begründung (Wirklichkeit sei immer Konstruktion) wird durch eine solche Deutung zu einer Scheinbegründung, zu einer Rationalisierung.
Rationalisierungen haben – das wurde aufgezeigt – die Aufgabe, ein faktisches Verhalten so zu begründen, dass dieses als sinnvoll und ethisch wertvoll deklariert wird. Unterschiedliche Verständnisse von Wirklichkeit und Wirklichkeitserzeugung, aber auch unterschiedliche Menschenbilder lassen sich deshalb als Wandel von Bedeutungsgehalten verstehen, der sich auf Grund der Notwendigkeit ergibt, das veränderte Verhalten mit Hilfe von Rationalisierungen zu legitimieren.

Francis Schaeffer und dekonstruktivistische Spiritualität

Im Jahr 1951 erlebte Francis Schaeffer eine Glaubenskrise, die später als sein „Heuboden‑Erlebnis“ betitelt werden sollte. Nachdem er die inkonsequente christliche Praxis bei den Menschen um ihn herum und in seinem eigenen Leben beobachtet hatte, erklärte Schaeffer, er müsse zu seinem Ausgangspunkt zurückkehren und seine gesamte Position in Bezug auf das Christentum neu überdenken. Er gab an, er sei an den Anfang seines Denkens zurückgekehrt und habe sich durch all seine Überzeugungen in Bezug auf das Christentum hindurchgearbeitet, wobei er zu dem Schluss kam, dass es tatsächlich wahr ist.

Christopher Talbot meint, dass sich aus Schaeffers radikalem Umgang mit seinen Zweifeln einiges für den heutigen Umgang mit der sogenannten „Dekonstruktion“ lernen lässt. In dem Aufsatz „Die Sonne kam raus und das Lied erklang“ zeichnet er die Krise nach und gibt einige hilfreiche Hinweise für die Gegenwart. 

Zitat: 

Schaeffers Krise führte nicht dazu, dass sein Pendel zu einer anderen Art von Christentum oder gar keinem Christentum ausschlug; sondern dazu, dass er sowohl die intellektuelle als auch die geistliche Realität des historischen christlichen Glaubens bejahte. Schaeffer hatte seine eigene spirituelle Krise durchlebt, in der er das Christentum in seiner Gesamtheit überdachte. Er war bereit, es vollständig zu verwerfen. Dennoch überwand er diese Zeit tiefer Zweifel; er brach durch zu einem neu entfachten Eifer für die Wahrhaftigkeit des christlichen Glaubens. Sein eigenes Engagement, seine apologetische Methode und seine Sichtweise auf das Zeugnis der Kirche im 20. Jahrhundert sind Belege eines Menschen, der sich mit Zweifeln auseinandergesetzt hat und sich um diejenigen kümmerte, die selbst mit Zweifeln kämpfen.

Schaeffer bemühte sich nicht um eine Weiterführung der Dekonstruktion, sondern führte sich und diejenigen, denen er diente, in Richtung Rekonstruktion – hin zu einer Sichtweise, die den christlichen Glauben als wahr für das gesamte Leben betrachtet. Er sah das historische Christentum als etwas Ganzheitliches und Absolutes an. Er erlebte tiefe Zweifel und diente konsequent denen, die zweifelten, während er gleichzeitig auf den ewigen, persönlichen Gott hinwies, der tatsächlich da ist. Schaeffer war nicht perfekt und bietet kein makelloses Vorbild. Dennoch verstand er das Christentum als etwas, das man nur entweder vollständig annehmen oder aber vollständig ablehnen kann. Dies spiegelt sich wieder in seiner Apologetik, die eine ganzheitliche Welt- und Lebensanschauung bietet, welche verifiziert und getestet werden kann. Voll Mitgefühl setzte Schaeffer diese überzeugende Apologetik in die Tat um. Schließlich stellte er die wahre christliche Position konsistent klar und versuchte, das wahre Christentum von unnötigem oder schädlichem kulturellen Ballast zu befreien. Durch die konsequente Umsetzung dieser Elemente bietet uns Francis Schaeffer heute eine überzeugende Vision, wie wir Menschen begleiten können, an denen Dekonstruktion und Zweifel nagen – eine Vision, die heute weitsichtiger denn je erscheint. Wenn wir Schaeffers Vorbild folgen, können wir Menschen, die selbst geistliche Zweifel durchleben müssen und daraus hervorgehen, dazu verhelfen, zu sagen: „Allmählich kam die Sonne raus, und das Lied erklang.“

Mehr: www.evangelium21.net.

Groteske Attacken

Wenn ein Intellektueller mal etwas sagt, was nicht in den Mainstream passt, muss er sich auf einiges gefasst an:

Wenn etwa Rüdiger Safranski, der am heutigen Dienstag den noch von Helmut Schmidtinitiierten Deutschen Nationalpreis erhält, schon vor Monaten im „Spiegel“ zu einem Stichwortgeber der Neuen Rechten stilisiert wurde, zu einem geistigen Brandstifter, der philosophisch die Dekonstruktion nicht kapiert habe und nun „fast verzweifelt“ versuche, „in der Welt außerhalb seines Wohnortes Badenweiler eine feste Struktur zu entdecken, mit der man sich gegen den Zustrom und gegen die Integrationsprobleme stemmen kann“ – dann ist das in seinem argumentativen Gehalt so billig, dürftig und drollig, so kahl und, ja, in der Herablassung auch brutal, dass die Projektion mit Händen zu greifen ist. Safranski ist ein überbordendes Erzähltalent, das mit Biographien über Schopenhauer, Heidegger oder Nietzsche ein Massenpublikum für die Philosophie gewann, ein Goethebuch als Bestseller verfasste und aus seinem idealistischem Vernunftbegriff keinen Hehl macht. Ihm völkische Badenweiler Weltfremdheit zu unterstellen, die sich an einem Substanzdenken ergötzte, ist, gelinde gesagt, Unfug.

Mehr: www.faz.net.

Warum Judith Butler ihre Perspektive auf Israel immer wieder vorträgt

Warum ist Judith Butler so sehr daran gelegen, die antisemitische Gewalt und den Israelhass der Hamas zu verstehen – den Staat Israel dagegen zu delegitimieren? Der Literaturwisschaftler Magnus Klaue meint, es habe etwas mit ihren Aversionen für das abendlänische Denken zu tun: 

Das Programm der postmodernen Performativitätstheorie lässt sich so zusammenfassen: Sie versucht die Probe aufs Exempel ihrer eigenen These zu machen, dass Lüge durch Wiederholung zur Wahrheit wird. Wahrheit, darin sind sich, bei aller Differenz ihrer philosophischen und politischen Anschauungen, Jacques Derrida, Michel Foucault und Gilles Deleuze mit der amerikanischen Philosophin Judith Butler einig, bezeichnet keine „Essenz“, wie Butler derlei metaphysische Restbestände abendländischen Denkens nennt, sondern eine arbiträre Vereinbarung, an die umso fester geglaubt wird, je häufiger man sie wiederholt.

