Augustinus

Das Gebet zum Tode

Gott ist da und er erhört Gebete. Aber nicht immer antwortet er in seiner Vorsehung auf unsere Gebete so, wie wir uns das vorstellen oder wünschen.

Über eine sehr ungewöhnliche Gebetserhörung berichtet Possidius, der erste Biograph des Kirchenvaters Augustinus.

Augustinus hatte gerade sein zweibändiges Werk Retractationes abgeschlossen, indem er seine eigenen Schriften kritisch erörterte, »sich selbst tadelte« sowie etliche Lehrfehler korrigierte. Anschließend drangen die Vandalen, von Spanien kommend, in Nordafrika ein und zerstörten das Land. Augustinus »empfand und bedachte diese schreckliche und nicht enden wollende, wilde Verwüstung nicht so wie die übrigen Menschen. Er betrachtete all diese Ereignisse tiefer und eingehender und in seinen Betrachtungen hatte er vor allem die Gefahren und den Tod der Seelen vor Augen. Mehr als sonst waren darum Tränen Tag und Nacht sein Brot.«

Possidius berichtet dann über ein Gebet des Kirchenvaters, dass Gott (für Augustinus wahrscheinlich überraschend) konkret erhörte. Der Abschnitt, der auch sonst interessant ist, lautet (Vita Augustini, 29,1):

Eines Tages saßen wir mit ihm bei Tisch zusammen und unterhielten uns. Da ergriff er das Wort und sagte: »Ihr sollt wissen, daß ich in diesen Zeiten unse­res Unheils von Gott erbitte, daß er diese Stadt von den sie belagernden Feinden befreie. Wenn ihm aber etwas anderes richtig erscheint, dann möge er seinen Dienern die Kraft geben, seinen Willen zu ertragen oder aber ihn wenigstens aus dieser Welt zu sich nehmen.«

Das sagte er und instruierte uns damit. Ihm folgend, haben wir mit ihm für uns und für alle unsere Angehörigen und für alle Leute in der Stadt vom höchsten Gott das gleiche erbeten. Und siehe: Im dritten Monat der Belagerung befiehl ihn ein Fieber und die letzte Prüfung durch die Krankheit kam über ihn. Der Herr betrog seinen Diener nicht um die Frucht seiner Bitten. Denn was er für sich und die Stadt unter vielen tränenvol­len Gebeten erbeten hatte, das erhielt er rechtzeitig.

Auch weiß ich, daß Augustinus zunächst als Presbyter und später als Bischof um sein Gebet für Be­sessene angegangen wurde. Dann brachte er flehentlich unter Tränen Gott sei­nen Wunsch vor und die Dämonen wichen aus den Menschen. Als er selbst schon krank war, kam einmal ein Mann mit einem kranken Angehörigen und bat Augustinus um die Handauflegung für ihn, damit dieser gesund werde (vgl. Mk 5,23). Da antwortete Augustinus, daß — falls er solches vermöchte — er doch wohl diese Kraft sich selbst zuerst zugewendet hätte. Der Mann sagte, er habe eine Vision gehabt und im Traum gehört: »Geh hin zum Bischof Augustinus. Der soll dem Kranken die Hand auflegen und dann wird er geheilt sein.« Als Augustinus das hörte, zögerte er nicht länger. Der Herr ließ jenen Kranken sofort gesund von ihm weggehen.

Film über Augustinus

Er lebte eine wilde Ehe, wurde Vater, war afrikanischer Intellektueller und schließlich ein großer abendländischer Kirchenvater: Augustinus von Hippo. Sein Leben gibt ausreichend Stoff für einen Film. Der italienische Fernsehsender RAI strahlte kürzlich einen Zweiteiler über den Bischof aus:

Hinter der Produktion steckt niemand weniger als der Papst. Papst Benedikt XVI. hatte um die Produktion dieses Filmes über den heiligen Augustinus gebeten, jenem unermüdlichen Sucher nach einem Sinn für sein Leben und seine Geschichte.
Die Gedanken des heiligen Augustinus bilden den Leitfaden des Films: Sein Lebenslauf gehört zu jenen beeindruckenden, in denen es ein Vorher und ein Nachher gibt. Man sieht den begabten jungen Anwalt Augustin von der gleichen Unzufriedenheit erfüllt, die heute noch viele Menschen, erfolgreiche eingeschlossen, umtreibt. Er zeigt die gleiche intellektuelle Neugier wie die kulturell gebildeten Menschen von heute und stellt die gleichen Fragen, die die jungen Leute von heute immer noch stellen: »Warum hat Gott mich erschaffen?«, »Warum gibt es das Böse?«, »Was kommt nach dem Tod?«.

