Gesellschaft

Die Bedeutungs-Abwärtsspirale

Laut der American Psychological Association hat sich die Zahl der amerikanischen Jugendlichen mit Symptomen einer schweren Depression zwischen 2005 und 2019 fast verdreifacht. Die Zahl der Jugendlichen mit Angstzuständen hat sich nahezu verdoppelt.

Der amerikanische Harvard-Professor Arthur C. Brooks meint, die Standarderklärungen reichten nicht, um diese Entwicklung zu erklären. Weder könne es an zu vielen Versprechungen noch an einem überhöhten Anspruchsdenken liegen. Laut Brooks fehlt vielen Menschen der Lebenssinn. Und die Ablenkungsmanöver innerhalb der virtuellen Welt würden nicht helfen, sondern verstärkten Gefühle von Traurigkeit und Angst. 

Zitat aus einem Artikel von Marie-Luise Goldmann:

Worin also besteht der Sinn, der so vielen jungen Leuten heute abhanden gekommen ist? Brooks verweist auf ein Modell, das Sinn als Summe aus Kohärenz, Zweck und Bedeutsamkeit begreift. Erstens: Passen die Elemente meines Lebens zusammen, geschehen die Dinge aus einem bestimmten Grund? Zweitens: Hat mein Leben Ziele und eine Richtung, lebe ich, um einen bestimmten Zweck zu erfüllen? Und drittens: Hat mein Leben einen inhärenten Wert für mich selbst und für andere?

Besonders gut gebildete junge Leute würden heute überwiegend mit der linken Gehirnhälfte denken, die für lösbare komplizierte Probleme zuständig sei. Die für Komplexität statt Kompliziertheit verantwortliche rechte Gehirnhälfte, die die großen Geheimnisse und Wunder des Lebens wahrnimmt, verkümmere unter diesem auf technische, klar abgrenzbare Probleme fokussierten Lösungsansatz zusehends. „Internet-Sucht ist ein Sinn-Killer“, bringt Brooks das Problem auf den Punkt. Komplexes, mit der rechten Hirnhälfte erfahrbares Wissen müsse in Echtzeit gelebt werden und könne von Computern weder gespeichert noch entdeckt werden.

„Diese Asymmetrie erklärt, warum wir mit genialen Lösungen für uralte Probleme bombardiert werden, aber scheinbar keinen Fortschritt in Richtung größeren Glücks machen. Tatsächlich ist es umgekehrt: Wir verlieren unser Gefühl für den Sinn des Lebens immer schneller“, konstatiert der Forscher. Und: „Die Bedeutungs-Abwärtsspirale ist ein sich selbst verstärkender Kreislauf: Aus Langeweile und Leere wenden sich Menschen süchtig machenden Technologien zu, was wiederum dazu führt, dass sie sich noch weniger mit den tieferen Fragen des Lebens auseinandersetzen. Das verschärft die Sinnkrise – ebenso wie die darauf entstehenden Gefühle von Traurigkeit und Angst.“

Mehr: www.welt.de.

Der „Chilling-Effekt“

In seinem Vortrag mit dem Titel „Meinungsfreiheit vor Gericht – Der ‚Fall Latzel‘ und der ‚Fall Räsänen‘“, den er am Dienstag im Rahmen eines Online-Forums der „Tagespost“ hielt, warnte der Jurist Felix Böllmann vor einer zunehmenden Einschränkung von Meinungs- und Religionsfreiheit in Europa. Im Mittelpunkt seines Vortrags standen die Gerichtsverfahren gegen den Bremer Pastor Olaf Latzel und die finnische Politikerin Päivi Räsänen, in denen christlich begründete Äußerungen Gegenstand strafrechtlicher Auseinandersetzungen wurden.

Unter anderem hält Böllmann es für möglich, dass es eine Art „Chilling-Effekt“ geben wird. Zitat:

Als eine Folge dieser Entwicklung sieht Böllmann einen sogenannten „Chilling-Effekt“. Die öffentliche Aufmerksamkeit und die langwierigen Verfahren könnten dazu führen, dass Menschen ihre Überzeugungen künftig zurückhaltender äußern. „Dann kann es ja jedem passieren“, sagte er mit Blick auf die betroffenen Personen.

Diese Entwicklung betreffe nicht nur prominente Persönlichkeiten, sondern könne auch Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft haben. Wenn selbst bekannte Politiker oder Geistliche juristisch belangt würden, könne dies abschreckend auf den öffentlichen Diskurs wirken. Zudem verwies Böllmann auf ähnliche Entwicklungen in anderen Ländern Europas, die aus seiner Sicht auf eine breitere rechtliche und gesellschaftliche Dynamik hindeuten.

