Neues Testament

Gott ehren

John Piper legt 1Petrus 4,15–16 aus. Dort steht:  „Niemand aber unter euch leide als ein Mörder oder Dieb oder Übeltäter oder als einer, der in ein fremdes Amt greift. Leidet er aber als ein Christ, so schäme er sich nicht, sondern ehre Gott mit diesem Namen.“

Das Evangelium bei N.T. Wright

Bei N.T. Wright wird das Evangelium anders beschrieben, als wir es in protestantischen Kreisen zu hören gewohnt sind. Wenn er fordert, dass das paulinische Evangelium „wieder ins Zentrum der kirchlichen Verkündigung gestellt“ wird, klingt das zunächst wie ein Ansporn für die mutige Verkündigung der Botschaft, dass Jesus Christus gekommen ist, Sünder zu retten. Berücksichtigen wir jedoch, wie Wright das Evangelium erklärt, regen sich erhebliche Sinnverschiebungen.

Er beklagt zunächst, dass das Wort „Evangelium“ in einigen kirchlichen Kreisen (gemeint sind vor allem die evangelikalen) mittlerweile so verwendet werde, als handele es sich um eine Heilsordnung.

„Man hält ‚das Evangelium‘ für eine Beschreibung der Art und Weise, wie Menschen gerettet werden; man meint, bei dem Begriff ginge es um den theologischen Mechanismus, durch den (in der Sprache einiger Leute) Christus unsere Sünde wegnimmt und wir seine Gerechtigkeit annehmen. Andere sagen dazu: ‚Jesus wurde zu meinem persönlichen Retter‘. Wieder andere sagen: ‚Ich bekenne meine Sünde, glaube, dass Jesus für mich starb und vertraue ihm mein Leben an.‘ In vielen kirchlichen Kreisen heißt es, wenn man so etwas oder Ähnliches gehört hat, es wurde ‚das Evangelium‘ gepredigt. Umgekehrt gilt: Wenn man eine Predigt hört, in der der Anspruch Jesu mit den heutigen politischen oder ökologischen Fragen in Verbindung gebracht wird, werden einige sagen, das wäre sicherlich interessant gewesen, aber ‚das Evangelium‘ sei nicht gepredigt worden.“ (N.T. Wright, Worum es Paulus wirklich ging, 2010, S. 48).

Wright findet es nicht schlimm, wenn die Vergebung der Sünden durch Jesus Christus gepredigt wird. Allerdings würde er diesen Dienst nicht mit dem Evangelium in Verbindung bringen. Wenn Paulus vom Evangelium sprach, dann habe er damit etwas anderes gemeint (vgl. S. 48). Wenn wir uns die Mühe machen und die paulinische Situation erfassen, entdecken wir: „Je jüdischer wir uns das paulinische ‚Evangelium‘ denken, umso stärker konfrontiert es die Anmaßungen des imperialen Kultes, ja aller anderen heidnischen Kulte, seien sie ‚religiös‘ oder säkular‘“ (S. 52). Paulus verkündigt so wie das Alte Testament den Gott, der König wird. „Das paulinische Evangelium war ebenfalls eine Botschaft über den einen wahren Gott, den Gott Israels, und über seinen Sieg über die ganze Welt“ (S. 53). Das Evangelium „selbst ist streng genommen die erzählende Verkündigung, dass Jesus König ist“ (S. 53).

