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Wenn Männer keine Freunde finden

NewImageMänner tun sich viel schwerer als Frauen, was Freundschaften anbetrifft. Byron Forrest Yawn, der ein christliches Buch über Männer geschrieben hast, nennt einige vorgeschobene Gründe:

Männer weichen dem Ausgesetzt-Sein durch Freundschaften aus, indem sie sich hinter verschiedenen – und recht vorhersehbaren – Fassaden verstecken. Sie versuchen, ihre Persönlichkeit auf diese Weise anderen gegenüber als real darzustellen. Das sind die Maßnahmen, mit denen sie die Menschen auf Armlänge entfernt halten. Das ist das Komische. Alles ist ein Spaß und jeder Spaß ist eine Ablenkung. Hier finden wir eine Missgestalt vor. Der Typ, der nie erwachsen wurde und sich hinter seinen Versäumnissen versteckt. Da ist der Geschäftsmann. Er ist zu beschäftigt, um sich für irgendjemanden zu interessieren. Er zieht sein Ding durch, während alle anderen nutzlose Zeitgenossen sind. Da ist der stille Mann. Er mag es nicht, sich zu öffnen. Da ist der Männer-Mann. Anderen Männern gegenüber durchschaubar zu sein, sieht er als Schwäche an. Da ist der Superheld. Er hat anscheinend gar keine Probleme. Er bezieht sich auf den verbreiteten Spruch: Wenn du dich versteckst, dann bitte hinter etwas, das größer ist als deine Probleme. Hey, Alter! Wir sehen dich!

Jetzt bist du wahrscheinlich überzeugt. Du sagst zu dir selbst: „Ich brauche Freunde. Ich geh dann mal los. Ich setze das auf meine Agenda. Welche Schritte muss ich unternehmen? Wo ist das passende Buch dafür?“ Okay Kumpel, hier ist der Deal. Wenn du erst ein Buch lesen musst oder die Anleitung für zwölf Schritte brauchst, wie man Freunde gewinnt, dann hast du ein viel ernsteres Problem. Denn Freundschaften zu schließen, sind so ungefähr das Natürlichste, zu dem wir als Menschen fähig sind.

Andere unter euch denken vielleicht, sie wären gute Freunde und hätten echte Freundschaften. Du triffst dich jede Woche mit
deinen Kumpeln. Sie wissen Bescheid über dein Leben. Du redest ganz offen mit ihnen. Aber warst du überhaupt ein Freund für sie? Wart ihr wirklich ehrlich untereinander oder habt ihr einander nur ertragen? Hast du etwas im Leben deines Bruders entdeckt und ihn damit laufen lassen? Gibt es da blinde Flecken, die er nicht erkennt, weil du ihn nie darauf hingewiesen hast? Nach Jahren des Redens: Hast du nur um den heißen Brei geredet in Bezug auf ihre Seelen oder bist du tiefer gegangen? Warum hast du nichts gesagt? „Ich will niemanden verletzen.“ Aber das ist nicht das Bild von biblischer Liebe. Biblische Liebe ist beides: einmischend und empfindsam. „Es geht mich nichts an.“ Natürlich hat keiner von uns die Aufgabe des Heiligen Geistes und viele Dinge sind wirklich nicht unsere Sache, aber wir sind dazu aufgerufen, Werkzeuge bei der Veränderung im Leben anderer zu sein. Die Menschenfurcht hält unsere Liebe und Anteilnahme auf eine ungesunde Distanz. Männer leiden jahrzehntelang an blinden Flecken, weil ihre Freunde zu liebenswürdig sind, um sie aufzudecken. Letzten Endes geht ja alles ,gut‘.

Das frisch auf den Markt gekommene Buch kann beim 3L Verlag bestellt werden: www.3lverlag.de.

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Nachtrag vom 12.12.2016: Bei Abschreiben sind mir einige Fehler unterlaufen, die ich inzwischen (hoffentlich) korrigiert habe. Hier außerdem das Inhaltsverzeichnis und das Vorwort von John MacArthur: Inhaltsverzeichnis.pdf.

