Religionsfreiheit

Pastor Yousef Nadarkhani

Pastor Nadarkhani wurde vor zwei Jahren verhaftet und vor einem Jahr wegen Apostasie zum Tode verurteilt. Ende September 2011 bestätigte der Oberste Gerichtshof in Kum dieses Urteil. Auf die Konversion vom Islam zum Christentum steht heute im Sudan, im Jemen, in Somalia, Pakistan, Saudi-Arabien, Afghanistan die Todesstrafe.

DIE ZEIT schreibt:

Um in Iran in die Mühlen der Justiz zu geraten, muss man ja nicht Konvertit sein oder zu einer religiösen Minderheit wie den Bahai, den Juden, den etwa 80.000 Christen oder den 7 bis 8 Millionen Sunniten gehören (die in Teheran keine einzige Moschee haben). Apostasie als Straftat ist aber besonders perfide, weil sie so breit auslegbar ist. Sie umfasst die Beleidigung des Propheten ebenso wie die Verunglimpfung des Islams. Da kann im Grunde jeder, der ein kritisches Wort wagt, angeklagt werden. Zuletzt traf es die Regisseurin Marzieh Vafamehr, die wegen eines Films zur Auspeitschung verurteilt wurde. Unterdessen wartet der Pfarrer Sadiq Khandjani, der vor über einem Jahr in der Stadt Schirras wegen Apostasie verhaftet wurde, weiter auf seinen Prozess.

Was heißt also Abfall vom Glauben in einer Theokratie? Wer vom Islam abfällt, fällt vom Staat ab. Wer den Staat beleidigt, beleidigt den Islam. Der Ketzer ist stets auch der Staatsfeind. Es ist ein Teufelskreis und eine Lektion für alle, die sich die innige Verbindung von Staat und Religion immer noch ganz nett vorstellen können.

Und Nadarkhani? Braucht jetzt mehr internationale Unterstützung denn je. Der Menschenrechtsaktivist Nowzari beklagt, dass Proteste der deutschen Regierung gegen Menschenrechtsverletzungen oft selektiv und anderen politischen Interessen untergeordnet seien. Die CDU immerhin intervenierte im Fall Nadarkhani. Aber ist die Verteidigung von Willküropfern, die zufällig Christen sind, jetzt das Privileg der C-Parteien? Das beliebteste Argument fürs Weggucken, zu lauter politischer Protest könne Gefangene gefährden, lässt Nowzari jedenfalls nicht gelten: »Protest ist fast immer besser als Schweigen.«

Und was, wenn der Protest nicht hilft? Wenn Nadarkhani ermordet wird? Dann bleibt seine Lehre, dass man trotzdem nicht zu Kreuze kriechen soll. Weil Diktatur nur dort total herrscht, wo sich keiner widersetzt. Nein, dieser iranische Pastor ist kein strahlender Tyrannenmörder. Er ist bloß ein unbeugsamer Dulder, eine Bonhoeffer-Figur, ein Held der wirklichen Welt. Deshalb kann er mehr Menschen beeindrucken als nur die paar iranischen Christen, nämlich auch die vielen liberalen Muslime und alle, die die Herrschaft der Ayatollahs zum Teufel wünschen. Wenn die Freiheit eines Tages in Iran kommt, wird man sie auch Nadarkhani verdanken. Es wäre schön, wenn er sie selbst noch erlebt.

Mehr: www.zeit.de.

Gröhe: Notfalls verfolgte ägyptische Christen aufnehmen

Das Christentum ist die am meisten verfolgte Religionsgemeinschaft. Nach dem Tod von 26 Koppten in Ägypten nimmt CDU-General Größe die Regierungen in die Pflicht und bekennt sich dazu, dass seine Partei verfolgten Christen in besonderer Weise verbunden sein muss:

Die Union fühlt sich als Partei mit ‚C‘ im Namen bedrängten Christen weltweit in besonderer Weise verbunden, setzt sich aber ganz grundsätzlich für Religionsfreiheit ein. Wahr ist aber auch, dass wir in einem religionsentwöhnten Westeuropa leben, in dem das Bekenntnis zum Glauben zunehmend als Provokation empfunden wird. Gläubigen wird vorgeworfen, überhaupt eine religiöse Überzeugung zu haben. Aber es ist doch absurd, Verfolgten gewissermaßen eine Mitschuld an der eigenen Verfolgung zu geben! Wer das tut, verkennt, dass die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen das öffentliche Bekenntnis und den Religionswechsel schützt.

