Oktober 2017

Luther auf dem Reichstag zu Worms

Martin Luther auf dem Reichstag zu Worms im Jahre 1521:

Wenn ich nicht durch Zeugnisse der Schrift und klare Vernunftgründe überzeugt werde; denn weder dem Papst noch den Konzilien allein glaube ich, da es feststeht, daß sie öfter geirrt und sich selbst widersprochen haben, so bin ich durch die Stellen der heiligen Schrift, die ich angeführt habe, überwunden in meinem Gewissen und gefangen in dem Worte Gottes. Daher kann und will ich nichts widerrufen, weil wider das Gewissen etwas zu tun weder sicher noch heilsam ist. Gott helfe mir, Amen!“

Säkularisierung: Ein Lob auf die Vielehe

Olaleye Akintola aus Nigeria schreibt für die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG und fragt sich, weshalb in Deutschland die Leute so verklemmt sind. Gibt es nicht Dinge, die wir von seiner Heimat lernen können? So etwa die Polygamie, die sich in seinem Herkunftsland durchgesetzt hat:

Ich lebe nun nicht mehr in Nigeria, doch die Erinnerung bleibt. Und ich frage mich, warum man hier in Deutschland beim Thema Liebe so wenig Abwechslung pflegt. In Nigeria haben viele Männer das Bild vor Augen, neben zwei schönen Frauen zu stehen, die zufrieden lächeln. Viele sagen dort spaßeshalber, man sei zu bequem, wenn man immer das gleiche Mahl verspeist, ohne Beilage oder Mischung. Das ist chauvinistisch, und die meisten sagen es in scherzhaftem Ton. Doch es steckt mehr Wahres darin, als viele zugeben.

In Deutschland habe ich Eheleute beobachtet, die glücklich wirkten, aber auch solche, bei denen irgendwann die Luft raus war. Auffällig ist, wie viele Ehen in diesem Land wieder geschieden werden und diese Trennungen Geld auf die Konten von Scheidungsanwälten spülen. Ein reichlich drastischer Schritt.

Warum sich nicht mal Pausen gönnen? Warum nicht mal Abwechslung? Man möge mir meine Worte verzeihen, stamme ich doch aus einer Familie, in der Vielehe ganz normal war. In Nigeria hat sich Polygamie vor langer Zeit etabliert. Es ist einseitig, ein Privileg der Männer. In Teilen des Landes bestimmt das Einkommen eines Mannes die Anzahl der Ehefrauen, die er sich leisten kann. Väter stacheln dann ihre Söhne an, sie mögen die eigene Leistung einmal überbieten.

Das säkularisierte Europa und manche evangelischen Kirchen werden solche Anregungen dankbar aufnehmen, und dem Heidentum mit fröhlichem Herzen frönen.

Mehr: www.sueddeutsche.de.

VD: WH

Vishal Mangalwadi: Wie die Bibel die Kultur Europas prägte

VishalEuropa und die Bibel sind nicht voneinander zu trennen. Egal, wie heftig es bestritten wird: Europas Freiheit und heutige Gerechtigkeit haben ihre Wurzeln in einer jahrhundertelangen Prägung durch die Heilige Schrift. Trotzdem fühlen wir uns heute als Christen oft so kraft- und sprachlos. Scheinbar gehen uns die Argumente für den Glauben aus. Die prägende Kraft der Bibel für die Gesellschaft in Deutschland und Europa verblasst hinter den Kräften, die die Bibel für antiquiert halten.

Der indische Philosoph, Politiker und Theologieprofessor Vishal Mangalwadi hat sich mit der Geschichte Europas und ihrer Prägung durch die Bibel intensiv beschäftigt und das viel beachtete Buch der Mitte publiziert. Als Nicht-Europäer ist er so etwas wie ein „unabhängiger Zeuge“, der verblüffende Zusammenhänge zwischen der Freiheit und dem Wohlstand, die wir heute genießen, und der prägenden Kraft von Gottes Wort entdeckt hat. Dabei deckt er Fakten auf und weist auf offensichtliche Zusammenhänge hin, die Christen neu ermutigen und begeistern: Gott ist lebendig und wirkt mit Kraft und Weisheit, mitten in der Geschichte dieser Welt. Die Mehrzahl der guten Errungenschaften Europas haben ihre Wurzeln in solchen Menschen, die die Bibel studierten und sie als Gottes Wort respektierten.