Tim Kellers Center Church deutschsprachig

61ZzZHC62KL SX391 BO1 204 203 200Tim Kellers Buch Center Church ist inzwischen in deutscher Sprache erschienen (vgl. hier). Dem Verlag pulsmedien sei Dank für die Umsetzung des herausfordernden Projektes.

Michael Herbst schreibt in seinem Vorwort zur deutschen Ausgabe:

In Center Church entfaltet Timothy Keller seine theologische Vision für Gemeinde im 21. Jahrhundert: Wie kann Kirche in einer säkularen, nachchristlichen Gesellschaft aussehen, jenseits von Anpassung oder Abschottung, Liberalismus oder Gesetzlichkeit? Was bedeutet es, das Evangelium ins Zentrum zu stellen? Wie lassen sich Kontextualisierung, Gesellschaftstransformation und missionale Gemeinde biblisch bestimmen? Und was passiert, wenn Gemeinden, Organisationen und Projekte vor Ort sich miteinander vernetzen und zu einer Bewegung zusammenschließen? Der erfahrene Gemeindegründer aus Manhattan entwirft ein großartiges Panorama von Gemeinde und zeigt auf, wie Gottesdienst, Gemeinschaft, soziale Arbeit und die Integration des Glaubens in säkulare Berufe zusammenwirken können. Gastbeiträge von Praktischen Theologen und Gemeindegründern kommentieren, wie Kellers Ansätze auch im deutschsprachigen Raum anwendbar sind. „Der Anspruch, der uns bei Timothy Keller begegnet, ist ungemein attraktiv: Wie wäre es, wenn wir so intensiv in der Welt unserer Hörer und zugleich in der Welt des Evangeliums leben, dass wir die Geschichten unserer Hörer in der Sprache des Evangeliums neu erzählen können? Keller bleibt uns praktische Hinweise nicht schuldig und bearbeitet Themen, bei denen wir in Deutschland eine Stimme von außen hören sollten. Lassen Sie sich überraschen!

Hier eine Leseprobe mit dem vollständigen Vorwort: CenterChurch_Leseprobe mit Vorwort.pdf.

Vielleicht ist das Buch ja ein passendes Weihnachtsgeschenk?

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Eine integrative Sicht des Weihnachtsfestes

In Nordamerika versuchen erste Universitäten, politisch korrekte Weihnachtsfeiern zu etablieren. Die Schulen sollen sicherstellen, dass aus den Winterfeiern keine getarnte Weihnachtsfeier wird. Stefan Frank hat die englischsprachigen Quellen ausgewertet und schreibt:

Das Feiern von Weihnachten wird in Teilen der ehemals westlichen Welt mehr und mehr zu einer subversiven Angelegenheit, ein Untergrundfest für Dissidenten.

Wie die amerikanische Website „Campus Reform“ (1) berichtet, hat die Leitung der Universität Cornell – das ist die größte der Eliteuniversitäten der Ivy League – für die Feiern, die im Dezember aus bestimmten Gründen traditionell stattfinden, sogenannte „Brandsicherheitsrichtlinien“ verabschiedet, die viel ideologischen Zunder enthalten.

Am Anfang des Dokuments (2) finden sich tatsächlich Anweisungen zur Verhütung von Bränden. Viel mehr Raum aber nimmt der folgende, nicht recht zur Überschrift passende Teil ein, der sich mit der politischen Haltung beschäftigt, die die Mitarbeiter der Universität angesichts der „religiösen Vielfalt unserer Studenten und Kollegen“ an den Tag zu legen haben, um „ihre integrative Herangehensweise“ („inclusive approach“) unter Beweis zu stellen. So sollen sie sich etwa beim Feiern und Schmücken auf „die Jahreszeit Winter“ konzentrieren und nicht auf „einen bestimmten Feiertag“. Zudem sind sie gehalten, „Symbole zu verwenden, die Feiertage zahlreicher Religionen zeigen, im Verbund mit säkularen Dekorationen der Saison“.