Hier: www.welt.de.

Iran: Hinrichtung von Pastor Nadarkhani vorerst abgewendet

Internationale Proteste und Gebete zeigen offenbar im Iran Wirkung: Die unmittelbare Gefahr einer Hinrichtung des wegen seines christlichen Glaubens zum Tode verurteilten Pastors Youcef Nadarkhani ist vorerst abgewendet. Das bestätigte der Vorstandssprecher der Internationen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), Martin Lessenthin (Frankfurt am Main), am 12. Oktober auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea.

Dem 35-jährigen ehemaligen Muslim – Leiter einer 400 Mitglieder zählenden christlichen Untergrundgemeinde – droht der Tod durch den Strang als Strafe für die „Verbreitung nichtislamischer Lehre“ und den „Abfall vom islamischen Glauben“. Gegen das bestätigte Urteil des Obersten Gerichtshofs und die bevorstehende Hinrichtung erhob sich eine Welle internationaler Proteste; unter anderem kamen sie vom Europäischen Rat, der Bundesregierung, dem britischen Außenminister William Hague, CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe und dem geistlichen Oberhaupt der Anglikaner, Erzbischof Rowan Williams (London). Die IGFM hatte binnen kurzer Zeit 11.000 Unterschriften für Nadarkhanis Freilassung gesammelt. Jetzt soll sein Fall nach Informationen der Iranischen Studentischen Nachrichtenagentur ISNA vor einem untergeordneten Gericht neu aufgerollt werden. Es seien Bedenken im Blick auf die ursprünglichen Ermittlungen aufgetaucht, berichtet der US-Nachrichtensender Fox News. Lessenthin bestätigte, dass der höchste religiöse Führer und Rechtsgelehrte Irans, Ayatollah Khamenei, im Fall Nadarkhani angerufen werden solle. Damit sei das Todesurteil zwar nicht aufgehoben, aber zumindest die Vollstreckung des Urteils verschoben. Lessenthin führt dies auch auf die „starken Proteste“ zurück.

Hier mehr: www.idea.de.

Seit 50 Jahren erster Christ im Türkischen Parlament

Vor knapp 100 Jahren lag der Anteil der Christen an der Gesamtbevölkerung in der Türkei bei 30 Prozent. Heute sind nur noch ca. 0,2 Prozent der in der Türkei lebenden Menschen Christen (siehe dazu hier). Nun wurde mit Erol Dora seit 50 Jahren erstmals wieder ein Türke ins Parlament gewählt, der zu einer christlichen Konfession gehört.

Der DLF hat ihn kurz vorgestellt:

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Kauder: Religionsfreiheit weltweit durchsetzen

Die Durchsetzung des Rechts auf weltweite Religionsfreiheit wurde in Deutschland lange Zeit vernachlässigt. Es dürfe nicht nur auf dem Papier stehen, forderte der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kaudre, am 19. September in Berlin während der Konferenz »Religionsfreiheit verteidigen, Christen beistehen«.

Die Nachrichtenagenur ideaSpektrum meldet:

Er sprach vor 300 Teilnehmern bei der Veranstaltung seiner Fraktion „Religionsfreiheit verteidigen, Christen beistehen“. Kaudre zufolge ist es ein existenzielles Menschenrecht, die eigene Glaubensüberzeugung öffentlich zu leben. Nichts mache die Identität eines Menschen mehr aus als der Glaube. Er setze sich für die freie Ausübung aller Religionen ein. Bedrängt würden vor allem Christen in islamisch geprägten Ländern. Kaudre kündigte an, bei Reisen nach Nigeria und Eritrea die Lage der dortigen Christen anzusprechen. Der Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden, Peter Kardinal Turkson (Rom), berichtete, dass weltweit zwei Drittel aller Christen bedrängt oder verfolgt würden. Die Schwere reiche von Beeinträchtigungen bei der Berufsausübung bis zu physischer Gewalt. Er bat die Bundesregierung, im Einsatz für weltweite Religionsfreiheit nicht nachzulassen.
 Der EKD-Ratsvorsitzende, Präses Nikolaus Schneider (Düsseldorf), betonte, dass sich die evangelische und die römisch-katholische Kirche bei der Forderung nach Religionsfreiheit einig seien. Es gelte die biblische Aussage »Wenn ein Glied leidet, leiden alle Glieder mit« (1. Korinther 12,26). In manchen Regionen erlebten Christen Anschläge gegen Wohn- und Gemeindehäuser, Schikanen beim Erwerb von Grundbesitz oder persönlichen Terror. Im Nahen Osten sei es dadurch zu einem »beachtlichen Exodus« gekommen. So sei in der Türkei durch eine »gezielte Vertreibungspolitik« der Anteil der Christen binnen 100 Jahren von 25 auf 0,2 Prozent geschrumpft. Schneider forderte dazu auf, bedrängten Christen Briefe zu schreiben, für sie zu beten und sie zu besuchen.

Mehr: www.idea.de.

Nationalgott Jahwe

Der Theologe Jochen Vollmer hat im Aufsatz »Der Israel-Palästina-Konflikt und die Befreiung der Theologie: Vom Nationalgott Jahre zum Herrn der Welt und aller Völker« (Pfarrerblatt) das Existenzrecht Israels bestritten.

Ein jüdischer Staat ist eben ein Staat, der seine jüdische Identität – die nichtjüdische Bevölkerung ausgrenzend und damit den einen und universalen Gott, der für Juden und Nichtjuden in gleicher Weise da sein will, verleugnend – mit staatlicher Gewalt nach innen und nach außen sichern will. Der Glaube an Gott kann nicht durch staatliche Gewalt gesichert werden. Die Besonderheit des jüdischen Volkes mit seinen großen universalen Traditionen und ihrer Hoffnung auf Gottes Schalom für Israel und die Völker verträgt sich gerade nicht mit einer staatlichen Verfasstheit, wie sie den anderen Völkern eigen ist. Als Staat soll Israel wie die anderen Staaten sein, demokratisch und säkular. Als Volk Gottes darf es nicht wie die anderen Völker sein, hat es den Auftrag, zum Segen und zum Licht der Völker zu werden (Gen. 12,3; Jes. 42,6; 49,6). Das Dilemma des Staates Israel, zugleich ein jüdischer und ein demokratischer Staat sein zu wollen, ist die Unvereinbarkeit von jüdischem Volk und jüdischem Staat.

Der DLF hat dazu einen Bericht veröffentlicht:

[podcast]http://podcast-mp3.dradio.de/podcast/2011/08/29/dlf_20110829_0936_b3c17c50.mp3[/podcast]

Als Empfehlung zum Thema hier der Aufsatz »Wünschet Jerusalem Glück“: Wie man zu einer angemessenen theologischen Beurteilung des Nahostkonflikts gelangt« von Gerhard Gronauer.

Sind Christen stets die Guten?

CHRIST & WELT (DIE ZEIT) hat mit Volker Kauder über Christsein in der Politik und über das Thema Christenverfolgung gesprochen:

Die Kirchen können die Verkündigung des Wortes Gottes durchaus noch etwas intensivieren. Es kann doch die Kirche nicht ruhig sein lassen, wenn der Besuch der Gottesdienste immer stärker abnimmt. Jede Organisation muss sich doch fragen, woran es liegt, wenn ihr Zuspruch geringer wird. Das gilt für die Parteien, aber auch für die Kirchen. Die Kirche hat doch einen Missionsauftrag, davon ist aber zu wenig zu sehen.

Mehr: www.christundwelt.de.

Die Zahl der christlichen Märtyrer

Endlich stößt Thomas Schirrmacher öffentlich einen längst fälligen Disput über die Frage der christlichen Märtyrer an. Auch ich vertrete seit Jahren die Auffassung, dass die in der Regel genannten Zahlen zu hoch sind.