Die Botschaft der Kirche ist folglich die Verkündigung der Königsherrschaft Jesu Christi. Die Kirche sagt der Welt, dass die Zeit der Pseudokönige vorüber ist, weil Jesus als gekreuzigter und auferstandener Messias der wahre König ist. Wright fragt: „Was müssten Prediger des Evangeliums heute tun, damit Menschen über sie dasselbe sagen würden, was sie über Paulus sagten, nämlich dass er angesichts der Ansprüche des Kaisers verkündige, es gäbe ‚einen anderen König, nämlich Jesus‘?“ (S. 194). Seine Antwort:

„Sie müssten – und das ist nur der Anfang – das tun, was Paulus tat, nämlich die Mächte der Welt mit der Nachricht konfrontieren, dass ihre Zeit abgelaufen ist und dass sie Jesus selbst ihre Loyalität schulden. Hier geht es nicht so sehr darum, einzelnen Politikern und einflussreichen Menschen zu sagen, dass sie Jesus als den Herrn ihres eigenen Lebens anerkennen müssen, auch wenn das natürlich ebenfalls wichtig ist. Es geht mehr darum, ihnen im Namen Jesu zu sagen, dass es eine andere Art gibt, Mensch zu sein, einen Weg, der von hingebender Liebe, Gerechtigkeit, Ehrlichkeit und dem Niederreißen traditioneller Grenzziehungen gekennzeichnet ist – den Grenzziehungen, die die Spaltungen verstärken, die Menschen voneinander trennen und oft auch im Streit belassen […] Es geht darum, die ganze Welt unter die Herrschaft Christi zu bringen. Die Botschaft des Evangeliums lässt uns keine Wahl.“ (S. 194–195)

An anderer Stelle sagte er:

„Das Evangelium ist, wie ich betont habe, kein Set von Methoden [!], um Menschen zu Christen zu machen. Es ist auch kein Set von systematischen theologischen Reflexionen, wie wichtig die auch sein mögen. Das Evangelium ist die Verkündigung, dass Jesus der Herr ist – Herr der Welt, Herr des Kosmos, Herr der Erde, der Ozonschicht, Herr der Wale und Wasserfälle, Bäume und Braunbären.“ (S. 193–194).

Mal davon abgesehen, dass wir hier wieder eine Übertreibung haben (Wer hat denn gesagt, dass das Evangelium ein Set von Methoden ist, durch das Menschen andere Menschen zu Christen machen? Sind hier Taufen gemeint?), wird deutlich, dass es um die Verkündigung eines neuen Königs und einer damit im Zusammenhang stehenden neuen Ethik geht. Das Evangelium bietet eine neue Lebensweise an, die sich letztendlich „als Weg der wahren Selbstverwirklichung entpuppen wird“ (S. 198).

Was bedeutet etwa die Verkündigung des Evangeliums im Angesicht der Macht, die unsere Geldinstitute haben? „Wenn Jesus der Herr der Welt ist, dann ist es der große Gott Mammon nicht. Das paulinische Evangelium zu predigen bedeutet, Wege zu finden, die Macht des Mammons in unserer Gesellschaft herauszufordern und diejenigen, die als seine Hohen Priester fungieren, sowie diejenigen, die uns alle drängen, an seinem Schrein anzubeten, daran zu erinnern, dass es einen anderen König gibt, nämlich Jesus“ (S. 195). Auf der globalen Ebene – so Wright – stürzt das Schuldenproblem Millionen Menschen ins Elend, während es eine kleine Minderheit millionenschwer macht. Verkündigung des Evangeliums geschieht dort, wo Kirchen sich zusammenschließen, „um den Götzen Mammon als denjenigen zu kennzeichnen, der er ist, und um an seiner Stelle die Liebe Gottes in Christus anzubeten“ (S. 196).

Ähnliches kann Wright über andere Bereiche sagen. Im Zentrum soll die Verkündigung der Botschaft stehen, dass Jesus Herr ist. Die maßgebliche Aufgabe der Christen sei es, Jesus als Herrn und König zu proklamieren.

