Zitate

Hegels letztes Wort

Der Schriftsteller Ernst Jünger (1895–1998) begann nach dem Zweiten Weltkrieg damit, die letzten Worte Sterbender zu sammeln.  Nun wird diese Sammlung erstmals in einer Auswahl des Jünger-Kenners Jörg Magenau in einem bibliophilen Band mit dem Titel Letzte Worte herausgegeben.

Die FAZ hat in der Ausgabe Nr. 89 vom 17. April einige Zitate abgedruckt (S. 33). Besonders gefällt mir das Abschiedswort des deutschen Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770–1831):

Von allen meinen Schülern hat mich nur ein einziger verstanden. – Und der hat mich falsch verstanden.

Frostige Zeiten

Markus Prinz in schreibt in seiner empfehlenswerten Untersuchung zu Michael Frosts Ansatz einer „missionalen Gemeinde“ (JETh, 26. Jg., 2012, S. 163):

Bei aller Betonung der Missio Dei scheint in der Praxis doch die reflectio, missio oder actio hominis im Mittelpunkt zu stehen. Welche Last und Verantwortung ruht auf den Schultern des Menschen, wenn das Evangelium in seiner Kraft abhängig ist von meiner Identifikation, von meiner Liebe, von meiner Hingabe. Nicht, dass diese Dinge nicht wichtig sind, aber stehen wir nicht in der Gefahr, dass hier letztlich Gott und Mensch und deshalb auch Evangelium und Gesetz vertauscht werden?

Genau.

J.G. Machen: Der Christusglaube

John Gresham Machen (1881–1937):

An Christus zu glauben heißt, die Versuche aufzugeben, Gottes Gunst durch den eigenen Charakter zu gewinnen. Der Mensch, der an Christus glaubt, akzeptiert schlichtweg das Opfer, das Jesus auf Golgatha dargebracht hat. Das Resultat eines solchen Glaubens ist ein neues Leben, inklusive aller guten Werke; doch die Erlösung selbst ist ein absolut freies Geschenk von Gott. 

Bis zur Vergewaltigung der Texte

Der katholische Theologe Vittorio Subilia (1911–1988) schreibt in seiner Untersuchung zur Rechtfertigungslehre über die neutestamentliche Forschung (Die Rechtfertigung aus Glauben, 1981, S. 31–32):

Man gewinnt den verwirrenden Eindruck, dass die Exegese bis zur Vergewaltigung der Texte Druck ausübt, um sie sagen zu lassen, was sie nicht sagen, um sie so mit den Tendenzen der Epoche in Gleichschritt zu bringen und sie von dem Verdacht eines geheimen Einverständnisses mit einer Ideologie zu befreien, die dem Individuum und dem System auf der Suche nach religiösen Tröstungen dient, um das eigene schlechte, soziale Gewissen zu ertragen und zum Schweigen zu bringen. Das heißt, hinter dem ganzen philologischen und historisch-kritischen Apparat verbirgt sich ein heimlicher Mangel an Freiheit, der der Exegese verbietet, den Sinn der Botschaft authentisch zu erfassen und ihn mit überzeugender Kraft unter dem Volk der Gläubigen zu verbreiten.

Die Unfreiheit und Mutlosigkeit bei der Wahrnehmung und Auslegung der Textbefunde ist nicht nur im Blick auf die Frage der Glaubensgerechtigkeit zu spüren. Habt den Mut, die Texte wieder sprechen zu lassen!

Die Tribunalisierung der Lebenswelt

„In höchst zweideutiger Weise haben sich die öffentlichen Medien als oberster Gerichtshof etabliert. Nur wer in ihnen vorkommt, hat im Grunde noch ein individuelles Daseinsrecht, wie nur das als wirklich gilt, was medial vermittelt ist“, schreibt Ulrich Körtner in seinem Buch Reformatorische Theologie im 21. Jahrhundert (Zürich: TVZ, 2010). Weiter heißt es (S. 39–40):

