Zeitgeist

Geschlechtswechsel als einfacher Sprechakt

Die Transgender-Bewegung will das körperliche Geschlecht juristisch abschaffen: Über Risiken und Nebenwirkungen wird konsequent geschwiegen. Ich empfehle den FAZ-Artikel „Die Überwindung des Fleisches“ von Thomas Thiel:

Nach den deutschen Gesetzesentwürfen soll ein Kind mit vollendetem vierzehnten Lebensjahr, also noch vor dem Ende der Pubertät und des körperlichen Reifungsprozesses, selbst – ohne ärztliche Beratung und elterliche Einwilligung – über den hormonellen Geschlechtswechsel entscheiden. Dass es in der Lage ist, diese Entscheidung zu überblicken, bevor es die Gefühlswirren der Pubertät überwunden und den körperlichen Reifeprozess abgeschlossen hat, wird von Medizinverbänden bezweifelt, zumal es darüber nicht mehr informiert werden muss.

Ein riskanter, ja gefährlicher Schritt. Denn der hormonelle Geschlechtswechsel führt nach einer britischen Studie fast immer zur späteren Geschlechtsoperation (98 Prozent). Kinder, die keine Hormone einnehmen, geben den Wunsch zum Geschlechtswechsel dagegen nach Langzeitstudien zu neunzig Prozent nach der Pubertät auf. Mit anderen Worten: Pubertätsblocker fördern der Wunsch nach Geschlechtswechsel. Nach einem Urteil des Hohen Londoner Gerichts ist ihr Einsatz ein experimenteller Akt an Kindern, dem sich mit hoher Wahrscheinlichkeit Eingriffe in den kindlichen Körper anschließen wie die Amputation von Brust oder Penis, die den Verlust der Fortpflanzungsfähigkeit und die Verminderung sexuellen Erlebens bis hin zur Anorgasmie zur Folge haben. Warum nehmen Grüne und FDP diese Risiken schweigend in Kauf?

Mehr: zeitung.faz.net. 

Der Duden schafft sich ab

Sehr schön auf den Punkt gebracht:

Weil sich der Duden nun – nach 140 Jahren – identitären Obsessionen relativ kleiner Gruppen unterwirft, büßt er jede Verbindlichkeit ein – er schafft sich selber ab. Ich gehe jedenfalls weiterhin zum Bäcker – nicht zum Backshop, zur Backenden oder zur Bäcker*in.

Mehr: www.berliner-zeitung.de.

Hängen Sprache und Denkweise kausal zusammen?

Mit geschlechtergerechter Sprache wird einen Sprachgebrauch bezeichnet, der in Bezug auf Personenbezeichnungen die Gleichbehandlung von Frauen und Männern und darüber hinaus „allen Geschlechtern“ zum Ziel hat. Es geht dabei nicht nur um die sprachliche Sichtbarmachung von Geschlechtern, sondern um die Überwindung von Frauenfeindlichkeit oder etwa Homophobie. Der Umbau der Sprache soll dazu beitragen, die Art und Weise, wie Menschen denken und handeln, zu verändern.

Der in Ungarn aufgewachsene Chemiker Dr. Oldamur Hollóczki zeigt in einem aktuellen FAZ-Beitrag, dass es so einfach aber gar nicht ist. In einigen Sprachen, z.B. im Ungarischen oder im Estnischen, haben Pronomina kein Geschlecht. „Sätze nach dem Muster ‚er/sie liebt ihn/sie‘ und ‚er/sie ist klüger als er/sie‘ werden in diesen Sprachen in allen hier logisch möglichen Geschlechterkombinationen völlig gleich klingen und aussehen.“ Das, was viele Sprachpolizisten in Deutschland erreichen wollen, indem sie das Gender-Sternchen einführen, ist also ansatzweise in Ungarn oder in Estland schon gegeben. Heißt das nun, das es in diesen Ländern weniger Frauenfeindlichkeit gibt?

Vieles spricht dafür, dass es keinen kausalen Zusammenhang von gendersensibler Sprache und gendersensiblem Handeln gibt. Die Beziehung von Sprache und Denken ist verwickelter. Oldamur Hollóczki:

Die Stellung der Frauen in einer Gesellschaft wird seit Beginn der Emanzipationsbewegung anhand vieler Kriterien bewertet. Ich möchte mich auf drei beschränken. Nach dem Bericht der zuständigen europäischen Kommission über die Frauengleichstellung von 2019 schwankt der Bezahlungsunterschied im Erwerbsleben in vielen Ländern der Union ungefähr zwischen zehn und zwanzig Prozent, wobei Belgien, Italien, Luxemburg, Polen, Rumänien und Slowenien im einstelligen Bereich bleiben, während die damals noch zur Union gehörigen Briten wie Estland, Deutschland und die Tschechische Republik Werte über zwanzig Prozent erzielen. Finnland und Ungarn liegen im Durchschnittsbereich.

