Juni 2011

»Als Christ brauche ich keine Gemeinde«

In den letzten Jahren haben etliche Publikationen die Bedeutung einer Gemeindeanbindung relativiert (vgl. z.B. Wayne Jacobsen o. Dave Coleman). Die Botschaft lautet ungefähr so: Auf authentische Beziehungen kommt es an, die Gemeinde als Körperschaft spielt letztlich nur eine sehr untergeordnete Rolle. Manchmal steht die Gemeinde einem erfüllten Christenleben sogar im Weg.

Nun weiß ich, dass einige Christen wirklich schmerzhafte Gemeindeerfahrungen gemacht haben und es nicht immer einfach ist, eine »gesunde Gemeinde« zu finden. Aber ist es wirklich eine Lösung, ohne Gemeinde zu leben? Ist es nicht eher Flucht oder Ausdruck einer postmodernen Ich-Orientierung?

Hanniel hat einige Gedanken zum Thema zusammengestellt: www.hanniel.ch.

Die Psalmen in der Seelsorge

Da das Zitat über den Gebetskampf einen persönlichen, tröstlichen und (zumindest für mich) hilfreichen Austausch angeregt hat, referiere ich einen weiteren Abschnitt aus der Vorrede des Psalmenkommentars (Calvin Studienausgabe, Bd. 6, Neukirchen-Vluyn: Neukirchner Verlagsgesellschaft, S. 21). Dieser kurze Text hält uns nicht nur vor Augen, dass das Psalmbuch eine »Aufgliederung aller Teile der Seele« ist, sondern gewährt Einblicke in Calvins Gemüt. Er war eben – anders als in vielen deutschen Büchern dargestellt – kein gefühlsblinder Diktator, sondern ein begnadeter Seelsorger.

Mit gutem Grund nenne ich gewöhnlich das [Psalm]buch eine Aufgliederung aller Teile der Seele. Denn jede Regung, die jemand in sich empfindet, begegnet als Abbild in diesem Spiegel. Ja, hier hat uns der Heilige Geist alle Schmerzen, Traurigkeit, Befürchtungen, Zweifel, Hoffnungen, Sorgen, Ängste, Verwirrungen, kurzum all die Gefühle, durch die Menschen innerlich hin und her geworfen werden, lebensnah vergegenwärtigt. Die übrige Schrift enthält die Gebote, die Gott seinen Dienern mitgeteilt hat, um sie uns zu verkündigen. Hier aber reden die Propheten selber mit Gott, und weil sie ihre geheimen Gedanken ans Licht bringen, sprechen sie jeden von uns an und bringen uns zur Selbstprüfung. Auf diese Weise bleibt keine der vielen Schwächen, denen wir unterworfen sind, auch keine der vielen Fehler, die in uns reichlich vorhanden sind, verborgen. Es ist ein seltener und außerordentlicher Erfolg, wenn das Herz offenbar wird, nachdem all seine Schlupfwinkel durchforscht sind und es vom schlimmsten Verderben, der Heuchelei, gereinigt ist. Wenn schließlich das Gebet zu Gott die stärkste Stütze unseres Heils ist, kann man dazu nirgendwo eine bessere und zuverlässigere Anleitung finden als im Buch [der Psalmen]. Jedem, der bei ihrem Verständnis große Fortschritte macht, wird ein gutes Stück himmlischer Weisheit zuteil.

Leben ohne Limit

Er wird ohne Arme und Beine geboren. Die Eltern von Nick Vujicic sind schockiert. Seine Mutter braucht vier Monate, bis sie ihn in den Arm nehmen kann. Er hat eine harte Kindheit, auch wenn seine Eltern ihm immer das Gefühl geben, geliebt zu sein. In der Schule wird er gehänselt. Mit zehn Jahren versucht er, sich das Leben zu nehmen. Doch eine Bibelstelle wird für ihn zum Wendepunkt. Heute ist Nick Vujicic ein international gefragter Redner. Trotz seiner körperlichen Einschränkung kennt seine Lebensfreude keine Grenzen.

Nick war zu Gast bei der Sendung Hof im Himmel. Beeindruckend!