Hier mehr: www.zenit.org.

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Nachtrag vom 15.02.2010: Der Film soll zu Ostern im deutschen Fernsehen ausgestrahlt werden: www.br-online.de.

Augustinus-Ausgabe aus dem Kreis um Martin Luther?

In Paris hütet ein Privatgelehrter eine von alter Hand kommentierte Augustinus-Ausgabe. Gehört sie nach Wittenberg? Die FAZ schreibt:

Vor allem mit Hilfe des vor einigen Jahren verstorbenen Tübinger Kirchenhistorikers Heiko Oberman, seines Kollegen Gerhard Hammer und des Manuskript-Experten Karlfried Froehlich von der Universität Princeton gelang es allerdings, einige der Marginalien des besonders üppig annotierten achten Bandes als Texte von Martin Luther, Philip Melanchthon und Wenzeslaus Linck zu identifizieren. Es sind insbesondere die augustinischen »Enarrationes in Psalmos«, denen der Glossator Kommentare aus Luthers »Summarien über die Psalmen und Ursachen des Dolmetschens« und Lincks »Kurtz Summaria oder außzüge der Psalmen« gegenüberstellt. Schlüsseltexte von Melanchthon wiederum finden sich vor allem bei Augustinus‘ Anmerkungen zu den Psalmen 31 und fünfzig. Bis heute sind allerdings kaum mehr als die Hälfte der Randbemerkungen ihren Quellen zugeordnet.

Vieles deutet darauf hin, dass der unbekannte Scribent seine Arbeit um 1536 beendet hat. Peter Way schließt das aus datierten Hinweisen auf zeitgenössische Ereignisse. Die letzte Notiz bezieht sich auf die Enthauptung von John Kardinal Fisher am 22. Juni 1535. Heinrich VIII. hatte sie befohlen. Sie findet in Form eines kurzen Nachrufs auf Fisher neben dem Vorwort im ersten Band der Edition Erwähnung. Für Way ist dieses Datum mehr als nur ein Kuriosum. Es ist Teil seiner Indizienkette, die mitten in die Denkstuben der Wittenberger Reformatoren führt: Der Annotator muss ein Mann mit Zeit, Geduld und außergewöhnlicher Bildung gewesen sein.

Offenbar hat er neben bemerkenswerten sprachlichen Fähigkeiten auch über profunde editorische Kenntnisse verfügt. Immerhin hat er ungefähr 50.000 Einzelkorrekturen vorgenommen. Für seine Arbeit muss er Zugang zu einer guten Bibliothek gehabt haben. Aber nicht nur das: Er muss in der Lage gewesen sein, auf Originalmanuskripte der großen Reformatoren zuzugreifen. Etliche der Textstellen, die in den Marginalen auftauchen, lagen zum Zeitpunkt ihrer Niederschrift noch nicht in vervielfältigter Form vor: »Wie aber hätte jemand aus ihnen zitieren können, wäre er nicht einer jener Scholaren gewesen, die Luther an der Wittenberger Leucorea um sich geschart hatte?«

Hier mehr: www.faz.net.

Augustinus hat heute Geburtstag

augustinus.jpgDer Kirchenvater Augustinus wurde am 13. November 354 in Thagaste (im Norden des heutigen Algerien) geboren. Eine gute Gelegenheit, etwas aus seinem Leben zu erzählen. Ich überlasse das Possidius von Calama (ca. 370–437), einem Mönch und Bischof, der als Schüler und Wegbegleiter des Augustinus von Hippo zwischen 431 und 437 einen Lebensbericht über seinen Lehrer geschrieben hat.

