2012

Die Axt an die Wurzel

Die Bagatellisierung der Ehe schreitet voran. Daniel Deckers kommentiert in der FAZ das Gedrängele der Parteien um eine Neudefinition von Familie und Ehe mit klaren Worten:

Stellten die Parteien den Bundestagsabgeordneten eine Entscheidung in der Sache frei, würden beide Wünsche eher morgen als übermorgen Wirklichkeit. Denn wer nicht ohnehin davon überzeugt ist, dass weder Ochs und Esel den Lauf der Emanzipationsgeschichte aufhalten, der möchte am Ende nicht auf der falschen Seite der Barrikade gekämpft haben. Welches diese Seite ist, lässt sich nicht überhören. Wer es wagt, die Lebenslügen einer Gesellschaft mit spitzfindigen Unterscheidungen oder grundsätzlichen Erwägungen zu stören, der kann sicher sein, wegen „Diskriminierung“ und „Homophonie“ an den Pranger gestellt zu werden.

Ob das Grundgesetz als letzte Barriere gegen eine Bagatellisierung der Ehe („Verantwortung übernehmen“) und eine weitere Entleerung des Familienbegriffs taugt, steht vor dem Hintergrund der bisherigen Entscheidungen der obersten Bundesgerichte dahin. Doch bis zu einer letztlich konsequenten Abschaffung des Grundgesetzartikels sechs Absatz eins sollte nicht der als begründungspflichtig gelten, der auf der besonderen Schutzwürdigkeit von Ehe und Familie besteht, sondern der, der sie bestreitet.

Die Verfasser des Grundgesetzes hatten mit eigenen Augen gesehen und mitunter am eigenen Leib erfahren, wie die Nationalsozialisten Ehe und Familie in den Dienst völkischer Ideologie nahmen und zu zersetzen versuchten. In der DDR vollzog sich Ähnliches wenig später im Namen des Sozialismus.

Die besondere Schutzpflicht des Staates ist eine ebenso logische wie erfahrungsgesättigte Folge der besonderen Schutzbedürftigkeit von Ehe und Familie. Wer diese bestreitet, legt die Axt an die Wurzel des Staates und der Gesellschaft. Eine reale wie eine symbolische Ordnung würde zerstört, die auch von den meisten Zeitgenossen noch immer als Ideal angesehen wird.

Das Bild mit der Axt hatte übrigens auch Martin Rhonheimer bemüht.

Hier: www.faz.net.

Timotheus: Magazin für junge Christen

timo2012.pngDie aktuelle Ausgabe des Magazins Timotheus liegt auf meinem Tisch. Die wie immer ästhetisch gestaltete Publikation ist dem Thema „Demut“ gewidmet. Autoren sind bist auf Iain H. Murray junge Christen aus Deutschland. Murray ist Engländer und Mitbegründer des Verlags „Banner of Truth“. Bekannt wurde er durch seine Biografien über C.H. Spurgeon, Jonathan Edwards, A.W. Pink u.a. Kürzlich erschien seine Biografie über John MacArthur in deutscher Sprache beim Bethanien Verlag.

Mir hat besonders der Artikel „Spurgeons Demut“ von Simon Schuster gefallen, zeigt er doch, was für harte Lektionen der große Prediger zu durchleben hatte. Die vollmächtige Predigt ist nicht nur eine Frage der guten Hermeneutik, sorgfältigen Exegese und gewinnenden Rhetorik, sondern auch die Frucht der gehorsamen Hingabe an seinem HERRN. Was für ein Bekenntnis hat der noch junge Spurgeon nach der „Feuer-Krise“ gegenüber seiner Frau abgelegt: „Wenn Christus erhöht ist, so soll er mit mir machen, was ihm gefällt. Mein einziges Gebet soll es sein, dass mein Ich sterben möge und ich vollkommen für ihn und zu seiner Ehre lebe.“

Übrigens: Wie Waldemar Dirksen in seinem Beitrag „Mahnung zur Demut“ schreibt, soll Spurgeon einmal gesagt haben: „Es ist für uns von allergrößter Wichtigkeit, dass wir demütig gehalten werden.“ Lesen wir hier nicht: „dass wir für demütig“ gehalten werden. Hinter der gespielten Demut steckt meist nichts anderes als Stolz.