Hier ist die Sendung zu sehen: erf.de.

VD: JO

Ferdinand Hahn: Theologie des Neuen Testaments

Nachfolgend meine Buchbesprechung zu:

  • Hahn, Ferdinand: Theologie des Neuen Testaments, Bd. 1: Die Vielfalt des Neuen Testaments, Bd. 2: Die Einheit des Neuen Testaments, 3. Aufl., Tübingen: Mohr Siebeck 2003, 1736 S., 39,90 Euro.

ursprünglich erschienen in Glauben und Denken heute 1/2011:

Ferdinand Hahn, von 1976 bis zu seiner Emeritierung 1994 Professor für Neues Testament an der Ludwig-Maximilians-Universität in München, zählt international zu den renommiertesten Neutestamentlern. Er wirkte maßgeblich an der ökumenischen Einheitsübersetzung mit und publizierte fast genau fünfzig Jahre, nachdem Rudolf Bultmann seine Theologie des Neuen Testamentes vorlegte, seine eigene Theologie in zwei Bänden (2003). Bereits zwei Jahre später erschien eine korrigierte und erweiterte Auflage. Nun ist das Werk erfreulicherweise als durchgesehene zweibändige UTB-Taschenbuchausgabe herausgegeben worden. Die Bände sind nur zusammen erhältlich. Allerdings wird das Werk mit 1736 Seiten von Mohr Siebeck in Tübingen für 39,90 Euro abgegeben (früher 219,00 Euro). Damit sollte es auch für Pastoren und Studenten erschwinglich sein.

Ferdinand Hahn bietet mit diesem Lehrbuch eine Gesamtübersicht über das Neue Testament. Im ersten Band erläutert er zunächst die Geschichte der Neutestamentlichen Theologie und beschreibt seine eigene Aufgabenstellung. Er stellt die NT-Theologie thematisch dar und fragt dabei, anders als Bultmann, neben der Vielfalt auch nach den Gemeinsamkeiten und der Einheit des neutestamentlichen Zeugnisses. Hahn setzt die Einheit des NTs nicht voraus, sondern will sie mittels Analyse der verschiedenen Traditionen historisch-kritisch erarbeiten (vgl. I, 22–28). Die zweite große Aufgabe betrifft die immer noch umstrittene Beziehung zwischen der Jesusüberlieferung und der urchristlichen Verkündigung. Den einleitenden Ausführungen folgt eine Darstellung der Vielfalt des urchristlichen Zeugnisses in Gestalt einer Theologiegeschichte des Urchristentums. Der Autor behandelt die Frage nach der theologischen Relevanz der Botschaft Jesu und erörtert die Verkündigung der aramäisch und der griechisch sprechenden Gemeinden. Hahn geht auf die paulinische und die seiner Auffassung nach deuteropaulinische Theologie und die außerpaulinischen Schriften des Judenchristentums ebenso ein wie auf die synoptischen Evangelien samt der Apostelgeschichte und der johanneischen Theologie.