Entsprechend rituell wiederholt Butler, seit sie im Nachgang von 9/11 ihre kaum verhohlene Sympathie mit dem islamistischen Terror von Hisbollah und Hamas zu legitimieren sucht, ihre Theorie der Anerkennung als Mittel zum Verständnis antisemitischer Gewalt.

Mehr (hinter einer Bezahlschranke): www.welt.de.

Die Woke-Aktivisten und der Wohlfühlstaat

Josef Joffe, Mitherausgeber der ZEIT, sieht die bürgerliche Freiheit in den westlichen Gesellschaften von zwei Seiten her bedroht. In einem NZZ-Beitrag schreibt er:

Der liberale, also machtbegrenzte Staat wird von zwei neuen Feinden heimgesucht, die vor einer Generation nicht einmal im Albtraum aufschienen. Der eine Feind ist der weiche Totalitarismus. Vor vierzig Jahren als «Dekonstruktion» in Frankreich erfunden, wanderte er nach Amerika aus, wo er zu grotesker Form aufstieg und jetzt im gesamten Westen en woke ist. Woke, etwa «aufgewacht» oder «erleuchtet», nennen sich jene, die überzeugt sind, es gebe eine weisse Vorherrschaft über die «Verdammten dieser Erde», wie es in der Internationale heisst: über Frauen, Dunkelhäutige, Schwule, Fremde, Andersgläubige. Alle sind Opfer der infamen Verschwörung weisser Männer.

Am anderen Ende kommt der Feind als guter Onkel daher. Der ist der freundliche für- und vorsorgende Staat, der sich freilich nicht erst seit Covid-19-Zeiten unaufhörlich ausbreitet. Das demokratische Gemeinwesen arrondiert seine Macht ohne Waffengeklirr und mit der stillen Duldung des Demos.

Wokeness ist im Kern Stalinismus ohne NKWD, Maoismus ohne Rote Garden. Als Ziel gilt die Erlösung von der weissen Oberherrschaft. Tatsächlich ist wokeness jedoch eine Attacke gegen das Beste im Westen: Renaissance, Aufklärung, Liberalismus.

Mehr: www.nzz.ch.

Versöhnte Widersprüche bei Brian McLaren

Paul Feyerabend hat mit seinem „alles ist möglich“ den Einbruch des postmodernen Denkstils vorangetrieben. Der österreichische Philosoph orientierte sich nicht mehr an Idealen wie Objektivität, Verständlichkeit oder Begründbarkeit, sondern an der Bewegung des Dadaismus. Die Kunstrichtung des Dadaismus steht für den radikalen Zweifel und die konsequente Dekonstruktion realer Ordnungen des Denkens und der Ästhetik. Der Satz vom ausgeschlossenen Widerspruch wurde mit dem Verweis auf eine fundamentalistische Erkenntnistheorie beiseitegeschoben und durch chaotische oder versöhnte Denkstile ausgetauscht.

Mit der Emergenten Bewegung (sowie deren Vor- und Nachläufern) besetzte das Ideal eines „alles ist möglich“ auch Räume der Evangelikalen Bewegung. So vertritt beispielsweise Brian McLaren ein Wahrheitsverständnis, das davon ausgeht, dass zwei Aussagen, die sich hinsichtlich des gleichen Aspektes widersprechen, gleichzeitig wahr sein können. Ein Aussage A und ihre Verneinung nicht-A können zugleich und in gleicher Weise wahr sein. Vereinfacht bedeutet das z. B.: Die Aussagen „Gott lügt nicht“ und „Gott ist ein Lügner“ können beide wahr sein (vgl. Hebr 6,18).

McLarens’ bisher bedeutsamstes Buch trägt denn auch den Untertitel: „Warum ich ein missionaler, evangelikaler, post-protestantischer, liberal/konservativer, mystisch/poetischer, biblischer, charismatisch/kontemplativer, fundamentalistisch/calvinistischer, wiedertäuferisch/anglikanischer, methodistischer, katholischer, grüner, inkarnatorischer, depressiver aber hoffnungsvoller, neu entstehender, unfertiger Christ bin.“ McLaren sieht sich nicht mehr in der Pflicht eines vernünftigen Glaubens. Er bekennt sich dazu, ein „absurdes“ Buch geschrieben zu haben und meint dies durch und durch anerkennend (McLaren, 2006: 31).

Hier mehr zu dem Buch von McLaren: mbstexte126_a.pdf.

Die Herausforderung der Postmoderne-Diskussion für die Theologie der Gegenwart

Matthias Schnell-Heisch hat 1995 in Tübingen bei Hans Küng und Eberhard Jüngel über das Thema »Die Herausforderung der Postmoderne-Diskussion für die Theologie der Gegenwart« promoviert. Die 1994 eingereichte Arbeit verarbeitet viel Primärliteratur und ist, wie das Inhaltsverzeichnis zeigt, noch frei von Schablonen, die sich seit Mitte der 90er Jahre (Middleton & Walsh, 1995 u. Grenz, 1996) in der amerikanisch-evangelikalen Literatur verfestigt haben.

Schnell-Heisch fasst seine Arbeit wie folgt zusammen:

• Der Erste Hauptteil der Arbeit hat die Aufgabe, die Genese des Begriffs »Postmoderne« innerhalb der verschiedenen Bereiche der Kultur (»Architektur«, »Literaturwissenschaft«, »Philosophie« und »Soziologie») nachzuzeichnen, die wichtigsten Postmoderne-Konzeptionen vorzustellen, die Beziehungslinien zwischen den verschiedenen Sektoren herauszuarbeiten und eine kritische Analyse der einzelnen Positionen vorzunehmen, um erstens einen detaillierten Überblick der Diskussion zu gewinnen und zweitens eine fundierte Grundlage für die theologische Postmoderne-Diskussion zu erarbeiten.

• Der Zweite Hauptteil ist ganz der theologischen Postmoderne-Diskusssion gewidmet. Wie im Ersten Hauptteil sind auch hier Darstellung und Kritik voneinander getrennt: Nach der Darstellung der drei thematischen Schwerpunkte (»Christlicher Glaube im Pluralismus»; »Dekonstruktion», postliberale Theologie, Ästhetisierung der Religion«; »Postmoderne Theologie als ganzheitliche Theologie«), die sich in der theologischen Diskussion herauskristallisieren, schließt sich auch hier in einem vierten Kapitel eine Kritik der theologischen Postmoderne-Diskussion an.

• Im Epilog wird dann der Versuch unternommen, die theologische Postmoderne-Diskussion zu bilanzieren und Prospektiven für die Theologie zu entwickeln. Das Anliegen besteht aber weder darin, die verschiedenen theologischen Konzepte zu synthetisieren, noch darin, eine weitere theologische Postmoderne-Konzeption zu entwickeln. Vielmehr wird hier nach den Chancen und Grenzen der einzelnen Beiträge zur theologischen Postmoderne-Diskussion gefragt und die bleibenden Herausforderungen der Postmoderne-Diskussion für Theologie und Kirche benannt.

Freundlicherweise hat Matthias Schnell-Heisch seine Dissertation inzwischen im Internet publiziert. Sie kann hier in Form von mehreren PDF-Dateien herunter geladen werden: www.schnell-heisch.de.