Ranald Macaulay, Gründer von „Christian Heritage“ in Cambridge (UK) und Schwiegersohn von Francis Schaeffer, schreibt über das Buch:

„Seit dem Buch von Francis Schaeffer, „Wie können wir denn leben?“, wurde uns keine solch übersichtliche und weitreichende Entfaltung der Probleme unseres globalen Gemeinwesens mehr nahegebracht.“

Prof. Mangalwadi wird am Samstag, den 4. November 2017, am Studienzentrum München des Martin Bucer Seminars eine Vorlesung zum Thema: „Wie die Bibel die Kultur Europas prägte“, halten. Gasthörer sind herzlich willkommen! 

Weiterführende Informationen dazu hier: Mangalwadi_Flyer_c.pdf.

Dankbar sind wir, wenn Gasthörer sich ebenfalls hier per Mail anmelden.

Eine Rezension zum Buch der Mitte von Hanniel Strebel gibt es hier: H.Strebel_Rezension_V.Mangalwadi_Das_Buch_der_Mitte.pdf.

Kai Soltau hat während der E21-Konfernenz 2017 in Hamburg ein Seminar zum Thema „Die Reformation und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft“ gehalten und dabei immer wieder auf Untersuchungen von Vishal Mangalwadi verwiesen. Das Seminar kann hier nachgehört werden.

Ausserdem der Hinweis, dass Prof. Mangalwadi am Reformationstag ebenfalls in München beim CVMD einen Abendvortrag in der Alten Kongresshalle halten wird.

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Die Eitlen

Friedrich Nietzsche (Morgenröte, 385):

Wir sind wie Schauläden, in denen wir selber unsere angeblichen Eigenschaften, welche andere uns zusprechen, fortwährend anordnen, verdecken oder in’s Licht stellen, – um uns zu betrügen.

Gemeinde in Aktion – 3. E21-Regionalkonferenz Schweiz

GemeindeCHDem Apostel Paulus ist es wichtig, dass sein Mitarbeiter Timotheus weiss, „wie man sich verhalten soll im Hause Gottes, welches ist die Gemeinde des lebendigen Gottes, ein Pfeiler und eine Grundfeste der Wahrheit“ (1Tim 3,15). Schon an der letzten Regionalkonferenz haben wir uns mit dieser erstaunlichen Einrichtung Gottes beschäftigt, anhand des Epheserbriefes wurde uns die Herrlichkeit der „Gemeinde des lebendigen Gottes“ vor Augen geführt.

Nun sollen praktische Aspekte des Gemeindelebens den Schwerpunkt der E21-Regionalkonferenz 2018 bilden. Mike Cain wird uns durch das Buch Nehemia führen, Matthias Lohmann ergänzt diese Serie mit zwei Themenvorträgen über Gemeindeleitung und Gemeindemitgliedschaft und Beat Tanner widmet sich dem Aspekt der Seelsorge in der Gemeinde. Wir wollen dazulernen, „wie man sich verhalten soll im Hause Gottes“ und freuen uns auf eine ermutigende Zeit der Gemeinschaft unter Gottes Wort.

Der Flyer zur Konferenz kann hier heruntergeladen werden: Flyer E21_2018_END_web.pdf.

Zum Anmeldeformular geht es hier.

Luther als Psalmbeter

Philipp Melanchthon, beschrieb 1546 in seiner Beerdigungsrede für Luther den Reformator als Psalmbeter:

Ich bin selbst oft dazu gekommen, dass er mit heißen Tränen für die ganze Kirche sein Gebet gesprochen hat; denn er nahm sich täglich besondere eigene Zeiten und Weilen, etliche Psalmen zu sprechen, darunter mengte er mit Seufzen und Weinen sein Gebet zu Gott und ward oft in täglichen Reden unwillig über die, die da aus Faulheit oder wegen ihrer Geschäfte vorgaben, es sei genug, wegen allem Gott mit einem kurzen Seufzen anzurufen. Es sind – sprach er – uns darum Gebetsformen und -weisen vorgeschrieben, dass, so wir solche lesen oder sprechen, unsere Herzen dadurch erweckt und entzündet werden und dass auch unser Mund bekenne, welchen Gott wir anrufen.