Es folgt eine Liste von erlaubten und verbotenen Gegenständen, und solchen, die erlaubt sind, sofern ein spontan einzuberufender Sowjet sie billigt.

Erlaubt sind: „Schneeflocken und Bäume (in Einklang mit den Brandsicherheitsvorschriften), die mit Schneeflocken und anderen nichtreligiösen Symbolen geschmückt sind.“ Verboten – da „nicht im Einklang mit den Richtlinien der Universitätsversammlung oder den Richtlinien der Selbstverpflichtung der Universität zur Diversität und Integration“ – sind: „Krippenszenen; die Menorah; Engel; Mistelzweige; Sterne auf der Spitze von Bäumen; Kreuze; Davidsterne.“

Obwohl ich auf den Weihnachtsmann verzichten kann, zeigt das Beispiel, mit was für einer totalitären Wucht politische Korrektheit westliche Zivilisationen umkrempelt. Trotzdem bleiben Hintertüren offen. Die Ohio State University schreibt: „Explain holidays & symbols so others learn what the holiday means“ (dt. „Erkläre die Festtage und Symbole in einer Weise, dass andere lernen, was der Feiertag bedeutet“).

Hier mehr: www.achgut.com.

VD: MG

Norbert Bolz: Gnadenlose Neuzeit

Obwohl ich mit dem kierkegaardianischen Schluss dieses Essays überhaupt nicht einverstanden bin, ist „Gnadenlose Neuzeit: Luther und die Ausdifferenzierung der modernen Gesellschaft“ von Norbert Bolz ein intellektueller Genuss. Schon der Einstieg ist gehaltvoller und herausfordernder als das betäubende Geschwätz, dass uns viele evangelische Prediger Sonntag für Sonntag zumuten:

Die evangelische Kirche unserer Zeit ist durch eine Inflation des Kreuzes gekennzeichnet. So hört man von ihren Repräsentanten und Pfarrern nur noch selten etwas über das Ärgernis und den Skandal des Wortes vom Kreuz, so wie es im Zentrum der Paulus-Briefe und damit des Neuen Testaments steht. Aber man bekommt am Sonntag sehr viel zu hören über die unzähligen kleinen Kreuze dieser Welt wie Hunger, Flüchtlingselend, Arbeitslosigkeit, Klimakatastrophe usf. Zusammengehalten werden diese kleinen Kreuze durch die Dauerbereitschaft eines „Reden wir miteinander“. Das hat schon der große dänische Protestant des 19. Jahrhunderts, Sören Kierkegaard, als Geschwätz bezeichnet. Der Pfarrer tritt immer häufiger als Gutmensch auf – und das heißt in der Sprache des Neuen Testaments: als Pharisäer. Dabei missbraucht er seine Predigt für einen sentimentalen Moralismus. Das hat Franz Overbeck schon Ende des 19. Jahrhunderts erkannt. Ich zitiere: „Nichts entvölkert unsere Kirchen so sehr, als dass man es in ihrem Gottesdienst so viel mit den persönlichen Ansichten ihrer Prediger zu tun hat.“ So Overbeck.

Die evangelische Kirche heute vermeidet Konflikte, indem sie immer weniger behauptet. Sie hat Angst vor den eigenen Dogmen und möchte um keinen Preis orthodox sein. Aber nicht orthodox sein zu wollen, ist für einen Glauben paradox. Denn Orthodoxie heißt nichts anderes als der richtige Glaube. Kennt die evangelische Kirche überhaupt noch den Unterschied zwischen Christentum und einem diffusen Humanitarismus? Sie ersetzt den Skandal des Gekreuzigten zunehmend durch einen neutralen Kult der Menschheit. Thomas Mann hat das schon vor hundert Jahren „Verrat am Kreuz“ genannt. Was dann noch bleibt, ist die Sentimentalität einer unrealistischen Menschenfreundlichkeit.

