2012

Kierkegaard und das Paradox des Glaubens

Kierkegaard.jpgDer Däne Sören Kierkegaard gilt als Begründer der Existenzphilosophie und als Kritiker einer bürgerlichen Kirchlichkeit, für die das Christentum auf Sitte und Gewohnheit reduziert wurde. Mit seinen Schriften beeinflusste er zahlreiche Philosophen, Theologen und Schriftsteller von Martin Heidegger über Karl Barth bis zu Albert Camus.

Der DLF hat zwei informative Beiträge über Sören Kierkegaard veröffentlicht:

Teil 1:
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Teil 2:
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Eine schriftliche Darstellung, Würdigung und Kritik des Kierkegaardschen Fideismus findet sich hier:

Dem Leser wird auffallen, dass ich den Sprung leicht anders beurteile, als Professor Hermann Deuser im insgesamt meisterhaften DLF-Beitrag. Meines Erachtens gibt es bei Kierkegaard den Sprung als  „den qualitativen Übergang … vom Nichtglauben zum Glauben“ (so in der Unwissenschaftlichen Nachschrift).

Bodyhacking

Keine Sciencefiction, sondern Realität: Manche Menschen verändern mit Technik-Implantaten ihre Sinneswahrnehmung. Sie nennen sich Bodyhacker oder Cyborgs. DIE ZEIT schreibt:

Cannon und Harbisson mögen sich uneins sein, was ein Cyborg ist. Ihr Ziel aber ist das gleiche: Den Menschen zu erweitern – um Fähigkeiten, die die Natur nicht für ihn vorgesehen hat. Ethische Fragen empfinden beide als eher lästig.

Harbisson sagt, er habe die Ethikkommission seiner Klinik überreden müssen, ihn zu operieren. Das sei ihm nur gelungen, weil er auf die Möglichkeit verwiesen habe, dass Geräte wie der Eyeborg auch anderen Menschen mit Sehbehinderungen helfen könnten und entsprechend getestet werden müssten. So, wie er es erzählt, klingt das Ausräumen ethischer Bedenken wie eine Pflichtübung.

Auch Cannon schafft lieber Fakten, bevor es zu viele Gesetze und Vorschriften gibt, die seine Implantat-Ideen zunichtemachen. Er sagt, die derzeitige Abneigung gegen chirurgische Eingriffe dieser Art sei nachvollziehbar, aber die Einstellung der Menschen werde sich ändern: „Du wirst es tun, oder du wirst zurückbleiben. Es wird seltsam und ungemütlich und angsteinflößend werden. Aber entweder machst du mit, oder du könntest bald als veraltet gelten.“

Die Grenze zwischen nützlichen und verführerischen Implantaten ist wahrscheinlich fließend. Unbestreitbar wird sich der Transhumanismus die neuen Möglichkeiten durch den Einsatz technologischer Verfahren zu nutze machen. Zum Transhumanismus siehe:

Kinder-Koks

Methylphenidat, ein Wirkstoff, der unter dem Namen Ritalin bekannt geworden ist. Im Jahr 1993 haben deutsche Ärzte noch 34 Kilogramm Ritalin verschrieben. 2001 waren es bereits 603 Kilogramm und 2011 dann knapp 1,8 Tonnen.

Meist wird Ritalin Kindern mit einer Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) verschrieben. Ritalin korrigiert einen niedrigen Dopamin-Spiegel im Gehirn und fördert so die Konzentrationsfähigkeit.

Der Wirkstoff wird inzwischen gern missbraucht. Als Pulver durch die Nase gezogen, wirkt Ritalin ganz und gar nicht mehr beruhigend. Im 15-jährigen Paul hat es den Unternehmer geweckt. Hier ein „Geschäftsbericht“ aus der FAZ:

Paul war 15, als er anfing, mit einem Rauschmittel zu handeln, dessen unerlaubter Besitz oder Verkauf vom Betäubungsmittelgesetz unter Strafe gestellt wird. Es heißt Methylphenidat, eine chemische Substanz, die wie Amphetamine oder Kokain wirkt. Bekannter als der Name Methylphenidat allerdings ist der Name eines Medikaments, das daraus hergestellt wird: Ritalin. Es wird Kindern mit ADHS verschrieben, also Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung. Sie leiden darunter, dass ihre Gehirnzellen schlecht kommunizieren. Was die Kinder sehen, hören oder lesen, all diese äußeren Reize werden nicht normal gefiltert, gewichtet und verarbeitet im Kopf. Zuständig für die richtige Reizmeldung wäre der Botenstoff Dopamin, er steuert das Lernvermögen, die Aufmerksamkeit, das Schlafbedürfnis. Ritalin korrigiert einen zu niedrigen Dopamin-Spiegel im Gehirn von ADHS-Kindern: Es macht Trödler aktiver, Träumer konzentrierter und Zappler ruhiger.

