2019

Organspende? Christlich-ethische Entscheidungshilfen

Die nachfolgende Rezension zu dem Buch:

  • Christoph Raedel. Organspende? Christlich-ethische Entscheidungshilfen. Gießen: Brunnen Verlag, 2019. ISBN 978-3-76554345-6. € 9,95.

erschien in der Zeitschrift GLAUBEN UND DENKEN HEUTE 1/2019 (Nr. 23), S. 54–55):

41hms3Ey4fL SX320 BO1 204 203 200Seitdem Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) seinen Gesetzentwurf zur Organspende vorgelegt hat, wird im öffentlichen und privaten Raum wieder einmal intensiv über das Spenden von Organen debattiert. Die Gruppe um Spahn und den SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach will rechtlich eine sogenannte „Widerspruchslösung“ durchsetzen. Diese sieht vor, dass sich jeder Bürger ab 18 Jahren entscheidet, ob er zur Organspende im Fall des eigenen Hirntods bereit ist. Jugendliche ab 16 Jahren sollen die Möglichkeit bekommen, sich aktiv als Organspender zu melden. Widerspricht man nicht oder trifft keine Entscheidung, wird man automatisch als Spender registriert.

Professor Raedel liefert nun mit seinem Buch Organspende? einen eigenen, christlich motivierten Diskussionsbeitrag. Er setzt sich auf den knapp einhundert Seiten ausschließlich mit Verpflanzungen von Organen auseinander, die Menschen nach einer Todesfeststellung entnommen wurden. Bei so einer „postmortalen Organspende“ stellen verstorbene Spender die eigenen Organe für eine Übertragung (Transplantation) zur Verfügung. Diese Spenderorgane werden dann an die passenden Patienten, die auf ein Organ warten, vermittelt. Lebendspenden oder Blutspenden werden in dem Buch nicht verhandelt, da sie Spender und Empfänger vor andere ethische Herausforderungen stellen. Auch der kriminelle Handel mit Organen wird nicht explizit beleuchtet.

Zum Eingang liefert der Autor einen kurzen Rückblick auf die noch junge Geschichte der Organspende. Obwohl wahrscheinlich schon vor 2500 Jahren in Indien Heiler in der Lage waren, Haut zu verpflanzen, und schon im 19. Jahrhundert mit Organübertragungen experimentiert wurde, konnte sich das Verfahren erst im 20. Jahrhundert durchsetzen. Seit den 70er-Jahren zählen Organverpflanzungen zu den standardisierten Maßnahmen. Die erste Niere wurde 1954 in Boston (USA) verpflanzt, das erste Herz 1963 in Südafrika (wobei der Patient allerdings wenige Tage nach der OP starb). Die größte Herausforderung für die Transplantationsmedizin war und ist die Abstoßreaktion des Organismus. Erst mit der Einführung des Immunsuppressivums Cyclosporin A Anfang der 80er-Jahre konnten die Erfolgsraten bei Übertragungen deutlich gesteigert werden. Heute ist es durch die Immununterdrückung möglich, mit Transplantationen von Nieren, Lebern, Lungen, Herzen, Bauchspeicheldrüsen oder seltener Darmgewebe das Leben eines Spendenempfängers beträchtlich zu verlängern. Gegenwärtig werden etwa bei Leberübertragungen Einjahres-Überlebensraten von über 90%, 5-Jahres-Überlebensraten von über 80% und 10-Jahres-Überlebensraten von über 70% erreicht.