Ich gebe zu, dass das Herrsein Jesu oft bei der Verkündigung es Evangeliums unterschlagen wird und manche das Evangelium als so etwas wie eine Eintrittskarte in das Reich Gottes verstehen. Die Herrschaft von Jesus Christus ist ein eindeutiger Bestandteil der Christusbotschaft, so heißt es etwa in Röm 10,9: „Denn wenn du mit deinem Munde bekennst, dass Jesus der Herr ist, und in deinem Herzen glaubst, dass ihn Gott von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet.“ Die Jünger verkündigten beispielsweise in Antiochia den „Herrn Jesus“ (Apg 11,20). Ich glaube jedoch, dass Wright dem Gesamtzeugnis der Schrift nicht gerecht wird, wenn er Jesus als Erlöser nicht in die Mitte der Evangeliumsverkündigung stellt. Ich will zwei Probleme ansprechen:

Zunächst einmal erscheint das Evangelium als etwas, was wir zu tun haben, also als ein Auftrag oder sogar als eine Art Gesetz. Zwar ist das noch nicht so deutlich, wenn Wright das Evangelium definiert: Jesus als König hat durch seinen Tod das Böse in seinem Kern besiegt. Die Welt muss mit dieser Königsherrschaft konfrontiert werden. Aber es wird sehr deutlich, wenn Wright beschreibt, was es heißt, dieses Evangelium real zu verkündigen: „Es geht mehr darum, ihnen im Namen Jesu zu sagen, dass es eine andere Art gibt, Mensch zu sein, einen Weg, der von hingebender Liebe, Gerechtigkeit, Ehrlichkeit und dem Niederreißen traditioneller Grenzziehungen gekennzeichnet ist …“ (S. 195). Wir setzen uns für die soziale Gerechtigkeit, den Umweltschutz, die Völkerverständigung ein; erinnern Politiker daran, dass Jesus König ist.

Aber ist das Evangelium die Aufforderung, gemäß einer neuen Ethik zu leben? Sicher in dem Sinn, dass jemand, der dem Evangelium glaubt, anderes Leben will, weil nun Jesus sein Herr ist. Doch das Evangelium erscheint im Neuen Testament meist als eine frohe Botschaft (das Gericht klingt gelegentlich an, z. B. in Röm 2,16; Apg 14,6-19), als etwas, was Gott bereits getan hat. Es geht um die Verkündung von Christus als dem Gekreuzigten und Auferstandenen, der gekommen ist, Sünder zu suchen (vgl. Lk 5,31–32; 1Kor 1,23; 15,3).

Zweitens kann das Herrsein Jesu eine sehr harte Botschaft sein, wenn wir unterschlagen, dass Jesus der Retter ist, der uns aus unserer Sündenverstrickung freigekauft hat. Verkündigen wir Jesus nur als Herrscher, der das Recht hat, zu richten, ist das ohne Angebot der Vergebung eine geradezu schreckliche Nachricht, da alle Menschen vor ihm schuldig sind.

Das Evangelium hat sehr viel mit Jesu stellvertretendem Sterben, seiner Auferstehung und der Vergebung der Sünden zu tun. In Jesus Christus „haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden, nach dem Reichtum seiner Gnade“ (Eph 1,7). Gott hat uns „errettet von der Macht der Finsternis und hat uns versetzt in das Reich seines lieben Sohnes, in dem wir die Erlösung haben, nämlich die Vergebung der Sünden“ (Eph 1,13). Was sagte denn Jesus, als er seinen Jüngern den Auftrag gab, dass Evangelium zu verkündigen? Der Evangelist Markus schreibt: „Und er sprach zu ihnen: Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur. Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden“ (Mk 16,15–16). Paulus schreibt den Christen in Ephesus, dass sie mit dem Heiligen Geist versiegelt worden sind, „nachdem sie das Wort der Wahrheit, nämlich das Evangelium ihrer Rettung (griech. τὸ εὐαγγέλιον τῆς σωτηρίας)“, gehört hatten und ihm glaubten (Eph 1,13). Als Paulus sich von den Ältesten in Ephesus verabschiedete und in einer ausführlichen Rede Rechenschaft über sein Leben gab, sieht er sich verpflichtet, den Dienst zu tun, den er von seinem Herrn Jesus empfangen hat, nämlich „das Evangelium der Gnade Gottes zu bezeugen“ (Apg 20,24). Im ersten Kapitel des 1. Korintherbriefes, in dem es nach N. T. Wright um das Sich-Rühmen aus sozialem Stolz und jüdischer Selbstgefälligkeit geht, spricht Paulus von der Kraft des Evangeliums, die sowohl Juden als auch Griechen, die glauben, zu retten vermag (vgl. 1Kor 1,18–24). Woraus rettet denn das Evangelium? Es erlöst nicht nur vom Stolz und von der Eitelkeit, es rettet aus der Verlorenheit und vor dem drohenden Gericht, denn es wird ein „schlimmes Ende nehmen mit denen, die dem Evangelium Gottes nicht glauben“ (1Petr 4,17, vgl. a. Offb 14).

