Dylan – Aus tiefster Not schreit er zu ihm

51zhUff5OaL._AA300_.jpgEs ist nicht das erste und hoffentlich auch nicht das letzte religiöse Album von Bob Dylan. „Tempest“ aber überzeugt selbst Zweifler: Der Theologen Knut Wenzel hat für die FAZ die CD der Woche besprochen:

Und jetzt also: „Tempest“, statt eines religiösen Albums. Es ist ein grandioses Pop-Album geworden. Das rein Religiöse ist nicht seine Antithese, sondern sein doppelter Boden. „Tempest“ ist durchtränkt von religiöser Metaphorik, aber es ist keineswegs ein religiöses Album. Oder wir müssen an Kunstwerken wie diesem lernen, dass wir nicht mehr wissen, was eine rein religiöse und was eine bloß profane Äußerung ist. Das religiöse Ausdrucksrepertoire ist, aufs Ganze gesehen, unüberschaubar; dem engeren jüdisch-christlichen Feld aber entnimmt Dylan ein Lieblingsidiom; oft und oft hatte man sich gewünscht, er würde ablassen von ihm: dem der Apokalyptik. Hier nun überzeugt dies Idiom mit einem Mal auch den Skeptiker.

Wie sieht die Apokalypse nach Bob Dylan im Jahr 2012 aus? Sie hat alle selbstgerechte Überheblichkeit verloren. Sie verdammt nicht mehr die Welt ob ihrer Schlechtigkeit, sie beklagt ihren Nieder- und Untergang. Nicht mehr von Hass ist diese apokalyptische Vision befeuert, wenn man einmal vom Hasslied „Pay in Blood“ absieht, das zugleich der funkigste Song des Albums ist. Vielmehr wird die Klage von Wertschätzung gewärmt.

Mehr: www.faz.net.

 

 

Die Auferstehung

Der Althistoriker Jürgen Spieß, Leiter des Instituts für Glaube und Wissenschaft, hat kürzlich in der Mennonitischen Freikirche Wels einen Vortrag über die Historizität der Auferstehung gehalten. Der Vortrag ist stellenweise sehr persönlich gehalten und mit einer (fast britischen) Portion Humor gewürzt. Spieß landet am Ende zielgenau auf dem Punkt. Ein guter „Anstoß“ für Leute, die meinen, Heilsgeschichte habe mit der Historie nichts zu tun.

Hier:

Die Wiege der Christenheit ist bedroht

Die Wiege der Christenheit im Nahen Osten ist zunehmend bedroht. Vor rund 2.000 Jahren verbreitete sich der Glaube an Jesus Christus vom Heiligen Land aus rasch in den gesamten Nahen und Mittleren Osten sowie nach Nordafrika. Doch heute stehen die Christen in dieser inzwischen meist islamisch geprägten Region unter starkem Druck – durch extremistische Muslime oder staatliche Repressionen.

idea schreibt:

Die Wiege der Christenheit im Nahen Osten ist zunehmend bedroht. Vor rund 2.000 Jahren verbreitete sich der Glaube an Jesus Christus vom Heiligen Land aus rasch in den gesamten Nahen und Mittleren Osten sowie nach Nordafrika. Doch heute stehen die Christen in dieser inzwischen meist islamisch geprägten Region unter starkem Druck – durch extremistische Muslime oder staatliche Repressionen. Der mit vielen Hoffnungen verbundene Arabische Frühling bringt den christlichen Minderheiten keine guten Aussichten. Vielmehr werden ihre Freiheiten und ihr gesellschaftlicher Status durch neue islamistische Regierungen weiter eingeschränkt; die Verfolgung nimmt zu. Hunderttausende Christen haben bereits ihre Heimat verlassen. Darauf macht das Hilfswerk für verfolgte Christen „Barnabas Fund“ (Pewsey/Südengland) in einer Dokumentation aufmerksam.