Türkei: Islamstaat nicht nur Staat der Muslime

Nachfolgend veröffentliche ich einen anonymen Gastbeitrag, der Einblick in die aktuelle Islamdebatte innerhalb der Türkei gewährt. Er fasst Äußerungen des Islamgelehrten Hayrettin Karaman zusammen, die kürzlich in einer dem Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan nahestehenden Tageszeitung publiziert wurden.

Der Islamstaat nicht nur Staat der Muslime

Hayrettin Karaman ist ein türkischer Islamgelehrter. Neben seiner Lehrtätigkeit und zahlreichen Veröffentlichungen schreibt er regelmäßig eine Kolumne für die türkische Tageszeitung „Yeni Şafak“ (wörtlich: Neue Morgendämmerung). Die „Yeni Şafak“ ist bekannt für ihre Nähe zum türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan und der Regierungspartei AKP („Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung“). Beiträge von Hayrettin Karaman sind aber bei der Analyse des türkischen Zeitgeschehens vor allem deshalb bedeutsam, weil er als einer der islamischen Gelehrten gilt, auf dessen Meinung zu aktuellen und grundsätzlichen Themen Präsident Erdoğan hört.

In seiner Kolumne in der „Yeni Şafak“ vom 22. Oktober beschäftigt sich Karaman unter der Überschrift „Das Ziel des Islam ist es nicht, die Umma zu spalten, sondern sie zu integrieren“ mit der Frage, ob es aus islamischer Sicht mehrere islamische Staaten geben solle. Für ihn steht die Antwort fest: „Wenn die Voraussetzungen dafür gegeben sind, wird die Umma ein einziger Staat sein und alle Muslime werden Untertanen dieses Staates sein.“

Neben einer Begründung dieser Hauptthese und der Diskussion darüber, wie diese Frage heute anzugehen sei, weil die „Voraussetzungen“ eben noch nicht gegeben seien, geht Karaman in einem Satz auch auf das Schicksal der Nichtmuslime in einem solchen islamischen Staat ein: „Wie wir schon oft zum Ausdruck gebracht haben, ist der Islamstaat nicht nur ein Staat der Muslime. Im Falle dass die Nichtmuslime (ihn) akzeptieren, werden sie eine einfache Steuer bezahlen, ihren Status bewahren und dadurch zu Staatsbürgern und zu Inhabern von Menschenrechten werden.“

Bei der angesprochenen Steuer geht es um die aus frühislamischer Zeit bekannte und auch im Osmanischen Reich, dem Vorgänger der Republik Türkei, lange Zeit angewandte „Kopfsteuer“, die speziell von Nichtmuslimen erhoben wird. Den „Status bewahren“ spielt vermutlich auf den Schutz an, den solche islamischen Staaten Juden und Christen gewährt haben, solange diese sich mit ihrem Stand als „Bürger zweiter Klasse“ zufrieden gaben und gewisse Sonderregeln einhielten, zu denen auch der unbedingte Verzicht auf Mission unter der muslimischen Mehrheitsbevölkerung gehörte.

Abgesehen von der vielleicht für manchen westlichen Beobachter verblüffenden Tatsache, dass in der lange als laizistisches Modell geltenden Türkei heute der ideale Islamstaat diskutiert wird, wirft die Bemerkung des Islamprofessors ein bezeichnendes Licht auf ein unter führenden Islamisten verbreitetes Verständnis der Menschenrechte. Menschenrechte werden nicht gemäß dem westlichen Verständnis als jedem Menschen von Anfang an eigene und unveräußerliche Rechte gesehen. Vielmehr vergibt der (islamische) Staat diese Rechte quasi als Gunstgewährung für ein den islamischen Regeln entsprechendes Wohlverhalten.