Kurz zu Paulus: Hahn lehnt die These von einer allmählichen »Entwicklung« oder »Wandlung« des paulinischen Denkens, wie sie beispielsweise von Udo Schnelle oder Jürgen Becker vertreten wird, ab. Angesichts der Tatsache, dass die uns überlieferten Briefe aus einem relativ kurzen Zeitraum stammen und nach Christian Dietzfelbinger »die Probleme Gesetz und Gerechtigkeit für den ehemaligen Phärisäer Paulus von seiner Berufung an grundlegende Bedeutung im Zusammenhang mit der Christuserkenntnis hatten“, hält er sie für problematisch (I, 181). Insgesamt lasse sich zeigen, »daß eine innere Einheit der Theologie des Paulus vorhanden ist, die nur durch verschiedene Situationsbezogenheit in geringfügigem Maße modifiziert wurde« (I, 181). Das gilt auch für die z.B. von Heikki Räisänen behauptete Uneinheitlichkeit des Gesetzesverständnisses bei Paulus (I, 232). Es kann »mit der Mehrheit der Ausleger die Einheitlichkeit des Gesetzesverständnisses schon deswegen vorausgesetzt werden, weil sich die Aussagen der verschiedenen Briefe wenn nicht decken so doch ergänzen und weil einzelne Spannungen einen erkennbareren sachlichen Grund haben« (I, 233). Hervorheben möchte ich auch, dass Hahn, anders als viele neuere Exegeten, den Galaterbrief für einen frühen Paulusbrief hält. Die in diesem Brief und anderswo entwickelte Rechtfertigungslehre ist, verschränkt mit der Christologie, nach Hahn die Mitte der paulinischen Theologie (vgl. I, 187). »Angesichts der hohen Bedeutung der Frage nach der Rechtfertigung für das Selbstverständnis des Apostels überrascht es nicht«, schreibt er, »daß gerade diese Thematik seine Soteriologie entscheidend bestimmt“. »Es trifft keinesfalls zu«, so Hahn weiter, »daß die Rechtfertigungslehre erst in einer späteren Lebensphase im Zusammenhang der Auseinandersetzungen mit judaisierenden Gegnern ausgebildet worden sei. Sie begegnet auch nicht nur im Galater- und im Römerbrief, sondern ebenso in wichtigen Aussagen der Korintherbriefe und des Philipperbriefs. Dabei zeigen die meist kurzen Aussagen außerhalb des Galater- und Römerbriefs, daß Paulus eine Kenntnis der Rechtfertigungsbotschaft in seinen Gemeinden voraussetzt.« (I, 245). Wenig später stellt er fest: »Obwohl auch in neuerer Zeit die zentrale Stellung der Rechtfertigungslehre bisweilen in Frage gestellt wird, kann bei einer sorgfältigen Analyse der Texte ihre Bedeutung nicht bestritten werden« (I, 246). Der erste Band endet mit einem Ausblick auf die Übergangszeit zur Alten Kirche.

Im zweiten Band folgt eine ausführliche Erörterung der Einheit des neutestamentlichen Zeugnisses anhand von Einzelthemen. Nach Hahn erfüllt die neutestamentliche Theologie »ihre Aufgabe erst dann, wenn die Frage beantwortet wird, wie die vielfältigen urchristlichen Zeugnisse inhaltlich zusammengehören« (II, XVII). Denn: »Wenn das Neue Testament in seiner Verbindung mit dem Alten Testament Grundlage der christlichen Botschaft, des christlichen Glaubens und der christlichen Kirche war und ist, muß nach dem dafür maßgebenden Zeugnis und dessen Einheit gefragt werden« (II, XVII).

In fünf großen Teilen bespricht Hahn das Alte Testament als Bibel des Urchristentums, die Offenbarung Gottes in Jesus Christus, sowie jeweils die soteriologische, ekklesiologische und eschatologische Dimension des Offenbarungsgeschehens. Da Hahn nicht nur Einzelinterpretationen erarbeitet, sondern thematisch verwandte Aussagen systematisch miteinander in Beziehung setzt, erkennt der Leser schnell die fundamentaltheologische Bedeutung der neutestamentlichen Exegese. Hahn liefert, um nur zwei Beispiele zu nennen, im Teil zur soteriologischen Dimension des Offenbarungshandelns eine umfängliche neutestamentliche Anthropologie mit materialreichen Abschnitten zur Geschöpflichkeit und zum Sündersein des Menschen (II, 310–335) sowie eine Soteriologie, die die herausragende Bedeutung des Osterereignisses hervorhebt. Für Hahn ist das Ostergeschehen kein »historisches Ereignis« in dem Sinn, dass die Auferstehung faktisch oder objektiv nachgewiesen werden könnte wie etwa die Kreuzigung. Das Zeugnis von der Auferstehung ist aber historisches Faktum, das sich mit wissenschaftlichen Mitteln weder bestätigen noch hinterfragen lässt (I, 130–131). Eine neutestamentliche Theologie muss, so der Autor, von der »im Ostergeschehen kulminierenden Geschichte Jesu« ausgehen (I, 131). »Ostern ist das ‚Urdatum‘ einer genuin christlichen Verkündigung« (I, 131).