Die Europäische Arzneimittelagentur empfiehlt die Behandlung von ADHS mit Methylphenidat, obwohl ihr Ausschuss für Humanarzneimittel herausgefunden hat, dass die Substanz auch „schwerwiegende psychiatrische Störungen“ verursachen kann. Am häufigsten meldeten Ärzte und Patienten: „Verhaltensauffälligkeiten, anomales Denken, Wut, Feindseligkeit, Aggression, Agitation, Tick, Reizbarkeit, Angststörung, Weinen, Depression, Schläfrigkeit, . . . Nervosität, psychotische Störung, Stimmungsschwankungen, morbide Gedanken, Zwangsstörungen, Persönlichkeitsveränderung, Ruhelosigkeit, Verwirrtheitszustand, Halluzinationen, Lethargie, Paranoia und Suizidverhalten“.

Mehr: www.faz.net.

Der supersüße Spion im Wohnzimmer

Die jüngste Datenpanne beim Versicherungskonzern Allianz zeigt, wie risikobehaftet die neuen Technologien für den Datenschutz sind. Die digitale und vernetzte Welt der Daten wird immer anfälliger für den Missbrauch, sogar im Privathaushalt. Vom Smartphone bis zum kommunizierenden Plastikhasen sind heute alle möglichen Geräte mit der digitalen Cloud verbunden. Auch wer die Diktierfunktion des neuesten MAC Betriebssystems Mountain Lion (10.8) nutzt, stimmt der Übertragung seiner Texte an Apple zu. Was aber passiert mit diesen Daten? Peter Läppert hat in einem Beitrag für die FAZ viele gute Fragen gestellt. Die Antworten stehen aus. Trotzdem können die Nutzer gegensteuern.

Längst sind auch andere Geräte auf diese Weise mit Sendefunktionen versehen worden, etwa Roboterstaubsauger (mit WLAN und Kamera.) Ähnlich funktioniert auch Microsoft Kinect, ein Spielecontroller mit Kameras, Infrarotkameras und Mikrofonen. Oder das iPhone oder iPad mit der Sprachsteuerung Siri. Es ist inzwischen bekannt, dass Apple Daten von Siri-Dialogen auf einer eigenen Wolke speichert. Nicht bekannt ist, was das Unternehmen damit tut.

Smartphones speichern ohnehin kaum noch etwas auf dem Gerät selbst, alles steigt auf in die digitale Wolke. Alle Android-Geräte nutzen Googles Cloud, alle Apple-Geräte die iCloud, alle Blackberrys die von Research in Motion (RIM). Allerdings geschieht das mit unterschiedlichen Geschäftsmodellen; Google verdient explizit Geld mit der Auswertung dieser Daten. Apple hält sich bedeckt, was das angeht, und RIM schließt eine Auswertung explizit aus.

Mehr: www.faz.net.

VD: JS

Von Ali zu Michael

Ihnen drohte der Tod: Sie sind aus dem Iran geflohen, weil sie an Christus glauben wollen. Nun bringen die ehemaligen Muslime frischen Wind in eine überalterte Berliner Gemeinde. Thomas Vitzthum beschreibt den kleinen erwecklichen Aufbruch, bei dem eine Siegerländer Diakonisse auch eine Rolle spielt.

Schwester Rosemarie lässt keinen Zweifel daran, dass sie den Glauben ihrer Iraner für aufrichtig hält. „Die meisten haben sich schon im Iran bekehrt, sie waren gut situiert, sie hatten ein Leben. Sie haben das für Christus aufgegeben.“ Nein, sie würde niemanden taufen, von dem sie nicht überzeugt sei, dass er dem Islam abschwöre. Unter den Iranern, die ihre Bibelstunde besuchen, sind Studenten, Einzelhändler, ein Goldschmied, ein Tischler, ein Ingenieur für Petrochemie.

Außerhalb von „Haus Gotteshilfe“ erleben sie, wie sie wieder zu Geächteten werden. Einige besuchen Deutschkurse. Dort treffen sie auf Muslime. Für einige gibt es nur etwas, das noch schlimmer ist als ein Christ: ein Muslim, der Christ geworden ist. „Die Iraker, Afghanen und anderen im Kurs machen es uns nicht leicht. Sie beschimpfen uns“, sagt Kajir. Die Angst, die alle hinter sich lassen wollten, sie ist immer noch da.

Das Bekenntnis zu Christus verhindert, dass Deutschland sie schnell zurückschickt. Aber warum das alles? Bei allem Chaos, das ihre Bekehrung in ihren Leben angerichtet hat, taucht ein Motiv in vielen Schilderungen immer wieder auf: Ruhe. „Der Islam bedeutet Stress, das Christentum Ruhe“, sagt Michael. „Ich will als Frau etwas zählen, Ruhe haben, das geht im Islam nicht“, sagt Somayeh. „Die Christen sind ruhiger“, sagt der 22-jährige David.

Mehr: www.welt.de.