Dabei handelt es sich keineswegs durchweg um winzige Minderheiten. Fast jeder zehnte (9,7 Prozent) der 173,3 Millionen Einwohner in den 20 Ländern der Region – von Marokko im Westen bis Oman im Osten (einschließlich Israel und den Palästinensergebieten) – ist Christ. Den höchsten Anteil weist der Libanon auf, wo 39,3 Prozent der 4,3 Millionen Einwohner Christen sind. In Kuwait leben unter den 2,8 Millionen Einwohnern 430.000 Christen; das sind 15,3 Prozent. Jeweils um die zehn Prozent sind es in Ägypten (83,6 Millionen Einwohner) und Syrien (22,5 Millionen). Unter 0,1 Prozent liegt der Anteil der Christen im Jemen (24,8 Millionen Einwohner), Marokko (32,3 Millionen) und der Türkei (74,7 Millionen). In der Islamischen Republik Iran mit 74,8 Millionen Einwohnern leben nach Schätzungen von Barnabas Fund etwa eine Million Christen – 1,3 Prozent. Damit ist ihr Anteil dort ebenso hoch wie im benachbarten Irak (31,2 Millionen Einwohner). Im strikt islamischen Saudi-Arabien sind 5,4 Prozent der 26,5 Millionen Einwohner Christen – fast ausschließlich Beschäftigte aus dem Ausland. Ähnliches gilt für die Golfstaaten: Die Vereinigten Arabischen Emirate haben einen christlichen Bevölkerungsanteil von 8,8 Prozent; in Katar sind es 8 und in Bahrain 6,6 Prozent.

Mehr: www.idea.de.

Inklusion mit Augenmaß

Manchem gilt Inklusive als Zauberwort, das eine neue pädagogische Epoche einläuten soll. Erzwungene Gemeinsamkeit aller hilft aber weder den behinderten noch den nichtbehinderten Kindern. Heike Schmoll wirbt dafür, Freiräume für individuelle Entscheidungen zu erhalten – für die Eltern und vor allem ihre behinderten Kinder.

Nicht nur in Hamburg ist die gemeinsame Beschulung von behinderten und nichtbehinderten Kindern an die Stelle der Utopie von der Einheitsschule getreten. Inklusion scheint für viele das Zauberwort zu sein, das eine neue pädagogische Epoche einläuten soll. Völlig unklar ist indessen, wie der gemeinsame Unterricht in Schulen eigentlich verwirklicht werden soll. Weder sind die meisten Gebäude barrierefrei, noch verfügen die Schulen über Lehrer, die für die neue Aufgabe auch nur annähernd ausgebildet wären. Wer die Inklusion als quasi-totalitären Anspruch an Schulen zu kritisieren wagt, setzt sich dem Verdacht aus, der Selektion anzuhängen und sich den Forderungen der UN-Behindertenrechtskonvention zu widersetzen.

Doch davon kann keine Rede sein. In der UN-Konvention, der mehr als 150 Staaten einschließlich der Bundesrepublik zugestimmt haben, geht es ganz elementar darum, Menschen mit Behinderungen Zugang zum staatlichen Bildungssystem zu geben. Den haben sie in Deutschland längst, und zwar je nach Grad der Behinderung an allgemeinbildenden Schulen oder Förderschulen, die in der Konvention ausdrücklich nicht als Form von Diskriminierung gebrandmarkt werden, sondern als behindertengerechte Förderung. Würde dies erst einmal zur Kenntnis genommen, könnte die emotionalisierte Debatte über die Inklusion erheblich sachlicher geführt werden.

Hier der ausgezeichnete Kommentar: www.faz.net.

Als David Foster Wallace einen Killer anheuerte

Seit seinem Selbstmord wird er fast wie ein Heiliger verehrt. Jetzt ist in den USA die erste Biografie über den letzten postmodernen Schriftsteller des Maximal-Romans erschienen. Das Buch über David Foster Wallace sorgt für ziemlich viel Aufregung, weil es einen zerrissenen Unheiligen zeigt. Zu einem besseren Leben, so notiert er irgendwann auf ein Blatt Papier, würden „2-3 Stunden täglich schreiben“, „Kirche“ und „5 mal die Woche Selbsthilfegruppe“ gehören.

Hier der Artikel von Wieland Freund: www.welt.de.

Pakistan: Der Fall Rimsha Masih

Viele Nachrichtenagenturen haben berichtet, dass die pakistanische Polizei hat am 16. August ein 11 Jahre altes Mädchen festgenommen hat. Vermeintliche Zeugen haben sie beschuldigt, Seiten eines Korans verbrannt zu haben. Die Elfjährige gehört nach Angaben von polizeilichen Behörden der christlichen Minderheit an. Das Mädchen ist auf der Polizeistation gemäß dem Blasphemie-Gesetz festgenommen worden. Eine Untersuchung hat ergeben, dass das Mädchen mit dem Namen Rimsha Masih unter dem Down-Syndrom leidet. Aus Angst vor Racheakten von Muslimen sind 600-1000 Christen aus dem Slum Meherabadi geflohen, um in anderen Regionen der Hauptstadt Islamabad Schutz zu suchen.