Warum Mathematik rassistisch ist

Ich bin ganz dankbar, dass die postmoderne Theorie mit ihrer Identitätsschwärmerei immer buntere Blüten treibt. Das stärkt meine Hoffnung, dass doch mehr und mehr Menschen aufwachen und sich vor dem König, der keine Kleider trägt, nicht mehr verbeugen.

Worum geht es diesmal? Ausnahmsweise nicht um die Dekonstruktion des biologischen Geschlechts, sondern um die der Mathematik. Die Idee, dass die Mathematik objektiv sei, zeige nämlich, dass es sich um eine Wissenschaft der „weißen Vorherrschaft“ handelt. Das berichtet die heute Ausgabe der FAZ (02.03.2020, Nr. 51, S. 7):

Den Anfang machte Brittany Marshall. „Die Idee von 2 + 2 = 4 hat kulturelle Gründe. Als Folge von westlichem Imperialismus/Kolonisierung halten wir sie für das einzig Richtige“, twitterte die Studentin der Rutgers-Universität im vergangenen Sommer – und brach in den Vereinigten Staaten die Debatte über Mathematik, Hautfarbe und Herkunft los. Marshall, laut ihrem Profil Lehrerin, Kämpferin für sozialen Wandel und Anhängerin der Bewegung „Black Lives Matter“, machte öffentlich, was nur gelegentlich und verhalten in Schulverwaltungen und bei Bildungskonferenzen diskutiert wurde: die These, dass nichtweiße Schüler in Mathematik benachteiligt würden, da sich das Fach auf westliche Werte stütze.

Ideen haben Konsequenzen. In Oregon kam die Idee offenbar gut an. Denn:

Zumindest in Oregon schien die Warnung zunächst nicht angekommen zu sein. Das Kultusministerium des Pazifikstaats forderte seine Lehrer auf, sich in einem Kursus für „Ethnomathematik“ weiterzubilden. Der Bildungstrend, so der Rundbrief, gehe davon aus, dass der Fokus auf das korrekte Resultat im Mathematikunterricht ein Zeichen „weißer Vorherrschaft“ sei. Ein Ziel der Fortbildung solle daher sein, für jede Aufgabe mindestens zwei Ergebnisse zu erarbeiten. Auch das Vorführen von Rechenwegen durch die Schüler vertrage sich nicht länger mit den Vorstellungen des Kultusministeriums in Portland. Es sei ein Signal für die Infiltration des Klassenzimmers mit „White Supremacy Culture“.

„Das Konzept, dass Mathematik rein objektiv ist, ist eindeutig falsch. An der Idee festzuhalten, dass es immer richtige und falsche Antworten gibt, schreibt diese Objektivität und die Furcht vor offenem Konflikt fort“ – mit diesen Worten warf das Department of Education den bisherigen Ansatz über den Haufen. Auch Objektivität, heißt es in dem Begleitbuch zur neuen Lehrmethode unter dem Titel „Abbau von Rassismus“, sei ein charakteristisches Zeichen für „weiße Vorherrschaft“.

Dann hoffen wir mal, dass die Vertreter der Ethnomathematik keine Brücken bauen.

Postmoderne Theorien fördern intellektuelle Regression und Gewalt

Ich zitiere heute Nico Hoppe, der in Leipzig Philosophie studiert und offensichtlich unter der Verblödung, die mit der Vereinnahmung der Geisteswissenschaften durch postmoderne Theorien einhergeht, ziemlich leidet. Aber nicht nur das. Er erkennt auch – und ich stimme ihm darin zu – die faschistischen Momente dieses spätmodernen Aufbäumens. Vielleicht ist „Krieg dem Ganzen“ ja wörtlicher zu verstehen, als wir das wahrhaben wollten? Es wäre wirklich schön, wenn wenigsten einige Theologen der Postmoderne die Irrwege durchschauten und umkehrten.

Aber nun einige Zitate (FAZ, 17.02.2020, Nr. 40, S. N4):

Seit einigen Jahren werden an den Universitäten der westlichen Welt jene Konzepte erprobt, die später von Medien, Wirtschaft und Politik übernommen werden. Ob es sich um Inklusionsregeln, die Auflösung des körperlichen Geschlechts oder die Ansicht handelt, der Wert einer Aussage sei an der Herkunft des Sprechers zu messen – sie alle wurden zuerst an Hochschulen populär, bevor sie praktischen Einfluss auf Politik und Gesellschaft nahmen. Gemeinsam ist diesen Konzepten auch die Herkunft aus dem französischen Poststrukturalismus und den postmodernen Theorien, die seit den neunziger Jahren an amerikanischen Universitäten Karriere machten.

Die Begriffe des Wissens, der (Fortschritts-)Geschichte und des Menschen (Michel Foucault und Jean-François Lyotard), der Rationalität und der Psychoanalyse (Gilles Deleuze und Félix Guattari), des Subjekts (Jacques Derrida) sowie der Identität und des Körpers (Judith Butler) sollen als konstruierte Narrative entlarvt und dekonstruiert werden. Die beiden Todfeinde sind Metaphysik und Essentialismus, worunter schon die Annahme eines Wesens im Gegensatz zur Erscheinung fällt. Immer wiederkehrende Schlüsselbegriffe sind der alles bestimmende Diskurs nebst der unhintergehbaren Macht, die er über die Subjekte ausübt. Der Begriff der Wahrheit wird dem Recht des Stärkeren geopfert: Geltung ersetzt Objektivität.

Der Poststrukturalismus erliegt dem Missverständnis, der Bruch mit der Tradition und die Dekonstruktion des Überkommenen seien allein schon progressiv. Die Ersetzung der alten Oberbegriffe von Wahrheit und Vernunft durch unzugängliche Prinzipien wie die Differenz schafft nur neue Kerker des Denkens.

Man erliegt dem Faszinosum des Umbruchs und gefällt sich auch außerhalb der Universität im blinden Zuschütten des scheinbar Überkommenen (von Familie, Nation, Staat und Religion über tradierte Sprache bis hin zum bürgerlichen Ideal zivilisierter Distanziertheit), ohne zur Kenntnis zu nehmen, dass gerade die kulturrevolutionäre Raserei gegen die Tradition stetes Attribut faschistischer Bewegungen war. Vom postmodernen Aufbäumen ist deshalb nicht Befreiung, sondern fortschreitende Regression zu erwarten.

„Gender- und Queer-Perspektive“ als Befreiung?

Im Materialdienst des Konfessionskundlichen Instituts (KI)  wurde kürzlich ein Aufsatz über die „Gender-und Queer-Perspektive“ publiziert. Freundlicherweise darf ich hier einen beachtenswerten Leserbrief wiedergeben, der von Pfr. i. R. Burkard Hotz dazu verfasst wurde.

„Gender- und Queer-Perspektive“ als befreiende Kraft?

