Religionsfreiheit

»Manifestation eines aggressiven Säkularismus«

Das Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte, der am Dienstag entschied, dass Kreuze in Klassenzimmern gegen die europäische Menschenrechtskonvention verstoßen, ist von Vertretern aus Politik und Kirche kritisiert worden. Kurienkardinal Kasper bezeichnete das Straßburger Urteil als »Manifestation eines aggressiven Säkularismus«, das »uns Christen aus dem Schlaf reißen« müsse.

In Deutschland sprach der familienpolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Singhammer (CSU), von einem »klassischen Fehlurteil«, mit dem der Gerichtshof seine eigenen Grundlagen kassiere. Kreuzzeichen seien ein sichtbares Symbol einer klaren Werteorientierung, »nämlich dem Schutz der Würde aller Menschen, egal welcher Herkunft, welchen Geschlechts oder welchen religiösen Bekenntnisses«. Die Richter hätten mit ihrem Urteil nach dem Empfinden vieler EU-Bürger nicht »im Namen des Volkes« gesprochen. »Das Bekenntnis zum Atheismus darf nicht privilegiert und die christlichen Glaubensinhalte nicht diskriminiert werden«, sagte Singhammer.

Hier mehr: www.faz.net.

Kreuz im Klassenzimmer verletzt Menschenrechte

Ein christliches Kreuz im Klassenzimmer einer staatlichen Schule verletzt die Religionsfreiheit der Schüler. Zu diesem Urteil kam der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in Straßburg. Es nehme außerdem den Eltern die Freiheit, ihre Kinder nach ihren eigenen Überzeugungen zu erziehen und sei damit nicht mit der Europäischen Menschenrechtskonvention vereinbar.

Die Richter gaben mit dem Urteil einstimmig einer Italienerin Recht, die bis in höchste Instanzen mit dem Versuch gescheitert war, ihre Kinder in Räumen ohne religiöse Symbole unterrichten zu lassen.

Hier mehr: www.sueddeutsche.de.

Die Konversion vom Islam zum Christentum kann etwas kosten

Der SWR hat in einem kurzen aber guten Beitrag dokumentiert, wie schwer das Leben für Muslime (auch in Deutschland) werden kann, wenn sie ihren Glauben wechseln.

Der Mittschnitt des Beitrags »Abendmahl statt Ramadan – Muslime, die zum Christentum konvertieren, leben gefährlich« wird derzeit in der ARD-Mediathek angeboten, kann aber auch bei Youtube eingesehen werden: www.youtube.com.

Ehemaliger Hassprediger ruft zu Gewaltverzicht auf

Überraschende Wandlung eines Hasspredigers: Mohammed al-Fasasi, einst Imam an der Hamburger Kuds-Moschee, hat sich nach Informationen des SPIEGEL vom Terrorismus losgesagt. Der Bekannte dreier Todespiloten des 11. September 2001 lobt in einem spektakulären Brief die Religionsfreiheit in Deutschland. SPIEGEL online schreibt:

Mohammed al-Fasasi hat offenbar der Gewalt abgeschworen. Der marokkanische Prediger, der in seiner Heimat wegen der Anschläge in Casablanca 2003 zu 30 Jahren Haft verurteilt wurde, wendet sich in einem Schreiben, das dem SPIEGEL vorliegt, an alle Muslime in Deutschland und bekennt darin, er habe sich »vergaloppiert« und sei »über das Ziel hinausgeschossen« …

Nun schreibt Fasasi: »Deutschland ist kein Kampfgebiet«. Jeder Einwanderer habe einen Vertrag mit dem deutschen Staat, den es einzuhalten gelte. In Deutschland herrsche »tatsächliche Religionsfreiheit, wie es sie in vielen islamischen Ländern nicht gibt«. Dass allein »in Hamburg 46 Gebetsräume« existierten, sei ein Beweis für die Toleranz des deutschen Staates gegenüber den Muslimen, »weil es in keinem islamischen Land eine vergleichbar große Zahl von Kirchen in einer Stadt gibt«.

Nach Informationen des SPIEGEL kursiert inzwischen Fasasis Brief auf Arabisch und Deutsch in deutschen Moscheegemeinden.

Hier die vollständigen Meldungen: www.spiegel.de und www.spiegel.de.