Es geht also beim Evangelium nicht nur um die Königsherrschaft, sondern es geht um den Erlöser Jesus Christus, der für uns gestorben und auferstanden ist. Wenn wir so wollen, gehören Kreuz und Auferstehung zur Mitte des Evangeliums, wobei meiner Meinung nach der Horizont für die Deutung der Auferstehung das Kreuz ist und nicht umgekehrt. „So sehr für Paulus die Zusammengehörigkeit von Kreuz und Auferstehung zu betonen ist“, schreibt Ulrich Körtner, „muss doch das Gefälle beachtet werden, das zwischen beiden besteht.“ (U. Körtner, „Das Wort vom Kreuz“, in: Klumies u. Du Toit, Paulus – Werk und Wirkung, S. 633.) Verstehenshorizont der Auferstehung ist – wie auch Wolfgang Schrage in seinem Korintherbriefkommentar zeigt –, das Kreuz (W. Schrage, Der erste Brief an die Korinther, Teilbd. 1, 1991, S. 200).

N.T. Wright

Als ich vergangenen Sonntag bei der Bibelbund-Konferenz über die Neues Paulusperspektive sprach, konnte ich es mir nicht verkneifen, ein paar persönliche Worte über N.T. Wright zu verlieren. Ein Auszug:

Nicholas Thomas Wright, ein Freund von James Dunn, ist Professor für Neues Testament an der Universität von St. Andrews (Schottland). Er studierte Geschichte und Theologie in Oxford und promovierte 1981 zum Römerbrief. Von 2003 bis 2010 war er Bischof von Durham (England) in der anglikanischen Kirche.

Wright ist inzwischen für viele Evangelikale eine Art Superstar. Die Zeitschrift Christianity Today schrieb im Jahr 2014 über ihn:

Leuten, die aufgefordert werden, über N.T. Wright zu schreiben, gehen schnell die Superlative aus. Er ist der produktivste Bibelwissenschaftler seiner Generation. Einige sagen, er ist der bedeutendste Apologet für den christlichen Glauben seit C. S. Lewis. Er hat die umfangreichste allgemein verständliche Kommentarreihe zum Neuen Testament seit William Barclay geschrieben. Und für den Fall, dass drei Karrieren nicht reichen, ist er auch noch ein Kirchenführer, der als Bischof von Durham in England gedient hatte, bevor er seinen Posten als Professor an der University of St. Andrews in Schottland annahm.

Ich füge hinzu: Er schreibt Bücher schneller als andere sie lesen.

N T. Wright, der populärwissenschaftlich unter dem Namen Tom Wright publiziert, hat sich als neutestamentlicher Theologe sowohl in der Leben-Jesu-Forschung als auch in den Paulusstudien große Aufmerksamkeit erarbeitet.

