Zitate

Abwehrmechanismen

Hans Asmussen (1898–1968) schrieb 1935:

Ich wage nicht zu sagen, welcher Rettungsversuch der Gefährlichere ist: Gott umzustimmen oder sich selbst vorzumachen, dass man sich irrt, also sich selbst umzustimmen.

Calvins Abschiedsrede

Matthias Freudenberg schreibt in seinem Aufsatz „Calvins Einfluss auf die Entwicklung des reformierten Verständnisses der Kirche“, (M. Hofheinz; W. Liebmann; M. Salmann: Calvins Erbe, Vandenhoeck & Ruprecht, 2011, S.19–20):

Kurz vor seinem Tod sprach Calvin davon, dass man sogar Hunde auf ihn gehetzt und geschrien habe: „Faß, faß!“ Seine Arbeit wurde immer wieder von theologischen Gegnern und vom Genfer Rat in Frage gestellt. Umgekehrt räumte Calvin kurz vor seinem Tod in einer Abschiedsrede an die Pfarrer ein: „Ich habe viele Schwächen gehabt, die Ihr ertragen mußtet.“ Calvin sagte das nicht nur deshalb, weil er um seine persönlichen Grenzen und Schwächen wusste, sondern weil es zu seinem theologischen Verständnis der Kirche gehörte, dass diese in der Spannung von begrenztem Menschenwerk und göttlicher Verheißung existiert.

Die ungeheure Härte des Glaubens

DSuF_Cover_2012.jpegDie Ausgabe 2/2012 der Zeitschrift Sinn und Form wird Gespräche publizieren, die der Arzt Heinrich Huebschmann (1913–1995) im Jahre 1942 mit einigen herausragenden Intellektuellen geführt hat. Sinn und Form schreibt über Huebschmann:

Die Lust am Widerspruch gehörte zu seinen Wesenszügen, sie war für ihn eine Art Wünschelrute, mit der er sich auf die Suche nach der Wirklichkeit begab. Die nachstehenden Aufzeichnungen zeigen dies am Beispiel seiner Galilei-Kritik, sie zeigen seine Haltung gegen eine Naturwissenschaft, die das Meßbare zum Hauptkriterium erhebt und so zu einer mechanischen Sicht des Lebens kommt.

Die FAZ hat bereits am Mittwoch das bemerkenswerte Gespräch mit dem Pädagogen Eduard Spranger abgedruckt (07.03.2012, Nr. 57, S. N5). Huebschmann bekennt dort: „Ich selbst aber muß für mich gestehen, daß ich erst wieder festen Boden unter den Füßen gewann, als ich mich mit dem Christentum mehr befaßte.“ Kontext des Bekenntnisses ist die Kritik sowohl am extremen Subjektivismus wie auch am Kollektivismus (dem „Marschiertaumel“). Spranger kritisiert anschließend die Roosveltsche und Niedermöllersche Gegenbewegung, die Niedermöllersche dafür, dass sie mehr von der Antithese lebt. In seiner Antwort spricht Huebschmann von der Lebendigkeit und Härte des christlichen Glaubens:

Ja, wenn die letztere nur vom Neinsagen lebt, dann ist auch sie dem Untergang geweiht. Aber es gibt doch auch viele Anzeichen echten Lebens. Ich selbst las kürzlich das Matthäusevangelium. Ich war auf das tiefste überrascht, daß ich eine ganz falsche Schulerinnerung daran hatte. Nichts von jener pietistisch-humanitären Weichheit, die man dem Christentum vorwirft. Welch ungeheure Härte liegt in den Gleichnissen. Das Himmelreich ist ein Fischzug. Die guten Fische werden aufgehoben, die faulen weggeworfen – endgültig! Oder wie grausam ist das Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen! Für die törichten, die kein Öl in der Lampe haben, ist es erbarmungslos endgültig aus!