Fundamentalismus als Geschäftsidee

Als ich 1983 für ungefähr fünf Monate beim 21. Evangelischen Kirchentag in Düsseldorf mitarbeitete, hieß der Präsident des Kirchentags Wolfgang Huber. Wenn ich an diese Zeit zurückdenke, kann ich nur bestätigen, was viele denken und sagen: Bischof Huber hat erkannt, dass sich die Zeiten geändert haben und die Kirche ein »kantiges« Profil braucht, wenn sie nicht in der Bedeutungslosigkeit versinken möchte.

Nicht allen gefällt, dass Huber einen Kurswechsel eingeleitet hat:

Der Chef der evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber, tritt ab. Er war seit 2003 im Amt und leitete einen Kurswechsel mit dem Ziel der »Neuevangelisierung Deutschlands« ein. Das Programm ist streng fromm und konservativ: Missionieren für Jesu Christ und eine Offensive gegen den »Vormarsch des Islam«. Die neue Gangart gegen den Islam wurde mit Huber die Generallinie der gesamten evangelischen Kirche. In vielen wichtigen Institutionen sitzen sogenannte »Islam-Experten«. Huber bezeichnete den konsensorientierten Dialog seiner Vorgänger als »Multireligiöse Schummelei« (SPIEGEL vom 17.12.01), »idealisierende Multi-Kulti-Stimmung« (FOCUS vom 22.11.04) und wandte sich gegen »die Islamisierung Deutschlands«: »Natürlich wünsche ich mir keine Islamisierung unseres Landes.« (Cicero, Juni-Ausgabe 2008). Unter Hubers Regie wurden die Evangelikalen (protestantische Fundamentalisten) in den Schoß der Kirche aufgenommen und ihre Massenspektakel (Pro Christ) unterstützt. Wie in der katholischen Kirche dürfte der konservativ-missionarische Kurs wohl auch in der evangelischen Kirche weitergehen. Im folgenden Artikel wird der Kurs Hubers nachgezeichnet und die evangelikalen Strukturen und ihr Einfluss behandelt.

Es lohnt sich, den ganzen Beitrag von Indymedia aufmerksam zu lesen: linksunten.indymedia.org.

Unterscheidung zwischen Islamkritik und Fremdenfeindlichkeit

Das Institut für Islamfragen der Deutschen Evangelischen Allianz hat eine Unterscheidung zwischen Kritik am Islam und Fremdenfeindlichkeit angemahnt. Eine »berechtigte Sorge um den politischen Anspruch des Islam« dürfe nicht zum gesellschaftlichen Tabu erklärt werden, so die Islamwissenschaftlerin Christine Schirrmacher.

Es sei notwendig, zwischen »legitimer Kritik an der Ideologie eines politischen Islam« und an »Integrationsdefiziten« einerseits und pauschaler Ablehnung aller Muslime andererseits zu unterscheiden, sagte die Islamwissenschaftlerin anlässlich des am Montag eröffneten Prozesses um den entsetzlichen Mord an Marwa el-Scharbini.

Nach Schirrmachers Einschätzung fördert der inflationäre und unscharfe Gebrauch des Begriffs der Islamophobie und die Delegitimierung jeglicher islamkritischer Äußerungen als Rassismus und Hass auf den Islam nicht den Abbau tatsächlich vorhandener Sorgen und Ängste vor dem politischen Anspruch des Islam, sondern sei vielmehr geeignet, die notwendige offene gesellschaftliche Diskussion im Keim zu ersticken.

In einer Pressemitteilung heißt es weiter:

Die Befürworter einer gesellschaftlichen wie gesetzlichen Ächtung der Islamophobie verstricken sich nach Einschätzung von Schirrmacher zudem in einen inneren Widerspruch, wenn sie vermeintlich pauschalisierende und undifferenzierte Betrachtungsweisen des Islam verhindern wollten, indem sie bestimmte Aussagen pauschal und ohne Prüfung ihrer jeweiligen Begründung als islamophob abstempelten und damit ignorierten, dass die Sorge vor einem zunehmenden Einfluss von islamistischen wie jihadistischen Bewegungen von einer großen Anzahl säkular bzw. liberal eingestellter Muslime geteilt würde. Als mahnendes Beispiel für eine derart falsch verstandene religiöse und kulturelle Toleranz nannte Schirrmacher die Rücknahme einer Studie des Berliner Zentrums für Antisemitismusforschung von 2003, die belegt hatte, dass antijüdische Gewaltakte in Europa nicht mehr nur von »angestammten« Rechtsradikalen, sondern zunehmend auch von meist jugendlichen radikalen Islamisten begangen werden. Die »Europäische Stelle zur Beobachtung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit« hielt die eigens in Auftrag gegebene Studie mit der Begründung zurück, dass sie Islamophobie fördern könne. Eine derart ängstliche Selbstzensur, die davon ausginge, dass Muslime stets nur als Opfer wahrgenommen werden dürften, stellt nach Einschätzung von Schirrmacher Menschenrechte wie die Meinungs- und Presse- sowie die Wissenschaftsfreiheit infrage.

ZDF-Fernsehrat kritisierte Teile des Beitrags »Sterben für Jesus«

Die Westfälischen Nachrichten melden unter Berufung auf die Nachrichtenagentur dpa:

Der ZDF-Fernsehrat kritisierte am Freitag Teile des Beitrags »Sterben für Jesus – Missionieren als Abenteuer«, der Anfang August im Magazin «Frontal 21» gezeigt worden war. Die Abmoderation sei «misslungen», sagte der Vorsitzende Ruprecht Polenz. Es habe der Eindruck entstehen können, dass christliche Märtyrer gleichgesetzt würden mit islamistischen Selbstmordattentätern. Bei der Produktion des Beitrags sei nicht die Kirchenredaktion miteinbezogen worden. Dies wäre jedoch für Folge-Beiträge zum Thema Missionare wünschenswert, sagte Polenz. Gegen den Beitrag hatte es mehrere Programmbeschwerden gegeben.

Hier die vollständige Meldung: www.westfaelische-nachrichten.de. Siehe dazu auch den Beitrag des Medienmagazins pro: »ZDF-Fernsehrat kritisiert „Frontal 21“-Beitrag über Mission« und die Mitteilung der Nachrichtenagenur idea: www.idea.de.

Klage gegen Ethikunterricht scheitert

Eine Grundrechtsklage gegen den Ethikunterricht an Schulen in Berlin ist vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gescheitert. Die Kläger, ein evangelisches deutsches Elternpaar und ihre 16-jährige Tochter aus Berlin, hatten mit der Religions- und Gedankenfreiheit argumentiert und eine Befreiung ihrer Tochter vom Pflichtfach Ethik verlangt. Das Gericht wies die Klage der Familie als unbegründet zurück.

Hier mehr: www.morgenpost.de.

Türkei: Werden Christen bespiztelt?

Die drei Missionare, die im Jahr 2007 in der Türkei brutal ermordet wurden, standen unter polizeilicher Überwachung. Auch andere aktive Christen wurden offenbar bespitzelt. Dies wirft ein Schlaglicht auf die schwierige Position der Kirchen in der Türkei und die Vorurteile in der Bevölkerung. DIE WELT schreibt heute:

Seit zwei Jahren wird in dem Fall ›Malatya‹ ermittelt und prozessiert, und ständig wird die Geschichte rätselhafter und beunruhigender. Eines aber scheint ganz klar: Die Missionare waren vor ihrem Tod von der Gendarmerie bespitzelt und ausspioniert worden.

Hier der Bericht von Boris Kalnoky: www.welt.de.

Evangelische Kirche will Deutschland missionieren

Die Evangelische Kirche hat ein Netzwerk von Missionszentren an den Standorten Dortmund, Greifswald und Stuttgart gegründet. DIE WELT vermutet, dass die EKD damit für interreligiöse Spannungen sorgt. Warum sollte man Atheisten, Moslems oder Buddhisten einladen, über Jesus nachzudenken? Gibt es jenseits traditioneller oder kultureller Aspekte Gründe dafür, Christ zu sein?

Überwiegend kritischen DIE WELT-Fragen dazu hat sich Hans-Hermann Pompe gestellt und sagt deutlich:

Es gibt gute Gründe, Moslem zu sein, aber die Wahrheitsfrage lässt sich nach meiner festen Überzeugung nicht an Jesus Christus vorbei beantworten.

Hier das Interview: www.welt.de.

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