Ausgehend von diesen Voraussetzungen kann Hahn im zweiten Band beeindruckend herausarbeiten, welchen hohen Stellenwert Jesu Tod und Auferstehung innerhalb des reichen neutestamentlichen Befundes haben. Hahn schreibt, um nur ein Thema herauszunehmen, über den Sühnetod: »Die große Zahl der hierher gehörenden Textstellen läßt erkennen, daß die Sühnevorstellung im Blick auf Jesu Sterben für das Urchristentum im Vordergrund stand und dementsprechend für das Neue Testament zentral ist. Die Auffassung von der stellvertretenden Sühne ist die fundamentale Deutungskategorie für Jesu Tod, die sich aus alttestamentlicher Tradition nahelegte« (II, 386).

Beide Bände enthalten einen Anhang mit Literaturübersichten sowie ein Stellen-, Personen- und Sachregister (I, 772–862 u. II, 808–874). Der Satz ist glänzend gelungen; die Durchnummerierung der Absätze erleichtert die Orientierung. Da Hahn hebräische und griechische Zitate ohne Umschrift anbietet, ist die Vertrautheit mit den biblischen Sprachen für den Leser ein Vorteil. Fast immer wurden Übersetzungen der Zitate in den Text eingearbeitet. Dadurch sind die Ausführungen auch ohne Kenntnis der Ursprachen verständlich.

Der Ertrag dieser Neutestamentlichen Theologie ist trotz historisch-kritischer Vorgehensweise ungemein fruchtbar, da Hahn sich gegen die religionsgeschichtliche Schule dafür entschieden hat, konsequent beim neutestamentlichen Kanon zu bleiben, nach einer einheitlichen Theologie sucht und seine Leser möglichst nahe an die neutestamentlichen Texte heranführt. Kavin Rowe’s Bekenntnis, das Werk von Hahn sei »die bedeutendste Theologie seit Bultmann« (Journal of Biblical Literature, 25, no. 2, 2006, 394), ist keine Übertreibung.

Theologen und Pastoren mit besonderem Interesse am Neuen Testament liegt somit neben den Werken von Peter Stuhlmacher und Ulrich Wilckens (letztgenanntes ist noch nicht abgeschlossen) eine weitere empfehlenswerte deutschsprachige Darstellung der neutestamentlichen Theologie vor.

 

Calvin: Der Gebetskampf

Für Calvin enthalten die Psalmen wertvolle Hinweise für ein wirksames Gebetsleben. In seiner Vorrede zum Psalmenkommentar schreibt der Reformator (Der Psalmenkommntar: Eine Auswahl, Calvin Studienausgabe, Bd. 6, Neukirchen-Vluyn: Neukirchner Verlagsgesellschaft, S. 21–23):

Das aufrichtige Gebet wird erstens aus der Empfindung unserer Bedürftigkeit und zweitens aus dem Vertrauen auf die Verheißungen geboren. Hier werden die Leser aufs Beste aufgerüttelt, ihre Nöte zu empfinden, und auf die nötigen Heilmittel dagegen aufmerksam gemacht. Ja, alles, was beim Gebet zu Gott zu unserer Aufmunterung beitragen kann, wird uns in diesem Buch gezeigt. Denn wir treffen hier nicht nur auf Verheißungen, sondern der Beter zeigt sich uns oft in einer Situation mitten zwischen der Einladung Gottes und den Hindernissen des Fleisches. Wenn uns mancherlei Zweifel quälen, sollen wir lernen solange zu ringen, bis sich unser Geist befreit zu Gott aufrichtet. Und nicht nur das, sondern mitten in Zweifel, Furcht und Ratlosigkeit sollen wir alle Anstrengung zum Beten aufwenden, bis wir uns über [seinen] Trost freuen können. Denn es steht fest: Wenn auch Misstrauen unseren Gebeten die Tür verschließt, dürfen wir trotzdem nicht nachlassen, wenn unsere Herzen schwanken oder durch Unruhe erschüttert werden, bis der Glaube als Sieger aus diesen Kämpfen hervorgeht. An vielen Stellen [der Psalmen] können wir beobachten, wie die Diener Gottes beim Beten so verunsichert sind, dass sie abwechselnd fast überwältigt wurden und [dann doch] den Sieg nach hartem Kampf davontrugen. Dort zeigt sich einerseits die Schwachheit des Fleisches, andererseits aber entfaltet sich die Kraft des Glaubens. Auch wenn [diese Kraft] nicht so stark ist, wie man es sich wünschen möchte, ist sie doch wenigstens bereit zum Kämpfen, bis sie allmählich solide Stärke erlangt.