Seit vielen Jahren gibt es für jedes Jahr immer nur eine einzige Zahl, die jährlich als Gesamtzahl der christlichen Märtyrer pro Jahr angegeben wird, die Zahl des ›Global Status of Mission‹. Diese Zahl wird zwar von verschiedenen Institutionen zitiert, aber nur von einer Institution errechnet. Derzeit wird sie am häufigsten vom päpstlichen Missionswerk ›Kirche in Not‹ (›Aid to the Church in Need‹) zitiert, das von 130.000–170.000 Märtyrern pro Jahr spricht, aber keine eigenen Untersuchungen durchgeführt hat.

Diese Zahl wird jährlich im International Bulletin for Missionary Research vorgelegt. Für 2010 stand die Zahl bei 178.000, für 2009 bei 176.000, für 2011 ist sie – unter anderem aufgrund unseres Einspruchs – auf 100.000 korrigiert worden. Da die Zahl sich jährlich ändert, denkt jeder, es handele sich um die Zahl der Märtyrer im jeweiligen Jahr, aber tatsächlich soll den Durchschnitt des jeweils letzten vollen Jahrzehnts angeben (also z. B. 1990-2000, 2000-2010).

Der Kommentar zu ›Global Status of Mission‹ gibt selbst an, dass die Zahl die wohl am häufigsten zitierte Zahl aus dieser Statistik ist. Durch die Bücher ›World Christian Encyclopedia‹, ›World Christian Trends‹, ›Atlas of Global Christianity‹ und die elektronische ›World Christian Database‹ ist die Zahl in dieser Größenordnung weit verbreitet worden.

Es fällt mir schwer, diese Zahl wegen ihrer weiten Verbreitung zu kritisieren, zumal sie von seriösen Forschern und guten Freunden kommt. Aber als Wissenschaftler habe ich solche Zahlen zu oft vor säkularen Kollegen, Politikern weltweit, des Deutschen Bundestages oder des Europäischen Parlaments, und natürlich Journalisten zu verantworten, als dass unser Institut (das ›International Institute for Religious Freedom‹) sie einfach nur übernehmen könnte.

Da die Zahl von vielen säkularen, christlichen, darunter auch evangelikalen Forschern und Fachleuten 1. als viel zu hoch angesehen wird, und 2. als aufgrund zahlreicher Faktoren überhaupt nicht zu erheben gilt, wäre es wünschenswert, wenn es eine genaue Darstellung gäbe, aufgrund von welchen umfangreichen Recherchen die Zahl erhoben wird, welche wissenschaftliche Vorgaben dabei befolgt werden oder wie die Belastbarkeit von Forschungskollegen überprüft werden kann. All’ das liegt nicht vor – auch die ausführlichste Darstellung in den ›World Christian Trends‹ sagt nirgends, woher die Daten kommen und nach welchen Kriterien geschätzt wird.

Hier mehr: www.thomasschirrmacher.info. Here in English: www.thomasschirrmacher.net.

Verhaltenskodex »Christliches Zeugnis in einer multireligiösen Welt«

201107191016.jpg»Mission gehört zutiefst zum Wesen der Kirche.« Mit diesen Worten beginnt das Dokument, das kürzlich in Genf am Sitz des Weltkirchenrates in einer feierlichen Stunde der Öffentlichkeit übergeben wurde. Mehr als fünf Jahre lang hatten Repräsentanten der genannten kirchlichen Organisationen in einer Reihe von größeren und kleineren Konferenzen daran gearbeitet, was es heißt, den christlichen Glauben im 21. Jahrhundert in einer multireligösen Welt zu bezeugen und weiterzugeben. Entstanden ist ein Dokument mit klassischen Grundlagen für das christliche Zeugnis, gefolgt von Prinzipien und Empfehlungen.

Thomas Schirrmacher, Chefunterhändler für die Weltweite Evangelische Allianz, machte deutlich, dass es sich bei dem vorgelegten Dokument keineswegs um ein Kompromisspapier handele (siehe hier). Im Laufe der Jahre habe es aus dem Umfeld verschiedener Seiten immer wieder auch sehr skeptische Stimmen gegeben, die ein inhaltlich substanzielles Dokument zum Thema Religionsfreiheit und Mission nicht für möglich gehalten hätten. Am Ende stünden nun klare Empfehlungen, die einerseits den Auftrag Jesu an seine Kirche deutlich bezeugten, andererseits aber auch die Grenzen einer an der biblischen Botschaft ausgerichteten Mission aufzeigten.