Martin Luther: Was ist der Mensch?

luther.jpegDer große Reformator Martin Luther starb am 18. Februar 1546 in Eisleben. Trotz schwerer Herzprobleme hatte er sich auf den Weg gemacht, um bei einem Streit der drei Grafen von Mansfeld zu schlichten. Der Streit wurde erfolgreich befriedet. Luther hatte aber nicht mehr die Kraft, in seine Heimat Wittenberg zurückzukehren. Er starb am 18. Februar in der Gegenwart zwei befreundeter Theologen. Auf dem Sterbebett sagte er: „Wir sind Bettler, das ist wahr“ und betete vor dem Heimgang zu seinem HERRN: „In Deine Hände befehle ich meinen Geist. Du hast mich erlöst, Herr, Du treuer Gott.“

Anläßlich seines Todestages ein deftiges Lutherzitat aus seiner Disputation über den Menschen. Die Schrift entstand in dem Jahr, in dem Johannes Calvin die erste Auflage seiner Institutio veröffentlichte, 1536.

Daher philosophieren diejenigen gottlos gegen die Theologie, die sagen, die natürlichen Fähigkeiten [des Menschen] seien nach dem Fall unversehrt erhalten geblieben. Ähnlich diejenigen, die sagen, indem der Mensch tue, was in seinen Kräften steht, könne er Gottes Gnade und das Leben verdienen. Ebenso diejenigen, die Aristoteles (der vom Menschen in theologischer Hinsicht nichts weiß) anführen [um zu belegen], dass die Vernunft inbrünstig das Beste erstrebe. Ebenso, dass im Menschen das Licht des Angesichts Gottes sei, das als Zeichen über uns gesetzt sei, d.h. das freie Willensvermögen zur Gestaltung der rechten Vorschrift und des guten Willens. Ebenso, dass der Mensch in der Lage sei, zwischen Gut und Böse oder Leben und Tod usw. zu wählen. Alle solche verstehen weder, was der Mensch ist, noch wissen sie, wovon sie sprechen. Paulus fasst in Rom 3,28: „Wir halten dafür, dass der Mensch gerechtfertigt wird durch den Glauben ohne Werke“ kurz die Definition des Menschen zusammen, indem er sagt: Der Mensch wird durch den Glauben gerechtfertigt.

Die toten Seelen der Stadt

220px-Ivanov_gogol.jpgMichael Schischkin hat einen wunderbaren Artikel über Nikolai Wassiljewitsch Gogol (1809–1852) publiziert (FAZ, 11.02.2012, Nr. 36, Z1). Gogol umschreibt, so sieht es jedenfalls Schischkin, die Sklaverei der russischen Seelen im 19. Jahrhundert. „Die Heimat ist zu einem Gefängnis geworden, in dem Menschen mit einem Gefühl für ihre eigene Würde dem Tode geweiht sind.“ Was Schischkin in Anlehnung an Gogol dann über Petersburg schreibt, könnte bildlich über manch andere moderne Metropole gesagt werden:

Die Kowaljows und ihre Barbiere, Wachtmeister und Staatsrätinnen zertreten die Straßen Petersburgs, einer symbolischen Stadt, der Hauptstadt, erbaut auf den Sümpfen und den Knochen von Sklaven. Die Geister der Sümpfe vergeben nicht. Aber man hat sich an sie gewöhnt, denn die Einwohner sind selbst Geister der Sümpfe geworden. In der Stadt, die nach dem heiligen Petrus benannt worden war, dem Himmelswächter, erinnert sich niemand mehr, weder an den Himmel noch an Christus. In der Stadt herrschen seelische Leere und endlose Erniedrigung.

Vom Bedürfnis nach Sinn

Os Guinness schreibt in Von Gott berufen – aber wozu? (Hänssler: 2000, S. 10):201201311155.jpg

In einem frühen Entwurf der Brüder Karamasov von Fjodor Dostojewski gibt der Inquisitor einen erschreckenden Bericht über das, was mit der menschlichen Seele geschieht, wenn sie ihren Sinn anzweifelt: „Denn das Geheimnis des menschlichen Lebens ist es nicht, zu leben …, sondern für etwas Bestimmtes zu leben. Ohne eine fest umrissene Vorstellung davon, wofür der Mensch lebt, wird er das Leben nicht annehmen und wird sich eher zugrunde richten als am Leben zu bleiben …“

P.S. Das wunderbare Buch Brüder Karamasov gibt es für den Kindle hier gratis.