Calvins Bekehrung

Selten ist der Reformator Johannes Calvin so persönlich geworden wie in der Vorrede zum Psalmenkommentar (1557). Er deutet dort sogar an, wie Gott ihn unerwartet »überwunden« hat und verdeutlicht, dass er die Öffentlichkeit – wenn es nach ihm gegangen wäre – gescheut hätte (Der Psalmenkommntar: Eine Auswahl, Calvin Studienausgabe, Bd. 6, Neukirchen-Vluyn: Neukirchner Verlagsgesellschaft, S. 26–27):

Es ist gleichgültig zu erwähnen, wie viel niedriger meine Stellung ist. Doch wie [David] von den Schafweideplätzen fort zur höchsten Königswürde erhoben wurde, hat Gott mich aus meinen dunklen und geringen Anfängen emporgehoben und mich mit dem so ehrenvollen Amt betraut. Verkündiger und Diener des Evangeliums zu sein. Mein Vater hatte mich schon als kleinen Jungen zum [Studium] der Theologie bestimmt. Als er aber sah, dass die Rechtswissenschaft die, die sich ihr verschrieben haben, in aller Regel reicher macht, bewegte ihn diese Aussicht plötzlich zur Änderung seines Plans. So kam es, dass ich vom Studium der Philosophie abgebracht wurde und zur Rechtswissenschaft wechselte. So sehr ich dem Willen meines Vaters gehorsam war und versuchte, mich diesem Studium treu zu widmen, so hat doch Gott schließlich durch den verborgenen Zügel seiner Vorsehung meinen Weg in eine andere Richtung gelenkt.

Zunächst aber war ich dem Aberglauben des Papsttums so hartnäckig erlegen, dass es nicht leicht war, mich aus diesem tiefen Sumpf herauszuziehen. Darum hat [Gott] mein trotz seiner Jugend schon recht starres Herz durch eine unerwartete Bekehrung zur Gelehrsamkeit gebracht. Erfüllt vom Geschmack an wahrer Frömmigkeit, entbrannte ich in einem solchen Eifer, darin Fortschritte zu machen, dass ich die übrigen Studien zwar nicht fallen ließ, wohl aber ziemlich nachlässig betrieb. Noch war kein Jahr vergangen, da kamen alle, die nach der reinen Lehre verlangten, zu mir, dem Neuling und Anfänger, um zu lernen. Von Natur aus schüchtern, habe ich die Zurückgezogenheit und Ruhe stets geschätzt und deshalb danach gestrebt, im Verborgenen zu leben. Das ist mir aber so wenig vergönnt gewesen, dass aus jedem Versteck gleichsam eine öffentliche Schule wurde. Während es meine einzige Absicht war, unbeachtet in Ruhe leben zu können, hat Gott mich so von Ort zu Ort getrieben, dass er mich nirgends Ruhe finden ließ, bis ich meinem Widerstand zum Trotz ins helle Licht [der Öffentlichkeit] gezogen wurde. Ich verließ mein Vaterland und reiste nach Deutschland in der Absicht, in irgendeinem verborgenen Winkel versteckt meine mir seit langem versagte Ruhe zu genießen.