Wenn also heute weltweit über Menschenrechte gesprochen wird, kann man ohne genaue Begriffsbestimmung leicht aneinander vorbeireden.

Den Begriff „evangelikal“ verabschieden?

Amy Julia Becker hat in der Washington Post offenbart, dass sie Probleme mit dem Etikett „evangelikal“ hat. Sie wehrt sich gegen die politische Vereinnahmung durch die weißen Republikaner und will eine fromme Szene, in der „liberale“, „progressive“, „orthodoxe“, „konservative“ oder „evangelikale“ Christen versöhnt miteinander leben. Das MEDIENMAGAZIN PRO hat den Artikel freundlicherweise mit Genehmigung übersetzt.

Hier ein Auszug:

Ob „evangelikal“, „moderat“, „liberal“ oder „konservativ“: Die Adjektive, die wir verwenden, um unseren Glauben zu beschreiben, haben uns stärker voneinander getrennt, als dass sie uns definiert hätten. Amerikanische Christen sind eher zu Splittergruppen verkommen als eine bunte und vielfältige Bewegung von Menschen zu sein, die Jesus kennt und ihm folgen will, und die die frohe Botschaft auf ihre jeweils unterschiedliche Art in eine krankende Welt tragen möchte. Unsere Etiketten zerstückeln uns in kleine Grüppchen und trennen uns von der Fülle dessen, was die ganze Kirche zu bieten hat.

Ja, einige Christen legen ihren Glaubensschwerpunkt auf gesellschaftspolitisches Engagement, andere auf intensives Gebet, wieder andere reden unheimlich viel über Jesus, andere tun Gutes, einige lesen sehr viel in der Bibel und andere versuchen einen makellosen Lebensstil zu pflegen.

Ja, bei denjenigen, die sich gesellschaftspolitisch engagieren, ist das Gebet zuweilen zu kurz gekommen; die Beter haben es manchmal versäumt, den Hungrigen Essen zu geben. Und einige Leute, die gut Zeugnis über ihren eigenen Glauben ablegen können, haben es versäumt, sich für mehr Gerechtigkeit einzusetzen; und einige von denen, denen die Nächstenliebe besonders wichtig ist, haben darüber vergessen, selbst mal wieder in der Bibel zu lesen.

Aber anstatt diese Unterschiede als Gründe für Kritik untereinander und als Anlass, uns von den anderen abzugrenzen, zu verstehen, lassen sie sich auch als Chancen voneinander zu lernen begreifen. Als Möglichkeiten, sich über unsere Unterschiede zu freuen, anzuerkennen, was jeder geben und was wir untereinander teilen können.

Das klingt alles ganz nett, und geht doch völlig am Kern der Probleme vorbei. Wer mir das nicht glauben will, der lese einfach mal das Buch Christentum und Liberalismus von J. Gresham Machen, das vor knapp 100 Jahren geschrieben wurde. Nur ein Beispiel: Das liberale Christentum kennt keinen tatsächlich auferstandenen Jesus Christus. Es kennt vielleicht den Christus des Glaubens, aber eben nicht den Herrn, der vor rund 2000 Jahren in der Geschichte auferstanden ist und eines Tages wiederkommen wird, um die Toten und Lebenden zu richten. Kurz: das liberale Christentum ist eine andere Religion als die, die Jesus Christus und die Apostel verkündigt haben.

Ich zitiere mal aus dem Vorwort von Daniel Facius:

„Christentum und Liberalismus“ geht genau auf diese Fragen ein, die sich auch heute in neuer Dringlichkeit stellen. Was gehört zu den Fundamenten des Glaubens und was nicht? Was darf sich „Christentum“ nennen, und was nicht? Ist Einheit und Harmonie wirklich das höchste Ziel, dem sich alles andere unterzuordnen hat? Ist es wirklich wichtig, ob Jesus im biologischen Sinn durch eine Jungfrau empfangen wurde? Ist es wichtig, ob er leiblich auferstand und auf den Wolken des Himmels wiederkommen wird? Ist es eine „Kleinigkeit“, ob man das Sterben Christi als stellvertretenden Tod für die Menschheit deutet oder nicht? Auch im heutigen Protestantismus werden diese Fragen gestellt, und die Partei der „Fundamentalisten“ sieht sich einmal mehr der Intoleranz ausgesetzt. Wer auch immer Interesse an dieser Debatte hat, wird an Machen nicht vorbeikommen. Dabei ist sein eigener Anspruch nicht, den Streit zu entscheiden, sondern das klare Benennen der streitentscheidenden Punkte.