Das Magazin Timotheus braucht dringend weitere Abonnenten. Es kann für nur € 13,35 (inkl. Versandkosten) pro Jahr hier bestellt werden. Wer selbst keine Zeit zum Lesen findet, kann Timotheus gern als Geschenk-Abo unters Volk bringen.

Interview mit Bob Kauflin

Nicht nur die jungen wilden Reformierten kennen den Komponisten Bob Kauflin (eine Produktion von Bob habe ich 2008 kurz vorgestellt). Bob gehört zu den Musikern, die für eine Wende in der „Szene“ verantwortlich sind, denn – so sagen sie – das Evangelium gehört ins Zentrum der Kirchenmusik.

In dem nachfolgenden Interview, in dem ich übrigens erfahren habe, dass Bob mal ein Punk war, spricht er wichtige Punkte im Blick auf die christliche Musik an.

VD: JT

JESOT

JESOT-1.1.jpgBei Rob Bradshaw habe ich erfahren, dass es ein neues Journal für das Studium des Alten Testaments gibt, nämlich das Journal for the Evangelical Study of the Old Testament (JESOT).

Zum Journal schreiben die Herausgeber:

Scope

Journal for the Evangelical Study of the Old Testament (JESOT) is a peer-reviewed journal devoted to the academic and evangelical study of the Old Testament. The journal seeks to fill a need in academia by providing a venue for high-level scholarship on the Old Testament from an evangelical standpoint. The journal is not affiliated with any particular academic institution, and with an international editorial board, online format, and multi-language submissions, JESOT cultivates and promotes Old Testament scholarship in the evangelical global community. The journal differs from many evangelical journals in that it seeks to publish current academic research in the areas of ancient Near Eastern backgrounds, Dead Sea Scrolls, Rabbinics, Linguistics, Septuagint, Research Methodology, Literary Analysis, Exegesis, Text Criticism, and Theology as they pertain only to the Old Testament. The journal will be freely available to the scholarly community and will be published bi-annually online. Hard copies will be produced by request. JESOT also includes up-to-date book reviews on various academic studies of the Old Testament.

Doctrinal Position

The editorial staff and board of Journal for the Evangelical Study of the Old Testament endorses the following doctrinal statement which has been adapted from the internationally oriented Lausanne Covenant:

1. The belief in the one eternal God who exists in three persons as Father, Son, and Holy Spirit, and who creates and governs all things in accordance with his will.

2. The belief that the Old and New Testament Scriptures are divinely inspired, without error in all that they affirm, the only infallible rule of faith and practice, and able to accomplish God’s purpose of salvation.

3. The deity of Jesus Christ, his substitutionary death on the cross as the necessary means for the redemption of the world, and his bodily resurrection and return.

4. The work of the Holy Spirit in granting new life to the believer and bearing witness to the Truth through the study and proclamation of the Word of God.

Die Herausgeber sind Stephen J. Andrews, William R. Osborne, Russell L. Meek. Zu den Mitarbeitern gehören Größen wie Walter C. Kaiser Jr., James K. Hoffmeier oder George Athas.

JESOT 1.1 kann hier heruntergeladen werden: JESOT-1.1-internal-linked.pdf.

Aufklärung in Sachen Europa

Otfried Höffe, emeritierter Philosophieprofessor aus Tübingen, plädiert in seinem FAZ-Beitrag „Souverän ist, wer über Verstand verfügt“ (10.08.2012, Nr. 185, S. 33) für mehr Aufklärung „in Sachen Europa“. Ein wohltuender Ruf nach mehr Ehrlichkeit und Klarheit, besonders angesichts der Verneblung der Debatten mit „Generalfloskeln wie ‚alternativlos‘“.