VD: PB

Lady Gaga und der Geist der verstorbenen Tante

Ihre Drogensucht hat der amerikanischen Diva Lady Gaga fast das Leben gekostet. Wie sie in ihrer Autobiographie offenbart, hat schließlich ihre verstorbene Tante sie zurück ins Leben geholt.

„Ich war kein fauler Junkie. Ich wollte unbedingt Künstler sein“, sagt sie. „Ich nahm Demotapes auf und schickte sie los. Zu dem Zeitpunkt habe ich nicht gedacht, dass etwas mit mir verkehrt wäre.“ Erst ein Gespräch mit einem Freund habe ihr deutlich gemacht, in was für einem Sumpf sie steckte, heißt es in dem Buch. Halt habe sie schließlich bei der Schwester ihres Vater gefunden – obgleich diese seit vielen Jahren tot ist. „Ich habe damals begriffen, dass Joanne, die mit 19 Jahren starb, ihren Geist in mich hat fließen lassen. Sie war eine Malerin und eine Poetin – und ich hatte die spirituelle Erkenntnis, dass ich ihr Werk vollenden muss.“ Bis heute ist ihre Tante ihre wichtigste Bezugsperson. Ihr widmete sie sogar ihre „Fame Ball“-Tournee. „Ich habe sie nie getroffen“, räumt Lady Gaga ein, „aber sie ist eine der wichtigsten Personen in meinem Leben.“

Mehr bei Focus: www.focus.de.

Weltverbesserung als Erziehung des Menschengeschlechts?

Bei der Lektüre eine Aufsatzes von Eberhard Busch habe ich einen grandiosen Absatz über den Ausgang der Föderaltheologie in der historisch-kritischen Theologie gefunden. Busch schreibt im Blick auf die erwartete Weltverbesserung (Ökonomiegedanke) bei G.E. Lessing (Eberhard Busch,„Calvins Lehre vom Bund“, in: M. Hofheinz; W. Lienemann u. M. Sallmann: Calvins Erbe: Beiträge zur Wirkungsgeschichte Johannes Calvins, Vandenhoeck & Ruprecht, 2011, S. 168–181, hier S. 179):

Wer heute einen „Paradigmenwechsel“ zu einem Zeitalter des Geistes ausruft, sollte an Lessing denken. Es zeigt, wie leicht sich der Gedanke von der fortschreitenden Offenbarung in den vom Fortschritt der Menschheit umwandelt. Man wollte zunächst das Rechte sagen, dass sich Gott der Schwachheit des Menschen anpasst. Aber man sagte es in unheilvoller Weise so, dass der Mensch eine Macht zugesprochen bekam, nach der sich Gott richten sollte.

Deutschland: Mehr Wahrsager als Theologen

Michael Thoms schreibt in einer wissenschaftlichen Hausarbeit (Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung ohne Quellenangaben):

Inzwischen sinkt die Zahl der evangelischen und katholischen Theologen deutlich im Gegensatz zu den Wahrsagern. Eine Statistik aus dem Jahre 1998 bezeichnet die Zahlen bei den Theologen auf 35.000, bei den Wahrsagern hingegen auf 90.000. 57 Prozent aller Deutschen lesen Horoskope und machen ihren Tagesablauf und Handlungen davon abhängig. 48 Prozent glauben an Astrologie und halten das für wahr. Abergläubische Handlungen sind im Alltag wieder normal und Menschen vertrauen auf alles, aber nicht mehr auf Jesus Christus. Laut einer Studie von 1996 kommen bei den wichtigsten satanischen Gruppen dreiundzwanzig aus den USA, drei aus Deutschland, eine aus Neuseeland und eine aus Italien.

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