Mehr: www.die-tagespost.de.

„Longevity“ und Selbstoptimierung im Urlaub

Sie boomen, die Longevity-Hotels. Urlaub ist dort die Fortsetzung der Leistung. Der Mensch lässt sich verkabeln, vermessen und optimieren. Melanie Mühl gewährt Einblick in die Welt von „Longevity“ und Selbstoptimierung:

Der Urlaub, einst als Auszeit gedacht, wird hier zur konsequenten Fortsetzung der eigenen Leistung, körperlich kontrolliert, streng getaktet und unter Laborbedingungen. Störfaktoren werden minimiert. Nicht der Ort ist entscheidend, sondern die technische Ausstattung der Unterkunft. Ein Besuch der Kältekammer, in der man bei bis zu minus 110 Grad die Zähne zusammenbeißen muss, gehört inzwischen zum Standardprogramm. Und ein von Bergen umrahmter See vor der Tür? Schön. Man sieht ihn nur nicht.

Überhaupt ist das Verlassen des Geländes nicht vorgesehen. Die kulinarischen Verlockungen – in der Schweiz bekanntlich Zürcher Geschnetzeltes und Nussgipfel – sind zu groß. Drinnen regiert das Prinzip der Reduktion. Zu den Säulen eines Medical-Resorts zählt eine gesunde, kalorienreduzierte Ernährung. Zwischen Kältekammer und Ozontherapie bleibt ohnehin keine Zeit für einen Ausflug. Der belesene Longevity-Anhänger würde sich jetzt mit Hans Magnus Enzensberger rausreden: „Der Tourist zerstört, was er sucht, indem er es findet.“ Also vermeidet der nur am eigenen Körper interessierte Gast die Welt. Die Longevity-Bewegung, deren Reiz in ihrem Kontrollversprechen über den Körper liegt, ist die konsequente Weiterentwicklung der Quantified-Self-Bewegung. Verglichen mit den Methoden in Medical Resorts mutet die Selbstvermessung allerdings wie Datenspielerei an.

Mehr (hinter einer Bezahlschranke): www.faz.net.

Traditionelle Hochzeiten degradieren Bräute zum passiven Gut

Unsere klugen Genderprofessorinnen arbeiten sehr hart und können vielfältig belegen, wie ungerecht die Welt doch ist. Professorin Andrea Dorothea Bührmann leitet beispielsweise ein Institut für Diversitätsforschung und hat herausgearbeitet, dass weitverbreitete Hochzeitsrituale nicht nur Rollenstereotype stärken, sondern sich auch an überholten Normen orientieren. Besonders schlimm sei, dass Frauen dabei wie passive Gegenstände behandelt würden. Ergo: Wer nach wie vor traditionell heiratet, sollte das in Zukunft mit einem schlechten Gewissen tun. 

Zitat aus dem Interview „Möglichst große Feiern sollen deutlich machen, dass die Ehe nicht geschieden wird“:

Da wäre der Ritus, dass der Brautvater vor dem Altar seine Tochter an den Bräutigam übergibt. Man könnte fragen, warum nicht umgekehrt die Mutter des Bräutigams ihren Sohn übergibt. Dieser Übergangsritus stammt aus den USA, in Deutschland gibt es ihn noch nicht sehr lang. Trotzdem sehen wir ihn relativ häufig. Mich erschreckt daran, dass die Frau dabei zum passiven Gut und aus der einen an die andere Familie übergeben wird.

Ich denke, viele Paare versuchen zu tun, was anscheinend von ihnen erwartet wird. Die Braut trägt ein weißes Kleid und eben zum Beispiel keinen Minirock. Daran erkennt man, was als Normalität unterstellt wird. Brautpaare inszenieren bei ihrer Hochzeit traditionelle Bilder, die in Medien und im Alltagsdiskurs nach wie vor verbreitet werden. Aber auch die Brautmodengeschäfte leben davon, dass Frauen Prinzessinnenkleider tragen und Männer Prinzenanzüge. Das lässt darauf schließen, dass die Erwartungshaltung doch wichtig ist, sonst würden sie diese Kleidung nicht verkaufen. Wenn sich Paare bei der Hochzeit an diese überkommenen Normen halten, heißt das noch lange nicht, dass die Frauen sich dann als Hausfrau oder die Männer als klassische Versorger selbst verwirklichen wollen. Sie leben im Alltag vielleicht eine ganz andere Arbeitsteilung. Frauen werden vielleicht Vorstandschefinnen eines Dax-Konzerns und Männer werden Hausmänner. Beide haben Spaß am Spiel mit Normen und der Erwartungshaltung.