Dieses Wohlfühlchristentum befriedigt ein tiefes Bedürfnis nach Betäubung. Jeder kennt ja Marxens Formel von der Religion als Opium des Volkes. Genau in diesem Sinne hat dann auch Nietzsche von einem opiatischen Christentum gesprochen und es scharf der ursprünglichen christlichen Erschütterung entgegengesetzt. Gemeint ist bei Marx genau so wie bei Nietzsche: Nicht Religion selbst ist Opium, sondern die modernen Menschen machen aus Religion ein Opiat. Sie benutzen das Christentum als Droge, zur Beruhigung der Nerven. Jede Spur der christlichen Erschütterung ist sorgfältig getilgt. Man lässt sich zwar noch von der Jesus-Geschichte rühren, vor allem an Weihnachten. Aber vom Jüngsten Gericht will niemand mehr etwas hören. Aus Gott ist der liebe Gott geworden. Und aus Jesus ist ein guter Mensch geworden – gewissermaßen ein Integrationsbeauftragter höherer Ordnung. Aber wer den Lehrer und Sozialarbeiter Jesus lobt, will den Erlöser Christus verdrängen. Wenn Jesus nur ein Lehrer des richtigen moralischen Verhaltens gewesen wäre, hätte man ihn nicht gekreuzigt.

Hier das Essay als Mitschnitt (ein Manuskript gibt es hier):

 

VD: PG

Logos Advent Calendar

Anwender der Bibelsoftware Logos können täglich ein Buch gratis erhalten, wenn sie den Adventskalender öffnen. Heute gibt es den Doppelband Calvin’s Calvinism von Johannes Calvin. In der Beschreibung heißt es:

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No theologian has been so widely acclaimed and assailed as John Calvin. His teachings have spawned movements and sparked controversy throughout the centuries. Wars have been fought both to defend and to destroy what has become known as Calvinism, a system of thought that Calvin’s followers used as a foundation for political and theological revolutions in Western Europe and America. The breadth and depth of the global engagement with Calvin’s works since they first appeared four centuries ago—and their continuous publication since then—testify to Calvin’s importance and lasting value for the church today.

This bundle contains a translated version of Calvin’s treatise on predestination, clearly outlining his teaching and defense of the sovereignty of God in predestination and providence, as well as 14 further articles regarding predestination.

The Logos edition of Calvin’s Calvinism contains extensive tagging and linking. All Scripture references appear on mouse-over, and each reference links to the original language texts and English Bible translations in your library. With Logos, you can perform comprehensive searches by topic or Scripture reference—finding, for example, every mention of “eternal predestination” or “providence.” That makes the Logos edition of Calvin’s Calvinism easily accessible for scholars and laity alike.

Hier mehr: www.logos.com.

Schillers Religion

NewImageFriedrich von Schiller (1759-1805) ist in einem pietistischen Milieu in Marbach am Neckar aufgewachsen. Er distanzierte sich früh vom christlichen Glauben und beschäftigte sich mit religionsphilosophischen Fragen. Ergebnisse dieser Überlegungen hat er in seinen Schriften zur ästhetischen Erziehung des Menschengeschlechts festgehalten. Astrid Nettling hat für den DLF einen interessanten Beitrag über Schillers Religionsauffassung produziert:

 

Religion in der politischen Öffentlichkeit

Nachfolgend eine Rezension zum Buch:

  • Martin Breul: Religion in der politischen Öffentlichkeit: Zum Verhältnis von religiösen Überzeugungen und öffentlicher Rechtfertigung, Paderborn: F. Schöningh, 1. Aufl. 2015, ISBN: 978-3-506-78233-5, 270 S., 29,90 Euro

die in dem Jahrbuch Religionsfreiheit 2015 erschienen ist:

Religion in der politischen Öffentlichkeit

9783506782335 tifNachdem der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder bei seiner Vereidigung im Jahre 1998 auf das religiöse Bekenntnis „So wahr mit Gott helfe“ verzichtet hatte, begründete er seine Entscheidung mit dem Hinweis: „Religion ist Privatsache“ (das Beispiel wird in der Einleitung erwähnt, S. 11). Er nimmt damit, so sieht es jedenfalls zunächst aus, eine nachaufklärerische Position ein. „Religion scheint nur als ersetzbares Mittel zur Wahrung der persönlichen Psychohygiene, als esoterischer oder Überrest der Vormoderne, in jedem Fall als öffentlich nicht berücksichtigenswertes Phänomen betrachtet zu werden“ (S. 11). Allerdings haben die letzten Jahrzehnte gezeigt, dass die Religion sehr wohl eine öffentliche Rolle spielt. Etliche politische Auseinandersetzungen sind – zumindest teilweise – religiös aufgeladen. „Das Verhältnis von Religion und Öffentlichkeit ist keineswegs eines der Nicht-Berührung, sondern ein Feld voller explosiver Konflikte“ (S. 11).

Eine der zentralen Fragen in der Debatte um das Verhältnis von demokratischer Öffentlichkeit und Religion ist die der Legitimität des Einbringens religiöser Überzeugungen und Argumente in die gewaltfreien Diskurse. Können in einer pluralistischen Gesellschaft religiöse Erklärungen zulässige Gründe innerhalb öffentlicher Auseinandersetzungen sein? Genau mit dieser Frage hat sich Martin Breul in seiner Dissertation beschäftigt, die im Wintersemester 2014/2105 von der Philosophischen Fakultät der Universität Köln angenommen und nun im Ferdinand Schöningh Verlag unter dem Titel Religion in der politischen Öffentlichkeit publiziert worden ist.

Das Werk untersucht, welche Chancen religiöse Argumente im öffentlichen Diskurs einer (post-)säkularen Gesellschaft bieten, aber auch, welche Risiken mit ihnen einhergehen. Das leitende Ziel ist dabei, ein zeit- und vernunftgemäßes Verhältnis von politischer Öffentlichkeit, religiösen Überzeugungen und demokratischer Legitimität zu bestimmen. Die These ist, dass in der Debatte um die Zulässigkeit religiöser Argumente zwischen einem exklusiven und einem inklusiven Ansatz eine vermittelnde Position vertreten werden kann.

Diese Position bezeichnet der Autor als „Moderaten Exklusivismus“. „Der moderate Exklusivismus besagt, dass es einerseits notwendig ist, am Ideal der Rechtfertigungsneutralität festzuhalten: Nur solche politischen Normen sind legitim, die mit Gründen gerechtfertigt werden können, die von allen möglicherweise Betroffenen geteilt werden können (exklusives Moment). Zugleich impliziert dieses Insistieren auf der Notwendigkeit wechselseitig akzeptabler Rechtfertigungen keine Privatisierungsforderung, da jenseits der Rechtfertigungsfunktion eine Vielzahl anderer Rollen für religiöse Überzeugungen in öffentlichen Diskursen denkbar ist (moderierendes Moment). So soll einerseits eine liberale Pauschaldiskriminierung religiöser Argumentationsformen durch den apriorischen Diskursausschluss vermieden und andererseits eine ungerechtfertigte Herrschaft einer weltanschaulichen Mehrheit durch die kriterienlose und ungefilterte Zulassung religiöser Argumente und Überzeugungen verhindert werden“ (S. 13) .

