Selbstpolitisierung der Kirchen schadet

Immer mehr gefallen sich die Kirchen als politische Akteure mit einer linken Agenda. Besonders in Deutschland. So verraten sie ihre Botschaft, vertiefen die gesellschaftliche Spaltung und werden wohl früher oder später überflüssig. Das meint Alexander Kissler in einem Beitrag für die NZZ:

Bei Franziskus und vielen ökumenischen Geschwistern wird deutlich, woraus die Flucht ins Politische sich letztlich speist: aus Kulturpessimismus. Die politisierende ist auch die panische Kirche, die sich die Gegenwart in düsteren Farben malt. Der Papst fordert einen aktiven, präsenten Staat und «wirksamere Weltorganisationen», damit diese einer «kranken Gesellschaft» und dem «moralischen Zerfall» Einhalt gebieten. Weltliche Akteure sollen einer universalen Moral zum Durchbruch verhelfen. Mehr als eine ideologische Anschubfinanzierung trauen sich die Kirchen nicht zu. Ihren grössten Gegner kennen sie. Ein abgründiger Satz in «Fratelli Tutti» behauptet, radikaler Individualismus sei «das am schwersten zu besiegende Virus». Nicht nur in Corona-Zeiten kann man diese Aussage abgeschmackt finden. Sie wirft ein grelles Licht auf das Grundproblem der Politkirchen: Sie misstrauen dem Menschen.

Noch eine Anmerkung: Möglicherweise meint Franziskus mit Individualismus den Egoismus, der aus dem menschlichen Herzen kommt. Diesem zu misstrauen, gehört zur Berufung der Kirche. Die  kollektivistische Weltordnung, die vom Papst in „Fratelli Tutti“ beschworen wird, kann freilich nicht besser sein als die menschlichen Herzen, die ihn erschaffen. Hier hat Kissler völlig recht: marxistisch inspirierte Utopien werden die Welt alles andere als zum Guten transformieren.

Hier: www.nzz.ch.

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Helge Beck

„Immer mehr gefallen sich die Kirchen als politische Akteure mit einer linken Agenda.“ Das erscheint mir als übertrieben pauschalisierend, wenig hilfreich.
Den Papst oder „die Kirchen“ in die Nähe „marxistisch inspirierter Utopien“ zu rücken erscheint mir doch zu polemisierend, alarmistisch.

Clemens Altenberg

@ Helge Beck

In einer Welt in der Joe Biden ernsthaft eine Nähe zum Kommunismus vorgeworfen wird, reicht es schon, einmal zu laut „wir“ zu sagen um als Marxist zu gelten. Auch nachdem der Kapitalismus gewonnen hat braucht er weiterhin ein Feindbild

Last edited 9 Tage zuvor by Clemens Altenberg
Matze

@Helge Beck

Alexander Kissler als genauer Beobachter religiösen Lebens auch bei schon beim „Cicero“ hat doch völlig Recht
Kennen Sie denn eine aktuelle bedeutende Verlautbarungen aus den Kirchen, wo das Individuum in seiner Eigenverantwortung, seiner Schaffenskraft und Kreativität entsprechend der Schöpfung gewürdigt wird? Dieses wird doch aktuell mehr als Gefahr wie ein Geschenk angesehen.Immer mehr soll durch das Kollektiv und durch Verlagerung von Aufgaben an den Staat gelöst werden und an dieser Agenda beteiligt sich die Kirche munter mit.

Last edited 9 Tage zuvor by Matze
WoNe

In dem gleichen Maße, in dem sich die Kirche selbstprofanisierte, selbstsakralisierte sich die Politik, um das entstandene Vakuum auszufüllen.
Im wahrsten Sinne des Wortes pervers.

Clemens Altenberg

Ich seh echt nicht die Gefahr, dass ein linker Kollektivismus drauf und dran ist ein gefährliches Comeback zu feiern. Das Problem ist eher, dass zu viele der Mächtigen glauben sie wären Nietzsches Übermensch. Die Masse hat keine Chance gegen die auserwählten Wenigen, da braucht ihr euch keine Sorgen machen

Last edited 8 Tage zuvor by Clemens Altenberg