Mehr (hinter einer Bezahlschranke): www.faz.net.

Päivi Räsänen und das Scheitern der Gesetze gegen Hassreden

Weltweit sind Beobachter entsetzt, was das Urteil gegen Päivi Räsänen und Bischof Juhana Pohjola anbetrifft. Verteilt wurden die beiden für Formulierungen in einer Broschüre, die im Jahr 2004 erschienen ist. Das Gesetz, auf dessen Grundlage das Urteil gesprochen wurde, stammt allerdings aus dem Jahr 2011. Da das Gesetz nicht rückwirkend angewandt werden kann, wurde vom Gericht hervorgehoben, dass die Verbreitung der Broschüre als Straftatbestand angesehen wird, nicht das Verfassen des Textes im Jahr 2004.

Robert Clarke holt in seinem Kommentar weiter aus und zeigt, dass an dem Fall deutlich wird, wie problematisch die Gesetze gegen Hassrede allgemein sind. 

Zitat: 

Am 26. März fällte der Oberste Gerichtshof Finnlands sein Urteil im Fall von Päivi Räsänen, einer Ärztin, Großmutter und langjährigen Abgeordneten des finnischen Parlaments. Das Gericht befand sie wegen einer von ihr im Jahr 2004 verfassten kirchlichen Broschüre, in der sie ihre Ansichten zur Sexualmoral darlegte, der „Beleidigung“ für schuldig. Aufgrund dieser jahrzehntealten Broschüre wurde sie strafrechtlich verurteilt, weil sie „einen Text der Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat, der eine Gruppe beleidigt“.

Finnlands oberstes Gericht verurteilte sie zu einer Geldstrafe von 1.800 Euro – wodurch sie vorbestraft wurde – und ordnete an, die beanstandeten Passagen zu vernichten und aus dem Internet zu entfernen. Glücklicherweise sprach das Gericht Räsänen einstimmig von einem Vorwurf aus, der sich auf einen Tweet aus dem Jahr 2019 bezog, in dem sie die Unterstützung einer Pride-Veranstaltung durch ihre Kirche kritisiert und aus dem Römerbrief zitiert hatte – der Auslöser für ihre gesamte Tortur. Der Fall hat sich fast sieben Jahre lang durch die finnischen Gerichte gezogen, seit die Polizei nach ihrem Tweet erstmals Ermittlungen gegen Räsänen aufgenommen hatte.

Die christliche Abgeordnete war Gegenstand polizeilicher Ermittlungen, drei Strafanzeigen, drei Gerichtsverfahren und nun einer Verurteilung wegen „Hassrede“ gemäß dem Abschnitt „Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ des finnischen Strafgesetzbuchs. All dies, weil sie ihre Überzeugungen friedlich in der Öffentlichkeit zum Ausdruck gebracht hatte.

Das zentrale, implizite Versprechen von Gesetzen gegen „Hassrede“ ist, dass es eine klar definierbare Grenze zwischen zulässiger und strafbarer Äußerung gibt. Der Fall Räsänen macht dieses Versprechen zunichte. Elf Richter auf drei Ebenen der finnischen Justiz versuchten über sechs Jahre lang, die Grenze zu ziehen. Sie konnten sich nicht einigen. Das Bezirksgericht Helsinki sprach Räsänen 2022 einstimmig von allen Anklagepunkten frei. Dasselbe tat das Berufungsgericht im Jahr 2023. Dann war das Oberste Gericht mit 3:2 Stimmen gespalten. Sein eigener Berichterstatter, der leitende Anwalt, der den Richtern eine formelle Empfehlung unterbreitet, kam zu dem Schluss, dass alle Anklagepunkte abgewiesen werden sollten. Zwei der fünf Richter stimmten zu; drei taten dies nicht.

Mehr: firstthings.com. Siehe auch den Kommentar „Finland’s Top Court Split on Christian Politician’s Hate Speech Charges“ von Ken Chitwood.