Bei der Frage: Was eint Europa?, verweist Höffe exemplarisch auf die Aufklärung im Kantschen Sinne. Damit aber leider auch nur auf eine Seite der Medaille. So wichtig es ist, Klarheit ins Denken und in die Argumente zu bringen (und hier sehe auch ich ein Verdienst der kritischen Philosophie), so schade ist es doch, wenn wir vergessen, dass es ohne Christentum ein freiheitliches Europa nicht geben würde. Der säkulare Staat ist zwar in mancherlei Hinsicht eine Antwort auf den christlichen Glauben und damit das Produkt der Emanzipation des Weltlichen vom Geistlichen. Trotzdem ist ein modernes Europa ohne Christentum undenkbar, ja das moderne Staatsverständis einschließlich der Trennung von weltlicher und geistlicher Macht hat selbst christliche Wurzeln (genauer wahrscheinlich reformatorische). Der Rechtsphilosoph und ehemaliger Verfassungsrichter Böckenförde hat es prägnant formuliert: „Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann“ (E.-W. Böckenförde, Die Entstehung des Staates als Vorgang der Säkularisation, S. 60).

412gU4hcxNL._SL500_AA300_.jpgIch lese gerade ein faszinierendes Buch des katholischen Philosophen Martin Rhonheimer mit dem Titel Christentum und säkularer Staat: Geschichte – Gegenwart – Zukunft, Herder Verlag, 2012, 473 S.). Der Schweizer Rhonheimer geht in seiner ausgesprochen soliden Untersuchung der Frage nach, ob Aufklärung und Moderne auf dem Humus einer vom christlichen Glauben geprägten Zivilisation erwachsen sind. Das Bild, welches er zum Einstieg verwendet, ist eindrücklich (S. 15):

Stellen wir uns vor: Wir sitzen auf der Spitze eines Baumes mit wunderbaren Ästen und Früchten, genießen den Blick in die Weite. Dann wandert unser Blick hinab. Wir sehen andere, wunderbare und auch weniger wunderbare Äste, die dem Stamm entsprießen. Der Blick nach unten ist ein Blick in die Geschichte des Baumes. Wir erblicken da auch eine Menge knorriges, verwachsenes Geäst und am Boden einige herabgefallene, bereits angefaulte Früchte. Und nun – so stellen wir uns vor – rufen wir empört: „Was doch dieser Stamm nicht alles an Unrat hervorgebracht hat! Er taugt zu nichts mehr und muss umgehauen werden!“ Natürlich wäre dies ein höchst törichtes Unterfangen. Der Sturz aus der Höhe wäre die unausweichliche Folge. Aber nicht nur den Stamm umhauen wäre töricht, auch das Urteil über ihn ist es, und noch törichter erscheint es, dass wer so urteilt, übersieht, wem er seine Höhenposition und die frische Luft, die er atmet, verdankt: eben diesem Stamm, den er umhauen lassen will.

Doch solche Torheit gibt es. Sie ist Menschen eigen, die ein demokratisches, pluralistisches, säkulares Europa wollen, in dem die Freiheit eines jeden anerkannt wird, seiner religiösen und moralischen Überzeugung gemäß zu leben, ein Europa, in dem Frieden, Rechtssicherheit und Wohlstand herrschen, in dem die Wissenschaft blüht, das sozial und zukunftsorientiert ist. Als geistige Wurzeln einer solchen Welt anerkennen sie, neben dem aus der Antike stammenden Kulturerbe, die europäische Aufklärung, nicht aber das Christentum, die von ihm geschaffene Zivilisation und ihr soziales, rechtliches, politisches und religiöses kulturelles Erbe.

 

Allyson Felix: „Es geht um mehr …“

Nach der Silbermedaille in Peking, gewann die amerikanische Sprinterin Allyson Felix an der Olympiade in London nun Gold über 200 Meter und gibt Gott dafür die Ehre. factum meldet:

„Es ist ausserordentlich, wenn alles zusammenpasst“, sagte die glückliche Allyson Felix, 26, nach dem Gewinn der Goldmedaille. „Diesmal wusste ich, wenn ich ins Stadion gehe und mein Rennen laufe, könnte es gelingen.“ Sie habe sich gut gefühlt und habe Gott gedankt.

Allysons Vater ist Professor für Neues Testament am Masters Seminary in Sun Valley. Sie selbst scheut sich nicht, gegenüber Medien und in der Öffentlichkeit ihren Glauben an Jesus Christus zu bezeugen. Sie sprintet auch geistlich, im Wettkampf des Glaubens (vgl. 1. Kor. 9, 24 bis 26).