Machen geht dabei so vor, wie man es von einem Professor erwarten kann. Klare Definitionen, präzise Begriffsverwendung und auch die Wiederholung zentraler Punkte zeichnet „Christentum und Liberalismus“ aus. Machens Verteidigung der orthodoxen christlichen Lehre steht dabei auf zwei Pfeilern. Zum einen legt er dar, wo und wie zahlreiche liberale Thesen von den Lehren der Schrift abweichen. Zum anderen nimmt er das Christentum aber auch als historische Bewegung ernst. Selbst wenn der Liberalismus sich also auf die Bibel berufen könnte, so diese zweite Verteidigungslinie, hätte er kein Recht, die dann entstehende Religion „Christentum“ zu nennen. Was das in der Konsequenz bedeutet, war für Machen klar: Ist der Liberalismus eine dem Christentum feindlich gegenüberstehende Religion, kann es mit seinen Vertretern keine christliche Einheit geben.

Der Evangelikalismus ist wirklich gefährdet. Folgt er der Richtung, die Becker einfordert, wird er in der Bedeutungslosigkeit landen. Im Gegensatz zu Becker und Scot McKnight sehe ich das Problem an einem anderen Punkt. Das Etikett „evangelikal“ ist heute so schwammig geworden, dass man tatsächlich darüber nachdenken kann, inwiefern die Verwendung noch hilft, eine theologische Position zu beschreiben. Soll der Begriff überleben, ist es an der Zeit, seinen ursprünglichen Sinn aufzunehmen und ihn auch gegen die Einflüsse, gegen die er sich früher gewehrt hat, zu verteidigen.

Christoph Raedel, Vorsitzender des AfeT und Systematiker an der FTH, hat kürzlich in einem Festvortrag die Frage gestellt „Wohin geht die evangelikale Theologie in Deutschland?“. Ich zitiere aus einer Pressemitteilung:

Mit Blick in die Vergangenheit stellte Raedel zunächst fest, dass evangelikale Theologie in Deutschland keine vergleichbare Anerkennung wie im angelsächsischen Bereich gefunden hat. In der Gegenwart sei sie von Pluralisierung gekennzeichnet. Diese Vielfältigkeit sei beispielsweise an der Ausdifferenzierung der theologischen Ausbildungslandschaft zu erkennen. Sie sei auch daran erkennbar, dass für einige evangelikale Theologen eher die Moderne, für andere mehr die Postmoderne der Gesprächszusammenhang ihrer Theologie ist. Ferner ginge mit der Pluralisierung der Bedeutungsverlust der Theologie einher, auch der evangelikalen.

Zur Beantwortung seiner Leitfrage beschrieb Raedel drei „Visionen“, die seiner Meinung nach bestimmend für den Weg der evangelikalen Theologie in der Zukunft sind: Zunächst müsse Exzellenz in Lehre und Forschung angestrebt werden. Ohne „Eliten-Dünkel“, sondern zur Ehre Gottes und zur Qualifikation des eigenen akademischen Nachwuchses. Zweitens müssten die legitime Vielfalt der Perspektiven und Lebenswege auf eine Einheit bezogen werden: „Evangelikale werden sich in einer mehrheitlich nichtchristlichen Gesellschaft unterscheiden, weil Gottes Reich nicht von dieser Welt ist“, so Raedel.

Exzellenz für evangelikale Theologie heisse letztlich auch, sie in Verantwortung für Kirche und Gemeinde zu betreiben: „die Theologie hilft der Gemeinde, die Landkarte von Gottes Weg mit den Menschen richtig zu lesen, die Gemeinde hilft der Theologie dazu, die Karte richtig herum zu halten: nur gemeinsam bleiben sie in der Spur Christi und im Horizont von Gottes Reich“.