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich will mit dem Positiven beginnen: Bei der Lektüre der Ausgabe 2 /2014 des Materialdienstes habe ich mit großem Interesse den Aufsatz von Markus Iff, Seite 23 ff über das Taufverständnis innerhalb der FeG studiert. Gerade weil die FeG hier einen eigenständigen und toleranten Weg zwischen dem „harten Baptismus“ und dem Taufverständnis der Großkirchen geht, ohne einerseits die Taufe theologisch zu entkernen oder andererseits sie theologisch so hoch zu hängen, dass der Glaube fast schon schädlich scheint, weil er das bedingungslose Heilshandeln Gottes einschränken könnte. Hier geht die FeG in der Tat einen originellen Weg, der für Gemeindeleitungen seelsorgerlich einen echten Handlungsraum nach innen ermöglicht und der nach außen eine erfreuliche ökumenische Weite erschließt. Also dieser Aufsatz hat mich sehr gefreut, nicht zuletzt deshalb, weil ich seit meinem Ruhestand, ich war bis 2012 Pfarrer in der EKHN, gerne auch die Gottesdienste in der FeG hier in Wiesloch besuche und mit Freude diese lebendige Gemeinde wahrnehme.

Nun möchte ich zu dem Beitrag von Katharina Röllmann, Seite 32 ff einige kritische Gedanken und Fragestellungen mitteilen, weil ich diesen Beitrag für gut geeignet halte, anschaulich zu zeigen, wie GendertheoretikerInnen es lieben, mit ihrem Thema umgehen. Sie entfalten ihr Thema üblicher Weise in drei Schritten.

In einem 1. Schritt wird eine wissenschaftlich beeindruckende empirische Feld-Analyse zum Verhältnis Frauen – Männer vorgelegt, in unserem Fall sogar aus unterschiedlichen Kulturräumen. Mit großem methodischen Aufwand wird der Frage nachgegangen, sind Predigten geschlechtsspezifisch, also predigen Frauen und Männern unterschiedlich? Nun wird die beeindruckende Analyse durch die verschiedensten Raster und kategorialen Muster geschüttelt und nach dieser komplexer Analyse kommt man zu dem 2. Schritt: Ja, Gender hat Recht, die Predigten sind unterscheidbar, Frauen predigen tendenziell anders als Männer. Ja, es gibt so etwas wie ein geschlechtsspezifisches Predigen. Allerdings sind die mit großem analytischem Forschungsaufwand und einer sehr anspruchsvollen Terminologie gewonnen Ergebnisse nicht sehr überraschend: also Frauen predigen „generell lebensnäher, spezifischer und emotionaler“. Eine Beobachtung, die ich als langjähriger Gemeindepfarrer auch ohne beeindruckenden wissenschaftlichen Aufwand im Prinzip eins zu eins bestätigen kann. Das ist also der 2. Schritt der Genderanalyse. Männer und Frauen gehen das Predigen anders an, bringen andere Prägungen, Erfahrungen und Aspekte ein. Das ist doch ein erfreuliches Ergebnis, so könnte man denken, und eine schöne und zukunftsweisende Erkenntnis für das Reich Gottes. Wir können mit Freude die Unterschiede zwischen Frauen und Männern als Begabungen und Reichtum entdecken und fördern, und gerade diese Unterschiedlichkeit als von Gott geschenkte gleichwertige Gaben für Frauen und Männer bejahen. Und eben diese geschlechtsspezifischen Unterschiedlichkeiten dürfen in der Gemeinde als gemeinsames Lernfeld der gegenseitigen Bereicherung und in lebendiger komplementärer Ergänzung der Verkündigung des Wortes Gottes und dem Aufbau der Gemeinde dienen.

So könnte man dankbar denken und es engagiert leben, doch weit gefehlt, wer so denkt, so klärt uns die Autorin auf, ist noch gänzlich unaufgeklärt und verharrt in „starren Geschlechterkategorien“. Wer so denkt, macht unerlaubter Weise einen Punkt, wo um Gottes Willen ein Komma hingehört, wird uns gesagt. Wer so denkt, hat weder die Genderwahrheit – und bei Frau Röllmann maximal theologisch getoppt – noch „die befreiende Kraft des Evangeliums und das Wirken Gottes!“ – überhaupt verstanden. Denn jetzt kommt der entscheidende 3. Schritt, der wahre Gender-Schritt. Jetzt kommt der Akt der Befreiung. Schritt 1 und 2 waren nur das Vorspiel, das Glockengeläut und das Präludium, jetzt aber kommt die wahre Liturgie, der wirklich Gender-Gottesdienst! Das mit großem und beeindruckendem wissenschaftlichem Aufwand ermittelte Ergebnis der Unterschiedlichkeit von Männern und Frauen ist im Grunde nur dazu da, – man kann es kaum fassen! – um beseitigt zu werden. : „Die Blickwinkel von Frauen und Männern auf die Welt scheinen noch Unterschiede aufzuweisen. Dies muss aber nicht so bleiben. Es ist eine wesentliche Funktion der Kirche nicht nur mit Wirklichkeitsperspektiven umzugehen, sondern sie auch zu verändern und zu erweitern. Damit kann sie einen Raum eröffnen, in dem die befreiende Kraft des Evangeliums wirken kann. Dies ist eine Befreiung aus einengenden Wirklichkeitsverständnissen hin zu Perspektiven, die menschliche Kategorien übersteigen. Die Dekonstruktion von Geschlechterkategorien kann dabei symbolisch wirken“.

Jetzt ist die Katze aus dem Sack und Gender wird geradezu orthodox-evangelisch als befreiende Kraft des Evangeliums präsentiert. Die vorher mit einem Riesenaufwand herausgestellten und präzisierten Geschlechter von Frau und Mann sollen gerade überwunden, im Genderslang „dekonstruiert werden“ , weil sie ja selber nur soziale Konstruktionen seien, die ein „einengendes Wirklichkeitsverständnis“ transportieren. Bei Frau Röllmann wird dabei diese dekonstruktivistische Gender-und Queer-Perspektive nahtlos mit der „befreienden Kraft des Evangeliums“ und der „christlichen Identitätsfindung“ in eins gesetzt. Ich reibe mir erstaunt die Augen und frage mich, ist das nicht eine hochgradige ideologische Instrumentalisierung des Evangeliums von Jesus Christus? Ist es nicht ein wahnhaftes pseudotheologisches Konstrukt, das wirklich der Dekonstruktion bedarf, dass die Identität in Jesus Christus (z. B. nach 2. Kor. 5, 17) und die Qeertheorie, die sich energisch der Zerstörung von Frausein und Mannsein widmet, sich dem „gleichen Paradox“ verdankten?

