BBC Dokumentation über Martin Luther
Das BBC (PBS) hat eine Dokumentation über das Leben von Martin Luther produziert. Zu den Interviewpartnern gehört Alister McGrath.
Das BBC (PBS) hat eine Dokumentation über das Leben von Martin Luther produziert. Zu den Interviewpartnern gehört Alister McGrath.
Ein kluger Theologe lese christliche Ratgeberliteratur der Gegenwart und messe sie an diesem Lutherzitat (geschrieben 1525 an Erasmus):
Die von dir beschriebene Gestalt des Christlichen enthält unter anderem Folgendes: Wir sollen uns mit allen Kräften anstrengen, das Heilmittel der Buße erstreben und auf jede Art und Weise das Erbarmen des Herrn anstreben, ohne das weder der menschliche Wille noch eine Bemühung wirksam sind. Ebenso soll niemand zweifeln an der Vergebung Gottes, der von Natur aus grundgütig ist. Diese deine Worte sind ohne Christus, ohne Geist, kälter als selbst das Eis; sogar deine Beredsamkeit, sonst deine Zierde, leidet Schaden – diese [Worte] hat dir Armem vielleicht gerade noch die Angst vor Bischöfen und Tyrannen ausgepresst, um nicht völlig gottlos zu erscheinen. Das aber behaupten deine Worte doch als Wahrheit: Es gebe in uns Kräfte; es gebe eine Anstrengung aus allen Kräften; es gebe ein Erbarmen Gottes; es gebe Wege, das Erbarmen anzustreben; es gebe einen Gott, der von Natur aus gerecht, von Natur aus grundgütig ist usw. Wenn also einer nicht weiß, was jene Kräfte sind, was sie vermögen, was sie erleiden, welche Anstrengung ihnen eigen ist, was ihre Wirksamkeit, was ihre Unwirksamkeit ist – was wird der tun? Was wirst du ihn zu tun lehren?
Der DLF hat eine kleine Reihe zur Reformation publiziert. Hier der fünfte und letzte Teil.
Zum Einstieg wird an ein unrühmliches Ereignis erinnert. Landgraf Philipp von Hessen, der seit 1524 mit dem Kurfürsten von Sachsen zu den wichtigsten politischen Stützen der Reformation gehörte, verliebte sich in die junge Margarete von der Saale und verlangte von den Reformatoren den Segen für eine Zweitehe. Nach anfänglicher Zurückhaltung gaben die Theologen nach, Philipp Melanchthon nahm sogar an der Trauung teil.
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Der DLF hat eine kleine Reihe zur Reformation publiziert.
Hier der vierte Teil:
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Der DLF hat eine kleine Reihe zur Reformation publiziert.
Hier der dritte Teil:
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Der DLF hat eine kleine Reihe zur Reformation publiziert.
Hier der zweite Teil:
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Der DLF hat eine kleine Reihe zur Reformation publiziert.
Hier der erste Teil dieser gut aufbereiteten Serie, bei der vor allem die Leipziger ihr »Fett abbekommen« Der kluge Melanchthon kommt dagegen – völlig zu Recht – gut weg:
Martin Luther schreibt in De servo arbitro über die Klarheit der Heiligen Schrift:
Nimm Christus aus den Schriften – was wirst du noch in ihnen finden? Was in den Schriften enthalten ist, liegt aber alles offen zu Tage, auch wenn manche Stellen bis jetzt wegen unbekannter Worte undeutlich sind. Töricht aber ist es und gottlos, wenn man weiß, dass die Dinge der Schrift ganz klar zu Tage liegen, und dann behauptet, wegen weniger undeutlicher Worte seien die Dinge selbst undeutlich. Wenn die Worte an einer Stelle undeutlich sind, sind sie doch an einer anderen Stelle klar. Ein und dieselbe Sache aber, ganz deutlich der ganzen Welt erklärt, wird in der Schrift mal mit klaren Worten ausgesagt, mal verbirgt sie sich bisher hinter undeutlichen Worten. Nun macht es nichts, wenn die Sache am Licht ist, ob irgendein Zeichen in Dunkelheit liegt, weil ja unterdessen viele andere ihrer Zeichen am Licht sind. Wer würde sagen, ein öffentlicher Brunnen sei nicht am Lichte, bloß weil die, die in einer Seitengasse stehen, ihn nicht sehen, alle anderen aber, die auf dem Markt stehen, ihn sehen?
…
Dass aber vielen vieles dunkel bleibt, geschieht nicht durch die Undeutlichkeit der Schrift, sondern durch die Blindheit und den Stumpfsinn derer, die nichts tun, um die überaus klare Wahrheit zu sehen. So wie Paulus von den Juden 2Kor 4 sagt: »Die Decke bleibt über ihren Herzen.« Und wiederum: »Wenn unser Evangelium verhüllt ist, ist es in denen verhüllt, die verloren gehen, deren Herzen der Gott dieser Welt verblendet hat.« Mit derselben Unverfrorenheit könnte der die Sonne oder den Tag als dunkel beschuldigen, der sich selbst die Augen verhüllt oder vom Licht in die Dunkelheit geht und sich verbirgt. Die elenden Menschen sollen also aufhören, die Finsternis und die Dunkelheit ihres Herzens in gotteslästerlicher Verkehrung den Schriften Gottes anzulasten, die ganz und gar klar sind.