Der Autor erläutert anschließend die derzeitigen rechtlichen Rahmenbedingungen und den Ablauf von Transplantationen. Er erörtert das Transplantationsgesetz vom 5. November 1997 sowie den Organspendeausweis und die Patientenverfügung. Ausführlich referiert Raedel das Hirntodkriterium (S. 25–42). Pro- und Contraargumente werden gründlich abgewogen. Letzte Spannungen lassen sich gleichwohl nicht aufheben, da bei der Todesfeststellung neben medizinischen auch philosophische Vorstellungen hineinspielen. Folgendes Zitat deutet die Grenzen einer rein medizinischen Todesfestellung an:

„Ob man der Auffassung vom Gehirn als zentraler Steuerungsinstanz des Organismus folgt oder nicht, entscheidet wesentlich darüber, wie man die intensivmedizinisch-apparativ aufrechterhaltene [sic!] Lebensfunktionen beim Hirntoten interpretiert. Dass der Hirntote unter den Bedingungen lebenserhaltender Maßnahmen wie ein Lebender aussieht, steht außer Frage. Und doch kann er die Hauptfunktionen seines Körpers, wie Atmung und Blutkreislauf, nur mit Unterstützung eines externen Apparats wie dem Beatmungsgerät aufrechterhalten. Sicherlich ist der Hinweis eindrücklich, ‚dass bei Hirntoten noch eine Wundheilung stattfindet, dass sie Fieber entwickeln können, dass sie eine Immunabwehr haben, dass bei hirntoten Kindern eine sexuelle Reifung und ein Körperwachstum zu beobachten ist, dass Hirntote auf bestimmte Reize mit einer erhöhten Herzfrequenz und mit erhöhtem Blutdruck, ja mit der Ausschüttung von Stresshormonen reagieren‘. Und doch muss man deutlich sagen, dass der Körper dies aufgrund der maschinellen Aufrechterhaltung des Herz-Kreislauf-Systems tut und er diese Aktivitäten bei Abschalten der Beatmung unverzüglich einstellen würde.“ (S. 41)

Sehr informativ und erhellend sind die Überlegungen zur Machbarkeit. Dürfen wir alles, was wir tun können? „In den postchristlichen Gesellschaften des Westens, in denen der Gottesgedanke für gesellschaftliche Debatten keinen maßgeblichen Einfluss mehr beanspruchen darf, ist die Vorstellung eines ewigen Lebens weithin verblasst. Unter diesen Voraussetzungen wird ein möglichst langes, selbstbestimmt geführtes irdisches Leben zur Leitvorstellung der liberalen Gesellschaft“ (S. 41). In Deutschland wird die Aufklärung in Sachen Organspende von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) verantwortet. Allerdings entstünde der Eindruck, dass die Zentrale mehr Werbung für Organspende als Aufklärung betreibe. Eine Untersuchung von 32 Kurzfilmen der BzgA zum Thema belege, dass tendenziell Reklamefilme entstanden seien, mit denen für die Einwilligung zur Organspende geworben werde. Die medizinischen und ethischen Probleme seien fast vollständig ausgeklammert worden. Im Mittelpunkt „stehen Organempfänger, die größtenteils als junge, sportlich aktive, gesund lebende, familiär eingebundene und produktiv im Arbeitsleben stehende Personen inszeniert werden“ (S. 49).

Die von der Gruppe um Jens Spahn angestrebte Widerspruchslösung lehnt Raedel ab. Internationale Vergleiche zeigten, dass sich Spendenbereitschaft auch ohne Zwang erreichen lasse (vgl. S. 51–53). Vor allem aber gälte: Die Widerspruchslösung „macht die Organspende faktisch — wenn auch nicht dem Wortlaut des Gesetzes nach — zur Bürgerpflicht und greift damit in das Selbstbestimmungsrecht der Person ein, weil sie das Nichtvorliegen einer Willensbekundung als Einwilligung in die Organspende deutet. Auf diese Weise werden die Organe eines Menschen quasi als Eigentum der Gemeinschaft angesehen, die mit seinem (Hirn-) Tod zur Verwertung freigegeben sind. Das aber ist unzulässig, weil eine Spende grundsätzlich die Bereitschaft zu spenden voraussetzt, diese Bereitschaft aber nicht einfach unterstellt werden darf, nur weil keine Willensbekundung vorliegt“ (S. 54).