Die Axt an der Religionsfreiheit

Der Jurist David Wengenroth hat das Urteil des finnischen Obersten Gerichtshofes gegen Päivi Räsänen und Bischof Juhana Pohjola kommentiert. Ich zitiere: 

Die Verurteilung kommt überraschend, weil die Staatsanwälte ihre Anklage auf eine abwegige Begründung gestützt hatten: Es sei „Hassrede“ gegen Homosexuelle, dass die Angeklagten öffentlich erklärt hatten, praktizierte Homosexualität sei nach dem Urteil der Bibel Sünde. Mit dieser Argumentation legten die Ankläger die Axt an die Wurzel der Religionsfreiheit: Von ihr bliebe nicht viel übrig, wenn staatliche Gerichte den Bürgern vorschreiben dürften, was man „Sünde“ nennen darf und was nicht.

Der Oberste Gerichtshof schloss sich dieser Argumentation nicht an, aber auch seine Begründung hinterlässt einen fiesen Nachgeschmack. Er verurteilte Räsänen und Pohjola für ein paar Sätze aus einer 22 Jahre alten Broschüre. Dabei stellten die Richter nicht auf die theologischen Aussagen des Textes ab, sondern auf einen Randaspekt: An einigen Stellen werde Homosexualität als „Störung“ bezeichnet – und das sei eine Beleidigung für homosexuelle Menschen.

Diese Begründung sieht – um es ganz vorsichtig auszudrücken – einem Winkelzug verstörend ähnlich. Sie nährt den Verdacht, dass es den Richtern eher um das unbedingte Bestrafenwollen einer unliebsamen Meinung ging als um objektive Rechtsanwendung. Der Geschäftsführer der christlichen Menschenrechtsorganisation ADF International, Paul Coleman, brachte die Unwucht des Urteils auf den Punkt: Das finnische „Hassrede“-Gesetz wurde ursprünglich erlassen, um gegen Nazi-Propaganda, Drohungen und Gewaltaufrufe im Netz zu kämpfen – jetzt dient es als Keule gegen ein paar politisch inkorrekte Sätze in einer alten christlichen Broschüre.

Auch wenn es keine direkten Auswirkungen auf die deutsche Rechtspraxis hat, wird dieses Urteil auch bei konservativen Christen in Deutschland zur Verunsicherung beitragen – zumal es Parallelen zum fragwürdigen Gerichtsverfahren gegen den Bremer Pastor Olaf Latzel gibt. Auch in seinem Fall legten Richter und Staatsanwälte einen irritierenden Verfolgungseifer an den Tag, obwohl die angeklagten Äußerungen eindeutig keine Aufrufe zu Hass und Gewalt waren.

Mehr: www.idea.de.

Finnlands Oberster Gerichtshof spricht Päivi Räsänen in einem Punkt für schuldig

Es sind beunruhigende Nachrichten: Finnlands Oberster Gerichtshof spricht Abgeordnete zwar wegen des Bibel-Tweets frei, verurteilt sie jedoch wegen „Beleidigung“ in einer 20 Jahre alten Kirchenbroschüre in einem separaten Verfahren. 

Ich zitiere ADF International:

HELSINKI (26. März 2026) – In einer knappen 3:2-Entscheidung hat der finnische Oberste Gerichtshof die Abgeordnete Päivi Räsänen wegen „Hassrede“ in einem Anklagepunkt für schuldig befunden, der sich auf die Äußerung ihrer Überzeugungen zu Ehe und Sexualethik in einer zwanzig Jahre alten kirchlichen Broschüre bezog. Räsänen wurde strafrechtlich verurteilt, weil sie 2004 gemeinsam mit dem lutherischen Bischof Juhana Pohjola die Broschüre für ihre Kirche veröffentlicht hatte. Die Verurteilung erfolgte wegen „der Erstellung und öffentlichen Zugänglichmachung eines Textes, der eine Gruppe beleidigt“.

Der Oberste Gerichtshof sprach Räsänen einstimmig von ihrem Tweet mit einem Bibelvers aus dem Jahr 2019 frei. Räsänen war zuvor von zwei Vorinstanzen einstimmig in allen Anklagepunkten freigesprochen worden. Die langjährige Abgeordnete und ehemalige Innenministerin wurde wegen „Hassrede“ gemäß einem Abschnitt des finnischen Strafgesetzbuchs mit dem Titel „Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ verurteilt.