Um diese Position zu begründen, geht Breul in drei Schritten vor: Zunächst rekonstruiert er die unübersichtliche politisch-philosophische Debatte. Er arbeitet dabei nicht autorenbasiert, sondern rekonstruiert vier Argumenttypen. Der erste Typ beruft sich auf konsequenzialistische Argumente. Diese Argumente thematisieren die positiven und negativen Folgen religiöser Überzeugungen für das Gemeinwesen. Der zweite Typ umfasst ethische Argumente. Der dritte Typ formuliert politische Argumente, in der Regel Bedingungen für die Stabilität eines pluralistischen Gemeinwesens. Im vierten Typ werden alle erkenntnistheoretischen Argumente zusammengetragen. Anschließend prüft Breul die religionsphilosophischen Erkenntnisse von Jürgen Habermas und findet unter ihnen Anknüpfungspunkte, insbesondere deshalb, weil er die Fronstellungen zwischen liberalen und nicht-liberalen Ansätzen aufbricht. Andererseits überzeugt ihn Habermas jedoch nicht. Nach Habermas ist religiöser Glaube für die Philosophie eine kognitive Zumutung. Die Sphären von Glauben und Wissen sind nämlich inkommensurabel, also nicht miteinander vergleichbar. Warum? Religiösen Aussagen fehlt a) die propositionale Verfasstheit, sie sind also nicht wahrheitsfähig. Sie sind b) von einer göttlichen Offenbarung abhängig, c) in kultischer Praxis verankert und d) als Heilsweg ausgezeichnet (vgl. S. 155). Alle vier Behauptungen sind für Breul zu recht heikel. Deshalb verlässt er die Argumentationslinie von Habermas und legt schließlich drittens mit seinem moderaten Exklusivismus einen eigenen Entwurf vor. Es soll gelingen, „sowohl die plausible liberale Intuition der Notwendigkeit einer allgemein akzeptablen Rechtfertigung politischer Normen als auch die plausible Intuition der Gegenseite, eine apriorische Diskriminierung religiöser Überzeugungen durch eine pauschale Privatisierungsforderung zu vermeiden, zu verknüpfen und beiden Intuitionen gleichermaßen gerecht zu werden“ (S. 13–14).

Breul akzeptiert also einerseits die Forderung nach Rechtfertigungsneutralität, lehnt aber die davon abgeleitete Privatisierungforderung religiöser Überzeugungen ab. Religiöse Überzeugungen enthalten, so Breul, immer auch kognitive Elemente (belief) und sind somit der Vernunft zugänglich und intersubjektiv nachvollziehbar. Sie müssen auch in postsäkularen Gesellschaften nicht aus den öffentlichen Diskursen verbannt werden.

Die Arbeit ist sehr interessant zu lesen, der Autor argumentiert klar verständlich und liefert etliche treffende und hilfreiche Analysen. Hervorzuheben ist, dass er ein de-universalisiertes Vernunftkonzept ablehnt, „da es weder möglich ist, rechtfertigungstheoretische Willkür und einen Perspektivenrelativismus zu vermeiden, noch die Möglichkeit von kontextübergreifender Kritik gewahrt werden kann“ (S. 246).

Leider fehlt die Auseinandersetzung mit der sogenannten reformierten Erkenntnistheorie (z. B. Alvin Plantinga, Nicholas Woltersdorf, für eine kurze Einführung siehe: Plantinga.pdf), obwohl es beachtliche materielle Schnittmengen gibt. Diese Schule hat nicht nur gezeigt, dass der Glaube an Gott basal und dennoch rational verantwortbar ist, sie zeigt auch, dass diejenigen, die sich auf rein vernünftige Legitimationsprinzipien berufen, ohne Glauben (faith) nicht auskommen. Sogar unter Religionslosen, die sich vehement von allem Übernatürlichem abgrenzen, sind Haltungen und Einstellungen zu finden, die quasi transzendentalen Charakter haben.

Das große Anliegen Martin Breuls ist zu begrüßen. Er möchte einen transparenten Ansatz liefern, der das friedliche Zusammenleben in einer pluralen, multikulturellen und demokratischen Gesellschaft ermöglicht, ohne das dabei der Wahrheitsanspruch religiöser Überzeugungen geopfert werden muss. Insofern religiöse Überzeugungen kriterielle Minimalstandards für vernünftige, öffentliche Diskurse erfüllen, können und sollen sie auch in die politischen Debatten eingebracht werden.