Ab Seite 57 rücken biblisch-theologische Überlegungen in den Fokus. Der Mensch habe – so schreibt der Autor – es verlernt, als Geschöpf zu leben. Das Kernproblem menschlichen Daseins läge „in der Unfähigkeit, sich in heilsamer Selbstbegrenzung zu üben“ (S. 59). Nur wer sein irdisches Leben im Horizont der Ewigkeit lebe, werde gleichermaßen frei von Lebensverachtung und Lebensvergötterung. Einerseits könne zwar die Theologie die medizinischen Unsicherheiten nicht verbindlich klären. Andererseits dürften ethische Fragen nicht einfach offengelassen werden. Zwar liefere so Raedel – die Bibel, wie auf anderen Gebieten moderner Wissenschaftspraxis auch, keine direkten Antworten. Sie gebe aber ein Orientierungswissen, eine „Einweisung in ein Leben der Christus-Nachfolge“ (S. 80). Der Verfasser spürt den verschiedenen Argumentationssträngen nach und wägt sie sachlich ab. Er will dem Leser die Verantwortung für die eigene Entscheidung nicht abnehmen, sondern helfen, gut informiert eigene Urteile zu fällen.

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Aufbaukurs I:„Christozentrische Seelsorge“

Vom 17.–22. November 2019 werden wir in Friedrichshafen am Bodensee einen Aufbaukurs zur „Christozentrischen Seelsorge“ anbieten. Folgende Themen sind geplant:

  • Bildschirmfoto 2019 06 27 um 17 17 31Biblische Seelsorge I-III (Michael Martens)
  • Kommunikation I-II (Karsten Kranzmann)
  • Der ganze Mensch vor Gott: Leiblichkeit als vernachlässigte Dimension der Seelsorge (Thomas Jeising)
  • Die Gedanken- und Gefühlswelt als Thema in der Seelsorge (Lilia Stromberger)

Es sind noch einige Plätze frei. Mehr Informationen und eine Anmeldemöglichkeit finden Sie hier: Seelsorge Nov._2019.pdf

UK: Richter verliert Job wegen christlicher Aussage

Richard Page wurde im Jahr 2015 als Richter entlassen, weil er öffentlich sagte, es sei für ein Kind am besten, „von einem Mann und einer Frau adoptiert zu werden“. Der Richter legte Berufung ein und verlor. LIVENET berichtet:

«Ich bin zutiefst enttäuscht, dass das Gericht entschieden hat, dass die Aussage ‚ein Kind hat es besser mit einem Vater und einer Mutter‘ Grund ist, einen Richter aus dem öffentlichen Amt zu entlassen», erklärte Page nach dem Urteil. Besonders enttäuscht zeigte der frühere Richter sich, dass die Verbindung zwischen seinem Glauben und seiner Aussage vom Berufungsrichter Choudhry nicht akzeptiert wurde. «Das zeigt, dass wir heute in einer zutiefst intoleranten Gesellschaft leben, die keinerlei Abweichung von politisch korrekten Ansichten erträgt.» Er drückte die Hoffnung aus, auch gegen diesen Gerichtsentschluss Berufung zu gewinnen und die «Redefreiheit in diesem Land wiederherzustellen».

Mehr: www.livenet.ch.

Wieso die Welt Jordan Peterson braucht

Rassist, Frauenhasser, Chauvinist: Der kanadische Star-Intellektuelle kommt in den Feuilletons für gewöhnlich schlecht weg. Ein genauerer Blick in seine Bücher und Interviews zeigt: zu Unrecht. In der NZZ ist ein fairer Artikel über Peterson erschienen:

Damit lebt Peterson das aus, was im Zeitalter der Identitätspolitik immer mehr verloren geht: dass Menschen wieder auf die eigene Vernunft vertrauen und ihre Gegenüber nicht als Vertreter irgendeiner Gruppe, sondern als eigenständige Persönlichkeiten wahrnehmen, auf die man achten, auf die man eingehen und die man respektieren sollte.

Mehr: www.nzz.ch.

