Gründlich lesen (4): Die Erfahrung des Christlichen

Anselm Grün ist ein Meister der Manipulation (vgl. auch hier). Schade, dass das so viele Leser gar nicht bemerken.

Im nachfolgenden Zitat verpasst er allen, die an der Verlorenheit der Menschen jenseits von Christus festhalten, das Prädikat: Fundamentalisten. Mehr noch, er bescheinigt ihnen, Paulus falsch verstanden zu haben und nimmt für sich selbst in Anspruch, Paulus korrekt zu deuten. Nämlich: Die Begegnung des Apostels mit dem gekreuzigten und auferstandenen Jesus ist eine von vielen möglichen Erfahrungen, die ein Mensch, der sich nach Verwandlung und Erneuerung sehnt, machen kann.

Hier (Paulus, Verlag Kreuz, 2007, S. 171):

Wenn manche fundamentalistischen Christen sich auf Paulus berufen mit ihrer Meinung, alle, die nicht an Christus glauben, seien verloren, dann haben sie Paulus missverstanden. Paulus achtet die Menschen in ihrer jeweiligen Religion und in ihrer philosophischen Ausrichtung. Er versucht, das Gemeinsame in seiner Botschaft herauszuarbeiten. Aber zugleich kommt er immer wieder auf das Entscheidende seiner religiösen Erfahrung zu sprechen: seine Begegnung mit Jesus Christus, der für uns gekreuzigt worden und am dritten Tag auferstanden ist. Diese Erfahrung greift die religiösen Sehnsüchte der Menschen nach Verwandlung und Erneuerung auf, kritisiert sie aber zugleich und befreit sie von allen Projektionen, die wir auf unserem spirituellen Weg oft auf Gott werfen und so sein Wesen verstellen.

Ein weiteres Beispiel: Was ist der Kern der paulinischen Gnadentheologie in Römer 7? Die Antwort von Anselm Grün (S. 142): „Nur wenn die Menschen den Mut finden, sich selbst, ihn sich zu verurteilen oder abzuwerten, anzunehmen, werden sie menschlicher und vermögen das, was Gott von ihnen will, zu erfüllen.“ Paulus wird damit zum Vorbild für die Tiefenpsychologie (S. 142):

Die Therapie vermittelt dem Menschen, dass er das, was in ihm ist, anschauen soll, ohne es zu bewerten. Indem er sich mit allem, was er in seinem Herzen wahrnimmt, annimmt, hebt sich auf einmal sein sittliches Niveau. Er integriert die Schattenseiten in sein Leben und wird so fähig, das zu verwirklichen, was das Gesetz eigentlich von ihm wollte.

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WoNe

Eigentlich bin ich ratlos, wie Anselm Grün imstande ist, das Evanglium derart zu verdrehen, indem er Kategorien an das Evangelium heranträgt, die diesem um 180 Grad zuwiderlaufen. Ich befürchte, daß Anselm Grün so etwas wie eine subjektivistisch gefärbte, empirische Epistemologie vertritt, wenn er so schreibt wie oben im Artikel zitiert. Gott hat sich aber in seinem Wort geoffenbart; die Bibel ist seine Selbstoffenbarungsschrift. Gott ist von den Menschen erkennbar, jedoch neigt der Mensch dazu, diese Wahrheit (Gotteserkenntnis) durch Ungerechtigkeit zu unterdrücken (Röm 1,18ff). Das ist eine Art von intellektueller Sünde. Zum Evangelium Der Kerninhalt des Evangeliums ist doch: Kehrt um, tut Buße und erkennt dadurch eure eigene Hilflosigkeit und die Notwendigkeit, euch Gott zuzuwenden und an ihn zu glauben. So predigt es beispielsweise Petrus in Apg 3,19. Der Psalm 130 zeigt darüberhinaus, wie groß die Not des Menschen angesichts seiner Verlorenheit Gott gegenüber ist und wie sehr das Flehen zu Gott notwendig ist. Jesus geht sogar noch weiter und schärft… Weiterlesen »

Jutta

Danke WoNe, das war sehr klar zusammengefasst. Wenn man bedenkt, dass Anselm Grün hauptsächlich Frauen fasziniert mit seinen Auslegungen, bestätigt das wieder mal das Vorurteil ( ? ) , dass Frauen ( i.d.R.) seltenst in der Lage sind nüchtern und klar zu bleiben und vor allem: konsequent. Weil viele Frauen immer noch nicht verstanden haben, dass die Bibel kein Patriarchat lehrt … und sie vielleicht oft Männer zu Hause haben, die nicht das Gebot erfüllen, dass sie ihre Frauen lieben sollen, und ehren als das schwächere Gefäß, dass diese Männer seltenst Andachten mit ihnen und ihrer Familie halten und gemeinsam gebetet wird sehr wahrscheinlich auch nicht, braucht man eben Spiritualität. Anselm Grün ist Projektionsfläche. Ich denke, dass er sehr wahrscheinlich ein sehr emphatischer Mensch ist, den viele Frauen aufsuchen und ihm schreiben, aus seelsorgerlichen Gründen und der wirklich helfen wollte und will … aber die Abzweigung verwechselt hat. Den breiten Weg mit dem schmalen Weg, Als Katholik ist das wohl… Weiterlesen »

Maschenka

Ich war vor vielen Jahren bei einer Veranstaltung mit Anselm Grün in einer ev. Kirche. Es waren hauptsächlich Frauen anwesend und alle „hingen an seinen Lippen“. Ich auch. Da hatte ich noch wenig Bibelkenntnis und war frisch im Glauben. Heute, fast 30 Jahre später, warne ich vor Anselm Grün. Man kann ganz klar nachweisen anhand seiner Schriften, dass er unbiblische Positionen vertritt und mit dem Buddhismus liebäugelt. Aber das scheint viele Christen, die seine Bücher lieben, überhaupt nicht zu interessieren. Bei einer Diskussion mit einer langjährigen Christin bin ich da nur auf taube Ohren gestossen. Da zählen die psychologischen Weisheiten mehr als die theologischen Irrtümer. Sein Lächeln und seine Sanftheit tun ein Übriges und lullen einen förmlich ein. Ich kann verstehen, dass Nichtchristen ihm folgen, aber wieso bibelkundige Christen seine Lehren nicht durchschauen, ist schwer zu begreifen. Ebenso wie der ganze Sarah-Young-und-Hütte-Hype.