Natürlich bekommen bei Frau Röllmann auch die bösen konservativen Freiheitsverhinderer ihr Fett ab: „Gerade in den wachsenden christlich-konservativen Kreisen der USA gibt es klare Modelle von zwei Gruppen, die Männer und Frauen genannt werden“. Das ist wirklich erstaunlich, dass dies schlimmer Weise nicht nur in den USA sondern auch unter uns in Europa seit vielen Jahrhunderten geschieht, auch bei uns gibt es, man glaubt es kaum, zwei Gruppen, die Männer und Frauen genannt werden!! Und ich oute mich als Mann, der dies bewusst unterstützt und der keinerlei gegenderte Dekonstruktion begehrt, im Gegenteil, der sogar in der Pflege der komplementären Geschlechterbeziehung von Mann und Frau – wesentlich in der Ehe – eine entscheidende Aufgabe in Kirche und Gesellschaft sieht und sich für sie einsetzt. So rufe ich Frau Röllmann zu: ‚Setze kein Komma, wo Gott einen Punkt, ja sogar ein Ausrufungszeichen gesetzt hat!‘

Ja, ich bin gegen Frau Röllmann und der Vielzahl ihrer wissenschaftsgewaltigen Gesinnungsgenossinnen der Überzeugung, dass in der Geschlechterkomplementarität von Mann und Frau, mit ihrem exklusiven ehelichen Segen der Fruchtbarkeit, die conditio humana im jüdisch-christlichen Kulturstrom eine grundlegende und bewährte Ausprägung gefunden hat. Ihre im Namen einer vermeintlichen Freiheit propagierte und praktizierte „Dekonstruktion“, d.h. ihre Zerstörung trägt für mich die Züge selbstzerstörerischer Besessenheit.

Nein für mich ist dieser Weg, den Frau Röllmann propagiert ein falscher und gefährlicher, eben ein massiv kontaminierter Weg. Die Abschaffung der Geschlechter von Mann und Frau und damit die Zerstörung der Familie mit Vater und Mutter und des generationalen Zusammenhangs der Familien, werden weder der Kirche noch der Gesellschaft einen lebensdienlichen Zuwachs an Freiheit und Gerechtigkeit bringen. Im Gegenteil, wir werden durch diese wahnhafte Entgrenzung von Identität und die bewusste Abschaffung von Vater und Mutter und die Auflösung des generationalen Zusammenhangs immer verwirrter und unfruchtbarer, immer desorientierter und haltloser werden. Genau dies ist ja eine erklärte Absicht der Gender-Ideologie, nämlich Verwirrung zu stiften. Darin scheint sie sehr erfolgreich zu sein!

Frau stud. theol. Anna Katharina Röllmann, schon in jungen Jahren preisgekrönt, hat sicher im ideologischen Klima des derzeitigen landeskirchlichen Protestantismus eine große Zukunft vor sich. Sie wird dringend gebraucht, und viele Stellen und Tätigkeitsbereiche stehen ihr offen, denn der dekonstruktivistische Genderbedarf in Kirche und Gesellschaft ist riesig, und es gibt sehr, sehr viel zu tun für die schöne neue Genderwelt. Außerdem muss den konservativen Feinden dieser kulturrevolutionären Befreiung zum wahren Menschensein auf allen Ebenen das Handwerk gelegt werden. Auch dies wird sehr viel Arbeit sein.

Ich allerdings bin davon überzeugt, dass eine Kirche und die mit ihr verbundene Theologie, die die Gender- und Queertheorie und – praxis mit dem befreienden Evangelium von Jesus Christus ideologisch parallelisiert, keine Zukunft hat. Denn es ist der konsequente Weg in ein neues Heidentum.

Das waren Gedanken, die mich bei Lektüre des sehr erhellenden Beitrags von Frau Röllmann beschäftigten.

Ich grüße Sie herzlich und wünsche Ihnen Gottes Segen

Die normative Ethik der „Politischen Korrektheit“

Es ist einige Wochen her, da ging die Meldung von der Insolvenz der Frankfurter Rundschau (FR) durch die Presse. Im Radio – ich meine es war der Deutschlandfunk – hörte ich, wie ein Journalist, der hin und wieder in der FR publiziert hatte, zum Sterben der renommierten Zeitschrift interviewt wurde. Sein Fazit überraschte mich. Es klang ungefähr so: „Eigentlich brauchen wir die FR nicht mehr. Sie hat ihren Zweck erfüllt. Die Autoren, die die Anliegen der 68er verfechten, sitzen heute in den bürgerlich-konservativen Redaktionen.“

Wie kann es sein, dass die Anliegen der anfänglich recht eruptiven 68er-Kulturrevolution heute Mehrheitsmeinung sind? Ja mehr noch: Wie konnte es passieren, dass sich schleichend die Ethik der „Political Correctness“ so fest etablieren konnte, dass sie quasi den Status einer neuen normativen Ethik erhalten hat? Weshalb haben sich „Linke“ wie „Rechte“ so schnell an die Weltanschauung einer Minderheit von postmodernen, postjüdisch-christlichen Intellektuellen gewöhnt?

Natürlich hat das was mit dem intellektuellen Klima an den westlichen Universitäten zu tun. Ob in Deutschland, Frankreich oder in den USA, herausragend waren in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts die Vertreter kritischer Theorien. Gewiss spielen auch die sogenannten „Pressure-Groups“ eine Rolle. Gemeint sind (oft relativ kleine) Interessengruppen, die Druck auf Parteien, Parlamente oder Regierungen ausüben und auf diese Weise ihre Agenden „durchdrücken“, bis diese letztlich in Beschlüssen und Gesetzestexten kanonisiert werden.

Eine noch größere Bedeutung fällt jedoch der Neubesetzung der Sprache zu. Über große Institutionen wie die UNO oder die EU wurde das Paradigma der „Politischen Korrektheit“ in eine globale Sprache „gegossen“. Durch die Einführung neuer Begriffe wie „sexuelle Vielfalt“, „Gleichstellung“ oder „Nichtdiskriminierung“ und die gleichzeitige Ächtung oder Umdeutung von Begriffen wie „Wahrheit“, „Familie“ oder „Sünde“ ist eine neue Denkweise und Ethik erzwungen worden, die längst nicht mehr im Elfenbeinturm einer Elite diskutiert, sondern in den Schulen als Selbstverständlichkeit vorausgesetzt wird. Durch die Dekonstruktion der abendländischen Sprache fehlt das Handwerkszeug, um diese schleichende Kulturrevolution überhaupt „wahrnehmen“ zu können. Insofern merken viele Menschen gar nicht, dass die eindimensionale Verabsolutierung von Selbstbestimmung und Gleichheit neue Formen der Unfreiheit herbeiführt. Kurz: Es wird schlichtweg versucht, zu verbieten, anders über dies und das zu denken (siehe z.B. hier).