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Moralischer Totalitarismus

Ich finde es erfrischend, wenn linke Denker wie Svenja Flaßpöhler feststellen, dass Betroffenheitsgesten die Diskussionskultur in der Gesellschaft und an den Hochschulen nicht nur beschädigen, sondern erdrücken. Das Ende eines Debatten-Diskurses ist ganz schnell erreicht; wenn „an die Stelle von Argumenten Gefühle treten, ist an Diskutieren nicht zu denken. Das würgt alles ab“.

Svenja Flaßpöhler:

Der zentrale Unterschied ist doch der: Der Faschismus wendet sich gegen Minderheiten, gegen Schwache. Wenn aber zum Beispiel Studierende dafür kämpfen, dass ein Eugen-Gomringer-Gedicht von der Wand ihrer Hochschule verschwindet, dann ist der Feind der weiße, erfolgreiche Mann. Dreh- und Angelpunkt ist also das Verhältnis von Privilegierten und Nichtprivilegierten. Oder auch: von Betroffenen und Nichtbetroffenen. Es gibt im Feminismus die sogenannte Standpunkttheorie, die besagt, dass jede Position an einen Standpunkt gebunden ist, aber dass die Unterdrückten einen objektiveren Zugang zur Wahrheit haben, weil sie viel mehr sehen als die privilegierte Gruppe, die gar kein Interesse an einer höheren Erkenntnis hat. Sicher ist es richtig, dass ich nicht weiß, wie es ist, eine schwarze Hautfarbe zu haben. Insofern kann mich die Sicht eines dunkelhäutigen Menschen, der tagtäglich Diskriminierung erfährt, zu neuen, wertvollen Einsichten führen. Problematisch finde ich aber, wenn Menschen, die keiner solch unterdrückten Gruppe angehören, unterstellt wird, dass sie zu bestimmten Themen nichts Wertvolles sagen können. Ich als weiße, heterosexuelle Frau in einer Führungsposition habe in bestimmten Themenkomplexen ganz schlechte Karten.

Ich empfehle die vollständige Lektüre dieses Interviews mit der Chefredakteurin des Philosophie Magazins gern: taz.de.

Die Aufgabe der Theologen

Es lohnt sich, mal zu vergleichen, wie ein Reformator die Aufgabe eines Theologen gesehen hat und wie heute viele Theologen ihren Arbeitsauftrag beschreiben.

Philipp Melanchthon in seinen Loci praecipui theologici (2018, Bd. 1, S. 3):
Ich gebäre nicht neue Meinungen und ich fühle, dass es kein größeres Verbrechen in der Kirche Gottes gibt, als mit neuen Meinungen, die erfunden werden müssen, zu spielen und von den Schriften der Propheten und Apostel und vom wahren Zeugnis der Kirche abzuweichen.

Miroslav Volf u. Matthew Coasmun in ihrem Manifest Für das Leben der Welt (2019, S. 128):
Die Aufgabe der christlichen Theologinnen und Theologen entspricht der der Evangelisten und Apostel von damals: Aufbauend auf ihrer „Aufführung“ und innerhalb des von Christus geöffneten und strukturierten Raumes improvisieren wir eine universale Vision des erfüllten Lebens für eine ganz bestimmte Zeit und einen spezifischen Ort. So etwa können wir uns die Arbeit von Leuten wie Augustinus, Maximos dem Bekenner und Luther oder, zeitlich näher zu uns, C.S. Lewis, Howard Thurman, Jürgen Moltmann, Gustavo Gutierrez oder Kathryn Tanner vorstellen. Ja, so können wir uns das Leben jedes einzelnen Christen vorstellen – improvisiert entweder aus der direkten Lektüre der Evangelisten und Apostel oder vermittelt durch das Werk eines späteren Theologen bzw. einer Theologin.