Was das zweite Kriterium, die Quote von Frauen in Führungspositionen, anbelangt, stehen Ungarn und Estland unterm europäischen Durchschnitt, vergleichbar anderen osteuropäischen Staaten, während Finnland bei den skandinavischen im Spitzenbereich liegt. Schließlich der dritte Punkt, die in Datenbanken registrierte Gewalt gegen Frauen: Eine europaweite Studie der „FRA European Union Agency for Fundamental Rights“ zeigt aufs Neue weit gestreute Werte für die fraglichen Länder. In Ungarn (28 Prozent) und in Estland (22 Prozent) ist der Prozentsatz von Frauen, die körperliche und/oder sexualisierte Gewalt gemeldet haben, niedriger als im europäischen Durchschnitt (33 Prozent), niedriger auch als in Deutschland (35 Prozent) oder in Frankreich (44 Prozent), in Finnland dagegen auffällig höher (47 Prozent). Diese Werte ähneln jedes Mal stark denen der direkten Umgebung.

Hier der lesenswerte Artikel: www.faz.net.

Wer Beiträge der Satire-Seite „Babylon Bee“ teilt, lebt gefährlich

Es gibt Meldungen, die sollten auch Nicht-Christen und politisch Progressive aufschrecken. Einem australischen Arzt, der sehr erfolgreich praktizierte, wurde nach 15 Jahren seine Lizenz auf unbestimmte Zeit entzogen, nachdem ein Gericht zu dem Schluss kam, dass seine Social-Media-Posts „klare konservative Tendenzen“ zeigten. Livesitenews.com meldet:

Im Jahr 2019 leitete das Medical Board of Australia (MBA) eine Untersuchung gegen den evangelikalen Christen Dr. Jereth Kok ein, nachdem es zwei anonyme Beschwerden über Social-Media-Posts erhalten hatte, die er innerhalb der letzten zehn Jahre geteilt hatte. In einem Interview mit Family Voice Australia beschrieb Kok den Moment, in dem er erfuhr, dass eine Untersuchung über sein Verhalten eingeleitet worden war: „An einem Freitagnachmittag im vergangenen Jahr, während ich Patienten beriet, wurde mir plötzlich mitgeteilt, dass ich zum Schutz des ‚öffentlichen Interesses‘ fristlos aus der Praxis entlassen werden würde.“

…

Die vermeintlich belastenden Daten kommen in Form von Diskussionen, die Kok in Online-Foren geführt hat, Kommentaren auf Facebook „und ‚Memes‘ und Artikeln, die [er] dort [Facebook] geteilt hat; darunter Artikel des amerikanischen politischen Kommentators Matt Walsh und der Satire-Seite Babylon Bee.“

Hier mehr: www.lifesitenews.com.

VD: AW

Sprachverordnung

Die Frankfurter Stadtverwaltung will durch die Verwendung von „geschlechtergerechter Sprache“ Klischees und Stereotype überwinden, so etwa eine binäre Sicht auf das menschliche Geschlecht. Die Handreichung soll sich auch an die Öffentlichkeit richten. Damit schreibt die Behörde vor, wie Menschen zu sprechen und damit auch zu denken haben:

Wie es in der Broschüre heißt, soll eine geschlechtersensible Sprache traditionelle Normen und Rollenbilder in Frage stellen und zur Überwindung von Klischees und Stereotypen beitragen. Frauen und Männer sollten sich gleichermaßen angesprochen fühlen, aber auch diejenigen sollten einbezogen werden, die sich nicht eindeutig einem biologischen oder sozialen Geschlecht zuordnen könnten oder wollten. Zu den „überholten Sprachgewohnheiten“, die geändert werden müssten, zähle das generische Maskulinum. Weil es Frauen und nichtbinäre Personen nur „mitmeine“, aber nicht eindeutig benenne, sei es für „eine der Sorgfalt und Genauigkeit verpflichtete Kommunikation nicht geeignet“.

Einer der Tipps lautet deshalb, sogenannte Doppel-Kurzformen wie „Liebe Mitarbeiter*innen“, „liebe Mitarbeiter:innen“ oder liebe „Mitarbeiter_innen“ zu verwenden. Das Sternchen, der Doppelpunkt und der Unterstrich verwiesen auf die Vielfalt diverser Geschlechtsidentitäten: „Auch intergeschlechtliche, trans* und queere Personen fühlen sich hiervon angesprochen und repräsentiert.“ Beim Sprechen könnten die Zeichen durch ein kurzes Innehalten kenntlich gemacht werden.

Mehr hier: www.faz.net.

Politische Korrektheit und identitäre Weltbilder

Die Migrationsforscherin Sandra Kostner sieht in linker Identitätspolitik eine große Gefahr für die Freiheit. Sie erklärt in einem Gespräch mit der Tageszeitung Die Welt, wie „Läuterungsentrepreneure“ eine ganze Gesellschaft vor sich hertreiben können.