Dankenswerterweise hat sich die belgische Philosophin Marguerite A. Peeters eingehend mit der säkularen Neuinterpretation der Kultur befasst. Was sie herausgefunden hat, ist bemerkenswert. Die neue Ethik der „Politischen Korrektheit“ stößt durch die Einführung einer neuen Terminologie kaum auf Widerstand. Und: Sie verschließt die Menschen gegenüber der Transzendenz:

Genau an dem, was die neue Ethik beiseite schieben möchte, macht sie deutlich, was sie dekonstruieren möchte: Eine Offenheit für die Transzendenz – wobei besonders die jüdisch-christliche Tradition im Visier ist. Die neue Ethik ist säkularistisch, d.h. ausschließlich innerweltlich ausgerichtet. Sie nimmt eine Neuinterpretation universaler menschlicher Werte und gegenwärtiger menschlicher Hoffnungen und Sehnsüchte auf der Basis eines neuen, säkularistischen Rahmens vor. Sie verabsolutiert vor allem Freiheit und Gleichheit und löst diese von ihrer natürlichen Bindung an das Gesetz, das jedem Menschen ins Herz geschrieben ist. Freiheit wird zu einem Prozess der „Befreiung“ von diesem Gesetz. Freiheit wird zum Recht, tun zu können, was man will, selbst wenn es gegen das eigene Gewissen ist und gegen das, was dieses als wahr und gut erkannt hat. Gleichheit wird zu einem Prozess der „Dekonstruktion“ aller Unterschiede, die doch in die Lebenswirklichkeit eingeschrieben sind. Gleichheit ist zu einem Prinzip geworden, das in der Praxis vor allem für Minderheiten gilt, die den Freiheitsbegriff missbrauchen und „gleiche Rechte“ fordern und dabei den Unterschied zu Rechten, die sich an Wahrheit und Wirklichkeit orientieren, missachten. Diese Radikalisierung von Freiheit und Gleichheit geschah nicht über Nacht. Es war ein langer geschichtlicher Prozess, der bis zur Französischen Revolution zurückreicht.

Die Werte der postmodernen Ethik sind eine Reaktion auf missbräuchliche Strukturen und Haltungen der Neuzeit. Sie sind eine Reaktion auf Machismo (Männlichkeitswahn), Autoritarismus (autoritäres Verhalten, autoritäre Systeme), Kolonialismus, Hartherzigkeit, Ausgrenzung, Vernachlässigung der Umwelt, Ungleichheit. Doch die neuen Werte sind durch die radikale Agenda, die dahinter steht, schon beschädigt. Sie haben sich durchgesetzt, ohne auf Widerstand zu stoßen, und sich still und heimlich im kulturellen und politischen Mainstream etabliert.

Wie wahr ist doch, was Marguerite A. Peeters über die passive Mehrheit schreibt:

Wie die französischen Aristokraten zur Zeit der Revolution, die in ihren Schlössern saßen und Tee tranken und dabei Staatsgeschäfte diskutierten, bis sie unter der Guillotine starben, so beobachtete auch die Mehrheit der westlichen Christen die kulturelle Revolution aus der Ferne. Abgrundtief ist ihre Unkenntnis über die historische Entwicklung, die Inhalte, Strategien und Umsetzungs­mechanismen der kulturellen Revolution.

Ich wünsch mir was: Junge, neugierige und intelligente Christen sollten sich verantwortungsvoll und differenziert mit dieser „Neuen Orthodoxie“ auseinandersetzen und mittelfristig – hier passt dieses Wort – progressive Trends einleiten.

Ich bin dankbar, dass das „Deutsches Institut für Jugend und Gesellschaft“ (DIJG) den Artikel übersetzt und in der Bulletin-Ausgabe 1/2012 (Nr. 21) veröffentlicht hat. Den Aufsatz von Frau Marguerite A. Peeters gibt es auch hier: www.dijg.de.

Pornophobie

Seit Jahren erleben wir in den öffentlichen Diskursen, dass Kritiker der sexuellen Vielfalt durch Eliten und Medien psychopathologisiert werden. Wer diese bunte Leitkultur ablehnt, wird als homophob oder transphob hingestellt. Hat jemand Rückfragen an die Genderforschung mit ihrer Dekonstruktion der Geschlechter, ist er für eine offene Gesellschaft gefährlich. Wer die Freigabe der Adoption für unverheiratete Partner beanstandet, wird wahrscheinlich demnächst als intolerant hingestellt.

Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN hat im Bundestag 2019 den Antrag gestellt, die Kultur der sexuellen Vielfalt zu immunisieren. Kritiker sollen aktiv bekämpft werden. Die GRÜNEN fordern deshalb einen bundesweiten Aktionsplan für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt. Das darf dann jährlich 35 Millionen Euro kosten. In dem Antrag heißt es:

Um eine gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe von LSBTI zu ermöglichen, ist die Stärkung der Zivilgesellschaft in der Auseinandersetzung mit LSBTIFeindlichkeit und Mehrfachdiskriminierung notwendig. Dafür braucht es eine langfristige Strukturförderung für Verbände, die seit Jahren komplett oder zum Teil nur dank des ehrenamtlichen Engagements ihrer Mitglieder funktionieren. Für Selbstorganisationen von LSBTI sind zudem Fördermittel zum Strukturaufbau und für Empowerment-Strategien zur Verfügung zu stellen. Die Medien stehen in besonderer Verantwortung, LSBTI-Diskriminierung aktiv entgegenzuwirken. Die Gesellschaft sollte dabei in ihrer Vielfalt abgebildet sein, sowohl in den Redaktionen als auch bei der Besetzung von Aufsichtsgremien. Die Bekämpfung von LSBTI-Feindlichkeit ist Teil der meisten Programmgrundsätze und muss weiter mit Leben gefüllt werden.

Ich befürchte, dass auch für Kritiker der Pornographie bald eine passende Zuschreibung gefunden wird. Wie wäre es mit „pornophob“? Die Botschaft lautet: Das Problem ist nicht die Pornographie. Das Problem ist eine Gesellschaft, die ein Problem mit der Pornographie hat.

Es gibt an einigen Universitäten und in avantgardistischen Zirkeln bereits erste Veranstaltungen, in denen für eine gesellschaftliche Akzeptanz und Förderung von Pornographie geworben wird. Die Pornoregisseurin Paulita Pappel erklärte kürzlich in so einem Forum, warum es einen politischen Auftrag gibt, Pornos unters Volk zu bringen:

Pornos sind für mich eine politische Sache, weil in den meisten Gesellschaften Sex ein Tabuthema ist. Als ich anfing Pornos zu drehen, habe ich das nicht für das Geld gemacht, sondern rein für die Botschaft. Also für die Idee, andere Körper, andere Sexualitäten darzustellen, als die, die man sonst sieht. Anfangs dachte ich noch, nur das sind dann auch gute Pornos, aber davon habe ich mich entfernt … Die Einteilung in Gut und Böse ergibt für mich keinen Sinn mehr. Das Problem der Pornografie ist doch, dass in der Gesellschaft nicht offen über Sex geredet wird und nicht die Pornografie selbst. Wenn es um Sexualität geht, ist das Schlimmste, was man verbreiten kann, Schuldgefühle. Die schaden uns mehr als irgendein superbrutaler Porno.

An dem Gespräch der ICONIST-Veranstaltungsreihe „Sex Education“ nahm auch der Sexualwissenschaftler Alexander Korte teil. Der sagte übrigens etwas sehr Interessantes:

Gerade für sexuelle Minderheiten könnte Pornografie hilfreich sein für die Selbstfindung, eine Art virtuelles Probehandeln. Homosexuelle Jugendliche, und zwar sowohl Mädchen als auch Jungs, konsumieren nachweislich mehr Pornografie.

Mann kann ja die Korrelation auch anders deuten als Herr Korte.