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Grün ist die Redaktion

Der Politologe Wolfgang Bok beobachtet und beschreibt die Schieflage im deutschen Journalismus:

Während Interviews mit liberalen oder konservativen Politikern inquisitorischen Verhören gleichen, muss das grüne Spitzenpersonal kaum fürchten, dass sein moralischer Rigorismus mit praktischen Einwänden blossgestellt wird. Schliesslich entstammt man oft genug demselben postmaterialistischen, städtischen Milieu und teilt die grünen Ängste. Sorgen der Rechten, etwa wegen «ungesteuerter Zuwanderung» oder «Ausländerkriminalität», werden hingegen als böse Phobien abgetan. Eine Redaktorin des ZDF-Hauptstadtstudios erklärt via Twitter kurzerhand alle zu Nazis, die «nicht Grün wählen» [Anm. R.K.: Die ZDF-Reporterin Nicole Diekmann twitterte am Neujahrstag 2019: «Nazis raus».  Auf die Frage «Wer ist denn für Sie ein Nazi?» antwortete sie ironisch: «Jede/r, der/die nicht die Grünen wählt.»]. Selbst in Springers «Welt», die gemeinhin als konservativ gilt, habe eine anonyme Befragung unter den Mitarbeitern eine klare rot-grüne Mehrheit ergeben, verdeutlicht deren heutiger Vorstandschef Mathias Döpfner den wachsenden Hang zum links-grün geneigten Aktivismus.

Hier der NZZ-Artikel: www.wn.de.

Die EU muss sich dringend wandeln, um zu überleben

Der Kölner Politikwissenschaftler Heinz Theisen hat für die NZZ die Selbstgefälligkeit der Europäischen Union sehr treffend kommentiert: 

Die grösste Bedrohung Europas liegt in der Selbstgefälligkeit jener, die diese Bedrohungen nicht wahrhaben wollen. Für sie scheint die einzige Gefahr in der Angst vor den Folgen ihrer Politik zu liegen, in «Rechtspopulismus und Nationalismus», also in den Symptomen und nicht in den Ursachen.

Es wäre billig, dieses Elitenversagen allein den Politikern in die Schuhe zu schieben. Mit einer Verzögerung von zwei Jahrzehnten haben die esoterischen Theoriemoden aus den Geistes- und Sozialwissenschaften in Medien und Parlamenten Einzug gehalten. Für relevante neue Themen bleibt wenig Aufmerksamkeit. So erregt sich die diskutierende Klasse lieber über geschlechterneutrale Sprache und über die Toilettenordnung für 72 Geschlechter als über die akuten Bedrohungen des europäischen Wertekanons. Man ist erinnert an das «byzantinische Geschwätz» über theologische Spitzfindigkeiten, selbst als die Osmanen schon vor den Mauern Konstantinopels standen.

Diskurse über Selbstbehauptung sind durch die Axiome der politischen Korrektheit, einer Mischung aus kulturmarxistischem Gleichheitswahn und postmoderner Beliebigkeit, faktisch untersagt. An die Stelle dialektischer Argumentation ist wechselseitige Diffamierung getreten. Von einer Suche nach dem besseren Argument, dem erkenntnistheoretischen Trumpf der Demokratie, kann keine Rede mehr sein.

Mehr: www.nzz.ch.

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Warum sich alle Christen möglichst frei in der Heiligen Schrift umtun sollen

Philipp Melanchthon schreibt in den Loci Communes von 1521 (1997, S. 15):

Denn im allgemeinen halte ich nicht viel von den Kommentaren, nicht einmal von denen der alten [Väter]. Ich bin weit davon entfernt, daß ich irgend jemand durch eine meiner längeren Schriften vom Studium der kanonischen Schrift abhalten will. Im Gegenteil wünschte ich nichts so sehr, als daß ‐ wenn irgend möglich ‐ alle Christen sich möglichst frei nur in der heiligen Schrift umtun und völlig in ihre Wesensart umgestaltet werden. Denn da die Gottheit ihr ihr vollkommenstes Bild eingeprägt hat, wird sie anderswoher weder sicherer noch näher erkannt werden.

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