Die Ärztin und Großmutter von zwölf Enkelkindern wurde Anfang 2022 und erneut 2023 vor Gericht gestellt, weil sie ihre Überzeugungen in einem Tweet aus dem Jahr 2019, der einen Bibelvers enthielt, sowie in einer Radiodebatte aus dem Jahr 2019 und einer Kirchenbroschüre aus dem Jahr 2004 zum Ausdruck gebracht hatte. Nachdem die Staatsanwaltschaft zum dritten Mal Berufung eingelegt hatte, hat der Oberste Gerichtshof, der den Fall im Oktober 2025 verhandelte, nun über zwei der drei ursprünglichen Anklagepunkte entschieden: den Tweet und die Kirchenbroschüre. Der Oberste Gerichtshof wurde nicht gebeten, über die Radiodebatte zu entscheiden, da die Staatsanwaltschaft dagegen keine Berufung eingelegt hatte; somit bleibt Räsänens Freispruch für die Debatte bestehen.

Päivi Räsänen sagte: „Ich bin schockiert und zutiefst enttäuscht, dass das Gericht mein grundlegendes Menschenrecht auf freie Meinungsäußerung nicht anerkannt hat. Ich stehe zu den Lehren meines christlichen Glaubens und werde weiterhin mein Recht und das Recht jedes Einzelnen verteidigen, seine Überzeugungen in der Öffentlichkeit zu äußern.“

Mehr: adfinternational.org.

Simone Beck: christliche Märtyrerin im Jahr 2017

In dem von Helmut Moll veröffentlichten Booklet Christliche deutschsprachige Märtyrer (2000–2024), das 2025 im Dominos-Verlag erschienen ist, wird auch die Ermordung von Simone Beck geschildert. Simone ist eine ehemalige Studentin, vgl. dazu die Rezension „Ermodet in Kabul“

Ich zitiere aus dem Booklet (S. 33):

Im Jahre 2003 begann ihr Einsatz in Afghanistan. Ihr Alltag war eine Herausforderung: In Nordafghanistan wurde die Kälte auf 3.000 Metern Höhe zu einer seelischen und körperlichen Belastung. Ihr Tagesablauf war minutiös geplant: Sie stand von Frühling bis Herbst gegen 4.30 Uhr auf und hielt sich durch einen Morgenlauf körperlich fit. Im März 2004 hatte sie einen Sprachkurs erfolgreich abgeschlossen. In Afghanistan sind etwa 30 bis 40 Sprachen geläufig. Die Landessprache war die sog. „Mittel-Sprache“, die sie beherrschen musste, wenn sie die Heilige Schrift in diese Sprache übersetzen wollte. Im Anschluss daran wurde Simone Beck Leiterin der Schule in Kabul.

Von Oktober bis Dezember 2006 nahm sie an einer Weiterbildung für Spracherkundung teil. Ab 2007 war sie Mitglied einer Gruppe, die sich in Faizabad niederließ, um an einem Spracherkundungsprojekt mitzuarbeiten. Gleichzeitig arbeitete sie als Entwicklungshelferin, um den Einwohnern die Schriftsprache beizubringen. Träger dieser Aktivitäten war eine christliche Organisation, um die Botschaft von Jesus Christus zu verkünden. Ein Mitarbeiter befürchtete, das offene Zeugnis für den christlichen Glauben können [sic!] Unfrieden in dem politisch zerrissenen Land fördern.

Ab dem Jahre 2015 pendelte Simone zwischen Deutschland und Kabul hin und her. Sie antwortete auf die Frage, warum sie sich bei dieser schier gefährlichen Lage für Jesus einsetzte, mit dem Bekenntnis:

„Weil Jesus Christus alles in allem ist und weil es sich lohnt, mit ihm zu leben und mit ihm zu sterben – egal wo.“

Am 20. Mai 2017 machten sich die Mitarbeiterinnen Sorgen, weil sie Simone telefonisch nicht erreichten. Als sie beschlossen, zu ihrer Wohnung zu gehen, stand die Eingangstür offen. Simone lag leblos auf dem Boden in ihrem Blut. Sie war von Islamisten brutal ermordet worden. Eine Kollegin, die von den Tätern verschleppt wurde, aber später freikam, bekundete, Simone habe vor ihrem Tod dreimal den Namen Jesus ausgerufen. Sie wurde nur 44 Jahre alt. Nach dem Wort des Evangeliums wurde sie zu einem „Weizenkorn“, das „in die Erde fällt und stirbt“, damit es „reiche Frucht bringt“ (Joh 12,24).

Die Massenuniversität frisst ihre Kinder

Der Althistoriker Michael Sommer beschreibt in einem WELT-Beitrag den Niedergang der Bildung in Deutschland, der nun durch die KI-Welle noch einmal beschleunigt wird. 