Glauben und Denken heute 1/2012

gudh_1_2012_i_f44028d438.jpgDie Ausgabe 1/2012 der Zeitschrift Glauben und Denken heute ist soeben (zusammen mit dem Release der neuen Website www.bucer.de) erschienen und enthält folgende Beiträge:

ARTIKEL

  • Christoph Renschler: Editorial
  • Ron Kubsch: Liebe und tue, was Du willst
  • Olga und Bernd Friedrichs: Ein Heilsarmeeoffizier dankt
  • Dr. Lydia Jaeger: Als Mensch in Gottes Welt: Gott segnet

REZENSIONEN

  • Prof. Dr. Thomas K. Johnson: Natural Law and the Two Kingdoms Living in God‘s Two Kingdoms (David Van Drunen)
  • Dr. Daniel Facius: Mythos und Wahrheit: Himmel und Hölle (Kenneth Boa, Robert Bowman)
  • Prof. Dr. Dr. Thomas Schirrmacher: The German Evangelical Alliance and the Third Reich
  • Titus Vogt: Griechische Grammatik zum Neuen Testament (H. v. Siebenthal)
  • Ron Kubsch: Gottesbeweise von Anselm bis Gödel (Joachim Bromand, Guido Kreis)
  • Dr. Daniel Facius: Hölle light: Was Gott über die Hölle sagt … (Francis Chan, Preston Sprinkle)

Die Ausgabe 1/2012 Nr. 9 kann hier herunter geladen werden: www.bucer.de.

Murks am Kind

Aus „schulreif“ wurde „schulfähig“. „Schulfähig“ sind früh eingeschulte Kinder jedoch oft noch nicht. Der „Pisa-Schock“ von 2006 führte zu überhasteten Reformen, besonders in Berlin. Regina Mönch vermutet, dass die Kinder der Reformexperimente von heute die Verlierer von morgen sein könnten. Sie dürfte damit richtig liegen.

Nirgendwo in Deutschland werden Kinder so früh eingeschult wie in Berlin. Sind sie fünfeinhalb Jahre alt, gilt die Schulpflicht. Früher mussten Kinder vor allem „schulreif“ sein, eine Eigenschaft, die ersetzt wurde durch den Begriff „schulfähig“, als handle es sich um etwas, was man herstellen könnte. Klappt das nicht, weil die Kleinsten eigentlich doch noch in den Kindergarten gehörten, gibt es ja noch die (Fehl-)Diagnose ADHS und Ritalin. Und sie können „verweilen“, wenn sie nicht mitkommen. Früher hieß das Sitzenbleiben. Diese Reform – eine von über zwanzig, die innerhalb sehr weniger Jahre über Berlins Schulkinder hinwegrollten – hat neue Probleme geschaffen.

Mehr: www.faz.net.

Probleme mit dem inkarnatorischen Dienstverständnis

J. Todd Billings (vgl. hier) beschreibt in einem Beitrag für CT Problemzonen des so genannten inkarnatorischen Dienstverständnisses (gelegentlich wird dazu auch „missionaler Ansatz“ gesagt). Kurs gefragt: Was, wenn es gar nicht zu unserem Auftrag gehört, Jesus für (andere) Kulturen zu sein? Seine Analyse ist übrigens nicht polemisch, sondern ausgewogen:

Viewing the Incarnation as a model for ministry leads to a dangerous imbalance in two ways. The problem is not the doctrine of the Incarnation, which is central to Christian faith. Rather, the problem results from a distortion of that belief—turning the uniquely divine act of the Word becoming incarnate in Christ into a „method for ministry“ that is repeated in our own lives. Let me offer two examples of this distortion—one more common in mainline Christian circles, the other more common among conservative evangelicals.

At a two-hour workshop on urban ministry, leaders began by quoting Eugene Peterson’s artful rendering of John 1:14, which describes the incarnation of Jesus Christ: „The Word became flesh and blood, and moved into the neighborhood.“ If moving into the neighborhood and immersing oneself among the people is God’s strategy for ministry, I was told, then certainly it must be ours. Throughout the workshop, I heard many techniques for adopting a second culture, listening to others, and immersing myself in an urban neighborhood. But there was apparently no need to mention Jesus any further. Jesus provided the model for how to immerse oneself in another culture, but the specific content of his life and teaching, and his death and resurrection, were beside the point.

The workshop’s approach—seen in other segments of the church—reduced „incarnational ministry“ to its core metaphor: The point is to identify with another culture rather than to testify to the life, death, and resurrection of Jesus. Indeed, at a recent missions conference for a mainline denomination, missionaries claimed they did not need to bear witness to Christ. Instead, they were simply called to become „incarnate“ in the second culture. The slogan in these circles is to „live the Good News rather than preach the Good News.“ Surely it’s important to offer a ministry of presence to those in need. But when the gospel is reduced to identifying with others, the uniqueness of Christ’s incarnation becomes an afterthought, and the Good News becomes merely a personal ethic.

Mehr: www.christianitytoday.com.

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