Als bahnbrechend gilt seine Untersuchung zur leiblichen Auferstehung von Jesus Christus, in der er zeigt, dass im jüdischen Umfeld von einer leibhaftigen Auferstehung auszugehen ist. Auch in der vertrackten Frage nach dem historischen Jesus hat Wright Grundlagenarbeit geleistet und den sogenannten dritten Weg vorgeschlagen. Als beispielgebend kann Wrights Versuch gelten, erneut nach der Einheit in der biblischen Offenbarung zu suchen. Er will die in Einzelteile zerfallene Schrift wieder als Ganzes wahrnehmen. Und zwar nicht nur innerhalb des Neuen oder des Alten Testaments, sondern auch zwischen den Testamenten. So versucht er, all die kleinen Erzählungen in der Bibel zu einer großen Geschichte (engl. story) zusammen zu ziehen und dabei auch scheinbar widersprüchliche Passagen stimmig auszudeuten.

Hinweisen möchte ich gleichwohl darauf, dass Wright sehr frustrieren kann. Er tritt ungemein selbstbewusst auf und liebt Gesten eines Provokateurs. Oft problematisiert er Spannungen in überzogener Weise und preist dann seine eigenen Entwürfe als Lösungen an.

Um ein Beispiel zu nennen: Mit großem Sendungsbewusstsein erklärt Wright, es gehe beim Christsein nicht darum, wie ein Mensch in den Himmel komme. Nun hat es in der Kirchengeschichte immer wieder Leute gegeben, die einseitig den Glauben als Flucht vor dem Hier und Jetzt gepredigt haben. Aber zu sagen, dass es den Christen bisher meist nur darum gegangen sei, wie ein Mensch in den Himmel komme, ist eine zynische Überzeichnung. Wright ist Historiker und sollte wissen, welchen Einfluss Christen beispielsweise auf die Entwicklung der Krankenhäuser oder der Universitäten gehabt haben. Von Weltflucht kann da keine Rede sein. Freilich auch nicht davon, dass die Christen glaubten, den Himmel auf die Erde zu ziehen.

Wright hat einmal seine Sympathien für den Lutheraner Ernst Käsemann zum Ausdruck gebracht. Er sagte: „Wenn ich mich entscheiden müsste, die Werke eines einzigen Paulusexegeten mit auf eine einsame Insel zu nehmen, würde ich Käsemann wählen.“ Ich finde diese Worte nicht nur hinsichtlich der Exegese, sondern auch psychologisch, interessant. Käsemann wurde einmal von einem Rezensenten bescheinigt, ein Mann zu sein, „der gegenüber jedem und allem eine andere Meinung vertritt“. Ähnliches kann man – und jetzt übertreibe ich mal – von N.T. Wright behaupten.

[asa]316153851X[/asa]

Paulinische Rechtfertigungslehre nur Missionstheologie?

Für Krister Stendahl und andere Vertreter der Neuen Paulusperspektive (siehe auch: Was ist die „Neue Paulusperspektive?“) geht es im Galaterbrief nicht um die Frage, wie ein Mensch mit Gott versöhnt wird, sondern vielmehr darum, unter welchen Bedingungen Heiden in das Volk Gott aufgenommen werden können.

Schon im „Paulus“ von William Wrede gehörte die Rechtfertigungslehre nicht in die Soteriologie. Sie erscheint bei ihm als Nebenkrater der apostolischen Missionstheologie. 1904 schrieb er:

Die Reformation hat uns gewöhnt, diese Lehre als den Zentralpunkt bei Paulus zu betrachten. Sie ist es aber nicht. Man kann in der Tat das Ganze der paulinischen Religion darstellen, ohne überhaupt von ihr Notiz zu nehmen, es sei denn in der Erwähnung des Gesetzes. Es wäre ja auch sonderbar, wenn die vermeintliche Hauptlehre nur in der Minderzahl der Briefe zum Worte käme. Und das ist der Fall; d. h. sie tritt überall nur da auf, wo es sich um den Streit gegen das Judentum handelt. Damit ist aber auch die wirkliche Bedeutung dieser Lehre bezeichnet: sie ist die Kampfeslehre des Paulus, nur aus seinem Lebenskampfe, seiner Auseinandersetzung mit dem Judentum und Judenchristentum verständlich und nur für diese gedacht, – insofern dann freilich geschichtlich hochwichtig und für ihn selbst charakteristisch.