Alle historischen Ereignisse, schrieb einst Karl Marx, geschehen zweimal: das erste Mal als Tragödie, das zweite Mal als Farce. Die täglichen Gerichtsshows im Privatfernsehen sind die Farce auf das moderne gnadenlose Weltgericht. Das sollte bedenken, wer den christlichen Gedanken an das Jüngste Gericht als erledigten Mythos abtun möchte. Im Vergleich zum Weltgericht alten Typs, wie es zum Beispiel Michelangelo an die Wände der Sixtinischen Kapelle gemalt hat, kann man heute sogar zwischen mehreren Programmen wählen. Wem es in der Gerichtsverhandlung des einen Senders zu fad wird, der kann zum Richter Gnadenlos auf dem anderen Kanal switchen. Medientechnisch und weltgerichtmäßig ein großer Fortschritt! Der Philosoph Leibniz behauptete einst, die real existierende Welt sei die beste aller möglichen, wobei allerdings die Programmwahl Gott allein vorbehalten war. Heute können sich die Zuschauer selber nicht nur die beste aller möglichen Fernsehwelten, sondern auch noch das beste aller möglichen Weltgerichte wählen.

Rob Bell unterstützt gleichgeschlechtliche Ehe

NewImageWährend einer Werbeveranstaltung für sein neues Buch What We Talk About When We Talk About God erklärte Rob Bell seine Unterstützung für die gleichgeschlechtliche Ehe (Trevin Wax hat das Buch bereits rezensiert).

Zitat:

Ja, ich bin für die Ehe. Ich bin für Treue. Ich bin für die Liebe, ob es ein Mann und eine Frau, eine Frau und eine Frau, ein Mann und ein Mann ist. Ich denke, das Schiff ist losgesegelt und die Kirche muss sich darauf einstellen … das ist die Welt, in der wir leben, und wir müssen die Menschen bejahen, egal wo sie stehen.

Mehr: www.christianpost.com.

Nietzsche: Mir fehlte der Vater

Als Zeugen für die Auffassung: es ist gut für ein Kind, einen Vater zu haben, zitiere ich zustimmend Friedrich Nietzsche. Der junge Philologe schrieb:

Meine Erziehung ist in ihren Haupttheilen mir selbst überlassen worden. Mein Vater, ein protestantischer Landgeistlicher in Thüringen, starb allzu früh: mir fehlte die strenge und überlegne Leitung eines männlichen Intellekts. Als ich im Knabenalter nach Schulpforta kam, lernte ich nur ein Surrogat der väterlichen Erziehung kennen, die uniformirende Disciplin einer geordneten Schule. Gerade aber dieser fast militärische Zwang, der, weil er auf die Masse wirken soll, das Individuelle kühl und oberflächlich behandelt, führte mich wieder auf mich selbst zurück.

Sophie Scholl: „Harter Geist, weiches Herz“

Am 22. Februar 1943 starb Sophie Scholl unter dem Fallbeil. 70 Jahre später tauchen bislang verborgene kleine Erinnerungen an die letzten Stunden der Widerstandskämpferin auf. Tim Pröse hat für das Magazin Focus den Nachlassfund ausgewertet. Wirklich Überraschendes war nicht dabei. Und doch gibt es eine Absatz, der es in sich hat:

Vielleicht haderte sie mit ihren Gefühlen, weil sie frei sein wollte für ihre lebensgefährliche Mission. Vielleicht, weil die Protestantin „die selbstlose Liebe zu Gott“ ebenso oder noch mehr suchte als jene zu Fritz Hartnagel. „Mein Gott, ich kann nichts anderes, als Dir mein Herz hinhalten“, schrieb sie am 29. Juni 1942, „denn ich weiß, daß ich nur bei Dir glücklich bin.“

Hier mehr: www.focus.de.

VD: BK

Von den herumbrausenden Theologien lösen

Wilhelm Lütgert schrieb am 26.12.1936 in einem Brief an seinen Freund Adolf Schlatter:

In der gegenwärtigen Krisis ist auch für die Predigt nichts so wichtig wie ein eingehendes Schriftstudium, das von den herumbrausenden Theologien unabhängig macht.

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