Also, wer nicht damit überrascht werden möchte, dass seine Kinder in den Schulen staatlich subventionierte Pornofilme konsumieren, um eine Erweiterung ihres Lustrepertoires zu stimulieren, der sollte jetzt nicht still abwarten, sondern sich einmischen. Die sexuelle Verwahrlosung hat Gründe!

Hier das Interview mit Paulita Pappel und Alexander Korte: www.welt.de.

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Hollywood: Alles so woke hier

In dem Artikel Kino im Herzen habe ich im April 2021 darauf hingewiesen, dass die Filmindustrie eine Mission verfolgt. Ich schrieb damals:

Manche Jugendliche lassen sich von Filmen zeigen, wer sie sind und was ihnen wichtig ist. Diese Beobachtung ist erst einmal neutral gemeint. Es gibt Filme, die pädagogisch wertvoll sind, etwa indem sie die Liebe zu Tieren fördern oder dabei helfen, mit Konflikten konstruktiv umzugehen. Filme werden genau wegen ihrer intensiven Wirkung dafür eingesetzt, bestimmte Vorstellungen über Religion, Familie, Gerechtigkeit, Lebenssinn oder Sexualität zu verstetigen. Sie transportieren gezielte Botschaften, häufig auf fast unmerkliche Weise (manchmal als „Subtexte“ bezeichnet). So nehmen sie Einfluss auf die Art und Weise, wie wir denken, fühlen und handeln. Sie stoßen quasi Verinnerlichungsprozesse an, bei denen die Haltungen filmischer Vorbilder von den Betrachtern übernommen werden.

Genau deshalb lassen sich Spielfilme wunderbar verzwecken. Tatsächlich orientieren sich immer mehr Einrichtungen der Unterhaltungsindustrie an Vorgaben, die von politischen oder kulturellen Institutionen eingefordert werden. So hat kürzlich die Oscar-Akademie bekannt gegeben, dass Filme ohne bestimmte inhaltliche Standards gar nicht mehr für die Kategorie „bester Film“ nominiert werden dürfen. Filmbeiträge sollen Themen behandeln, die sich um Frauen, Minderheiten, Menschen mit Behinderungen oder LGBT-Inhalte – also Lesben, Schwule, Bisexuelle und Trans-Menschen drehen.

Die UFA hat sich als erstes deutsches Unternehmen kürzlich explizit zu mehr Diversität vor und hinter der Kamera verpflichtet. Als Orientierung dient dabei der Zensus der Bundesregierung: Ziel sei es, „den Anspruch von Diverstität, Inklusion, Chancengleichheit und Toleranz als Selbstverständlichkeit zu leben“. Die UFA fokussiert sich deshalb vorrangig auf Frauen, LGBTIQ*, People of Color sowie Menschen mit Beeinträchtigungen. Sie will Diversität als Normalität zeigen, statt stereotypische Narrative durch Geschichten und Besetzung zu verstärken. Um die Zielsetzung der Selbstverpflichtung zu erreichen und alle Aktivitäten zu bündeln und voranzutreiben, „haben Mitarbeiterinnen einen internen Diversity-Circle gegründet. Dieser besteht aus Patinnen und Paten zu den vier Fokusthemen Gender, LGBTIQ, People of Color sowie Menschen mit Beeinträchtigungen“. 

Inzwischen gibt es erste Anzeichen dafür, dass die Menschen nicht bereit sind, diese Woke-Kultur langfristig mitzutragen. Der neue „Indiana Jones“ ist ein Kassenflop. Die Zuschauer haben keine Lust mehr auf Identitätspolitik im Kinosaal. Langsam scheinen das auch die Produzenten zu merken. Es gibt erste Entlassungen. Jörg Wimalasena schreibt für die WELT:

Und wie bei Lucasfilm läuft es auch in anderen Disney-Produktionen und anderen Konzernen. Wokeness regiert. Im Marvel-Universum hält die weibliche Version von Hulk (She-Hulk) Vorträge darüber, wie schwer es ist, eine Frau zu sein. Bei „Star Trek“ wird der weiße hochnäsige Sternenflotten-Offizier beim „mansplainen“ von einem Asteroiden getötet und in dem Amazon-Prequel zu „Der Herr der Ringe“, in dem Elben, Zwerge und Hobbits natürlich auch ethnisch divers sind, gibt Galadriel als wackere und praktisch unbesiegbare und unbeirrbare Heldin den Ton an.

Das Schema ähnelt sich in vielen Produktionen. Neben der Dekonstruktion des „alten weißen Mannes“ tauscht man häufig weiße durch schwarze oder asiatische Charaktere aus, oder macht aus männlichen Protagonisten weibliche. So gab es Neuauflagen der Heist-Filmserie „Ocean‘s Eleven“ mit weiblichen Hauptrollen und eine Frauenversion von „Ghostbusters“ (die floppte).

Mehr (hinter einer Bezahlschranke): www.welt.de.

Eine Höhlenwanderung: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk, wie man ihn kennt (und fürchtet)

ARD, ZDF und Deutschlandradio nahmen im Jahr 2024 insgesamt 10,4 Milliarden Euro ein. Eine solche Summe erreicht kein anderes öffentlich-rechtliches Rundfunksystem (ÖRR) weltweit (siehe hier). Da könnte man meinen, dass der ÖRR sehr viel Wert auf Sorgfalt und journalistische Standards legt. Wer jedoch selbst einmal in einer Reportage des ÖRR aufgetreten ist, hat möglicherweise die Erfahrung gemacht, dass die Darstellungen stark interessengeleitet sind. Besonders viel Spaß scheinen einige Redakteure daran zu haben, fromme Christen als weltabgewandte und durchgeknallte Hinterwäldler darzustellen.

Romy W. (Klarname ist mir bekannt) hat im letzten Jahr einige solcher Dokumentationen gesehen. Da es zwischen dem ÖRR und dem gewöhnlichen Gebührenzahler ein übergroßes Machtgefälle gibt, kommt man mit Richtigstellungen meist nicht sehr weit. Aber man kann auch anders an die Sache herangehen und die Eindrücke in einen bissigen und humorigen Text „hineinlegen“. Genau das hat Romy W. mit „Eine Höhlenwanderung“ gemacht.

Gern gebe ich den Beitrag nachfolgend wieder:

Eine Höhlenwanderung

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk, wie man ihn kennt (und fürchtet)

Die Redakteure des öffentlich-rechtlichen Rundfunks (ÖRR) haben wieder einmal tief und genussvoll in den verbürgten Topf der Rundfunkgebühren (früher GEZ) gegriffen. Sie haben es sich so richtig gegönnt. Das ist das Großartige an ihrem nie versiegenden Jungbrunnen: Er fließt und fließt in Strömen. Deswegen muss man sich auch nicht die Mühe machen, sorgfältige journalistische Arbeit zu leisten. Wer braucht schon Qualität, wenn die Kohle auch so stimmt?

Warum es sich also nicht gönnen? Warum, wenn die Ideen für bereichernde und kluge Berichterstattungen allmählich ausgehen, nicht am reichhaltigen Buffet eines Lieblingsthemas bedienen: Den dummen, zurückge-bliebenen und zugleich hochgefährlich digitalisierten, moralisch verdrehten, autoritären, gesellschafts- und kulturfeindlichen Christen?