Das kurze Zitat verteidigt nicht nur eine christo-zentrische Hermeneutik, es stellt eindrücklich heraus, wie sehr sich die Erwartungshaltung vieler Theologen heute von der der Reformatoren damals unterscheidet. Während Luther Schwierigkeiten bei der Schriftauslegung mit der geistlichen Verschlossenheit des in sich selbst verkrümmten Menschen begründete, heißt es heute oft: »Da hätte Gott sich eben verständlicher erklären müssen!«
Noch einmal Luther dazu: »Die elenden Menschen sollen also aufhören, die Finsternis und die Dunkelheit ihres Herzens in gotteslästerlicher Verkehrung den Schriften Gottes anzulasten …«
Martin Luther sagte zur Disputionsfrage über die Kräfte und den Willen des Menschen ohne Gnade (1516):
Da die Gerechtigkeit der Gläubigen in Gott verborgen ist, ihre Sünde aber offenkundig in ihnen selbst, ist es wahr, dass nur die Gerechten verdammt werden, die Sünder und Dirnen aber gerettet werden. Das ergibt sich hinsichtlich des ersten, weil die Gerechtigkeit der Gläubigen allein aus der Zurechnung Gottes kommt, gemäß dem Spruch Ps 32: »Glückselig der Mann, dem Gott die Sünde nicht zugelechnet hat«, und in einem anderen Psalm: »Meine Hilfe [kommt] vom Herrn«, und Hos 13: »Du [bist] dein [eigenes] Verderben, Israel, aber in mir ist Hilfe.« Das zweite ergibt sich daraus, dass ein anderer Psalm die Sünde öffentlich bekennt, »die immer in mir ist«, das heißt, in meinen Augen bin ich immer Sünder. Und der Apostel Gal 3 [richtig: Kol 3]: »Ihr seid gestorben«, sagt er, »und euer Leben ist verborgen in Christus in Gott. Wenn aber Christus, euer Leben, erscheinen wird, dann werdet auch ihr erscheinen mit ihm in Herrlichkeit«. Folglich ist jeder Heilige bewusst Sünder, unbewusst aber ein Gerechter, Sünder der Tatsache nach, Gerechter der Hoffnung nach, Sünder tatsächlich, Gerechter jedoch durch die Zurechnung des sich erbarmenden Gottes. Also ist es wahr, dass nur die Gerechten, das heißt, die Gerechten, die sich selbst keine Sünde zurechnen, in ihren Übeltaten verdammt werden. Die Dirnen aber, oder diejenigen, die sich selbst Sünden zurechnen und in ihren eigenen Augen Dirnen und Sünder sind, aber ihre Gottlosigkeit dennoch GOTT bekennen und zur rechten Zeit dafür um Vergebung bitten, auf ihn und nicht auf sich selbst hoffen, werden gerettet. Dazu passt es, dass der Herr den Priestern und Schriftgelehrten sagte: »Wahrlich, ich sage euch, dass die Zöllner und Sünder vor euch in das Reich Gottes eingehen werden.« Ebenso: »Ich bin nicht gekommen, die Gerechten zu rufen, sondern die Sünder.« »Die Kranken bedürfen des Arztes.« »Es ist größere Freude über einen Sünder« usw.
Martin Luther sagte zur Disputionsfrage über die Kräfte und den Willen des Menschen ohne Gnade (1516):
Joh 15: »Ohne mich könnt ihr nichts tun.« Desgleichen: »Niemand kann zu mir kommen, wenn es ihm nicht von meinem Vater gegeben wird.« Der Apostel [sagt] 1Kor 4: »Was hast du denn, das du nicht empfangen hast?« Und durch viele andere [Stellen] des Neuen und Alten Testaments wird schlüssig so gelehrt, am meisten durch den Propheten Hesekiel, wo Gott geradezu sagt, er lasse sich durch keine guten Verdienste der Menschen veranlassen, sie gut zu machen, als gehorchten sie seinen Geboten; sondern vielmehr vergelte er ihnen Gutes für Böses und tue dies um seiner selbst willen, nicht um ihretwillen. Er sagt nämlich: »Das sagt der Herr dein Gott: ›Das werde ich dem Haus Israel um meines heiligen Namens willen tun, den ihr entheiligt habt unter den Heiden‹.« Und nach vielen Worten des Propheten folgt: »Nicht euretwegen tue ich das, spricht Gott der Herr, damit ihr es nur wisst.« Aus diesen [Aussagen] allen [folgert] St. Augustinus, der Verteidiger der Gnade, zusammen mit dem heiligsten Apostel, dem Prediger der Gnade, dass es nicht an des Menschen Wollen und Laufen liege, sondern am Erbarmen GOTTES, der Strafe nur auferlegt, wenn sie verdient ist, Erbarmen hingegen nur, wenn es unverdient ist. Folglich werden Verdienste, die der Gnade vorangehen, hinfällig und nichts sein. Notwendigerweise bleibt also der Mensch ohne Gnade ein Sohn des Zornes, weil es allein die Söhne GOTTES sind, die vom Geist GOTTES getrieben werden.