Inzwischen ist es zu einer Kehrtwende in diesem Fall gekommen. Ein radikaler Mullah, der verdächtigt wird, gegen die junge Christin gehetzt zu haben, ist festgenommen worden. Er soll Beweise manipuliert haben, um dem Mädchen ein Verfahren wegen Koran-Verbrennung anzuhängen, meldet u.a. der SPIEGEL.

Der DLF hat derweil einen nicht mehr ganz aktuellen aber informativen Beitrag über diesen Fall und die Problematik des Blasphemie-Gesetzes ausgestrahlt:

100 Jahre John Cage

John Cage wäre heute 100 Jahre alt geworden. Er brachte die Philosophie des Zufalls in die Musik und prägte damit die U-Musik und das Kunstverständnis des 20. Jahrhunderts. In den Feuilletons wimmelt es heute nur so von Würdigungen. Die FR stellt in ihrer Printausgabe sogar Cage als Pilzexperten vor.

Im Andenken an die Zufallsmystiker hier zwei Zitate von Francis Schaeffer:

Wie können wir den leben, 2000, S. 194:

Cage glaubte, dass das Universum ein zufälliges Universum sei, und um dies klar zum Ausdruck zu bringen, produzierte er seine Musik durch Zufall. Er versuchte, dies mit totaler Konsequenz zu betreiben. Manchmal komponierte er mit Hilfe des „Münzenwerfens“. Ein anderes Mal stellte er eine Maschine auf, die ein Orchester durch zufällige Bewegung dirigierte, damit die Musiker nicht wußten, was als nächstes kommen sollte. Oder er stellte zwei Dirigenten, jeder für den anderen unsichtbar, vor dasselbe Orchester, um eine völlige Verwirrung zu erreichen. Auch hier besteht wieder eine enge Verbindung zur Malerei. Cage nannte eine Komposition aus dem Jahre 1947 Musik für Marcel Duchamp. Aber Cage erreicht durch seine Zufallsmusik nichts als Lärm. Einige seiner „Musikstücke“ bestehen aus bloßem Schweigen (unterbrochen lediglich von gelegentlichen Geräuschfetzen, die aus der Umwelt aufgenommen sind), aber sobald er anfing, seine Zufallsmethode anzuwenden, entstand nichts als Lärm. Aber auch bei Cage zeigte sich, daß man auf dieser Basis nicht leben kann, weil die Zufallsvorstellung in bezug auf das Universum mit dem tatsächlichen Universum nicht übereinstimmt. Cage ist ein Experte auf dem Gebiet der Mykologie, der Pilzkunde. Er selbst war es, der sagte: „Mir wurde klar, daß ich sehr bald ein toter Mann wäre, wenn ich nach meiner Zufallsmethode Pilze sammeln würde.“ Bei der Pilzsuche muß sehr sorgfältige Unterscheidung angewandt werden. Cages Theorie vom Universum stimmt eben mit der Realität des Universums nicht überein.

Kirche am Ende des 20. Jahrhunderts, 1973, S. 24:

Leonard Bernstein bot ihm einmal für einen Abend die Leitung des New Yorker Philharmonischen Orchesters an. Cage dirigierte ein Stück seiner eigenen Zufallsmusik, und als es zu Ende war und er sich vor dem Publikum verbeugen wollte, glaubte er Dampf aus der Dampfheizung entweichen zu hören. Dann merkte er, daß die Orchestermitglieder zischten. Aus John Cages Kommentaren geht hervor, daß es ein traumatisches Erlebnis gewesen sein muß. Aber ich habe oft darüber nachgedacht, was ich an diesem Abend den Musikern gerne gesagt hätte. Ich bin überzeugt, hätte man sich eine Stunde mit ihnen unterhalten, dann hätte man festgestellt, daß die meisten von ihnen in Wirklichkeit dieselbe Philosophie vertreten, die auch John Cage vertritt — daß das Universum mit dem Unpersönlichen plus Zeit plus Zufall begonnen hat. Aber warum haben sie dann gezischt? Sie zischten, weil ihnen das Resultat ihrer eigenen Lehre nicht gefiel, als es ihnen in dem Medium vorgeführt wurde, für das sie ein feines Empfinden hatten. Sie zischten sich in Wirklichkeit selbst aus.

