Kuyper: Das Wort Gottes

Abraham Kuyper schreibt über das Wort Gottes:

Man muss wohl unterscheiden zwischen „Wort Gottes“ im absoluten Sinn und dem Wort Gottes, wie es uns geoffenbart und der Kirche in der Heiligen Schrift gegeben ist. Die Heilige Schrift hört einmal auf. Wenn das Ende aller Dinge gekommen ist, wird auch die Schrift mit dieser ganzen Erde dahin sein. Es ist nicht so, als wäre in der Bibel als Buch irgendeine magische Kraft vorhanden, die schon als solche auch ohne die Einwirkung des Heiligen Geistes ihren Dienst täte. Das Buch als solches ist eine Sammlung bedruckten Papiers. Was darin Kraft besitzt, ist allein das Wort Gottes, das durch die Schrift rauscht, und dieses Wort Gottes wird uns nur bewusst durch die erleuchtende und versichernde Wirkung des Heiligen Geistes.

Wenn wir von der Heiligen Schrift als „Wort Gottes“ reden, meinen wir ein bestimmtes Wort Gottes, und zwar das Wort, wodurch er seine Gnade oder sein Evangelium geoffenbart hat mit alledem, was zum rechten Verstand dieses Evangeliums nötig ist. Daher unser ernster Protest gegen die Behauptung, wir hätten wohl in der Schrift ein Wort Gottes, aber die Heilige Schrift sei nicht selbst Gottes Wort. Das ist Unsinn … Obwohl das, was der Mensch sprach, Menschenwort bleibt, so dient es doch alles dazu, um uns das eine Wort von Gottes Gnade in seinem Reichtum und seiner Wirkung auf unser Herz verstehen zu lehren.

Kommentare

  1. Daher unser ernster Protest gegen die Behauptung, wir hätten wohl in der Schrift ein Wort Gottes, aber die Heilige Schrift sei nicht selbst Gottes Wort.

    Ja – so isses 😉
    Für die bayerischen Grundschulen erscheint gerade ein neuer Lehrplan, auch für den Religionsunterricht. Sowohl der katholische als auch der evangelische Lehrplan betonen, dass es sich bei der ‚Heiligen Schrift‘ nur um Erfahrungsberichten von Menschen handelt, also welche Erfahrungen sie mit ihrem Glauben an Gott gemacht haben. Traurig.

  2. Mark.us meint:

    So anders als später bei Barth klingt Kuyper hier nicht. Sehr prägnant und auf den
    Punkt.

  3. Barth lehrt, die Bibel sei nicht das Wort Gottes. Ob dies nun der Aussage Kuypers entspricht, mag jeder selbst beurteilen.

    Liebe Grüße, Ron

  4. Raphael Schuster meint:

    Was ist die Quelle dieses Zitats? Danke!

  5. A. Kuyper, Die Kirche Jesu Christi, 1926, S. 53f.

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