Zitat: 

Die Umorientierung der jungen Leute – weg von Ausbildungsberufen, rein in die Hochschulen – bekamen nicht nur die Arbeitgeber zu spüren, sie veränderte auch die Universitäten nachhaltig. Viele angehende Studenten glaubten nur zu gerne, was ihnen Politik und Elternhäuser versprachen: dass das Studium die Eintrittskarte für ein besseres Leben, vor allem besser bezahlte Jobs sein würde. Die Motivation, mit der Abiturienten ein Studium aufnehmen, hat sich so grundlegend gewandelt wie die Fertigkeiten, mit denen sie in die Hochschule kommen. Die intrinsische Motivation, sich auf Wissenschaft einzulassen, ist der extrinsischen Motivation gewichen, durch das Studium von der vermeintlichen Pole Position in den Arbeitsmarkt zu starten.

Die Politik hat – europaweit – auf die gewandelte Rolle der Universitäten reagiert, indem sie mit der Bologna-Reform das Studium in eine Prüfungsrallye umfunktioniert hat. Im Vordergrund steht statt sperriger Inhalte und Methoden das Sammeln von Zertifikaten, die den Absolventen als formal qualifiziert ausweisen. Weil aber die Grundbedingung der Studierfähigkeit mittlerweile bei mehr als der Hälfte der Studienanfänger nicht mehr oder nur noch zum Teil gegeben ist, verkommt das Zertifikatesammeln zur Farce. Alle wissen es, aber die Hochschulen sind willige Komplizen, weil sie ihre Größe und relative Finanzkraft den Studentenarmeen verdanken, die sie bis zum Examen durchschleusen.

Die Künstliche Intelligenz ist jetzt der Lackmustest für die Massenuniversität. Dass Professoren zurecht fürchten, von einer neuen, die Plagiatswelle noch übertreffenden Betrugslawine überrollt zu werden, ist im Grunde die Anerkenntnis dessen, dass die Universitäten heute ein dysfunktionales System sind und den Test nicht bestanden haben. Denn zum Betrügen gehören außer der KI noch zwei: Studenten, die sich Zertifikate erschleichen, und Professoren, die sie damit durchkommen lassen.

Mehr (hinter einer Bezahlschranke): www.welt.de.

„Gesellschaftliche Zeitbombe“

Alle sind auf einmal überrascht: Fast jeder zweite Muslim in Deutschland unter 40 Jahren weist einer aktuellen Studie zufolge Affinität zu islamistischen Einstellungen auf.

Ich glaube, es wird jetzt ein paar Talkshows zu dem Thema geben und dann geht das einfach so weiter. Bekannt ist nämlich dieser Trend seit vielen Jahren und es ist so gut wie nichts passiert. Ganz im Gegenteil. Wer diese Zeitbombe thematisiert hat, wurde als islamophob hingestellt. Es ist gar nicht so lange her, dass ein ranghoher SPD-Politiker dafür plädiert hat, den Kampf gegen Islamfeindlichkeit in der Verfassung zu verankern

Ich zitiere aus einem aktuellen WELT-Beitrag: 

Nach der Veröffentlichung einer aktuellen Studie, wonach fast jeder zweite Muslim in Deutschland unter 40 Jahren Affinität zu islamistischen Einstellungen aufweist, zeigen sich Politiker und Experten entsetzt. FDP-Politiker Wolfgang Kubicki sagte der „Bild“-Zeitung, er sehe in den Ergebnissen eine „gesellschaftliche Zeitbombe“. „Die Politik des naiven Wegsehens hat diese Entwicklung begünstigt. Die Naivität muss aufhören“, sagte er. Er fordert ein Kopftuchverbot im Staatsdienst sowie an Schulen für Kinder unter 14 Jahren.

Manuel Ostermann, stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft erklärte, Extremisten würden „eine fatale politische Korrektheit, Ignoranz und Tabuisierung, also unsere Schwäche“ ausnutzen. „Überall sehen wir Islamisten, die ihre verfassungsfeindliche Machtstruktur ausbreiten, selbstbewusster werden und den Rechtsstaat provozierend herausfordern.“

Sachsens Innenminister Armin Schuster (CDU) betonte, dass das Grundgesetz sowie das Strafrecht keine Scharia kennen. „Wir müssen damit rechnen, dass es im Gewand von Religion und Multikulti zunehmend gezielte Provokationen gegen Recht und Gesetz geben wird, denen unsere Sicherheitsbehörden schon im Keim offensiv und robust begegnen müssen“, erklärte er.

Mehr: www.welt.de.

Nach oben scrollen
DSGVO Cookie Consent mit Real Cookie Banner