Eine große Zahl von Eltern und Professoren zischt sich selbst aus. Was die Studenten tun, passt ihnen nicht. Sie sind nicht damit einverstanden, was diese ganze Generation tut. Aber genau wie die Musiker haben sie sich eines nicht klargemacht: dass sie im Grunde dasselbe glauben und unaufrichtig — oder zumindest inkonsequent — sind, indem sie nicht das tun, was ihre Kinder tun. Ihre Söhne und Töchter haben einfach das angenommen, was die Eltern sie gelehrt haben, und haben es zum logischen Schluss geführt.

Judith Butler – die Genderkönigin

Am 11. September bekommt die Amerikanerin Judith Butler den Theodor W. Adorno-Preis verliehen. Butler ist die bedeutendste Ikone der weltweiten Gender-Ideologie. Sie zählt fernerhin zu den Intellektuellen, die für den radikalen Abschied vom abendländischen Familienbegriff plädieren. Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat sich klar gegen die Preisverleihung ausgesprochen, weil sie israelfeindliches Gedankengut propagierte. Butler hat diese Vorwürfe als verleumderisch und haltlos bezeichnet. Wer erfahren möchte, was die Jüdin Butler über Israel, Hamas und Hisbollah denkt, kann sich z.B. die Aufzeichnung dieser Berkeley-Vorlesung und –Diskussionsrunde anschauen.

Ich habe in den vergangenen Tagen schon einige Lobtexte gelesen und Lobreden gehört. Der Beitrag, den Bettina Röhl für die Wirtschaftswoche verfasst hat, ist – wie zu erwarten – sehr scharf, hebt sich dafür aber wohltuend vom systemkonformen Geschwafel ab.

Butler ist eine genialische Propagandistin und Aktionistin. In diesen Fächern hätte sie Nobelpreisniveau. Wo sie auftritt macht sie alles mundtot und was nicht ihrer Meinung ist, echauffiert sich zumindest fürchterlich über den Unsinn, den sie als die reine und nichts als die reine Wirklichkeit verkauft. Sie sei ein schreckliches „Problemkind“ gewesen, aber ein besonders „kluges“, so Butler über Butler. So gesehen kann man sagen, Butler polarisiert. Nur eines kann man nicht sagen, dass sie bei all den Themen, die sie mit einer furchtbaren Schärfe seziert, irgendwelche Ideen anböte, die gesellschaftsnützlich wären. Man muss sich im Angesichte von Butler wohl damit begnügen festzustellen, dass sie immer wieder mit großtuerischem Alarmismus und extremistischen Argumentationen Sand ins Getriebe wirft, was ihre Jünger dann gerne so beschreiben, dass Butler wieder mal Debatten oder Denkprozesse angestoßen hätte.

Auch zur Vorbereitung ihres Auftritts in Frankfurt setzt sich Butler in deutschen Medien schon einmal vor ab in Szene und stellt die Hierarchien klar: Butler-Kritiker, die von ihr noch etwas lernen können, ganz unten und Butler selber ganz oben.

Mehr: www.wiwo.de .

Der kulturelle Placebo-Effekt von „bio“

Auch die neuesten ernüchternden Fakten zu Bio-Lebensmitteln werden den Glauben an die heilsbringende Wirkung von „bio“ nicht erschüttern. Wir unterliegen längst kulturellen Placebo-Effekten, meint Richard Herzinger. Auch wenn ich die Natur deutlich förderlicher bewerte als er, stimme ich zu, wenn Herzinger von der Quasireligion Gesundheit spricht. Gesundheit ist sicher wichtig, macht aber nicht „heil“.

Den Glauben der Deutschen an die heilsbringende Wirkung der Biokost werden aber wohl auch diese ernüchternden Fakten kaum erschüttern können. Denn „bio“ ist längst zu einem Zauberwort geworden, das für einen neuen, quasireligiösen Kult steht: den um die Gesundheit. Diese nicht nur zu erhalten, sondern immer weiter zu steigern ist die Maxime. So entsteht die ebenso überfrachtete wie fälschliche Vorstellung, Nahrungsmittel hätten uns nicht nur satt und leistungsfähig zu machen, sondern könnten auch unsere Gesundheit optimieren. Und uns so dazu verhelfen, unser Leben zu verlängern.

Mehr: www.welt.de.

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