Ron Kubsch

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Denkerische Unfreiheit

An den Universitäten Nordamerikas protestieren Studenten lautstark gegen den Rassismus und andere Diskriminierungen. Selbst einigen Linken geht manches inzwischen zu weit, weil Reporter ausgeschlossen und Debatten erstickt werden (vgl. dazu Die Infantilisierung der amerikanischen Universitäten). DIE ZEIT schreibt:

Aber auch aus dem linken Lager tönt Unbehagen über die Aggressivität der Proteste. Jonathan Chait, Journalist beim New York Magazine und ausgesprochener Kritiker der Konservativen, meint etwa, dass politische Korrektheit einer „neuen Ideologie“ gleichkomme, die abweichende Meinungen bei Rassen- und Geschlechterfragen völlig intolerant gegenüber sei. „Und mit abweichend meine ich nicht Hassrede, Drohungen, Hakenkreuze. Ich meine die Aufführung eines unliebsamen Theaterstückes, die Veröffentlichung eines Meinungsartikels, der leicht von der eigenen Meinung abweicht – dies sind Dinge, die als Bedrohung der safe places erklärt worden sind“, sagte Chait dem öffentlich-rechtlichen Radiosender NPR. „Und das ist eine ziemlich beunruhigende Vorstellung für einen Linken.“

Für die akademische Welt kann es sogar äußerst kontraproduktiv sein, warnen Hochschullehrer. „Die Menschen nehme fälschlicherweise an, sie hätten ein Recht darauf, nicht angegangen zu werden. Aber es ist unsere Aufgabe als Pädagogen etwas anstößig zu sein im Sinne, um unsere Studenten zu zwingen, ihre Grundannahmen zu überdenken“, meint Nadine Strossen, Professorin an der New York Law School. „Hier soll es doch um Vielfalt gehen, da können wir doch verschiedene Ansichten nicht einfach auslöschen.

Mehr: studentenproteste-usa-extremismus-rassendiskriminierung-mizzou.pdf.

Du + Ich

41aOaZO2G+L 1 SX327 BO1 204 203 200Das Ehebuch von Francis und Lisa Chan ist in deutscher Sprache erschienen. Der Verlag LUQS schreibt über Du + Ich in Ewigkeit:

Wer eine gute Ehe führen will, darf sich nicht nur auf seine Ehe konzentrieren. Zuerst kommt Gott – und dann lange, lange nichts. Wie sich die eigene Ehe radikal zum Guten verändert, wenn wir Gott die uneingeschränkte Hauptrolle in unserem Leben geben, sagen Francis und Lisa Chan pointiert und unmissverständlich. Und auch wenn viele Ehebücher gute Tipps geben, wie man im Hier und Jetzt besser miteinander klarkommt: Darum geht es den Chans nicht. Es geht ihnen um nicht weniger als ein Eheleben aus der Perspektive der Ewigkeit. Mit großer Ernsthaftigkeit stellen sie eine Ehe in Aussicht, in der Christus im Zentrum und der Himmel im Herzen ist. Ihre Thesen holen uns vom gemütlichen Sofa: Eheprobleme sind im Kern meist Probleme in unserer Gottesbeziehung – und die ist sehr viel größer und wichtiger als die Beziehung zum Partner. Oder: Wer nur sein kurzfristiges irdisches Glück im Sinn hat, der verpasst die guten, aber unbequemen Entscheidungen, die ihn näher zu Gott und zum anderen bringen und die in Ewigkeit zählen. Ehe und Familie konsequent und mutig nach dem Vorbild Jesu und mit einer klaren Vision zu leben, dazu fordern Francis und Lisa Chan auf. Darin liegt der Schlüssel für viele Probleme – und ganz nebenbei gewinnt man sogar mehr Freude am Hier und Jetzt. – vom Autor des Bestsellers „Eine vollkommen verrückte Liebe“ – das Thema Ehe aus einer neuen Perspektive – mit praktischen Aufgaben und Fragen am Ende jedes Kapitels – mit einem Kapitel zur Kindererziehung und vielen persönlichen Beispielen

Hier eine Leseprobe: LP_DuUndIch_s.pdf.

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