Bei N.T. Wright klingt es folgendermaßen: (Worum es Paulus wirklich ging, 2010, S. 151):

Die Frage, um die es in der Gemeinde von Antiochien ging, auf die Paulus im 2. Kapitel [des Galaterbriefes; Anm. R.K.] verweist, lautet nicht, wie Menschen in eine Beziehung zu Gott eintreten, sondern sie lautete: Mit wem darf man essen? Wer gehört zum Volk Gottes? Sind ehemalige heidnische Konvertiten Mitglieder im vollen Sinne sind oder nicht.

Stephen Westerholm hält in seinem hilfreichen Buch Justification reconsidered entgegen (zitiert nach Stephen Westerholm, Angriff auf die Rechtfertigung: Die Neue-Paulus-Perspektive auf dem Prüfstand, Oerlinghausen: Bethanien, 2015, siehe meine Rezension hier):

Wie können Sünder einen gnädigen Gott finden? Diese Frage ist für den modernen westlichen Menschen alles andere als typisch; doch Paulus weckte diese Frage mit seiner Botschaft überall, wohin er auch ging. Paulus aber war nicht dazu gesandt, einen Notstand zu beleuchten, sondern einer Welt, die unter dem Gericht Gottes steht, Rettung zu bringen. Seine Antwort lautete (in den Thessalonicherbriefen inhaltlich, wenn auch nicht ausdrücklich; in den Korintherbriefen ausdrücklich, wenn auch nicht vorherrschend; im Galaterbrief thematisch und in seinen weiteren Briefen regelmäßig): Sünder, für die Christus starb, werden von Gott für gerecht erklärt, wenn sie an Jesus Christus glauben.

[asa]3945716039[/asa]

Tatum über Wrights „Rechtfertigung“

41gD9TbQ9BL SX332 BO1 204 203 200Dass ein katholischer Theologe Βegründungsversuche einer forensischen Rechtfertigungslehre mit größter Skepsis wahrnimmt, ist verständlich. Aber diese Kritik an N.T. Wrights groß angelegtem Unternehmen, die Lehre der Glaubensrechtfertigung in seinem Paul and the Faithfulness of God (PFG) bundestheologisch zu verankern, hat es in sich. Gregory Tatum resümiert:

Wright wrote PFG to provide a new foundation for forensic justification (understood as a change in legal status and nothing more) in terms of a grand covenantal narrative. This grand covenantal narrative is built on sand – the select Abraham texts of Gal 3 and Rom 4 disconnect the promise/heir schema from the covenantal life of pre-Messianic Israel (circumcision and Torah). Wright’s reading of the Abrahamic promises collapses the New Covenant into the Old and eradicates the Torah and Israel-according-to-the-flesh both inside and outside the κοινονία of the New Covenant.

Hier bin ich – für einige sicher überraschend – doch geneigt, Wright in Schutz zu nehmen. Die eigentliche Innovation in PFG findet Gregory Tatum übrigens in Wrights Exegese zu Römer 2,5–13. Gerade die Auslegung von Röm 2 finde ich bei Wright alles andere als überzeugend.

Das Buch:

  • Christoph Heilig, J. Thomas Hewitt u. Michael F. Bird (Hg.), God and the Faithfulness of Paul: A Critical Examination of the Pauline Theology of N.T. Wright, Bd. 413, WUNT 2, Tübingen: Mohr Siebeck, 2016

hat viel zu bieten!

