Juni 2010

Entzweiflung

CIMG1189.JPGIn der Zeit vom 21.–25. Juni 2010 trafen sich in Berlin ungefähr 50 Leute zum Zweifeln und Vertrauen (vgl. auch die Ankündigung des Evangeliumsrundfunks hier). Die gemeinsam vom Martin Bucer Seminar, dem holländischen L’Abri (siehe auch hier) und der deutschen L’Abri-Kontaktarbeit veranstaltete Woche stand unter dem Thema »Im Zweifel für den Zweifel?«. Ich habe die Zeit als ermutigend empfunden und bin dankbar für die vielen Begegnungen, Impulse und Gespräche.

Die L’Abri-Kontaktarbeit hat freundlicherweise einige Vortragsmitschnitte von der Studienwoche online gestellt.

Viele Vorträge und Arbeitsgruppen waren informativ und herausfordernd. Besonders empfehle ich den Vortrag »Existiert Gott?« von Professor Daniel von Wachter:

[podcast]http://labri.files.wordpress.com/2010/06/d00116_daniel_von_wachter_existiert_gott.mp3[/podcast]

Gemeinde als Ersatzfamilie?

Sollte eine Gemeinde so etwas wie eine Familie sein? Mark Driscoll hat kürzlich über das Thema »Gemeindeverständnis und Familie« gesprochen und dabei hervorgehoben, dass man sich in einer Familie nicht alles aussuchen kann:

Religion in den Grenzen der reinen Vernunft

Arsenij Gulyga schreibt in seiner bemerkenswerten Kant-Biographie (S. 247–248):

In Kants Lehre von der Religion wird die Historizitat seines Denkens ganz deutlich. Kant sieht einen urspriinglichen, seinem Wesen nach areligiosen Zustand der Menschen, darauf einen ersten, noch unvollkommenen Religionstypus: die »gottesdienstliche Religion«. Die dritte Etappe ist der Vernunftglauben. Die gottesdienstliche Religion (sie ist der am meisten verbreitete Typus) strebt das Wohlgefallen des hochsten Wesens zu erwerben, das milde gestimmt wird durch Anbetung, sakramentale Opfer, Beobachtung der Vorschriften und Zeremonien. Der Mensch wiegt sich in der Illusion, Gott konne ihn glücklich machen, ohne daß er selbst besser werden müsse; es genügt dabei, Gott auf entsprechende Weise zu bitten, indem man irgendwelche äußere Handlungen verübt. Eigentlich ist das ein Geschäft, das auf dem Grundsatz beruht »wie ich dir, so du mir«. Der Priester übernimmt die Rolle des Vermittlers; in der gottesdienstlichen Religion vollzieht er das Ritual, und die Kirche ist der Tempel, wo das Ritual stattfindet. Die Vernunftreligion ist der reine Glaube an das Gute, an die eigenen moralischen Potenzen ohne jegliche Beimischung irgendeines Kalküls, ohne Übertragung der eigenen Verantwortlichkeit auf hohere Mächte. Es ist dies eine Religion des guten Lebenswandels, die zur inneren Vervollkommnung verpflichtet. Der Priester fungiert in ihr nur als Erzieher, und die Kirche ist ein Versammlungsort für die Unterweisung.

Möglichkeit christlichen Philosophierens

plakatphilosophietagung.jpegDie Staatsunabhängige Theologische Hochschule Basel (STH) veranstaltet vom 17.-18. September 2010 eine Studientagung zum Thema »Möglichkeit und Aufgabe christlichen Philosophierens«. Die STH schreibt dazu:

Fides quaerens intellectum – dieser Satz läßt sich nach zwei Richtungen hin verstehen. Zunächst selbstreflexiv im Sinne einer rationalen Erhellung und Verantwortung des Glaubens. Darüber hinaus sucht der Glaube aber auch die Welt, in der er lebt, in ihrem Facettenreichtum zu verstehen und aus seiner Sicht zu deuten. Wer von christlicher Philosophie spricht, bezieht sich in der Regel auf diesen zweiten Aspekt, den Weltaspekt. Damit ist christliche Philosophie jedoch einer der mannigfachen Spieler auf dem Feld philosophischen Denkens. Sie unterscheidet sich hinsichtlich ihres Ausgangspunktes im Glauben. Im Hinblick auf die gemeinsame menschliche Erfahrungswirklichkeit sucht sie aber das Gespräch mit konkurrierenden Interpretationen. Da philosophisches Denken immer unter dem Vorzeichen der Vorläufigkeit steht, kann man, streng genommen, auch nicht von der (wahren) christlichen Philosophie sprechen, sondern besser von einer Berufung zum christlichen Philosophieren. Die Tagung unternimmt es, die Möglichkeiten und Aufgabenstellungen solchen christlichen Philosophierens in der Auseinandersetzung mit Klassikern des philosophischen und theologischen Denkens und mit Denkern des 20. Jahrhunderts zu durchmessen.

Hier das Programm und weiterführende Informationen: www.sthbasel.ch.

Das Heilige im Fußballstadion

Der katholische Theologieprofessor Matthias Sellmann analysiert die quasi-religiöse Parallelwelt der Fußballfans und erklärt, warum der Fußballgott mit dem biblischen Gott nicht verwechselt werden sollte.

Hier der Beitrag vom dradio:

[podcast]http://podcast-mp3.dradio.de/podcast/2010/06/18/dlf_20100618_0956_abb8f814.mp3[/podcast]

ERF: Im Zweifel für den Glauben

Der ERF hat heute kurz über die Studienwoche »Im Zweifel für den Zweifel?« informiert und mit Rüdiger Sumann über das Thema »Zweifel« gesprochen. Die Studienwoche wird vom Martin Bucer Seminar und L’Abri veranstaltet und startet nächste Woche in Berlin.

Hier der Beitrag:

[podcast]http://www.erf.de/data/files/content.sources.r.allgemein/219272.mp3[/podcast]

Weitere Informationen hier: www.erf.de.

»Die Liebe überwindet alles«

Robert Spaemann gilt als einer der bedeutendsten deutschen Philosophen der Gegenwart. Im Gespräch mit Paul Baddespricht er über das Höchste der Gefühle, Homosexualität und Eros:

Liebe des Begehrens ist das, was die Antike Eros nennt – und der Eros ist bedürftig. Er sucht, was ihm fehlt. Darum liebt der Mensch Gott, aber Gott liebt nicht den Menschen. Die Liebe geht von unten nach oben, nicht von oben nach unten. Das Christentum aber lehrt eine Liebe, die auch von oben nach unten geht. Danach scheint mir die strikte Zweiteilung zwischen Begehren und Geben oder Wohlwollen nicht gerechtfertigt zu sein. Denn zur Liebe im vollen personalen Sinn gehört eben auch, dass man dem anderen die Möglichkeit gibt, selbst Geber zu sein. Einer, der immer nur geben und nicht nehmen will, der gibt nicht genug. Er muss auch dem anderen die Möglichkeit geben, seinerseits zu geben und zu schenken. Das scheint mir eine wichtige Erkenntnis zu sein, Liebe des Wohlwollens und Liebe des Begehrens hängen im Grunde tief miteinander zusammen.

Hier geht es weiter: www.welt.de.

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