Jesu Sendung und sein Tod

Bei den Vorbereitungen für einen Vorlesungstag zum Thema »Sühneopfer« bin ich auf ein interessantes Zitat von Bultmann und dessen angemessene Kommentierung durch den katholischen Dogmatiker Peter Hünermann gestoßen (Hünermann, Peter, Jesus Christus, Gottes Wort in der Zeit, Aschendorff Verlag, 1997, S. 88–89):

1960 hatte Rudolf Bultmann festgestellt: »Schwerlich kann diese Hinrichtung [Jesu; d. Vf. ] als die innerlich notwendige Konsequenz seines Wirkens verstanden werden; sie geschah vielmehr aufgrund eines Mißverständnisses seines Wirkens als eines politischen. Sie wäre dann – historisch gesprochen – ein sinnloses Schicksal. Ob oder wie Jesus in ihm einen Sinn gefunden hat, können wir nicht wissen. Die Möglichkeit, daß er zusammengebrochen ist, darf man sich nicht verschleiern.« Von dieser These Bultmanns ausgehend, resümiert Hans Kessler zehn Jahre später seine Detailuntersuchungen: »Wir wissen nicht sicher, ob oder wie Jesus in seinem Tod einen besonderen Sinn gesehen hat … Es ist wenig wahrscheinlich, daß Jesus mit seinem bevor stehenden Tod Opfer- und Sühnegedanken verband und daß es in seiner Absicht lag, durch seinen Tod die Welt zu erlösen.«

Urteile wie dieses rechnen unbefangen mit denselben Wertprioritäten und Kriterien, wie sie im tagtäglichen Selbstverständnis der Menschen vorkommen, ohne zu berücksichtigen, daß bereits ernsthaftes Denken und Philosophieren die Zugehörigkeit des Todes zum Leben aufdecken und jede Verdrängung des Todes als eine entfremdete Bewußtseinslage denunzieren. Es wurde bereits oben in der Erörterung von Sinn und Sendung Jesu Christi die Präsenz des Todes in seinem Leben thematisiert. Man kann dafür eine Fülle von neutestamentlichen Stellen anführen.

Hinsichtlich der Frage, wie Jesus seinen Tod gesehen hat, spielen folgende Momente eine zentrale Rolle: Jesus konnte mit der Möglichkeit, ja er mußte mit der Möglichkeit eines gewaltsamen Todes rechnen. Das ergibt sich aus der Anknüpfung Jesu an die Botschaft des Täufers und dem engen Zusammenhang, in dem er mit dem Täufer steht (vgl. Mk 6,14), ebenso aber auch aus dem sehr früh in seinem öffentlichen Leben auftauchenden Widerstand gegen seine Auslegung des Willen Gottes im Gegenüber zur pharisäischen Gesetzesauslegung und zur sadduzäischen Kultfrömmigkeit.

Jesus konnte nicht nur mit seinem Tode rechnen, er tat es auch. Aus zahlreichen Worten, die Jesus an seine Jünger richtet, spricht auch die eigene Martyriumsbereitschaft: »Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen und um des Evangeliums willen verliert, wird es retten« (Mk 8,35). Oder: »Verkauft man nicht zwei Spatzen für ein paar Pfennig? Und doch fällt keiner von ihnen zur Erde ohne den Willen eures Vaters … Fürchtet euch also nicht! Ihr seid mehr wert als viele Spatzen« (Mt 10,29.31).

Sind Evangelikale diskriminierend?

Für die Journalistin Oda Lambrecht sind alle Evanglikalen Fundamentalisten. Der Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz, Jürgen Werth, sieht es gerne, wenn Christen in seinem Netzwerk schlicht »intensiv evangelisch« genannt werden. Auf dem Kirchentag in Dresden debattierten beide über den Unterschied zwischen Evangelikalen und Landeskirchlern. Im Mittelpunkt stand wie so oft die Frage nach der Bewertung von Homosexualität.

Hier die Pressemeldung von pro: www.pro-medienmagazin.de. Es lohnt sich, auch die Kommentare zu lesen.

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Nachtrag vom 07.06.2011: Hier noch ein Videobeitrag.

C.S. Lewis – Leben und Glauben

Die Geschichten von Narnia haben Millionen Menschen begeistert. Doch wer ist der Mann hinter den fantasievollen Romanen von sprechenden Tieren und dem Kampf zwischen Gut und Böse? Eine zweiteilige Dokumentation berichtet über eine Geschichte, wie sie Clives Staples Lewis selbst nicht besser hätte schreiben können: über sein Leben mit Gott.

Hier der erste Teil einer guten ERF-Sendung über C.S. Lewis: erf.de. Der zweite Teil ist hier zu finden.

VD: JO

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