[asa]316153851X[/asa]

Die Gerechtigkeit gewährenden Offenbarung Gottes

Eckhard Schnabel schreibt zu Römer 3,24 (Der Brief des Paulus an die Römer: Kapitel 1–5, HTA, Witten; Gießen: R. Brockhaus; Brunnen, 2015 S. 389–390):

Mit dem Verb δικαιόω betont Paulus den forensischen Aspekt der Heil schaffenden, Gerechtigkeit gewährenden Offenbarung Gottes (s. zu 1,17). Die Sünder, die die Teilhabe an der Realität der Herrlichkeit Gottes verspielt haben (V. 23), werden von Gott für gerecht erklärt. Im Kontext der Rechtssprache beschreibt die Rechtfertigung des Sünders seinen Freispruch als Angeklagter. Dieser Freispruch ist nur möglich, wenn die Ungerechtigkeit des Sünders (1,18; 3,5.10) gegen die Gerechtigkeit Gottes ausgetauscht wird: Der Sünder steht vor Gott nicht als Sünder, sondern als Gerechter, was nur möglich ist, wenn er ein Gerechtfertigter ist. Der Freispruch ist keine Amnestie, nach der begangenes Unrecht für folgenlos erklärt wird, sondern effektive Vergebung der konkreten Sünden der Ungerechten infolge des Sühnetodes Jesu Christi. Das Rechtsurteil Gottes, das Sünder für gerecht erklärt, hat forensisch effektive Bedeutung: Es hat „schöpferische Kraft“. Im Kontext des Hinweises auf den Verlust der Realität der Herrlichkeit Gottes in V. 23 bedeutet dies, dass Gott dem gerechtfertigten Sünder eine „eschatologisch gewandelte Existenz“ zuspricht und ermöglicht, die von Friede mit Gott (5,1) und von der Bewahrung vom Zorn Gottes (5,0) gekennzeichnet ist sowie von einem Leben, in dem sich der gerechtfertigte Sünder Gott zur Verfügung stellt und die Glieder seines Leibes als Waffen der Gerechtigkeit für Gott (6,13). Die Rechtfertigung des Sünders kann nicht vom Sünder selbst, sondern nur durch Gott bewerkstelligt werden. Dies wird durch die Passivform den Partizips (δικαιούμενοι) angezeigt. Gott selbst ist derjenige, der den Sünder gerecht spricht (8,33: θεὸς ὁ δικαιῶν; vgl. 3,26; 4,5; Gal 3,11). Das Präsens des Partizips ist im Kontext von V. 19-20 einerseits futurisch auf das Endgericht zu beziehen, in dem Gott sein gerechtes Gerichtsurteil offenbaren wird (vgl. 2,5), andererseits im Kontext von V. 25 auf das Geschehen im Sühnetod Jesu in der Vergangenheit, in dem Gott Heil geschaffen hat.

[asa]3417297311[/asa]

Die evangelistische Strategie Jesu

Andreas Köstenberger hat in einer kurzen Untersuchung zur Begegnung Jesu mit der Samariterin (Johannes 4) einige hilfreiche Einsichten herausgearbeitet. Es geht um Fragen wie:

  • Hast du es erlebt, wie Gott Beziehungen in deinem Leben heilt und stärkt?
  • Welche Barrieren hat Jesus überwunden, als er das das Gespräch mit der Samaritanerin suchte?
  • In was für eine Hinsicht kann Jesus uns als Beispiel dafür dienen, wie wir mit anderen mit dem Evangelium begegnen?

Im Dialog mit der Frau zeigt Jesus eine dreifache evangelistische Strategie: (1) er weckt eine Sehnsucht (7-16); (2) er weckt ein Gefühl der Sündhaftigkeit (17-18.); und (3) zeigt er auf sich als Retter (19-26).

Hier mehr: www.biblicalfoundations.org.

John Piper zu 1. Peter 3,8–9

John Piper hilft, 1. Petrus 3,8–9 besser zu verstehen:

Endlich aber seid allesamt gleich gesinnt, mitleidig, brüderlich, barmherzig, demütig.  Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort, sondern segnet vielmehr, weil ihr dazu berufen seid, dass ihr den Segen ererbt.

Hier:

Nach oben scrollen
DSGVO Cookie Consent mit Real Cookie Banner