Dieses Jahr haben wir bereits einige mit Herzblut recherchierte Dokumentationen über diese höchst manipulative Bewegung zu sehen bekommen. Wir durften lernen, wie bedrohlich öffentliche Glaubensbekenntnisse christlicher Profifußballer sind. Wir wurden aufgeklärt über mysteriöse Zusammenkünfte von Demokratiefeinden im „hippen“ Charismatiker-Gewand. Wir wurden „wohlgeframed“ über die ideologisch verblendeten freikirchlichen „Systeme“ informiert, die eigentlich nur dazu dienen, einer auserwählten Heiligenschar zu Reichtum zu verhelfen. Wir hörten von aus politisch-rechtem Gedankengut gespeisten, rappenden Chart-Erschleichern. Glücklicherweise ist die Gemeinde Jesu Christi nicht tot. Glücklicherweise lässt sich hinter jeder Biegung eine weitere Schreckensmeldung finden, die sich bildreich vermarkten lässt. Jüngst haben sich unsere Qualitätsjournalisten die katholisch-charismatische Bewegung, insbesondere Johannes Hartl, vorgeknöpft.

Es ist einfach viel zu reizvoll, um nicht kreativ mit diesem Rohmaterial zu arbeiten. Deswegen sei auf der Hut, Deutschland! Wir helfen dir beim Anlegen der Höhlenausrüstung. Wir schalten die Stirnlampe für dich ein. Wir nehmen deine Hand und führen dich. Bleib uns dicht auf den Fersen, denn nun steigen wir hinab in die rutschigen Tropfsteinhöhlen der Verblendung. In die verschlingende Finsternis des christlichen Glaubens. Fürchte dich nicht, denn wir erleuchten die Höhle für dich. Wir zeigen dir, dass diese Welt nur aus Schatten besteht.

Da wir eine äußerst hochwertige Ausrüstung tragen, sind wir nicht auf plausible Argumente angewiesen. Wie die gegnerische Seite bedienen wir uns einer wunderbaren postmodernen Errungenschaft: Der Postfaktizität.

Uns reicht es, wenn wir genügend versprengte Einzelstimmen aus dem letzten Jahrzehnt zusammenkratzen. Wir benötigen keinen rechtlichen Fehltritt. Keine verfassungsfeindlichen Zitate. Wir brauchen keine nachgewiesene Veruntreuung. Noch nicht einmal auf einen dramatischen Missbrauchsskandal sind wir angewiesen. Pornokritische Zitate reichen völlig aus. Wie, ihr habt Studien gelesen, in denen die neurologischen Auswirkungen und die sozialen Gefahren von Pornokonsum beleuchtet werden? Das kann nicht sein! Wir leben in einer postfaktischen Zeit. Es lässt sich leicht lösen. Wir wählen dramatische Musik. Wir entscheiden uns für einen mitleidigen Tonfall. Wir rühren kräftig um. Und wie schön: Es funktioniert. Seht ihr, wie die bunten Emotionen die Fakten übermalen?

So können wir uns gemeinsam in der Drohkulisse sonnen: Der Drohkulisse gesunder Ehen, verkörperter Sexualität anstelle von losgelöstem Digitalkonsum, und vertrauensbasierter Beziehungen. Aber bevor du angesichts dieses Schreckensszenarios in die Hosen machst: Fürchte dich nicht. Die ARD ist bei dir! Gemeinsam werden wir das Tal der Rückwärtsgewandtheit erfolgreich durchwandern. Mehr noch: Schon bald werden wir wieder in aufgeklärte Sphären aufsteigen. Dorthin, wo das freie Individuum als Mittelpunkt der Realität für Recht und Ordnung sorgt. Fürchte dich nicht! Dieser graue Kollektivismus, dieses Untergraben der radikalen Selbstverwirklichung auf Kosten aller, ist bloß ein Hirngespinst. Der aufgeklärte Mensch ist sich selbst genug. Die Eingliederung in eine Gruppe ist höchstgefährlich für die Selbstentfaltung.

(Außer natürlich in die Demokratie.)
(Und natürlich in den herrschenden Zeitgeist.)
(Und natürlich in den Cancel-Mob gegen Andersdenkende.)
(Bei Shitstorms hat man sich bitte schön dem Kollektiv unterzuordnen. Hexenjagden sind schließlich die letzten kommunalen Rituale unserer säkularen Gesellschaft.)
(Wenn wir einander schon gewohnheitsmäßig die menschliche Würde absprechen, lasst uns bitte gleich zusammen als Tierherde agieren.)

Vielleicht reden wir am Thema vorbei. Vielleicht haben wir den Kern der Sache nicht verstanden. Vielleicht geht es hier nicht um Macht, und vielleicht ist in dieser Sphäre nichts politisch. Vielleicht geht es hier um etwas ganz anderes.

Das interessiert uns wenig. Wir sind das Licht. Unsere Stirnlampe bleibt fokussiert. Wir vertrauen ihr und fordern Vertrauen ein – postfaktisch.
Wir beherrschen unser Geschäft, und der Erfolg wird uns recht geben. Wenn wir unseren Brei weich genug vorkauen, können wir Deutschland damit füttern. Denn Brei sättigt. Und wer satt ist und gut unterhalten wird, braucht nicht eigenständig denken.

Wir haben hervorragende Techniken: Aus Meinungen und Gefühlen erschaffen wir scheinbar aufklärende Dialoge. Wir schneiden an geeigneten Stellen Witzfiguren hinein. Närrische Tänzer, Händeheber oder Verliebt-in-Jesus-Leute eignen sich gut für unsere Dokumentationen. Es macht Spaß, die geistlich Armen vorzuführen.

Und jetzt, husch, husch, zurück an die Frischluft. Verweilt nicht zu lang in dem Zwielicht dieser Höhle. Sonst findet ihr noch Gefallen an ihr. Die Gefahr ist real: Uns ist zu Ohren gekommen, dass immer mehr Menschen sie ohne unsere erleuchtende Begleitung betreten. Sie bleiben dort hängen – ohne dass wir ihnen erklären können, wie verhängnisvoll das ist. Gruselige Geschichten haben wir gehört. Immer mehr Junge und Alte sollen erkannt haben, dass dieser Jesus tatsächlich vom Tode auferstanden ist und Menschen aus ihrer Verlorenheit und Zerrissenheit rettet.

Jemand hat uns sogar erzählt, diese Sehnsucht nach der Gemeinschaft mit Gott sei unausrottbar. Gott habe seinen Geschöpfen die Ewigkeit ins Herz gelegt. Die Leute kämen nicht davon los. Seit tausenden Jahren nicht. Ihre Bibel habe Dekonstruktion um Dekonstruktion überlebt.

Das klingt beinahe unmenschlich. Es weckt Ängste.

Denn was, wenn es vielleicht anders ist, als wir denken? Was, wenn sie im Licht tanzen und wir uns an die Dunkelheit klammern?

Romy W.

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