Das Aufwachsen in einer christlichen Familie als Kind eines Predigers habe ihrem Leben Halt gegeben, erzählte Allyson gegenüber dem Magazin „USA today“. „Ich wuchs mit tollen Eltern auf, die hart arbeiten und ihren Glauben authentisch leben. Sie waren starke Vorbilder. Ich habe aufgenommen, was sie mich lehrten und alles behalten, auch während meiner Laufkarriere.“

Der Grund, weshalb sie Sprinterin sei, sei ihr Glaube. „Ich bin der festen Überzeugung, dass mich Gott mit dieser ausserordentlichen Gabe gesegnet hat. Deshalb will ich sie bestmöglich einsetzen.“

Mehr: www.schwengeler.ch.

Hermann Hesse: Der Wanderer und sein Schatten

Mit Klassikern wie Steppenwolf und Das Glasperlenspiel prägte Hermann Hesse die Protestbewegung der 1960er-Jahre. Mit einer Gesamtauflage von über 120 Millionen Exemplaren gehört der Literaturnobelpreisträger heute zu den meistgelesenen deutschen Autoren weltweit.

Nun jährt sich sein Todestag zum 50. Mal und der Gedanke liegt nahe, die Zeit der Selbstfindungsliteratur à la Hesse sei vorbei. Stimmt nicht. Der Suhrkamp Verlag meldet, dass noch zwischen 350.00 bis 400.000 Hesse-Bücher pro Jahr verkauft werden.

Der DLF hat eine gute Sendung zum eigensinnigen Rebell der Literatur gestaltet. Besonders empfehlen kann ich Oliver Pohlmanns Rezension der starken Erkundung Hesse: Der Wanderer und sein Schatten:

Der Mann sieht rot

Dass Gleichstellung vor allem Frauenrechte stärken soll, ist ein Skandal, meint Monika Ebeling in der aktuellen Ausgabe Christ & Welt (07/2012):

Gleichstellungspolitik, die in der Vergangenheit weitgehend Frauenpolitik war, hat sich mehrerer für Frauen einseitig parteilicher Grundannahmen bedient. Man ging von einer Geschlechterhierarchie zwischen Mann und Frau aus. Es wurde die Frage der Schuld des Mannes in die Debatte um die Gleichstellung von Mann und Frau implementiert. Auch pflegte man jahrzehntelang ein Täter-Opfer-Schema zuungunsten des Mannes.

Der Zeitpunkt ist gekommen, sich von diesen Grundannahmen trennen zu können. Das körperliche, seelische und soziale Wohlbefinden von Männern sollte auch aus gleichstellungspolitischer Sicht einmal bewertet werden. 2011 ist der erste Männergesundheitsbericht erschienen, ein Pilotbericht der Stiftung Männergesundheit in Berlin. Macht es uns nachdenklich, dass Männer rund sechs Jahre früher sterben als Frauen? Fühlen wir uns zum Handeln veranlasst, wenn wir erfahren, dass Männer fast doppelt so oft unter chronischen Erkrankungen leiden wie das andere Geschlecht? Winken wir müde ab, wenn wir zur Kenntnis nehmen müssen, dass Männer an ihre körperlichen und seelischen Grenzen gehen? Es werden bei Männern beispielsweise 74,3 Prozent tödliche Wegeunfälle gemeldet. Die Problematik der Depression des Mannes ist seit Robert Enges Selbstmord endlich ins öffentliche Bewusstsein gedrungen. Im Männergesundheitsbericht heißt es, dass nicht erfüllbare Leitbilder Männergesundheit genauso belasten wie mangelnde Work-Life-Balance. Nur 8,6 Prozent der Männer arbeiten in Teilzeit. Viele Männer gehen berufliche Gesundheitsrisiken ein und verdienen damit ihren Lebensunterhalt. So ist es zum Beispiel bei der Berufsfeuerwehr, den Industriekletterern oder Dachdeckern.

Hier mehr: www.christundwelt.de.

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