Possidius erzählt uns in seiner Vita Augustini (Kap 5), wie sich unter dem Einfluss des Kirchenvater ein Kloster entwickelte:

Bald nach seiner Priesterweihe richtete Augustinus auf dem Kirchengrundstück ein Kloster ein. Hier begann er mit den Dienern Gottes ein gemeinsames Leben nach der Art und Lebensform der heiligen Apostel zu führen (vgl. Apg 2,44; 4,35; 5,4). Besonderer Wert wurde darauf gelegt, daß niemand in dieser Gemeinschaft persönliches Eigentum besitze. Vielmehr sollte allen alles gemeinsam sein und einem jeden sollte nach Bedarf zugeteilt werden. So hatte er selbst schon gelebt, bevor er aus Italien in die Heimat zurückkehrte.

Der heilige Valerius, der ihn geweiht hatte, ein frommer und gottesfürchtiger Mann, freute sich sehr (vgl. Ps 9,3; 149,2; Lk 1,47). Er dankte Gott, daß er seine Bitten erhört habe (vgl. Gen 30,17; Tob 3,24; Jer 14,12). Später erzählte er, er habe sehr oft zu Gott gebetet, daß ihm ein solcher Mann von Gott geschickt werde, der in der Lage sei, die Kirche des Herrn durch Verkündigung des Wortes Gottes (vgl. Mt 16,18; Apg 9,31) und durch heilsame Lehre aufzubauen. Er selbst sehe sich dazu weniger in der Lage, da er, von Herkunft Grieche, die lateinische Sprache weniger gut beherrsche und ebenso in den Wissenschaften nicht ausreichend unterrichtet sei.

Er räumte darum dem Priester Augustin das Recht ein, in seiner Gegenwart in der Kirche über das Evangelium zu predigen und es so kontinuierlich zu erklären (vgl. Mt 4,23; Mk 16,15; 1 Kor 9,18). Das war gegen den üblichen Brauch der afrikanischen Kirchen. Manche Bischöfe erhoben dagegen Einspruch.

Aber jener verehrungswürdige und umsichtige Mann wußte sicher, daß dies in den östlichen Kirchen fester Brauch war. Einzig das Wohl der Kirche im Auge, ließ er sich von den Stimmen der Kritiker nicht beeindrucken. Er hielt nur fest, daß nun von einem Priester das getan wurde, was er, wie er sah, als Bischof zu tun nicht mehr imstande war. So leuchtete Augustinus wie eine brennende Lampe, die auf einen Leuchter gestellt wurde, allen im Hause (vgl. Mt 5,15). Die Angelegenheit sprach sich bald weit herum. Das ihnen präsentierte gute Beispiel ahmte deshalb eine Anzahl von Bischöfen nach und sie erlaubten einigen Priestern, in ihrer Gegenwart dem Volk das Evangelium zu erklären.

Quelle: Wilhelm Geerlings (Hg.), Possidius: Vita Augustini, Schöhningh 2005.

Das ganze Evangelium

Aurelius Augustinus:

Wenn Du glaubst, was Dir am Evangelium gefällt, und zurückweist, was Dir nicht gefällt, vertraust Du nicht dem Evangelium, sondern Dir selbst.

VD: CMS

Von den Kirchenvätern lernen

Nick Needham hat einen einführenden Aufsatz über Augustinus geschrieben. Der Text ist für all diejenigen gut geeignet, die bisher wenig über den Kirchenvater gelesen haben und die englische Sprache mögen.

Erschienen ist der Text als:

  • Nick Needham, »Augustine of Hippo: The Relevance of His Life and Thought Today«, SBTS, Vol. 12, No. 2, 2008, pp. 38–50.

Sie können den Beitrag hier frei herunter laden: www.sbts.edu.

Bisher unbekannte Predigten von Augustinus entdeckt

Augustinus.jpgForscher der Österreichischen Akademie der Wissenschaften haben in der Universitätsbibliothek von Erfurt sechs bisher unbekannte Predigten des frühchristlichen Kirchenvaters Augustinus (354–430) entdeckt. Dies meldet die EKD unter Berufung auf den Nachrichtendienst epd.

Die Texte seien in einer über 800 Jahre alten Handschrift mit mehr als 70 weiteren Predigten von spätantiken und mittelalterlichen Theologen enthalten. Zu der Sammlung gehörten auch 20 Predigten des Kirchenvaters, die bereits bekannt sind.

Hier geht es zur Meldung der EKD: www.ekd.de.

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