Hier ein Beitrag des DLF zum Verhaltenskodex:

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Angriffe auf Kirchen im Senegal

Zu den jüngsten Angriffen auf Kirchen im Senegal hat die Kommission für Religionsfreiheit der Weltweiten Evangelische Allianz (WEA-RLC) am 7. Juli folgende Erklärung verlautbart:

Die Kommission für Religionsfreiheit der WEA hat erfahren, dass während der jüngsten Proteste gegen Verfassungsänderungen im Senegal mindestens sechs Kirchen angegriffen wurden. Diese Übergriffe in der Hauptstadt Dakar sind Besorgnis erregend, zumal der Senegal mit seiner islamischen Bevölkerungsmehrheit als Musterland der Toleranz und religiösen Koexistenz gilt.

Die Proteste brachen am 23. Juni aus, nachdem Präsident Abdoulaye Wade einen Versuch unternommen hatte, der von der Zivilgesellschaft und der politischen Opposition als »Verfassungs-Staatsstreich« bezeichnet wurde. Seine Regierung brachte einen Antrag auf Verfassungsänderung ein, der vorsah, den für die Wahl zum Staatspräsidenten erforderlichen Anteil von 50 Prozent der abgegebenen Stimmen auf 25 Prozent zu senken, um es dem seit 11 Jahren an der Macht befindlichen Wade zu ermöglichen, im Amt zu bleiben.

»Die Proteste hatten nichts mit den angegriffenen Kirchen zu tun« erklärte Godfrey Yogarajah, der geschäftsführende Direktor der WEA-RLC und fügte hinzu: „Es ist auch klar, dass es sich nicht um spontane Übergriffe handelte. Diese waren geplant und organisiert, wobei man sich die Proteste zu Nutze machte. Wie sonst sollte man sich den Angriff eines Mobs auf sechs Kirchen absolut ohne vorangegangene Provokation erklären?“

Von lokalen Quellen war in Erfahrung zu bringen, dass sich die Übergriffe des Mobs vor allem gegen neue Gemeinschaften wie Pfingstgemeinden und Baptisten richteten, die im Senegal an Mitgliedern wachsen. Die römisch katholische Kirche gilt als traditionelle Organisation, doch manchen protestantischen Gemeinschaften wird vorgeworfen, mit ausländischen Gruppen in Verbindung zu stehen und sie werden daher mit Argwohn betrachtet.

Es hat zwar in der Vergangenheit schon Angriffe auf Kirchen im Land gegeben, doch Gewalt dieses Ausmaßes ist eine neue Entwicklung. Der sufistische Islam, dem die Mehrheit der Moslems im Senegal angehören, gilt allgemein als tolerant. Über 90 Prozent der 12,5 Millionen Einwohner des Senegal sind Moslems.

Abdul Aziz Kebe, Imam einer Moschee in Dakar und Universitätsprofessor für islamische Theologie, verurteilte die Gewalt und betonte, dass der Islam friedliche Beziehungen zwischen Moslems und den Anhängern anderer Religionen fordert. Dies meldet die Radiostation »West Africa Democracy Radio«.

»Es ist Besorgnis erregend, dass niemand, nicht einmal die Regierung, einen Hinweis hat, wer die Angreifer waren, obwohl die Angriffe viele Fragen aufwerfen. Bedeutet das, dass ein Teil der sufistischen Moslems Extremisten geworden sind? Wenn das so ist, steht eine ausländische Gruppierung dahinter oder fördern Kräfte innerhalb der Sufis einen radikalen Islam? Wer ist deren Anführer? Wie stark ist diese neue Gruppierung und was sind ihre Pläne?« soweit Godfrey Yogarajah.

Die Kommission für Religionsfreiheit der Weltweiten Evangelischen Allianz ersucht die Regierung dringend, die Religionsfreiheit für alle Christen und Angehörigen anderer Religionen zu gewährleisten, alle Aspekte der gewalttätigen Übergriffe zu untersuchen, um die Versuche zur Radikalisierung der lokalen Moslems im Keim zu ersticken, und die Proteste nicht mit Gewalt zu unterdrücken, da dies nur zu Anarchie im Land führen würde.

Deutsche Fassung: AKREF-ÖEA

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