Exzellenz in Lehre und Forschung, Einheit in Vielfalt (nicht in Beliebigkeit) sowie Dienst an Kirchen und Gemeinden, das sind Ziele, die helfen können, das Anliegen des Evangelikalismus zu bewahren und zu stärken. Das geht in die Richtung, die auch Andreas Köstenberger bei mehreren Anlässen beschrieben hat. Hinzufügen würde ich: eindeutig schriftbezogen und reformatorisch. In diese Richtung können wir gehen.

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Gratis: Warum die Reformation uns heute noch etwas angeht

Why the reformation still matters 205 316 90Das interessante Buch:

  • Michael Reeves u. Tim Chester: Why the Reformation Still Matters, Crossway 2016, 163 S.

Kann derzeit beim Crossway Verlag gratis heruntergeladen werden. Es sind einige Fragen über ein Formular zu beantworten. Dafür kann am dann aber auch zwischen verschiedenen Formaten wählen.

Mark Noll schreibt über das Buch:

Authors Michael Reeves and Tim Chester have made a solid contribution to the commemoration of the Reformation in their clear account of what the major Reformers, especially Martin Luther and John Calvin, taught about Jesus, God’s grace, Scripture, the sacraments, and other important subjects. With the five-hundredth anniversary of Martin Luther’s posting of the Ninety-Five Theses quickly approaching, this timely book underscores the vital importance of what he and other early Protestants devoted their lives to teaching.

Hier der Link: docs.google.com.

Gründlich lesen (4): Die Erfahrung des Christlichen

Anselm Grün ist ein Meister der Manipulation (vgl. auch hier). Schade, dass das so viele Leser gar nicht bemerken.

Im nachfolgenden Zitat verpasst er allen, die an der Verlorenheit der Menschen jenseits von Christus festhalten, das Prädikat: Fundamentalisten. Mehr noch, er bescheinigt ihnen, Paulus falsch verstanden zu haben und nimmt für sich selbst in Anspruch, Paulus korrekt zu deuten. Nämlich: Die Begegnung des Apostels mit dem gekreuzigten und auferstandenen Jesus ist eine von vielen möglichen Erfahrungen, die ein Mensch, der sich nach Verwandlung und Erneuerung sehnt, machen kann.

Hier (Paulus, Verlag Kreuz, 2007, S. 171):

Wenn manche fundamentalistischen Christen sich auf Paulus berufen mit ihrer Meinung, alle, die nicht an Christus glauben, seien verloren, dann haben sie Paulus missverstanden. Paulus achtet die Menschen in ihrer jeweiligen Religion und in ihrer philosophischen Ausrichtung. Er versucht, das Gemeinsame in seiner Botschaft herauszuarbeiten. Aber zugleich kommt er immer wieder auf das Entscheidende seiner religiösen Erfahrung zu sprechen: seine Begegnung mit Jesus Christus, der für uns gekreuzigt worden und am dritten Tag auferstanden ist. Diese Erfahrung greift die religiösen Sehnsüchte der Menschen nach Verwandlung und Erneuerung auf, kritisiert sie aber zugleich und befreit sie von allen Projektionen, die wir auf unserem spirituellen Weg oft auf Gott werfen und so sein Wesen verstellen.

Ein weiteres Beispiel: Was ist der Kern der paulinischen Gnadentheologie in Römer 7? Die Antwort von Anselm Grün (S. 142): „Nur wenn die Menschen den Mut finden, sich selbst, ihn sich zu verurteilen oder abzuwerten, anzunehmen, werden sie menschlicher und vermögen das, was Gott von ihnen will, zu erfüllen.“ Paulus wird damit zum Vorbild für die Tiefenpsychologie (S. 142):

Die Therapie vermittelt dem Menschen, dass er das, was in ihm ist, anschauen soll, ohne es zu bewerten. Indem er sich mit allem, was er in seinem Herzen wahrnimmt, annimmt, hebt sich auf einmal sein sittliches Niveau. Er integriert die Schattenseiten in sein Leben und wird so fähig, das zu verwirklichen, was das Gesetz eigentlich von ihm wollte.

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