Als die Idee der politischen Korrektheit entstand, ging es um Begriffe, deren Zweck darin lag, Menschen abzuwerten. Daher war es absolut berechtigt, die Verwendung solcher Begriffe zu problematisieren. […] Kostner: Heute geht es darum, der Gesellschaft ein identitäres Weltbild aufzuzwingen. Ein Weltbild, in dem es keine Individuen, sondern nur noch Träger von Opfer- und Schuldidentitäten gibt. Dieses Weltbild beeinflusst in den USA schon den Unterricht.

Mehr: www.welt.de.

Selbstpolitisierung der Kirchen schadet

Immer mehr gefallen sich die Kirchen als politische Akteure mit einer linken Agenda. Besonders in Deutschland. So verraten sie ihre Botschaft, vertiefen die gesellschaftliche Spaltung und werden wohl früher oder später überflüssig. Das meint Alexander Kissler in einem Beitrag für die NZZ:

Bei Franziskus und vielen ökumenischen Geschwistern wird deutlich, woraus die Flucht ins Politische sich letztlich speist: aus Kulturpessimismus. Die politisierende ist auch die panische Kirche, die sich die Gegenwart in düsteren Farben malt. Der Papst fordert einen aktiven, präsenten Staat und «wirksamere Weltorganisationen», damit diese einer «kranken Gesellschaft» und dem «moralischen Zerfall» Einhalt gebieten. Weltliche Akteure sollen einer universalen Moral zum Durchbruch verhelfen. Mehr als eine ideologische Anschubfinanzierung trauen sich die Kirchen nicht zu. Ihren grössten Gegner kennen sie. Ein abgründiger Satz in «Fratelli Tutti» behauptet, radikaler Individualismus sei «das am schwersten zu besiegende Virus». Nicht nur in Corona-Zeiten kann man diese Aussage abgeschmackt finden. Sie wirft ein grelles Licht auf das Grundproblem der Politkirchen: Sie misstrauen dem Menschen.

Noch eine Anmerkung: Möglicherweise meint Franziskus mit Individualismus den Egoismus, der aus dem menschlichen Herzen kommt. Diesem zu misstrauen, gehört zur Berufung der Kirche. Die  kollektivistische Weltordnung, die vom Papst in „Fratelli Tutti“ beschworen wird, kann freilich nicht besser sein als die menschlichen Herzen, die ihn erschaffen. Hier hat Kissler völlig recht: marxistisch inspirierte Utopien werden die Welt alles andere als zum Guten transformieren.

Hier: www.nzz.ch.

Gericht weist LGBT-Antidiskriminierungsklage gegen Fuller Seminary ab

Das ist eine gute Nachricht: Das kalifornische Fuller Seminar kann seine ethischen Standards auf der Grundlage einer Ausnahmeklausel aufrechterhalten. Zwei ehemalige Studenten behaupteten, sie seien 2018 und 2017 aufgrund ihres Geschlechts und ihrer sexuellen Identität entlassen worden und beantragten jeweils 1 Million Dollar Schadensersatz. Das Gericht entschied, dass Fuller als religiöse Organisation das Recht habe, eigene Überzeugungen über die Ehe einzufordern.

CT berichtet:

Diese Woche blockierte der Central District of California eine Klage von Joanna Maxon und Nathan Brittsan, die beide von Fuller entlassen wurden, weil sie sich nicht an die Richtlinie des Seminars zu sexuellen Standards hielten, die besagt, dass die Ehe zwischen einem Mann und einer Frau besteht und homosexuelles Verhalten verbietet.

Der Becket-Fonds für Religionsfreiheit, der Fuller vertrat, sagt, die Entscheidung des Gerichts – die erste ihrer Art für ein Seminar – stärke den verfassungsmäßigen Schutz für religiöse Institutionen, die religiöse Standards auf ihre Gemeinschaft anwenden wollen.

Mehr: www.christianitytoday.com.

Was darf man noch sagen und was besser nicht?

Wer sich – wie ich – für die Themen Meinungsfreiheit, gendergerechte Sprache und Cancle Culture interessiert, sollte 75 Minuten investieren und sich die TV-Sendung Hart aber fair vom 5. Oktober 2020 anschauen. Dort wird – vor allem durch die Redebeiträge von Jürgen von der Lippe, Jan Weiler und Svenja Flaßpöhler – sehr schön belegt, wie durch den „Neusprech“ Scheren in unserem Kopf entstehen. Zugleich wird offenbar, wie blass die Argumente der Lobby für eine gendergerechte Sprache letztlich sind. In dieser Hinsicht haben Stefanie Lohaus und Stephan Anpalagan einen guten Job gemacht.

Hier geht es zur ARD-Sendung „Streit um die Sprache: Was darf man noch sagen und was besser nicht?“ mit Frank Plasberg: www1.wdr.de.

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